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August 25th, 2026
Lenzing: Kapitalerhöhung beschlossen
25.08.26
von
Klaus Fischer
Wie geplant, billigte eine außerordentliche Hauptversammlung die Ausgabe von Inhaberaktien im Wert von rund 300 Millionen Euro. Sie soll bis spätestens 25. Februar 2027 erfolgen.
Plangemäß beschloss eine außerordentliche Hauptversammlung des Faserkonzerns Lenzing die Erhöhung seines Grundkapitals um rund 300 Millionen Euro. Diese erfolgt, wie angekündigt, mittels Ausgabe neuer auf Inhaber lautender Stückaktien. Vorgesehen ist, die Kapitalerhöhung bis spätestens 25. Februar kommenden Jahres durchzuführen, hieß es in einer Aussendung: „Die Stärkung der Eigenkapitalbasis verbessert die Bilanzstruktur der Lenzing AG, erhöht ihre finanzielle Stabilität und schafft zusätzlichen Handlungsspielraum.“ Überdies werde die Umsetzung des Restrukturierungsprogramms „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ erleichtert, verlautete Vorstandschef Georg Kasperkovitz: „Damit schaffen wir die Voraussetzungen, die Profitabilität der Lenzing AG nachhaltig zu steigern und langfristigen Wert zu schaffen.“ Die Hauptaktionäre, die B&C-Gruppe mit 37,2 Prozent sowie der brasilianische Zellstoffkonzern Suzano mit 15 Prozent, hatten bereits bei der Ankündigung der Kapitalerhöhung Ende Juli angekündigt, diese zu unterstützen. Sie befürworten auch die Absicht des Vorstands, neue Kredite über weitere bis zu 300 Millionen Euro aufzunehmen.
Wie berichtet, will die Lenzing mit dem umfassenden Restrukturierungsprogramm „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ dauerhaft profitabel werden. Geplant ist, den Konzernumsatz in Zukunft zu künftig zu jeweils rund einem Drittel im Textil-, im Vliesstoff- sowie im Zellstoffgeschäft zu erwirtschaften. Zurzeit fallen etwa 45 Prozent des Umsatzes im Textilgeschäft an, 26 Prozent im Geschäft mit Vliesstoffen, 20 Prozent im Zellstoffgeschäft und zehn Prozent im Vertrieb sonstiger Produkte. Mit der Umstrukturierung möchte sich die Lenzing von der Abhängigkeit vom Textilgeschäft befreien, das Zyklen von etwa fünf bis sieben Jahren aufweist.
Erheblicher Stellenabbau
Erheblich betroffen von den Maßnahmen ist die Belegschaft. Weltweit verlieren rund 2.000 der derzeit 7.700 Beschäftigten ihre Arbeitsplätze. Davon entfallen etwa 1.400 auf den Standort des Konzerns in Indonesien. In Großbritannien soll die Fabrik in Grimsby an der Humbermündung in die Nordsee etwa 95 Kilometer östlich von Leeds bis Ende 2027 geschlossen werden. Im Burgenland steht die Fabrik in Heiligenkreuz zum Verkauf. Findet sich kein Abnehmer, schließt die Lenzing das Werk mit Jahresende. In diesem Zusammenhang kündigte der Landeshauptmann des Burgenlands, Hans Peter Doskozil, an, sich engagieren zu wollen. Er ventilierte „eine Zukunftslösung mit Bestand – so wie uns das bei Sanochemia oder anderen Unternehmen auch gelungen ist“. Das Problem: Laut einem von Doskozil heftig kritisierten Bericht des Landesrechnungshof ist die Finanzlage des Burgenlands alles andere als prächtig.
August 17th
ECHA unterstützt Umsetzung der Altfahrzeugverordnung
17.08.26
von
Klaus Fischer
Die EU-Chemikalienagentur wird unter anderem besorgniserregende Substanzen in Fahrzeugen identifizieren sowie Vorschläge für die Einschränkung der Verwendung solcher Substanzen machen.
Die Europäische Chemikalienagentur ECHA wird die EU-Kommission bei der Umsetzung der am 13. August in Kraft getretenen Altfahrzeugverordnung (Verordnung (EU) 2026/1738) unterstützen. Zu diesem Zweck wird sie besorgniserregende Substanzen identifizieren, die in Fahrzeugen vorkommen, auf Anfrage der Kommission Vorschläge für Einschränkungen für die Verwendung besorgniserregender Substanzen erstellen sowie Ausnahmen zu bestehenden Verboten untersuchen. Sie wird dabei gemäß den Bestimmungen des Chemikalienmanagementsystems REACH vorgehen, also die betreffenden Arbeiten durch die wissenschaftlichen Komitees durchführen lassen. Das teilte die ECHA in einer Aussendung mit. Ihre Erkenntnisse fließen in einen Bericht der EU-Kommission ein, den diese voraussichtlich bis 14. Feber 2028 vorlegen wird.
Laut der Aussendung der ECHA dienen die Bestimmungen der neuen Verordnung dazu, ab dem 1. September 2032 auf den Markt kommende Fahrzeuge leichter wiederverwendbar, recyclierbar und wiederverwertbar zu machen, wenn sie das Ende ihrer Lebensdauer erreichen. Ferner geht es darum, mögliche Verschmutzungen der Umwelt zu vermindern sowie die Menschen und die Umwelt zu schützen. Die Bestimmungen der neuen Verordnung werden ab 1. September 2028 angewandt, um der Wirtschaft eine angemessene Übergangsfrist zu bieten. Bis dahin sind noch die Vorgaben der Altfahrzeugrichtlinie 2000/53/EU anzuwenden.
