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January 31st

Cefic begrüßt „Transition Pathway for the Chemical Industry“

Das Dokument, das den Weg der Branche zu den Zielen des „European Green Deal“ umreißt, wurde unter deren Einbindung erarbeitet und stößt auf weitgehende Zustimmung. Die Herausforderungen sind dennoch nicht zu unterschätzen. 


Der europäische Chemieindustrieverband Cefic (Conseil Européen des Fédérations de l’Industrie Chimique) begrüßt den „Transition Pathway for the Chemical Industry“, den die EU-Kommission vor wenigen Tagen präsentierte. Das 75 Seiten umfassende Dokument umreißt anhand von etwa 200 Maßnahmen den Weg zu einer stärker an den Grundsätzen der Nachhaltigkeit ausgerichteten, klimaverträglicheren Chemiebranche, die den Zielen des „European Green Deal“ entspricht. Erarbeitet wurde es von Fachleuten der Kommission in Zusammenarbeit mit dem Cefic und dessen Mitgliedern. Der Präsident des Verbands und BASF-Vorstandschef Martin Brudermüller sprach von einem „wichtigen Meilenstein“. Ihm zufolge „arbeitet die Chemieindustrie bereits an ihrer Transformation. Wir brauchen aber Klarheit, Perspektiven und Vorgaben, wie wir zu den Zielen gelangen. Der Transition Pathway bietet uns mehr solche Klarheit, was das Wie und das Wann betrifft“. 
 

Vier Dimensionen


Dem Cefic zufolge hat die „Transition“ vier Dimensionen.

  • „Going climate neutral“ bedeutet, die Chemieindustrie möchte bis 2050 CO2-neutral werden. Bereits in den vergangenen 30 Jahren habe sie ihre Emissionen um mehr als 60 Prozent verringert. Für eine vollständige „Klimaneutralität“ benötige sie jedoch große Mengen an erschwinglichem Ökostrom sowie die notwendige Infrastruktur zur Versorgung mit „grüner“ Energie, auch über die Elektrizität hinaus.
  • „Going digital“ umfasst die Nutzung von Technologien wie Big Data, Künstlicher Intelligenz und Blockchain. Derartiges werde bereits genutzt, betont das Cefic. Allerdings bleibe noch viel zu tun, von der Entwicklung gemeinsamer Standards für die Datennutzung bis zur Ausbildung der derzeitigen und künftigen Beschäftigten.
  • Mit „Transition to safe and sustainable chemicals“ ist das Bestreben gemeint, die gesellschaftliche Forderung nach einem Ende der Nutzung gefährlicher Chemikalien zu erfüllen. Laut dem Cefic ist es dazu notwendig, Forschung und Innovation massiv voranzutreiben. Der Verband warnt vor dem Problem, dass der Markt neue Produkte eventuell nicht akzeptiert. Außerdem fordert er Unterstützungen für Klein- und Mittelbetriebe, die oft keine Möglichkeit zu einschlägiger Entwicklungstätigkeit haben.
  • „Going circular“ schließlich beschreibt den Komplex der Kreislaufwirtschaft und des Recyclings, aber auch die Notwendigkeit, CO2 und CO sowie Biomasse-Abfälle als Grundlage einer fortgeschrittenen „biobasierten“ Chemie zu nutzen. 
     

Eine zentrale Rolle bei der Transition spielt laut dem Cefic die Regulierung. „Verbesserte Konsistenz und Vorhersehbarkeit des Rechtsrahmens werden entscheidend sein, um Investitionen in Europa abzusichern und anzuziehen“, stellt der Verband fest. 
 

„Beispiellose“ Herausforderungen


Der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) verlautete, die Branche stehe „vor der größten Transformation in ihrer Geschichte: sie muss klimaneutral, zirkulär und digital werden und gleichzeitig auf sichere und nachhaltige Chemikalien umsteigen. Gleichzeitig muss sie international wettbewerbsfähig bleiben, damit sie weiterhin wichtige EU-Wertschöpfungsketten, einschließlich sauberer Technologien, beliefern und somit einen wichtigen Beitrag zum Green Deal leisten kann. Die Herausforderungen, die damit einhergehen, sind beispiellos und erfordern Investitionen in Milliardenhöhe“.

 

January 23rd

Pharmaindustrie: Rahmenbedingungen in Österreich „eher mittelprächtig“

Weitgehend zufrieden sind die Unternehmensvertreter mit dem stabilen Umfeld. Änderungsbedarf sehen sie vor allem bei der Gestaltung der Arzneimittelpreise. 


Differenziert fällt das Urteil der Pharmaindustrie über den Standort Österreich aus. Das zeigt das aktuelle „Pharma-Branchenbarometer“, das der Marktforscher Peter Hajek im Auftrag des Interessenverbands Pharmig erstellte. Er führte für das „Barometer“ von Anfang bis Mitte November 2022 eine Online-Umfrage unter den Mitgliedern der Pharmig durch. Von 336 in deren Datenbank aufgelisteten Personen antworteten 121. Dieser Rücklauf von 36 Prozent sei „gut“, konstatierte Hajek bei der Präsentation des „Barometers“ am 23. Jänner. Etwas weniger als die Hälfte der antwortenden Befragten beurteilt die Rahmenbedingungen für die eigene Branchen anhand einer fünfteiligen Skala als „zufriedenstellend“. Hajek zufolge ist dieses Urteil „insgesamt verhalten und als eher mittelprächtig“. 
 

