Archive - 2022

July 6th

Gasversorgung: FCIO fordert Gesamtkonzept

Der Chemieindustrieverband hält die geplante Verordnung zur Vorbereitung des Einsatzes anderer Brennstoffe als Erdgas in Fabriken, Kraft- und Heizwerken für sinnvoll, aber nicht ausreichend.

 

Als „Schritt in die richtige Richtung“ bezeichnet der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) die geplante Verordnung zur Umstellung von Fabriken sowie Kraft- und Heizwerken vom Betrieb mit Erdgas auf jenen mit anderen Brennstoffen, insbesondere Erdöl. FCIO-Geschäftsführerin Sylvia Hofinger begrüßte insbesondere die Übernahme der damit verbundenen Kosten durch die öffentliche Hand. Noch geklärt werden müsse indessen die Frage des Umgangs mit allfälligen zusätzlichen Treibhausgas-Emissionen infolge der Umstellung. Hofinger forderte daher ein energiepolitisches „Gesamtkonzept“ und einen „umfassenden Plan für mehr Versorgungssicherheit“. Das „Gesamtkonzept“ müsse Möglichkeiten des Einsparens und der Substitution von Erdgas umfassen, insbesondere aber den „von der Industrie seit Monaten geforderten verstärkten Bezug von Erdgas aus alternativen Lieferquellen“, konstatierte Hofinger.

 

Ausdrücklich begrüßte die FCIO-Geschäftsführerin die Ankündigung der Bundesregierung, hinsichtlich der Gasversorgung transparenter zu kommunizieren: „Eine offene und transparente Kommunikation und eine stärkere Zusammenarbeit aller Akteure hilft, die Belastungen, die auf uns zukommen, zu verringern. Und sie schafft Vertrauen sowie mehr Akzeptanz für notwendige Maßnahmen. Denn klar ist, dass besser früher als später sämtliche Einsparpotentiale gehoben werden müssen – sowohl in der Wirtschaft als auch bei privaten Haushalten.“

 

Die derzeitige Krise stelle Österreich vor Herausforderungen, wie sie seit Jahrzehnten nicht mehr aufgetreten seien. „Jeder wird einen Beitrag leisten müssen, damit wir gemeinsam durch den nächsten Winter kommen“, resümierte Hofinger.

 

 

Medikamente: Österreicher setzen auf heimische Produktion

Rund 65 Prozent der Bevölkerung haben mehr Vertrauen in Produkte aus dem Inland als auf Importwaren, zeigt eine IFES-Umfrage im Auftrag von Sandoz Austria. Die Pharmabranche plädiert daher einmal mehr für bessere Konditionen bei den Arzneimittelpreisen.

 

Rund 65 Prozent der Österreicher vertrauen auf hierzulande hergestellte Arzneimittel mehr als auf ausländische Präparate. Das zeigt der Austrian Health Report 2022, eine Studie des IFES im Auftrag des Pharmakonzerns Sandoz. Vorgestellt wurde diese am 5. Juli von Wolfgang Andiel, „Head External Affairs und Market Access“ bei Sandoz Austria, der Geschäftsführerin des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO), der Gesundheitsökonomin Maria Hofmarcher-Holzhacker und IFES-Geschäftsführer Reinhard Raml. Befragt wurden im Zeitraum Mitte Mai bis Mitte Juli 2022 insgesamt 1.005 Personen. Laut Raml halten rund 61Prozent davon die „stärkere Unabhängigkeit Österreichs in der Medikamentenproduktion“ für „sehr wichtig“, weitere 25 Prozent erachten diese als „wichtig“. Als „wichtig“ bzw. „sehr wichtig“ bezeichnen rund 83 Prozent der Befragten ferner die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit und Umweltschutz bei der Arzneimittelerzeugung sowie die Produktion von Generika in Österreich. Für die „klimaneutrale Herstellung von Medikamenten“ können sich 73 Prozent der Bevölkerung erwärmen.

