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October 5th, 2020

Nobelpreis für Hepatitis-C-Entdecker

Harvey J. Alter, Michael Houghton und Charles Rice wurde der Nobelpreis für Medizin zugesprochen. Sie haben mit ihrer Arbeit „Millionen Menschen das Leben gerettet“, so die Begründung.

 

Für die Entdeckung und Erforschung des Hepatitis-C-Virus erhalten die US-Amerikaner Harvey J. Alter und Charles M. Rice sowie der Brite Michael Houghton dem Nobelpreis für Medizin. Alter zeigte in den 1970er Jahren, dass ein unbekanntes Virus eine häufige Ursache für chronische Lebererkrankungen darstellt. Houghton gelang es gegen Ende der 1980er Jahre, den Erreger zu isolieren. Dieser wurde nachmals als „Hepatitis-C-Virus“ bezeichnet. Rice schließlich führte Ende der 1990er den Nachweis, dass dieses Virus alleine in der Lage ist, Hepatitis auszulösen. Das Nobelpreiskomitee begründete seine Entscheidung damit, dass die drei Forscher mit ihrer Arbeit die Entwicklung auf das Virus bezogener Bluttests und Medikamente möglich gemacht und auf diese Weise „Millionen von Leben gerettet“ hätten.

 

Der Generalsekretär des Pharmaindustrieverbands Pharmig, Alexander Herzog, betonte aus gegebenem Anlass einmal mehr die Wichtigkeit des Zusammenwirkens von Grundlagen- und angewandter Forschung: „Hepatitis C konnte schon seit vielen Jahren behandelt werden. Durch kontinuierliche Forschung ist es schlussendlich im Jahr 2013 gelungen, ein Medikament auf den Markt zu bringen, mit dem die Krankheit heilbar ist. Das ist letzten Endes genau das, was wir bei jeder Krankheit anstreben, nämlich, sie heilbar zu machen.“ Herzog zufolge ist Hepatitis C „ein großes globales Gesundheitsproblem, das bei Menschen auf der ganzen Welt Leberzirrhose und Leberkrebs verursacht“. Er verwies auf Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO, denen zufolge jedes Jahr rund 70 Millionen Personen an Hepatitis C erkranken. In etwa 400.000 Fällen führt dies zum Tod der Betroffenen.

 

Die Chance auf Heilung von Hepatitis C besteht seit der Zulassung des Medikaments Sovaldi des US-amerikanischen Pharmakonzerns Gilead Sciences. Dieser wurde seinerzeit allerdings durch alle Winde geschossen, weil er für das Mittel Preise in bis dato kaum jemals gekannter Höhe verlangte. In Deutschland etwa beliefen sich die Kosten für eine Packung mit 28 Tabletten anfangs auf rund 20.000 Euro. Eine zwölf Wochen dauernde Therapie hätte mit rund 60.000 Euro zu Buche geschlagen, was bei den Gesundheitsbehörden für Furore sorgte. Mittlerweile hat sich die Aufregung gelegt, und die Preise sind um immerhin rund ein Drittel gesunken. In 101 Staaten mit geringem Nationaleinkommen bietet Gilead den in Sovaldi enthaltenen Wirkstoff Sofosbuvir um 900 Euro für eine zwölf Wochen dauernde Therapie an.

 

 

Agrana: Start für Betainanlage

Trotz einiger Herausforderungen in der Bauphase durch die COVID-19-Pandemie konnte der Konzern die Fabrik am Standort Tulln kürzlich in Betrieb nehmen.

 

Nach 15 Monaten Bauzeit nahm die Agrana ihre neue Betainkristallisations-Anlage am Standort Tulln in Betrieb. Das teilte der Frucht-, Stärke- und Zuckerkonzern per Aussendung mit. Gemeinsam mit der US-amerikanischen Amalgamated Sugar Company investierte er dort rund 40 Millionen Euro. Tulln ist der dritte Standort, an dem die Agrana kristallines Betain herstellt. Die Kapazität der neuen Anlage liegt bei rund 8.500 Tonnen pro Jahr. Schon seit fünf Jahren gewinnt die Agrana in Tulln aus der bei der Zuckerherstellung anfallenden Rübenmelasse flüssiges Betain-Konzentrat.

 

Generaldirektor Johann Marihart und Amalgated-Sugar-CEO John McCreedy verlauteten, infolge der COVID-19-Pandemie sei es während der Bauzeit „zu einigen Herausforderungen“ gekommen. Dennoch habe die Anlage im August fertiggestellt werden können. Nun seien die beiden Unternehmen in der Lage, Kunden in der Kosmetik-, Lebensmittel- und Futtermittelindustrie mit hochwertigem kristallinem Betain zu versorgen. Als wichtigste Absatzmärkte nannte die Agrana Asien und Australien sowie den arabischen Raum.

 

 

September 30th

„Grüne Gase“ gut verträglich

Bei der „Energiewende“ wird Österreich kaum ohne gasförmige Energieträger auf biogener Basis auskommen. Sie für Heizzwecke einzusetzen, wäre technisch kein besonderes Problem, betont die Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW).

