Archive - 2020

Dezember 24th

Dezember 22nd

Pharmig: „Große Freude“ über Impfstoffzulassung

Der Pharmaindustrieverband lobt die Zusammenarbeit der Branche und der Behörden bei der raschen Verfügbarmachung eines Vakzins gegen COVID-19. Schon Anfang Jänner prüft die EMA weitere Zulassungen.

 

„Unsere Freude über die Zulassung eines ersten COVID-19-Impfstoffes für die EU-27 ist groß. Damit haben wir einen der wichtigsten Meilensteine zur Bekämpfung der Pandemie erreicht. Jetzt ist es uns möglich, umfassend gegen die gesundheitlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen der Pandemie anzukämpfen“, betont Alexander Herzog, der Generalsekretär des österreichischen Pharmaindustrieverbands Pharmig. Um zu einer derart raschen Zulassung zu kommen, hätten die Unternehmen der Branche sowie die Arzneimittelsicherheitsbehörden in aller Welt „vorbildlich“ zusammengearbeitet. Bereits Anfang Jänner berate der zuständige Ausschuss der European Medicines Agency (EMA) über weitere Zulassungen.

 

Laut Herzog erhält Österreich wie alle anderen EU-Mitgliedsstaaten vorerst 10.000 Impfstoffdosen, mit denen das Gesundheitspersonal sowie Menschen in Alten- und Pflegeheimen und andere besonders gefährdete Gruppen immunisiert werden. In weiterer Folge bekomme Österreich genug Impfstoff(e), um die gesamte Bevölkerung zu schützen. Herzog appellierte an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen: „Eine Entscheidung für die Impfung dient dem eigenen Schutz, sie dient aber immer auch dem Schutze jener, die nicht geimpft werden können.“

 

Die schnelle Bereitstellung der Vakzine ist Herzog zufolge vor allem der weltweiten Zusammenarbeit der Unternehmen und Behörden, den raschen Genehmigungen der Studiendesigns, der gleichzeitigen Durchführung von Studien in einer Reihe von Forschungszentren und Staaten sowie den „frühzeitigen, phasenübergreifenden und parallel laufenden Bewertungen der Zulassungsbehörden“ geschuldet. Überdies habe großes Interesse von seiten Freiwilliger bestanden, an den Studien teilzunehmen. „Mehrere zehntausend“ Personen hätten sich dazu bereitgefunden. Ausdrücklich betonte Herzog, sämtliche Sicherheitsvorgaben seien wie gewohnt eingehalten worden. Jedoch hätten die Unternehmen „die Intervalle des Datentransfers an die Behörden verkürzt“. Die Behörden selbst wiederum hätten die Entwicklung der Impfstoffe bevorzugt behandelt.

 

 

Dezember 17th

Branchenverband Biotech Austria gegründet

30 österreichische Biotechnologie-Unternehmen haben sich zum Branchenverband „Biotech Austria“ zusammengeschlossen, der die Interessen der Szene bündeln und mit Politik und Wirtschaft kooperieren will.

Seit rund 20 Jahren gibt es in der österreichischen Life-Sciences-Branche eine florierende Gründerszene. Das Geschäftsmodell „Biotech-Unternehmen“ hat seit damals auch hierzulande einen fruchtbaren Boden gefunden. Zahlreiche Unternehmen, die meist im Umfeld akademischer Forschungseinrichtungen entstanden, trieben Produkt- und Plattformideen voran, eine Landschaft von Investoren und Unterstützungsstrukturen der öffentlichen Hand nähren die jungen Pflänzchen. So manches einstige Startup-Unternehmen ist zu beachtlicher Größe herangewachsen.

Einen kleinen organisatorischen Anker fanden größere und kleinere Biotechnologie-Unternehmen vor einiger Zeit in der beim Fachverband der chemischen Industrie angesiedelten Plattform „Austrian Biotech Industry“. Davon abgesehen, gab es bislang aber keine eigenständige Interessensvertretung der österreichischen Life-Sciences-Szene. Diese Lücke will der neu gegründete Branchenverband „Biotech Austria“ füllen. Auf Initiative der Firmen Apeiron Biologics, Haplogen Bioscience, Hookipa Pharma und Lexogen fanden sich 30 Gründungsmitglieder zusammen, die durchwegs aus dem Bereich der jungen, innovativen Biotech-Unternehmen stammen.

