„Grüne Gase“ gut verträglich

Bei der „Energiewende“ wird Österreich kaum ohne gasförmige Energieträger auf biogener Basis auskommen. Sie für Heizzwecke einzusetzen, wäre technisch kein besonderes Problem, betont die Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW).

Foto: ÖVGW/Richard Tanzer
Grünes Gas für Österreich: Verfahrenstechniker Harald Raupenstrauch (l.) mit ÖVGW-Vizepräsident Michael Haselauer

 

Österreichs Gaswirtschaft ist entschlossen, ihren Beitrag zum Gelingen der Energiewende zu leisten. Das betonte der Vizepräsident der Österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW), Michael Haselauer, am 30. September bei einer Pressekonferenz in Wien. Ihm zufolge ließen sich auf längere Sicht ausreichende Mengen an Biomethan und „grünem“ Wasserstoff bereitstellen, um den Raumwärmebedarf vollständig zu decken. Über die bestens ausgebauten Gasnetze wäre es grundsätzlich kein Problem, die Endkunden zu versorgen. Auch die rund eine Million Gasheizungen würde die „grünen Gase“ gut vertragen. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung, die der Leiter des Departments für Umwelt- und Energieverfahrenstechnik der Montanuniversität Leoben und Inhaber des dortigen Lehrstuhls für Thermoprozesstechnik, Harald Raupenstrauch, und sein Team im Auftrag der ÖVGW durchführten. So kann Biomethan Erdgas vollständig ersetzen, ohne die Brenner anpassen zu müssen. Nicht adaptiert werden müssen die Brenner auch, wenn Erdgas bis zu vier Prozent Wasserstoff beigemengt werden. Wird ein Brenner dagegen entsprechend angepasst, können dem Erdgas sogar bis zu zehn Prozent Wasserstoff beigemengt werden.

 

Aus Biomasse biogene Gase zu erzeugen und mit diesen Erdgas zu ersetzen, ergibt auch in Bezug auf die Treibhausgasbilanz Sinn, erläuterte Gregor Berger, einer der Experten in Raupenstrauchs Team, auf Anfrage des Chemiereports. Verrottet die Biomasse ungenutzt, so werden dabei CO2 und Methan (CH4) frei. Über den üblichen Betrachtungszeitraum von 100 Jahren hinweg gilt CH4 als 28 Mal klimawirksamer als CO2. Somit entspricht ein Gramm CH4 rund 28 Gramm CO2-Äquivalent. Bei der Verbrennung eines Gramms CH4 entstehen dagegen nur rund 2,75 Gramm CO2. Somit ergibt sich bei der Verbrennung bzw. „thermischen Nutzung“ von CH4 im Vergleich zur Verrottung eine Einsparung von rund 90 Prozent des in die Atmosphäre gelangenden CO2-Äquivalents.

 

Für ausgeschlossen hält Raupenstrauch, sämtliche österreichischen Haushalte mit Strom aus erneuerbaren Energien zu beheizen. Es lasse sich schlicht und einfach nicht genug Ökostrom erzeugen, um die Industrie sowie den Mobilitätssektor vollständig zu versorgen und darüber hinaus den Raumwärmebedarf zu decken. Auch deshalb sei „grünes“ Gas unverzichtbar. Um diesem zum Durchbruch zu verhelfen, sind allerdings entsprechende Rahmenbedingungen notwendig, erläuterte Haselauer. Die Gaswirtschaft wünscht insbesondere ein Fördersystem ähnlich der Ökostromförderung, wie sie im Entwurf zum Erneuerbare-Ausbau-Gesetz (EAG) beschrieben wird. Dabei geht es um Marktprämien, die unter Berücksichtigung des Großhandelspreises für Erdgas variieren. Festzuschreiben wäre dieses System im „Grüne-Gase-Gesetz“, das die Bundesregierung ergänzend zum EAG angekündigt hat.