 

Österreichs Gaswirtschaft ist entschlossen, ihren Beitrag zum Gelingen der Energiewende zu leisten. Das betonte der Vizepräsident der Österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW), Michael Haselauer, am 30. September bei einer Pressekonferenz in Wien. Ihm zufolge ließen sich auf längere Sicht ausreichende Mengen an Biomethan und „grünem“ Wasserstoff bereitstellen, um den Raumwärmebedarf vollständig zu decken. Über die bestens ausgebauten Gasnetze wäre es grundsätzlich kein Problem, die Endkunden zu versorgen. Auch die rund eine Million Gasheizungen würde die „grünen Gase“ gut vertragen. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung, die der Leiter des Departments für Umwelt- und Energieverfahrenstechnik der Montanuniversität Leoben und Inhaber des dortigen Lehrstuhls für Thermoprozesstechnik, Harald Raupenstrauch, und sein Team im Auftrag der ÖVGW durchführten. So kann Biomethan Erdgas vollständig ersetzen, ohne die Brenner anpassen zu müssen. Nicht adaptiert werden müssen die Brenner auch, wenn Erdgas bis zu vier Prozent Wasserstoff beigemengt werden. Wird ein Brenner dagegen entsprechend angepasst, können dem Erdgas sogar bis zu zehn Prozent Wasserstoff beigemengt werden.

 

Aus Biomasse biogene Gase zu erzeugen und mit diesen Erdgas zu ersetzen, ergibt auch in Bezug auf die Treibhausgasbilanz Sinn, erläuterte Gregor Berger, einer der Experten in Raupenstrauchs Team, auf Anfrage des Chemiereports. Verrottet die Biomasse ungenutzt, so werden dabei CO2 und Methan (CH4) frei. Über den üblichen Betrachtungszeitraum von 100 Jahren hinweg gilt CH4 als 28 Mal klimawirksamer als CO2. Somit entspricht ein Gramm CH4 rund 28 Gramm CO2-Äquivalent. Bei der Verbrennung eines Gramms CH4 entstehen dagegen nur rund 2,75 Gramm CO2. Somit ergibt sich bei der Verbrennung bzw. „thermischen Nutzung“ von CH4 im Vergleich zur Verrottung eine Einsparung von rund 90 Prozent des in die Atmosphäre gelangenden CO2-Äquivalents.

 

Für ausgeschlossen hält Raupenstrauch, sämtliche österreichischen Haushalte mit Strom aus erneuerbaren Energien zu beheizen. Es lasse sich schlicht und einfach nicht genug Ökostrom erzeugen, um die Industrie sowie den Mobilitätssektor vollständig zu versorgen und darüber hinaus den Raumwärmebedarf zu decken. Auch deshalb sei „grünes“ Gas unverzichtbar. Um diesem zum Durchbruch zu verhelfen, sind allerdings entsprechende Rahmenbedingungen notwendig, erläuterte Haselauer. Die Gaswirtschaft wünscht insbesondere ein Fördersystem ähnlich der Ökostromförderung, wie sie im Entwurf zum Erneuerbare-Ausbau-Gesetz (EAG) beschrieben wird. Dabei geht es um Marktprämien, die unter Berücksichtigung des Großhandelspreises für Erdgas variieren. Festzuschreiben wäre dieses System im „Grüne-Gase-Gesetz“, das die Bundesregierung ergänzend zum EAG angekündigt hat.

 

September 29th

Plädoyer für Regionalität

Plasmaprodukte für europäische Patienten sollten nach Möglichkeit in Europa selbst hergestellt werden, hieß es beim Plasmadialog der Pharmig in Wien.

 

Der Einfluss der COVID-19-Pandemie auf die Versorgung Europas mit Plasma und Plasmaprodukten ist bis dato gering. Das sagte Josef Weinberger, der Vorsitzende des Standing Committee Plasmaproteine des Pharmaindustrieverbands Pharmig, bei einem Pressegespräch in Wien. Sein Unternehmen, die Octapharma, betreibt in Deutschland 20 Plasmaspenden-Zentren: „Dort sehen wir eine Aufkommensreduktion von etwa fünf Prozent. Das sind Größenordnungen, mit denen man leben kann.“ Solche Zentren bestehen auch in Österreich, Deutschland, der Tschechischen Republik und Ungarn. Und diese vier Länder sind es auch, die den Großteil des europäischen Plasmabedarfs decken, erläuterte Weinberger.

Rund 40 Prozent des benötigten Plasmas müssen allerdings importiert werden, vor allem aus den USA. Und dort sieht die Lage erheblich dramatischer aus. Weinberger rechnet damit, heuer „im besten Fall“ 75 bis 80 Prozent der üblichen Jahresmenge erhalten zu können. Die Auswirkungen in der Versorgung mit Plasmaprodukten werden sich ihm zufolge im ersten Quartal 2021 zeigen. Wie schwer sie sein werden, bleibe abzuwarten. Erst Ende des kommenden Jahres sei mit einer Normalisierung der Lage zu rechnen.

