Ouvertüre

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Josef Brodacz, Herausgeber Chemiereport/Austrian Life Sciences

Als Einstimmung drei Pressemeldungen, alle vom 17. Jänner. Symptomatisch für die Befindlichkeit einer Gesellschaft, der wesentliche Faktoren für die Sicherung ihres Weiterbestandes abhanden gekommen sind: Neugierde, Risikobereitschaft, Vitalität. Die statt dessen nur eines sieht: mögliche Gefahren, die es auf jeden Fall zu meiden gilt.

Meldung 1: Pressemitteilung vom Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland: Der Verband sieht in der ­angekündigten Abwanderung der BASF-Pflanzenbiotechnologie in die USA ein bedenkliches Signal für den Forschungs- und Wissensstandort Deutschland (…) Die moderne Pflanzenbiotechnologie wurde maßgeblich in Deutschland entwickelt und gewinnt weltweit an Bedeutung. Auch pflanzenbiotechnologische Forschung und Entwicklung sind in Deutschland auf dem Rückzug (…) Die Branche verliert Arbeitsplätze und der Standort Deutschland damit gut ausgebildete Nachwuchskräfte. Diese wandern dann in andere Berufe oder ins Ausland ab.

Meldung 2: Greenpeace-Erfolg: BASF gibt Gentech-Pflanzen in Europa auf. Jahrelanger Widerstand der Konsumenten gegen Gentechnik zeigt Wirkung. „Das ist ein großer Erfolg für die europäischen KonsumentInnen, die Gentech-Pflanzen vehement ablehnen“, freut sich Greenpeace-Kampagnenleiter Herwig Schuster.

Meldung 3 (Kronenzeitung zum BASF-Rückzug) entfällt. Denn hat alles seine Grenzen.

Es beschwere sich also niemand, wenn solchermaßen sensibilisierte und sozialisierte Zeitgenossen politkorrekt jedes mühsam gezogene Pflänzchen im Freisetzungsversuch zertrampeln, um die Welt vom Gen zu erlösen. Und auch ansonsten jedweder industriellen Tätigkeit als Verursacher des „Klimakillers“ CO2 ablehnend gegenüber stehen. Ihnen sei ins Stammbuch geschrieben, zum wiederholten Mal an dieser Stelle: Wertschöpfung ist NICHT, wenn der Umweltberater mit der GenderberaterIn über die Dinge an und für sich mutmaßt …

Für Forschungsministerin Annette Schavan ist das Abwandern der BASF-Gentechnik­sparte übrigens ein deutliches Warnzeichen für den Technologiestandort Deutschland. „Bei aller Liebe zu erneuerbaren Energien können wir in Zukunft nicht nur von Sonne, Wind und Wasser leben“ sagte sie dem Spiegel. Deutschland brauche, um den Wohlstand zu erhalten, auch andere Zukunftstechnologien wie Biomedizin und Gentechnik.
Für Ösis unvorstellbar, ähnlich Couragiertes aus dem Munde hiesiger VolksvertreterInnen zu hören. Uns fehlen zwar Schwergewichte wie BASF oder BAYER mit x-tausenden Arbeitsplätzen. Aber auch wir haben bestausgebildete und engagierte Forscher im Lande. Denen wird sehr wohl die Perspektive genommen durch forschungsfeindliche und esoterische Alibi-Politik.

Unser Bekenntnis zu Forschung, Leistungsbereitschaft und Wettbewerb der Ideen wird heuer wieder der ALSA sein, der Austrian Life Science Award. Im Herbst werden die mit ­insgesamt 12.000 Euro dotierten Preise zum sechs­ten Mal vergeben. Mehr dazu demnächst.

Dies alles lesen Sie jetzt in ansprechenderer Form, wie wir meinen. Sie halten kein neues Magazin in Händen, Chemiereport hat ein Facelifting erhalten.
Auch unsere Homepage www.chemiereport.at wurde kräftig umgekrempelt. Sie bietet nun noch mehr Service und Informationen, Trends  und Fakten. Frei nach Helmut Qualtinger: Kommen Sie auf www.chemiereport.at, Sie werden schon sehen.

Ein persönlich und beruflich erfolgreiches und gutes Jahr wünscht Ihnen

Josef Brodacz