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November 27th, 2020

Kartellrecht: EU-Kommission straft Teva

Für eine illegale Absprache müssen der israelische Generikakonzern und die von ihm 2011 übernommene Cephalon insgesamt 60,5 Millionen Euro bezahlen. 

 

Zu einer Strafe von insgesamt 60,5 Millionen Euro verurteilte die EU-Kommission den iraelischen Generikakonzern Teva und die von ihm 2011 übernommene Cephalon. Nach Angaben der Kommission vereinbarten die beiden Unternehmen, als die in den USA ansässige Cephalon noch eigenständig war, „die Markteinführung eines preisgünstigeren Generikums des Cephalon-Arzneimittels gegen Schlafstörungen, Modafinil, nach Ablauf der Hauptpatente um mehrere Jahre zu verzögern“. Durch diese Pay-for-Delay-Vereinbarung verstießen sie gegen das Kartellrecht der EU und verursachten „erheblichen Schaden für Patienten und Gesundheitssysteme, da sie dazu führte, dass die Modafinil-Preise hoch blieben“.

 

Modafinil ist ein Mittel gegen exzessive Tagesschläfrigkeit, „die insbesondere im Rahmen einer Narkolepsie auftritt“. Jahrelang entfielen mehr als 40 Prozent des weltweiten Umsatzes von Cephalon auf das unter dem Namen „Provigil“ vermarktete Medikament, das somit „das meistverkaufte Produkt“ des Unternehmens war. Im Jahr 2005 liefen die Hauptpatente für das Mittel in Europa aus, einige Sekundärpatente bezüglich seiner pharmazeutischen Zusammensetzung waren aber weiterhin in Kraft.

 

Mit der Pay-for-Delay-Vereinbarung veranlasste Cephalon Teva, kein Generikum zu Provigil/Modafinil auf den Markt zu bringen. Auf dem britischen Markt war die Teva bereits tätig: Ihr Präparat kostete nur die Hälfte dessen, was die US-Amerikaner für Modafinil verlangten. Außerdem plante sie, den als nicht besonders stark angesehenen Patentschutz anzufechten. Nach der Absprache mit Cephalon stoppte die Teva indessen die Vermarktung ihres Mittels in Großbritannien und ging nicht gegen die Patente vor. Dieser Kartellrechtsverstoß dauerte vom Dezember 2005 bis zum Oktober 2011 als Teva Cephalon übernahm.

 

Margrethe Vestager, die für Wettbewerbspolitik zuständige Exekutiv-Vizepräsidentin der Kommission, konstatierte, es sei „illegal, wenn Pharmaunternehmen vereinbaren, den Wettbewerb gegen Zahlungen auszusetzen und den Markt gegen preisgünstigere Arzneimittel abzuschotten, selbst wenn diese Vereinbarungen im Rahmen eines Patentvergleichs oder anderer scheinbar normaler Geschäftsvorgänge getroffen werden. Die Pay-for-Delay-Vereinbarung von Teva und Cephalon schadete Patienten und nationalen Gesundheitssystemen, denen erschwinglichere Arzneimittel vorenthalten wurden.“ Teva nahm zu dem Fall nicht Stellung.

 

 

 

 

November 26th

Pharmastrategie: Differenzierte Urteile

Grundsätzlich begrüßen die Pharmig und die österreichische Chemieindustrie die Überlegungen der EU-Kommission. Zu manchen Fragen besteht jedoch noch Diskussionsbedarf.

 

Differenziert beurteilt der österreichische Pharmaindustrieverband Pharmig die Pharmastrategie der Europäischen Union, die am 25. November präsentiert wurde. Die EU-Kommission erstrebt mit dem Dokument und dessen Umsetzung nach eigenen Angaben die Schaffung einer „starken, wettbewerbsfähigen und an den Prinzipien der Nachhaltigkeit ausgerichteten Industrie, die den Patienten hilft und die Potenziale des digitalen Wandels des Gesundheitssystems nutzt, der durch den technologischen Fortschritt in Bereichen wie Artificial Intelligence und Computational Modelling vorangetrieben wird“.

