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January 15th

Spatenstich in Tulln

Am 9. Jänner setzten das Land Niederösterreich und seine Wirtschaftsagentur ecoplus mit dem Spatenstich für die vierte Ausbaustufe des TFZ Tulln den nächsten Schritt zur Entwicklung dieses schon heute gut sichtbaren Biotechnologie-Standorts.

Auf dem Podium des Festzelts, das anlässlich des Spatenstichs zum weiteren Ausbau des Technologie- und Forschungszentrums (TFZ) Tulln aufgebaut war, herrschte joviale Stimmung: Die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, die ecoplus-Geschäftsführer Helmut Miernicki und Jochen Danninger (der designierter Nachfolger von Petra Bohuslav als Wirtschaftslandesrat ist), Tullns Bürgermeister Peter Eisenschenk, Alexander Pretsch (Gründer und CSO des Startup-Unternehmens Oxford Antibiotic Group) – sie alle kennen einander gut und arbeiten seit langem zusammen. In einer solchen Atmosphäre kommen auch Anekdoten leichter über die Lippen: Sie habe Pretsch auch schon an seinem Arbeitsplatz an der Universität Oxford besucht, so Mikl-Leitner, das sei sehr beengt gewesen, gar kein Vergleich zu den Räumlichkeiten, die nun am TFZ Tulln geplant sind.

13 Millionen Euro investiert das Land hier in eine Hochtechnologie-Spezialimmobilie, der Europäische Fonds für regionale Entwicklung kofinanziert das Vorhaben. Es ist die vierte Ausbaustufe des Technologie- und Forschungszentrums Tulln, mit der die vorhandenen Kapazitäten von derzeit rund 5.000 auf 8.000 Quadratmeter vermietbare Fläche erhöht werden. In den drei bestehenden Gebäuden sind heute 18 Unternehmen mit rund 180 Mitarbeitern angesiedelt, die Mieterstruktur spiegelt die Schwerpunkte des von der ecoplus gemanagten Technopols Tulln wider, der auf biobasierte Technologien im Bereich Prozesstechnik, Agrarbiotechnologie, Lebens- und Futtermittelsicherheit fokussiert ist: Die Erber-Gruppe mit ihren Unternehmen Biomin und Romer Labs, das Cellulosechemie-Startup Acticell oder die Eurrus Biotech GmbH, die einen neuartigen Asthma-Impfstoff entwickelt, sind nur einige der hier angesiedelten Firmen.

 

Familiär und kompetent

Die Oxford Antibiotic Group ist heute noch im nahegelegenen Universitäts- und Forschungszentrum Tulln (UFT) eingemietet. Gründer Alexander Pretsch hatte 2016 nach der operativen Schließung seines früheren, ebenfalls in Tulln angesiedelten Unternehmens Sealife Pharma in Oxford angedockt und beschäftigte sich dort mit Medizinalchemie. Aus seiner Zusammenarbeit mit Mark Moloney vom Chemie-Department der Uni Oxford erwuchsen die Ideen, die zur Gründung der Oxford Antibiotic Group führten und mit denen in der Natur vorkommende Molekülstrukturen abgewandelt und für den pharmazeutischen Einsatz optimiert werden sollen – insbesondere, um dem drängenden Problem Antiobiotika-resistenter Bakterien zu begegnen. Gegründet wurde das Unternehmen trotz der wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit Oxford in Tulln. Man finde hier optimale Rahmenbedingungen für die Wirkstoffentwicklung vor und könne Synergien mit der hier vorhandenen Mikrobiologie-Kompetenz nutzen, wie Pretsch betonte.  Und dazu komme ein weiterer Faktor: „Hier gibt es wesentlich familiärere Strukturen als an einer englischen Elite-Universität“, so Pretsch.