 

Hohe gesellschaftliche Bedeutung

Zielsetzung der Verbandsgründer ist, den heimischen Wirtschaftszweig im In- und Ausland zu repräsentieren, die Interessen zu bündeln und mit Politik, Wissenschaft und Gesellschaft in Dialog zu treten. „Biotechnologie spielt eine immense Rolle für das Wohlergehen der Menschen, die öffentliche Gesundheit und damit für die Wirtschaft“, sagt dazu Peter Llewellyn-Davies, Präsident der von Biotech Austria und CEO der Apeiron Biologics AG. In diesem Jahr habe die Corona-Pandemie besonders verdeutlicht, wie lebenswichtig Innovationen der Biotechnologie seien. Die Entwicklung und Zulassung des ersten SARS-CoV-2-Impfstoffs in weniger als einem Jahr würden die großen Potentiale und die Schlagkraft der Industrie zeigen.

Als außerordentliches Gründungsmitglied ist auch der Verband der pharmazeutischen Industrie Pharmig mit an Bord. „Die Biotech-Branche ist von hoher Bedeutung für den heimischen Forschungs- und Wirtschaftsstandort. Seit 2010 hat sich die Anzahl der Unternehmen in diesem Bereich beinahe verdoppelt“, sagt dazu Pharmig-Generalsekretär Alexander Herzog. Mittlerweile seien rund 150 Unternehmen mit etwa 2.000 Mitarbeitern der Biotechnologie-Landschaft zuzurechnen. Die Gründung eines eigenen Verbands für dieses standortaktive Branche sei demnach nur folgerichtig und ein begrüßenswerter Schritt. Die Zusammenarbeit mit weiteren österreichischen Verbänden und Clustern sowie mit internationalen Biotech-Organisationen ist geplant.

 

 

Dezember 16th

VCI: COVID-19 drückt Chemie- und Pharmaumsatz

Allerdings ist die Branche weniger stark betroffen als andere Wirtschaftszweige. Im kommenden Jahr soll es wieder aufwärts gehen. Notwendig sind laut Präsident Kullmann niedrige Energie- und Rohstoffkosten, Zurückhaltung bei der Klimapolitik und mehr Freihandel.

 

Die COVID-19-Pandemie belastete die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie zwar erheblich, aber „insgesamt weniger hart als andere Wirtschaftszweige“. Das sagte der Präsident des Branchenverbandes VCI, Christian Kullmann, anlässlich der Präsentation der Jahresbilanz. Der kumulierte Umsatz der VCI-Mitglieder sank gegenüber 2019 um rund sechs Prozent auf 186,4 Milliarden Euro. In Deutschland selbst war ein Rückgang um 5,5 Prozent auf 70,0 Milliarden Euro zu verzeichnen. Im Exportgeschäft wiederum fielen die Erlöse um 6,5 Prozent auf 116,4 Milliarden Euro. Um rund 3,0 Prozent gefallen ist das Produktionsvolumen. Hierbei zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Sparten. So verzeichnete die Pharmaindustrie ein Minus von etwa 0,5 Prozent, die Polymererzeugung schrumpfte dagegen um 6,5 Prozent.

 

Kullmann bezeichnete die Stimmung unter den VCI- Mitgliedern als „mehrheitlich zuversichtlich: „Mehr als die Hälfte rechnet für das nächste Jahr mit einem Umsatzplus im In- und Ausland.“ Infolge dessen rechne der Verband für 2021 mit einem Umsatzplus von 2,5 Prozent und einem Produktionszuwachs von 1,5 Prozent. Bis die Branche die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie kompensiert hat, wird es allerdings etwas dauern, warnte Kullmann: Nur 17 Prozent der VCI-Mitgliedsunternehmen rechneten damit, dies noch heuer bewerkstelligen zu können. Ein Viertel gehe davon aus, das Vorkrisenniveau 2021 zu errechen. Dem gegenüber glaubten 47 Prozent, die Rückgänge erst 2022 wieder ausgleichen zu können.

 

Davon ausgehend, forderte Kullmann einmal mehr einen „günstigen Preis für ‚grünen‘ Strom“. Nur so lasse sich die Industrie längerfristig „klimaneutral“ machen: „Sowohl das aktuelle Umlagen- und Abgabensystem in Deutschland als auch der derzeitige EU-Beihilferahmen sind ungeeignet, die Transformation zu begleiten.“ Ferner wünscht der VCI-Präsident „effizientere“ Genehmigungsverfahren: Was bei Impfstoffen möglich sei, müsse auch „an anderer Stelle“ funktionieren.