Knapp ein Viertel der Befragten wünscht sich „faire Preise“ für Arzneimittel sowie – auch indexbasierte - Möglichkeiten zur Anpassung der Preise an die Inflation. Etwa ein Fünftel fordert Änderungen bei der Erstattung und beim Erstattungsprozess sowie eine Überarbeitung des Erstattungskodex. Überdies sollte die (Gesundheits-)Politik den Wert innovativer Medikamente besser anerkennen und die Finanzierung von Forschung sowie Innovation verstärken. 
 

Als „sehr zufriedenstellend“ respektive „zufriedenstellend“ bezeichnet rund die Hälfte der Befragten die „Stabilität und Verlässlichkeit des wirtschaftlichen Umfelds in Österreich“. Ebenso geschätzt werden die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Beschäftigte sowie die Verfügbarkeit qualifizierten Personals. Mit dem „Ablauf behördlicher Prozesse im Zusammenhang mit der pharmazeutischen Branche“ ist dagegen weniger als ein Viertel zufrieden. Der größte Schwachpunkt sind die „Möglichkeiten zur Preisgestaltung bzw. Inflationsanpassung von Arzneimitteln im patentfreien Markt“. Sie werden von etwa 60 Prozent der Befragten als „gar nicht“ oder nur wenig zufriedenstellend bezeichnet. Auch die „Einbindung der pharmazeutischen Industrie in den gesundheitspolitischen Entscheidungsfindungsprozess“ erachtet mehr als die Hälfte der Befragten als „gar nicht“ oder nur wenig zufriedenstellend. 
 

Seit 20 Jahren unverändert 


Pharmig-Vizepräsident Peter Wittmann erläuterte, das „Branchenbarometer“ behandle Themen, die die Pharmaindustrie seit langem beschäftigten. Nun erfolge die Darstellung ihrer Positionen auf einem neuen Niveau und abgesichert durch mittels professioneller Marktforschung abgesicherter Daten. In den vergangenen zehn bis 20 Jahren habe die Branche hohe Summen in Österreich investiert, von der Produktion bis zur Qualitätssicherung und zur Arzneimittelsicherheit, Stichwort Serialisierung: „Bei den Arzneimittelpreisen hat sich das aber leider nicht niedergeschlagen.“ Etwa 50 Prozent der Präparate in der „Grünen Box“ des Erstattungskodex kosten laut Wittman weniger als die Rezeptgebühr. Im Wesentlichen hätten sich die Preise seit rund zwei Jahrzehnten nicht verändert: „Das geht sich einfach nicht aus.“ Und das sei einer der strukturellen Gründe für die in letzter Zeit einmal mehr ins Gerede gekommenen zeitweiligen Verknappungen bei der Verfügbarkeit von Arzneimitteln. 
 

„Marktzugang neu denken“ 


Ina Herzer, Vizepräsidentin der Pharmig und Geschäftsführerin der österreichischen Niederlassung des US-amerikanischen Pharmakonzerns Merck Sharp Dohme, ergänzte, die Politik sei gut beraten, den Marktzugang für innovative Medikamente neu zu denken. Im Spitalsbereich funktioniere deren Einführung weitgehend zufriedenstellend. Schwächen gebe es dagegen im niedergelassenen Sektor: „Manche unserer Erzeugnisse finden dort mit unglaublichen Verzögerungen oder gar nicht Verwendung, obwohl sie die Überlebensraten etwa bei Krebserkrankungen erheblich steigern würden.“ Bei Antibiotika wiederum finde sich die Pharmaindustrie in einer Zwickmühle: Angesichts der zunehmenden Resistenzen forderten Politik und Gesellschaft die Entwicklung immer neuer Präparate. Diese dürften dann aber nur so begrenzt wie irgend möglich eingesetzt werden, um die besagten Resistenzen nicht auszuweiten. Wie das wirtschschaftlich funktionieren solle, müsse ihr erst noch jemand erklären. 
 

„Restriktive Preispolitik“ 


Pharmig-Generalsekretär Alexander Herzog resümierte, die Pharmaindustrie wisse um ihre gesellschaftliche Verantwortung und bemühe sich, diese wahrzunehmen. Angesichts der insgesamt leider nur mittelmäßigen Rahmenbedingungen werde es für manche, vor allem produzierende, Unternehmen indessen bereits „sehr eng“. Österreich betreibe im internationalen Vergleich eine sehr restriktive Preispolitik. Die Unternehmen müssten Preiserhöhungen bei der Sozialversicherung beantragen. Und diese lehne die Anträge üblicherweise ab: „Argumentieren muss sie nicht. Sie kann einfach sagen ‚Ja‘ oder ‚Nein‘.“ 
 

Grundsätzlich habe Österreich eines der besten Gesundheitssysteme der Welt. Es gelte, den Nutzen innovativer Therapien für die Gesellschaft besser zu beachten und angemessene Preise für Arzneimittel möglich zu machen, empfahl Herzog. 