Das hörte die anwesende Politik gerne. „Durch das TFZ hat Tulln eine völlig neue Perspektive in einem intelligenten Wirtschaftssegment bekommen“, freute sich etwa Bürgermeister Eisenschenk. Miernicki und Danninger wiesen darauf hin, dass die ecoplus mit dem Technopol-Programm und der Errichtung des TFZ wesentlich zur Entwicklung eines attraktiven Innovationsstandorts beitragen konnte, der heute mehr als 1.000 Forschungs- und Technologie-orientierte Arbeitsplätze umfasse. Nicht zuletzt soll hier auch die physische Version des virtuell schon existierenden „Haus der Digitalisierung“ entstehen, das vom Land Niederösterreich vorangetrieben wird, wie die Landeshauptfrau betonte.

Im Gespräch mit dem Chemiereport unterstrich Pretsch die Bedeutung, die die am TFZ bald zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten für weitere Entwicklung der Oxford Antibiotoic Group haben: „Unser Team besteht heute bereits aus sieben Leuten, bald könnten es 17 bis 20 sein. In den bisherigen Räumen können wir uns nicht weiterentwickeln.“ Zu diesem Wachstumsplänen haben auch Forschungs- und Syntheseaufträge von zwei englischen Firmen beigetragen, mit denen man die eigenen Entwicklungsprojekte finanzieren könne. Noch in diesem Jahr will das Unternehmen in das dann fertiggestellte vierte TFZ-Gebäude übersiedeln.

 

 

January 14th

Positive Punkte, aber unklare Finanzierung

Die Österreichische Ärztekammer kann dem Regierungsprogramm mancherlei abgewinnen. Woran es ihr zufolge hapert, ist ein klares Bekenntnis zum notwendigen Geld für das Gesundheitssystem.

 

Euphorisch beurteilt Thomas Szekeres, der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), das Programm der kurz-grünen Bundesregierung eher nicht: „Dass das Kapitel ‚Gesundheit‘ nur sieben Seiten umfasst, lässt hoffentlich keine Rückschlüsse auf den Stellenwert zu, den die neue Regierung dem Thema Gesundheit, Gesundheitspolitik und Gesundheitsversorgung beimisst“. Außerdem erstaunt Österreichs obersten Ärztevertreter, „dass das angesichts der involvierten Milliardensummen große Thema Sozialversicherung mit nur anderthalb Sätzen gestreift wird“. Szekeres will die Entwicklung des per 1. Jänner umgekrempelten Krankenkassen- und Sozialversicherungsbereichs jedenfalls „genauestens beobachten“.

Allerdings enthält das Programm ihm zufolge auch „viele Punkte, die optimistisch stimmen“. Als Beispiel nennt Szekeres das Bekenntnis der Regierung zur Selbstverwaltung sowie die angekündigten Anreizsysteme für die Teilnahme an Präventionsprogrammen wie Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen: „Jeder Euro, der in die Prävention fließt, erspart ein Vielfaches an Folgekosten.“

 

Zentral sei allerdings, wie viel Geld für das Gesundheitssystem in den kommenden Jahren zur Verfügung stehe. Und dazu sage die Regierung in ihrem Programm leider nichts. Szekeres: „Geld ist die Grundvoraussetzung. Wir haben schon oft betont, dass es mehr Geld im Gesundheitssystem brauchen wird, um den Herausforderungen der Zukunft angemessen und unserem in Österreich gewohnt hohen Standard entsprechend begegnen zu können.“ Im Vergleich zur Entwicklung des BIP stagnierten die Gesundheitsausgaben „ohnehin schon lange genug, durch die Zeit des Überganges ist der Investitionsdruck sicher nicht kleiner geworden. Wir dürfen unsere Messlatte, die im Bereich unserer Nachbarländer Deutschland und Schweiz liegt, nicht aus den Augen verlieren“.

