Archive - 2020

July 2nd

Bayer begibt Anleihen über sechs Milliarden Euro

Angaben zum Hintergrund der Transaktion gab es nicht. Jedoch hatte Bayer Ende Juni angekündigt, die Kosten für Streitbeilegungen in den USA teilweise über Anleihen zu finanzieren.

 

Der deutsche Chemiekonzern Bayer platzierte am 1. Juli Anleihen mit einem Gesamtwert von rund sechs Milliarden Euro. Sie waren ausschließlich für institutionelle Anleger bestimmt und etwa 2,5-fach überzeichnet. Emittiert wurden die Wertpapiere in vier Tranchen zu je 1,5 Milliarden Euro, die Laufzeiten von vier bis zwölf Jahren und jährliche Verzinsungen von 0,375 Prozent bis 1,375 Prozent aufweisen. Betreut wurde die Emission von der Citi Bank, der Deutschen Bank, Mizuho und der UniCredit. Laut Bayer ist geplant, die Anleihen am Geregelten Markt der Luxemburger Börse notieren zu lassen.

 

Finanzvorstand Wolfgang Nickl sprach angesichts der Überzeichnung von einer „weiteren Bestätigung des Vertrauens, das Bayer am Kapitalmarkt genießt“. Angaben zum Hintergrund der Transaktion machte Nickl nicht. Allerdings hatte Bayer im Zusammenhang mit der Beilegung von Rechtsstreitigkeiten in den USA hinsichtlich der Pflanzenschutzmittel Roundup (Wirkstoff: Glyphosat) und Dicamba am 24. Juni Anleihenemissionen angekündigt. Diese sollen dazu dienen, einen Teil der Kosten für die Streitbeilegungen aufzubringen. Wie berichtet, stellt Bayer dafür umgerechnet rund elf Milliarden Euro bereit.

 

 

Rembrandtin investiert in Wien

Rembrandtin investiert rund 20 Millionen Euro in den Standort Wien und firmiert in Rembrandtin Coatings um.

Der österreichische Lackhersteller Rembrandtin, Teil der Kansai-Helios-Gruppe, hat in den vergangenen Jahrzehnten sein Produktionsvolumen am Standort Wien-Floridsdorf mehr als verdoppelt. Nun hat man gemeinsam mit dem japanischen Eigentümer entschieden, in mehreren Etappen in die Erweiterung des Betriebs zu investieren. Geplant sind Investitionen mit einem Gesamtwert von rund 20 Millionen Euro.

Der Hauptanteil von rund 16 Millionen Euro wird dabei auf den Neubau einer Fertigwarenhalle inklusive Bürogebäude mit zwei Obergeschoßen entfallen. Dabei entstehen 8.000 Palettenplätze, 1.000 m² Kommissionierzone und acht Laderampen. Die zusätzlichen Lagerkapazitäten werden den Technischen Regeln für die Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern (TRGS 510) entsprechen, eine Gaslöschanlage auf Inergen-Basis schützt die gelagerten Beschichtungsmittel im Brandfall. Zudem ist in Kooperation mit Wien Energie eine Photovoltaik-Anlage am Dach des Gebäudes mit ca. 220 kW Spitzenleistung geplant.

Rund zwei Millionen Euro werden in eine Abgasreinigungsanlage nach dem Prinzip der regenerativen thermischen Oxidation (RTO) investiert. Dabei wird der Gehalt an flüchtigen Kohlenwasserstoffen (VOCs) durch Verbrennung reduziert und die dabei entstehende Wärme genutzt, um das Abgas vor der Behandlung vorzuwärmen. „Im Zuge dessen wird das gesamte Abluftkonzept erneuert, die Abluftströme genauer voneinander getrennt und Stäube über eine neue Filteranlage abgesondert“, sagt dazu Rembrandtin-Geschäftsführer Hubert Culik. Zudem ist im zweiten Schritt die Möglichkeit zur Installation eines Rotorkonzentrators zur weiteren Reduktion der eingesetzten Energie vorgesehen.