 

Andiel erläuterte, Sandoz sei mit rund 5.000 Beschäftigten eines der größten Pharmaunternehmen in Österreich: „Daher haben wir die Pflicht, zu einer sicheren Versorgung mit Arzneimitteln beizutragen.“ Der Austrian Health Report soll künftig jährlich erscheinen und nicht zuletzt zu einer „faktenorientierten“ Gesundheitspolitik beitragen. Eines der wichtigsten diesbezüglichen Themen für die Pharmaindustrie sind bekanntlich die Arzneimittelkosten. Laut Andiel bestehen in Österreich umfangreiche diesbezügliche Regulierungen. Notwendig seien indessen „strukturelle Maßnahmen“, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Etwa zwei Drittel der Wirkstoffe für Medikamente würden nicht mehr in der EU erzeugt. Es sei dringend erforderlich, die heimische Produktion „preisseitig zu unterstützen“. Bei patentfreien Präparaten seien Preissteigerungen nicht möglich, wobei etliche Waren zu Preisen unterhalb der Rezeptgebühren abgegeben würden. Andiel forderte daher eine Anpassung der Preise an den Verbraucherpreisindex (VPI): „Wenn eine Monatstherapie gegen Diabetes weniger als zwei Euro Gewinn bringt, geht sich das wirtschaftlich einfach nicht aus.“ Bei der Anpassung an den VPI handle es sich „nicht um signifikante Beträge“. Dennoch seien diese zur Absicherung der Produktion hilfreich.

Zu den Diskussionen über die Zukunft des Standorts Kundl seines Unternehmens berichtete Andiel dem Chemiereport, dieser sei für die nächsten zehn Jahre jedenfalls abgesichert. Dazu habe sich die Sandoz bzw. deren Konzernmutter, der Schweizer Pharmakonzern Novartis, verpflichtet. Organisatorisch gebe es unterschiedliche Möglichkeiten, diese Verpflichtung zu erfüllen. Möglich sei unter anderem, die in Kundl erzeugten Waren zehn Jahre lang aufzukaufen.

 

FCIO-Geschäftsführerin Hofinger verwies auf die volkswirtschaftliche Bedeutung der Pharmaindustrie. Diese beschäftige etwa 18.000 Personen und repräsentiere rund 2,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Und gerade im Zuge der COVID-19-Pandemie habe sich einmal mehr die Bedeutung der Branche gezeigt. Gerade in dieser Zeit offenbarten sich indessen auch manche organisatorischen Schwächen der Gesundheitspolitik der EU, ergänzte Hofinger: „Die EU-Kommission wollte vor zwei Jahren eine Liste der wichtigsten Wirkstoffe für Arzneimittel erstellen. Bis heute gibt es diese Liste nicht. Die USA hatten ihre Liste im August 2020 beisammen.“ Dringend erforderlich sei, den heimischen Pharmastandort zu stärken und abzusichern, etwa durch Maßnahmen im Steuersystem und durch Investitionsanreize. Die Erstattung der Arzneimittelkosten in ihrer derzeitigen Form dagegen bringe eine „Preisspirale nach unten“ mit sich, warnte Hofinger: „Die Unternehmen können kaum noch wettbewerbsfähig produzieren.“ Es habe wenig Sinn, Wirtschaftsförderungen zu vergeben und gleichzeitig die Arzneimittelpreise immer weiter zu verringern: „Hier müssten sich die Wirtschafts- und die Gesundheitspolitik besser abstimmen.“ Als weiteres großes Problem nannte Hofinger den bekannten Fachkräftemangel. Dieser hänge möglicherweise auch mit der in Österreich weit verbreiteten „Technikfeindlichkeit“ zusammen. Ihr gelte es „bereits im Kindergarten“ entgegenzuwirken.

 

Hofmarcher-Holzhacker plädierte für die Schaffung einer angemessenen „Dateninfrastruktur“ im Gesundheitswesen. In vielen Bereichen des E-Governments sei Österreich international beispielgebend. Im Gesundheitsbereich etwa gelte dies nicht zuletzt für die ELGA. Dennoch müsse die Digitalisierung weiter vorangetrieben werden, insbesondere auch in den Arztpraxen. Eine verpflichtende Teilnahme an der ELGA sei indessen nicht anzustreben, konstatierte Hofmarcher-Holzhacker auf Anfrage des Chemiereports.

