MÄRKTE & MANAGEMENT chemiereport.at AustrianLifeSciences 2026.3 13 AOP Health ist in den vergangenen Jahren rasant und größtenteils organisch gewachsen, 2020 wurden zudem die Fir- men Amomed Pharma und SciPharm über- nommen und in die Gruppe integriert. 2025 erfolgte ein weiterer Meilenstein: AOP Health ging eine strategische Partnerschaft mit dem deutschen Biotech-Unternehmen Rheacell ein, das sich mit Stammzellthera- pie beschäftigt. „Es ist das erste Mal, dass wir uns auf dem Gebiet der zellbasierten Therapie engagieren“, so Strohmaier. „Bei F&E-Projekten laufen alle Fäden bei uns zusammen.“ Interessante Rahmenbedingun- gen für einen HR-Verantwortlichen Strohmaier hat einen Ausbildungshin- tergrund in Sozial- und Wirtschaftswis- senschaften und langjährige Erfahrung in Finanzierung und Personalführung. 14 Jahre hindurch leitete er die HR-Abteilung des österreichisch-französischen Vakzin- Unternehmens Valneva. „AOP Health war in der Branche bekannt. Als ich die Gele- genheit bekam, hierher zu wechseln, hat mich besonders gereizt, dass es sich um ein Unternehmen handelt, das viele Produkte erfolgreich auf den Markt gebracht hat.“ Rund zehn Monate ist Strohmaier nun beim Unternehmen. Heute kann er sagen, dass er tatsächlich vorgefunden hat, was er erhofft hatte, vorzufinden: „Eine sehr klare internationale Ausrichtung, getragen von einem langfristigen Blick, nicht getrie- ben von Quartalsberichten“, insgesamt also sehr interessante Rahmenbedingun- gen für einen HR-Verantwortlichen. Nach wie vor steht das Unternehmen im Eigen- tum einiger „physischer“ Personen, ist also weder in Streubesitz noch in der Hand von Finanzinvestoren. AOP Health, betont Strohmaier, ist ein Werte-orientiertes Unternehmen, das einen Zweck erfüllt: „Der Gründungsge- danke leitet uns nach wie vor: Menschen Zugang zu therapeutischen Möglichkeiten zu geben, wo es diese Möglichkeiten noch nicht gibt.“ Doch wie gelang es AOP Health, das der Arzneimittelentwicklung inhä- rente Risiko abzupuffern und so in den vergangenen 30 Jahren eine großen Zahl an Präparaten erfolgreich zur Zulassung gebracht zu haben? Ein wichtiger Faktor war in jedem Fall die Expansion: „Wenn Sie Produkte für seltene Erkrankungen entwickeln, können Sie nicht Österreich allein als Zielmarkt betrachten.“ Früh wurde daher Aufbauarbeit in Mittel- und l d e h c S / P O A : d l i B Osteuropa geleistet. Auch in Italien und auf der iberischen Halbinsel ist man mit eigenen Vertriebstöchtern vertreten. 2025 wurde eine eigene Gesellschaft in den USA gegründet, die neben Europa zu den wich- tigsten Märkten für AOP Health gehört. Um im Geschäft von AOP Health zu reüssieren, ist es wichtig, in all diesen Märkten ein Netzwerk aufzubauen: „Wir müssen herausfinden, was Patienten mit seltenen Erkrankungen brauchen. Dazu ist es wichtig, gute Beziehungen zu den Leu- ten zu unterhalten, die mit diesen Patien- ten zu tun haben“, sagt Strohmaier. Und um neue Projekte aufzugreifen, bewe- gen sich AOP-Mitarbeiter auch laufend in Zur Person Gerald Strohmaier hat Soziologie an der Universität Wien studiert und einen Exe- cutive MBA an der Universität für Weiter- bildung Krems erworben. Er begann seine Karriere 1996 in der HR-Abteilung der Bene GmbH und übernahm dort zunehmend ver- antwortlichere Positionen, auch im Bereich Finanzierung. Ab 2011 war er 14 Jahre lang