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March 11th, 2022

Borealis: Stickstoffspartenverkauf abgeblasen

Infolge der Sanktionen gegen die Russländische Föderation lehnt der Kunststoff- und Düngerkonzern das Angebot der Eurochem ab.

 

Der Verkauf des Stickstoff- und Düngemittelgeschäfts der Borealis ist vorerst geplatzt. Das Angebot der Eurochem vom 2. Feber, dieses um 455 Millionen Euro zu übernehmen, werde abgelehnt, teilte das Unternehmen mit. Vorstandschef Thomas Gangl konstatierte, die Borealis habe „die jüngsten Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine und den verhängten Sanktionen eingehend geprüft. Infolgedessen haben wir beschlossen, das Angebot von Eurochem für den Erwerb des Stickstoffgeschäfts von Borealis, welches Pflanzennährstoffe, Melamin und technische Stickstoffprodukte umfasst, abzulehnen“. Nun werde nach einer neuen Lösung für die Angelegenheit gesucht.

 

Der Hintergrund: Rund 90 Prozent der Eurochem gehören bzw. gehörten dem russländischen Geschäftsmann Andrej Melnicenko. Dieser steht seit 9. März auf der Sanktionsliste der EU. Sie ließ sein Vermögen einfrieren und erteilte ihm ein Einreiseverbot. Wie viel des auf bis zu 19,3 Milliarden US-Dollar (17,6 Milliarden Euro) geschätzten Vermögens Melnicenkos davon betroffen ist, ist unbekannt. Nach Angaben von Eurochem legte dieser seine Funktionen in dem Konzern am 10. März zurück und gilt nicht mehr als dessen Hauptbegünstiger. Hinsichtlich der künftigen Eigentümerstruktur der Eurochem ist bisher in der Öffentlichkeit nichts bekannt. Nach eigenen Angaben ist der Konzern mit Sitz in Zug in der Schweiz einer der weltweit größten Anbieter von Stickstoff, Phosphat, Kali sowie komplexen Düngemitteln. Sein Jahresumsatz für 2020 wird mit etwa 6,2 Milliarden US-Dollar (5,6 Milliarden Euro) beziffert.
 

 

March 10th

Lenzing wieder mit Gewinn

Der Zellstoff- und Faserkonzern hat die Verlustzone verlassen und 2021 einen Überschuss von 127,7 Millionen Euro erzielt. Dem interimistischen Vorstandschef Cord Prinzhorn folgt am 1. April der derzeitige Technikchef der Lenzing, Stephan Sielaff.

 

Der Zellstoff- und Faserkonzern Lenzing erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2021 einen Gewinn von rund 127,7 Millionen Euro, nachdem er 2020 einen Verlust von etwa 10,6 Millionen Euro hinzunehmen hatte. Die Umsatzerlöse erhöhten sich um 34,4 Prozent auf 2,19 Milliarden Euro. Das EBITDA fiel mit 362,9 Millionen Euro fast doppelt so hoch aus wie 2020 (192,3 Millionen Euro). Cord Prinzhorn, der interimistische Vorstandschef, sprach von einem „starken Geschäftsjahr“. Er begründete die deutlich verbesserten Resultate mit dem „strategischen Fokus auf holzbasierte Spezialfasern und dem überwiegend positiven Marktumfeld“. Für die Zukunft sieht Prinzhorn den Konzern gut gerüstet. Er verwies auf das Anfang März in Betrieb gegangene Lyocellwerk in Thailand, das eine Jahreskapazität von 100.000 Tonnen aufweist und damit als eines der größten der Welt gilt. Auch stehe die Inbetriebnahme des neuen Zellstoffwerks in Brasilien „unmittelbar bevor“. Beide Projekte realisiere die Lenzing im vorgesehenen Zeit- und Budgetrahmen, betonte Prinzhorn.

 

Das EBITDA des heurigen Jahres sollte Prinzhorn zufolge „deutlich über dem Niveau von 2021“ liegen. Allerdings gebe es einige Unsicherheitsfaktoren. Die COVID-19-Pandemie sei keineswegs zuende. Und: „Die stark gestiegenen Energiekosten und die Probleme globaler Lieferketten stellen weitere ökonomische Herausforderungen dar. Darüber hinaus gilt es auch die geopolitischen Risiken verstärkt im Auge zu behalten. Insbesondere die militärischen Auseinandersetzungen in der Ukraine wird die Weltwirtschaft negativ beeinflussen.“

 

Unterdessen ist geklärt, wer Prinzhorn nachfolgt: Es ist Stephan Sielaff, der derzeitige Technikvorstand der Lenzing, der per 1. April den Vorstandsvorsitz übernimmt. Prinzhorn führt die Lenzig seit dem überraschenden Abgang Stefan Doboczkys im Herbst vergangenen Jahres und übernimmt den Vorsitz im Aufsichtsrat. Er folgt damit Peter Edelmann, der sich mit 26. April zurückzieht. Ferner verzichtet Finanzvorstand Thomas Obendrauf auf die Verlängerung seines bis Ende Juni laufenden Vertrags. Ein Nachfolger wird bereits gesucht.

