Gemeinsam gegen COVID-19

Mit vergleichsweise banalen Maßnahmen lässt sich die Pandemie gut unter Kontrolle halten, heißt es in einer Stellungnahme der außeruniversitäten Forschungseinrichtungen Deutschlands. Allerdings müssen sich möglichst alle Personen an diese Maßnahmen halten.

Foto: Robert-Koch-Institut
Besonnenheit, aber keine Panik: Gemeinsam kann die Gesellschaft die COVID-19-Pandemie gut bewältigen, betonen die Forschungseinrichtungen.

 

„Nur zusammen können wir Gesundheit, Gesellschaft und Wirtschaft effektiv schützen.“ Das ist die Kernbotschaft in einer Stellungnahme zur Bewältigung der COVID-19-Pandemie, die die außeruniversitären Forschungsorganisationen Deutschlands gemeinsam verfasst haben, namentlich die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft, die Leibniz-Gemeinschaft und die Max-Planck-Gesellschaft. Dem Dokument zufolge entwickelt sich die Pandemie „extrem dynamisch. Eindämmungsmaßnahmen müssen daher laufend beobachtet und angepasst werden“. Zwar stehe Deutschland verglichen mit Ländern wie Frankreich und Spanien wenigstens zurzeit noch relativ gut da. Doch das anlaufende Winterhalbjahr mache einen „fundierten Plan“ erforderlich, um die verstärkte Ausbreitung der Infektion in Grenzen zu halten: „Wir müssen die besten Voraussetzungen schaffen, damit wir unter Beibehaltung von sozialer und wirtschaftlicher Aktivität sowie stabiler Infektionszahlen gut über den Winter kommen.“

 

Nach Ansicht der vier Institutionen gibt es im Zusammenhang mit der Pandemie zwei „Kipppunkte“: erstens das vielfach erwähnte Ansteigen der Reproduktionszahl R über den Wert 1, zweitens die rasche Rückverfolgbarkeit der Infektionsketten. Ist die letztere nicht mehr gegeben, kann sich das Virus leichter ausbreiten. Umso wichtiger ist es deshalb, die Zahl der Neuinfektionen möglichst gering zu halten.

 

Von der oft beschworenen „Herdenimmunität“ halten die Wissenschaftler nichts: Ihnen zufolge ist diese „weiterhin nicht erreichbar“. Länder, die das Konzept der Herdenimmunität verfolgten, wie Italien, Großbritannien, Schweden und Spanien, verzeichneten etwa 470 bis 600 an COVID-19 Verstorbene je Million Einwohner. In Staaten, die nicht auf die Herdenimmunität setzten, darunter Deutschland und Österreich, liege diese Zahl dagegen bei nur 50 bis 100 Toten. Und die seit Frühjahr gesunkene Sterblichkeit infolge von COVID-19 ist laut den Institutionen keineswegs ein Grund, nachlässig zu werden. In den Sommermonaten seien nämlich primär jüngere Personen erkrankt. Der Anteil der COVID-19-Patienten im Alter über 60 Jahren sei dagegen gesunken. Steige er jedoch, wie zu erwarten ist, wieder an, werde sich auch die Sterblichkeit erneut erhöhen.

 

Nicht sinnvoll sei deshalb auch der Ansatz, das Virus in der Gesellschaft nach Belieben zirkulieren zu lassen und nur Risikogruppen abzuschirmen. Denn erstens könnten auch Infizierte, die selbst keine Symptome zeigen, das Virus übertragen. Und zweitens seien Risikopersonen oft auf die Hilfe anderer angewiesen. Somit sollten diese Bezugspersonen nach Möglichkeit ebenfalls nicht infiziert sein. Drittens gebe es zumindest in Deutschland keine ausreichenden Kapazitäten, um die Risikogruppen laufend vorsorglich zu testen.

 

Warnend heißt es in dem Papier, die Hinweise auf die Übertragbarkeit des SARS-CoV-2-Virus durch Aerosole hätten sich mittlerweile erhärtet. Somit sei das Risiko einer Infektion in Innenräumen erheblich höher als bisher angenommen. Hinzu kommt, dass Genesene laut neueren Erkenntnissen nur kurz gegen SARS-CoV-2 immun bleiben und neuerlich erkranken können.

 

Einfach, aber wirksam

 

Was aber waren bzw. sind die wichtigsten Maßnahmen, um die Pandemie einzudämmen? Im Wesentlichen ging respektive geht es um vergleichsweise Banales. An erster Stelle stehen den vier Forschungseinrichtungen zufolge Hygienemaßnahmen wie das Händewaschen sowie das Einhalten der bekannten Abstandsregeln. Bewährt haben sich ihnen zufolge auch das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sowie Test-Trace-und-Isolate-Strategien (TTI), darunter der Einsatz der vielfach umstrittenen „Corona-Apps“.

 

Allerdings kann mit den Apps alleine die Ansteckungsrate bestenfalls auf die Hälfte reduziert werden. Steckt eine Person jedoch im Durchschnitt drei bis vier weitere an, muss die Rate um den Faktor 3 bis 4 verringert werden. Und das geht nur mit Hygiene, Maskentragen sowie Abstandhalten. Auch saisonale Effekte - Stichwort erhöhte Ansteckungsgefahr im Winterhalbjahr - spielen eine Rolle. Tunlichst vermieden werden sollten nicht zuletzt deshalb die berüchtigten „Superspreading-Events“, etwa gesellschaftliche Großveranstaltungen und Après-Ski-Hüttengaudis.

 

Unbesonnenes Verhalten gilt es laut dem Strategiepapier zu unterlassen. Für Panik besteht indessen kein Anlass: „Wenn jede Person nach ihren Möglichkeiten ihren Beitrag leistet, kann SARS-CoV-2 unter Kontrolle gehalten werden.“

 

Verfügbar ist die Stellungnahme unter
www.mpg.de/15426458/stellungnahme-forschungsorganisationen-covid-24-09-2020.pdf .