EFSA: Kein Grenzwert für Zucker

Nach Durchsicht von über 30.000 Studien hält die EU-Lebensmittelsicherheitsagentur die Festlegung einer Obergrenze für den Zuckerkonsum für nicht möglich. Nun hat sie eine Konsultation zu diesem Thema eingeleitet.

Foto: BMLRT / Bernhard Kern
Keine politische Empfehlung: Die EFSA versteht ihr Gutachten ausschließlich als „Bewertung wissenschaftlicher Erkenntnisse“.

 

Bis 30. September läuft eine öffentliche Konsultation der Europäischen Lebensmittelsicherheitsagentur (EFSA) zur Sicherheit von Zucker in Lebensmitteln. Dabei geht es um den Entwurf eines Gutachtens, das die EFSA auf Ersuchen Dänemarks, Finnlands, Islands, Norwegens und Schwedens erstellt hatte. Diese Länder hatten an die Agentur den Wunsch herangetragen, ihre aus dem Jahr 2010 stammende Bewertung der Zusammenhänge des Zuckerkonsums mit Krankheiten wie Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gicht und Karies zu überprüfen und gegebenenfalls zu aktualisieren. Falls möglich, sollte die EFSA einen wissenschaftlich fundierten Grenzwert für die „zulässige Höchstaufnahmemenge“ von Zucker vorschlagen. Dieser Wert würde beschreiben, welche Mengen von Zucker jedenfalls aufgenommen werden können, ohne die Gesundheit zu gefährden.

 

Die zuständigen Wissenschaftler der EFSA untersuchten daher mehr als 30.000 einschlägige Publikationen. Ihr vorläufiges Fazit: Es ist „nicht möglich, einen solchen Schwellenwert festzulegen“. Allerdings bestünden „mehr oder weniger offenkundige Zusammenhänge zwischen der Aufnahme unterschiedlicher Zuckerarten und dem Risiko der Entstehung chronischer Stoffwechselkrankheiten und Karies“. Valeriu Curtui, der Leiter des für Ernährungsfragen zuständigen Referats der EFSA, erläuterte, die zusätzlichen wissenschaftlichen Erkenntnisse und Daten aus der Konsultation seien hilfreich, um „unsere Bewertungen zu untermauern“.

 

Und Curtui fügte hinzu: Der nunmehr vorliegende Entwurf sei „ausschließlich eine Bewertung wissenschaftlicher Erkenntnisse“. Er enthalte keine gesundheitspolitischen Empfehlungen und sei auch keine Leitlinie für allfällige Entscheidungen: „Dafür sind die nationalen Gesundheitsbehörden und internationale Gremien zuständig.“

 

In diesem Sinne äußerte sich auch Linda Granlund, die Direktorin des Referats für Prävention und öffentliche Gesundheit der norwegischen Direktion für Gesundheit. Sie begrüßte die Konsultation und ersuchte Ernährungsexperten in Norwegen und anderen Ländern, zu dem Entwurf Stellung zu nehmen. Sobald das fertige Gutachten vorliege, werde Norwegen seine „nationalen lebensmittelbezogenen Ernährungsleitlinien anhand der dabei gewonnenen umfangreichen wissenschaftlichen Erkenntnisse aktualisieren“.

 

Zugänglich ist die Konsultation unter https://connect.efsa.europa.eu/RM/s/publicconsultation