 

Nach wie vor keine wirkliche Freude hat die ÖÄK übrigens mit der Elektronischen Gesundheitsakte (ELGA), die noch unter dem seinerzeitigen Gesundheitsminister Alois Stöger eingeführt wurde. Harald Mayer, ÖÄK-Vizepräsident und Bundeskurienobmann der angestellten Ärzte, beschreibt die Misere so: „Wenn es eine Minute dauert, bis die Patientenakte geladen wird, die dann auch nicht vollständig ist, dann hilft mir die elektronische Patientenakte in meiner täglichen Arbeit nicht viel weiter. Wir befürworten eine digitale Patientenakte, aber bitte eine benutzerfreundliche, schnelle und strukturierte.“

 

January 8th

Neue Bundesregierung: Pharmig gratuliert

Freundliche Begrüßungsworte seitens des Pharmaverbands sowie anderer Interessenvertretungen gab es für die Koalition aus ÖVP und Grünen. Nun geht es ans Arbeiten.

 

„Wir freuen uns, dass der Regierungsbildungsprozess nach der Nationalratswahl im Herbst 2019 so schnell abgeschlossen werden konnte. Das zeigt den Willen der neuen Regierung und ist ein positives Signal. In diesem Sinne freuen wir uns auf eine gedeihliche und gute Zusammenarbeit mit Rudolf Anschober, dem neuen Bundesminister für Soziales und Gesundheit, sowie allen weiteren Verantwortlichen der österreichischen Bundesregierung.“ So kommentierte Pharmig-Präsident Philipp von Lattorff, den Amtsantritt der Koalition aus ÖVP und Grünen am 7. Jänner. Generalsekretär Alexander Herzog ergänzte, es sei „wichtig, den Standort Österreich weiterhin zu stärken. Wirtschaft, Wohlstand und Gesundheit lassen sich nicht getrennt voneinander betrachten und wirken wechselseitig aufeinander ein“. Was die neue Regierung im Gesundheitsbereich konkret vorhabe, bleibe abzuwarten. Jedenfalls positiv sei aber, dass das Regierungsprogramm „unter anderem einen klaren Fokus auf die Weiterentwicklung des Forschungsstandortes Österreich im Sinne der Patientinnen und Patienten legt. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit der neuen Bundesregierung“.

 

Lob kam auch vom Obmann der Bundessparte Industrie in der Wirtschaftskammer (WKÖ), Siegfried Menz. Er begrüßte vor allem die geplante Senkung der Körperschaftssteuer, die versprochenen Verfahrensbeschleunigungen, die im Regierungsprogramm in Aussicht gestellte „Reform des Kumulationsprinzips im Verwaltungsstrafrecht“ sowie die Förderung der Kreislaufwirtschaft. Und Menz fügte hinzu: Nach Einschätzung vieler Wirtschaftsexperten schwäche sich die Konjunktur ab. Deshalb benötige insbesondere die Industrie Rechtssicherheit und Investitionsanreize. Nicht grundsätzlich ablehnend äußerte sich Menz zu Vorhaben wie der „Klimaneutralität bis 2040“ und der ökosozialen Steuerreform: „Eine weitere Senkung der Steuerlast für Unternehmen ebenso wie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei gleichzeitiger Nutzung der Chancen der Ökologisierung – diesen Weg hat Österreich eingeschlagen. Viele spannende Fragen stellen sich auf diesem Weg. Wir als Industrie sind Teil der Lösung und bereit, diesen Weg im Sinne der Menschen in unserem Land weiterzugehen.“

 

Etwas dick trug WKÖ-Präsident Harald Mahrer auf, der nach dem Abgang Reinhold Mitterlehners 2017 mit Sebastian Kurz für rund ein halbes Jahr die Regierungsbank drückte: Ihm zufolge ist, was die Koalition auf den Tisch legte, ein „Regierungsprogramm mit europaweiter Vorbildwirkung“. Nicht ohne Pathos kam auch Georg Kapsch aus, der Präsident der Industriellenvereinigung (IV). „Im Namen der österreichischen Industrie gratuliere ich Bundeskanzler Sebastian Kurz und Vizekanzler Werner Kogler sowie allen neu ernannten Ministern. Ich wünsche ihnen für ihre Aufgaben viel Kraft und Erfolg“, ließ er per Aussendung wissen.