In Einzelteile zerlegt
Als „Altfahrzeuge“ im Sinne der Verordnung gelten, grob gesprochen, Fahrzeuge, die unter die Bestimmungen des Abfallbegriffs der EU fallen. Unter anderem betrifft dies Fahrzeuge, die „in Einzelteile zerlegt oder zur Wiederverwendung ihrer Teile demontiert“ wurden oder sich „bis oberhalb des Armaturenbretts unter Wasser“ befanden. Ferner gilt ein Fahrzeug als Altfahrzeug, wenn „Bauteile mit Bodenkontakt (z. B. Reifen und Räder), Federung, Lenkung, Bremsen und ihre Steuerelemente“ irreparabel sind. Ein weiteres Kriterium ist: „Struktur- und Sicherheitsbauteile weisen technische Defekte auf, die unumkehrbar sind und dazu führen, dass diese Bauteile nicht ausgewechselt werden können.“
Wie es in der Verordnung heißt, ist die Verwendung von Blei, Quecksilber, Cadmium und sechswertigem Chrom in Fahrzeugen bereits derzeit nur eingeschränkt zulässig. Die diesbezüglichen Bestimmungen werden in die Verordnung übernommen. Auf der Grundlage des Berichts, den sie mit Unterstützung der ECHA erstellt, soll die Kommission „geeignete Folgemaßnahmen in Betracht ziehen und ergreifen, darunter gegebenenfalls die Annahme von delegierten Rechtsakten zur Festlegung von Informationsanforderungen und von Beschränkungen für besorgniserregende Stoffe, die einer Wiederverwendung und einem Recycling von Werkstoffen aus Gründen entgegenstehen, die nicht in erster Linie mit der Stoffsicherheit zusammenhängen“.
August 13th
Evotec mit 168,6 Millionen Euro Halbjahresverlust
13.08.26
von
Klaus Fischer
Das Hamburger Wirkstoffunternehmen schrieb zum Halbjahr wie schon 2025 rote Zahlen. Auch der Ausblick ist keineswegs ungetrübt. Vorstandschef Christian Wojczewski ist dennoch zufrieden.
Keineswegs glänzend liefen die Geschäfte des Hamburger Wirkstoffunternehmens Evotec im ersten Halbjahr 2026. Die Umsatzerlöse sanken gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 um 19,2 Prozent auf 300,1 Millionen Euro. Als Betriebsergebnis weist die Evotec -234,7 Millionen Euro aus, nachdem sie schon im Vergleichszeitraum 2025 ein Minus von 47,8 Millionen Euro verkraften musste. In Summe ergab sich ein Halbjahresverlust von 168,6 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2025 hatte die Evotec einen Verlust von 75,1 Millionen Euro ausgewiesen.
Beide Geschäftsbereiche, nämlich Discovery & Preclinical Development (D&PD) sowie Just – Evotec Biologics (JEB) verzeichneten kräftige Umsatzrückgänge. Der Umsatz von D&PD sank um 15,2 Prozent auf 228,1 Millionen Euro. Als Gründe nannte die Evotec „die schwache Konvertierung des Auftragsbestands in Umsatzerlöse und die verhaltener als erwartet ausgefallene Kundennachfrage“. Ihr zufolge spiegelte dies „das anhaltend schwierige Marktumfeld“ wider. Bei JEB wiederum war ein Umsatzrückgang um 29,3 Prozent auf 72,3 Millionen Euro zu verzeichnen. Die Evotec stellte dazu fest, sie habe im ersten Halbjahr 2025 Erlöse aus einem Lizenzverkauf an Sandoz erhalten. Dieser positive Sondereffekt schlug heuer nicht mehr zu Buche.
Betriebliche Aufwendungen verzehnfacht
Erhebliche Auswirkungen hatten ferner die annähernde Verzehnfachung der sonstigen betrieblichen Aufwendungen von 5,6 auf 51,2 Millionen Euro sowie die von 634.000 auf 98,9 Millionen Euro gestiegenen Reorganisationskosten. Die erstere ergab sich insbesondere durch einen „Wertminderungsverlust in Höhe von 42,3 Millionen Euro im Segment D&PD im Zusammenhang mit einem Laborgebäude in Hamburg“. Bei den Reorganisationskosten ging es um „Aufwendungen für Rückstellungen und Wertminderungen von Vermögenswerten im Zusammenhang mit dem Horizon-Projekt“. Horizon ist ein „Transformationsprojekt“, mit dem sich die Evotec laut ihrer Aussendung zur Halbjahresbilanz „auf operative Exzellenz, wissenschaftliche Führungsstärke und kommerzielle Umsetzung“ konzentrieren möchte.
Ihren Ausblick auf das Gesamtjahr 2026 bestätigte die Evotec: Diesem zufolge sollen sich die Umsatzerlöse auf 570 bis 610 Millionen Euro belaufen. Das bereinigte EBITDA wird bei -70 bis -105 Millionen Euro liegen. Die Umsatzerlöse würden somit um rund 23 bis 28 Prozent sinken. Das bereinigte EBITDA im Jahr 2025 hatte 41,1 Millionen Euro betragen.