 

 

June 23rd

Wittgensteinpreis für Christa Schleper

Die Wiener Mikrobiologin und Archaeen-Spezialistin erhielt den mit 1,5 Millionen Euro höchstdotierten österreichischen Wissenschaftspreis. Ferner vergab der FWF sechs START-Preise über je 1,2 Millionen Euro.

 

Die Wiener Mikrobiologin Christa Schleper ist Trägerin des Wittgenstein-Preises 2022, meldete der Wissenschaftsfonds FWF. Mit 1,5 Millionen Euro ist dieser der höchstdotierte österreichische Wissenschaftspreis. Schleper leitet an der Universität Wien das Institut für funktionelle und evolutionäre Biologie. Sie ist Spezialistin für Archaeen, die gemeinsam mit den Bakterien zu den ältesten Lebensformen auf der Erde gehören. Weiters befasst sie sich laut dem FWF mit Virus-Wirt-Interaktionen und der „Erforschung nicht kultivierbarer Mikroorganismen mithilfe der Metagenomik“. Mit den Mitteln des Wittgensteinpreises möchte Schleper außer der evolutionären Bedeutung der Archaeen nach Angaben des FWF „auch deren Rolle im Ökosystem untersuchen. Ihre Erkenntnisse helfen, die Rolle der Mikroorganismen im Boden besser verstehen und künftig beispielsweise für eine nachhaltigere Landwirtschaft nutzen zu können“. Schleper studierte Biologie an den Universitäten Aachen und Konstanz Biologie. Sie promovierte am Max-Planck-Institut in München in Biochemie und war in Deutschland, Norwegen sowie den USA wissenschaftlich tätig. Der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gehört sie ebenso an wie der Amerikanischen Akademie für Mikrobiologie.

 

Schleper konstatierte, sie freue sich „riesig über die Auszeichnung durch die internationale Jury des Wissenschaftsfonds FWF. Der Wittgenstein-Preis gibt mir und meinem ganzen Team viel Freiraum, uns noch an einige der unbeantworteten Fragen der Biologie zu wagen“. Ein Anliegen sei ihr, sich „nicht nur an die Fersen der Evolution zu heften, sondern auch einen Beitrag für die Biodiversität und den Klimaschutz von morgen zu leisten“.

 

FWF-Präsident Christof Gattringer zufolge handelt es sich bei der Preiverleihung an Schleper um „die Bestätigung eines herausragenden wissenschaftlichen Lebenswerks, das im Falle von Christa Schleper noch viele weitere Entdeckungen in ihrem Forschungsfeld erwarten lässt. Christa Schleper arbeitet daran, bisher unerforschten Bereichen in der Biologie auf den Grund zu gehen. Ihre Erkenntnisse helfen, die Rolle der Mikroorganismen im Boden und ihren Einfluss auf das Klima besser zu verstehen“.
 

Sechs mal START

 

Ferner vergab der FWF sechs START-Exzellenzförderungen von jeweils Je 1,2 Millionen Euro „für aufstrebende Spitzenforscher“. Sie gingen an Elfriede Dall vom Fachbereich für Biowissenschaften und Medizinische Biologie der Universität Salzburg, Sandra Müller vom Institut für Diskrete Mathematik und Geometrie der Technischen Universität (TU) Wien, Petra Sumasgutner von der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle der Universität Wien, William Barton vom Institut für Neulateinische Studien der Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft Innsbruck, Marcus Ossiander vom Institut für Experimentalphysik der TU Graz sowie Stefan Pflügl vom Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und Technische Biowissenschaften der TU Wien.

 

 

June 22nd

Lackindustrie: „Realistischer Optimismus“ angesagt

Im „Rekordjahr“ 2021 war die Branche mit etlichen Herausforderungen konfrontiert, wie steigenden Rohstoffpreisen und Lieferkettenproblemen. Für heuer sind die Aussichten aber nicht dramatisch, hieß es bei der Jahrespressekonferenz.

