Durchwachsene Aussichten

Die Verkaufszahlen der EU-Chemieindustrie sind die höchsten seit sechs Jahren, meldet der Branchenverband CEFIC. Sorgen bereiten die zunehmenden Irritationen bei der Weiterentwicklung des Binnenmarktes und des weltweiten Freihandels.

Foto: CEFIC
CEFIC-Chef Marco Mensink: für Jubel kein Anlass

 

Die Produktion der Chemieindustrie der EU war in den ersten drei Quartalen des Jahres 2018 um nur 0,2 Prozent höher als im Vergleichszeitraum 2017. Das zeigt der aktuelle Trendbericht des Branchenverbandes CEFIC. Ihm zufolge verzeichnete nur der Bereich Haushaltschemikalien mit 2,9 Prozent ein signifikantes Plus. In den meisten anderen Sektoren sei die Produktion dagegen rückläufig gewesen. Immerhin stiegen die Preise von Jänner bis einschließlich September 2018 um durchschnittlich 3,6 Prozent. Den höchsten Anstieg gab es in der Petrochemie mit 5,4 Prozent, gefolgt von den anorganischen Basischemikalien mit 5,3 Prozent und den Polymeren mit 4,2 Prozent. Hinsichtlich der Verkaufszahlen meldet die CEFIC den höchsten durchschnittlichen Zuwachs seit sechs Jahren: Von Jänner bis August 2018 verkaufte die Branche um 3,6 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2017.

 

Die Exporte beliefen sich in derselben Periode auf etwa 108,4 Milliarden Euro, laut CEFIC ein „Sprung“ um 4,2 Prozent. Die Ausfuhren in die USA wuchsen von 19,4 auf 21,5 Milliarden Euro. In der Petrochemie wurde ein Plus von 14 Prozent oder 1,08 Milliarden Euro erzielt, in der Spezialchemie ein Zuwachs um 11 Prozent bzw. 650 Millionen Euro. Erheblich schlechter lief das Geschäft mit China: Die Ausfuhr petrochemischer Erzeugnisse fiel um 13 Prozent bzw. 342 Millionen Euro. Insgesamt sank der Handelsüberschuss von 31,74 Milliarden Euro auf 31,18 Milliarden Euro. Überschüsse erzielte die EU-Chemieindustrie gegenüber dem restlichen Europa, den USA, Afrika und Brasilien. Ein Defizit fuhr sie gegenüber China, Indien, Japan und Südkorea ein. Durchwachsen ist der Ausblick auf die kommenden sechs Monate: Die Auftragslage wird seitens der CEFIC als „weniger befriedigend“ beschrieben. Der Grund dafür seien die Unsicherheiten im internationalen Handel.

 

Binnenmarkt unverzichtbar

 

Nicht zuletzt deshalb plädiert der Chemieindustrieverband in einem neuen Positionspapier einmal mehr für die Stärkung des europäischen Binnenmarktes und des weltweiten Freihandels. Den Binnenmarkt bezeichnet die CEFIC als unverzichtbare Grundlage für den Erfolg der Chemiebranche. Sie zeigt sich besorgt über dessen weitere Entwicklung, insbesondere wegen des kommenden EU-Austritts Großbritanniens (Brexit), aber auch wegen der Debatten über die Rückverlagergung von Kompetenzen zu den Nationalstaaten und die Reform des Komitologieprozesses. Laut CEFIC sind weitere Harmonisierungen dringend geboten. Technische Handelsbarrieren müssen abgebaut werden, das „Gold Plating“ ist zu vermeiden, fordert der Verband. Ferner muss europäisches Recht korrekt umgesetzt werden, wobei in den Nationalstaaten stets jene Maßnahmen zu setzen sind, die die Industrie am wenigsten belasten.

 

REACH und der Brexit

 

Zum Chemikalienmanagementsystem REACH hält die CEFIC fest, die Branche habe über 20.000 Substanzen erfolgreich registriert. Die Unternehmen seien bemüht, die Dossiers aktuell zu halten. Allerdings müsse REACH auch auf Importe aus Drittstaaten angewandt werden. Diesbezüglich sei der behördliche Vollzug zu verstärken. Und die CEFIC warnt: Mit dem Brexit ist etwa ein Viertel der REACH-Registrierungsdossiers hinfällig. Betroffen sind jene Dossiers, die von britischen Unternehmen erstellt wurden. Jedenfalls müsse der Brexit so friktionsfrei wie möglich über die Bühne gehen, verlangt die CEFIC.