Vorstand zufrieden
Vorstandschef Christian Wojczewski gab sich dennoch zufrieden. Ihm zufolge war das Halbjahresergebnis durch den „erwartungsgemäß herausfordernden Jahresbeginn“ geprägt. Laut Wojczewski gibt es aber „deutliche und ermutigende Anzeichen dafür, dass unsere eingeleiteten Maßnahmen greifen“. Das Basisgeschäft von D&PD sei gut gelaufen, JEB setze die „positive Geschäftsentwicklung“ fort. Auch das Transformationsprogramm Horizon laufe „planmäßig“.
August 10th
Chemiebranche für Jugendliche attraktiv
10.08.26
von
Klaus Fischer
Personen im Alter von 14 bis 19 Jahren sehen die Chemieindustrie als ansprechenden Arbeitgeber, der interessante Tätigkeiten und gute Verdienste bietet. Etwas mehr Praxisorientierung wird beim Chemieunterricht gewünscht.
Österreichs Jugendliche im Alter von 14 bis 19 Jahren erachten die Chemieindustrie grundsätzlich als attraktiven Arbeitgeber. Sie gilt als wichtig für die Bewältigung künftiger gesellschaftlicher Herausforderungen sowie als Branche, die vielfältige und spannende Tätigkeiten ermöglicht. Als oberste Prioritäten bei der Berufswahl nennen die Jugendlichen die „Freude an der Arbeit“, die Sicherheit des Arbeitsplatzes sowie eine gute Verdienstmöglichkeiten. Das zeigt eine Umfrage unter 773 Personen, die das Foresight-Institut im Auftrag des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) im Zeitraum 23. März bis 15. Mai durchführte. Methodisch handelte es sich um eine „geschlossene“ Befragung, bei der die Antwortmöglichkeiten vorgegeben werden, berichtete Foresight-Geschäftsführer Christoph Hofinger auf Anfrage der Redaktion.
FCIO-Obmann Ulrich Wieltsch betonte, die Branche entspreche den Prioritäten der Jugendlichen hinsichtlich der Berugswahl sehr gut. Diese biete sinnerfüllte Arbeitsplätze, die gut bezahlt seien: „Die chemische Industrie entwickelt Lösungen für Gesundheit, Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft. Genau diese Vielfalt müssen wir jungen Menschen stärker vermitteln. Wer unsere Betriebe besucht, erkennt schnell, wie modern, innovativ und sinnstiftend die Arbeit in unserer Branche ist.“
Auch für Frauen wird die Chemieindustrie immer mehr zum ansprechenden Berufsfeld. Laut Wieltsch sind etwa 32,8 Prozent der 50.000 Beschäftigten Frauen, die ferner etwa ein Drittel der knapp 1.600 in Lehrausbildung Befindlichen stellen: „An den HTLs und den Universitäten haben wir einen Frauenanteil von rund 50 Prozent.“ Die in letzter Zeit verstärkt diskutierte „Gender Pay Gap“ verliert in der Chemiebranche immer mehr an Bedeutung, teilte Wieltsch der Redaktion mit. Die meisten der 230 Mitgliedsunternehmen des FCIO seien Großbetriebe, die aus eigenem Antrieb auf derartige Themen achteten: „Sie sind üblicherweise weiter als die Politik.“
Wer sich für den Einstieg in die Chemieindustrie entscheidet, kann in den kommenden Jahren mit guten Bedingungen rechnen, erläuterte Wieltsch: Die Generation der „Babyboomer“ erreiche das Pensionsalter. Daher strengten sich die Unternehmen erheblich an, um junge Talente für sich zu gewinnen. Der oft beklagte Fachkräftemangel hält sich laut Wieltsch in Grenzen: „Wir finden ausreichend gute Leute. Und die Lehrlinge sind üblicherweise ordentlich auf das Berufsleben vorbereitet.“
Guter Eindruck vom Chemieunterricht
Einen guten Eindruck haben die Jugendlichen der Studie zufolge übrigens vom Chemieunterricht an den Schulen, berichtete Hofinger. Zwar werde dieser bisweilen als etwas theorie- und „formellastig“ wahrgenommen. Als positiv bezeichneten die Befragten indessen, dass die Inhalte meist verständlich erklärt werden und „Bedeutung für wichtige aktuelle Themen“ besitzen. Überdies gelingt es dem Lehrpersonal zumeist, zu vermitteln, warum „Chemie“ im Alltag wichtig ist. „Das Interesse an einer einschlägigen Berufstätigkeit wird verstärkt, wenn der Chemieunterricht zeigt, wie Tätigkeiten in der Branche aussehen“, konstatierte Hofinger.