 

Eine freundliche Begrüßung in seiner neuen Funktion erfuhr nicht zuletzt Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Neben der Pharmig streuten ihm die Ärztekammer (ÖÄK) und die Apothekerkammer Rosen. Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres zufolge hat sich Anschober „den Ruf erarbeitet, konsequent und hartnäckig für den sozialen Gedanken in der Gesundheitspolitik einzutreten. Sein soziales Engagement und seine unbestreitbare Kompetenz zeichnen ihn aus“. Die ÖÄK freue sich daher „auf die gemeinsame Zusammenarbeit“. Apothekerkammer-Präsidentin Ulrike Mursch-Edlmayr konstatierte, mit Anschober habe die neue Bundesregierung „ein überaus engagiertes, pragmatisch agierendes Mitglied mit langjähriger politischer Erfahrung und großer sozialer Kompetenz“. Auch Mursch-Edlmayr äußerte sich erfreut hinsichtlich der künftigen Zusammenarbeit.

 

 

 

January 7th

„Handlungsbedarf“ bei Finanzierung

FWF-Präsident Klement Tockner zeigt sich grundsätzlich zufrieden mit dem Programm der neuen Bundesregierung bezüglich Wissenschaft und Forschung. Und er hofft, dass dieses auch finanziell entsprechend unterfüttert wird.

 

Positive Ansätze, aber leider (noch) keine Finanzierung- so beurteilt FWF-Präsident Klement Tockner das Programm der am 7. Jänner angelobten Bundesregierung (Kabinett Kurz II), was Wissenschaft und Forschung betrifft. Per Aussendung ließ Tockner wissen, die Koalition aus ÖVP und Grünen nehme „in fast allen Politikfeldern Bezug auf die Wissenschaft bzw. eine wissenschaftliche Begleitung“. Das sei jedenfalls positiv. Außerdem kündige die Regierung an, mittels einer „ambitionierten FTI-Strategie 2030 die Empfehlungen der OECD-Review“ umsetzen zu wollen. Den FWF beträfen vor allem drei Punkte: erstens das geplante Forschungsfinanzierungsgesetz, das „mehrjährige Finanzierungs- und Planungssicherheit sowie einen ambitionierten Wachstumspfad bringen“ solle, zweitens das Bekenntnis zum FWF als „zentrale Organisation für die kompetitive Vergabe von öffentlichen Mitteln im Bereich der Grundlagenforschung“ und schließlich die „Stärkung der Grundlagenforschung, unter anderem durch eine Exzellenzinitiative, die vom FWF durchgeführt werden soll“.

 

Das alles ergebe durchaus Sinn - allerdings nur, wenn die Finanzierung gewährleistet sei. Und da hapert es laut Tockner zumindest vorerst noch: Ihm zufolge „offenbart vor allem der fehlende Hinweis auf die konkrete Finanzierung im Regierungsprogramm den augenscheinlichsten Handlungsbedarf“. Fixieren müsse die Regierung einen „ambitionierten Wachstumspfad im geplanten Forschungsfinanzierungsgesetz, denn sonst würde das Gesetz gar keinen Sinn haben“. Grundsätzlich gab sich der FWF-Chef aber zuversichtlich: Er zeigte sich überzeugt, dass der „ambitionierte Wachstumspfad“ auch tatsächlich eingeschlagen wird.