 

Produktionserweiterung und neuer Firmenname

Die Planung des Unternehmens sieht auch eine Erweiterung der Produktionskapazitäten um 6.000 bis 7.000 Tonnen pro Jahr vor. Der Fokus liegt dabei auf der Produktion von Speziallacken, unter anderem für den Elektromobilitäts-Markt. Gleichzeitig sollen die Prozesse und Standards gemäß den Anforderungen der Automobilindustrie (IATF 16949) optimiert werden.

Im Zuge der Erweiterung erfolgt auch eine Umfirmierung des Unternehmens. Mit Stichtag 30. Juni wird im Rahmen einer Gesamtrechtsnachfolge die bisherige Rembrandtin Lack GmbH Nfg. KG auf die Rembrandtin Coatings GmbH übertragen.

June 29th

„Bewältigung der Wirtschaftskrise“ im Mittelpunkt

Am Vorabend der deutschen EU-Ratspräsidentschaft veröffentlichte der deutsche Chemieindustrieverband VCI seine Wünsche an die Politik.

 

Per 1. Juli übernimmt Deutschland für ein halbes Jahr die Präsidentschaft im Rat der EU. Im Vorfeld veröffentlichte der deutsche Chemieindustrieverband VCI am 29. Juni seine wichtigsten wirtschaftspolitischen Forderungen. VCI-Präsident und Evonik-Vorstandschef Christian Kullmann verlautete, im Mittelpunkt der Ratspräsidentschaft müsse „Bewältigung der Wirtschaftskrise stehen, auch um das politische Miteinander zu verbessern. Nur eine geeinte EU bietet die Chance für eine gute Zukunft auf dem Kontinent“. Finanzhilfen sollen Kullmann zufolge „zweckgebunden und zukunftsgerichtet sein“. Staaten, die solche bekämen, müssen nach Ansicht des VCI und seines Präsidenten ihre Strukturen wirtschaftsfreundlicher gestalten, was nicht zuletzt bedeutet, ihre Bürokratie abzubauen. Die Wirtschaft in der Europäischen Union kann laut dem VCI nach der COVID-19-Pandemie nur dann wieder erstarken, wenn die industrielle Basis gesichert und ausgebaut wird. Der „Green Deal“ der EU-Kommission müsse diesem Ziel entsprechend ausgestaltet werden.

 

Vehement abgelehnt wird von der deutschen Chemiebranche die von der Europäischen Kommission angedachte Ausweitung der EU-internen Handels mit Treibhausgaszertifikaten (EU-ETS) auf die Sektoren Verkehr und Wohnen sowie die Einführung von Grenzausgleichsmechanismen für Importe aus Drittstaaten ohne oder mit weniger strengen Vorgaben zur Begrenzung der CO2-Emissionen. „Eine Ausweitung des Emissionshandels würde ein funktionierendes System verzerren, Grenzausgleichsmaßnahmen werden zum Bürokratiemonster und drohen Handelskonflikte weiter zu verschärfen. Dadurch könnten die Standortbedingungen der energieintensiven Industrie in Europa deutlich unter Druck geraten. Das wäre ein völlig falsches Signal, um mehr Investitionen anzureizen“, betonte Kullmann. Allerdings: In der Vergangenheit hatte sich nicht zuletzt die deutsche Chemiebranche immer wiederfür ein globales Regime zur Behandlung der Treibhausgasemissionen ausgeprochen, um befürchtete Wettbewerbsnachteile hintanzuhalten. Ausdruck dessen war und ist nicht zuletzt das Bestehen auf der Aufrechterhaltung des Carbon-Leakage-Regimes. Nun, da Maßnahmen überlegt werden, um Importe aus Drittstaaten zu belasten und damit in der EU erzeugte Chemikalien wettbewerbsfähiger zu machen, stößt dies wiederum auf Ablehnung.