 

Hinsichtlich des neuen Ziels der EU, ihre Treibhausgasemmissionen bis 2030 um 55 Prozent statt um 40 Prozent zu senken, besteht Kullmann auf „flankierenden Maßnahmen“. Klimazölle sind seiner Ansicht nach allerdings ungeeignet: Sie seien schwer kontrollierbar, zögen möglicherweise Gegenmaßnahmen nach sich und verringerten durch die Verteuerung von Rohstoffen auch die Wettbewerbsfähigkeit der Kunden der Chemieindustrie. „Der VCI plädiert stattdessen dafür, Klimaschutzgrenzen abzubauen, indem die EU auf einen globalen Preis für CO2 hinwirkt“, konstatierte Kullmann. Der Ausgang der Präsidentenwahl in den USA sowie die Klimapolitik Chinas und Kanadas eröffne diesbezüglich neue Chancen.

 

Kurz und gut: Gefragt sind laut Kullmann weiterhin billige Energie und billige Rohstoffe. Die Personalkosten wiederum werden die VCI-Mitglieder senken, indem sie 2021 etwa ein Prozent ihrer 464.000 Mitarbeiter freisetzen.

 

Überdies sprach sich Kullmann dafür aus, die Verhandlungen mit den USA über ein Freihandelsabkommen wieder aufzunehmen: „Es muss kein allumfassendes TTIP 2.0 sein. Aber Gespräche zwischen der EU und den USA über ein Freihandelsabkommen für Industriegüter sind im besten beiderseitigen Interesse.“ Erst vor kurzem hätten 15 Staaten im asiatisch-pazifischen Raum mit der Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP) die „ größte Freihandelszone“ geschaffen. Auch Europa müsse daher trachten, „die Handelsabkommen mit den ASEAN-Staaten, Australien und Neuseeland mit Hochdruck weiter zu verfolgen“.

 

 

 

Dezember 14th

„Rohstoffe kaskadisch nutzen“

Österreich kann seinen Wohlstand langfristig nur mit chemisch-technischen Lösungen im Sinne der Bioökonomie aufrecht erhalten, betonte FCIO-Obmann Hubert Culik beim Stakeholderdialog Biobased Industry.

 

„Bioraffinerien und Kreislaufwirtschaft sind ein brandaktuelles Thema“, betonte der Obmann des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO), Hubert Culik, am 14. Dezember beim Stakeholderdialog Biobased Industry. Culik zufolge eignen sich nicht nur Papier und PET fürs Recycling, „sondern auch viele Materialien, die bei uns im Restmüll oder im Klärschlamm landen“. Es empfehle sich dringend, diese mittels „Urban Mining“ wiederzugewinnen: „Damit sparen wir nicht zuletzt Erdöl ein und gehen in Richtung Dekarbonisierung. Außerdem nutzen wir die Rohstoffe kaskadisch. Und genau das muss unser Ziel sein.“ Laut Culik gilt das Gebot der kaskadische Nutzung insbesondere auch für die bekanntlich nur in beschränktem Ausmaß verfügbare Biomasse. Diese müsse in mehreren Zyklen stofflich und zuletzt noch zur Erzeugung von Energie genutzt werden. „Die Chemieindustrie forscht intensiv an Lösungen für die Kreislaufwirtschaft. Wenn wir unseren Wohlstand erhalten wollen, geht das nur mit chemisch-technischen Lösungen und mit der Bioindustrie“, resümierte der FCIO-Obmann.

 

Unterdessen wird im Klima-, Energie- und Umweltministerium (BMK) intensiv am Aktionsplan Bioökonomie sowie an dessen Umsetzung gearbeitet, berichtete der zuständige Referent des Hauses, René Albert. Die finale Abstimmung des Plans zwischen den drei befassten Ministerien – neben dem BKM das Landwirtschafts- und das Wissenschaftsressort – sind im Gang. Vorliegen soll der Plan laut Albert Anfang kommenden Jahres, also in einigen Wochen. Die zeitnah umzusetzenden Maßnahmen werden in den Aktionsplan selbst aufgenommen, alle weiteren geplanten Schritte in eine Datenbank. Diese wird auch als Instrument zur Überwachung der Fortschritte bei der Umsetzung genutzt.

 

Etwas länger nimmt die Erarbeitung der Kreislaufwirtschaftsstrategie in Anspruch. „Im letzten Jahresdrittel 2021“ wird es eine diesbezügliche Konsultation geben, kündigte Albert an. Ebenso wie beim Aktionsplan Bioökonomie laufen bereits Umsetzungsmaßnahmen. Dazu gehört unter anderem die Einrichtung einer einschlägigen „Klima- und Energie-Modellregion“. Ferner startet in Bälde eine FTI-Initiative Kreislaufwirtschaft. Eine erste Ausschreibung plant das BMK für das erste Quartal 2021.