 

Vielleicht ist es aber ohnehin nicht ratsam, sich allzu sehr auf US-amerikanisches Plasma zu verlassen, erläuterte Volker Wahn von der Berliner Charité. In den USA treten teilweise andere Krankheiten auf als in Europa. Folglich enthält US-Plasma andere Antikörper als europäisches. Plasmaprodukte aus den USA seien daher zur Behandlung von Patienten in Europa möglicherweise weniger geeignet als europäische. Derartige Unterschiede haben jedoch nichts mit der grundsätzlichen Qualität des Plasmas und der Plasmaprodukte zu tun, betonte Christa Wirthumer-Hoche, die Leiterin des Geschäftsfelds Medizinmarktaufsicht der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). Diese sei unbestritten und werde laufend kontrolliert, nicht zuletzt auch von der AGES selbst.

 

Weinberger zufolge besteht seitens der Weltgesundheitsorganisation WHO die Empfehlung, die unterschiedlichen Regionen der Welt sollten sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten selbst mit Plasma und Plasmaprodukten versorgen. Ein „duales System“ der Aufbringung über Blutspenden sowie Plasmapheresezentren gebe es außerhalb Österreichs jedoch nur in wenigen Ländern: „Und solange wir in Europa nicht das Ziel der Unabhängigkeit von Importen definieren, werden wir abhängig bleiben.“

 

Das freilich ist ein Problem, das nicht nur hinsichtlich der Plasmaprodukte besteht, ergänzte Robert Sauermann vom Dachverband der österreichischen Sozialversicherungen. Gerade im Zuge der COVID-19-Pandemie habe sich gezeigt, „dass die Abhängigkeit von wenigen Produktionsstätten im Ausland zu bedenklichen Situationen führen kann. Wir sollten daher wieder mehr an Arzneimittelproduktion nach Europa bekommen“. Und Plasmaprodukte als „sehr essenzielle Produkte“ sollten ihm zufolge „von europäischen Spendern“ stammen. Um das zu ermöglichen, sieht Sauermann neben der Pharmaindustrie auch seinen eigenen Verband in der Pflicht: Notwendig sei eine „behutsame Preispolitik“ und ein Preisniveau, mit dem alle leben könnten.

 

Mehr spenden, bitte

 

Hilfreich wäre allerdings auch eine erhöhte Bereitschaft in der Bevölkerung, Plasma zu spenden. Während des ersten Höhepunkts der COVID-19-Pandemie im Frühjahr gingen die Spenden in Österreich zeitweilig um bis zu 50 Prozent zurück - nicht zuletzt, weil die Spendezentren etwa zwei Wochen lang geschlossen waren. Auf das Niveau vor der Pandemie zurückgekehrt ist das Aufkommen bisher aber immer noch nicht. Die IG Plasma veranstaltet deshalb im Oktober eine Kampagne zur Bewusstseinsbildung, berichtete ihr Vorsitzender, Matthias Gessner. Ohne das Engagement der Bevölkerung könne die Industrie keine Plasmaprodukte entwickeln und erzeugen.

 

Österreich ist bekanntlich einer der weltweit wichtigsten Standorte der Pharmaindustrie, was Plasmaprodukte betrifft. Etwa vier Millionen Liter Plasma werden hierzulande jährlich verarbeitet, was rund 15 Prozent der globalen Gesamtkapazität entspricht. Geplant ist eine Aufstockung auf rund neun Millionen Liter. Die fünf in Österreich ansässigen Unternehmen mit ihren 5.000 Beschäftigten, die sich mit Plasmaprodukten befassen, exportieren ihre Erzeugnisse in 100 Länder. Und die 18 Plasmazentren in den größeren Städten Österreichs tragen nach Angaben der Pharmig mit jeweils rund 1,5 bis fünf Millionen Euro pro Jahr zur lokalen Wertschöpfung bei.

 

 

 

September 27th

ÖGMBT vergibt Preise für herausragende Forschungsarbeiten

Die diesjährigen Austrian Life Science Awards prämieren exzellente Forschungsarbeiten aus Molekularbiologie und Biotechnologie. Die Preisträger kommen von BOKU, CeMM, MPL, IST Austria und St. Anna Kinderkrebsforschung.

Eine kleine Insel physischer Präsenz war auch unter den besonderen Umständen dieser Tage möglich: Die Jahrestagung der ÖGMBT (Österreichische Gesellschaft für Molekulare Biowissenschaften und Biotechnologie) wird heuer im Online-Modus ausgetragen. Dennoch konnten die vom Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BMDW) sowie den Unternehmenspartnern THP Medical Products und Polymun Scientific finanzierten Austrian Life Science Awards im Rahmen einer kleinen Preisverleihungszeremonie am Vienna Biocenter übergeben und diese live in die via Zoom abgewickelte Konferenz sowie im Youtube-Livestream übertragen werden.

