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May 5th, 2019

Eva Maria Binder in den Vorstand der Erber AG berufen

Eva Maria Binder ist in den Vorstand der Erber AG berufen worden und wird in dieser Position für die weltweiten Forschungs-, Entwicklungs- und Innovations-Aktivitäten der Gruppe verantwortlich sein.

Binder studierte Technische Chemie an der TU Wien und promovierte auf dem Gebiet der Enzymreinigung und -charakterisierung. Berufsbegleitend absolvierte sie den postgradualen Lehrgang „Wissensmanagement“ an der Donau Universität Krems. 1996 übernahm sie strategische Forschung bei der Erber-Tochter Biomin, wo sie sich schwerpunktmäßig mit der Entwicklung von Futtermittelzusätzen und der Analytik unerwünschter Kontaminanten in Lebens- und Futtermitteln beschäftigte. 2003 stieg sie zum Chief Scientific Officer der Konzernunternehmen Biomin und Romer Labs auf – eine Position, in der sie die Einführung von F&E Prozessmanagement-Tools und Qualitätssicherungsmaßnahmen verantwortete. 2011 wurde sie Vice President Forschung & Entwicklung bei der Erber AG, seit 2018 ist sie darüber hinaus Managing Director von Erber Future Business, dem Inkubator der Unternehmensgruppe.

In ihrer neuen Funktion wird Binder für die Koordination der weltweiten F&E-Aktivitäten sowie für das Management von geistigem Eigentum der gesamten Erber Group verantwortlich sein. Darüber hinaus fungiert sie als „Head of the Scientific Committee” des World Nutrition Forums und ist stellvertretende Vorsitzende des Senats der Christian Doppler Gesellschaft.

 

 

April 29th

Covestro: Konzernergebnis stürzt ab

Der Spezialchemikalienkonzern musste im ersten Quartal einen Ergebnisrückgang um 72,2 Prozent hinnehmen. Auch die Aussichten für das Gesamtjahr sind nicht rosig.

 

Der Spezialchemikalienkonzern Covestro erwirtschaftete im ersten Quartal 2019 ein Konzernergebnis von rund 179 Millionen Euro. ImVergleich zum ersten Quartal 2018 ist das Absturz um 72,2 Prozent. Die Umsatzerlöse sanken um 16 Prozent auf 3,78 Milliarden Euro. Das EBITDA verfiel um 58,4 Prozent auf 442 Millionen Euro, das EBIT um 70,9 Prozent auf 264 Millionen Euro. Als Grund für diese Entwicklung nannte das Management die „höhere Wettbewerbsintensität“. Die Verkaufspreise sind um 18,3 Prozent gefallen, wobei vor allem die Segmente Polyurethanes und Polycarbonates betroffen waren. Bei den Polyurethanes verringerte sich der Umsatz um 24,3 Prozent auf 1,48 Milliarden Euro, das EBITDA verminderte sich um 75,4 Prozent auf 157 Millionen Euro. Im Segment Polycarbonates fiel der Umsatz um 16,7 Prozent auf 860 Millionen Euro, das EBITDA um 48,8 Prozent auf 155 Millionen Euro. Zuwächse verzeichnete lediglich der kleinste Geschäftsbereich, Coatings, Adhesives, Specialties. Hier wuchs der Umsatz um 5,9 Prozent auf 627 Millionen Euro, das EBITDA steigerte sich um 7,4 Prozent auf 146 Millionen Euro.

 

Vorstandschef Markus Steilemann erklärte, „das erste Quartal entsprach unserer Prognose und bestätigt unsere gedämpften Erwartungen für das Gesamtjahr. Umso wichtiger ist es daher jetzt, mit Investitionen und Effizienzanstrengungen die richtigen Weichen für unseren zukünftigen Wachstumskurs zu stellen. Denn die Nachfrage nach unseren innovativen und nachhaltigen Werkstoffen ist weiterhin intakt.“ Steilemann und seien Vorstandskollegen bestätigten den Ausblick für das Gesamtjahr. Und der ist düster genug: Statt 1,67 Milliarden Euro im Jahr 2018 soll sich der Free Operating Cash Flow auf nur mehr 300 bis 700 Millionen Euro belaufen. Hinsichtlich der Kapitalrentabilität peilen die Covestro-Manager statt 29,5 Prozent lediglich acht bis 13 Prozent an.