 

 

 

June 25th

Vier für CCU

Lafarge, die OMV, die Borealis und der Verbund wollen in Mannersdorf eine großindustrielle Anlage zur CO2-Abscheidung und -Nutzung (Carbon Capture and Utilization, CCU) errichten. Das Treibhausgas könnte der Produktion von Kraft- und Kunststoffen dienen.

 

Eine großindustrielle Anlage zur Abscheidung von CO2 aus Industrieabgasen und seiner anschließenden Nutzung (Carbon Capture and Utilization, CCU) planen der Zementkonzern Lafarge, die OMV, der Kunststoffkonzern Borealis und der Verbund. Das berichteten die vier Unternehmen in einer gemeinsamen Aussendung. Das Vorhaben trägt die Bezeichnung „Carbon2ProductAustria“ (C2PAT). Vorgesehen ist, bis 2030 im Zementwerk Mannersdorf am Leithagebirge etwa 30 Kilometer südöstlich der OMV-Raffinerie Schwechat eine Anlage zur Abscheidung von rund 700.000 Tonnen CO2 pro Jahr zu bauen. Mannersdorf ist mit einer Jahreskapazität von etwa 1,1 Millionen Tonnen das größte Zementwerk Österreichs.

Das CO2 könnte in der Raffinerie Schwechat unter Reaktion mit Wasserstoff in Kohlenwasserstoffe umgewandelt werden. Aus diesen würde die OMV Kraftstoffe erzeugen. Die Borealis, an der die OMV zurzeit mit 36 Prozent beteiligt ist, könnte sie zur Herstellung von Kunststoffen nutzen. Bekanntlich plant die OMV, ihren Anteil an der Borealis auf 75 Prozent aufzustocken, wofür sie rund vier Milliarden Euro aufwenden will. Den Wasserstoff würde der Verbund herstellen. Erfolgen würde dies durch die elektrolytische Spaltung von Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff mit Hilfe von Strom aus erneuerbaren Energien.

 

Zurzeit untersuchen Lafarge, OMV, Borealis und Verbund, wie das Vorhaben durchgeführt werden könnte und ob es wirtschaftlich rentabel wäre. Anschließend soll „ein Cluster von industriellen Pilotanlagen im Osten Österreichs technisch entwickelt und bis 2023 in Betrieb genommen werden“. In einem letzten Schritt ist geplant, die Abscheidekapazität auf 700.000 Tonnen CO2 pro Jahr zu steigern. Damit würde den Unternehmen zufolge „die globale Skalierbarkeit der Technologie demonstriert“. Fix ist allerdings noch nichts. Wie die Partner mitteilten, hängt die Umsetzung des Vorhabens von der Schaffung tauglicher regulatorischer sowie finanzieller Rahmenbedingungen auf österreichischer sowie auf EU-Ebene ab. Zu den voraussichtlichen Projektkosten verlauteten die Unternehmen nichts.

 

Grundsätzlich positiv äußerte sich der Budgetsprecher der Grünen im Nationalrat, Jakob Schwarz. Ihm zufolge wäre C2PAT „ein kleiner Schritt fürs Klima, ein großer für die Zementproduktion“. Die Letztere bezeichnete er in ihrem derzeitigen Zustand als „klimapolitisches Sorgenkind. Wenn es dem Projekt gelingt, die CO2-Intensität der Wertschöpfungskette zu halbieren, ist das ein toller erster Schritt“. Im Sinne des Ziels der Bundesregierung, Österreich bis 2040 „klimaneutral“ zu machen, müssten diesem jedoch viele weitere Anstrengungen auch in anderen industriellen Bereichen folgen. „Das Projekt führt vor, was sich mit dem im Regierungsprogramm verankerten Green Deal bewegen ließe. Auch in anderen Bereichen gibt es Innovationspotenzial, dass es gemeinsam zu heben gilt. Und gerade die Großen sind hier gefordert, mutig voran zu gehen“, resümierte Schwarz.