 

Umweltministerin Leonore Gewessler bezeichnete es als wichtiges Anliegen Österreichs, die Abhängigkeit von Rohstoffimporten zu verringern: „Dabei können uns die Bioökonomie und die Kreislaufwirtschaft vor allem in Kombination miteinander helfen.“ Durch deren „zielgerichtete Weiterentwicklung“ bleibe dringend notwendige Wertschöpfung in der Region.

 

 

Dezember 10th

BASF: CO2-Management als Innovationstreiber

Der deutsche Chemiekonzern will ab 2030 rund 17 Milliarden Euro im Bereich Kreislaufwirtschaft umsetzen. Gegenüber dem derzeitigen Niveau wäre das eine Verdopplung.

 

Bis 2030 will der deutsche Chemiekonzern BASF seinen Umsatz im Bereich Kreislaufwirtschaft auf 17 Milliarden Euro pro Jahr verdoppeln. Das sagte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Martin Brudermüller, bei dessen Forschungspressekonferenz, die pandemiebedingt digital abgehalten wurde. Brudermüller erläuterte, BASF werde sich dabei auf drei „Aktionsfelder“ konzentrieren, nämlich „zirkuläre Rohstoffe, neue Materialkreisläufe und neue Geschäftsmodelle“. Mittels Kreislaufwirtschaft wolle der Konzern Wirtschaftswachstum und Rohstoffverbrauch voneinander entkoppeln. Gleichzeitig erfolge die Entwicklung zu einem CO2-neutralen Unternehmen. „Es geht also am Ende um eine CO2-neutrale Kreislaufwirtschaft. Ich bin fest davon überzeugt: Es wird künftig gar nicht mehr ohne gehen und deshalb ist unser Erfolg direkt mit unserer künftigen Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit verbunden“, konstatierte Brudermüller. Ihm zufolge sind die Kreislaufwirtschaft und das CO2-Management  „unsere wichtigsten Innovationstreiber. Mit Innovationen ist die BASF groß und erfolgreich geworden und mit Innovationen werden wir erfolgreich in der Zukunft sein“.

 

Ein Beispiel für die „zirkulären Rohstoffe“ bzw. die zirkuläre Nutzung von Rohstoffen ist: Ab 2025 möchte BASF 250.000 Tonnen pro Jahr an recycelten sowie auf Abfällen basierenden Rohstoffen nutzen, um neue Produkte zu erzeugen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Pyrolyse, mit deren Hilfe Kunststoffabfälle in Pyrolyseöl umgewandelt werden. Aus dem Öl kann BASF in der Folge wiederum Kunststoffe herstellen. Laut Brudermüller erfolgt dies bereits. Im sogenannten „Chemcycling“-Projekt entwickelt BASF ein Verfahren, das ermöglicht, aus unterschiedlich zusammengesetzten Kunststoffabfällen Pyrolyseöl in konstanter Qualität herzustellen.

 

Batterien reyceln

 

Was die „neuen Materialkreisläufe“ betrifft, befasst sich BASF unter anderem mit dem Recycling von Lithium-Ionen-Batterien. Dieses Thema ist wegen der zunehmenden Nutzung von Elektrofahrzeugen von Bedeutung. Brudermüller zufolge müssen im Jahr 2030 alte Batteriezellen mit einem Gesamtgewicht von rund 1,5 Millionen Tonnen stofflich verwertet werden. Dazu ist es notwendig, sie zu zerlegen und anschließend zu schreddern. Das Resultat ist die sogenannte „Schwarze Masse“, die erhebliche Anteile an wiedergewinnbaren Rohstoffen enthält. Laut Brudermüller arbeitet BASF an einem chemischen Verfahren, das die Rückgewinnung dieser Substanzen „in hochreiner Form und mit hoher Ausbeute“ möglich macht. Bereits mit herkömmlichen Recyclingtechnologien könnten die in den Batterien enthaltenen Metalle mit einem um rund 25 Prozent kleineren CO2-Aufwand bereitgestellt werden als neu gewonnene Metalle. Durch das in Entwicklung befindliche Verfahren lasse sich dieser „CO2-Fußabdruck“ weiter verkleinern, versicherte Brudermüller.

 

Überdies beschäftigt sich BASF mit der Verbesserung der Qualität von Kunststoffen, die mechanisch recycelt werden. Dazu dienen laut Brudermüller spezielle Additivpakete, die „die mechanischen Eigenschaften von Polymermischungen verbessern. Das wertet mechanisch recycelte Kunststoffe und ihre Produkte im Kunststoff-Kreislauf auf“.

