Lenzing mit „Rekordergebnis“

Der Faserkonzern steigerte sein Periodenergebnis im Vergleich zum ersten Halbjahr 2016 um fast 60 Prozent.

Lenzing-Vorstände
Foto: Lenzing AG/Christian Leopold
„Rekordergebnis“: Lenzing-Vorstände Heiko Arnold, Stefan Doboczky, Robert van de Kernhof und Thomas Obendrauf (v. l.)

 

„Es ist ein Rekordergebnis an allen Fronten.“ So kommentiert Stefan Doboczky, der Vorstandsvorsitzende der Lenzing AG, die Bilanz seines Unternehmens im ersten Halbjahr 2017. Der Konzernumsatz stieg im Vergleich zum ersten Halbjahr 2016 um 11,0 Prozent auf 1,14 Milliarden Euro. Das EBITDA erhöhte sich um 38,8 Prozent auf 270,7 Millionen, das EBIT sogar um 57,4 Prozent auf 204,2 Millionen Euro. Mit 150,3 Millionen Euro lag schließlich das Periodenergebnis um 58,9 Prozent über jenem des ersten Halbjahrs 2016. Laut Doboczky gibt es dafür im Wesentlichen zwei Gründe: höhere Preise und einen weiter verbesserten Produktmix.

 

Wie Vertriebschef Robert van de Kerkhof erläuterte, lagen die Baumwollpreise im zweiten Quartal 2017 um rund 21,8 Prozent über jenen im zweiten Quartal 2016. Der Verbrauch liegt unverändert bei 24 Millionen Tonnen pro Jahr und ist damit höher als die Produktion von etwa 23 Millionen Tonnen. Auch die Lagerbestände gehen weiter zurück. Belaufen sie sich derzeit auf etwa 17,3 Millionen Tonnen, werden es kommendes Jahr nur mehr knapp 17 Millionen Tonnen sein. Was Spezialfasern anlangt, haben diese am Umsatz der Lenzing mittlerweile einen Anteil von etwa 41,9 Prozent. Seit rund drei Jahren verzeichnet die Lenzing auch ein stark steigendes Interesse ihrer Abnehmer am Thema Nachhaltigkeit. Dem trägt das Unternehmen mit den Produkten Ecovero und Refibra Rechnung. Ecovero ist eine Viskosefaser, die aus zertifiziertem Holz und mittels eines ebenfalls als „nachhaltig“ bestätigten Produktionsprozesses erzeugt wird. Laut Van de Kerkhof ist die „Nachfrage unglaublich stark“. Für Refibra-Fasern wiederum nutzt die Lenzing Baumwoll-Zuschnittabfälle, die sie mit einem neuartigen Recyclingverfahren verarbeitet. Van de Kerkhof zufolge entwickeln derzeit bereits 25 „führende, einflussreiche Marken“ Kollektionen für die kommenden Jahre, bei denen sie Refibra nutzen. Weitere 30 Marken führen Tests mit der Recyclingfaser durch.

 

Hohe Investitionen

 

Im Frühjahr begonnen hat die Lenzing mit dem Bau einer neuen Lyocellfabrik in Mobile im US-Bundesstaat Alabama, die pro Jahr rund 90.000 Tonnen Fasern erzeugen kann. Sie soll 2019 in Betrieb gehen. Die Kosten beziffert die Lenzing mit rund 293 Millionen US-Dollar.

Für das erste Quartal 2018 ist die endgültige Investitionsentscheidung für den Bau einer weiteren Lyocellfabrik in Prachinburi in Thailand geplant. Die Kosten liegen laut Doboczky in einer ähnlichen Größenordnung wie jene in Mobile. Auf Anfrage des Chemiereport sagte Doboczky, die Professionalität der thailändischen Behörden hinsichtlich der Behandlung ausländischer Investoren „sucht ihresgleichen“.

Bereits laufende Projekte mit einem Volumen von 200 Millionen Euro, davon rund 100 Millionen in Heiligenkreuz im Südburgenland, eingerechnet, investiert die Lenzing damit in den kommenden Jahren etwa 800 Millionen Euro in neue Anlagen und Anlagenerweiterungen. Für die Bauvorhaben verantwortlich zeichnet der eigens bestellte „Chief Technology Officer“ Heiko Arnold.

 

Gute Aussichten

 

Die Aussichten für das Gesamtjahr 2017 sind laut Doboczky sehr gut: „Unter der Voraussetzung, dass die Fasermarktverhältnisse und Währungsrelationen unverändert bleiben, erwartet Lenzing für das Geschäftsjahr 2017 eine deutliche Verbesserung gegenüber 2016.“ Klar sei allerdings auch: „Wir sind uns bewusst, dass es nicht immer weiter nach oben gehen kann.“ Im Jahr 2018 kämen neue Erzeugungskapazitäten auf den Markt, was Auswirkungen auf die Preise haben könnte. Doch die Lenzing sei gut positioniert, um auch in einem veränderten Umfeld ordentlich zu bilanzieren. So betrachtet, könnte sich Doboczky unter Bezugnahme auf den Neubau in den USA an Konteradmiral David G. Farragut orientieren, dem Befehlshaber der Unionsflotte im Seegefecht in der Mobile Bay im August 1864, das als eine der wichtigsten maritimen Auseinandersetzungen im US-amerikanischen Bürgerkrieg gilt. Als Farragut die Meldung erhielt, dass Torpedos auf sein Flaggschiff abgefeuert wurden, rief er der Überlieferung nach: „Zum Teufel mit den Torpedos! Volle Kraft voraus!“ Und der Konteradmiral siegte.