Mit dem Ausbau des BOKU-Standortes in Wien-Döbling entsteht bis 2009 für insgesamt 72 Mio € ein neues Kompetenzzentrum für Bio- und Lebensmitteltechnologie. Das Vienna Institute for Bioengineering and Technology (VIBT) soll auch als Biotech-Gründerzentrum herhalten.
Eine „schwere Geburt“ nennt es Wiens Bürgermeister Michael Häupl, der die Zukunft nicht „in Assembling-Werken, sondern in der Wissensproduktion“ sieht. Wissenschaftsministerin Elisabeth Gehrer nennt es eine „enorme Stärkung des Biotech-Standortes Wien“. Und BOKU-Rektor Hubert Dürrstein spricht von „einer idealen Ergänzung zum bestehenden Vienna Biocenter“.
Den beiden bestehenden BOKU-Gebäuden in der Wiener Muthgasse wird vis-à-vis ein L-förmiger Zubau angeschlossen.
Die Rede ist vom Vienna Institute for Bioengineering and Technology, kurz VIBT, lang: Ein 72 Mio € schwerer Zubau auf 30.000 m2, der die beiden Gebäude in der Muthgasse nachbarschaftlich beleben soll. Als Forschungscluster können ab 2009 so erstmals alle Fachrichtungen der Bio- und Lebensmitteltechnologie und -Verfahrenstechnik integriert werden. Über ein angeschlossenes Spin-off-Zentrum soll sich zudem ein reger Technologietransfer in die Praxis etablieren: Derzeit ist die Ansiedlung einer Lebensmitteluntersuchungsanstalt, einer Betriebshygieneeinrichtung, der Firmen Nanosearch und Polymun sowie des Studienganges Bioengineering der fh campus wien geplant.
Das VIBT wird 2009 auf eine insgesamt sechzehnjährige Planungsphase zurückblicken können. Denn der erste Bau – „Muthgasse I“ mit Schwerpunkt Mikrobiologie und Wasserwirtschaft – wurde bereits 1993 errichtet. 1999 folgte mit „Muthgasse II“ die Ansiedlung der Chemie, der angewandten Genetik sowie Teilbereiche der Lebensmitteltechnologie und der Botanik. Die Drittmittelquote gemessen am öffentlichen Budget liegt bei all diesen Departements bei nahezu 30 % – das ist mehr als das Doppelte des österreichischen Durchschnitts. Auf 6 bis 7 Publikationen je Wissenschaftler ist Dürrstein heute stolz.
Für Porr-Chef Horst Pöchhacker ist jedenfalls klar, dass „man eine High-Tech-Hülle wie die nunmehr zu errichtende nicht von der Stange bestellen kann“, sondern es einer maßgeschneiderten Lösung verlangt. Eine solche hat er gemeinsam mit Töchtern von Bank Austria (BAI), Wiener Städtischen (MAP) und Stadt Wien (Wiener StadtentwicklungsgmbH) ventiliert und damit gegen ein Konsortium von Raiffeisen und VAMED den Vorzug bekommen.
Nano-Know-how. Mit dem neuen Gebäudekomplex wird auch die Integration des Zentrums für NanoBiotechnologie möglich – „die erste Einrichtung seiner Art an einer österreichischen Universität“, so deren Chef Uwe Sleytr. Gearbeitet soll dort an der Entwicklung molekularer Baukastensysteme für Anwendungen in der Diagnostik, der Trenntechnik, bei Impfstoffen und immunmodulierenden Komponenten sowie für die Allergiebehandlung, biomimetische Virushüllen und stabilisierte Lipidmembrane.
Sanfte Bio-Power. Einig sind sich die künftigen „Mieter“ des VIBT in der fachlichen Ausrichtung. Hermann Katinger vom Institut für Angewandte Mikrobiologie umschreibt es so: „Wir verwenden keine aggressiven Vorgehensweisen, sondern setzen auf sanfte Biotechnologie, wo insbesondere Zucker als Hauptrohstoffquelle für höherwertige Produkte wie etwa Biokunststoff dient.“ Mikroorganismen als moderne Arbeitssklaven, Kohlenhydrate statt Ethylen, so der Schlachtruf.
Ebenso sei klar: „Wir spielen dabei in keiner Regionalliga, sondern in der Champions League. Und dafür haben wir jetzt ein neues Stadion bekommen.“ Nachsatz: „Nur spielen müssen wir jetzt noch selber.“