Boehringer Ingelheim übernimmt ViraTherapeutics

Für das Tiroler Krebsforschungsunternehmen bezahlt der deutsche Pharmakonzern 210 Millionen Euro.

Foto: Boehringer Ingelheim (Forograph: Martin Hörmandinger)
„Mit der Übernahme von ViraTherapeutics herausragendes Team in der Krebsforschung gewonnen“: Philipp von Lattorff, der Generaldirektor des Boehringer Ingelheim Regional Center Vienna (RCV)

 

Der deutsche Pharmakonzern Boehringer Ingelheim hat alle Anteile an der Tiroler ViraTherapeutics (ViraT) übernommen. Laut einer Aussendung bezahlte er dafür 210 Millionen Euro. Im August 2016 hatten die beiden Unternehmen einen Kaufoptionsvertrag abgeschlossen. ViraT mit Sitz in Innsbruck ist auf die Krebsforschung spezialisiert und will Viren zur Bekämpfung von Tumoren einsetzen. Als „Hauptproduktkandidat“ wird der Vesicular-Stomatitis-Virus mit modifiziertem Glykoprotein (VSV-GP) bezeichnet. Diesen untersucht ViraT „allein und in Kombination mit anderen Krebstherapien“. Grundsätzlich funktioniert Ansatz von ViraT so: Der VSV-GP vermehrt sich zunächst in den Krebszellen und tötet diese ab. Er wirkt also gewissermaßen als „Krebs im Krebs“. Anschließend regt er das Immunsystem zum Angriff auf die Krebszellen an - egal, ob sie von ihm bereits infiziert sind oder nicht. So lässt sich der Tumor besser unter Kontrolle halten.

Philipp von Lattorff, der Generaldirektor des Boehringer Ingelheim Regional Center Vienna (RCV), konstatierte, sein Konzern habe „mit der Übernahme von ViraTherapeutics ein herausragendes Team in der Krebsforschung gewonnen. Mit der Akquisition ergänzen wir bestehende Forschungsprojekte im Bereich der Immunonkologie und stärken gleichzeitig den Forschungsstandort Österreich, da wir dadurch den Verbleib des Teams und die räumliche Nähe zu den Innsbrucker Universitäten sichern konnten“.

 

Vielversprechendes Spin-off

 

ViraT wurde 2013 als ausgegliedertes Unternehmen (Spin-off) von Dorothee von Laer, der Leiterin der Abteilung für Virologie an der Medizinischen Universität Innsbruck, gegründet. Zurzeit hat das Unternehmen 19 Mitarbeiter. ViraT kooperiert mit dem Christian-Doppler-Labor für virale Immuntherapie für Krebserkrankungen an der Medizinischen Universität Innsbruck. Geschäftsführer von ViraT ist Heinz Schwer, der jahrzehntelange Erfahrung im Pharmangeschäft hat.