 

 

 

March 8th

Rauch angelobt

Der neue Gesundheitsminister hat sein Amt übernommen. Seine Aufgabe ist keine leichte, warnte Bundespräsident Alexander van der Bellen.

 

„Herr Bundespräsident, ich gelobe.“ Mit diesen Worten übernahm Johannes Rauch am 8. März das Amt des Gesundheits- und Sozialministers. Bundespräsident Alexander van der Bellen konstatierte bei der Angelobung in der Wiener Hofburg, bei der Bewältigung der Pandemie stehe der Gesundheitsminister im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Dessen Aufgabe sei nicht leicht: „Sie ist nervenaufreibend und geht ohne Zweifel an die Belastungsgrenze.“ Van der Bellen rief die Mitglieder der Bundesregierung, die Bundesländer und die Gemeinden auf, die Pandemie gemeinsam einzudämmen: „Nur, wenn alle zusammenarbeiten, kann diese schwierige Aufgabe bewältigt werden. Ich bin zuversichtlich, dass wir das auch schaffen, auch wenn wir heute noch nicht wissen, wann die Pandemie vorbei sein wird.“

 

Johannes Rauch, geboren 1959 in Rankweil (Vorarlberg), ist Diplom-Sozialarbeiter. Von 2000 bis 2014 war er Abgeordneter zum Vorarlberger Landtag, seit 2014 Landesrat. Als Bundesminister für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz folgt er Wolfgang Mückstein, der nach einem Jahr zurückgetreten war. Mückstein begründete seinen Rücktritt mit der Belastung durch seine Tätigkeit sowie Drohungen gegen seine Person und seine Familie. Rauch betonte bei seiner Vorstellung durch Vizekanzler Werner Kogler am 4. März, er werde nicht den Fehler machen, die COVID-19-Pandemie vorschnell für beendet zu erklären. Er versicherte, sein Bestes geben und auch „als Sozialminister sichtbar werden“ zu wollen.

 

Wie der Pharmaindustrieverband Pharmig schon am 4. März, gratulierten nun auch der Österreichische Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH) sowie die Interessensgemeinschaft österreichischer Heilmittelhersteller und Depositeure (IGEPHA) Rauch zu seiner Bestellung. IGEPHA-Präsidentin Mirjana Mayerhofer konstatierte, mit Rauch komme „ein erfahrener Politiker in das Amt des Sozial und Gesundheitsministers, der schon als Landesrat in Vorarlberg Regierungserfahrung gesammelt hat. Die IGEPHA wünscht dem Minister alles Gute und freut sich auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit mit dem Sozial- und Gesundheitsressort“. Auch ÖVIH-Vizepräsidentin Sigrid Haslinger lobte Rauch als „erfahrenen und sachorientierten Politiker“. Der ÖVIH freue sich darauf, „ihm gemeinsam die anstehenden Verbesserungen auch in anderen Bereichen wie zum Beispiel im Bereich des e-Impfpasses, bei den Schulimpfungen oder auch in der Beschaffung von Impfstoffen anzugehen“.

 

Auf den Minister wartet eine Reihe von Herausforderungen, darunter keineswegs zuletzt die Umsetzung der gesetzlichen Impfpflicht sowie die Frage, ob es weiterhin kostenlose COVID-19-Tests geben wird. Die regierungs- und globalisierungskritische Organisation Attac nahm die Angelobung Rauchs zum Anlass zur Kritik an der geplanten Bestellung Helga Tiebens zur Leiterin der österreichischen Medizinmarktaufsicht in der AGES. Attac forderte Rauch auf, die „Pharmalobbyistin“ nicht zu berufen.

March 4th

Kernkraftwerk Saporishtshia: IAEA besorgt

Die Internationale Energieagentur mahnt zur Gewährleistung der Sicherheit der Anlage und ihres Personals.