Sowohl die „Research Awards“ als auch die „PhD Awards“ wurden dabei in gewohnter Weise in den beiden der Grundlagen- und der angewandten Forschung gewidmeten Kategorien vergeben, eine zusätzliche Auszeichnung kürte zum dritten Mal die Forschungsarbeit mit der höchsten gesellschaftlichen Wirkung („societal impact“). Als letztere wurde von der 16-köpfigen Jury eine Publikation von Thomas Gaßler ausgewählt, die sich mit der Umwandlung der in industriellen Anwendungen gerne verwendeten Hefeart Pichia pastoris von einem heterotrophen, Methanol als Nährmedium benutzenden, in eine autotrophen Organismus beschäftigt, der CO2 fixieren kann. Dadurch eröffnet sich die Möglichkeit, die biotechnologische Produktion mit diesem Expressionssystem von der Verfügbarkeit organischer Rohstoffe zu entkoppeln, was Anwendung in der nachhaltigen Produktion von proteinreichen Futtermitteln oder biologisch abbaubaren Polymeren finden könnte. Gaßler, der am Department für Biotechnologie der Universität für Bodenkultur tätig ist, verwendete für diese Arbeit Techniken der Synthetischen Biologie, die gestatten, eine synthetische Version des Calvin-Benson-Zyklus von Pflanzen in der Hefe zu implementieren.

 

Proteine beklebt, um sie abzubauen

In der Kategorie „Applied Research“ der Forschungspreise konnte Cristina Mayor-Ruiz reüssieren, die sich am Center for Molecular Medicine der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (CeMM) mit einem neuem Typus pharmazeutischer Wirkstoffe beschäftigt: den sogenannten „molecular glue degraders“. Diese setzen an folgendem Mechanismus an: Proteine werden, vermittelt durch spezielle Ligasen, durch Ubiquitin markiert, damit Proteasen erkennen, dass dies Proteine abgebaut werden sollen. Die gesuchten „molekularen Klebstoffe“ binden nun an Ubiquitin-Ligasen in einer Weise, die bewirkt, dass diese auch Proteine markieren, die für gewöhnlich nicht mit ihnen in Wechselwirkung treten. Sie „kleben“ in diesem Sinne die jeweilige Ligase an derartige Proteine an und ermöglichen so deren Abbau durch Proteasen. Eine solche Vorgehensweise (die man auch „targeted protein degradation“ nennt) ist eine vielversprechende Möglichkeit, auch Proteine pharmazeutisch in den Griff zu bekommen, die sonst als nicht durch Arzneimittel adressierbar („undruggable“) gelten. Mayor-Ruiz, die in der Forschungsgruppe von Georg Winter als Post-doc arbeitet, entwickelte eine Hochdurchsatz-Screening-Methode, um chemische Verbindungen aufzufinden, die als „molekulare Klebstoffe“ für die Ubiquitinierung in Frage kommen. Der „proof of principle“ konnte durch das Auffinden mehrerer bisher nicht beschriebener molekularer Strukturen erbracht werden, die eine Ligase an einen wichtigen Regulator des Zellzyklus binden.

 

Kleine Tröpfchen konzentrieren Enzyme im Zellkern

Der Vorgang der Ubiquitinierung (in diesem Fall von Histon-Proteinen) spielt auch bei der Transkription von Genen im Zellkern eine Rolle. Damit hat sich Laura D. Gallego Valle, die diesjährige Trägerin des ÖGMBT-Forschungspreises im Bereich „Basic Research“, beschäftigt, die in an den Max Perutz Laboratories am Vienna Biocenter tätig ist. Die Forscherin fand gemeinsam mit ihren Kollegen in der Forschungsgruppe von Alwin Köhler heraus, dass das Scaffold-Protein Lge1, an das eine im Zellkern von Hefen wirksame Ubiquitin-Ligase bindet, eine intrinsisch ungeordnete Region besitzt, die kondensieren und so eine Phasentrennung zwischen zwei Flüssigkeiten bewirken kann. Die so entstandenen Mikrophase bildet gleichsam eine „Reaktionskammer“ aus, in der die für die Ubiquitinierung benötigten Enzyme in höherer Konzentration vorhanden sind. Proteine, die zu den untersuchten homolog sind, kommen auch im menschlichen Organismus vor, eine Störung der beschriebenen Prozesse wird mit neurologischen Erkrankungen in Zusammenhang gebracht.

 

PhD Awards in zwei Kategorien

Die Life Science PhD Awards Austria 2020 schließlich gingen an Aglaja Kopf (IST Austria) in der Kategorie Grundlagenforschung und an Benjamin Salzer (St. Anna Kinderkrebsforschung) in der Kategorie Angewandte Forschung. Kopf untersuchte, wie die Dynamik von Mikrotubuli die Gestalt von Immunzellen steuert, die wie Amöben durch unterschiedliche Arten von Gewebe wandern. Salzer hat chemische Verbindungen entwickelt, die die im der Krebsimmuntherapie bedeutsamen CAR-T-Zellen ein- und ausschalten und sie so spezifischer gegen solide Tumoren einsetzbar machen können.