 

Nachwachsende Rohstoffe

 

Ferner arbeitet BASF an der Nutzung nachwachsender Rohstoffe. Als Beispiel nannte Brudermüller das „Rambutan-Programm“. Dabei wird der Rambutan-Baum, ein Verwandter des Litschibaums, als Rohstoffquelle genutzt. Beispielsweise lässt sich aus seinen Blättern eine wässrige Lösung herstellen, die Gene in der menschlichen Haut aktiviert und die Collagenbildung steigert. Mit anderen Substanzen aus dem Baum wiederum lässt sich die Hautfeuchtigkeit verbessern.

 

 

November 27th

Kartellrecht: EU-Kommission straft Teva

Für eine illegale Absprache müssen der israelische Generikakonzern und die von ihm 2011 übernommene Cephalon insgesamt 60,5 Millionen Euro bezahlen. 

 

Zu einer Strafe von insgesamt 60,5 Millionen Euro verurteilte die EU-Kommission den iraelischen Generikakonzern Teva und die von ihm 2011 übernommene Cephalon. Nach Angaben der Kommission vereinbarten die beiden Unternehmen, als die in den USA ansässige Cephalon noch eigenständig war, „die Markteinführung eines preisgünstigeren Generikums des Cephalon-Arzneimittels gegen Schlafstörungen, Modafinil, nach Ablauf der Hauptpatente um mehrere Jahre zu verzögern“. Durch diese Pay-for-Delay-Vereinbarung verstießen sie gegen das Kartellrecht der EU und verursachten „erheblichen Schaden für Patienten und Gesundheitssysteme, da sie dazu führte, dass die Modafinil-Preise hoch blieben“.

 

Modafinil ist ein Mittel gegen exzessive Tagesschläfrigkeit, „die insbesondere im Rahmen einer Narkolepsie auftritt“. Jahrelang entfielen mehr als 40 Prozent des weltweiten Umsatzes von Cephalon auf das unter dem Namen „Provigil“ vermarktete Medikament, das somit „das meistverkaufte Produkt“ des Unternehmens war. Im Jahr 2005 liefen die Hauptpatente für das Mittel in Europa aus, einige Sekundärpatente bezüglich seiner pharmazeutischen Zusammensetzung waren aber weiterhin in Kraft.

 

Mit der Pay-for-Delay-Vereinbarung veranlasste Cephalon Teva, kein Generikum zu Provigil/Modafinil auf den Markt zu bringen. Auf dem britischen Markt war die Teva bereits tätig: Ihr Präparat kostete nur die Hälfte dessen, was die US-Amerikaner für Modafinil verlangten. Außerdem plante sie, den als nicht besonders stark angesehenen Patentschutz anzufechten. Nach der Absprache mit Cephalon stoppte die Teva indessen die Vermarktung ihres Mittels in Großbritannien und ging nicht gegen die Patente vor. Dieser Kartellrechtsverstoß dauerte vom Dezember 2005 bis zum Oktober 2011 als Teva Cephalon übernahm.

 

Margrethe Vestager, die für Wettbewerbspolitik zuständige Exekutiv-Vizepräsidentin der Kommission, konstatierte, es sei „illegal, wenn Pharmaunternehmen vereinbaren, den Wettbewerb gegen Zahlungen auszusetzen und den Markt gegen preisgünstigere Arzneimittel abzuschotten, selbst wenn diese Vereinbarungen im Rahmen eines Patentvergleichs oder anderer scheinbar normaler Geschäftsvorgänge getroffen werden. Die Pay-for-Delay-Vereinbarung von Teva und Cephalon schadete Patienten und nationalen Gesundheitssystemen, denen erschwinglichere Arzneimittel vorenthalten wurden.“ Teva nahm zu dem Fall nicht Stellung.

 

 

 

 

November 26th

Pharmastrategie: Differenzierte Urteile

Grundsätzlich begrüßen die Pharmig und die österreichische Chemieindustrie die Überlegungen der EU-Kommission. Zu manchen Fragen besteht jedoch noch Diskussionsbedarf.

 

Differenziert beurteilt der österreichische Pharmaindustrieverband Pharmig die Pharmastrategie der Europäischen Union, die am 25. November präsentiert wurde. Die EU-Kommission erstrebt mit dem Dokument und dessen Umsetzung nach eigenen Angaben die Schaffung einer „starken, wettbewerbsfähigen und an den Prinzipien der Nachhaltigkeit ausgerichteten Industrie, die den Patienten hilft und die Potenziale des digitalen Wandels des Gesundheitssystems nutzt, der durch den technologischen Fortschritt in Bereichen wie Artificial Intelligence und Computational Modelling vorangetrieben wird“.