 

Pharmig-Generalsekretär Alexander Herzog betonte, die EU müsse „auf ein sensibles Gleichgewicht achten, wenn wir über die wirtschaftlichen und gesetzlichen Rahmenbedingungen für pharmazeutische Unternehmen sprechen. Denn es geht darum, allen Menschen therapeutische Innovationen und bewährte Arzneimittel gleichermaßen zugänglich zu machen und ebenso sollte auch der Pharma- und Forschungsstandort Europa weiter gestärkt anstatt durch zu rigide Bedingungen geschwächt zu werden“. Insbesondere warnte Herzog davor, den Patentschutz zu schwächen. Dies würde sich ihm zufolge „negativ auf die Forschungstätigkeit innerhalb Europas auswirken. Dabei zeigt uns gerade die jetzige Situation, wie enorm wertvoll Forschung ist, aber auch, dass diese Forschung in Europa passiert“. Grundsätzlich begrüßt die Pharmaindustrie laut Herzog, „dass der bestehende Rechtsrahmen evaluiert und angepasst wird. Dies ist allein schon deshalb nötig, da sich die Wissenschaft und Technologie rasant weiterentwickeln und damit ihrerseits neue Rahmenbedingungen schaffen“. Wichtig sei, die Zulassung neuer Arzneimittel zu vereinfachen und die diesbezüglichen Prozesse EU-weit zu harmonisieren, ohne die strengen Sicherheitsbestimmungen aufzuweichen. So könnten die Patienten rascher Zugang zu den Medikamenten bekommen. Für Notwendig hält Herzog auch, die „Vernetzung auf digitaler und Datenebene voranzutreiben“. Das helfe nicht zuletzt bei der Vermeidung von Lieferengpässen.

 

Ähnlich äußerte sich die Geschäftsführerin des Fachverbandes der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO), Sylvia Hofinger. Ihr zufolge ist es „essenziell, die Leistungsfähigkeit der europäischen Pharmaindustrie im globalen Wettbewerb zu stärken. Einige Maßnahmen der Pharmastrategie, wie etwa die Harmonisierung der ergänzenden Schutzzertifikate im Patentrecht oder Projekte im Bereich Digitalisierung, könnten dabei helfen, neue Therapien schneller zur Marktreife kommen zu lassen und so zu einer besseren Versorgung der Patienten führen“. Positiv beurteilt Hofinger auch die Ankündigung der EU-Kommission in der Strategie, Forschung und Innovation forcieren zu wollen, nicht zuletzt, was die Entwicklung neuer Antibiotika betrifft.

Auch hinsichtlich der sicheren Versorgung mit Medikamenten biete die Strategie begrüßenswerte Ansätze. Geplant sei, „Bereiche in den Lieferketten von Medikamenten und Wirkstoffen zu identifizieren, die besonders krisenanfällig sind und dort eine europaweite Transparenz bezüglich der Produktion und der Bestände zu etablieren“. Dies gehe in die richtige Richtung. Erforderlich sei indessen ferner „die Stärkung der Zusammenarbeit aller Beteiligten , insbesondere die Koordination von Maßnahmen auf europäischer Ebene“, wie dies die EU-Kommission in der Strategie vorsehe. Der FCIO werde sich in die Verhandlungen über die Umsetzung der Pharmastrategie „intensiv und konstruktiv in die Diskussionen einbringen und Vorschläge für eine ausgewogene Umsetzung der unterschiedlichen Bereiche der Strategie unterbreiten“, kündigte Hofinger an.

 

Nach Angaben der EU-Kommission ist die Pharmabranche in der Europäischen Union ein „starker und wettbewerbsfähiger Wirtschaftszweig“. Sie erzielte 2019 einen Handelsbilanzüberschuss von rund 109,4 Milliarden Euro und beschäftigte etwa 800.000 Personen. In Forschung und Entwicklung investierte die Branche mehr als 37 Milliarden Euro.

 

Zugänglich ist die EU-Pharmastrategie unter https://ec.europa.eu/health/sites/health/files/human-use/docs/pharmastrategy_com2020-761_en.pdf

 

 

November 25th

Clariant: Reduktion aufs Kerngeschäft

Im Zuge von Restrukturierungen und Effizienzsteigerungen baut der Schweizer Spezialchemiekonzern Clariant rund 1.000 Arbeitsplätze ab. Auf längere Sicht ist aber Wachstum angesagt. 

 

Der Schweizer Spezialchemiekonzern Clariant baut in den kommenden zwei Jahren rund 1.000 Arbeitplätze ab, davon 600 bis Ende 2021. Zumindest teilweise soll dies durch „ Austritte von Beschäftigten aufgrund natürlicher Fluktuation“ erfolgen, hieß es in einer Aussendung. Betroffen sind Service- sowie regionale Strukturen. Mit dem Personalabbau setzt Clariant eine weitere Maßnahme im Zuge der Reduktion aufs Kerngeschäft. Im Oktober 2019 hatte der Konzern seinen Healthcare-Packaging-Bereich verkauft, im Juli des heurigen Jahres auch sein Masterbatches-Segment. Zur Veräußerung steht überdies das Pigmentgeschäft an. Nach eigenen Angaben vollzieht die Clariant damit „ihre Transformation in Richtung eines höherwertigen Portfolios mit Spezialitäten mit Fokus auf ihre Kerngeschäftsbereiche Care Chemicals, Catalysis und Natural Resources“. Das Unternehmen erstrebt „die Neudimensionierung regionaler Organisationen und Serviceeinheiten zur Vermeidung von Remanenzkosten“, die sich nach dem Verkauf der Teilbereiche ergeben könnten.