Wieltsch sieht darin „den größten Hebel“, um Jugendliche für die Chemieindustrie zu gewinnen: „Das bestätigen uns auch Personen, die im Berufsleben stehen. Wichtig ist der Bezug des Chemieunterrichts zu Praxis, wichtig ist die Zusammenarbeit mit der Industrie.“ Diese biete daher in zunehmendem Maße Betriebsbesichtigungen mit einschlägigen Informationsmöglichkeiten an. Der Wunsch nach einem noch mehr verstärkten Praxisbezug des Chemieunterrichts läuft übrigens nicht auf die Forderung hinaus, die Allgemeinbildenden Höheren Schulen zugunsten der Berufsbildenden Höheren Schulen abzuschaffen, betonte Wieltsch der Redaktion gegenüber: „Beide Arten haben ihre Berechtigung. Und an vielen AHS gibt es unglaublich engagiertes Lehrpersonal. Ich kann nur dazu einladen, die Möglichkeiten zu Betriebsbesichtigungen zu nutzen.“
July 31st
31.07.26
von
Klaus Fischer
Laut dem scheidenden Generaldirektor der OMV, Alfred Stern, hat sich deren integriertes Geschäftsmodell im ersten Halbjahr 2026 einmal mehr bewährt. „Das Beste der OMV“ werde noch kommen.
„Ich übergebe ein gut bestelltes Haus“, betonte der scheidende Generaldirektor der OMV, Alfred Stern, bei der Präsentation des Halbjahresergebnisses seines Konzerns. Dessen Umsatz erhöhte sich im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 um 16 Prozent auf 13,91 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis „aus fortgeführten Geschäftsbereichen“ – also ohne Berücksichtigung des in die Borouge International eingebrachten Konzstoffkonzerns Borealis - wuchs um 32 Prozent auf 2,25 Milliarden Euro. Ihren Halbjahresgewinn beziffert die OMV mit 2,26 Milliarden Euro, was verglichen mit dem Vorjahreszeitraum (680 Millionen Euro) mehr als einer Verdreifachung entspricht. Als wesentlichen Grund für die Verbesserung nennt die OMV die gestiegenen Preise für ihre Produkte. Ihr durchschnittlich realisierter Ölpreis stieg um 22 Prozent auf 84,92 US-Dollar/Barrel, ihr durchschnittlich realisierter Gaspreis um zwei Prozent auf 34,40 Euro/Megawattstunde (MWh).
Chemiegeschäft zufriedenstellend
Positiv entwickelte sich nicht zuletzt der Geschäftsbereich Chemicals: Dessen operatives Ergebnis vor Sondereffekten und Abschreibungen war mit 716 Millionen Euro um 56 Prozent höher als im ersten Halbjahr 2025. Der am 30. März mit der XRG, der internationalen Investmentgesellschaft des OMV-Miteigentümers Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) gegründete Polyolefinkonzern Borouge International trug rund 349 Millionen Euro zum operativen Ergebnis vor Sondereffekten bei.
Das Geschäft mit Basischemikalien wuchs vor allem infolge der um 17 Prozent auf 506 Euro/Tonne gestiegenen Propylen-Referenzmarge Europa sowie der mit 629 Euro/Tonne um 13 Prozent höheren Ethylen-Referenzmarge Europa. Dazu kam die bessere Auslastung der Steamcracker. Im Gefolge des US-amerikanisch-israelischen Angriffs auf den Iran kam es am 5. April zu Sachschäden an Standorten der Borouge International. Es dauerte bis Juni, die betroffenen Anlagen vollständig zu reparieren. Aus diesem Grund sank ihr Auslastungsgrad im zweiten Quartal auf etwa 60 Prozent.
Gasspeicherbefüllung „nur in engen Zeitfenstern“ wirtschaftlich
Nur geringe Auswirkungen auf die Bilanz der OMV hatte das Scheitern ihrer Pläne, das Offshore-Erdgasfeld Han Asparuh im bulgarischen Teil des Schwarzen Meeres zu entwickeln. Laut Stern stellte sich heraus, dass dieses Vorhaben wirtschaftlich nicht rentabel gewesen wäre. Der Finanzvorstand der OMV, Reinhard Florey, bezifferte die Investitionen der OMV in das Projekt auf Anfrage der Redaktion mit einem „einstelligen Millionenbetrag“. Florey zufolge trieb OMV das Vorhaben gemeinsam mit einem Partner voran, der die Hauptlast trug.
Angesprochen auf die im Vergleich zum Vorjahr niedrigen Füllstände der europäischen Gasspeicher beschied Stern, angesichts der Preissituation sei die Befüllung der Speicher derzeit wirtschaftlich „nur in begrenzten Zeitfenstern“ darstellbar. Österreich weise indessen zwei wichtige Vorteile auf: Erstens verfüge das Land über „sehr hohe Speicherkapazitäten“. Zweitens habe die Bundesregierung 2022 die „strategische Gasreserve“ von etwa 20 Terawattstunden (TWh) beschafft, was rund einem Viertel des Jahresbedarfs entspricht. Insofern sei Österreich im internationalen Vergleich mutmaßlich in einer „guten Situation“. Wie sich Speicherstände in Europa bis zum Winter entwickeln werden, ist Stern zufolge schwer einzuschätzen.
„Robustes Ergebnis in herausforderndem Umfeld“
Stern konstatierte, einmal mehr habe sich im ersten Halbjahr das integrierte Geschäftsmodell der OMV bewährt. Ihm zufolge ermöglichte dieses, ein „robustes Ergebnis in sehr herausfordernden Marktumfeld“ zu erwirtschaften. Die strategische Entwicklung des Konzerns schreite gut voran: „Das Beste der OMV wird noch kommen. Davon bin ich überzeugt.“ Seiner Nachfolgerin Emma Delaney, die den Vorstandsvorsitz mit 1. September übernimmt, wünschte Stern „alles erdenklich Gute“.
