Wenn die Politik auf den Roboter kommt

Am Eröffnungstag der Alpbacher Technologiegespräche zum Thema "Kooperation und Konflikt" setzten sich die politisch Verantwortlichen mit den Konsequenzen der durch Digitalisierung und vermehrten Roboter-Einsatz befeuerten gesellschaftlichen Dynamik auseinander.

Bild: BMWFW
Wirtschafts- und Wissenschaftsminiuster Harald Mahrer hielt seine Pressekonfenerz gemeinsam mit Jan Smits, EU-Generaldirektor für Forschung und Innovation, ab.

 

In Vorwahlzeiten halten bisherige Koalitionspartner auch in Alpbach ihre Pressekonferenzen nicht mehr gemeinsam ab. Während Infrastruktur-Minister Jörg Leichtfried (SPÖ) die Einrichtung eines „Roboter-Rat“ benannten Beratungsgremiums unter der Leitung von TU Wien-Professorin Sabine Köszegi bekanntgab, trat Wirtschafts- und  Wissenschaftsminister Harald Mahrer (ÖVP) gemeinsam mit Robert Jan Smits, Generaldirektor für Forschung und Innovation der Europäischen Union, vor die Öffentlichkeit. „Wenn wir mit 3,14 Prozent die zweithöchste Forschungsquote in der EU haben, aber im European Innovation Scoreboard auf Rang 7 liegen, sind Input und Output nicht stimmig“, zeigte sich Mahrer selbstkritisch. Um Innovationsführer zu werden, brauche man mehr Effizienz, mehr Offenheit und Internationalität und mehr Mut für Neues. „Wir leben teilweise in der Durchschnittsfalle und dieses Denken bringt uns nicht voran“, formulierte der Minister.

Um hier gegenzusteuern, forderte Mahrer, Forschungsmittel künftig in höherem Ausmaß  kompetitiv zu vergeben und verstärkt auf Exzellenz zu setzen, anstatt „Steuergeld mit der Gießkanne zu verteilen.“ Als konkrete Maßnahmen kündigte Mahrer an, für Universitäten einen finanziellen Anreiz für eingeworbene ERC-Grants zu schaffen und noch im Herbst den ersten Call für ein spezielles Spin-off Fellowship-Programm starten zu wollen, für das insgesamt 15 Millionen Euro zu Verfügung stehen.

 

Vereint auf dem Eröffnungspodium

Auf dem Eröffnungspodium der Alpbacher Technologiegespräch waren die beiden Minister dann doch wieder vereint, zudem gesellten sich Bildungsministerin Sonja Hammerschmid, IV-Präsident Georg Kapsch und der „Doyen der Technologiegespräche“ (wie Forum Alpbach-Präsident Franz Fischler ihn nannte) Hannes Androsch zu ihnen. Während Androsch die „Gartenlauben-Mentalität“ vieler Zeitgenossen beklagte, merkte Kapsch an, man  brauche sich darüber nicht zu wundern, wenn man jahrzehntelang die Leute dazu erziehe, dass der Staat ihnen alles abnimmt. Bezüglich Vorbilder wollte man am Podium nicht nur ins Silicon Valley blicken - weil jede Region ihren eigenen Weg finden müsse (Kapsch) und die Innovationsdynamik in Südostasien ohnehin viel größer sei (Mahrer). Hammerschmid nutzte das Podium, um die von ihr vorangetriebene Stärkung von „Digitalisierung als vierter Grundkompetenz“ bei Schülern hervorzuheben, aber auch um die Universitäten gegen den Vorwurf zu verteidigen, sie verstünden nicht mit der Industrie zu kooperieren. Leichtfried strich seinen Optimismus bezüglich der wirtschaftlichen Auswirkungen des Roboter-Einsatzes hervor: „Das bedeutet auch, dass wir in vielen Bereichen in Österreich wieder konkurrenzfähig werden, in denen wir es nicht mehr waren“, so der Infrastrukturminister.

 

Wann ist Roboter-Einsatz für den Menschen akzeptabel?

Mitglieder von Leichtfrieds Roboter-Rat kamen im anschließenden Podium zu Fragen des zunehmenden Einsatzes von Robotern in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen zu Wort. Detailliert fielen dabei etwa die Analysen von Martina Mara, Leiterin des Forschungsbereichs „Robo-Psychology“ am Ars Electronica Future Lab in Linz aus: Man müsse sich in der Entwicklung von autonom arbeitenden Maschinen fragen, welche Einsatzzwecke akzeptiert seien und welche nicht. Je näher man (etwa im Pflegebereich) dem Menschen komme, desto mehr Vorbehalte gebe es in der Bevölkerung. Allerdings könne gerade der Einsatz von Robotern in der Intimpflege ermöglichen, dass Menschen längere Zeit selbstbestimmt agieren, während sie sich bei Hilfe durch Pflegepersonal schämen würden. Was das Design von Robotern betrifft, riet Mara davon ab, diese allzu Menschen-ähnlich zu gestalten, da deren Einsatz für die meisten Menschen viel eher akzeptiert werde, wenn sie keine Schwierigkeiten damit bekämen, zwischen Mensch und Maschine unterscheiden zu können.