 

Positiv beurteilte Tockner die Wiederbestellung Heinz Faßmanns zum Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung: „Diese Personalentscheidung bedeutet zum einen Kontinuität in der Expertise, zum anderen die Möglichkeit, bei vielen ausgearbeiteten Vorhaben unmittelbar anzuknüpfen.“ Lob zollte Tockner auch Interims-Ministerin Iris Rauskala - allerdings mit Abstrichen: „Die Wissenschaftsagenden wurden in den letzten Monaten, wie von Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein vorgegeben, engagiert verwaltet. Nun ist es an der Zeit, wieder zu gestalten.“

 

 

Dezember 23rd, 2019

Dezember 20th

Zeta-Engineering für Großprojekt von Lonza

Das österreichische Engineering-Unternehmen Zeta erstellte das Layout für eine Erweiterung der Biopharma-Auftrags-Anlagen von Lonza in Visp.

Der Schweizer Chemie- und Biotech-Konzern Lonza erweitert sein Bioproduktionsservice „Ibex“ für die Biopharma-Industrie um zwei neue Module: „Ibex Design“ beinhaltet ein Festpreispaket für die frühen Phasen der Entwicklung eines neuen Biologikums vom Gen bis zur klinischen Phase I. „Ibex Develop“ hilft Unternehmen, nahtlos und schnell von der klinischen Phase II zur Vermarktung überzugehen.

Um dies zu ermöglichen werden 400 Millionen in den Bio­park des Unternehmens in Visp (Kanton Wallis) investiert. Realisiert wird eine komplexe Multizweck-Anlage, die auf höchste Flexibilität ausgelegt ist, um zahlreiche Prozesse in unterschiedlichen Maßstäben abbilden zu können. Das detaillierte Layout der Single-Use-Anlage, bei der Up-, Mid-, und Downstream-Prozesse in einem räumlichen Modul integriert werden, kommt dabei vom österreichischen Engineering-Unternehmen Zeta.

 

Platzsparendes 3D-Design

Zeta entwickelte auf Basis des Rohrleitungs- und Instrumentenfließschemas ein 3D-Modell, das den begrenzten räumlichen Bedingungen durch platzsparendes Design gerecht wird. Diverse Medien müssen dabei für unterschiedliche Prozesse zur Verfügung stehen und werden über 29 Utilities-Stationen in sechs Räumen verteilt. Für die Versorgung der Anlagen mit Prozessmedien werden 6,2 Kilometer an Rohrleitungen verplant und verbaut. Neben diesem Utilities-Paket baut Zeta auch Edelstahlplattformen und Waagen-Skids für das Projekt. Nach Aussage von Zeta stellt das „herausfordernde Ultra-Fast-Track-Projekt“ einen weiteren Höhepunkt in der bereits seit 15 Jahren andauernden Zusammenarbeit der beiden Firmen dar.

 

 

Dezember 16th

Sanochemia bietet Gläubigern Mindestquote

Wie angekündigt, hat das Wiener Pharmaunternehmen einen „Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung“ gestellt.

 

 

Das Wiener Pharmaunternehmen Sanochemia hat nach eigenen Angaben am 16. Dezember beim Handelsgericht Wien einen „Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung“ eingebracht. Eine Woche zuvor hatte die Sanochemia bekannt gegeben, insolvent zu sein und den nun eingebrachten Antrag in den kommenden Tagen stellen zu wollen.

 

Seitens des Kreditschutzverbandes 1870 (KSV 1870) hieß es, die Sanochemia habe nach eigener Darstellung Passiva von rund 49 Millionen Euro, denen Aktiva von nur 22 Millionen Euro gegenüberstünden. Somit würde sich ihre Überschuldung auf etwa 27 Millionen Euro belaufen.

 

Dem KSV 1870 zufolge bietet die Sanochemia ihren 282 Gläubigern die gesetzliche Mindestquote von 20 Prozent an: „Ob dieses Anbot akzeptabel ist, wird der KSV1870 im Interesse der betroffenen Gläubiger prüfen.“ Die notwendigen Mittel wolle die Sanochemia „aus dem Fortbetrieb sowie aus einer dann eventuell noch notwendigen Kapitalerhöhung aufbringen“.

