Harald Bleier (ecoplus) hat viele Menschen für unternehmerische Klimaziele begeistern können. Duo mit Roman Kreitner hat sie auch im Rahmen der Projektreihe „Mission Klima- ziele“ mehrere Unternehmen begleitet. Ein Partner bei der Finanzierung von klimafitten Investitionen ist die Raiffeisen Landesbank Wien Niederösterreich. Bianca Donabauer ist dort für „Sustainable Finance“ verantwortlich. Die wirtschaftliche Lage will sie nicht beschönigen: „Wir sehen, dass es viele Unternehmen derzeit finanziell schwer haben. Die betrieblichen Ergebnisse, die über lange Zeit erwirtschaftet wurden, sind heute nicht zu erreichen.“ Gerade dort, wo eine nachhaltige Orientierung dazu diene, aus dem eigenen Geschäftsmodell noch mehr heraus- zuholen, sieht sie dennoch große Chancen. „Die Bonität bleibt aber entscheidendes Kri- terium bei der Kreditvergabe“, so Donabauer auf Nachfrage im Rahmen der Podiumsdis- kussion. Manuela Klaushofer ist bei der Wirt- schaftskammer Niederösterreich Anlaufstelle für Fragen rund um Nachhaltigkeit. „Wir wer- den ab Herbst einen Schwerpunkt auf Klima- wandelanpasssungsmaßnahmen setzen. Die Hochwassererfahrung 2024 hat das Risiko- bewusstsein von Unternehmen dafür erhöht.“ Elisabeth Moser-Marzi hat sich mit ihrer Rechtsanwalts-Kanzlei auf Umwelt- und Kreislaufwirtschaftsfragen spezialisiert und hilft den Unternehmen, sich in der nationalen und europäischen Normierungsflut zu orien- tieren. Auf dem Podium der Jahrestagung kritisierte sie den fehlenden gesetzlichen Rah- men für ein umfassendes Kohlenstoff-Ma- nagement in Österreich, etwa mittels „Carbon Capture & Storage“: „Da sind wir politisch ein- fach zu langsam.“ Lobbying für die Kreislaufwirtschaft In eine ähnliche Kerbe schlägt Reinhard Backhausen. Die von ihm gegründete Kreis- laufwirtschaftsdelegation (KWD) versucht, den Druck in Richtung Politik zu erhöhen. Backhausen war mit seinem Textilunterneh- men ein Pionier der Kreislaufwirtschaft, als noch kaum jemand davon sprach. Aus dieser Erfahrung weiß er: „Recycling ist zu wenig. Es braucht ein Produktdesign, das mitdenkt, was am Ende des Lebenszyklus passiert.“ Heute sei Kreislaufwirtschaft ein essenzieller Faktor, um Europa aus der wirtschaftlichen Abhän- gigkeit von anderen Weltregionen heraus- zuführen. „Produkte am Ende ihres Lebens- zyklus sind wertvolle Ressourcen. Wenn wir sie nicht nutzen, werden wir ein ernstes Prob- lem mit Rohstoffknappheit bekommen.“ Als Mitstreiter konnte Backhausen nam- hafte Unternehmen für die KWD gewinnen: Von Andritz und Infineon über Siemens und Porr bis zu Coca-Cola und Red Bull, darüber hinaus Forschungseinrichtungen und Orga- nisationen wie die Industriellenvereinigung und die Plattform „Verpackung mit Zukunft“. Gemeinsam sammelt man Best-Practice-Bei- spiele und gestaltet Informationskampagnen zur Kreislaufwirtschaft. Vor allem aber tritt man in Dialog mit Ministerien und Politikern, um durch Schaffung geeigneter Rahmenbe- dingungen Anreize für neue Geschäftsmo- delle zu schaffen. „Wir haben dazu ein Maß- nahmenpaket erarbeitet, das auf steuerliche Anreize und gezielte Förderung setzt“, so Backhausen. Reinhard Back hausen (Kreislauf- wirtschaftsdelegati- on): „Wenn wir nicht auf Kreislaufwirt- schaft umstellen, werden wir ein ernstes Problem mit Rohstoffknappheit bekommen.“ Auch für Novomatic ist die Verwertung von Produkten am Ende ihres Lebenszy- klus ein wesentlicher Aspekt nachhaltigen unternehmerischen Handelns, das Christoph Neubauer, verantwortlich für CR & ESG (Cor- porate Responsibility, Environmental, Social Governance), nicht auf das Erreichen von Kli- mazielen verengt sehen will: „Wir haben welt- weit eine Menge Geräte im Markt. Wenn diese nicht mehr verwendet werden, sollten sie nicht im Fluss landen.“ Novomatic hat daher begonnen, diese zurückzunehmen und mög- lichst viele noch verwendbare Teile daraus zurückzugewinnen. DAS PROJEKT Der EU-Green Deal sieht vor, dass die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 Prozent reduziert werden. Das von der Wirtschaftsabteilung des Landes Nie- derösterreich (WST3) geförder te Pro - jekt „Mission Klimaziele“ wurde von den ecoplus-Teams von Mechatronik-Cluster und Kunststoff-Cluster initiiert, um Unter- nehmen die Möglichkeit zu bieten, sich gemeinsam auf die damit einhergehenden regulatorischen Entwicklungen, auf diffe- renzierte Kundenbedürfnisse und auf ein verändertes Verständnis der unternehme- rischen Verantwortung angesichts des Kli- mawandels vorzubereiten. Die Projektpartner, hauptsächlich produ- zierende Betriebe, betrachten die Klima- ziele als strategische Chance für die Erar- beitung von Wettbewerbsvorteilen oder die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Dabei bleiben sie aber nicht in der Theo- rie: Im Rahmen der zweijährigen Projekt- laufzeit werden ganz konkrete Maßnah- men zur Erreichung der Klimaziele 2030 im eigenen Unternehmen implementiert. Projektpartner Mission Klimaziele 1: APG, Brantner Green Solutions, Constan- tia Teich, FSH Holding, Isovolta, Koenig & Bauer, Kolp Engineering & Machinery, Novomatic, Sonnentor, Schmid Schrau- ben Hainfeld, Swietelsky, Unser Lagerhaus Amstetten, Wind Thermoplasthandel & TPK Thermoplastkreislauf Projektpartner Mission Klimaziele 2: esarom, Forster Verkehrs- und Werbetech- nik, GW St. Pölten, Harrer, Joma, Jung- bunz lauer, KremsChem Austria, Sunpor, Test Fuchs, voestalpine Projektpartner Mission Klimaziele 3: Baumit GmbH, Busatis GmbH, EVN AG, Kolp GmbH, Seidl Fleischerhandwerk, Sonnentor, W. Hamburger ConsultingPartner: WeAct, Institut für Industrielle Ökologie, BioBASE Das Projekt „Mission Klimaziele“ wurde vom Mechatronik-Cluster und vom Kunst- stoff-Cluster initiiert. Beide werden über das Projekt „NÖ Innovationsökosystem“, das von ecoplus umgesetzt wird, von der Europäischen Union kofinanziert. Ansprechpartner: Patrick Mitmasser ecoplus. Niederösterreichs Wirtschaftsagentur GmbH 3100 St. Pölten, Österreich Niederösterreich-Ring 2, Haus A r e g r e b n e h c u a R a n n A / t r o p e r e m e h C i Tel.: +43 664 601 19659 p.mitmasser@ecoplus.at : r e d l i B