Hariolf Kottmann, der seit Ende Juli 2019 als Executive Chairman fungiert, bis ein neuer zur Chief Executive Officer bestellt ist, erläuterte: „Während wir mit der nächsten Veräusserung eines nicht zum Kerngeschäft gehörenden Bereichs voranschreiten, müssen wir diese Gelegenheit nutzen, um Clariants Kern weiter zu stärken und für eine erfolgreiche Zukunft zu positionieren. Durch die Vermeidung von Remanenzkosten, den konsequenten Abbau von Komplexität und den stärkeren Fokus auf Innovation, Nachhaltigkeit und Operational Excellence sorgen wir dafür, dass unsere Geschäfte mit hochwertigen Spezialitäten noch fokussierter und flexibler agieren können. Damit schaffen wir die Grundlage, um überdurchschnittliches Wachstum, höhere Profitabilität und eine stärkere Cashflow-Generierung zu erzielen.“

 

Im Jahr 2019 hatte Clariant mit 6,53 Milliarden Schweizer Franken (CHF) um 1,5 Prozent weniger Umsatz erzielt als 2018. Das Nettoergebnis war von 356 Millionen auf nur noch 38 Millionen Franken eingebrochen, der operative Cashflow hatte sich von 530 auf 509 Millionen Franken verringert. Begründet wurde dies mit einer Rückstellung von 231 Millionen Franken für eine 2019 befürchtete Kartellstrafe bezüglich des Ethylengeschäfts, zu der Clariant schließlich tatsächlich verurteilt wurde.

 

Im heurigen Jahr hatte auch Clariant mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie zu kämpfen. Hinsichtlich der längerfristigen Perspektiven gab sich Kottmann indessen zuversichtlich. Abgesehen von den Effizienzsteigerungen und der Neudimensionierung erstrebe sein Unternehmen nach wie vor „organisches und anorganisches Wachstum, um die Optimierung ihres Portfolios voranzutreiben. Clariants Transformation bietet einzigartige Chancen zu höherer Wertschöpfung im Jahr 2021 und darüber hinaus“.

 

 

 

 

November 20th

„Ganz großartige Entwicklung“

Die Pharmaindustrie sieht sich in Sachen SARS-CoV-2-Impfstoff gut unterwegs. Möglich macht das die bisher nicht gekannte Zusammenarbeit der Unternehmen untereinander und mit den Arzneimittelbehörden, hieß es bei einer Pressekonferenz der Pharmig. 

 

Nicht weniger als 212 potenzielle Impfstoffe gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 sind derzeit weltweit in Entwicklung. Seit März hat sich die Anzahl der Kandidaten somit mehr als vervierfacht – eine „ganz großartige Entwicklung“, betonte der Generalsekretär des Pharmaindustrieverbandes Pharmig, Alexander Herzog, bei einer Pressekonferenz am 20. November in Wien. Elf der Substanzen befinden sich ihm zufolge in der Phase III der klinischen Überprüfung, drei davon im sogenannten „Rolling Review“ der EU-Arzneimittelsicherheitsbehörde EMA, der eine raschere Zulassung als üblich ermöglicht. Konkret handelt es sich um die Produkte von AstraZeneca und der Universität Oxford, von Biontech und Pfizer sowie von Moderna. Die voraussichtliche Wirksamkeit liegt bei rund 95 Prozent. Unter den übrigen acht Impfstoffkandidaten in der Phase III ist unter anderem „Sputnik V“, jenes Mittel des russländischen Gamaleya-Instituts, das Ende des Sommers für Furore sorgte. Ob und gegebenfalls wie viele Impfstoffe bereits im Dezember zugelassen werden, ist laut Herzog schwer zu sagen. Für einige der Substanzen sei jedoch „die Ziellinie bereits zu sehen“. Unternehmen und Behörden arbeiteten rund um die Uhr, um die Zulassungen raschestmöglich zustande zu bringen.