 

Bayer: Vergleiche zu Glyphosat und Dicamba

Zur Beilegung in den USA anhängiger Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit den Pflanzenschutzmitteln sowie mit der behaupteten Schädigung von Gewässern durch PCB wendet der deutsche Chemiekonzern bis zu elf Milliarden Euro auf.

 

Umgerechnet rund elf Millarden Euro stellt der deutsche Chemiekonzern Bayer bereit, um Rechtsstreitigkeiten in den USA beizulegen. Sie betreffen Schädigungen von Personen durch das Pflanzenschutzmittel Roundup (Wirkstoff: Glyphosat), von Ernten durch das Pflanzenschutzmittel Dicamba sowie von Gewässern durch Polychlorierte Biphenyle (PCB). Konzernchef Werner Baumann, Finanzvorstand Wolfgang Nickl und Bill Dodero, Global Head Litigation von Bayer sagten bei einer telefonischen Investorenkonferenz am 24. Juni, entsprechende Vereinbarungen seien grundsätzlich getroffen worden. Sie bedürften zum Teil aber noch der Genehmigung durch die zuständigen Gerichte, darunter den U.S. District Court for the Northern District of California. Ausdrücklich betonte Bayer, die Vereinbarungen seien „keinerlei Eingeständnis einer Schuld oder eines Fehlverhaltens“. Es gehe ausschließlich darum, die wirtschaftlichen Risiken im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen zu minimieren.

 


Bezüglich Roundup/Glyphosat könnte Bayer etwa 75 Prozent der Verfahren abschließen. Dabei geht es um 125.000 eingereichte sowie noch nicht eingereichte Fälle. Bayer stellt zur Beilegung der bereits vorliegenden Klagen 7,82 bis 8,53 Milliarden Euro bereit. Hinzu kommen 1,11 Milliarden Euro für potenzielle weitere Klagen.
Die möglichen künftigen Roundup-Klagen werden in einer Gruppe zusammengefasst. Ein wissenschaftliches Gremium (Class Science Panel) entscheidet, ob das Mittel „das Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) verursachen kann, und falls ja, welche Expositionsniveaus hierfür mindestens erreicht sein müssen“. Verneint es dieses Risiko, dürfen die Kläger das Gegenteil nicht behaupten. Kommt es zum gegenteiligen Schluss, darf Bayer bzw. Monsanto nicht behaupten, das Mittel könne das NHL nicht hervorrufen. Allerdings müssen die Kläger nachweisen, dass sie das für eine Schädigung notwendige Expositionsniveau erreicht bzw. überschritten haben. Strafschadenersatz zu fordern, ist ihnen nicht erlaubt. Bis das wissenschaftliche Gremium seine Einschätzung vorlegt, dürften laut Bayer mehrere Jahre vergehen.
Nicht von den Vereinbarungen umfasst sind die drei Fälle Johnson, Hardeman und Pilliod, in denen Bayer erstinstanzlich zu Schadenersatzzahlungen verurteilt wurde. Die Berufungsverfahren sind im Gange. Bayer verwies in diesem Zusammenhang auf ein diese Woche ergangenes Urteil eines Bundesrichters in Kalifornien. Dieser hatte festgestellt, dass das Anbringen einer Krebswarnung auf den Verpackungen glyphosatbasierter Herbizide nicht notwendig ist.

Bayer überlegte einer Aussendung zufolge, die Prozesse bezüglich Roundup weiterzuführen. Bei einem negativen Ausgang wären die Kosten jedoch „wahrscheinlich weit höher ausgefallen als beim jetzigen Vergleich“. Außerdem hätte Bayer mit „Schäden für die Reputation und das Geschäft“ rechnen müssen.