 

„Schwer besorgt“ über die Lage um das ukrainische Kernkraftwerk Saporishtshia (russisch Saporoshkoe) zeigte sich der Generaldirektor der Internationalen Energieagentur (IAEA), Rafael Mariano Grossi, am 4. März bei einer Pressekonferenz in Wien. Oberste Priorität müsse haben, die Sicherheit des Kraftwerks, seines Personals sowie der Stromerzeugung in der Anlage zu gewährleisten. Auf deren Areal Artilleriegranaten abzufeuern, widerspreche dem Prinzip, die physische Integrität von kerntechnischen Anlagen jederzeit sicherzustellen.

 

Grossi tätigte seine Aussagen, nachdem es in der Nacht vom 3. auf den 4. März zu einem Brand im Trainingszentrum des größten Kernkraftwerk Europas gekommen war. Betroffen war ein Areal von rund 2.000 Quadratmetern. Gegen 6 Uhr Ortszeit (5 Uhr MEZ) konnte der Brand unter Kontrolle gebracht werden. Um etwa 6:30 Uhr Ortszeit (5:30 Uhr MEZ) verlautete, er sei gelöscht.

 

Über die Ursachen des Brandes gibt es unterschiedliche Darstellungen. Der Bürgermeister der nahegelegenen ukrainischen Stadt Energodar, Dmitri Orlov, sprach von „dauerndem feindlichem Beschuss der Gebäude und Anlagen“ des Kraftwerks. Anderen ukrainischen Quellen zufolge soll dieser durch russländische Truppen auch mit den Geschützen von Kampfpanzern bzw. mit Artillerie erfolgt sein.

Das russländische Verteidigungsministerium bezeichnete die Ereignisse dagegen als „ukrainische Provokation“. Das Kraftwerk Saporishtshia / Saporoshkoe sei bereits seit 28. Feber von russländischen Truppen besetzt. Am 4. März um etwa 2 Uhr Ortszeit (1 Uhr MEZ) hätten „ukrainische Saboteure“ eine motorisierte Patrouille der Russländischen Nationalgarde aus dem Trainingszentrum außerhalb des engeren Kernkraftwerksareals mit Handfeuerwaffen schwer beschossen. Die Patrouille sei in das Zentrum eingedrungen und habe den Beschuss ihrerseits mit Handfeuerwaffen erwidert. Im Zuge des Schusswechsels hätten die „Saboteure“ das Gebäude in Brand gesteckt. Kein Angehöriger des Kraftwerkspersonals habe sich während des Vorfalls in dem Zentrum befunden. Das Ziel der „ukrainischen Provokation“ sei es gewesen, die russländische Seite völkerrechtswidrigen Verhaltens zu bezichtigen. 

 

Die IAEA meldete unter Berufung auf nicht näher spezifizierte ukrainische Quellen, das Kraftwerk werde nunmehr offenbar weiterhin von seiner regulären Belegschaft betrieben. Es sei keinerlei radioaktives Material freigesetzt worden. Von den sechs Reaktoren von Saporishtshia / Saporoshkoe ist derzeit nur einer, der Block 4, in Betrieb. Block 1, der dem Trainingszentrum am nächsten liegen soll, wurde schon vor dem russländischen Angriff auf die Ukraine am 24. Feber für reguläre Wartungsarbeiten abgeschaltet. Die übrigen vier Blöcke sind in Reserve bzw. in Wartung und zur Zeit ebenfalls abgeschaltet. Das Kernkraftwerk Saporishtshia / Saporoshkoe liegt am Kachowkaer Stausee am Unterlauf des Dnjepr. Es wurde in den Jahren 1980 bis 1995 erbaut. Jeder der sechs Blöcke hat eine Nettoleistung von rund 950 Megawatt (MW). Die Gesamtleistung des Kraftwerks wird folgerichtig mit etwa 6.000 MW beziffert. Geplant ist, das Kraftwerk bis 2026 vollständig stillzulegen.

 

 

 

Johannes Rauch soll Wolfgang Mückstein folgen

Der Vorarlberger Umweltlandesrat wird Bundespräsident Alexander van der Bellen kommende Woche als neuer Gesundheits- und Sozialminister vorgeschlagen, berichtete Vizekanzler Werner Kogler. Die Pharmig gratuliert.