 

Renée Gallo-Daniel, die Präsidentin des Österreichischen Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH), erläuterte, oberste Priorität bei der Entwicklung von Impfstoffen hätten deren Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität. Das habe die EMA stets betont, und dies gelte auch nun, da Vakzine gegen SARS-CoV-2 sehr rasch entwickelt würden. Im Zuge des „Rolling Review“ nehme die Behörde eine beschleunigte Begutachtung vor. Wissenschaftliche Daten würden bereits vor dem Antrag auf Zulassung eines Mittels analysiert. Ferner finde ein kontinuierlicher Informationsaustausch mit den jeweiligen Unternehmungen statt. Deshalb könne die Zulassung auch bei Einhaltung aller Sicherheitsvorgaben erheblich rascher erfolgen als im üblichen zentralisierten Verfahren, das etwa 210 Tage in Anspruch nehme.

Die Industrie selbst führe Entwicklungsschritte, so weit möglich, parallel durch: „Das funktioniert, weil sehr viel Erfahrung und Know-how vorhanden sind.“ Überdies würden Ressourcen in bisher nicht gekannter Weise gebündelt. Erbitterte Konkurrenten arbeiteten eng zusammen, und das bereits seit dem Beginn der Pandemie. Ferner seien die potenziellen Impfstofferzeuger in Vorleistung gegangen, hätten ihre Fabriken adaptiert und bereits mit der Produktion begonnen. „Deshalb können Impfstoffe nach ihrer Zulassung sehr rasch zur Verfügung gestellt werden“, erläuterte Gallo-Daniel.

 

Keine Gewinnmaximierung 

 

Ihr zufolge kauft die EU die Impfstoffe zentral im Auftrag der Mitgliedsstaaten ein und teilt sie diesen entsprechend der Zahl ihrer Einwohner zu. Auf Österreich entfällt ein Anteil von zwei Prozent an der vorvertraglich gesicherten Gesamtmenge von zurzeit rund 15 Milliarden Dosen. Laut Gallo-Daniel werden die Vakzine an die Patienten in Österreich gratis abgegeben und verabreicht. Zur Frage des Chemiereports, welche Kosten dadurch dem Steuerzahler entstehen, konstatierte Gallo-Daniel, die Preise der Mittel seien nicht bekannt. Dies ergebe auch Sinn, „weil es sich um unterschiedliche Mengen, Technologien und Produktionskosten handelt“.

Herzog verwies auf Angaben von AstraZeneca, nach denen der von diesem Unternehmen entwickelte Impfstoff mit rund 2,50 Euro pro Dose zu Buche schlägt: „Das ist weniger als ein Grippeimpfstoff.“ Überdies gehe es der Pharmaindustrie in diesem Fall nicht um die Maximierung ihrer Gewinne, sondern um das Wahrnehmen gesellschaftlicher Verantwortung. Die SARS-CoV-2-Vakzine würden die Sozialbudgets der Länder weniger stark belasten als herkömmliche Impfstoffe. „Und sie kosten jedenfalls weniger als die Corona-Hilfsprogramme für die Wirtschaft“, stellte Herzog klar. Da die EU von AstraZeneca insgesamt 400 Millionen Dosen unter Vertrag hat und Österreich davon zwei Prozent, also acht Millionen Dosen, erhält, ist für dieses Vakzin mit einem Aufwand von rund 20 Millionen Euro zu rechnen.

 

Stefan Kähler, der Vorsitzender des Standing Committees Klinische Forschung der Pharmig, ergänzte, zurzeit seien weltweit rund 56 Millionen Personen mit dem Virus infiziert, die Zahl der Todesopfer liege bei etwa 1,3 Millionen. Ähnliche „Wellen“ wie bei der COVID-19-Pandemie seien bei der Spanischen Grippe in den Jahren 1918/19 zu beobachten gewesen. Auszugehen sei daher auch von einer dritten COVID-19-Welle im Frühjahr 2021, wie schwer auch immer diese ausfalle. Kähler betonte, bei der Zulassung von Arzneimitteln gehe es stets um das Nutzen-Risiko-Verhältnis: „Der Nutzen muss weit über dem Risiko liegen.“ Die Gefährdung von gesunden Personen sowie Patienten komme keinesfalls in Frage. Und die Wirksamkeit, Qualität und Sicherheit eines Medikaments werde überprüft, „solange dieses auf dem Markt ist“.

 

 

November 11th

Corona-Impfungen voraussichtlich ab erstem Quartal 2021

Gesundheitsminister Anschober zufolge hat sich Österreich bis dato rund 34 Millionen Dosen an möglichen Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 gesichert. Das ist „ganz im Sinne der Bevölkerung“, betont die Pharmaindustrie.