Zumindest einige Faktoren könnten Delaney den Einstieg erleichtern. Laut ihrem Ausblick auf das Gesamtjahr erwartet die OMV einen durchschnittlichen Preis für Rohöl der Marke Brent von 85 bis 95 US-Dollar/Barrel, 2025 hatte dieser 69 US-Dollar/Barrel betragen. Der durchschnittlich realisierte Gaspreis sollte bei etwa 40 Euro/MWh liegen, verglichen mit 30 Euro im Vorjahr. Die OMV Raffinerie-Referenzmarge Europa wird sich vorausslichtlich auf rund 20 US-Dollar/Barrel verdoppeln. Ferner rechnet der Konzern mit einem Anstieg der Ethylen-Referenzmarge Europa auf mehr als 600 Euro/Tonne (2025: 569 Euro) sowie der Propylen-Referenzmarge Europa auf über 500 Euro/Tonne (2025: 445 Euro).
Warnend heißt es im Halbjahresbericht allerdings, die geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten seien im zweiten Quartal „unverändert dynamisch“ gewesen. Insofern „stellt dieser Ausblick auf Grundlage der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des OMV Konzernberichts Jänner–Juni 2026 verfügbaren Informationen die aktuelle Einschätzung des Markts dar. Die tatsächlichen Ergebnisse können erheblich abweichen, sollten sich geopolitische oder regulatorische Entwicklungen anders als derzeit angenommen gestalten“.
July 30th
FCIO: Lohn- und Energiekosten senken, regulatorischen Aufwand verringern
30.07.26
von
Klaus Fischer
Der Fachverband der Chemischen Industrie Österreich sieht die Branche international in einer sich verschlechternden Wettbewerbssituation. Gegensteuern sei dringend geboten.
Drei Forderungen an die österreichische sowie europäische Politik erhebt Ulrich Wieltsch, der Obmann des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreich (FCIO): „Erstens ist es nötig, die Lohnkosten in den Griff zu bekommen. Zweitens gilt es, auch die Energiekosten in den Griff zu bekommen. Und drittens muss der regulatorische Aufwand verringert werden.“ Wieltsch, der hauptberuflich Technischer Direktor bei Thermo Fisher Scientific in Linz ist, erläuterte bei einem Pressegespräch, die österreichische Chemiebranche habe derzeit im Vergleich zur Konkurrenz in Deutschland jährliche Mehrkosten von etwa 500 Millionen Euro zu tragen: „Das können wir auf die Dauer nicht stemmen.“ Schon im vergangenen Jahr habe die Chemieindustrie rund 600 Arbeitsplätze abgebaut, heuer werde sich dieser Trend fortsetzen. Wieltsch zufolge bekennen sich die Unternehmen der Branche zwar nach wie vor zum Standort Österreich. Wegen der ungünstigen Rahmenbedingungen senken sie indessen ihre Investitionen.
Seine Forderungen untermauerte Wieltsch mit den Ergebnissen einer Umfrage, die das Beratungsunternehmen EY Denkstatt im Auftrag des FCIO unter dessen Mitgliedern durchführte. Sie erfolgte vor dem Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs der USA und Israels auf den Iran am 28. Feber 2026, der bis heute andauert. Als wichtigste Faktoren für die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Chemieindustrie erachten die Vertreter der dem FCIO angehörenden Unternehmen dieser zufolge die Personalkosten, die Nachfrageentwicklung, den „Importdruck aus Niedrigkostenländern“, regulatorische Unsicherheiten und Komplexitäten sowie die Energiekosten. „Im Vergleich zu Deutschland sowie EU/EWR + UK + Schweiz überwiegen neutrale bis leicht negative Einschätzungen. Gegenüber dem osteuropäischen Raum hat sich Marktsituation in Österreich leicht verschlechtert“, hieß es in einer bei dem Pressegespräch ausgegebenen Unterlage. Die Befragten erachten die USA sowie Asien verglichen mit der Europäischen Union als „klar als attraktivere Standorte. Der Wettbewerbsabstand wird hier als zunehmend wahrgenommen. Dies gilt vor allem für die Herstellung chemischer Erzeugnisse“. Allerdings hat der asiatische Raum als Markt für die österreichische Chemieindustrie nur „untergeordnete“ Bedeutung: Auf ihn entfallen rund 7,5 Prozent des gesamten Exportvolumens.
Ferner zeigt die Umfrage „ branchenspezifische Unterschiede“. So sehen sich Vertreter der Pharmaindustrie vergleichsweise „weniger stark vom Importdruck und von regulatorischer Unsicherheit betroffen“. Die chemische Industrie im engeren Sinn wiederum erachtet die Dauer der Genehmigungen für Anlagen als besonders herausfordernd. Grundsätzlich werden in der gesamten Sparte folgende Faktoren als wesentliche Hemmnisse für Investitionen angegeben: die komplexen und langen Genehmigungsverfahren, die Lohnkosten, die Energiekosten, die Qualität und Quantität der gesetzlichen Vorgaben sowie der Konkurrenzdruck aus Nicht-EU-Ländern. Am wenigsten Bedeutung haben dem gegenüber die Kapitalkosten, Risiken durch den Klimawandel, die Versorgungssicherheit bei Rohstoffen sowie die Verfügbarkeit von Fachkräften.