 

 

Glänzend sind die wirtschaftlichen Aussichten der österreichischen Lack- und Anstrichmittelindustrie für die nächste Zeit nicht, aber für Panik besteht ebenfalls kein Grund. Das betonten Branchenobmann Hubert Culik und der Geschäftsführer der Fachgruppe Lackindustrie im Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO), Klaus Schaubmayr, bei ihrer Jahrespressekonferenz. Culik zufolge war 2021 zwar ein „Rekordjahr“ mit einem um 16,3 Prozent auf rund 551 Millionen Euro gewachsenen Produktionswert und gegenüber 2020 um 7,4 Prozent gestiegenen Exporten. Zu schaffen machten den Unternehmen indessen die deutlich erhöhten Preise für ihre Rohstoffe sowie deren teils eingeschränkte Verfügbarkeit. Für zusätzliche Probleme sorgten die höheren Kosten für Stahl und Kunststoffe, die den Aufwand der Branche für Verpackungen in die Höhe trieben. Eine schon „traditionelle“ Herausforderung ist der Fachkräftemangel, mit dem laut Culik etwa 88 Prozent der Unternehmen konfrontiert sind.

 

Und Culik fügte hinzu: Noch sei der Auftragsstand zufriedenstellend, die Kunden der Lackindustrie investierten weiterhin. Auch der Preisanstieg bei den Rohstoffen habe sich abgeflacht, wenngleich keine Rückgänge in Sicht seien. Aber nach dem Sommer müsse mit einem „Knick“ bei den Aufträgen gerechnet werden, nicht zuletzt wegen des Kriegs in der Ukraine, der sich in den Lieferketten bemerkbar mache. Dort seien seit der russischen Invasion vom 24. Feber „Zulieferer ausgefallen oder nur beschränkt lieferfähig.“ Auch ein Lockdown in Shanghai infolge der COVID-19-Pandemie verschärfe die Problematik. Hinzu kämen monatelange pandemiebedingte Produktionsausfälle in China. Ferner könne niemand sagen, wie sich die Lage in der Ukraine entwickeln wird. Nicht zuletzt deshalb seien Prognosen hinsichtlích des Produktionswerts im heurigen Jahr schwierig.

 

Auf Anfrage des Chemiereports erläuterte Culik, er glaube nicht, „dass der derzeitige gute Wind in den Segeln anhält“. Angesagt ist ihm zufolge deshalb ein „realistischer Optimismus“. Den Produktionswert von 2021 zu erreichen, liege durchaus im Bereich des Möglichen.

 

Längerfristige Herausforderungen

 

Als längerfristige Herausforderung erachtet die Lackindustrie den „Green Deal“ der EU-Kommission, ergänzte Schaubmayr: „Jetzt zeigt sich, was das wirklich heißt.“ Mit den Zielen könne sich die Branche durchaus identifizieren. Und der Deal biete auch große Chancen, „denn ohne uns gibt es keinen Klimaschutz“. Dem steht laut Schaubmayr indessen ein „großes Aber“ gegenüber. Insbesondere die neue Chemikalienstrategie bringe die Lackindustrie kräftig unter Druck. Der Grund: Die EU-Kommission richte das Chemikalienrecht auf die prinzipielle Gefährlichkeit von Stoffen aus, nicht jedoch auf das tatsächliche Risiko bei deren Anwendung. Das aber führe zu erheblichen Kosten für die Unternehmen, weil viele Substanzen möglicherweise strenger eingestuft würden als bisher: „Etwa 15 Prozent der Chemikalien, die wir derzeit verwenden, könnten künftig unzulässig sein.“ Culik zufolge besteht das Problem weniger in den Vorgaben als solchen als in der mangelnden Planungssicherheit. Es habe keinen Sinn, wenn die Branche ein Lösungsmittel austausche und der Ersatzstoff nach wenigen Jahren neuerlich verboten werde: „Das ist nicht mehr beherrschbar.“ Dies gelte insbesondere für kleine und mittelgroße Unternehmen.

