Karlsruher Forscher starten bioliq Projektstufe II
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Neue Wege, um aus Biomasse hochwertige synthetische Kraftstoffe herzustellen, beschreitet das bioliq Projekt des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Dieses Projekt geht nun mit einem Investitionsvolumen von 24,85 Mio € in die zweite Ausbaustufe: Die Forschungszentrum Karlsruhe und Lurgi schließen den Vertrag zum Bau eines Flugstromvergasers zur Herstellung von Synthesegas ab.
Karlsruher Forscher starten bioliq Projektstufe II
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Das mehrstufige bioliq-Verfahren ermöglicht es, aus Stroh und anderen land- und forstwirtschaftlichen Reststoffen vollsynthetischen Diesel- oder Ottokraftstoff herzustellen, dessen Qualität über der anderer Biokraftstoffe und selbst der Mineralölprodukte liegt. Das im KIT entwickelte und nun gemeinsam mit Lurgi technisch umzusetzende bioliq-Verfahren wird dem regionalen Aufkommen von Biomasse mit ihrem meist niedrigen Energieinhalt gerecht und ermöglicht zugleich eine großtechnische und damit wirtschaftliche Erzeugung von Kraftstoffen. |
Schnellpyrolyse in der bioliq-Anlage. © Markus Breig
In einem dezentralen ersten Schritt wird die Biomasse durch eine Schnellpyrolyse in ein transportfähiges flüssiges Zwischenprodukt hoher Energiedichte (bioliqSynCrude) umgewandelt, das wirtschaftlich über weite Strecken in Großanlagen zur Synthesegas- und Kraftstofferzeugung transportiert wird. Die als erste Baustufe bereits errichtete Pilot-Anlage zur Schnellpyrolyse am KIT befindet sich derzeit im Anfahrbetrieb.
Nun wird der zweite Schritt des bioliq-Verfahrens, die Synthesegaserzeugung aus dem Zwischenprodukt bioliqSynCrude umgesetzt. Die Investition für die Synthesegaserzeugung wird zu 50 % vom deutschen Landwirtschaftsministerium unterstützt und zu jeweils 25 % vom Forschungszentrum Karlsruhe und Lurgi getragen. Das Land Baden-Württemberg unterstützt die F&E-Arbeiten zum Prozess maßgeblich.
Das Verfahrensprinzip des eingesetzten Flugstromvergasers beruht auf der von Lurgi entwickelten MPG-Technologie (Multi-Purpose-Gasifier), die bisher vor allem für Rückstände aus der Erdölverarbeitung eingesetzt wurde und nun an die Erfordernisse des bioliq-Verfahrens angepasst wird.
Der geplante Flugstromvergaser ist für eine thermische Leistung von 5 MW ausgelegt. Dies entspricht einem Durchsatz von etwa 1 t bioliqSynCrude pro Stunde. Die Planungs- und Bauzeit der Anlage wird voraussichtlich 34 Monate in Anspruch nehmen. Die Inbetriebnahme des Vergasers ist im Herbst 2011 geplant. Eine nachgeschaltete Gasaufbereitung und Synthese soll die Pilotanlage bis 2012 als dritte Baustufe vervollständigen.

Blick ins Innere der bioliq-Anlage.
| Technischer Hintergrund. In einer zentralen Anlage zur Synthesegas- und Kraftstofferzeugung wird das bioliqSynCrude auf rund 80 °C vorgewärmt, auf Druck gebracht und durch das Vergasungsmedium Sauerstoff im Flugstromvergaser zerstäubt. Die Umsetzung zu Synthesegas geschieht oberhalb von 1.200 °C und einem Druck bis zu 80 bar. Der bioliq-Vergaser wird über einen Kühlschirm zur Kontrolle des Schlackeflusses verfügen. Die modulare Bauweise des Flugstromvergasers ermöglicht die Anpassung der Vergasergeometrie an die strömungs- und reaktionstechnischen Erfordernisse des Vergasungsprozesses. Der bioliq-Pilotvergaser ist mit aufwändiger Messtechnik ausgestattet, so dass sich aussagekräftige Daten zur Bewertung und Optimierung der Vergaserstufe ermitteln lassen.
Im dritten Schritt wird das unter hohem Druck entstandene Syngas über mehrere Prozessschritte gereinigt und der nachgeschalteten Synthesestufe zugeleitet. Eine kostenaufwändige Zwischenkompression des Gases erübrigt sich damit. Aus dem Syngas lassen sich Synthesekraftstoffe, aber auch viele wichtige chemische Grundstoffe erzeugen. Die Verarbeitungskosten der Biomasse für den High-Tech-Kraftstoff werden voraussichtlich um 50 Eurocent betragen; dazu kommen Kosten für die Biomasse, die derzeit in der gleichen Größenordnung liegen. Der Preis für 1 l High-Tech-Kraftstoff würde damit um 1 € liegen. |