DuPont: Millardendeal mit IFF

Der US-Chemieriese will seine Nahrungsmittel- und Biosciences-Sparte mit der International Flavors & Fragrances (IFF) fusionieren.

 

Der US-amerikanische Chemieriese DuPont mit Sitz in Wilmington im Bundesstaat Delaware will sein Nahrungsmittel- und Biowissenschaftsgeschäft (N&B) mit der International Flavors & Fragrances (IFF) mit Sitz in New York fusionieren. Darauf einigten sich Vertreter der beiden Unternehmen, hieß es in einer gemeinsamen Aussendung. IFF erzeugt vor allem Geschmacks- und Geruchsstoffe sowie Nahrungsmittel und Nahrungsmittelzusätze. Durch die Transaktion entstünde ein Konzern mit einem geschätzten Wert von rund 45,5 Milliarden US-Dollar (40,8 Milliarden Euro), einem Jahresumsatz von etwa 11 Milliarden US-Dollar (9,9 Milliarden Euro) sowie einem EBITDA von 2,6 Milliarden US-Dollar (2,3 Milliarden Euro). Den Wert seiner N&B-Sparte beziffert DuPont mit 26,6 Milliarden US-Dollar (23,9 Milliarden Euro).

 

Der Abschluss der Fusion ist für das erste Quartal 2021 vorgesehen. Die Vorstände beider Unternehmen haben diese laut DuPont und IFF einstimmig abgesegnet. Künftig sollen die DuPont-Aktionäre 55,4 Prozent der Aktien des neuen Konzerns halten, die bisherigen IFF-Aktionäre die verbleibenden 44,6 Prozent. Der größte Aktionär von IFF, die in Singapur ansässige Winder Investments, hat ihre Zustimmung zu dem Deal bereits signalisiert.

 

Seine Produkte und Dienstleistungen offeriert das neue Unternehmen vor allem der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie sowie den Sparten Haushaltschemikalien und Körperpflege, aber auch der Gesundheits- und Wellnessindustrie. Angesprochen werden sollen sowohl große Unternehmen als auch Klein- und Mittelbetriebe.

 

Anlässlich der Bekanntgabe des Deals bekräftigten die Geschäftspartner ihre Aussichten für 2019. Demnach erwartet IFF einen Umsatz zwischen 5,15 und 5,25 Milliarden (US-Dollar (4,62 bis 4,71 Milliarden Euro). DuPont geht davon aus, etwa 21,5 Milliarden US-Dollar (19,3 Milliarden Euro) umzusetzen.

 

 

 

„Endlich Klarheit über Brexit“

Die britische Chemieindustrie beurteilt den Ausgang der Parlamentswahl am 12. Dezember grundsätzlich positiv. Sie verlangt aber rasche Verhandlungen über das geplante Freihandelsabkommen.

 

Verhalten positiv beurteilt der britische Chemieindustrieverband Chemical Industries Association (CIA) das Ergebnis der Parlamentswahl vom vergangenen Donnerstag. Bekanntlich errangen die Konservativen eine absolute Mehrheit an Mandaten. Sie können somit alleine regieren und den formellen EU-Austritt Großbritanniens („Brexit“) per 31. Jänner 2020 fixieren. Damit besteht laut CIA „die politische Klarheit und Gewissheit, die die Industrie immer suchte“. Nun gehe es darum, die konkreten Austrittsbedingungen festzulegen sowie eine Handelspartnerschaft mit der Europäischen Union zu erzielen. Dies müsse der Chemiebranche ermöglichen, zu wachsen und weiterhin zur britischen Wirtschaft sowie zum Leben aller britischen Bürger beizutragen.