     

 

January 20th

Neonicotinoide: Krach um Gerichtsurteil

Neonic-Befürworter und -Gegner legen eine Entscheidung des Gerichts der Europäischen Union unterschiedlich aus. Den Gegnern zufolge sind die Notfallzulassungen in Österreich rechtswidrig. Den Befürwortern dagegen ist das Urteil für den heimischen Markt bedeutungslos.
 

Ein Urteil des Gerichts der Europäischen Union sorgt für Streit. Hinsichtlich einer Notfallzulassung neonicotinoidhaltiger Pflanzenschutzmittel in Belgien stellte das Gericht fest, die Mitgliedsstaaten der EU dürften grundsätzlich nicht vom geltenden Verbot der „Neonics“ abweichen. Aufgrund der geltenden Rechtslage müsse der Einsatz von Pflanzenschutzmethoden, die ohne chemische Substanzen auskommen, Vorrang vor der Nutzung von Pestiziden haben. Ferner sei auf möglichst geringe Risiken für Mensch und Umwelt zu achten. Zwar sehe der Gesetzgeber der EU für den Fall außerordentlicher Umstände, wie etwa die Gefährdung der landwirtschaftlichen Produktion, die Möglichkeit vor, von diesen Grundsätzen abzuweichen. Das bedeute aber nicht das Recht, von ausdrücklichen Verboten bestimmter Substanzen abzugehen, im konkreten Fall also Zuckerrübensamen einzusetzen, die mit neonic-haltigen Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden. 
 

„Schluss mit den Notfallzulassungen“ 


Aufgrund dessen behauptet die staatlich anerkannte Umweltorganisation Global 2000, auch die österreichischen Notfallzulassungen für die Neonics widersprächen dem EU-Recht. „Aktuell liegt in Österreich laut Auskunft der Zulassungsbehörde Bundesamt für Ernährungssicherheit (BAES) ein Antrag auf eine neuerliche Notfallzulassung von Neonicotinoiden zur Beizung von Zuckerrüben auf. Mit der EuGH-Entscheidung ist allerdings klar, dass eine Bewilligung dieses Antrags durch die dem Landwirtschaftsminister unterstellte Behörde BAES klar rechtswidrig wäre“, heißt es in einer Aussendung. 

Ähnlich argumentiert Günther Sidl, ein Abgeordneter der SPÖ zum EU-Parlament und Mitglied des dortigen Umweltausschusses. „Mit der bisher viel zu lax gehandhabten Praxis, eigentlich bereits als gefährlich verbotene Substanzen jedes Jahr aufs Neue per Notfallzulassung wieder auf den Markt zu bringen, muss nach der juristischen Klarstellung durch den EuGH jetzt endgültig Schluss sein“, fordert Sidl. 
 

„Keine Auswirkungen“ 


Gegenteiliger Ansicht ist der Niederösterreichische Bauernbund. Dessen Direktor Paul Nemecek ließ wissen, das Urteil beziehe sich ausschließlich auf einen Fall in Belgien „und hat somit keine direkten Auswirkungen auf Österreich“. Überdies stehe die Sicherheit der Versorgung mit Lebensmitteln im Verfassungsrang: „Daher muss der österreichische Gesetzgeber alles dafür tun, dass diese, im konkreten Fall mit heimischem Zucker, nicht verloren geht und weiterhin gewährleistet bleibt.“ Laut Nemecek ist der Fall in Belgien ohnehin nicht mit der Lage in Österreich vergleichbar: Hierzulande „herrschen strengere Vorschriften, sowie ein begleitendes wissenschaftliches Monitoring, welches bis dato auch die Unbedenklichkeit dieser Notfallzulassung in Österreich attestiert“. Zu guter Letzt dürfe die grundsätzliche Bedeutung des Urteils des Gerichts nicht überschätzt werden. Denn das letzte Wort bei Zulassungen habe die EU-Kommission. 

 

Arzneimittel: Schluss mit den Billigpreisen 

Angesichts von Versorgungsengpässen will der deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach die Rahmenbedingungen für die Arzneimittelabgeltung ändern. Österreichische Vertreter der Pharmabranche halten das auch hierzulande für empfehlenswert. 

 

„Wir haben es mit der Ökonomisierung auch in der Arzneimittelversorgung mit patentfreien Medikamenten übertrieben“, konstatiert der deutsche Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. Deshalb will er die Rahmenbedingungen für die Arzneimittelabgeltung ändern, bei Präparaten für Kinder sogar „radikal“. Laut einem dreiseitigen Eckpunktepapier, das Lauterbach am 20. Dezember präsentierte, wird das Preismoratorium für Arzneimittel für Kinder geändert. „Als neue Preisobergrenze wird das 1,5-fache eines aktuell bestehenden Festbetrags oder, sofern kein Festbetrag besteht, das 1,5-fache des Preismoratoriums-Preises festgelegt“, heißt es in dem Papier. Ferner will Lauterbach die Krankenkassen gesetzlich verpflichten, bei jeder Ausschreibung für patentfreie Arzneimittel eine verbindliche Ausschreibung eines zusätzlichen Loses  vorzunehmen. Dabei ist der „Anteil der Wirkstoffproduktion in der EU“ als ergänzendes Vergabekriterium zum Preis zu berücksichtigen. Vorerst gilt dies nur für Arzneimittel gegen Krebs und für Antibiotika. Die Ausweitung auf andere „Wirkstoffe und Indikationen“ ist aber möglich, wenn der Beirat zu Liefer- und Versorgungsengpässen beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) das empfiehlt. Die Apotheken wiederum bekommen das Recht, den Patienten wirkungsgleiche alternative Präparate anzubieten, wenn das ihnen verschriebene Medikament nicht verfügbar ist. Müssen die Apotheken, um sicherzugehen, einen Arzt konsultieren, wird ihnen dies vergütet. 