 

Ernten und Gewässer

 

Zur Beilegung der Streitigkeiten um Dicamba wendet Bayer bis zu 356 Millionen Euro auf. Wer behauptet, Ernteschäden durch Verwehungen des Mittels erlitten zu haben, muss das dem U.S. District Court for the Eastern District of Missouri nachweisen. Mitverklagt ist in dieser Angelegenheit die BASF. Von ihr erwartet Bayer „einen Beitrag“ zu dem Vergleich. Eine Stellungnahme der BASF liegt bis dato nicht vor. Nicht in diesen einbezogen ist der Fall Bader Farms, in dem Bayer zu Schadenersatz verurteilt wurde und in Berufung ging.

 

Was schließlich die behauptete Schädigung von Gewässern durch PCB betrifft, stellt Bayer bis zu 729 Millionen Euro zurück. Davon sind 578 Millionen Euro für eine Gruppe von Privatklägern vorgesehen. Die übrigen Mittel dienen der Beilegung von Auseinandersetzungen mit den Generalstaatsanwälten der Bundesstaaten New Mexico und Washington sowie des District of Columbia.

 

Genug Liquidität

 

Bayer geht davon aus, heuer und 2021 jeweils weniger als 4,45 Milliarden Euro für die Vereinbarungen aufwenden zu müssen. Die verbleibenden Beträge dürften erst 2022 oder später fällig werden. „Zur Finanzierung dieser Zahlungen, die von der steuerlichen Behandlung abhängig sind, kann Bayer zurückgreifen auf die bestehende Liquidität, den künftigen Free Cash Flow, auf die Einnahmen aus der Veräußerung des Animal-Health-Geschäfts und zusätzliche Anleiheemissionen“, hieß es in einer Aussendung.

 

Konzernchef Baumann resümierte, „indem wir daran arbeiten, diese umfangreichen Rechtsstreitigkeiten hinter uns zu lassen, können wir Kurs auf die Zukunft nehmen und die globalen Herausforderungen in den Bereichen Gesundheit und Ernährung angehen. Das gilt nicht nur jetzt während der Covid-19-Pandemie, sondern auch langfristig“.

 

 

 

June 24th

SARS-CoV-2-Impfstoff „möglichst fair“ verteilen

Für grundsätzlich sinnvoll hält der Pharmaindustrieverband Pharmig die diesbezüglichen Pläne der Weltgesundheitsorganisation WHO. Zur Produktion der 4,26 Milliarden Impfstoffdosen für die besonders betroffenen Personengruppen müssen die Unternehmen allerdings zusammenarbeiten.

 

„Wichtig ist, die Frage der Versorgung möglichst fair zu lösen, denn es werden nicht gleichzeitig acht Milliarden Dosen eines Impfstoffes zur Verfügung gestellt werden können. Daher muss man einerseits einen Plan ausarbeiten, wie die Verteilung erfolgen kann und andererseits auch Verständnis in der Bevölkerung dafür schaffen, dass bestimmte Gruppen bevorzugt behandelt werden und werden müssen.“ So kommentiert Pharmig-Generalsekretär Alexander Herzog den vor wenigen Tagen veröffentlichten Plan der Weltgesundheitsorganisation WHO für die globale Verteilung eines künftigen Impfstoffs gegen das Coronavirus SARS-CoV-2.

 

Laut dem „Global Allocation Framework“ der WHO sollten zuerst die Angehörigen der Gesundheitsberufe mit einem solchen Mittel versorgt werden. Dabei handelt es sich um etwa 50 Millionen Personen, für deren zweimalige Impfung sowie einen Verschleißanteil von 15 Prozent rund 115 Millionen Dosen notwendig wären. In einer zweiten Stufe wären die weltweit rund 650 Millionen Personen im Alter von mehr als 65 Jahren an der Reihe, für die 1,5 Milliarden Impfstoffdosen benötigt würden. An dritter Stelle kämen die übrigen aufgrund von Mehrfacherkrankungen etwa 1,15 Milliarden besonders Gefährdeten. Für sie wären 2,65 Milliarden Dosen bereitzustellen. Zur Versorgung dieser insgesamt rund 1,85 Milliarden Personen müssten somit rund 4,26 Milliarden Dosen erzeugt und verteilt werden. Zu berücksichtigen bei der Frage nach der Priorität der Versorgung mit dem Impfstoff ist nach Ansicht der WHO auch, welche Länder außerordentliche Risiken im Zusammenhang mit der Pandemie aufweisen. Keine Rolle sollten ihr zufolge logistische Probleme in besonders betroffenen Ländern spielen: „Dafür wird es Hilfen geben.“