 

Der Vorarlberger Umweltlandesrat Johannes Rauch (Grüne) soll neuer Gesundheits- und Sozialminister werden. Einen entsprechenden Vorschlag wird Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) kommende Woche Bundespräsident Alexander van der Bellen unterbreiten. Das berichtete Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Rauch am 4. März. Laut Artikel 70 des Bundes-Verfassungsgesetzes obliegt es dem Bundespräsidenten, den Bundeskanzler und auf dessen Vorschlag hin die übrigen Mitglieder der Bundesregierung zu ernennen. Kogler erläuterte, es sei notwendig, nach dem Rücktritt Wolfgang Mücksteins am 3. März einen „raschen und reibungslosen Übergang im Gesundheitsministerium“ sicherzustellen. Der erweiterte Bundesvorstand der Grünen habe Rauch einstimmig gewählt: „Ich freue mich, dass er gewonnen werden konnte.“ Rauch sei „ein erfahrender Profi mit Tiefgang und Weitblick, Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit. Er kann und wird klare Worte sprechen“. Rauchs Vorgänger zollte Kogler Lob: „Wolfgang Mückstein ist wesentlich mehr gelungen, als wahrgenommen wird.“ Dies betreffe die Eindämmung der Pandemie ebenso wie die Sozialpolitik. Die Gründe für seinen Rücktritt habe Mückstein „sehr eindrücklich“ geschildert: „So, dass ein Gesundheitsminister rund um die Uhr Polizeischutz braucht und mit kugelsicherer Weste im Auto fahren muss, kann und soll es nicht weitergehen.“

 

Vorbereitung auf den Herbst 

 

Rauch konstatierte, Österreich befinde sich immer noch im Zustand der COVID-19-Pandemie: „Den Fehler, diese vorschnell für beendet zu erklären, mache ich nicht.“ Sein erstes und wichtigstes Vorhaben sei, Österreich seriös auf Herbst und Winter 2022/23 vorzubereiten. Er habe Verständnis dafür, dass die Menschen „keine Masken und keine Einschränkungen mehr wollen. Aber das nützt nichts“. Die Pandemie und deren Folgen „werden uns noch lange beschäftigen“. Rauch kündigte an, bei der weiteren Bekämpfung von COVID-19 die Bundesländer ebenso einzubinden wie jene im Parlament vertretenen Parteien, die dazu bereit seien. Für die SPÖ und die NEOS sei es zweifellos nicht leicht gewesen, der Impfpflicht zuzustimmen. Er wolle aber die Zusammenarbeit mit beiden Parteien fortsetzen und intensivieren.

 

Grundsätzlich müssten die einschlägigen Fachleute die Basis für die Entscheidungen liefern, betonte Rauch. Diese zu treffen, sei in der Folge die Aufgabe der Politik. Es gelte, eine „Balance zwischen Sicherheit und Freiheit“ zu finden: „Das wird den Dialog brauchen, dann aber auch klare und nachvollziehbare Entscheidungen, die verstanden werden.“ Neben der Gesundheitspolitik werde er die anderen Bereiche seines Ressorts nicht vernachlässigen, versicherte Rauch: „Ich komme aus der Sozialarbeit, will auch als Sozialminister sichtbar werden und für die eintreten, die am Rande der Gesellschaft stehen.“ Den Beschäftigten im Pflegebereich, die „seit zwei Jahren unfassbare Leistungen erbringen“, will Rauch so rasch wie möglich die nötige Unterstützung und Erleichterung verschaffen. Auch der Konsumenten- und der Tierschutz würden nicht vernachlässigt. Und: „Die Gewalt an Frauen ist in Österreich dermaßen aggressiv an der Tagesordnung, dass man das nicht hinnehmen kann.“ Daher werde der Gewaltschutz weiter verstärkt.

 

Kompromisse nötig 


Rauch resümierte, er sei schon einige Jahre in der Politik und glaube, einschätzen zu können, was auf ihn zukomme. Sein neues Amt übernehme er „mit Überzeugung und voller Kraft. Ich kann nicht versprechen, alle Probleme zu lösen, wohl aber, mein Bestes zu geben“. Die Zusammenarbeit mit der ÖVP will Rauch „konstruktiv angehen. Ich bin aber auch bereit, für die Sache zu kämpfen“. In Vorarlberg habe er mit der ÖVP in der dortigen Koalition kooperiert. Klar sei: „Kompromisse sind nötig. Wer solche nicht schließen kann, ist für die Politik nicht geeignet, hat der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt gesagt“.

 

Gratulation der Pharmig

 

Der Pharmaindustrieverband Pharmig gratulierte Rauch zu seiner neuen Funktion. Präsident Philipp von Lattorff und Generalsekretär Alexander Herzog verlauteten, sie freuten sich „auf eine gute, partnerschaftliche Zusammenarbeit, um gemeinsam die Gesundheitsversorgung der österreichischen Bevölkerung weiter zu verbessern“. In seiner bisherigen politischen Tätigkeit habe sich Rauch sich durch Kompetenz, Engagement und Sachorientierung verdient gemacht. Dem scheidenden Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein dankten Von Lattorf und Herzog. Dieser habe „in wahrlich herausfordernden Zeiten das Ruder im Gesundheitsministerium übernommen und im Rahmen seiner Möglichkeiten Österreich durch die Pandemie geführt“.