 

Überdies soll der Beirat „Kriterien für einen sich abzeichnenden Versorgungsengpass und eine drohende Marktverengung auf der Grundlage einer kontinuierlichen Marktbeobachtung bei versorgungskritischen Arzneimitteln“ entwickeln. Das Gesundheitsministerium „kann auf dieser Grundlage der Empfehlung des Beirats weitere Wirkstoffe bzw. Indikationen den neuen Ausnahmeregelungen bei Festbeträgen, Rabattverträgen und bei der Apothekenabgabe unterstellen“. Um die Marktbeobachtung durch den Beirat zu erleichtern, erhält das BfArM laut dem Eckpunktepapier „zusätzliche Informationsrechte gegenüber pharmazeutischen Unternehmen und Großhändlern, insbesondere bezogen auf die aktuellen Produktionsmengen nach Produktionsstandort und auf die Lagerhaltung von Wirkstoffen, Zwischenprodukten und Fertigarzneimitteln“. Einen Zeitplan für die Umsetzung der Maßnahmen nannte Lauterbach nicht. 

 

Höhere Preise notwendig 

 

Für Österreich wäre ein derartiges Abgehen „von der Billigstpreispolitik bei der Erstattung von lebenswichtigen Arzneimitteln“ ebenfalls zu empfehlen, betont der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO). Nur so könnten Lieferengpässe vermieden werden. Dem Verband zufolge sind die Pharmaunternehmen „mit enormen Kostensteigerungen auf Grund der Energiekrise und Teuerungen bei den Produktionsmitteln konfrontiert“. Daher müsse das Gesundheitsministerium die Möglichkeit schaffen, „Medikamente im Sinne der Versorgungssicherheit zu höheren Preisen anbieten zu können“. FCIO-Geschäftsführerin Sylvia Hofinger forderte „einen Bonus für in Österreich und in der EU hergestellte Arzneimittel. Nur wenn wir rasch und entschieden handeln, können wir verhindern, dass Versorgungsprobleme in den kommenden Jahren noch schlimmer werden“. 

 

Lösungs- statt Kostenfaktor 

 

Seitens des Pharmaindustrieverbands Pharmig und des Österreichischen Generikaverbands hieß es, wegen des „sprunghaft angestiegenen Infektionsgeschehen bei Erkältungs- und Atemwegskrankheiten“ fehle den Pharmafirmen die nötige Vorlaufzeit für die Steigerung der Produktion. Und aufgrund des Kriegs in der Ukraine seien die Lieferketten „ohnehin bereits stark belastet“. Die Lieferzeiten für Verpackungsmaterialien, etliche Inhaltsstoffe sowie Lösungsmittel und Beschichtungen hätten sich teils erheblich verlängert, konstatierte Pharmig-Generalsekretär Alexander Herzog. Wolfgang Andiel, der Präsident des Generikaverbandes, ergänzte, zurzeit müssten Unternehmen „mehrere Monate auf einzelne Komponenten warten, die vor der Pandemie binnen kürzester Zeit verfügbar waren. Das verlangt eine längerfristige Planung und erhöht gleichzeitig die Gefahr, dass es im Zuge der sehr komplexen Produktion von Arzneimitteln zu Zwischenfällen kommen kann“. 

 

Herzog kritisierte, die Branche sei „seit Langem schon mit einer Preisspirale konfrontiert, die sich beständig nach unten bewegt“. Deshalb habe die Pharmaindustrie ihre Erzeugungskapazitäten „zunehmend in Regionen verlagert, wo eine günstigere Produktion möglich ist. Die Auswirkungen sehen wir vor allem in diesen Tagen“. Es sei an der Zeit, „Arzneimittel nicht nur als Kostenfaktor zu betrachten, sondern vor allem als Lösung essenzieller Probleme. Anstatt immer nur auf Einsparpotenziale im Gesundheitssektor zu schielen, sollte der gesamte Sektor als Chance für zukunftsgerichtete Investitionen angesehen werden“.

 

Dezember 16th

„Niederösterreichischer JungforscherInnenkalender 2023“ erschienen

In den Räumen der Landesbibliothek in St. Pölten wurde am 29. November ein Kalender präsentiert, für den zwölf an den niederösterreichischen Technopolen forschende Damen und Herren vor Kamera und Mikrofon gebeten wurden.