 

Pharmig-Generalsekretär Alexander Herzog betonte, die EU müsse „auf ein sensibles Gleichgewicht achten, wenn wir über die wirtschaftlichen und gesetzlichen Rahmenbedingungen für pharmazeutische Unternehmen sprechen. Denn es geht darum, allen Menschen therapeutische Innovationen und bewährte Arzneimittel gleichermaßen zugänglich zu machen und ebenso sollte auch der Pharma- und Forschungsstandort Europa weiter gestärkt anstatt durch zu rigide Bedingungen geschwächt zu werden“. Insbesondere warnte Herzog davor, den Patentschutz zu schwächen. Dies würde sich ihm zufolge „negativ auf die Forschungstätigkeit innerhalb Europas auswirken. Dabei zeigt uns gerade die jetzige Situation, wie enorm wertvoll Forschung ist, aber auch, dass diese Forschung in Europa passiert“. Grundsätzlich begrüßt die Pharmaindustrie laut Herzog, „dass der bestehende Rechtsrahmen evaluiert und angepasst wird. Dies ist allein schon deshalb nötig, da sich die Wissenschaft und Technologie rasant weiterentwickeln und damit ihrerseits neue Rahmenbedingungen schaffen“. Wichtig sei, die Zulassung neuer Arzneimittel zu vereinfachen und die diesbezüglichen Prozesse EU-weit zu harmonisieren, ohne die strengen Sicherheitsbestimmungen aufzuweichen. So könnten die Patienten rascher Zugang zu den Medikamenten bekommen. Für Notwendig hält Herzog auch, die „Vernetzung auf digitaler und Datenebene voranzutreiben“. Das helfe nicht zuletzt bei der Vermeidung von Lieferengpässen.

 

Ähnlich äußerte sich die Geschäftsführerin des Fachverbandes der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO), Sylvia Hofinger. Ihr zufolge ist es „essenziell, die Leistungsfähigkeit der europäischen Pharmaindustrie im globalen Wettbewerb zu stärken. Einige Maßnahmen der Pharmastrategie, wie etwa die Harmonisierung der ergänzenden Schutzzertifikate im Patentrecht oder Projekte im Bereich Digitalisierung, könnten dabei helfen, neue Therapien schneller zur Marktreife kommen zu lassen und so zu einer besseren Versorgung der Patienten führen“. Positiv beurteilt Hofinger auch die Ankündigung der EU-Kommission in der Strategie, Forschung und Innovation forcieren zu wollen, nicht zuletzt, was die Entwicklung neuer Antibiotika betrifft.

Auch hinsichtlich der sicheren Versorgung mit Medikamenten biete die Strategie begrüßenswerte Ansätze. Geplant sei, „Bereiche in den Lieferketten von Medikamenten und Wirkstoffen zu identifizieren, die besonders krisenanfällig sind und dort eine europaweite Transparenz bezüglich der Produktion und der Bestände zu etablieren“. Dies gehe in die richtige Richtung. Erforderlich sei indessen ferner „die Stärkung der Zusammenarbeit aller Beteiligten , insbesondere die Koordination von Maßnahmen auf europäischer Ebene“, wie dies die EU-Kommission in der Strategie vorsehe. Der FCIO werde sich in die Verhandlungen über die Umsetzung der Pharmastrategie „intensiv und konstruktiv in die Diskussionen einbringen und Vorschläge für eine ausgewogene Umsetzung der unterschiedlichen Bereiche der Strategie unterbreiten“, kündigte Hofinger an.

 

Nach Angaben der EU-Kommission ist die Pharmabranche in der Europäischen Union ein „starker und wettbewerbsfähiger Wirtschaftszweig“. Sie erzielte 2019 einen Handelsbilanzüberschuss von rund 109,4 Milliarden Euro und beschäftigte etwa 800.000 Personen. In Forschung und Entwicklung investierte die Branche mehr als 37 Milliarden Euro.

 

Zugänglich ist die EU-Pharmastrategie unter https://ec.europa.eu/health/sites/health/files/human-use/docs/pharmastrategy_com2020-761_en.pdf

 

 

November 25th

Clariant: Reduktion aufs Kerngeschäft

Im Zuge von Restrukturierungen und Effizienzsteigerungen baut der Schweizer Spezialchemiekonzern Clariant rund 1.000 Arbeitsplätze ab. Auf längere Sicht ist aber Wachstum angesagt. 