 

Herzog bemerkt dazu, die von der WHO genannten Mengen könne kein Pharmaunternehmen alleine erzeugen: „Hier wird die Industrie mittels freiwilliger Lizenzvereinbarungen arbeiten, um mehreren Unternehmen die Möglichkeit zu geben, den Impfstoff gleichzeitig herstellen zu können. So wie schon im Rahmen der Erforschung eines Sars-CoV-2-Impfstoffes pharmazeutische Unternehmen in einem noch nie dagewesenen Ausmaß kooperieren, werden sie es auch bei der Produktion eines solchen Impfstoffes tun.“ Wie er hinzufügte, sind derzeit weltweit rund 140 Projekte zur Entwicklung eines Impfstoffs gegen SARS-CoV-2 im Gange. Kaum seriös abzuschätzen sei, „wann ein erster Impfstoff tatsächlich verfügbar sein wird“.

 

 

Danninger besucht „Hidden Champion“

Der Kunststoffverarbeiter Coreth gehört zu den größten einschlägigen Unternehmen in Österreich. Im Zuge der COVID-19-Pandemie erzeugte er auch Vormaterialien für Schutzmäntel.

 

Mit über 100 Beschäftigten und einer Jahresproduktion von etwa 35.000 Tonnen an recyclingfähigen Kunststoff-Folien gehört die G. Coreth Kunststoffverarbeitungs GmbH in Unterwaltersdorf zu den größten Kunststoffverarbeitern Österreichs. Während der COVID-19-Pandemie erzeugte das Unternehmen auch Vormaterialien für Schutzmäntel. Im Zuge eines Betriebsbesuchs am 24. Juni konstatierte Niederösterreichs Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger, die Pandemie habe einmal mehr „deutlich gemacht, wie wichtig es ist, produzierende Unternehmen bei uns im Land zu haben und dadurch im Bedarfsfall nicht auf die Versorgung aus dem Ausland angewiesen zu sein. Die Bereitschaft und das Engagement der Firma Coreth, eine entsprechende Produktionsschiene aufzubauen, ist beispielhaft“. Danninger bezeichnete das Unternehmen als einen „Hidden Champion“, der international ausgerichtet und „in der Region und im Land fest verankert ist“. Firmen wie Coreth stehen laut Danninger für sichere Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung.

 

Eingebunden ist das Unternehmen auch in den Kunststoff-Cluster der niederösterreichischen Wirtschaftsagentur Ecoplus. Deren Geschäftsführer Helmut Miernicki erläuterte, in den Clustern gehe es darum, „überbetriebliche Kooperationsprojekte zu branchenrelevanten Zukunftsthemen und Entwicklungen zu initiieren. Dazu brauchen wir technologieaffine Unternehmen wie die Firma Coreth, die sich aktiv im Cluster einbringen“. Unterstützt wird die Coreth auch von der Niederösterreichischen Bürgschaften und Beteiligungen GmbH (NÖBEG), die Finanzierungen für Investitionsvorhaben bereitstellt.

 

 

June 23rd

AIT meldet „sehr gutes Ergebnis“

Der Umsatz des Austrian Institute of Technology war 2019 um 2,6 Prozent höher als 2018, das Jahresergebnis um etwa 25 Prozent.