Florian Pfaffeneder-Mantei ist ein vielseitiger Mensch. Er hat ein Studium der Zahnmedizin absolviert, ist Oberarzt im Zentrum für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Danube Private University und Senior Researcher in der Abteilung Chemie und Physik der Materialien an dieser Einrichtung. Dort beschäftigte er sich mit der Verbesserung der Materialeigenschaften von Dental-Bohrern, mit Zahnimplantate, die sich besser in den Knochen integrieren oder Osteosynthese-Schrauben, die wieder leicht aus diesem zu entfernen sind. In seiner Freizeit widmet er sich liebevoll seinem Garten. Als Pfaffeneder-Mantei bei der Präsentation des „Niederösterreichischen JungforscherInnenkalenders 2023“ auf die Bühne gebeten wurde, wusste er im Detail über die Technik der Silberplattenfotografie Bescheid, mit der er für den Kalender abgelichtet wurde und konnte sie bis zu ihren historischen Wurzeln zurückverfolgen.

Menschen wie Pfaffeneder-Mantei sind in der Neuausgabe des Kalenders vorgestellt: junge Forscher, die an einem der niederösterreichischen Technopol-Standorte Krems, Tulln, Wiener Neustadt und Wieselburg mit Neugier und Herzblut einem Forschungsthema nachgehen – und sich dennoch nicht im Elfenbeinturm verkriechen, sondern gesellschaftliches Engagement zeigen. Auf die im Steckbrief des Kalenders gestellte Frage, in welchen Bereichen das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft verbessert werden sollte, antworteten fast alle Befragten, dass wissenschaftliche Vorgehensweise und Ergebnisse besser in die Gesellschaft hinein kommuniziert werden müssen.

 

Ehrliche Form der Fotografie

Ein Stück davon will auch der „Niederösterreichischen JungforscherInnenkalenders 2023“ leisten. Das Team um Claus Zeppelzauer, Bereichsleiter Unternehmen und Technologie der niederösterreichischen Wirtschaftsagentur ecoplus, hat sich dafür diesmal etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Die zwölf Forscher und Forscherinnen, die im Kalender präsentiert werden, wurden mittels eines in den Jahren 1850/1851 entwickelten Kollodium-Nassplattenverfahrens und einer Holzkamera aus dem Jahre 1894 von Fotokünstler B.M. Kowalsky abgelichtet. „Diese Form der Fotografie hat eine gewisse Ehrlichkeit“, meinte Pfaffeneder-Mantei, als ihn Zeppelzauer im Rahmen der Präsentation interviewte. Jedes Bild ist mit viel handwerklicher Arbeit verbunden, es wird gleichsam für die Ewigkeit festhalten, was den flüchtigen Augenblick überdauert, „nicht wie eines von 100 Handy-Fotos“, so Pfaffeneder-Mantei.

Begleitend dazu hat Jürgen Adelmann die wissenschaftlichen Zukunftshoffnungen zu Interviews gebeten, die als Podcast-Serie online verfügbar ist. Die Forscher sprechen dabei über ihren Werdegang und ihre Forschung und verraten, was ihnen abseits des Berufs zu Kraft und Entspannung verhilft. Das Projekt verbindet damit gezielt die analoge Fototechnologie mit digitalen Podcast-Interviews, um zu zeigen, wie Forschung und Entwicklung in kurzer Zeit den Alltag verändert haben.

„Ein erfolgreicher Forschungsstandort kann nur gesichert werden, wenn der Nachwuchs an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nicht ausgeht“, sagte Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger im Rahmen der Präsentation in den Räumen der Niederösterreichischen Landesbibliothek in St. Pölten. Es müsse daher gelingen, auch weiterhin zahlreiche junge Menschen für einen Beruf in der Wissenschaft zu begeistern. „Die Landesbibliothek ist nicht zufällig als Ort ausgewählt worden“, ergänzte ecoplus-Geschäftsführer Helmut Miernicki, „sie ist eine öffentlich zugängliche Einrichtung, die allen Menschen offensteht.“

Der „JungforscherInnen-Kalender 2023“ hat eine Auflage von 500 Stück und wird exklusiv an Universitäten, Fachhochschulen, Forschungsinstitute, Technopolpartnerbetriebe und wissenschafts-interessierte Personen verteilt. Auf dem Titelblatt ist Laura Bettiol zu sehen, die in der Abteilung Aerospace Engineering der Fotec Forschungs- und Technologietransfer GmbH im Bereich der Satellitenantriebstechnik forscht.

Die Podcastserie ist unter https://noe-jungforscherinnen-kalender-2023.stationista.com/ zu finden.

Dezember 14th

Amgen plant Mega-Fusion

Der US-amerikanische Pharmakonzern bietet 27,8 Milliarden Euro für die irische Horizon Therapeutics, die auf Arzneimittel gegen „seltene Erkrankungen“ spezialisiert ist.

 

Der US-amerikanische Pharmakonzern Amgen plant, die irische Horizon Therapeutics zu übernehmen. Das teilten die beiden Unternehmen in einer Aussendung mit. Amgen bietet für die auf Arzneimittel gegen „seltene Erkrankungen“ spezialisierte Firma 27,8 Milliarden US-Dollar (26,14 Milliarden Euro). Das wäre mehr als der Umsatz von Amgen im Jahr 2021, der mit rund 24,43 Milliarden Euro angegeben wird. Zum Vergleich: Horizon Therapeutics beziffert seinen Umsatz für 2021 mit rund 3,03 Milliarden Euro. Geplant ist, die Transaktion im ersten Halbjahr 2023 abzuschließen. Amgen benötigt dafür die Zustimmung der Behörden Irlands, der USA, Dänemarks, Deutschlands, Frankreichs, Italiens und Österreichs. Das Horizon-Management befürwortet die Übernahme. Zu deren Finanzierung nutzt Amgen eine Zwischenfinanzierung in der Höhe von 26,8 Milliarden Euro, die die Citibank, die Bank of America und andere Banken bereitstellen, sowie Eigenmittel.