 

 

 

March 3rd

Mückstein geht

Der Gesundheitsminister tritt nach einem Jahr zurück. Aus Begründung nennt er nicht das vielfach kolporierte Hickhack um die Pandemiebekämpfung, sondern die Belastung durch das Leben unter Polizeischutz.

 

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein verkündete am 3. März seinen Rücktritt. Er könne nicht mehr die notwendigen 100 Prozent Leistung erbringen und bleibe damit hinter seinen eigenen Ansprüchen zurück, begründete der Wiener Arzt seinen Schritt. Zugesetzt hätten ihm insbesondere ständige Bedrohungen sowie die Notwendigkeit, seit Monaten rund um die Uhr unter Polizeischutz leben zu müssen. Das habe auch seine Familie sehr belastet. „Das hält man nicht lange aus“, konstatierte Mückstein. Den Namen seines Nachfolgers nannte Mückstein nicht. Er werde diesem jedoch in den kommenden Tagen ein geordnetes Haus übergeben und bis dahin die Geschäfte weiterführen, beschied der scheidende Minister.

 

Er betonte, es sei für ihn ein „großes Privileg“ gewesen, die Gesundheitspolitik ein Jahr lang mitgestalten zu dürfen. Es sei gelungen, viel weiterzubringen: „Aber die Pandemie hat uns auch auf eine harte Probe gestellt.“ Ihm sei es immer darum gegengen, „Menschenleben zu bewahren und das Gesundheitssystem zu schützen“. Mittlerweile seien sieben von zehn Österreichern geimpft. Auch stehe „ein halbes Dutzend“ Medikamente zur Bekämpfung von COVID-19 zur Verfügung.

 

Ausdrücklich dankte Mückstein dem Regierungsteam. Namentlich nannte er Vizekanzler Werner Kogler und Bundeskanzler Karl Nehammer. Mit dem Letztgenannten verbinde ihn „der pragmatische Zugang“. Zum vielfach kolportierten Hickhack um die Maßnahmen zur Bewältigung der Pandemie, insbesondere die neuesten Öffnungsschritte, nahm Mückstein nicht Stellung. Fragen ließ er nicht zu.

 

 

 

 

 

February 15th

Clariant: Verdacht auf Bilanzfälschung

Nach derzeitigem Stand könnten die Geschäftsjahre 2020 und 2021 von den Malversationen betroffen sein. Die Untersuchungen sind laut Clariant „weit fortgeschritten“.

 

Der Schweizer Spezialchemiekonzern Clariant verschiebt die Veröffentlichung seiner Jahresbilanz 2021 auf unbestimmte Zeit. Laut einer Aussendung besteht der Verdacht der Bilanzfälschung. Rückstellungen und Abgrenzungen sollen falsch gebucht worden sein, um das Erreichen bestimmter Unternehmensziele zu suggerieren. Clariant könnte daher „angehalten sein, zuvor veröffentlichte Finanzberichte anzupassen. Dies betrifft den Jahresabschluss für das am 31. Dezember 2020 endende Geschäftsjahr, die Halbjahresabschlüsse für die am 30. Juni 2020 und 30. Juni 2021 endenden Zeiträume sowie die Quartalsberichterstattung für die Jahre 2020 und 2021. Zum jetzigen Zeitpunkt ist unklar, ob sich diese Problematik auch auf Abrechnungszeiträume vor 2020 erstreckt“. Dem Konzern zufolge sind das Beratungsunternehmen Deloitte sowie die US-amerikanische Anwaltskanzlei Gibson, Dunn & Crutcher mit der Causa befasst. Die Untersuchungen seien „bereits weit fortgeschritten“. Es geschehe alles, um sie zügig abzuschließen.