 

Gut aufgestellt sieht Gesundheitsminister Rudolf Anschober die EU und Österreich, was die Versorgung mit in Entwicklung befindlichen Impfstoffen gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 betrifft. Ihm zufolge verfügt die EU zurzeit über vier Lieferzusagen auf der Basis von Vorkaufsverträgen. Diese betreffen 300 Millionen Dosen samt einer Option auf weitere 100 Millionen von AstraZeneca, 200 Millionen Dosen mit einer Option auf weitere 200 von Johnson&Johnson, 300 Millionen Dosen von Sanofi sowie 200 Millionen Dosen samt Option auf weitere 100 Millionen von BioNTech/Pfizer. Jeweils zwei Prozent dieser Mengen bzw. insgesamt bis zu 34 Millionen Dosen sind für Österreich reserviert. Und Anschober zufolge „sind die Vertragsverhandlungen mit Moderna und CureVAC ebenfalls in einem guten Stadium“. Ausdrücklich verwies der Minister in diesem Zusammenhang auf den Sinn der Zusammenarbeit der EU-Staaten: „Man stelle sich nur vor, jeder Nationalstaat würde alleine verhandeln. Für kleine Staaten wie Österreich, aber auch für alle anderen, wäre das besonders schwierig geworden. Gemeinsam sind wir stärker, das gemeinsame Europa gibt uns Kraft im Kampf gegen die Pandemie.“

 

Mit ersten Zulassungen rechnet Anschober „um den Jahreswechsel“. Der Minister ergänzte, für ihn stehe „die Sicherheit im Vordergrund. Es ist daher wichtig, dass garantiert ist, dass Zulassungsverfahren in vollem Umfang durchgeführt werden“. Er sei optimistisch, schon im ersten Quartal 2021 mit der Impfung von Risikogruppen und Beschäftigten des Gesundheitssystems beginnen zu können. Die übrige Bevölkerung werde aller Voraussicht nach ab dem zweiten Quartal die Möglichkeit haben, sich impfen zu lassen, sofern sie dies wünsche. Die Logistik für die Impfungen ist lauf Anschober in Vorbereitung.

 

Im Wesentlichen bestätigt wurden die Aussagen des Ministers von Alexander Herzog, dem Generalsekretär des Pharmaindustrieverbands Pharmig. Diesem zufolge ist „die Erforschung von Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 weit fortgeschritten, erste Anträge bei Arzneimittelbehörden sind bereits in Sicht. Das gibt Zuversicht, dass wir mit einem wirksamen Mittel gegen das Coronavirus ins Jahr 2021 starten“. Mit hoher Wahrscheinlichkeit könnten noch im Verlauf des Winters erste Vakzine zugelassen werden. Auch Herzog betonte indessen, Vorrang habe die Sicherheit der Arzneimittel: „Wie bei allen Medikamenten, die neu zugelassen werden, muss auch hier der Nutzen das Risiko überwiegen.“

 

„Ganz im Sinne der Bevölkerung“ sind laut Herzog die von Anschober erwähnten Vorkaufsverträge der EU mit den Pharmaunternehmen. Damit ließen ehestmöglich nach der Zulassung große Mengen eines Präparats zum Einsatz bringen. „Immerhin werden im Falle von SARS-CoV-2 mehrere hundert Millionen Impfstoff-Dosen allein für Europa benötigt“, konstatierte Herzog.

 

Die Vorsitzende der SPÖ, Pamela Rendi-Wagner, forderte Anschober auf, einen „nationalen Corona-Impfplan“ zu erstellen. Notwendig seien Impfzentren im gesamten Bundesgebiet sowie mobile Impfteams.

 

 

 

November 10th

Rübenbauern garantieren 38.000 Hektar Anbaufläche

Mit der Zusage soll der Weiterbetrieb der Zuckerfabrik Leopoldsdorf der Agrana gesichert werden. Deren Entscheidung steht noch aus.

 

Österreichs Rübenbauern wollen ab kommendem Jahr auf mindestens 38.000 Hektar Zuckerrüben anbauen, im kommenden Jahr wird die Anbaufläche sogar etwas größer sein. Das berichteten Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger, die Landwirtschaftskammer und der Bauernbund. Köstinger betonte, die Rübenbauern hätten mit dieser Zusicherung ihren Beitrag zur Erhaltung der Zuckerfabrik Leopoldsdorf geleistet. Bekanntlich hatte der Frucht-, Stärke- und Zuckerkonzern Agrana angekündigt, Leopoldsdorf zu schließen, falls der Rübenanbau nicht im geforderten Ausmaß erfolge. Ob dies nun vom Tisch ist, ist unklar. Die Agrana hatte stets betont, bis Mitte November über den Weiterbetrieb der Fabrik entscheiden zu wollen.

