Christian Kirchnawy hat am OFI die toxikolo- gischen Tests mit Rezyklaten aus den Extrusionsversu- chen durchgeführt. Assay benutzt, in dessen Zellen künstlich eine menschlicher Hormonrezeptor einge- baut wurde – und zusätzlich ein Glühwürm- chen-Gen, um die Bindung eines Analyten optisch detektieren zu können. Frank Welle hat mit seinem Team am Fraunhofer IVV die chemische Analyse über. Im ersten Schritt wird dabei ein gaschro- matographisches Verfahren eingesetzt, um die Proben aus den einzelnen Recycling- Loops zu charakterisieren. „Am Ende können wir die Chromatogramme übereinanderlegen und sehen, bei welchen Substanzen die Kon- zentration ab- oder zunimmt.“ Schwieriger wird es, wenn in diesem ersten Schritt eine Substanz auffällig ist, die man noch nicht identifiziert hat. „Das ist wie die Nadel im Heuhaufen zu suchen“, so Welle. In diesem Fall geht man mittels hochauflösender Mas- senspektrometrie an die Sache heran – eine Aufgabe, die man in der kurzen Projektzeit nicht für jede Probe leisten kann, für einzelne auffällige Proben aber schon. An beiden Instituten gleichermaßen ange- siedelt ist die sensorische Prüfung – was in diesem Fall heißt: Ein Panel von trainier- ten Personen versucht wahrzunehmen, ob Gerüche auftreten, die man bei einer Lebens- mittelverpackung nicht haben will. Welle: „Eine Recycling-Verpackung riecht immer, aber es muss geprüft werden, ob das in einem akzeptablen Maß bleibt.“ Laura Stremnitzer führte Tests zu mechanischen Qualitätsparame- tern der Rezyklate durch. Wir haben aber keinerlei Hinweise auf einen verstärkten Effekt gefunden“, sagt Kirchnawy. Die einzige Fraktion, die Anlass für wei- tere Versuche ist, sind gefärbte Kunststoffe. Es besteht die Vermutung, dass bestimmte Farbstoffe bei wiederholtem Erhitzen zu einem positiven Ames-Test führen können. Nun will man sehen, ob ein Auftrennen der Input-Fraktionen auf Farbgruppen hier ein klareres Bild ergibt. Auf gute Zusammenarbeit Von den Forschern kommt großes Lob für die Unternehmenspartner: „Ich hatte am Anfang ziemliche Bedenken, wenn man an den großen Maßstab der Versuche denkt. Das müssen die Firmen erst einmal leisten können“, gibt Welle zu. Es sei nicht selbstver- ständlich, dass die Maschinenhersteller einen solchen Einsatz zeigen, wie man das im Pro- jekt gesehen hat. „Sonst hätte wir noch keine Ergebnisse.“ Michael Eder von der Firma Frank Welle führte die chemische Analyse der Rezyklate durch, um ausschließen zu können, dass bedenkliche Sub- stanzen in verpack- te Lebensmittel migrieren. Erema sieht das Ergebnis im Vordergrund: „Es ist wichtig zu zeigen, Kreislaufwirtschaft funktioniert auch bei Wiederholung.“ Stefan Chalupnik beschreibt das Projekt als eines, in dem alle etwas lernen konnten: „Es ist sehr wichtig, an solchen Vorhaben teilzunehmen, um Kunststoffe auch weiterhin als wertvol- les Verpackungsmaterial nutzen zu können.“ Axel Hannemann hat die Teilnahme viel Spaß gemacht: „Es ist notwendig, dass wir alle zusammenhelfen, um die Möglichkeiten, die sich nun mit der neuen Verordnung eröffnet haben, zu nutzen.