 

Nach derzeitigem Stand werde der Jahresumsatz 2021 rund 4,37 Milliarden Schweizer Franken (4,16 Milliarden Euro) betragen. Die EBITDA-Marge für die fortgeführten Geschäftsbereiche werde, wie Ende Okotber 2021 angekündigt, bei 16 bis 17 Prozent liegen: „Es wird nicht erwartet, dass die Ergebnisse der Untersuchung Auswirkungen auf die in den Berichtsjahren ausgewiesenen liquiden Mittel haben werden.“

 

Auf den Sachverhalt aufmerksam gemacht wurde der Konzern nach eigenen Angaben durch interne Zuträger. Vorstandschef Conrad Keijzer betonte, Clariant ermutige die Beschäftigten, „ihre Meinung zu sagen. Wir schätzen es deshalb sehr, dass wir auf diese Angelegenheit aufmerksam gemacht wurden. Wir untersuchen diesen Sachverhalt mit größter Dringlichkeit und Sorgfalt“. Keijzer ergänzte, das Clariant-Management werde „der Sache auf den Grund gehen und unsere Kontrollen und Prozesse verbessern. Gleichzeitig wollen wir unsere Kultur weiter stärken, die als Teil unserer Strategie auf den höchsten ethischen Standards aufbaut“.

 

 

February 9th

COVID-19: Rund eine Milliarde Impfstoffdosen gespendet

Die größten Spender waren laut Airfinity die G7 und die Europäische Union. Beim Verimpfen gibt es allerdings noch Probleme, warnt das Forschungsunternehmen.

 

Rund eine Milliarde Dosen an COVID-19-Impfstoffen wurden bisher an Entwicklungs- und Schwellenländer sowie andere Staaten gespendet. Zur Verwendung gelangten davon rund zwei Drittel, berichtet das Forschungsunternehmen Airfinity, das sich auf die Beobachtung der internationalen Pharmamärkte spezialisiert hat.

 

Ihm zufolge versprachen die Staaten der „Ersten Welt“, insgesamt 2,93 Milliarden Dosen zur Verfügung zu stellen. Mit einer Milliarde Dosen oder rund 34 Prozent dieser Menge sei nunmehr ein „Meilenstein“ erreicht. Als weitaus größte Spender erwiesen sich laut Airfinity die G7 und die Europäische Union mit insgesamt rund 836 Millionen Dosen. Ein Drittel der Gesamtmenge gelangte über die COVAX-Initiative zur Verteilung. Was die einzelnen Vakzine betrifft, lag der Impfstoff von Biontech-Pfizer mit 31 Prozent an der Spitze, gefolgt von Astrazeneca mit 27 Prozent sowie Moderna und Johnson&Johnson mit jeweils 15 Prozent sowie dem Impfstoff des chinesischen Pharmakonzerns Sinopharm mit acht Prozent. Die übrigen vier Prozent entfielen auf andere, nicht weiter aufgeschlüsselte Erzeuger.

 

Matt Linley, Analytics Director bei Airfinity, konstatierte, viele Länder hätten Probleme beim Durchimpfen ihrer Bevölkerungen. Dies betreffe sowohl logistische Schwierigkeiten als auch eine gewisse Zurückhaltung, die Impfstoffe anzuwenden. Bis zum Ende des heurigen Jahres würden aller Voraussicht nach rund zwei Milliarden Dosen ausgefolgt: „Die Herausforderung wird sein, von den Impfstoffen zu den Impfungen zu kommen.“

 

 

January 26th

Nahrungsreduktion könnte gegen Leberkrebs helfen

Grazer Forscher haben sich mit den molekularen Mechanismen beschäftigt, die eine erfolgreiche Therapie von Leberkarzinomen verhindern. Ein Ergebnis: Fasten könnte eine medikamentöse Therapie unterstützen.

Im Unterschied zu anderen Krebserkrankungen gilt hepatozelluläres Karzinom (eine Form von Leberkrebs) nach wir vor als schwer therapierbar. Häufig treten schnell einsetzende Resistenzen gegen die angewandten Arzneimittel auf, die die therapeutischen Möglichkeiten rasch einschränken.

Wissenschaftler der Med-Uni Graz, der Universität Utrecht und des Max-Planck-Instituts für Molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden haben sich nun mit den genauen molekularen Vorgängen bei der Behandlung dieser Krebsart beschäftigt. Im speziellen ging es dabei um den Wirkstoff Sorafenib, der die Zellteilung stört und die Blutversorgung von Tumoren unterbindet. Vielfach wird beobachtet, dass eine solche Behandlung anfangs gut anschlägt, die Tumorzellen dann aber Resistenzen gegen Sorafenib entwickeln und das Karzinom wieder zu wachsen beginnt. Forscher rund um Andreas Prokesch vom Gottfried-Schatz-Forschungszentrum der Med-Uni Graz haben einen weiteren Mechanismus aufgeklärt: Sorafenib inhibiert auch die Zellatmung in den Mitochondrien. Dieser Effekt tritt zwar auch bei resistent gewordenen Zellen auf, sind diese aber ausreichend mit Glucose versorgt, ist eine Vermehrung dennoch möglich.

