Bayer mit 42 Prozent mehr Verlust
Der deutsche Pharma- und Agrochemiekonzern schrieb auch 2025 rote Zahlen. Laut Vorstandschef Bill Anderson kommt er „gut voran“. Es sei aber noch mancherlei zu tun.

Einen Verlust von rund 3,62 Milliarden Euro verzeichnete der deutsche Pharma- und Agrochemiekonzern Bayer im Jahr 2025, um 42 Prozent mehr als 2024. Der Umsatz belief sich auf 45,57 Milliarden Euro, um 2,2 Prozent weniger als 2024. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) brach um 80,4 Prozent auf 1,71 Milliarden Euro ein. Operativ verbuchte Bayer einen Verlust von 1,07 Milliarden Euro nach 71 Millionen Euro im Jahr 2024. Belastet wurde das EBIT nicht zuletzt durch Sonderaufwendungen von 6,18 Milliarden Euro, die „hauptsächlich“ im Zusammenhang mit Rechtsstreitigkeiten anfielen. Diese bezogen sich nicht zuletzt auf das umstrittene Pflanzenschutzmittel Roundup (Glyphosat). Die Zahl der Beschäftigten verringerte sich gegenüber 2024 weiter um rund fünf Prozent auf 88.078 Personen. Zum Vergleich: 2023 hatte Bayer eine weltweite Belegschaft von 99.723 Personen.
Im Geschäftsbereich Crop Sciences sank der Umsatz um 2,9 Prozent auf 21,62 Milliarden Euro. Das EBITDA brach auf -1,59 Milliarden Euro ein, nachdem es 2024 noch +3,97 Milliarden Euro betragen hatte. Verringert hat sich der operative Verlust: Er belief sich auf 2,53 Milliarden Euro, 2024 waren es 2,76 Millarden Euro gewesen. Laut dem Geschäftsbericht waren negative Währungseffekte von 208 Millionen Euro zu verzeichnen. Dazu kamen „negative regulatorische Effekte und höhere Aufwendungen für das konzernweite Short-Term-Incentive-Programm. Darüber hinaus wurde das Ergebnis durch strategische Maßnahmen, insbesondere Kosten der Portfoliofokussierung im Berichtsjahr sowie Veräußerungserlöse von Randgeschäften im Vorjahr, beeinflusst“. Dem standen ein nicht quantifiziertes „starkes Wachstum“ in der Geschäftseinheit „Maissaatgut und Pflanzeneigenschaften“ sowie die Reduktion von Kosten „durch unsere Effizienzprogramme“ gegenüber.
Xarelto-Umsatz bricht ein
Beim Geschäft mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln (Pharmaceuticals) verzeichnete Bayer einen Umsatzrückgang um 1,7 Prozent auf 17,83 Milliarden Euro. Das EBITDA verringerte sich um 1,0 Prozent auf 4,30 Milliarden Euro. Dem gegenüber erhöhte sich das operative Ergebnis um 12,1 Prozent auf 3,13 Milliarden Euro. Erklärt wird der EBIT-Zuwachs „maßgeblich“ durch die um 54,3 Prozent auf 264 Millionen Euro gesunkenen Sonderaufwendungen für die Restrukturierung des Geschäftsbereichs sowie die um 56,9 Prozent auf 267 Millionen Euro gesunkenen Wertminderungen. Die Umsätze mit dem vormaligen Hauptgeschäftstreiber, dem Gerinnungshemmer Xarelto, dessen Patente auslaufen, fielen um 31,6 Prozent auf 2,34 Milliarden Euro. Er lag damit unter den Umsatzbringern nur mehr an dritter Stelle. Den ersten Platz nahm das Augenpräparat Eylea mit 3,11 Milliarden Euro ein, dessen Umsatz allerdings um 3,7 Prozent sank. Den zweiten Platz belegte das Krebsmedikament Nubeqa mit 2,38 Milliarden Euro. Dieses hatte das mit 62,4 Prozent zweitstärkste Umsatzwachstum zu verzeichnen. Den größten Umsatzzuwachs verzeichnete mit 88,0 Prozent Kerendia, ein Arzneimittel gegen chronische Nierenerkrankung in Verbindung mit Typ-2-Diabetes sowie Herzinsuffizienz. Unter den Umsatzbringern lag das Mittel mit 829 Millionen Euro an fünfter Stelle nach dem Kontrazeptivum Mirena mit 1,37 Milliarden Euro.
Mit rezeptfreien Medikamenten (Geschäftsbereich Consumer Health) schließlich machte Bayer 2025 rund 5,80 Milliarden Euro Umsatz, um 1,2 Prozent weniger als 2024. Das EBITDA wuchs um 2,2 Prozent auf 1,29 Milliarden Euro, das EBIT fiel dem gegenüber um 11,3 Prozent auf 912 Millionen Euro. Als Grund nannte Bayer Sonderaufwendungen von 49 Millionen Euro, 2024 konnte der Konzern in diesem Bereich Sondererträge von 59 Millionen Euro lukrieren.
Anderson zufrieden
Vorstandschef Bill Anderson zeigte sich mit den Resultaten zufrieden: „Auf divisionaler Ebene ist Crop Science im ersten Jahr mit dem Programm zur Verbesserung der Ertragskraft vorangekommen. Die Fortschritte bei Pharmaceuticals werden immer deutlicher sichtbar – mit Produkteinführungen, die sich als Wachstumstreiber etablieren, und weiteren Produkten, deren Entwicklung hin zur Markteinführung vorankommt. Consumer Health litt durch schwache Märkte in den USA und China, konnte sein Margenziel aber erreichen.“ Insgesamt komme Bayer „überall im Unternehmen deutlich voran, wissen aber sehr genau, was in den unterschiedlichen Bereichen noch zu tun ist“. Das gelte zumal für die Rechtsstreitigkeiten um Roundup (Glyphosat). Anderson verwies in diesem Zusammenhang auf den in den USA angestrebten Sammelvergleich.
Für heuer stellte Anderson „solide Ergebnisse“ in Aussicht, „wobei Rückgänge bei Produkten von Pharmaceuticals und Crop Science durch Patentausläufe und Regulierungsentscheidungen in der EU durch die starken Ergebnisse von Produkteinführungen sowie unsere jährliche Portfolioaktualisierung kompensiert werden“. In Zahlen ausgedrückt heißt das: Der Umsatz soll mit 44 Milliarden bis 46 Milliarden Euro um 3,4 Prozent niedriger bis 0,9 Prozent höher als 2025 ausfallen. Das voraussichtliche EBITDA vor Sondereinflüssen beziffert Bayer mit 9,1 Milliarden bis 9,6 Milliarden Euro. Dieses würde somit um bis zu 5,9 Prozent fallen oder bestenfalls stagnieren.
Stern in den Aufsichtsrat
Geplant ist übrigens, bei der Hauptversammlung am 24. April den scheidenden OMV-Generaldirektor Alfred Stern in den Bayer-Aufsichtsrat zu wählen. Dieser bringt laut einer Aussendung „Führungserfahrung, tiefes Wissen über die DACH-Region sowie Expertise in Governance-, Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen in den Aufsichtsrat ein“.