 

Für ihre Zusicherung erhalten die Bauern Gegenleistungen vom Staat. Sollte – beispielsweise infolge von Schädlingsbefall – ein neuerlicher Anbau nötig werden, bekommen sie eine „Wiederanbauprämie“ von 250 Euro pro Hektar sowie das erforderliche Saatgut. Außerdem wurde ihnen zugesichert, die umstrittenen Neonicotinoide zur Bekämpfung des Rübenderbrüsslers einsetzen zu dürfen, meldete Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger.

 

Ministerin Köstinger konstatierte, der Rübenanbau sei für etliche Bauern in den vergangenen Jahren nicht mehr lukrativ gewesen: „Schädlingsdruck, fallende Preise und Produktionsausfälle haben zu sinkenden Anbauflächen geführt. Die heimische Zuckerproduktion war damit in akuter Gefahr. Wenn es diese heimische Produktion aber nicht mehr gibt, dann müssten wir Zucker importieren, das will niemand von uns.“

 

Seitens des niederösterreichischen Bauernbundes hieß es, die Rübenbauern hätten mit der Anbauzusicherung einen „Kraftakt“ gesetzt und würden „die heimische Selbstversorgung mit rot-weiß-rotem Zucker ebenso sichern wie Arbeitsplätze entlang der Lebensmittelproduktion“.

 

 

November 6th

Anschober mit „flammendem Appell“

Der Gesundheitsminister sieht bei der Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus Feuer auf dem Dach. Laut der Corona-Kommission steigt die Virusaktivität nicht zuletzt im Pflegebereich und beim Gesundheitspersonal an.

 

„Es ist ein Wettlauf mit der Zeit.“ So kommentierte Gesundheitsminister Rudolf Anschober am 6. November die aktuelle Entwicklung der COVId-19-Pandemie in Österreich. Halte der derzeitige Trend an, könne Österreich in der zweiten Monatshälfte an die Grenzen der Betreuung von Intensivpatienten kommen. In diesem Fall seien Triagen „in einzelnen Spitälern“ nicht mehr auszuschließen: „Das darf es nicht geben.“ Er könne daher nur einen „flammenden Appell“ an die Bevölkerung richten, verantwortungsbewusst zu agieren und die seit 3. November geltenden Vorschriften zur Eindämmung der Pandemie zu beachten. Immer wieder komme es zu unerfreulichen Vorfällen. So hätten beispielsweise eine in Quarantäne befindliche Mutter und deren ebenfalls infizierte Tochter an einem Begräbnis samt anschließendem Totenmahl teilgenommen. Dergleichen zeige, dass das Verständnis hinsichtlich des Ernstes der Lage offenbar noch nicht flächendeckend verbreitet sei.

 

Ob die seit 3. November geltenden Vorschriften wirken, wird sich laut Anschober frühestens Ende kommender Woche zeigen. Am 13. November tritt die Corona-Kommission zur Evaluierung zusammen: „Dann werden wir weitersehen. Das oberste Ziel ist, Triagen zu verhindern.“

 

Laut der Sprecherin der Corona-Kommission, Daniela Schmid, steigt die Zahl der COVID-19-Fälle seit Mitte Oktober exponenziell an. Nach wie vor sei die Virusaktivität im Freizeitbereich sehr hoch. In Pflegeheimen sowie unter dem Gesundheitspersonal nehme sie zu. Die Behörden überwachten nun insbesondere zwei Bevölkerungsgruppen, um die weitere Verbreitung des Virus einzudämmen: die der Menschen im Alter von weniger als 25 Jahren und jene im Alter von über 60 Jahren.

 

Herwig Ostermann, der Geschäftsführer der Gesundheit Österreich, ergänzte, bis 11. November sei ein Anstieg der Neuinfektionen um „etwas mehr als 6.000 Fälle pro Tag“ zu erwarten. Überdies müsse mit etwa 750 COVID-19-Petienten auf Intensivstationen gerechnet werden. Daher sei die Bevölkerung aufgerufen, die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zu befolgen.

 

 

November 2nd

„Alles tun für die Trendwende“

Laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober sind die neuen Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie „alternativlos“. Gesundheitsexperten bestätigen das und warnen vor übertriebenen Erwartungen an Impfstoffe.