 

Einen Umsatz („Betriebsleistung“) von 162,9 Millionen Euro meldet das Austrian Institute of Technology (AIT) für das Geschäftsjahr 2019. Gegenüber 2018 entspricht das einer Steigerung um rund 2,6 Prozent. Der Betriebserfolg (EBIT) lag mit 4,01 Millionen Euro um 8,1 Prozent über dem von 2018. Das Jahresergebnis schließlich wuchs um 25,4 Prozent auf 4,05 Millionen Euro. Überdies wurde ein Auftragsstand von rund 183,2 Millionen Euro verzeichnet. „Wenn Sie so wollen, helfen uns das sehr gute Ergebnis im Berichtsjahr 2019 und der hohe Auftragsstand zu Beginn des Jahres 2020, um im aktuellen herausfordernden Jahr 2020 das AIT trotz unruhiger See sicher auf Kurs zu halten“, konstatierte Geschäftsführer Anton Plimon bei der Bilanzpressekonferenz am 23. Juni in Wien. Aufsichtsratspräsident Hannes Androsch dankte den beiden Eigentümern des AIT, dem Klimaministerium (BMK) und der Industriellenvereinigung (IV). Der Bund hatte 2019 rund 49,8 Millionen Euro zum Umsatz beigesteuert. Androsch zufolge braucht Österreich „nach der Corona-Krise ein Wiederhochfahr-Programm für die Wirtschaft. Das ist auch für die angewandte Forschung wichtig. Denn von der Industrie wird es abhängen, wie es der Forschung geht. Die Hilfsmaßnahmen müssen rasch, zeitlich begrenzt, gezielt und strukturverbessernd sein“.

 

Zufrieden mit der AIT-Bilanz zeigte sich Klimaministerin Leonore Gewessler. In einer Aussendung konstatierte sie, mit dem Jahresergebnis 2019 sei das AIT „für aktuelle und zukünftige Herausforderungen gut gewappnet“. Die COVID-19-Pandemie habe die Bedeutung von Forschung und Innovation für eine erfolgreiche Krisenbewältigung nachgewiesen: „Diesen Beitrag werden wir auch im Kampf gegen die Klimakrise dringend brauchen. Wir werden diese Anstrengungen in den nächsten Jahren auch im Rahmen des Konjunkturprogramms weiter vorantreiben, damit Österreich im Klimaschutz eine Vorreiterrolle einnimmt.“

 

Namens der IV verlautete Generalsekretär Christoph Neumayer, das AIT habe 2019 „seinen Erfolgskurs fortsetzen und seine Position als wissenschaftlicher Top-Player in Österreich bestätigen“ können. Ihm zufolge sind Forschung, Technologie und Innovation (FTI) „essenzielle Säulen, um Beschäftigung und Wertschöpfung zu sichern und zu stärken sowie die Krisenresilienz des Standortes zu erhöhen. Ein starkes FTI-System muss daher ein fundamentaler Bestandteil einer nachhaltigen und erfolgreichen Standortpolitik sein, die für FTI-fördernde Rahmenbedingungen sorgt und die FTI-Akteure bei ihrer Tätigkeit unterstützt und stärkt“.

 

 

June 22nd

Pharmaindustrie warnt vor Brexit-Chaos

Die COVID-19-Pandemie zeige einmal mehr die Bedeutung der Zusammenarbeit der EU mit Großbritannien im Gesundheitssektor, betonen Interessenvertretungen der Pharmabranche unter Führung der EFPIA. Und sie präsentieren erneut teils bekannte Forderungen an die Politik.

 