April 17th

Boehringer Ingelheim: Betriebsergebnis stabil

Der Jahresumsatz des deutschen Pharmakonzerns sank um rund drei Prozent, insbesondere wegen des Asset-Tauschs mit Sanofi. Die Aussichten für heuer sind durch das „schwierige Marktumfeld“ getrübt.


Der deutsche Pharmakonzern Boehringer Ingelheim erwirtschaftete 2018 einen Jahresumsatz von rund 17,50 Milliarden Euro. Gegenüber 2017 ist dies ein Rückgang um rund 3,1 Prozent. Das Betriebsergebnis blieb mit 3,47 Milliarden Euro stabil (2018: 3,48 Milliarden Euro). Der Konzerngewinn liegt bei 2,07 Milliarden Euro, nachdem Boehringer 2017 einen Jahresverlust von 223 Millionen Euro hinnehmen musste. Begründet wurde die rückläufige Umsatzentwicklung mit im Wesentlichen mit Währungseffekten und damit, dass im Vorjahr noch das Selbstmedikationsgeschäft zu berücksichtigen war. Bekanntlich hatte Boehringer Ingelheim dieses an den französischen Pharmakonzern Sanofi übergeben und dafür dessen Tiergesundheitssparte (Merial) übernommen. Um diese Effekte bereinigt, habe der Umsatz gegenüber 2017 um etwa vier Prozent zugenommen, konstatierte Boehringer. Vorstandschef Hubertus von Baumbach sagte, Boehringer sei 2018 „gut gewachsen“, die „technische Integration“ von Merial sei erfolgreich abgeschlossen.

 

Für heuer erwartet das Management von Boehringer Ingelheim „auf vergleichbarer Basis (bereinigt um Währungs- und Sondereffekte) eine leichte Erlössteigerung gegenüber dem Vorjahr“. Das Marktumfeld werde zusehends schwieriger, die Gesundheitssysteme stünden unter Preisdruck, die Gesellschaften alterten. Somit „zeichnen sich für die Pharmabranche insgesamt nur geringe Wachstumsimpulse ab“.

 

Mehr Umsatz, weniger Betriebsleistung war das Resultat der Österreich-Tochter von Boehringer Ingelheim (Boehringer Ingelheim Regional Center Vienna, RCV). So erhöhten sich die Umsätze mit verschreibungspflichtigen Medikamenten und mit Tiergesundheitsprodukten um rund 7,2 Prozent auf 897,5 Millionen Euro. Die Betriebsleistung (Umsatzerlöse, sonstige betriebliche Erträge und Bestandsveränderungen) sank dagegen um 12,3 Prozent auf 1,38 Milliarden Euro. Hinsichtlich des Rückgangs wurde auf „außerordentliche Effekte“ verwiesen, die das Jahr 2017 „signifikant beeinflusst“ hätten. RCV-Generaldirektor Philipp von Lattorff bezeichnete 2018 als „hervorragendes Jahr. In Österreich haben wir zum ersten Mal mehr als 100 Millionen Euro an Gesamterlösen erzielt. Russland, Polen und Tschechien haben das Geschäftsjahr mit zweistelligem Wachstum abgeschlossen“.

 

April 16th

EU-Wahl: FCIO präsentiert Forderungen

Der österreichische Chemiewirtschaftsverband hat seine Wünsche an das neue EU-Parlament und die neue Kommission in sechs „Handlungsfeldern“ formuliert.

 

Vor der Wahl zum EU-Parlament am 26. Mai veröffentlichte der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) seine Anliegen an die Politik. Grundsätzlich wünscht der Verband „eine starke EU, welche die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie als politische Priorität sieht, die Grundfreiheiten des Binnenmarktes stärkt und die notwendigen Antworten auf nationalistische Bestrebungen in der Handelspolitik gibt“. Was das konkret heißt, wird in einem zwei Seiten langen Papier in sechs „Handlungsfeldern“ umrissen.

