Novartis: Chefjurist geht

Felix R. Ehrat zieht die Konsequenzen aus dem Deal mit Michael Cohen, dem Anwalt US-Präsident Donald Trumps.

Foto: Novartis
Novartis-Chefjurist Ehrat: Vertrag mit Cohen war „rechtlich in Ordnung, aber ein Fehler“

 

Felix R. Ehrat, der Chefjurist des Schweizer Pharmakonzerns Novartis, verlässt das Unternehmen per 1. Juni. Er zieht damit die Konsequenzen aus den Zahlungen des Unternehmens an den Anwalt US-Präsident Donald Trumps, Michael Cohen, bzw. dessen Firma Essential Consultants. Kurz nach dem Amtsantritt Trumps schloss Novartis mit Cohen einen Vertrag über „Beratungsleistungen“, für die der Amerikaner pro Monat rund 100.000 US-Dollar (84.400 Euro) kassierte. Dem Vernehmen nach sollte Cohen Novartis über die Herangehensweise Trumps an bestimmte gesundheitspolitische Themen informieren. Der Konzern macht in den USA jährlich rund 16,9 Milliarden US-Dollar (14,27 Milliarden Euro) Umsatz. Unter anderem verkauft er Medikamente im Rahmen des Medicare-Programms, das auf der Abschussliste Trumps steht. Allerdings soll sich ziemlich bald herausgestellt haben, dass Cohen keine substanziellen Informationen liefern konnte. Daher stieg Novartis im Feber des heurigen Jahres aus dem Vertrag mit ihm aus. Unterzeichnet hatten diesen Ehrat und der vormalige Novartis-Chef Joseph („Joe“) Jimenez.

 

Ehrat verlautete in einer Presseaussendung, die Beziehung mit Cohen sei „rechtlich in Ordnung, aber ein Fehler“ gewesen. Für diesen übernehme er, Ehrat, die persönliche Verantwortung, um Novartis aus der Schusslinie zu bringen. Anfang Mai hatten mehrere demokratische Senatoren in einen Brief an die Novartis-Führung Aufklärung über die Affäre verlangt. Der Tenor: Immerhin seien in Summe rund 1,2 Millionen US-Dollar (1,0 Millionen Euro) an Cohen bzw. Essential Consultants geflossen. Davon müsse sich der Pharmakonzern doch irgendetwas versprochen haben. Rechtlich dürfte die Angelegenheit allerdings keine Konsequenzen für Novartis haben. Und weil sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus Trumps Republikaner die Mehrheit haben, ist auch kaum mit politischen Querelen wie etwa einer Ausschuss-Vorladung zu rechnen. Gut fürs Image des Konzerns und möglicherweise auch der Pharmabranche insgesamt ist die Affäre allerdings schwerlich.

 

Unterdessen ist bereits fix, wer Ehrat folgt. Es handelt sich um Shannon Thyme Klinger, die als „Chief Ethics, Risk and Compliance Officer“ bezeichnet wird. Novartis-CEO Vasant („Vas“) Narasimhan, der nicht in die Cohen-Affäre involviert gewesen sein soll, dankte Ehrat. Dieser habe maßgeblich zur Weiterentwicklung der globalen Rechtsabteilung des Konzerns beigetragen. Ferner habe er dessen Interessen in wichtigen Organisationen wie Economiesuisse, SwissHoldings und Avenir Suisse nachdrücklich vertreten: „Wir wünschen ihm alles Gute für seine weiteren Tätigkeiten.“