„Hochnotwendig, aber nicht ausreichend“
Von der Redaktion auf die Maßnahmen der Regierung zur Senkung der Energiekosten angesprochen, konstatierte Wieltisch, der mit 1. Jänner 2027 kommende Industriestrompreis sei „hochnotwendig, aber nicht ausreichend“. Das Stromkostenausgleichsgesetz (SAG) wiederum komme um zwei Jahre zu spät. Außerdem berücksichtige die Regierung bei ihrer Reforum nicht sämtliche Sparten, die laut dem EU-Recht begünstigt werden können. Als Beispiele nannte Wieltsch die Dünger- sowie die Kunststofferzeugung sowie die Faserproduktion. Dies sei eine Verletzung des verfassungsrechtlichen Gleichheitsgrundsatzes. „Wenn Betroffene dagegen vorgehen, werden wir sie unterstützen“, kündigte Wieltsch an.
July 28th
Lenzing will Abhängigkeit vom Textilgeschäft senken
28.07.26
von
Klaus Fischer
Im Zuge einer Restrukturierung werden rund 2.000 Beschäftigte abgebaut, vor allem in Indonesien. Mit einer Kapitalerhöhung um 300 Millionen Euro und neuen Krediten möchte der Konzern seine Finanzstruktur verbessern.
Mit einem umfassenden Restrukturierungsprogramm will der der oberösterreichische Faser- und Zellstoffkonzern Lenzing dauerhaft profitabel werden. Das berichteten Vorstandschef Georg Kasperkovitz und Finanzvorstand Mathias Breuer bei einem Pressegespräch. Kasperkovitz zufolge soll die Lenzing ihren Umsatz künftig zu jeweils einem Drittel im Textil-, im Vliesstoff- sowie im Zellstoffgeschäft erwirtschaften. Zurzeit entfallen 45 Prozent des Umsatzes auf das Textilgeschäft, 26 Prozent auf Vliesstoffe, 20 Prozent auf Zellstoff und zehn Prozent auf sonstige Produkte. „Die Textilindustrie hat einen Zyklus von fünf bis sieben Jahren. Wir müssen unsere Abhängigkeit davon reduzieren“, konstatierte Kasperkovitz. Auf die Frage der Redaktion, warum diese Reduktion erst jetzt erfolgt, beschied der Lenzing-Chef, mit der Kommerzialisierung der Lyocell-Faser habe das Unternehmen lange Zeit eine führende Position auf dem Weltmarkt eingenommen: „Das ist jetzt leider nicht mehr so.“
Im Zuge der Restrukturierung baut die Lenzing weltweit etwa 2.000 ihrer derzeit 7.700 Beschäftigten ab. Der Großteil davon entfällt laut Finanzchef Breuer auf Indonesien, wo rund 1.400 Personen ihren Arbeitsplatz verlieren könnten. Ferner ist geplant, die Produktion in Heiligenkreuz im Burgenland bis Ende des heurigen Jahres auslaufen zu lassen. In Großbritannien will die Lenzing ihre Fabrik in Grimsby, gelegen unweit der Humber-Mündung in die Nordsee etwa 95 Kilometer westlich von Leeds, bis Ende 2027 herunterfahren. Für die Belegschaft von Heiligenkreuz bestehe ein Sozialplan. Hinsichtlich Grimsby werde mit den zuständigen Interessenvertretern über „geeignete Unterstützungsmaßnahmen“ verhandelt.
Laut Kasperkovitz war das Engagement der Lenzing in Heiligenkreuz „keine gute Invesitition. Wir können dieses Werk nicht gut führen. Es passt nicht in unser Produktportfolio.“ Ein Managementfehler sei Heiligenkreuz aber nicht gewesen: Das dortige Biomassekraftwerk biete alternative Nutzungsmöglichkeiten. Versucht wird, das Werk zu verkaufen. Dies sei allerdings schwierig, räumte Kasperkovitz ein: „Es ist möglich, dass wir keinen neuen Eigentümer finden. In diesem Fall sperren wir Heiligenkreuz mit Jahresende zu.“
Finanzstruktur verbessern
Um die Finanzstruktur der Lenzing zu verbessern, soll bei einer außerordentlichen Hauptversammlung Ende August eine Kapitalerhöhung von bis zu 300 Millionen Euro beschlossen werden. Überdies möchte der Konzern neue Kredite über weitere bis zu 300 Millionen Euro aufnehmen. Die Hauptaktionäre, die B&C-Gruppe mit 37,2 Prozent sowie der brasilianische Zellstoffkonzern Suzano mit 15 Prozent, unterstützen diese Pläne. Zwischen den beiden Unternehmen besteht hinsichtlich der Lenzing ein Syndizierungsvertrag. Die Kapitalerhöhung wird BNP Paribas, UniCredit, Commerzbank und der Erste Group sichergestellt, berichtete Breuer: „Was die Aktionäre nicht kaufen, übernehmen die Banken.“
Weiters tätigt die Lenzing heuer Abschreibungen von rund 150 Millionen auf langfristige Vermögenswerte von bis zu 150 Millionen Euro. Dies werde sich im Betriebsergebnis (EBIT) sowie im Konzernergebnis entsprechend niederschlagen. Rückstellungen für den Personalabbau wiederum dürften das EBITDA mit bis zu 40 Millionen Euro belasten. Mittelfristig will die Lenzing ihr EBITDA um etwa 150 Millionen Euro pro Jahr erhöhen. Für 2025 hatte sie dieses mit 430 Millionen Euro beziffert. Die EBITDA-Marge soll von 15,9 Prozent im Jahr 2025 auf 20 bis 25 Prozent steigen.