“ Nun habe man Ergebnisse vorzuweisen, mit denen man als Branche gemeinsam an die Entscheidungsträger her- antreten kann. Erfreuliche Ergebnisse Noch liegen nicht alle Ergebnisse vor, aber die Bilanz, die man bislang ziehen kann, ist sehr erfreulich – über alle untersuchten Poly- merarten hinweg. „Bei Polystyrol gab es die Sorge, dass sich im Zuge wiederholter Rezy- klierung Oligomere anreichern könnten, die an menschliche Hormonrezeptoren binden. Ansprechpartner: Andreas Eder ecoplus. Niederösterreichs Wirtschaftsagentur GmbH Tel. +43 2742 9000-19670 a.eder@ecoplus.at www.ecoplus.at/ vernetzen/one-more-time DAS PROJEKT Das Projekt „OneMoreTime“ zielt darauf ab, die Möglichkeit des breiten Einsatzes von Rezyklaten für Verpackungen im Lebens- mittelkontakt mit Fakten und Messwerten zu belegen. In der neuen EU-Recycling-Ver- ordnung wird u.a. gefordert, mehr Infor- mationen über das Vorhandensein von Abbauprodukten und die Anreicherung von Stoffen im Zuge mehrerer Recyclingkreis- läufe zu sammeln. Im Projekt wird daher der Einfluss mehrerer Recyclingkreisläufe auf die Eigenschaften von HD-/LD-PE-, PP- und PS-Rezyklaten im industriellen Maßstab untersucht. Es wird im Rahmen des Programms CORNET von der FFG gefördert. Forschungspartner: OFI Technologie & Innovation GmbH, Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV Unternehmenspartner: AGES – Österrei- chische Agentur für Gesundheit und Ernäh- rungssicherheit GmbH, Altstoff Recycling Austria AG, APK AG, Bischof + Klein SE & Co. KG, Coim Deutschland GmbH, Constan- tia Pirk GmbH & Co. KG, EREMA Enginee- ring Recycling Maschinen und Anlagen Ges.m.b.H., Flexible Packaging Europe (FPE), FRIES Kunststofftechnik GmbH, G. Coreth Kunststoffverarbeitungs GesmbH, Gneuss Kunststofftechnik GmbH, Hassia Verpackungsmaschinen GmbH, Ineos Sty- rolution Switzerland SA, Jodl Verpackun- gen GmbH, Joma Kunststofftechnik GmbH, Klosterquell Hofer Vertriebs GmbH, Kum- mer umwelt:kommunikation GmbH, MBK Verpackungen GmbH, Meier Verpackungen GmbH, Miraplast Kunststoffverarbeitungs Gesellschaft m.b.H., Onusseit Consulting, Papier-Mettler KG, PlasticsEurope Austria, POLIFILM EXTRUSION GmbH, Polysecure GmbH, RCS Rohstoffverwertung GmbH, Reifenhäuser Cast Sheet Coating GmbH & Co. KG, share GmbH, Sonett GmbH, Starlin- ger & Co Gesellschaft m.b.H., Thermoplast- kreislauf GmbH, Vogt-Plastic GmbH H b m G n o i t a v o n n I i l & e g o o n h c e T DER KUNSTSTOFF-CLUSTER Der Kunststoff-Cluster ist ein branchen- übergreifendes Netzwerk des Kunst- stoff-Sektors. Er fördert, initiiert und koordinier t die Zusammenarbeit von Unternehmen untereinander sowie von Unternehmen und Technologietrans- fer-Einrichtungen in diesem Bereich. Ziel ist die Bündelung von Potenzialen und Kompetenzen zur Steigerung der Inno- vationskraft und internationalen Wettbe- werbsfähigkeit der Partner. Trägergesell- schaften des Kunststoff-Clusters sind ecoplus, die Wirtschafts agentur des Lan- des Nieder österreich und die Business Upper Aus tria – OÖ Wirtschaftsagentur GmbH. Der ecoplus Kunststoff-Cluster wird über das Projekt „NÖ Innovations- ökosystem“ von der Europäischen Union kofinanziert. I F O , V V I g n u k c a p r e V d n u i k n h c e t s n e r h a f r e V r ü f t u t i t s n I - r e f o h n u a r F , I F O : r e d l i B