 

Horizon vertreibt unter anderem Tepezza, ein Medikament gegen endokrine Ophthalmopathie („Basedow-Krankheit“), Krystexxa zur Bekämpfung von chronischer therapierefraktärer Gicht sowie Uplizna, ein Arzneimittel gegen Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD), die das Zentralnevensystem beeinträchtigen. Diese Präparate gelten als wirtschaftlich besonders attraktiv. Mit Terpezza erzielte Horizon 2021 weltweit einen Umsatz von rund 1,59 Milliarden Euro, mit Krystexxa etwa 532 Millionen Euro, mit Ulpizna 71 Millionen Euro. Dem letzteren Mittel wird für heuer ein Umsatzsprung auf rund 106 Millionen Euro prognostiziert.

 

Amgen-Chef Robert A. Bradway geht davon aus, durch die Übernahme von Horizon ab 2024 Ergebniszuwächse erzielen zu können. Er sprach von einer Gelegenheit, die nicht versäumt werden dürfe („compelling opportunity“), die bestens mit der Strategie seines Konzerns zusammenpasse. Amgen könne mit „erstklassigen Medikamenten“ wie Tepezza, Krystexxa und Uplizna erheblich mehr Patienten versorgen als bisher. Überdies verspricht sich Bradway die Verstärkung und Ergänzung der Forschungs- und Entwicklungstätigkeit seines Unternehmens. Ähnlich äußerte sich Horizon-Chef Tim Walbert. Amgen werde den Wert der Produktpalette und der Pipeline seines Unternehmens maximieren und die Fähigkeit, mehr Patienten zu bedienen, verstärken.

 

 

 

Dezember 4th

Kansai Helios übernimmt CWS

Mit der Akquisition will die europäische Lackgruppe ihre Marktposition vor allem in den Bereichen Pulverlacke sowie Kunstharze ausbauen.

 

Kansai Helios übernimmt die CWS Lackfabrik GmbH („CWS“), einen bekannten Hersteller von Pulverlacken sowie flüssigen und festen Kunstharzen mit über 150-jähriger Tradition und Hauptsitz in Düren etwa 35 Kilometer südwestlich von Köln. Neben den Niederlassungen in Deutschland umfasst die Akquise auch die CWS-Konzerngesellschaften in den USA, Dänemark und Polen. Ein entsprechender Vertrag wurde kürzlich unterzeichnet, teilte Kansai Helios mit. Das Unternehmen sieht in der Transaktion „eine langfristige Möglichkeit, die Marktposition in der Lackindustrie insbesondere im Bereich Pulverlacke sowie Kunstharze auszubauen“. CWS ist ein 1864 gegründetes Familienunternehmen mit rund 250 Mitarbeitern. In Düren erzeugt es Pulverlacke sowie Fest- und Flüssigharze, in Hamburg Flüssigharze, in der US-Metropole New York Pulverlacke. Handelsniederlassungen bestehen in Dänemark und Polen. CWS-Eigentümer Hans-Helmuth Schmidt konstatierte, sein Unternehmen sei „stark und stabil“, ermangle jedoch der Vorteile „einer großen Unternehmensgruppe in einem Marktumfeld, das für kleine und mittelständische Unternehmen immer herausfordernder wird. Der Verkauf meines Unternehmens ist eine großartige Möglichkeit für die langfristige Entwicklung, sowohl für CWS als auch für Kansai Helios“.

 

Bastian Krauss, der Geschäftsführer von Kansai Helios, sieht in dem Kauf einen „Meilenstein. Mit CWS haben wir eine perfekte Ergänzung und Erweiterung unserer eigenen Kompetenzen in Pulverlacken und Kunstharzen sowie dem bestehenden Flüssiglackgeschäft gefunden“. Seine Unternehmensgruppe besteht seit mehr als 170 Jahren. Sie entwickelt, erzeugt und vermarktet industrielle Beschichtungslösungen, Chemikalien zum Bleichen und Reinigen, Materialien zum Kleben und Dichten, hochwertige Harze, Architekturfarben und Reparaturlacke in Europa und darüber hinaus. Das Geschäft mit Pulverlacken erachtet Kansai Helios als besonders aussichtsreich. Mit dem Erwerb von CWS baue das Unternehmen seine strategische Position in diesem Bereich deutlich aus, gewinne zusätzliches Know-how, zusätzliche Vertriebskanäle, Produktions- sowie Lagerkapazitäten und könne seine Präsenz in Europa weiter verstärken, vor allem in Deutschland, hieß es in einer Aussendung.

 

 

 

IGO Industries: Beteiligung an SMB

Die Innsbrucker Firmengruppe übernimmt einen Anteil von rund 33,5 Prozent an dem Grazer Anlagenbauunternehmen.