 

„Wir müssen jetzt alles tun, damit Mitte November die Trendwende erreicht wird“, erklärte Gesundheitsminister Rudolf Anschober am 2. November mit Bezug auf die aktuelle Entwicklung der COVID-19-Pandemie. Vom 1. auf den 2. November seien 23.450 Personen positiv auf das SARS-CoV-2-Virus getestet worden. Seit einigen Tagen verzeichne Österreich ebenso wie die meisten anderen Staaten Europas ein „dramatisch hohes Niveau“ an positiven Testungen. Die Lage sei schwierig. Gelinge es nicht, den Anstieg massiv zu bremsen, könne es in der zweiten Monatshälfte mit der Verfügbarkeit der Intensivbetten „eng werden“. Daher habe die Bundesregierung die am 1. November vom Hauptausschuss des Nationalrates gebilligten Maßnahmen setzen müssen, darunter die Ausgangsbeschränkungen in der Zeit von 20 bis 6 Uhr: „Das ist alternativlos.“ Diese Woche werden die Infektionszahlen weiter steigen. Erst nach rund zehn bis zwölf Tagen ist mit einer Abschwächung zu rechnen, warnte der Minister. Zwar sei die neue COVID-19-Verordnung noch nicht in Kraft. Dennoch solle die Bevölkerung die Kontaktreduktionen „ab sofort leben“. Warum der Infektionsschub Ende Oktober erfolgte, ist laut Anschober noch nicht geklärt.

 

Der Infektiologe Herwig Kollaritsch erläuterte, derzeit stecke eine mit SARS-CoV-2 infizierte Person rund 1,4 weitere Menschen an. Es gelte, diese Reproduktionszahl „drastisch zu senken. Das ist unangenehm, sicher wird es auch Kollateralschäden geben. Aber es alternativlos. Es gibt kein anderes Rezept. Alle übrigen europäischen Staaten machen das. Dass das funktioniert, sehen wir in Israel, wo der zweite Lock-down offensichtlich wirkt“.

 

Zwar heiße es häufig, sobald ein Impfstoff verfügbar sei, sei das Thema COVID-19 erledigt, ergänzte Kollaritsch. Doch dies sei nicht zwangsläufig der Fall, sondern nur, wenn der Impfstoff die Ansteckungskette unterbreche: „Dann können wir die Bevölkerung durchimpfen und zur Herdenimmunität kommen.“ Zwar werden ihm zufolge ab dem ersten Halbjahr 2021 mehrere Vakzine verfügbar sein. Doch sei jeder Impfstoff nur ein „relativer Schutz“, und die Impfung breiter Bevölkerungskreise werde eine „enorme logistische Herausforderung“. Manche der in Entwicklung befindlichen Vakzine müssten bei 180 Grad Celsius gelagert werden: „Das ist nicht so einfach.“ Auch nach der Verfügbarkeit eines oder mehrerer Impfstoffe werde es daher noch über Monate hinweg notwendig sein, die „persönlichen Schutzmaßnahmen“ einzuhalten, also etwa die Abstandsregeln und das Tragen der Mund- und Nasenschutzmasken.

 

 

 

 

 

October 29th

OMV übernimmt Borealis-Mehrheit

Der Öl- und Gaskonzern hat die Transaktion wie geplant abgeschlossen. Infolge der COVID-19-Pandemie verzeichnete er in den ersten neun Monaten des Jahres Verluste.

 

Mit 29. Oktober hat die OMV die Übernahme der Mehrheit an der Borealis abgeschlossen. Sie hält nun 75 Prozent des Kunststoff- und Düngerkonzerns, zuvor lag ihr Anteil bei 36 Prozent. Der bisherige Mehrheitseigentümer, die Investmentgesellschaft Mubadala mit Sitz in Abu Dhabi, behält die übrigen 25 Prozent. OMV-Generaldirektor Rainer Seele berichtete anlässlich der Präsentation der Dreivierteljahresbilanz, sein Unternehmen habe für die neu übernommenen 39 Prozent der Borealis rund 3,8 Milliarden Euro bezahlt. Dies sei mit Sicherheit nicht zu viel. Es handle sich um eine „faire und attraktive Transaktion“. Schon in der Jahresbilanz 2020 der OMV werde die Borealis voll konsolidiert. Die OMV wachse mit einem Schlag um rund ein Drittel. Überdies erweitere sie ihr Geschäftsmodell und werde von einem Öl- und Erdgaskonzern zu einem Öl-, Erdgas- sowie Chemiekonzern. Das mache ihr Geschäftsmodell noch „widerstandsfähiger“. Geplant sei, zu einem weltweit führenden Unternehmen in der Kreislaufwirtschaft zu werden. Darin bestehe auch die Strategie des Unternehmens in einer Weltwirtschaft mit im Vergleich zu bisher niedrigen CO2-Emissionen. Zur Frage, ob der Vorstandsvorsitzende der Borealis, Alfred Stern, in seiner Funktion bleibt, wollte Seele nicht Stellung nehmen: Es handle sich um eine „reine Spekulation, und so etwas kommentiere ich nicht“.