Ausbauen will der Konzern das „Nonwovens“-Geschäft, das nicht zuletzt Fasern für Hygieneprodukte umfasst. Wie in den vergangenen Monaten angekündigt, wird nicht zuletzt am Stammsitz in Lenzing selbst in diesen Bereich investiert. Der Faserproduktionsstandort in Mobile im US-amerikanischen Bundesstaat Alabama wird modernisiert.
Doskozil will „Zukunftslösung mit Bestand“
Bezüglich Heiligenkreuz hatte sich auch der Landeshauptmann des Burgenlands, Hans Peter Doskozil, zu Wort gemeldet. Er ventilierte „eine Zukunftslösung mit Bestand – so wie uns das bei Sanochemia in Neufeld oder anderen Unternehmen direkt in der Region Jennersdorf auch gelungen ist“. Das Problem: Laut einem von Doskozil heftig kritisierten Bericht des Landesrechnungshofs ist die Finanzlage des Burgenlands alles andere als prächtig.
July 23rd
Marinomed beantragt Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung
23.07.26
von
Klaus Fischer
Das Biotechnologieunternehmen setzte den angekündigten Schritt beim Landesgericht Klosterneuburg. In einem Zuge legte es einen Vorschlag für einen neuen Sanierungsplan vor.
Wie angekündigt, beantragte das Korneuburger Biotechnologieunternehmen Marinomed Biotech AG beim Landesgericht Korneuburg die Einleitung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung. Als Grund nannte die Marinomed „fehlende Earn-out Zahlungen von Unither aus dem Verkauf des Carragelose-Geschäftsbereichs und der Abbruch von Verhandlungen durch Unither Pharmaceuticals. Damit kann der gerichtlich genehmigte Sanierungsplan vom 14. November 2024 nicht erfüllt werden und der Gesellschaft droht dadurch die Zahlungsunfähigkeit“. Der Hintergrund: Nach der Insolvenz vom August 2024 hatte das Unternehmen einen Sanierungsplan entwickelt, den das Landesgericht Korneuburg am 14. November 2024 genehmigte. Er sah die Übernahme des Geschäfts mit dem Virenblocker-Wirkstoff Carragelose durch den französischen Pharmakonzern Unither Pharmaceuticals vor. Die Unither sollte dafür ingesamt 20 Millionen Euro bezahlen, davon einen fixen Anteil von fünf Millionen sowie weitere 15 Millionen an Nachzahlungen (Earn-out-Zahlungen) beim Erfüllen vorab festgelegter Bedingungen. Nun verweigerten die Franzosen offenbar den finanziellen Nachschuss.
Die Marinomed geht davon aus, „dass Unither die vereinbarten Zielvorgaben aufgrund einer schuldhaften Verzögerung beim Abschluss von Kundenverträgen und einer geänderten Unternehmensstrategie nicht erreicht hat. Die mit Unither geführten Gespräche verliefen erfolglos und es konnte keine Einigung betreffend die Earnout Zahlungen getroffen werden“. Hinzu kamen „Verzögerungen im Abschluss weiterer Partnerschaften für die Marinosolv-Produkte“. Dabei handelt es sich um die in Entwicklung befindlichen Arzneimittel Budesolv, ein Präparat gegen allergische Rhinitis, sowie Tacrosolv, ein Medikament zur Behandlung entzündlicher Augenerkrankungen.
Anlässlich des neuen Insolvenzantrags legte die Marinomed dem Gericht einen Vorschlag für einen neuen Sanierungsplan vor. Laut einer Aussendung umfasst dieser weitere Restrukturierungsmaßnahmen, rechtliche Schritte gegen Unither sowie das Heben von Potenzialen „des kürzlich begonnen Compounding-Geschäftes“.
Unternehmenschef und -gründer Andreas Grassauer konstatierte, das Sanierungsverfahren sei „die beste Chance, eine nachhaltige Grundlage für die Fortführung des Unternehmens und die Kommerzialisierung unserer innovativen Produkte zu schaffen. Die Situation mit Unither hat die Geschäftstätigkeiten und die Finanzierungsoptionen zuletzt massiv eingeschränkt“. Grassauer bezeichnete den Antrag als „aktuell einzige Option für das Unternehmen“.
July 17th
Marinomed plant Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung
17.07.26
von
Klaus Fischer
Das Korneuburger Biotechnologieunternehmen sieht zum zweiten Mal nach 2024 die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit. Als Grund nennt es das Scheitern der Verhandlungen mit dem französischen Investor Unither.
Das Korneuburger Biotechnologieunternehmen Marinomed will laut einer Aussendung die Einleitung eines gerichtlichen Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung beantragen. Mit dieser Maßnahme beabsichtigt die Marinomed, ihre „finanzielle Stabilität durch Abschluss eines neuen Sanierungsplans abzusichern“. Der gerichtlich genehmigte Sanierungsplan vom 14. November 2024 sei gescheitert. Somit drohe „die Zahlungsunfähigkeit“. Als Grund gab die Marinomed an, die Verhandlungen mit dem französischen Pharmakonzern Unither Pharmaceuticals seien abgebrochen worden. Dieser verweigere sogenannte Earn-out-Zahlungen für das von ihm übernommene Carragelose-Geschäft der Marinomed. Dabei handelt es sich um Nachzahlungen zum Kaufpreis, wenn bestimmte Kennzahlen erreicht werden. Laut der Aussendung will die Marinomed rechtlich gegen die Unither vorgehen.