 

Erstens fordert der FCIO eine „zukunftsträchtige Forschungs- und Innovationspolitik“. Gemeint sind damit mehr Forschungsmittel seitens des EU-Programms Horizon Europe, die stets verlangten „stärkeren Investitionsanreize bei gleichzeitigem Bürokratieabbau“ sowie die „Umsetzung des Innovationsprinzips zur Förderung und Skalierung neuer Technologien und Prozesse“. Allerdings: Ein „Innovationsprinzip“ als solches gibt es im Primärrecht der Europäischen Union nicht. Vielmehr postulieren bestimmte Unternehmen sowie Lobbyingverbände der Wirtschaft die Existenz eines solchen, um das mancherorts ungeliebte Vorsorgeprinzip zu konterkarieren.

 

Zweitens betont der FCIO, die Chemieindustrie sei „energieintensiv“ und daher auf eine „ausgewogene Energie- und Klimapolitik angewiesen, die auch internationale Entwicklungen berücksichtigt“. Ausgehend davon verlangt der Verband die „Schaffung eines globalen Level Playing Fields mit einem weltweiten CO2-Preis“ sowie „leistbare Energie durch Verwirklichen des EU-Energiebinnenmarktes“. Laut einem aktuellen Bericht der EU-Kommission liegt Österreich bei den Stromkosten (Energie, Netz sowie Steuern und Abgaben) für die Industrie europaweit im Mittelfeld und deutlich unter dem EU-weiten Durchschnitt. In Deutschland etwa sind die Kosten um rund ein Drittel höher als hierzulande, ebenso in Italien.

 

Betreffend das dritte Handlungsfeld, betitelt „Kreislaufwirtschaft - Kunststoffe“, verlangt der FCIO unter anderem die „rasche Umsetzung eines EU-weiten Deponieverbots für Siedlungsabfälle“ sowie „faktenbasierte Verwertungsquoten mit Optimierung des stofflichen und chemischen Recyclings“. Ein seit langem immer wieder erhobener Wunsch ist jener nach der „Abstimmung der Schnittstellen zwischen Chemikalien-, Produkt- und Abfallrecht“ - was im Übrigen auch von Verwaltungsseite her angestrebt wird.

 

Zum vierten Handlungsfeld, „Sichere Chemikalien“, merkt der FCIO an, die Einführung des Chemikalienmanagementsystems REACH sei ein „Kraftakt von Unternehmen und Behörden“ gewesen. Nunmehr gelte es, von der seitens der EU-Gremien propagierten „better regulation“ zu einer „best regulation“ im Sinne der Interessen der Industrie zukommen. Einmal mehr fordert der Verband daher nicht zuletzt die „Reduktion des bürokratischen Aufwands“ im Zusammenhang mit der Chemikaliensicherheit. „Populistische Anlassgesetzgebung“ sowie „Doppelgleisigkeiten und Widersprüche zu anderen Rechtsmaterien“ sollten laut FCIO tunlichst unterbleiben.

 

Als fünftes Handlungsfeld definiert der FCIO „Gesundheit“ und hält fest: „Der Zugang zu hochqualitativen sowie innovativen Medikamenten hat einen wesentlichen Anteil an dieser erfreulichen Entwicklung und muss auf einem hohen Niveau gewährleistet werden“. Notwendig dafür seien nicht zuletzt europaweit harmonisierte Bewertungssysteme für Arzneimittel (Health Technology Assessments).

 

Zu guter Letzt wirft sich der FCIO auch für die Pflanzenschutzmittelindustrie in die Bresche. Unter dem sechsten Handlungsfeld, „Ernährungssicherheit“, äußert er den Wunsch nach „mehr Rechtssicherheit und Planbarkeit, um Innovation und Weiterentwicklung im Bereich des Pflanzenschutzes zu ermöglichen“. Weiters fordert er „eine ausreichende Anzahl an verfügbaren Wirkstoffen, um Resistenzen zu vermeiden und die europäische Nahrungsmittelproduktion zu sichern“.