 

Ein weiteres Thema ist laut Schaubmayr das geplante EU-Lieferkettengesetz. Selbstverständlich bekenne sich die Lackindustrie zur Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards: „Aber was die EU-Kommission vorschlägt, ist wirklichkeitsfremd und nicht umsetzbar.“ Die Problematik bestehe vor allem in der Verwendung unklarer Begriffe sowie in seitenlangen Hinweisen auf internationale Abkommen bei gleichzeitigem Mangel an der Festschreibung konkreter Pflichten für die Unternehmen. Überdies werde einzelnen Betroffenen sowie NGOs die Möglichkeit eingeräumt, behauptete Verstöße gegen Vorgaben zivilrechtlich zu bekämpfen. „Das heißt, irgendjemand könnte ein österreichisches KMU klagen, das den angeblichen Missstand gar nicht beeinflussen kann. Da droht eine Klagslawine“, warnte Schaubmayr.

 

 

June 8th

Apeptico: Wirkmechanismus von therapeutischem Peptid aufgeklärt

Forscher aus dem Netzwerk des Wiener Unternehmen Apeptico haben die Struktur und den molekularen Wirkmechanismus von Solnatide aufgeklärt. Das therapeutische Peptid wird gegen Erkrankungen entwickelt, bei denen Lungenödeme auftreten.

Entdeckt und in seiner Wirkung gegen die Ansammlung von Flüssigkeit bei Lungenödemen charakterisiert wurde Solnatide von Rudolf Lucas, Forscher vom Medical College of Georgia an der Augusta University (USA). Eine solche Flüssigkeitsakkumulation ist physiologisch mit Fehlfunktionen des epithelialen Natrium-Kanals (ENaC) verknüpft, die auch durch bakterielle oder virale Erreger wie SARS-CoV-2 ausgelöst werden können. Der Wirkstoff wurde vom Wiener Life-Sciences-Unternehmen Apeptico erworben und seit vielen Jahren für den klinischen Einsatz weiterentwickelt. Derzeit wird das Präparat in klinischen Studien gegen akutes Lungenversagen (ARDS) und Covid-19 getestet.

Nun haben Wissenschaftler unter Federführung von Maria Macias vom IRB Barcelona gemeinsam mit dem Forschungsteam von Apeptico die dreidimensionale Struktur von Solnatide aufgeklärt und die Ladungsverteilung an der Oberfläche des Peptids analysiert. Darauf aufbauend konnte ein Modell erstellt werden, das beschreibt, wie die Verbindung via elektrostatische Komplementarität mit der cytoplasmatischen C-terminalen Domäne der ENaC-α-Untereinheit in Wechselwirkung treten könnte.

Die Ergebnisse wurden im Computational and Structural Biotechnology Journal veröffentlicht.

June 7th

BASF schreibt Innovationswettbewerb zu „grünen Themen“ aus

Nach der Premiere im vergangenen Jahr schreibt BASF 2022 zum zweiten Mal den Wettbewerb „BASF Innovation Hub 2022“ aus. Der Wettbewerb richtet sich an Startups und innovative junge Menschen, die sich mit nachhaltigen Ideen beschäftigen.

Die Idee des BASF Innovation Hub ist, Innovatoren zu unterstützen, die sich den gegenwärtigen ökologischen und klimatischen Herausforderungen stellen und frische Ideen zu deren Lösung einbringen. In diesem Jahr stehen die Themen „Clean Energy“, „Smart Transportation“ und „Farm to Fork“ im Zentrum. Sieger des österreichischen Wettbewerbs können 2.500 Euro gewinnen, für die beste internationale Idee winken 5.000 Euro

Teilnahmeberechtigt sind sowohl Individuen als auch Startup-Unternehmen (ob schon gegründet oder in der Konzeptphase) aus Österreich, Bosnien and Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Tschechien, Griechenland, Ungarn, Rumänien, Serbien, der Slowakei and Slowenien.

Näher Informationen unter: https://join-innovationhub.com/

 

 

OMV: Krach um Rainer Seele

Die Hauptversammlung verweigerte dem ehemaligen Generaldirektor die Entlastung für seine Tätigkeit im Geschäftsjahr 2021. Einige der Vorwürfe gegen ihn dürften indessen wenig substanziell sein.