 

 

September 25th

Nabilon kann Parkinson lindern

Cannabinoide gelten seit längerem als Hoffnungsträger bei der Behandlung von nichtmotorischen Störungen bei Parkinson. Innsbrucker Forscher lieferten nun erstmals Indizien für ihre Wirksamkeit aufgrund einer randomisiert, doppelblind sowie placebokontrolliert durchgeführten Studie.

 

Nichtmotorische Störungen (NMS) im Zusammenhang mit Parkinson könnten sich mit Cannabinoiden wirksam lindern lassen. Das zeigt eine Studie, die Forscher der Universitätsklinik für Neurologie der Medizinischen Universität Innsbruck (MUI) durchführten. Sie verabreichten von Oktober 2017 bis Juli 2019 jeweils 19 Patienten das synthetische Cannabinoid Nabilon bzw. ein Placebo. Bei den mit Nabilon Behandelten ergab sich laut einer Aussendung der MUI „eine Verbesserung der gesamten NMS-Belastung, was sich insbesondere in einer Verminderung der Angstzustände und Schlafstörungen widerspiegelt“. Dieses Resultat „ könnte als Basis für größere kontrollierte, eventuell zu einer Zulassung führender Studien dienen“. Die bisher vorliegenden Hinweise auf die eventuelle Wirksamkeit von Cannabinoiden gegen Parkinson galten als unzureichend, weil an den entsprechenden Untersuchungen zu wenige Probanden teilnahmen bzw. keine Kontrolle erfolgte. Mit der Arbeit der Innsbrucker Wissenschaftler liegen nun erstmals Indizien aufgrund einer randomisiert, doppelblind sowie placebokontrolliert durchgeführten Studie zu diesem Thema vor.

 

Der Erstautorin der Studie, Marina Peball, zufolge ist die mögliche therapeutische Wirkung von Cannabinoiden auf Motorik und NMS bei Parkinson „ein wichtiges Thema und wird häufig von Patienten im Behandlungsraum angesprochen“. Bei einer Online-Umfrage, die von der Michael-J.- Fox-Stiftung für Parkinson-Forschung unterstützt wurde, sagten rund 95 Prozent der Neurologen der US-amerikanischen National Parkinson Foundation, Patienten hätten sie um die Verschreibung von Marihuana ersucht, berichtete Peball. Laut Mitautor Klaus Seppi treten NMS im Zusammenhang mit Parkinson manchmal Jahre oder sogar Jahrzehnte vor den bekannten motorischen Störungen auf. Zu den NMS gehören neben Schlafstörungen und Angstzuständen unter anderem Geruchsstörungen, Stimmungsschwankungen, ein Nachlassen der geistigen Leistungsfähigkeit, aber auch Wahrnehmungsstörungen. Nabilon setzten die Forscher nach Angaben Seppis ein, weil „dessen Hersteller AOP Orphan das Medikament und das dazugehörige Placebo zur Verfügung gestellt hat. Auch andere Präparate wären infrage gekommen“. Nabilon ist bisher zur Behandlung von Übelkeit zugelassen, die nach Chemotherapien auftritt.

 

Als hilfreich bei der Durchführung der Studie erwies sich laut Mitautor Werner Poewe, dem ehemaligen Direktor der Universitätsklinik für Neurologie, die klaglose Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum für Klinische Studien und den Departments für Genetik und Pharmakologie sowie für Medizinische Statistik, Informatik und Gesundheitsökonomie.

 

 

 

September 24th

Gemeinsam gegen COVID-19

Mit vergleichsweise banalen Maßnahmen lässt sich die Pandemie gut unter Kontrolle halten, heißt es in einer Stellungnahme der außeruniversitäten Forschungseinrichtungen Deutschlands. Allerdings müssen sich möglichst alle Personen an diese Maßnahmen halten.

 

„Nur zusammen können wir Gesundheit, Gesellschaft und Wirtschaft effektiv schützen.“ Das ist die Kernbotschaft in einer Stellungnahme zur Bewältigung der COVID-19-Pandemie, die die außeruniversitären Forschungsorganisationen Deutschlands gemeinsam verfasst haben, namentlich die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft, die Leibniz-Gemeinschaft und die Max-Planck-Gesellschaft. Dem Dokument zufolge entwickelt sich die Pandemie „extrem dynamisch. Eindämmungsmaßnahmen müssen daher laufend beobachtet und angepasst werden“. Zwar stehe Deutschland verglichen mit Ländern wie Frankreich und Spanien wenigstens zurzeit noch relativ gut da. Doch das anlaufende Winterhalbjahr mache einen „fundierten Plan“ erforderlich, um die verstärkte Ausbreitung der Infektion in Grenzen zu halten: „Wir müssen die besten Voraussetzungen schaffen, damit wir unter Beibehaltung von sozialer und wirtschaftlicher Aktivität sowie stabiler Infektionszahlen gut über den Winter kommen.“

 

Nach Ansicht der vier Institutionen gibt es im Zusammenhang mit der Pandemie zwei „Kipppunkte“: erstens das vielfach erwähnte Ansteigen der Reproduktionszahl R über den Wert 1, zweitens die rasche Rückverfolgbarkeit der Infektionsketten. Ist die letztere nicht mehr gegeben, kann sich das Virus leichter ausbreiten. Umso wichtiger ist es deshalb, die Zahl der Neuinfektionen möglichst gering zu halten.