 

Im Wesentlichen sind die Wünsche wohlbekannt. Wie das neue Europäische Parlament und die neue EU-Kommission darauf reagieren werden, bleibt abzuwarten.

 

April 11th

Chemieindustrie nicht begeistert über Brexit-Aufschub

Der britische Branchenverband CIA gibt sich zwar erleichtert über die Vermeidung eines Austritts ohne Vertrag, kritisiert aber die weiterhin unklaren Rahmenbedingungen.

 

Nicht eben begeistert zeigt sich die Chemical Industries Association (CIA), der Chemieindustrieverband Großbritanniens, über die neuerliche Verschiebung des EU-Austrittsdatums des Landes auf spätestens 31. Oktober. Zwar sei die Gefahr eines vertragslosen Austritts vorerst gebannt. Indessen werde die Phase der Unsicherheit für die Wirtschaft weiter verlängert. Die Bestimmungen des mit der EU ausgehandelten Vertrags müssten so schnell wie möglich politisch abgesichert werden.

 

„Die fortdauernde Unfähigkeit der politischen Parteien, sich über die weitere Vorgangsweise zu einigen, wirkt sich negativ auf das Vertrauen von Unternehmen aus, die in Großbritannien investieren wollen. Ferner schädigt sie die Chemieindustrie, die auch drei Jahre nach der Volksabstimmung über den Austritt keinerlei Klarheit darüber hat, wie sich dieser endgültig abspielen wird und die Investitionsentscheidungen im besten Fall auf Eis gelegt hat“, heißt es in einer Aussendung.

 

Großbritannien müsse der Welt in den kommenden Wochen seine Aufgeschlossenheit gegenüber ausländischen Investoren dokumentieren. Die britische Chemiebranche benötige einen Brexit, der tarifäre und nichttarifäre Handelshemmnisse vermeide und Sicherheit hinsichtlich der regulatorischen Rahmenbedingungen biete. Schließlich sei die Chemieindustrie der größte exportierende Wirtschaftszweig Großbritanniens.

 

April 9th

Neue Methode zur Messung der fruchtbaren Tage

Das Grazer Startup-Unternehmen Steady Sense ist mit einer Methode an die Öffentlichkeit getreten, mit der es möglich ist, die fruchtbaren Tage von Frauen verlässlicher als bisher zu bestimmen.

Technologischer Kern der Lösung, die unter dem Namen „femSense Kinderwunsch Patch“ vorgestellt wurde, ist ein präziser Temperatursensor, der in ein Hautpflaster aus biokompatiblen Materialien eingehüllt ist. Dieses Pflaster wird während des weiblichen Zyklus drei bis fünf Tage unter der Achsel getragen und misst kontinuierlich den Temperaturverlauf, der über eine NFC-Schnittstelle vom Smartphone ausgelesen wird. Eine mobile App bestimmt aus diesen Daten aufgrund der Erhöhung der Körpertemperatur nach dem Eisprung den fruchtbaren Zeitraum.

Als Medizinprodukt zur Unterstützung von Paaren mit Kinderwunsch ist „femSense“ bereits zugelassen, dafür wurde der klinische Nachweis erbracht, dass die Temperatur tatsächlich so genau gemessen werden kann und mit dem Eisprung korreliert. In diesem Bereich könnten aufwendige In-vitro-Fertilisationen vermieden werden, wenn zuvor der fruchtbare Zeitpunkt genauer bestimmt werden könnte, wird seitens des Unternehmens argumentiert. Drüber hinaus strebt man den Einsatz zum Zweck der hormonfreien Verhütung sowie für die Bestimmung von Temperaturverläufen bei Krankenhauspatienten an.

Derzeit arbeiten bei Steady Sense 12 Mitarbeiter an der Markteinführung und Weiterentwicklung der Produkte, für die sich die Startup-Firma ein Finanzierungsvolumen von sechs Millionen Euro gesichert hat. Lead-Investor ist eQventure.