 

Dem Krebs geht der „Saft“ aus

Wird dieses Behandlungsschema aber mit dem regelmäßigen Verzicht auf Nahrung kombiniert, werden dem Tumor seine beiden wichtigsten Energiequellen gleichzeitig entzogen. Ein solches, die Therapie unterstützendes Fasten könnte vielversprechend sein, hat es sich doch in mehreren Studien bei metabolisch stabilen Krebspatienten als gut verträglich erwiesen. Eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg einer solchen Kombination ist aber das Vorhandensein des Tumorsuppressors p53, wie die Forscher in der in der Zeitschrift „Science Advances“ veröffentlichten Studie zeigen konnten. Diese Behandlungsstrategie kommt daher für jene zwei Drittel der Leberkrebspatienten infrage, die keine p53-Mutation aufweisen.

Link zur Publikation: https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.abh2635

 

 

January 25th

„Aktionsplan Mikroplastik“ im Kommen

Eine Konsultation des Klima-, Energie- und Umweltministeriums zum Entwurf des Plans läuft bis 4. März.

 

Bis 4. März läuft die Konsultation des Klima-, Energie- und Umweltministeriums (BMK) zum Entwurf für den „Aktionsplan Mikroplastik“. Dieser soll noch heuer finalisiert werden. Im Wesentlichen dient der Plan dazu, den Eintrag von Mikroplastik in die Umwelt einzudämmen, einschlägige Wissenslücken zu schließen, die Bevölkerung auf das Problem verstärkt aufmerksam zu machen und die internationale Zusammenarbeit zu verbessern. Wie Klima-, Energie- und Umweltministerin Leonore Gewessler in ihrem Vorwort zu dem Entwurf festhält, erzeugte die Industrie seit den 1950er Jahren Schätzungen zufolge weltweit über 8,3 Milliarden Tonnen an Kunststoffen. Rund 60 Prozent dieser Menge wurden letztlich auf Mülldeponien gelagert bzw. in die Umwelt eingebracht. Der Ministerin zufolge besteht daher Handlungsbedarf. Sie verweist auf das Regierungsprogramm, das die Erarbeitung eines österreichischen Aktionsplans Mikroplastik vorsieht: „Das ist eine große Herausforderung, denn das Thema ist äußerst vielschichtig: dazu zählt bewusst in Produkten wie Kosmetika, Reinigern oder Kunstrasen beigefügtes Mikroplastik, Mikroplastik in Klärschlamm, Freisetzung von Baustellen oder aus der Landwirtschaft. Ein Problem ist auch unbeabsichtigt freigesetztes Mikroplastik, etwa Fasern aus synthetischen Textilien oder der Reifenabrieb, der jährlich in tausenden Tonnen freigesetzt wird und somit zu den größten Mikroplastikquellen gezählt wird. Nicht zuletzt kann auch unsachgemäß entsorgter Plastikabfall wie Verpackungen, Folien oder Zigarettenfilter in der Umwelt zu Mikroplastik zerfallen.“ Allerdings sei bereits viel geschehen, sowohl auf internationaler als auch auf österreichischer Ebene. Auch an manchen Maßnahmen, die der Entwurf des Plans enthält, werde bereits gearbeitet. „Ich bin sehr stolz darauf, dass unter der Federführung meines Ressorts die Arbeiten an der Umsetzung des Aktionsplans Mikroplastik bereits intensiv angelaufen sind. Doch es besteht auch noch Handlungsbedarf bis 2025 und darüber hinaus. Damit die Umsetzung aller Maßnahmen des Aktionsplans gelingen kann, braucht es weiterhin die Kooperation und Mithilfe aller unserer Partner“, konstatiert Gewessler.