 

Von der oft beschworenen „Herdenimmunität“ halten die Wissenschaftler nichts: Ihnen zufolge ist diese „weiterhin nicht erreichbar“. Länder, die das Konzept der Herdenimmunität verfolgten, wie Italien, Großbritannien, Schweden und Spanien, verzeichneten etwa 470 bis 600 an COVID-19 Verstorbene je Million Einwohner. In Staaten, die nicht auf die Herdenimmunität setzten, darunter Deutschland und Österreich, liege diese Zahl dagegen bei nur 50 bis 100 Toten. Und die seit Frühjahr gesunkene Sterblichkeit infolge von COVID-19 ist laut den Institutionen keineswegs ein Grund, nachlässig zu werden. In den Sommermonaten seien nämlich primär jüngere Personen erkrankt. Der Anteil der COVID-19-Patienten im Alter über 60 Jahren sei dagegen gesunken. Steige er jedoch, wie zu erwarten ist, wieder an, werde sich auch die Sterblichkeit erneut erhöhen.

 

Nicht sinnvoll sei deshalb auch der Ansatz, das Virus in der Gesellschaft nach Belieben zirkulieren zu lassen und nur Risikogruppen abzuschirmen. Denn erstens könnten auch Infizierte, die selbst keine Symptome zeigen, das Virus übertragen. Und zweitens seien Risikopersonen oft auf die Hilfe anderer angewiesen. Somit sollten diese Bezugspersonen nach Möglichkeit ebenfalls nicht infiziert sein. Drittens gebe es zumindest in Deutschland keine ausreichenden Kapazitäten, um die Risikogruppen laufend vorsorglich zu testen.

 

Warnend heißt es in dem Papier, die Hinweise auf die Übertragbarkeit des SARS-CoV-2-Virus durch Aerosole hätten sich mittlerweile erhärtet. Somit sei das Risiko einer Infektion in Innenräumen erheblich höher als bisher angenommen. Hinzu kommt, dass Genesene laut neueren Erkenntnissen nur kurz gegen SARS-CoV-2 immun bleiben und neuerlich erkranken können.

 

Einfach, aber wirksam

 

Was aber waren bzw. sind die wichtigsten Maßnahmen, um die Pandemie einzudämmen? Im Wesentlichen ging respektive geht es um vergleichsweise Banales. An erster Stelle stehen den vier Forschungseinrichtungen zufolge Hygienemaßnahmen wie das Händewaschen sowie das Einhalten der bekannten Abstandsregeln. Bewährt haben sich ihnen zufolge auch das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sowie Test-Trace-und-Isolate-Strategien (TTI), darunter der Einsatz der vielfach umstrittenen „Corona-Apps“.

 

Allerdings kann mit den Apps alleine die Ansteckungsrate bestenfalls auf die Hälfte reduziert werden. Steckt eine Person jedoch im Durchschnitt drei bis vier weitere an, muss die Rate um den Faktor 3 bis 4 verringert werden. Und das geht nur mit Hygiene, Maskentragen sowie Abstandhalten. Auch saisonale Effekte - Stichwort erhöhte Ansteckungsgefahr im Winterhalbjahr - spielen eine Rolle. Tunlichst vermieden werden sollten nicht zuletzt deshalb die berüchtigten „Superspreading-Events“, etwa gesellschaftliche Großveranstaltungen und Après-Ski-Hüttengaudis.

 

Unbesonnenes Verhalten gilt es laut dem Strategiepapier zu unterlassen. Für Panik besteht indessen kein Anlass: „Wenn jede Person nach ihren Möglichkeiten ihren Beitrag leistet, kann SARS-CoV-2 unter Kontrolle gehalten werden.“

 

Verfügbar ist die Stellungnahme unter
www.mpg.de/15426458/stellungnahme-forschungsorganisationen-covid-24-09-2020.pdf .

 

 

 

September 23rd

Brenntag mit neuer Struktur

Statt der geographischen Bereiche operieren künftig weltweit die Brenntag Essentials für Kunden und Zulieferer auf lokaler Ebene und die Brenntag Specialties für ausgewählte, besonders attraktive Industriezweige.

 

Ab 1. Jänner 2021 hat der deutsche Chemikalien-Distributionskonzern Brenntag eine neue Geschäftsstruktur. Der Bereich Brenntag Essentials unter Vorstandsmitglied Steven Terwindt kümmert sich auf lokaler Ebene weltweit um Kunden und Zulieferer aus einer Reihe von Industrien. Terwindt leitet diesen Bereich im Rang eines Chief Operating Officers (COO). Brenntag Specialties dagegen verkauft rund um den Globus Inhaltsstoffe und Dienstleistungen für folgende Industriezweige: Nutrition, Pharma, Personal Care/Home, Industrial & Institutional (HI&I), Material Sciences (Coatings & Constructions, Polymers, Rubber), Water Treatment und Lubricants. Geleitet wird der Bereich von Brenntag-Vorstand Henri Nejade, der wie Terwindt im Vorstand bleibt und künftig ebenfalls den Titel eines COO führt.