 

 

 

April 8th

Glyphosat: Bayer veröffentlicht Studien

Über 100 Untersuchungen im Zusammemhang mit dem Zulassungsverfahren in der EU sind auf der Transparenzwebsite des Chemiekonzerns zugänglich.

 

Sämtliche Studienberichte für das Zulassungsverfahren von Glyphosat in der EU veröffentlichte der deutsche Chemiekonzern Bayer auf seiner Transparenzplattform. „Viele dieser Studien und weitere ähnliche Studien wurden bei der US-amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA eingereicht und sind von der Behörde im Rahmen ihrer Risikobewertung zur Beurteilung herangezogen worden“, betonte Bayer in einer Aussendung. Im Dezember vergangenen Jahres hatte der Konzern auf der Plattform rund 300 Zusammenfassungen von Sicherheitsstudien über das umstrittene Pflanzenschutzmittel auf der Website publiziert.

 

Der Leiter des Geschäftsbereichs Crop Science, Liam Condon, sagte, Bayer tue alles, um zu gewährleisten, „dass unsere Produkte für Mensch und Umwelt sicher sind. Indem wir unsere detaillierten wissenschaftlichen Sicherheitsdaten zugänglich machen, bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, sich selbst ein Bild davon zu machen, wie umfassend unser Sicherheitsansatz ist. Wir freuen uns, in den Dialog treten zu können und hoffen, dass dies für mehr Vertrauen in fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse sorgen wird.“

 

Seit der Übernahme des US-amerikanischen Agrartechnikmultis Monsanto ist Bayer in den USA mit über 11.000 Klagen wegen angeblicher Gesundheitsschädigungen konfrontiert. In einem Fall wurde der Konzern erstinstanzlich und somit nicht rechtskräftig verurteilt. In einem zweiten Fall konstatierte das Gericht, Glyphosat sei als Ursache der Gesundheitsschädigung eines der Kläger zu betrachten. Die Feststellung, ob dafür Monsanto bzw. nunmehr Bayer verantwortlich ist, steht noch aus.

 

Bayer betont immer wieder, Glyphosat sei bei sachgemäßer Anwendung unbedenklich. Der Konzern gibt sich bisher entschlossen, die rechtlichen Auseinandersetzungen durchzufechten. Angesichts der heute gemeldeten Studienveröffentlichungen hieß es: „Bayer steht hinter der Sicherheit von Glyphosat und wird glyphosat-haltige Produkte weiterhin vehement verteidigen.“

 

 

 

 

Industrie: Bilanz gut, Aussichten weniger

Laut der Bundessparte Industrie der WKÖ war der Wert der Industrieproduktion 2018 rund zen Prozent höher als 2018. Wie es weitergeht, hängt nicht zuletzt vom internationalen Protektionismus und von der Unterstützung durch die österreichische Politik ab.

 

Zufrieden mit dem Jahr 2018 gab sich Siegfried Menz, der Obmann der Bundessparte Industrie der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), bei deren Jahrespressekonferenz in Wien. Der Wert der Industrieproduktion wuchs gegenüber 2017 nominell um 9,5 Prozent auf rund 175 Milliarden Euro. Ein Gutteil des Wachstums entfiel laut Menz auf die Mineralölindustrie sowie die Gas- und Wärmebranche. Sie profitierten von den gestiegenen Preisen für fossile Energieträger. Werden diese Branchen „herausgerechnet“, ergibt sich für die verbleibende Industrie ein Zuwachs des Produktionswerts von 5,3 Prozent. Außerordentlich gut entwickelte sich neben den „Energiebranchen“ auch die Fahrzeugindustrie. Niedriger als 2017 fielen dagegen die Resultate in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie, der Textil-, Bekleidungs- und Lederwarenerzeugung aus. Bei den Auftragseingängen verzeichnete die Sparte Menz zufolge ein „Superergebnis“ von 108,1 Milliarden Euro, eine Steigerung von etwa sechs Prozent. Geschäftsführer Andreas Mörk verwies darüber hinaus auf die „wunderbare“ Personalentwicklung von plus 2,8 Prozent auf 453.140 Personen. Damit sei der Beschäftigtenstand vor der Spekulationskrise von 2008 annähernd wieder erreicht. Als besonders erfreulich bezeichnete Mörk die um etwa vier Prozent auf 15.754 Personen gestiegene Anzahl der Lehrlinge.