 

Der Schweizer Spezialchemiekonzern Clariant baut in den kommenden zwei Jahren rund 1.000 Arbeitplätze ab, davon 600 bis Ende 2021. Zumindest teilweise soll dies durch „ Austritte von Beschäftigten aufgrund natürlicher Fluktuation“ erfolgen, hieß es in einer Aussendung. Betroffen sind Service- sowie regionale Strukturen. Mit dem Personalabbau setzt Clariant eine weitere Maßnahme im Zuge der Reduktion aufs Kerngeschäft. Im Oktober 2019 hatte der Konzern seinen Healthcare-Packaging-Bereich verkauft, im Juli des heurigen Jahres auch sein Masterbatches-Segment. Zur Veräußerung steht überdies das Pigmentgeschäft an. Nach eigenen Angaben vollzieht die Clariant damit „ihre Transformation in Richtung eines höherwertigen Portfolios mit Spezialitäten mit Fokus auf ihre Kerngeschäftsbereiche Care Chemicals, Catalysis und Natural Resources“. Das Unternehmen erstrebt „die Neudimensionierung regionaler Organisationen und Serviceeinheiten zur Vermeidung von Remanenzkosten“, die sich nach dem Verkauf der Teilbereiche ergeben könnten.

Hariolf Kottmann, der seit Ende Juli 2019 als Executive Chairman fungiert, bis ein neuer zur Chief Executive Officer bestellt ist, erläuterte: „Während wir mit der nächsten Veräusserung eines nicht zum Kerngeschäft gehörenden Bereichs voranschreiten, müssen wir diese Gelegenheit nutzen, um Clariants Kern weiter zu stärken und für eine erfolgreiche Zukunft zu positionieren. Durch die Vermeidung von Remanenzkosten, den konsequenten Abbau von Komplexität und den stärkeren Fokus auf Innovation, Nachhaltigkeit und Operational Excellence sorgen wir dafür, dass unsere Geschäfte mit hochwertigen Spezialitäten noch fokussierter und flexibler agieren können. Damit schaffen wir die Grundlage, um überdurchschnittliches Wachstum, höhere Profitabilität und eine stärkere Cashflow-Generierung zu erzielen.“

 

Im Jahr 2019 hatte Clariant mit 6,53 Milliarden Schweizer Franken (CHF) um 1,5 Prozent weniger Umsatz erzielt als 2018. Das Nettoergebnis war von 356 Millionen auf nur noch 38 Millionen Franken eingebrochen, der operative Cashflow hatte sich von 530 auf 509 Millionen Franken verringert. Begründet wurde dies mit einer Rückstellung von 231 Millionen Franken für eine 2019 befürchtete Kartellstrafe bezüglich des Ethylengeschäfts, zu der Clariant schließlich tatsächlich verurteilt wurde.

 

Im heurigen Jahr hatte auch Clariant mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie zu kämpfen. Hinsichtlich der längerfristigen Perspektiven gab sich Kottmann indessen zuversichtlich. Abgesehen von den Effizienzsteigerungen und der Neudimensionierung erstrebe sein Unternehmen nach wie vor „organisches und anorganisches Wachstum, um die Optimierung ihres Portfolios voranzutreiben. Clariants Transformation bietet einzigartige Chancen zu höherer Wertschöpfung im Jahr 2021 und darüber hinaus“.

 

 

 

 

November 20th

„Ganz großartige Entwicklung“

Die Pharmaindustrie sieht sich in Sachen SARS-CoV-2-Impfstoff gut unterwegs. Möglich macht das die bisher nicht gekannte Zusammenarbeit der Unternehmen untereinander und mit den Arzneimittelbehörden, hieß es bei einer Pressekonferenz der Pharmig. 

 

Nicht weniger als 212 potenzielle Impfstoffe gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 sind derzeit weltweit in Entwicklung. Seit März hat sich die Anzahl der Kandidaten somit mehr als vervierfacht – eine „ganz großartige Entwicklung“, betonte der Generalsekretär des Pharmaindustrieverbandes Pharmig, Alexander Herzog, bei einer Pressekonferenz am 20. November in Wien. Elf der Substanzen befinden sich ihm zufolge in der Phase III der klinischen Überprüfung, drei davon im sogenannten „Rolling Review“ der EU-Arzneimittelsicherheitsbehörde EMA, der eine raschere Zulassung als üblich ermöglicht. Konkret handelt es sich um die Produkte von AstraZeneca und der Universität Oxford, von Biontech und Pfizer sowie von Moderna. Die voraussichtliche Wirksamkeit liegt bei rund 95 Prozent. Unter den übrigen acht Impfstoffkandidaten in der Phase III ist unter anderem „Sputnik V“, jenes Mittel des russländischen Gamaleya-Instituts, das Ende des Sommers für Furore sorgte. Ob und gegebenfalls wie viele Impfstoffe bereits im Dezember zugelassen werden, ist laut Herzog schwer zu sagen. Für einige der Substanzen sei jedoch „die Ziellinie bereits zu sehen“. Unternehmen und Behörden arbeiteten rund um die Uhr, um die Zulassungen raschestmöglich zustande zu bringen.