 

Die internationale Firmengruppe IGO Industries mit Hauptsitz in Innsbruck erwirbt einen Anteil von 33,49-prozentigen Anteil an der SMB Holding sowie deren Niederlassungen. Sie verstärkt damit ihre Kompetenzen im industriellen Anlagenbau, hieß es in einer Aussendung: „Die zunehmende Komplexität im industriellen Anlagenbau erfordert intensive Forschung und Entwicklung sowie das Bündeln von Synergien und Ressourcen. Ein Wissens- und Know-how-Transfer innerhalb eines Gruppenverbandes erweitert das Leistungsspektrum, erhöht die Resilienz in global herausfordernden Zeiten und beflügelt die beteiligten Firmen.“ Die SMB-Gruppe mit Hauptsitz in Graz und über 500 Beschäftigten ist seit mehr als 30 Jahren international im Bereich der Planung und Umsetzung von Anlagenbauprojekten tätig. Thematische Schwerpunkte sind die Pharma-, Lebensmittel- und Halbleiterindustrie, die Automotive-, Energie- und Chemiebranche sowie die Papier- und Zellstoffindustrie.

 

Die IGO Industries ist ein international tätiger Verbund von Technologieunternehmen und hat sich auf die technische Gebäudeausstattung sowie den ndustriellen Anlagenbau spezialisiert. Zu ihren Tochterfirmen gehören Babak, Bacon, EBG, Elin, H+E, HTG, Ortner, Pfrimer, SE-Bau und TKT Engineering. Dazu kommen assoziierte und Gemeinschaftsunternehmen, darunter der Baukonzern Porr, die UBM Development AG und die Hospitals Projektentwicklungsges.m.b.H.. Im Verbund werden schlüsselfertige, hochkomplexe Bauprojekte realisiert.

 

Seitens des IGO-Managements hieß es, die Beteiligung an der SMB sei „für unsere Industriegruppe eine wertvolle Ergänzung ihrer bestehenden Kompetenzen. Unsere breite fachliche Basis in der Elektro- und Gebäudetechnik wird somit auch im industriellen Anlagenbau von Ortner weiter ausgebaut. Wir werden vorhandene Synergien für unsere individuellen als auch gemeinsamen Projekte bestmöglich einsetzen und damit noch service- und kundenfreundlicher arbeiten. Diese Partnerschaft ermöglicht uns weitere Verbesserungen im technischen und operativen Bereich als auch gemeinsame Aktivitäten im Bereich Forschung und Entwicklung“.

 

Die Geschäftsführer der SMB Holding, Hermann Grundnig und Walter Krassnitzer, verlauteten, „wir bauen durch diese Partnerschaft und Beteiligung unseren Technologievorsprung aus, erweitern unser Leistungsspektrum und sorgen so für einen Wachstumsschub für die gesamte SMB-Gruppe. Unseren Fachkräften bieten wir durch gemeinsame Forschungsaktivitäten einen zusätzlichen Wissensvorsprung und hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten.“

 

 

 

November 24th

Titandioxid: EU-Gericht verwirft Verordnung der EU-Kommission

Eine bestimmte Pulverform des Weißpigments wurde fälschlich als krebserregend eingestuft. Nach Ansicht der österreichischen Chemieindustrie kann Titandioxid nun in Lacken und Farben sicher weiterverwendet werden.

 

Die EU-Kommission hat das Weißpigment Titandioxid in einer bestimmten Pulverform fälschlich als möglicherweise krebserregend eingestuft. Ihr darauf beruhendes Verbot des Einsatzes der Chemikalie in Farben und Lacken ist daher nichtig. Das stellt das Gericht der EU (EuG) in einem Urteil vom 23. November sinngemäß fest. Laut dem Gericht hatte die Kommission in ihrer Verordnung aus dem Jahr 2019 behauptet, es bestehe der Verdacht, dass Titandioxid karzinogen sei, wenn es „in Pulverform mit mindestens einem Prozent Partikel mit aerodynamischem Durchmesser von höchstens zehn Mikrometern (μm) “ eingeatmet werde. Sie stützte sich dabei auf eine Einstufung durch den Ausschuss für Risikobeurteilung der Europäischen Chemikalienagentur ECHA (RAC) aus dem Jahr 2017.

 

Das Gericht stellt dazu zweierlei fest: Erstens sei „im vorliegenden Fall das Erfordernis, dass die Einstufung eines karzinogenen Stoffes auf zuverlässigen und anerkannten Untersuchungen beruhen muss, nicht erfüllt“. Der RAC habe seiner Stellungnahme nämlich eine Studie zugrunde gelegt, die falsche Behauptungen hinsichtlich der Lungenüberlastung durch Titandioxid enthalte. Indem die Kommission sich auf die Einstufung des RAC stützte, habe sie dessen Fehlurteil übernommen.