 

Was die Perspektiven für heuer und die Folgejahre betrifft, konstatierte Menz, die Hochkonjunktur sei bekanntermaßen vorbei: „Von einer Rezession kann allerdings auch keine Rede sein.“ Österreichs Wirtschaft werde laut Schätzung von Experten um rund 1,7 Prozent wachsen. Da rund drei Viertel der Aufträge für die Industrie aus dem Ausland kommen, sei der zunehmende Protektionismus eine nicht zu unterschätzende Gefahr, warnte Menz: „Deshalb darf es keine Belastungen welcher Art auch immer für unsere Sparte geben.“ Statt dessen seien weitere Entlastungen und Unterstützungen erforderlich. So wünscht die Bundessparte im Einklang mit der Industriellenvereinigung die Halbierung der Körperschaftssteuer (KÖSt) auf nicht entnommene Gewinne. Da die Bundesregierung offenbar eine Senkung der KÖSt auf 19 Prozent bevorzuge, werde allerdings auch über diese Alternative zu diskutieren sein. Wichtig ist laut Menz letztlich, dass die Industrie einen möglichst großen Anteil an der angekündigten Steuerentlastung von insgesamt etwa 6,5 Milliarden Euro bekommt. Weiters wünscht die Bundessparte die neuerliche Einführung eines Investitionsfreibetrags von rund 30 Prozent. Über zwei bis drei Jahre würde dies etwa 10.000 bis 20.000 zusätzliche Arbeitsplätze bringen, rechnete Menz vor.

 

Ein nach wie vor erhebliches Problem ist laut Mörk der Mangel an Fachkräften insbesondere in technischen Berufen: „Rund unserer Mitgliedsunternehmen sagen, sie brauchen mehr Techniker und mehr HTL-Absolventen.“ Insgesamt fehlten in der Industrie rund 60.000 einschlägig ausgebildete Arbeitskräfte. Daher müsse die Bundesregierung mehr Geld für die Ausbildung zur Verfügung stellen, nicht zuletzt für die Fachhochschulen. Überdies gelte es, einen „längerfristigen Migrationsplan für Personen von außerhalb der EU“ zu erarbeiten. Mögliche Herkunftsländer verortete Mörk „in Asien und eventuell in Afrika“. Dass dies mit der Migrationspolitik der Bundesregierung eventuell nicht vollständig zur Deckung zu bringen ist, wollte Mörk auf Anfrage des Chemiereports nicht kommentieren: „Ich bin kein Politiker, ich bin Interessenvertreter.“

 

Kein Thema ist im Übrigen die weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit und die Einführung von Zeitkonten, wie sie die „Junge Wirtschaft“ fordert, betonten Menz und Mörk unisono. Die Industrie sei mit den neuen Regelungen vom vergangenen Jahr zufrieden. Mörk teilte dem Chemiereport mit, bis auf weiteres werde die Sparte „dieses Thema sicher nicht angreifen“. Es habe schon bisher die Schichtarbeitszeiten gegeben, allfällige rechtliche Unklarheiten seien mit dem neuen Arbeitszeitrecht beseitigt. Keinen Bedarf habe die Industrie auch an sogenannten Nullstunden-Arbeitsverträgen („Zero Hour Contracts“). Bei solchen Verträgen haben die Arbeitnehmer kein Recht, Arbeitsstunden zu leisten und dafür entlohnt zu werden. Sie müssen jedoch zur Verfügung stehen, wenn Arbeit anfällt. In Großbritannien machen Zero-Hour-Contracts nach Schätzung von Arbeitnehmerverbänden etwa 2,3 Prozent aller Beschäftiguingsverhältnisse aus - mit steigender Tendenz.