 

Bereits im Vorfeld der heurigen OMV-Hauptversammlung hatten sich Unannehmlichkeiten für den Konzern im Allgemeinen und den vormaligen Generaldirektor Rainer Seele im Besonderen abgezeichnet. Seit Monaten trommelten unter anderem die Grünen, die jahrzehntelang bestens bewährte Partnerschaft mit dem russischen Gaskonzern Gazprom und dessen Vorgängerinstitution, dem sowjetischen Erdölministerium, sei ein schwerer Fehler gewesen und habe die Republik in eine angebliche „Abhängigkeit“ Österreichs vom „Russengas“ geführt. Ähnlich tönten sie wenige Tage vor der HV, als sie von einer „wirtschaftspolitische Katastrophe“ sprachen, die nicht zuletzt „der als besonders russlandaffin geltende frühere OMV-Chef, Rainer Seele“, zu verantworten habe. Ähnliche Äußerungen waren von anderen politischen Parteien zu vernehmen, darunter den Neos und der SPÖ. Der Interessenverband für Anleger (IVA) schließlich avisierte, bei der HV gegen die Entlastung Seeles zu stimmen.

 

Das Ergebnis der HV ist bekannt: Mit einer Mehrheit von 70 Prozent verweigerten die Aktionäre Seele die Entlastung „für die Dauer seiner Funktionsperiode im Geschäftsjahr 2021“. Schon seit Mai läuft laut Aufsichtsratschef Mark Garrett „eine erweiterte Prüfung, die sich mit der Einhaltung von Governanceregelungen durch den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden befasst. Im Fokus des Audits stehen bestimmte Geschäftsführungsmaßnahmen in der Funktionsperiode von Herrn Seele, darunter insbesondere der Sponsoringvertrag mit Zenit St. Petersburg (einem Fußballklub, dem ein Naheverhältnis zum russischen Präsidenten Wladimir Putin unterstellt wird, Anm.) und die Gaslieferverträge mit Gazprom Export“. Garrett ergänzte: „Der Vorstand und der Aufsichtsrat möchten allerdings ausdrücklich betonen, dass diese Entscheidung auf Basis des derzeitigen Informationsstands getroffen wurde, das Ergebnis laufender Untersuchungen selbstverständlich nicht vorwegnimmt und daher auch eine nochmalige Befassung der Hauptversammlung zu diesem Thema naturgemäß möglich bleibt.“

 

Mutmaßlich haltlos 

 

Schon im Zuge der HV stellte sich jedoch heraus, dass einige, darunter schwerwiegende, Vorwürfe gegen Seele mutmaßlich haltlos sind. Der stellvertretende Generaldirektor der OMV, Johann Pleininger, machte klar, dass die 2018 vorzeitig verlängerten Gaslieferverträge entgegen anderer Behauptungen sämtliche branchenüblichen Klauseln enthalten. Darunter ist eine Bestimmung, die das Unternehmen für den Fall von höherer Gewalt (Force Majeure) von der Pflicht befreit, Gas abzunehmen und zu bezahlen. Und: „Grundsätzlich kann ein Gasembargo in Form eines gesetzlichen Verbots Force Majeure auslösen.“ In diesem Fall wäre auch die vielkritisierte, aber ebenfalls branchenübliche, Pflicht, vereinbarungsgemäß geliefertes Gas auch bei Nichtabnahme zu bezahlen (Take or pay) hinfällig. Zur vorzeitigen Vertragsverlängerung verwies Pleininger auf die seinerzeitige Aussendung der OMV, in der es heißt: „Die OMV ist überzeugt, dass Europas Gasbedarf vor allem durch den sukzessiven Ersatz der Kohleverstromung durch hocheffiziente Gaskraftwerke steigen wird. Zugleich wird die europäische Eigenproduktion abnehmen, wie man zuletzt auch in den Niederlanden gesehen hat. Laut Internationaler Energieagentur (IEA) wird die Nachfrage nach Erdgas in Europa bis 2030 um mehr als 20 Prozent zunehmen.“ Darauf habe die OMV, wie viele andere Gasversorger, mit vorzeitigen Vertragsverlängerungen reagiert. Unsinn ist laut Garrett übrigens die Behauptung, Seele habe Privatjet-Flüge missbräuchlich getätigt. Ihm zufolge hatten die Flüge berufliche Gründe und waren somit gerechtfertigt.