 

Bisher ist Brenntag im Wesentlichen geographisch aufgestellt. Unter der Brenntag AG als Holding bestehen die Bereiche EMEA, Nordamerika, Lateinamerika sowie Asien-Pazifik. Unter „Alle sonstigen Segmente“ sind laut Geschäftsbericht „die Zentralfunktionen für den Gesamtkonzern und die Aktivitäten im Hinblick auf die Digitalisierung unseres Geschäfts (DigiB) zusammengefasst. Außerdem ist hier das internationale Geschäft der Brenntag International Chemicals enthalten, die Chemikalien in großen Mengen auf internationaler Ebene ohne regionale Begrenzung ein- und verkauft“.

 

Vorstandschef Christian Kohlpaintner konstatierte, Brenntag etabliere mit der neuen Struktur „zwei globale Champions, die einen differenzierten Steuerungsansatz haben und auf die jeweiligen Marktbedürfnisse und -erwartungen eingehen. Damit entwickeln wir unser Unternehmen weiter und werden unsere Branche als der bevorzugte Partner für Kunden und Lieferanten anführen“. Mit neuen Geschäftsbereichen könne Brenntag „seine Stärken besser einsetzen und gleichzeitig sein Profil in relevanten Industriesegmenten schärfen“.

Kohlpaintner ist seit 1. Jänner 2020 Vorstandschef von Brenntag. Er folgte Steven Holland, der nach acht Jahren an der Konzernspitze nicht mehr zur Verfügung stand. In seinem Vorwort zum Geschäftsbericht für 2019 im vergangenen März konstatierte Kohlpaintner: „Meine Vorstandskollegen und ich sind uns bewusst, dass der Konzern in der Vergangenheit Maßnahmen und Initiativen zur Effizienzsteigerung besser hätte umsetzen müssen. Ich lege besonderen Fokus auf die konsequente Durchführung der Maßnahmen, die wir beschließen werden.“

 

Brenntag erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von rund 12,82 Milliarden Euro, um 2,2 Prozent mehr als 2018. Das EBITDA lag mit 1,0 Milliarden Euro um 14,4 Prozent über dem von 2018. Das Ergebnis nach Steuern schließlich wuchs von 2018 auf 2019 um 1,5 Prozent auf 469,2 Millionen Euro.

 

 

 

September 15th

Lösungen für bekannte und unbekannte Probleme

Die Christian-Doppler-Gesellschaft feiert ihr 25-jähriges Bestehen und hat aus diesem Anlass erstmals den CDG-Preis für Forschung und Innovation vergeben.

Die Zahlen sind eindrucksvoll: 240 Forschungseinheiten an 36 Universitäten, Fachhochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen mit mehr als 400 Unternehmenspartnern wurden seit 1995 von der Christian-Doppler-Gesellschaft (CDG) gefördert. Mehr als 4.000 Publikationen in Peer-Review -Journalen wurden erarbeitet, die seither über 77.000-mal zitiert wurden, 550 Patente lassen sich auf die Arbeiten von Christian-Doppler-Laboren und Josef-Ressel-Zentren zurückführen. Derzeit sind rund 100 Forschungseinheiten mit mehr 1.100 Mitarbeiter und über 180 Unternehmenspartnern aktiv.

Eigentlich reicht die Geschichte der CDG bis 1988 zurück, als man den Innovationsbedarf der verstaatlichten Industrie erkannte und ein Modell zur Zusammenarbeit mit der Wissenschaft innerhalb der damaligen ÖIAG etabliert hat. Doch erst 1995 – also vor 25 Jahren – wurde die CDG in der heutigen Form gegründet und das Fördermodell der gesamten Wirtschaft zugänglich gemacht. Anlässlich einer Pressekonferenz zu diesem Jubiläum zitierte CDG-Präsident Martin Gerzabek den Namensgeber Christian Doppler – jenen österreichischen Physiker und Mathematiker des 19. Jahrhunderts, der den nach ihm benannten Doppler-Effekt entdeckt hat: „Die lohnendsten Forschungen sind diejenigen, welche, indem sie den Denker erfreuen, zugleich der Menschheit nützen.“ Dieser Satz könne über der gesamten Arbeit der CDG stehen, die die Verbindung eines hohen Anspruchs wissenschaftlicher Exzellenz mit einem ebenso hoch angesetzten Innovationsanspruch zum Leitbild habe. Gerzabek folge vergangenes Jahr Langzeit-Präsident Reinhart Kögerler nach, der die Geschicke der CDG seit 1995 leitete und diesen Anspruch wesentlich mitprägte.