 

CIA-Chef Steve Elliott verlautete, sein Verband sei bereit, mit Premierminister Boris Johnson, dessen Regierung, allen politischen Parteien sowie der Verwaltung zusammenzuarbeiten, um die brititsche Industrie im gesamten Land zu stärken. Die CIA werde die britische Regierung und die Europäische Union bei der raschestmöglichen Ausarbeitung eines Freihandelsabkommens unterstützen. Ferner sei sie auch bestrebt, enge Beziehungen mit der EU auf regulatorischer Ebene aufrechtzuerhalten. Und schließlich wolle sie die Verfügbarkeit bestausgebildeter Arbeitskräfte aus aller Welt für die britische Chemieindustrie sicherstellen.

 

Nach drei Jahren des Stillstands bleibe zu hoffen, den „Brexit“ nun rasch vollziehen zu können, ergänzte Elliott. Die Chemieindustrie bekenne sich zu dem Ziel Premierminister Johnsons, die CO2-Emissionen der britischen Wirtschaft und Gesellschaft bis 2050 auf Null zu reduzieren. Dies sei nur mithilfe der Produkte und Technologien der Chemiebranche möglich. Es gelte, die dafür notwendigen Investitionen in Technologien und Infrastrukturen zu gewährleisten.

Dezember 13th

EU plant „Nachhaltigkeitsstrategie für Chemikalien“

Mit dem European Green Deal könnten auch für der Chemieindustrie Änderungen ins Haus stehen. Geplant sind unter anderem Verwaltungsvereinfachungen.

 

Im Rahmen ihres European Green Deals will die EU-Kommission im Jahr 2021 „einen Null-Schadstoff-Aktionsplan für Luft, Wasser und Boden annehmen“, heißt es in der am 11. Dezember veröffentlichten Mitteilung COM(2019) 640. Und das könnte für die Chemieindustrie eventuell noch unterhaltsam werden. Denn zu diesem Aktionsplan gehört eine „Nachhaltigkeitsstrategie für Chemikalien“. Laut der Mitteilung soll diese zum besseren Schutz der Bürger und der Umwelt vor gefährlichen Chemikalien beitragen und die Innovation zur Entwicklung sicherer und nachhaltiger Alternativen fördern“. Die EU-Kommission plant dazu „eine Vereinfachung und Stärkung des Rechtsrahmens“. Sie kündigte an, eine bessere Zusammenarbeit der unterschiedlichen Agenturen und wissenschaftlichen Einrichtungen der EU zu prüfen. Das Ziel ist, „zu einem Verfahren zu gelangen, bei dem ein einzelner Stoff nur einmal beurteilt wird (‚one substance – one assessment‘)“.

 

Ferner möchte die Kommission „mehr Transparenz bei der Priorisierung von Maßnahmen zum Umgang mit Chemikalien“ gewährleisten. Wissenschaftliche Erkenntnisse über Risiken, die von endokrinen Disruptoren, gefährlichen Chemikalien in Produkten einschließlich importierten Produkten, Kombinationseffekten verschiedener Chemikalien sowie persistenten Chemikalien ausgehen, sollen im Rechtsrahmen schneller Berücksichtigung finden als bisher.

 

Weder der europäische Chemieindustrieverband CEFIC noch der Fachverband der chemischen Industrie Österreichs (FCIO) nahmen dazu bisher Stellung. Der deutsche Chemie- und Pharmaverband VCI konstatierte schon im Vorfeld der Veröffentlichung der Mitteilung 640, er sehe im European Green Deal grundsätzlich „einen konstruktiven Gesamtansatz, um Wirtschaft, Gesellschaft und Politik in Europa nachhaltiger auszurichten. Die deutsche Chemie unterstützt insbesondere das Ziel der Kommission, bis zur Mitte des Jahrhunderts Treibhausgasneutralität in der EU zu erreichen“. Der neue VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup verlautete, der Green Deal „kann funktionieren, wenn Brüssel die Industrie als Partner und Lösungsanbieter für die großen Herausforderungen mit ins Boot holt. Kommt stattdessen nur eine Flutwelle neuer Regulierungen, geht es schief“.

 

 

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