Leiter der Human Resources beim Impf- stoffunternehmen Valneva und steuerte die globale Personalstrategie des Unter- nehmens. Nach kurzer Tätigkeit bei der GWS-Unternehmensberatung wechselte er 2025 als Chief People Officer (CPO) zu AOP Health, wo er für Organisationsentwicklung und Personalstrategie inclusive Employee Experience, People Analytics und der Akqui- sition neuer Talente verantwortlich ist. Zum Unternehmen Die AOP Health Group wurde 1996 gegrün- det, um innovative Therapien für bisher ungedeckten medizinischen Bedarf, ins- besondere auf den Feldern der seltenen Erkrankungen und der Intensivmedizin, zu entwickeln. Das Unternehmen hat sei- nen Sitz in Wien und steuert von hier aus das Geschäft in Europa, den USA und im Nahen Osten. Knapp 700 Mitarbeiter erwirt- schafteten 2025 einen Netto-Umsatz von mehr als 450 Millionen Euro, 34 Millio- nen Euro wurden für F&E ausgegeben. der wissenschaftlichen Community rund um die fokussierten Indikationenkreise Hämato-Onkologie, Intensivmedizin, Kar- diologie und Pulmonologie. „Ein Unternehmen, das eine sinnvolle Aufgabe hat“ Eine Frage bleibt dennoch offen: Wie konnte AOP Health in einer Zeit, in der alle über Fachkräftemangel klagen, so schnell wachsen? „Trendthemen wie Künstliche Intelligenz betreffen ja nicht nur uns. Da ist der Arbeitsmarkt für alle Branchen herausfordernd, und man misst sich mit den besten“, gibt Strohmaier zu beden- ken. Einige Gutpunkte steuert der Firmen- sitz in Wien bei: „Es gibt am Standort eine gute naturwissenschaftliche Ausbildung, sowohl an den Universitäten als auch an HTLs wie derjenigen in der Rosenstein- gasse“, hebt der HR-Chef hervor. Dazu komme, dass Wien auch am sekundä- ren Arbeitsmarkt, also für Menschen, die schon Berufserfahrung mitbringen, mit seiner hohen Lebensqualität attraktiv ist – auch für Fachkräfte aus dem benachbar- ten Ausland. Doch es gibt auch einen firmenspezi- fischen Faktor: „Wenn ich mir als IT-Spe- zialist aussuchen kann, wohin ich gehe, nehme ich lieber ein Unternehmen, das eine sinnvolle Aufgabe hat“, gibt Stroh- maier zu bedenken. Die in den vergange- nen Jahren aufgebaute Unternehmens- kultur trägt das Ihre dazu bei: „Wir haben knapp 700 Mitarbeiter – das ist eine Größe, die noch überschaubar ist und es dem Ein- zelnen gestattet, Spuren zu hinterlassen.“ Die Zeiten von Mikromanagement seien vorbei, man fördere bei AOP Health einen Führungsstil, der vom Vertrauen in die Entscheidungsfähigkeit von Mitarbeitern geprägt ist. Auf diese Weise wolle man agil bleiben und nicht eine der großen anony- men Organisationen werden. Wenn ein Unternehmen schnell wächst, muss sich auch die Organisation anpassen. „Dazu braucht es Mitarbeiter, die das auch wollen und das Wachstum begleiten.“ Für Menschen, die schon länger dabei sind, entstehen dadurch freilich auch neue Ent- wicklungsmöglichkeiten. Strohmaier: „Das ist mit Verantwortung verbunden, und das kann man als Chance oder als Bedrohung sehen.“ Ein Schlüssel, um das Wachstum zu managen, ist auch die verfolgte Digitalisie- rungsstrategie. „Wir führen zum Beispiel gerade eine neues ERP-System ein. Dabei geht es nicht nur um Software, sondern auch darum, im Vorfeld die Prozesse und Strukturen neu zu denken, ein Silo-Denken zwischen den Abteilungen aufzubrechen“, sagt Strohmaier. Dabei müsse man heute nicht mehr bei Null beginnen.