 

Langfristigkeit und Freiraum

Eine Kooperation einer universitären Forschungsgruppe mit einem oder mehreren Unternehmenspartnern über sieben Jahre wird im Rahmen von Christian-Doppler-Labors, eine ebensolche von Wissenschaftlern einer Fachhochschule über fünf Jahre in Josef-Ressel-Zentren finanziert. Diese Langfristigkeit der Kooperation bei Wahrung der Freiheit der beteiligten Forscher (30 Prozent ihrer Arbeitszeit dürfen diese eigenen Ideen folgen) machen die CDG auch international zu einem „Leuchtturm-Projekt und Vorzeigemodell“, wie Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck betonte, deren Ministerium (und seine Vorgänger) die Gesellschaft seit ihrer Loslösung aus der verstaatlichten Industrie getragen haben. Wesentlich für diesen Erfolg war, dass die Vergabe von Mitteln stets nach einem „Bottom-up-Prinzip“ erfolge: „Wir machen keine inhaltlichen Vorgaben“, so Schramböck. Nur so könne man Lösungen zu Problemen finden, die man in der Politik heute noch gar nicht kenne. Die Ministerin gab gleichzeitig ein Bekenntnis zu dem Fördermodell ab, dass eigens Eingang ins Regierungsprogramm gefunden habe.

Drei Gruppen wissenschaftlicher Disziplinen bilden heute den Schwerpunt der CD-Labors und Josef-Ressel-Zentren: An erster Stelle stehen dabei Mathematik und IT, was die aktuelle Dynamik im Bereich Digitalisierung und Künstliche Intelligenz widerspiegelt. Gleich dahinter folgen Biowissenschaften und Medizin. An dritter und immer noch bedeutender Stelle folgen stehen die Werkstoffwissenschaften, mit denen die CDG ihren Anfang genommen. „Hier haben wir dazu beigetragen, dass die Voestalpine heute mehr als 300 Stahlsorten anbietet“, so Gerzabek.

 

CDG-Preis erstmals vergeben

Der mit 40.000 Euro dotierte CDG-Preis für Forschung und Innovation wurde anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Fördermodells erstmals vergeben. Preisträger ist Oskar Aszmann von der Medizinischen Universität Wien, der mit seinem „CD-Labor für Wiederherstellung von Extremitätenfunktionen“ wesentlich zum Zustandekommen gedankengesteuerter Prothesen beigetragen hat, um einen bestmöglichen Ersatz für verlorengegangene Gliedmaßen zu erhalten. Dazu ist detaillierte Untersuchung einzelner Muskeln und Nervenfasern, also ein schönes Stück Grundlagenforschung erforderlich. Eine solche sei für ein innovatives Unternehmen unerlässlich, erst die Kenntnis zugrundeliegender biologischer Mechanismen ermögliche die Entwicklung neuer Konzepte und Produkte, sage dazu Andreas Goppelt, Geschäftsführer der Wiener Niederlassung des Unternehmenspartners Ottobock.

Tockner verlässt den FWF

Der Gewässerökologe leitet ab Jänner 2021 die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung. Wissenschaftsminister Heinz Faßmann dankte ihm für seine „ausgezeichnete Arbeit“.

 

Klement Tockner, der Präsident des Wissenschaftsfonds FWF, legt seine Funktion mit Jahresende zurück. Der Gewässerökologe wird Generaldirektor der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt am Main, dem größten Institut der Leibniz-Gemeinschaft. Vor seiner Berufung zum FWF-Präsidenten war Tockner Direktor des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) gewesen. Interimistisch folgt ihm beim FWF Gregor Weihs, der derzeitige FWF-Vizepräsident für Naturwissenschaften und Technik. Tockner leitete den FWF seit 2016. Vor zwei Jahren wurde sein Vertrag bis 2024 verlängert. Wissenschaftsminister Heinz Faßmann konstatierte, Tockner habe „in den vergangenen Jahren nicht nur den Wissenschaftsfonds FWF nachhaltig verändert, sondern auch die heimische Forschungslandschaft positiv gestaltet. Mein aufrichtiger Dank für seine ausgezeichnete Arbeit, für sein Engagement und seine Leistungen begleiten ihn“.

 

Dank kam auch vom Österreichischen Wissenschaftsrat. Dessen Vorsitzender, Antonio Loprieno, verlautete, Tockners „Engagement und Optimismus, Dinge ändern und verbessern zu können, waren und sind ansteckend. Österreich verliert mit Klement Tockner einen großen Verfechter und Kämpfer für die Stärkung und Weiterentwicklung seiner Forschungslandschaft, der Wissenschaftsrat einen starken Partner und ich verliere eine wichtige Ansprechperson in dieser Sache“.

 

Tockner selbst sagte, mit seinem Team habe er in den vergangenen vier Jahren „Vieles vorangebracht, und der FWF ist fit für die Zukunft – mit einem höheren Förderungsbudget, mehr Kooperationen und einem attraktiven Förderungsangebot für Forschende“. Das Budget des Fonds sei „nach Jahren des Stillstands auf ein jährliches Volumen von 270 Millionen Euro bis 2021 angehoben“ worden.

 

 

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