 

Renée Gallo-Daniel, die Präsidentin des Österreichischen Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH), erläuterte, oberste Priorität bei der Entwicklung von Impfstoffen hätten deren Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität. Das habe die EMA stets betont, und dies gelte auch nun, da Vakzine gegen SARS-CoV-2 sehr rasch entwickelt würden. Im Zuge des „Rolling Review“ nehme die Behörde eine beschleunigte Begutachtung vor. Wissenschaftliche Daten würden bereits vor dem Antrag auf Zulassung eines Mittels analysiert. Ferner finde ein kontinuierlicher Informationsaustausch mit den jeweiligen Unternehmungen statt. Deshalb könne die Zulassung auch bei Einhaltung aller Sicherheitsvorgaben erheblich rascher erfolgen als im üblichen zentralisierten Verfahren, das etwa 210 Tage in Anspruch nehme.

Die Industrie selbst führe Entwicklungsschritte, so weit möglich, parallel durch: „Das funktioniert, weil sehr viel Erfahrung und Know-how vorhanden sind.“ Überdies würden Ressourcen in bisher nicht gekannter Weise gebündelt. Erbitterte Konkurrenten arbeiteten eng zusammen, und das bereits seit dem Beginn der Pandemie. Ferner seien die potenziellen Impfstofferzeuger in Vorleistung gegangen, hätten ihre Fabriken adaptiert und bereits mit der Produktion begonnen. „Deshalb können Impfstoffe nach ihrer Zulassung sehr rasch zur Verfügung gestellt werden“, erläuterte Gallo-Daniel.

 

Keine Gewinnmaximierung 

 

Ihr zufolge kauft die EU die Impfstoffe zentral im Auftrag der Mitgliedsstaaten ein und teilt sie diesen entsprechend der Zahl ihrer Einwohner zu. Auf Österreich entfällt ein Anteil von zwei Prozent an der vorvertraglich gesicherten Gesamtmenge von zurzeit rund 15 Milliarden Dosen. Laut Gallo-Daniel werden die Vakzine an die Patienten in Österreich gratis abgegeben und verabreicht. Zur Frage des Chemiereports, welche Kosten dadurch dem Steuerzahler entstehen, konstatierte Gallo-Daniel, die Preise der Mittel seien nicht bekannt. Dies ergebe auch Sinn, „weil es sich um unterschiedliche Mengen, Technologien und Produktionskosten handelt“.

Herzog verwies auf Angaben von AstraZeneca, nach denen der von diesem Unternehmen entwickelte Impfstoff mit rund 2,50 Euro pro Dose zu Buche schlägt: „Das ist weniger als ein Grippeimpfstoff.“ Überdies gehe es der Pharmaindustrie in diesem Fall nicht um die Maximierung ihrer Gewinne, sondern um das Wahrnehmen gesellschaftlicher Verantwortung. Die SARS-CoV-2-Vakzine würden die Sozialbudgets der Länder weniger stark belasten als herkömmliche Impfstoffe. „Und sie kosten jedenfalls weniger als die Corona-Hilfsprogramme für die Wirtschaft“, stellte Herzog klar. Da die EU von AstraZeneca insgesamt 400 Millionen Dosen unter Vertrag hat und Österreich davon zwei Prozent, also acht Millionen Dosen, erhält, ist für dieses Vakzin mit einem Aufwand von rund 20 Millionen Euro zu rechnen.

 

Stefan Kähler, der Vorsitzender des Standing Committees Klinische Forschung der Pharmig, ergänzte, zurzeit seien weltweit rund 56 Millionen Personen mit dem Virus infiziert, die Zahl der Todesopfer liege bei etwa 1,3 Millionen. Ähnliche „Wellen“ wie bei der COVID-19-Pandemie seien bei der Spanischen Grippe in den Jahren 1918/19 zu beobachten gewesen. Auszugehen sei daher auch von einer dritten COVID-19-Welle im Frühjahr 2021, wie schwer auch immer diese ausfalle. Kähler betonte, bei der Zulassung von Arzneimitteln gehe es stets um das Nutzen-Risiko-Verhältnis: „Der Nutzen muss weit über dem Risiko liegen.“ Die Gefährdung von gesunden Personen sowie Patienten komme keinesfalls in Frage. Und die Wirksamkeit, Qualität und Sicherheit eines Medikaments werde überprüft, „solange dieses auf dem Markt ist“.

 

 

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