Erst vor knapp drei Monaten hatte das Korneuburger Unternehmen bekannt gegeben, im Zuge einer Kapitalerhöhung rund 2,2 Millionen Euro lukriert zu haben. „Mit dieser Finanzierung wird der erwartete Liquiditätsbedarf gedeckt und unsere Position in den laufenden Verhandlungen zur Vermarktung unserer Leitprodukte Budesolv und Tacrosolv gestärkt“, konstatierte Unternehmensgründer und Vorstandschef Andreas Grassauer damals.
Die Marinomed hatte im August 2024 Insolvenz beantragt. Ihr Umsatz war nach Ende der COVID-19-Pandemie eingebrochen. Dies hatte Schulden von rund 30 Millionen Euro zur Folge. Um sich zu sanieren, verkaufte die Marinomed ihren Virenblocker-Wirkstoff Carragelose um 20 Millionen Euro an die Unither. Seither entwickelt sie unter Nutzung ihrer „Marinosolv“-Plattform neue Medikamente, vor allem zur Behandlung von autoreaktiven Immunerkrankungen. Bezüglich Budesolv, einem Präparat gegen allergische Rhinitis, liegen die Ergebnisse einer klinischen Phase-III-Studie vor. Hinsichtlich Tacrosolv, einem Mittel zur Behandlung entzündlicher Augenerkrankungen, verfügt die Marinomed über Ergebnisse einer Phase-II-Studie. Die beiden Arzneien sind jedoch noch nicht auf dem Markt. Geplant war bisher, sie nach einer allfälligen Zulassung mit „strategischen Partnern“ zu vermarkten.
July 13th
Wien: Boehringer Ingelheim baut aus
13.07.26
von
Klaus Fischer
Am Campus Wien-Meidling entsteht bis Ende 2027 um 100 Millionen Euro ein neues Büro- und Verwaltungsgebäude für bis zu 990 Beschäftigte.
Um über 100 Millionen Euro errichtet Boehringer Ingelheim an seinem Campus in Wien-Meidling ein neues Büro- und Verwaltungsgebäude. Dieses soll Ende 2027 fertiggestellt werden und etwa 990 Beschäftigten Platz bieten. Es hat eine Bruttogrundfläche von etwa 25.900 Quadratmetern auf acht oberirdischen und zwei unterirdischen Geschoßen. Ferner verfügt es über eine Garage mit 140 PKW-Stellplätzen inklusive 25 Doppel-Ladestationen für E-Autos. Vorgesehen sind überdies 152 Fahrradstellplätze mit 48 E-Bike-Ladestationen. Acht der Abstellplätze sind für Lastenräder geeignet.
Die Raumwärmeversorgung erfolgt mittels Geothermie. Dazu dienen 90 Erdwärmesonden, die in eine Tiefe von 150 Metern in den Untergrund ragen. Boehringer Ingelheim beziffert die Gesamtleistung der Anlage mit rund 420 Kilowatt. Laut dem Konzern reicht dies rechnerisch aus, um 52 Einfamilienhäuser zu versorgen. Der benötigte Strom wird teilweise mithilfe einer Photovoltaikanlage auf dem Dach des neuen Bauwerks erzeugt. Nach Angaben von Boehringer Ingelheim verläuft der Bau bis dato „planmäßig. Der Tiefbau ist fertiggestellt und liegt nun auf Straßenniveau. Nun beginnt die Hochbauphase. Parallel laufen die Detailplanungen für Möblierung, IT und Fassadenkonzept“.
Ausgelegt ist das Gebäude für das „Smart Working“ von 866 Personen. Pavol Dobrocky, der Generaldirektor des Boehringer Ingelheim Regional Center Vienna (RCV), konstatierte, das neue Gebäude stehe „für eine Arbeitswelt, die noch stärker auf Zusammenarbeit, Flexibilität und Austausch ausgerichtet ist: Mitarbeitende können je nach Aufgabe jene Arbeitsumgebung wählen, die sie gerade brauchen – von ruhigen Fokusbereichen über Co-Working- und Multispace-Flächen bis hin zu kreativen Meetingräumen“.
Laut einer Untersuchung des Instituts für Höhere Studien (IHS) im Auftrag der Arbeiterkammer haben Konzepte wie „Smart Working“ auch für die Beschäftigten durchaus Vorteile. Dazu gehörten „Ersparnisse von Kosten und Wegzeiten, wenn der Arbeitsort schwer erreichbar ist“, aber auch „höhere Produktivität durch Autonomie in der Arbeitsorganisation, wenn selbstorganisiertes Arbeiten durch die Art der Tätigkeit und die dafür notwendigen Kompetenzen unterstützt wird“. Zu den potenziellen Nachteilen von „Smart Working“ gehören dem IHS zufolge „Mehrfach- und Überbelastung im Homeoffice, wenn Arbeitszeit und Freizeit vermischt werden“.
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