Angesichts der stockenden Verhandlungen über den EU-Austritt Großbritanniens (Brexit) machen die europäischen Interessenvertretungen der Pharmaindustrie mobil. In einer gemeinsamen Stellungnahme wiederholen sie unter Führung des Pharmaindustrieverbands EFPIA teils bekannte Forderungen. Und sie nutzen die COVID-19-Pandemie, um deren Dringlichkeit zu untermauern. In der Stellungnahme heißt es, das neue Coronavirus sei eine Herausforderung für die ganze Welt, nicht allein für Europa und schon gar nicht alleine für die EU. Einmal mehr träten Probleme in den Vordergrund wie Versorgungsschwierigkeiten und der ungleiche Zugang zu Arzneimitteln, negative Auswirkungen von Exportbeschränkungen, Lagerhaltungsverpflichtungen und anderen (Handels-)Einschränkungen. Überdies zeige sich erneut die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit bei der Aufrechterhaltung von Versorgungs- und Lieferketten, aber auch im Bereich Forschung und Entwicklung. Deutlich werde weiters die Problematik mangelnder Investitionen sowie der zögerlichen Entwicklung neuer Technologien und Behandlungsmethoden. „Das Virus zeigt, dass grenzüberschreitenden Gesundheitsgefahren mit wirksamer Koordination und Mechanismen für rasche Reaktionen begegnet werden muss“, heißt es in der Stellungnahme. Nicht zuletzt gelte es, sich auf künftige Pandemien vorzubereiten. Entsprechende Anstrengungen gerieten jedoch gerade durch das Tohuwabohu im Zusammenhang mit dem Brexit in Gefahr.

 

Gesundheitsthemen spielten bei den Verhandlungen so gut wie keine Rolle. Doch falls es zu einer schlechten Austrittsvereinbarung oder gar zu einem „Hard Brexit“ ohne Vereinbarung komme, könne das unterhaltsam werden. Sowohl die EU als auch Großbritannien riskierten, schlechter auf kommende Epidemien und Pandemien vorbereitet zu sein als bisher. Der Zugang von Patienten in der EU zu in Großbritannien zugelassenen Arzneimitteln und umgekehrt könnte sich verzögern, der Handel zwischen den beiden Wirtschaftsräumen sich erschweren. Auch die Zusammenarbeit in der medizinischen Forschung wäre nicht mehr so einfach zu machen wie noch derzeit, was sich aller Voraussicht nach nachteilig auf die Patienten auswirken würde. Zu befürchten sei weiters ein Abwandern von wissenschaftlichem Personal in Drittstaaten.

 

Die EFPIA und ihre Mitstreiter fordern daher, die reibungslose Zusammenarbeit zwischen der EU und Großbritannien im Gesundheitsbereich auch weiterhin zu gewährleisten. Notwendig seien insbesondere Frühwarnmechanismen und der Datenaustausch, um auf Epidemien vorbereitet zu sein, aber auch ein gemeinsamer regulatorischer Rahmen für die Herstellung, Überprüfung und Zulassung von Arzneimitteln und medizinischer Ausrüstung, inklusive der Aufrechterhaltung bestehender Lieferketten. Ferner müsse der Zugang der Bürger der EU und Großbritanniens zu den Gesundheitssystemen beider Wirtschaftsräume sichergestellt sein. Auch die Zusammenarbeit im Bereich der medizinischen Forschung dürfe durch den Brexit keinen Schaden leiden.

 

 

 

 

BASF: Bock führt Aufsichtsrat

Nach der zweijährigen „Cooling-off“-Phase kehrte der ehemalige Vorstandschef planmäßig in „sein“ Unternehmen zurück.

 

Kurt Bock hat planmäßig den Vorsitz im Aufsichtsrat des deutschen Chemiekonzerns BASF übernommen. Er wurde in der Hauptversammlung am 18. Juni in das Gremium gewählt und anschließend von seinen Kollegen zum neuen Vorsitzenden gekürt. Sein Mandat läuft bis um Ende der ordentlichen HV im Jahr 2024.

 

Festgelegt hatte das alles der BASF-Aufsichtsrat in seiner Sitzung am 21. Dezember 2017. Damals wurde der heutige BASF-Vorstandschef Martin Brudermüller zum Nachfolger Bocks berufen. Er trat diese Funktion nach der HV im Juni 2018 an.

 

Bock schied für eine zweijährige „Cooling-off“-Phase aus der BASF aus, um nun den Aufsichtsratsvorsitz von Jürgen Hambrecht übernehmen zu können. Bock war von 2011 bis 2018 Vorstandschef von BASF, erstmals in den Vorstand berufen wurde er 2003.

 

 

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