 

Dem Entwurf zufolge gibt es im Wesentlichen zwei Quellen für die Freisetzung von Mikroplastik, also Kunststoffpartikeln mit einem Durchmesser von weniger als fünf Millimetern: Erstens könne diese bewusst und intendiert erfolgen, etwa durch die Nutzung von Mikroplastik in Produkten (primäres Mikroplastik). Zweitens erfolge sie unabsichtlich, beispielsweise durch den Abrieb von Autoreifen sowie durch den Zerfall von Erzeugnissen aus Kunststoff (sekundäres Mikroplastik). Der Aktionsplan zielt darauf ab, beide Arten von Einträgen einzudämmen – mit einem „Mix aus verschiedensten Maßnahmen“, die in fünf „Aktionsfelder“ gegliedert sind-

 

Das erste Aktionsfeld, „Stärkung der Datenlage, Forschung, Innovation“, umfasst unter anderem die „Weiterführung der Arbeiten zur Entwicklung harmonisierter Untersuchungsmethoden (z.B. für Boden- oder Lebensmittelproben) sowie Verfeinerung der Untersuchungsergebnisse für ausgewählte prioritäre Produktgruppen (z.B. Reifenabrieb)“. Diesbezüglich sind dem Entwurf zufolge bereits „Projekte abgeschlossen und Ergebnisse auf EU-Ebene eingespeist“. Die toxikologische Forschung werde weitergeführt, auch, um Österreich als Standort einschlägiger Forschung zu stärken. Ferner gehe es um die „Forschung an biobasierten und gleichzeitig ökologisch unbedenklichen Kunststoffen, beispielsweise im Rahmen des Forschungsschwerpunktes zur Grünen Chemie des BMK“.

 

Klärschlamm verbrennen, Phosphor recyceln

 

Zum zweiten Aktionsfeld, betitelt „Effektive Umsetzung und Weiterentwicklung der Regulierung“, wird festgehalten, es gebe „derzeit keine einheitliche Regelung, die Mikroplastik umfassend abdeckt“. Daher sei beabsichtigt, „bereits existierende Vorschriften für Kunststoffe beziehungsweise Mikroplastik in Österreich effektiv umzusetzen und, sofern Lücken bestehen, Regulierungen weiterzuentwickeln. Der EU-Regulierung kommt dabei eine besondere Bedeutung zu“. Als wesentlichen Punkt betrachtet das BMK das Verbot der Ausbringung von Klärschlamm, der oft stark mit Mikroplastik und anderen bedenklichen Inhalten belastet ist. Die Regierung will Klärschlamm aus Abwasserreinigungsanlagen mit einem Bemessungswert ab 20.000 Einwohnergleichwerten (EW) verbrannt und den darin enthaltenen Phosphor wiedergewonnen wissen, wozu bereits eine Verordnung vorliege. Überdies setze sich Österreich „im Rahmen der europäischen Chemikalienregulierung weiterhin für eine rasche und umfassende Beschränkung von bewusst hergestelltem und in verschiedenen Produkten beigesetztem Mikroplastik ein“ und habe bereits eine Stellungnahme zum diesbezüglichen Vorschlag der EU-Kommission abgegeben. Ferner erfolge nach wie vor die „konsequente Umsetzung und Kontrolle der Regelungen im Bereich der Verbringung von Kunststoffabfällen mit Schwerpunktkontrollen bei Unternehmen, die (potentiell) im Bereich der grenzüberschreitenden Verbringung von Kunststoffabfällen tätig sind“. Auch plädiere Österreich „für eine Erweiterung der in der EU-Einwegkunststoffrichtlinie festgelegten Liste von Produkten, sofern weitere problematische Einwegplastikprodukte identifiziert wurden“.

 

Im dritten Aktionsfeld, „Bewusstseinsbildung, Konsument:innen und Schulen“ sei Österreich ebenfalls schon tätig. Einschlägiges Informationsmaterial „liegt vor und wurde veröffentlicht“.

 

Was das vierte Aktionsfeld, „Freiwillige Maßnahmen“, betrifft, verweist das BMK auf die bereits mögliche Kennzeichnung von Produkten mit dem Österreichischen Umweltzeichen sowie auf den („Zero-Pellets-Loss-Pakt“) der Regierung mit der Kunststoffindustrie. Auch habe die EU-Kommission für heuer einen Vorschlag zur Begrenzung des Einsatzes von Mikroplastik angekündigt: „Gespräche mit betroffenen Akteuren wurden gestartet.“

 

Hinsichtlich des fünften Aktionsfelds schließlich, „Österreichs Beitrag zur globalen Nachhaltigkeit“, unterstütze die Bundesregierung die „Ausarbeitung eines globalen Instruments gegen Meeresmüll und Mikroplastik im Rahmen der UNEA (United Nations Environment Assembly)“ sowie die „Weiterentwicklung des Basler Abkommens über grenzüberschreitende Abfallverbringung und des Stockholmer Übereinkommens über langlebige organische Schadstoffe“.

 

Zugänglich sind der Entwurf des Aktionsplans und die Konsultation unter www.bmk.gv.at/themen/klima_umwelt/kunststoffe/mikroplastik.html.

 

 

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