 

In den ersten neun Monaten des heurigen Jahres lieferte die OMV etwas, das sie in einer Aussendung als „solide Leistung“ bezeichnete. Konkret bedeutet das einen Verlust von 622 Millionen Euro, der laut Seele vor allem durch die verfallenen Ölpreise und die gesunkenen Gaspreise infolge der COVID-19-Pandemie bedingt war. Für das Gesamtjahr rechnet die OMV mit einem Brent-Ölpreis von 40 US-Dollar je Fass (2019: 64 US-Dollar) und einem Gaspreis von weniger als 10 Euro pro Megawattstunde (2019: 11,9 Euro). Die Gesamtfördermenge dürfte bei 450.000 bis 470.000 Fass liegen, 2019 waren es 487.000 Fass gewesen.

 

 

October 8th

Agrana steigert Umsatz und Gewinn

Zu der positiven Entwicklung trugen vor allem die Segmente Stärke und Zucker bei. Im Geschäft mit Fruchtsaftkonzentraten waren wegen der geringeren Nachfrage aus der Gastronomie Rückgänge zu verzeichnen.

 

Der Umsatz des Frucht-, Stärke- und Zuckerkonzerns Agrana belief sich im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2020/21 auf rund 1,31 Milliarden Euro, um etwa 4,8 Prozent mehr als im ersten Halbjahr des vorigen Geschäftsjahres. Das EBITDA wuchs um 11,7 Prozent auf 101,4 Millionen Euro, das EBIT um 7,9 Prozent auf 55,8 Millionen Euro. Ihr Konzernergebnis beziffert die Agrana mit 34,4 Millionen Euro, was einer Steigerung um rund 9,0 Prozent entspricht.

Generaldirektor Johann Marihart begründete dies mit der „sehr guten Geschäftsentwicklung im Bereich Bioethanol“, die Rückgänge beim Absatz von Stärke mehr als kompensierte, sowie dem besseren Geschäftsverlauf im Segment Zucker. Sowohl die Verkaufsmengen als auch die Verkaufspreise stiegen, was sich in einem Umsatzzuwachs von 21,8 Prozent auf 300,3 Millionen Euro sowie in einem auf -9,0 Millionen Euro um rund 50 Prozent gestiegenen EBIT manifestierte.

Im größten Segment, Frucht, verzeichete die Agrana einen leichten Umsatzanstieg um 1,0 Prozent auf 601,8 Millionen Euro. Dem gegenüber verringerte sich das EBIT um 16,6 Prozent auf 30,1 Millionen Euro. Zurückzuführen ist dies auf die geringeren Absatzmengen im Bereich Fruchtsaftkonzentrat. Dort schlug sich vor allem die verringerte Nachfrage aus der Gastronomie infolge der COVID-19-Pandemie nieder, berichtete Vertriebsvorstand Fritz Gattermayer. Das Geschäft mit Fruchtzubereitungen verlief ihm zufolge stabil.

 

Für das gesamte Geschäftsjahr 2020/21 erwartet Marihart „ein Konzern-EBIT zumindest auf Vorjahresniveau“. Der Umsatz dürfte voraussichtlich um ein bis zehn Prozent steigen. Infolge der nach wie vor virulenten COVID-19-Pandemie ist dieser Ausblick jedoch nach wie vor mit erheblichen Unsicherheiten behaftet, räumte Marihart ein. Allerdings habe sich die Diversifizierung der Geschäftsbereiche der Agrana im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres einmal mehr bewährt: „Wir sind solide unterwegs und gut aufgestellt.“ Marihart, dessen Vertrag im Februar 2021 endet, sollte die Agrana somit mit einer zufriedenstellenden Jahresbilanz verlassen können. 

 

Im November entschieden wird, wie es mit der Zuckerfabrik Leopoldsdorf weitergeht. Die Agrana hatte angekündigt, die Anlage zu schließen, falls ihr nicht eine Zuckerrüben-Anbaufläche von mindestens 38.000 Hektar garantiert werde. Laut Marihart hat sein Konzern den österreichischen Rübenbauern angeboten, das Dreijahresvertragsmodell bis 2022 mit Mindestpreisen von 32 Euro netto pro Tonne Rüben plus zwei Euro Rübenplatzmiete weiterzuführen. Da die Rübenbauern üblicherweise auch Weizen- und Maisbauern sind, bietet die Agrana ferner Kombiverträge an. Staatlicherseits wurde überdies eine Wiederanbauprämie von 250 Euro je Hektar bei Schädlingsbefall in den Raum gestellt. Auch die von den Rübenbauern gewünschte Notfallzulassung für Neonicotinoide ist laut Marihart „relativ wahrscheinlich“ und sicher, falls das laufende Bienenmonitoring positive Ergebnisse zeitigt.

 

 

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