 

Zweitens verstieß die Kommission gegen das Kriterium, „wonach sich die Einstufung eines Stoffes als karzinogen nur auf einen Stoff mit der intrinsischen Eigenschaft, Krebs zu erzeugen, beziehen darf“. Der RAC dagegen habe Titandioxid richtigerweise ausdrücklich als „nicht intrinsisch im klassischen Sinn“ eingestuft. Diese „nicht im klassischen Sinn intrinsische“ Natur der Karzinogenität der Chemikalie ergebe sich noch dazu aus Gründen, die die Kommission in ihrer Verordnung selbst anführe: „Denn die Gefahr der Karzinogenität besteht nur in Verbindung mit bestimmten lungengängigen Titandioxidpartikeln, wenn sie in einem bestimmten Aggregatzustand, einer bestimmten Form, einer bestimmten Größe und einer bestimmten Menge vorhanden sind. Sie zeigt sich nur bei einer Lungenüberlastung und entspricht einer Partikeltoxizität.“

 

Dem Urteil des EuG liegt eine Klage gegen die Verordnung der EU-Kommission zugrunde, die der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) gemeinsam mit der Lackfirma Rembrandtin angestrengt hatte. In einer Aussendung begrüßte der Verband das Urteil. Klaus Schaubmayr, der Geschäftsführer der Berufsgruppe der Lack- und Anstrichmittelindustrie im FCIO, konstatierte darin, er freue sich, „dass mit dem Urteil für unsere Unternehmen Rechtssicherheit geschaffen wurde und hoffen sehr, dass bei zukünftigen Einstufungen von Stoffen mehr auf eine valide Datenlage gesetzt wird“.

 

Der FCIO ergänzte, Titandioxid könne nun „weiterhin sicher in Lacken und Farben verwendet werden“. Das Weißpigment werde seit rund 100 Jahren kommerziell verwendet „und derzeit in Mengen von bis zu zehn Millionen Tonnen pro Jahr in Europa hergestellt oder verarbeitet. Zehntausende Arbeiter weltweit und Millionen Konsumenten kommen tagtäglich mit Titandioxid in Kontakt. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass eine krebserregende Wirkung bei einer solch weitreichenden Exposition bislang verborgen geblieben wäre“.

 

 

October 21st

Pharmaindustrie fordert Inflationsabgeltung

Die Branche wolle „nichts geschenkt haben“, sondern „faire Preise“, hieß es bei einer Pressekonferenz. Neben der Abgeltung der Inflation sei auch die Weiterführung des Preisbandes für Generika unverzichtbar.

 

 

Ihre Forderung nach Anpassung der Arzneimittelpreise an die Inflation wiederholten kürzlich Vertreter der Pharmaindustrie bei einem Pressegespräch des Branchenverbandes Pharmig. Dessen Generalsekretär Alexander Herzog erläuterte, nötig sei eine Novelle des ASVG sowie eine entsprechende Anpassung der Verordnung des Dachverbands der Sozialversicherungsträger zum Erstattungskodex. Weitergeführt werden sollte der Pharmaindustrie zufolge auch das Preisband bezüglich der Generika. Laut einer seit 18. März in Kraft befindlichen ASVG-Novelle hat der Dachverband das Preisband am 1. Oktober kommenden Jahres „letztmalig“ festzulegen. Der Höchstpreis für wirkstoffgleiche Arzneimittelspezialitäten darf dabei um maximal 20 Prozent statt bisher 30 Prozent „über dem Preis der günstigsten Arzneispezialität desselben Wirkstoffs liegen“. Kommt die Politik diesen Wünschen nicht nach, könnten manche Medikamente vom österreichischen Markt verschwinden, warten die Pharma-Repräsentanten.

 

Ilse Bartenstein, die Obfrau der Berufsgruppe Pharmaindustrie im Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) und Geschäftsführerin bei G.L.Pharma GmbH sowie Gerot Lannach Holding GmbH, erläuterte, sie wolle von der Politik nichts geschenkt, benötige aber „faire Preise“: „Ich bin zutiefst Unternehmerin. Ich möchte mit dem, was ich tue, einen adäquaten Preis erreichen können, damit ich unternehmerisch tätig sein kann.“ Das aber lasse sich nur mittels der Inflationsabgeltung und des Preisbands erreichen. Das Preisband ermögliche einer Mehrzahl von Unternehmen, ihre Produkte zu vermarkten, und diene damit der Versorgungssicherheit. Ähnlich argumentierte Katherina Schmidt, die Geschäftsführerin der Montavit. Unter den derzeitigen rechtlichen Rahmenbedingungen sei es nicht möglich, höhere Produktionskosten, etwa infolge steigender Strompreise und Löhne, weiterzugeben. Die Inflationsabgeltung und das Preisband seien daher unverzichtbar. „Wir wollen nichts geschenkt haben, sondern gut wirtschaften können“, betonte Schmidt.

 

Pharmig-Vizepräsident Bernhard Wittmann, der Geschäftsführer der Sigmapharm, ergänzte, die Politik habe grundsätzlich die Bedeutung der Pharmabranche verstanden. Leider hapere es an konkreten Maßnahmen und Unterstützungen. Vielfach herrsche die Auffassung: „Da muss jemand Geld locker machen, aber bitte nicht ich.“ Letzten Endes gehe es um eine gesellschaftliche Entscheidung. Wenn die Gesellschaft eine sichere Versorgung mit Arzneimitteln wünsche, „wird uns diese Sicherheit auch etwas wert sein müssen“.

 

Wolfgang Andiel, der Präsident des Generikaverbands, schloss sich diesen Aussagen an. Er sprach von einem „fatalen Dreieck“ aus permanent steigenden rechtlichen sowie regulatorischen Anforderungen, steigenden Kosten und sinkenden Preisen. Die Forderung nach der Inflationsabgeltung und der Weiterführung des Preisbandes könne er „nur unterstreichen“, beschied Andiel.

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