 

Zur Zurückhaltung rät Mörk hinsichtlich einer allfälligen Ökologisierung des Steuersystems. Die Industrie habe ohnehin schon beträchtliche Aufwendungen durch den Handel mit Emissionszertifikaten. Auch die seit 1. Oktober 2018 geltentende Kapazitätsbewirtschaftung auf den deutsch-österreichischen Stromleitungen belaste manche Unternehmen.

March 29th

Arabische Hochzeit

Saudi Aramco bezahlt dem staatlichen saudiarabischen Investfonds PIF rund 70 Milliarden US-Dollar für die Mehrheit an dem Petrochemieriesen SABIC. Der PIF soll damit die Wirtschaft des Königreichs stärker diversifizieren.

 

Es ist gewissermaßen eine Hochzeit im Verwandetenkreis: Der staatliche saudiarabische Erdölgigant Saudi Aramco übernimmt jene 70 Prozent an dem Petrochemieriesen Saudi Basic Industries Corporation (SABIC), die bisher der staatliche Investitionsfonds (Public Investment Fund of Saudi Arabia, PIF) des Königreichs hielt. Er legt dafür umgerechnet rund 69,1 Milliarden US-Dollar (61,5 Milliarden Euro) auf den Tisch. Somit entsteht ein integrierter Öl- und Petrochemiekonzern, der seinesgleichen sucht. Die verbleibenden 30 Prozent der SABIC-Anteile bleiben im Streubesitz.

 

Saudi Aramco gilt als weitaus wertvollste Ölgesellschaft der Welt. Der Wert des Unternehmens wird auf 1.400 bis 2.000 Milliarden US-Dollar geschätzt. Angeblich verfügt der Konzern über Erdölreserven von rund 261 Milliarden Fass, was etwa einem Sechstel der weltweiten Gesamtreserven entspricht. Seine Tagesproduktion liegt bei 10,2 Millionen Fass pro Tag, also ungefähr einem Neuntel der globalen Förderung. Saudi Aramco kann damit rund ein Zehntel des täglichen Ölbedarfs decken. Mit über 65.000 Beschäftigten erwirtschaftet Saudi Aramco einen Jahresumsatz von mehr als 450 Milliarden US-Dollar (400 Milliarden Euro). Zum Vergleich: Österreichs Bruttoinlandsprodukt (BIP) beläuft sich auf etwa 370 Milliarden Euro.

Und auch die SABIC zählt nicht gerade zu den „Kleinen“ in ihrer Branche. Der Unternehmenswert liegt laut Schätzungen bei 85 Milliarden US-Dollar (75,7 Euro), die Nettoerlöse für 2018 werden mit 5,7 Milliarden US-Dollar (5,0 Milliarden Euro) beziffert. SABIC ist mit 34.000 Personen in mehr als 50 Ländern tätig. Die jährliche Erzeugung an Petrochemieprodukten liegt bei 62 Millionen Tonnen, verglichen mit 17 Millionen Tonnen der Saudi Aramco.

 

Gerüchte über die geplante Transaktion kursierten bereits seit längerem. Ihnen zufolge sucht die saudische Staatsführung nach Cash, um die Umstellung der Wirtschaft auf die „Zeit nach dem Öl“ voranzutreiben. Der 2016 von Kronprinz Mohammed bin Salman Al Saud angekündigte Börsegang der Saudi Aramco wurde jedoch abgeblasen. Nun muss der Konzern offenbar selbst Bares an den PIF liefern. Die 69,1 Milliarden Dollar wandern sozusagen vorerst von einer Burnus-Tasche in die andere.

 

PIF-Generaldirektor Generaldirektor Yasir Othman Al-Rumayyan sprach von einer „Win-Win-Situation. Die Einnahmen machen Kapital für langfristige Investitionen in die Diversifizierung der saudiarabischen Wirtschaft frei“. Zufrieden gab sich auch Saudi-Aramco-Präsident Amin Nasser: Durch die Aufnahme von SABIC in die „Saudi-Aramco-Familie“ entstehe ein Geschäftsmodell, das beide Konzerne noch wettbewerbsfähiger mache: „Wir können so dazu beitragen, den wachsenden Bedarf nach Energie und petrochemischen Produkten in aller Welt zu decken.“

Ähnlich äußerte sich der Vizepräsident und CEO der SABIC, Yousef Al-Benyan: Schon seit 1976 arbeite sein Unternehmen eng mit der Saudi Aramco zusammen. Jetzt erfolge eine „Solidisierung“ der Kooperation. Die SABIC profitiere vom technologischen und wirtschaftlichen Potenzial ihres künftigen Mutterkonzerns und verhelfe diesem dazu, ein integriertes Energie- und Petrochemieunternehmen zu werden.

 

March 26th

Bayer: Vergleich zu Xarelto

Mit rund 350 Millionen Euro will der deutsche Konzern Rechtsstreitigkeiten in den USA um den Gerinnungshemmer beenden.

 

Insgesamt 775 Millionen US-Dollar (rund 686 Millionen Euro) bezahlen wollen die beiden Pharmakonzerne Bayer und Janssen Pharmaceuticals, um den Rechtsstreit bezüglich des oralen Gerinnungshemmers Xarelto in den USA zu beenden. Sie haben das Medikament gemeinsam entwickelt und wollen mit der Zahlung fast alle der rund 25.000 US-amerikanischen Kläger abfinden. Laut dem aktuellen Geschäftsbericht von Bayer behaupten diese, Xarelto habe zu Blutungen und Todesfällen geführt. Das Risiko solcher Auswirkungen habe Bayer bekannt sein müssen. Dennoch habe der Konzern potenzielle Anwender des Mittels nicht ausreichend gewarnt. Die Abfindungssumme tragen die beiden Unternehmen zu jeweils der Hälfte. Auf Bayer entfallen somit rund 343 Millionen Euro. Der Konzern sieht seinen Anteil wenigstens teilweise durch eine Produkthaftpflichtversicherung gedeckt. Xarelto das bei weitem umsatzstärkste Medikament von Bayer. Im Jahr 2018 erlöste der Konzern damit rund 2,5 Milliarden Euro. Laut Bayer wurden bis dato „weltweit mehr als 45 Millionen Patienten mit Xarelto behandelt“.

 

Ausdrücklich betont Bayer, die nun angekündigten Zahlungen seien kein Schuldeingeständnis. Es gehe ausschließlich darum, weitere Kosten zu vermeiden. In einer Aussendung konstatiert der Konzern, „dass die Klagen jeglicher Grundlage entbehren. Der Vergleich bedeutet daher auch nicht die Anerkennung einer entsprechenden Rechtspflicht. Allerdings ermöglicht es dieser vorteilhafte Vergleich, Ablenkungen und hohe Kosten zu vermeiden, die durch einen Fortgang der Rechtsstreitigkeiten entstehen würden“. Der Konzern behält sich vor, von der Zahlung zurückzutreten, „wenn eine bestimmte Mindestannahmequote unter den Teilnahmeberechtigten nicht erreicht wird“. Wie hoch diese Quote ist, gab der Konzern nicht bekannt. Nicht erfasst sind zehn Klagen in Kanada, von denen eine als Sammelklage zertifiziert ist. Für die übrigen neun Klagen wurde diese Zertifizierung beantragt.

 

Xarelto ist eines von mehreren Produkten, bezüglich derer Bayer zurzeit rechtliche Auseinandersetzungen führt. Bekanntlich laufen umfangreiche Klagen im Zusammenhang mit dem Pflanzenschutzmittel Glyphosat. Hinsichtlich unerwünschter Nebenwirkungen von Essure, einem „Medizinprodukt zur permanenten Verhütung ohne operativen Eingriff“, wurde Bayer von etwa 25.000 US-Amerikanerinnen geklagt. Bezüglich der Hormonspirale Mirena sind in den USA rund 2.400 Klagen anhängig.

 

 

 

 

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