 

Wie es nun weitergeht, ist offen. Nach Einschätzung von Juristen macht die verweigerte Entlastung es leichter, von Seele Schadenersatz zu fordern. Ob die OMV zu einer entsprechenden Entscheidung kommt, dürfte nicht zuletzt vom Ergebnis der „erweiterten Prüfung“ abhängen.

Borealis: Verkauf mit „Oligarchie“-Hintergrund

Die Düngersparte geht an einen Mischkonzern, den seinerzeit der umstrittene tschechische Geschäftsmann und Politiker Andrej Babiš gründete.

 

Um 810 Millionen Euro will der tschechische Mischkonzern Agrofert das Stickstoffgeschäft der OMV-Tochter Borealis übernehmen. Geplant ist, die Transaktion im zweiten Halbjahr 2022 abzuschließen, teilten die Borealis und die Agrofert in einer Aussendung mit. Wie berichtet, war im März der geplante Kauf der Sparte durch den Chemieriesen Eurochem geplatzt. Der Hintergrund war, dass dieser mehrheitlich dem russischen „Bisnismen“ Andrej Melnicenko gehört bzw. gehörte. Diesen setzte die EU im Zusammenhang mit der Invasion russischer Truppen in der Ukraine vom 24. Feber am 9. März auf ihre Sanktionsliste. Borealis-Vorstandschef Thomas Gangl verlautete damals, sein Unternehmen habe „die jüngsten Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine und den verhängten Sanktionen eingehend geprüft. Infolgedessen haben wir beschlossen, das Angebot von Eurochem für den Erwerb des Stickstoffgeschäfts von Borealis, welches Pflanzennährstoffe, Melamin und technische Stickstoffprodukte umfasst, abzulehnen“.

 

Ganz ohne „Oligarchie“-Hintergrund geht es allerdings auch diesmal nicht ab: Die Agrofert wurde 1993 von dem tschechischen Unternehmer Andrej Babiš gegründet, der von Dezember 2017 bis Dezember 2021 Ministerpräsident seines Landes war und im Zusammenhang mit Steuerbetrugsvorwürfen gehen musste. Gegen die Agrofert laufen Ermittlungen der EU-Kommission wegen des Verdachts, sie habe sich Agrarsubventionen in der Höhe von rund zwei Millionen Euro erschlichen. Auf ihrer Website betont die Agrofert, die Vorwürfe seien haltlos. Mit Babiš habe sie seit längerer Zeit nichts mehr zu tun. Gegen Babiš selbst wird ebenfalls ermittelt. Auch er bestreitet sämtliche Vorwürfe.

 

Auf diese Angelegenheiten gingen die Borealis und die Agrofert in ihrer Aussendung zur geplanten Transaktion nicht ein. Bekannt gegeben wurde lediglich, der tschechische Konzern habe 2021 rund 7,5 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Er umfasse „mehr als 200 Unternehmen und beschäftigt rund 31.000 Mitarbeiter“. Düngerfabriken besitze er in Deutschland, der Tschechischen Republik und der Slowakei.

 

 

 

 

May 24th

VCI: Gutes Quartal, düstere Aussichten

Im ersten Quartal 2022 waren die Produktion und der Umsatz der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie deutlich höher als vor einem Jahr. Für Optimismus sieht der Branchenverband VCI aber keinen Grund.

 

So richtig zufrieden ist Christian Kullmann, der Präsident des deutschen Chemie- und Pharmaindustrieverbands VCI, nicht. „Vom erhofften Aufschwung nach dem Coronawinter ist nichts mehr übriggeblieben. Die Perspektiven unserer Branche sind wegen steigender Energie- und Rohstoffkosten zunehmend düster. Außerdem drosseln industrielle Kunden wegen gestörter Lieferketten ihre Produktion und bestellen weniger Chemikalien. Ein Gasembargo oder ein Stopp der Gaslieferungen aus Russland hätte zusätzliche verheerende Auswirkungen“, beschrieb Kullmann bei der Präsentation des VCI-Quartalsberichts die Situation der Branche.

 

Dabei sehen die Zahlen auf den ersten Blick alles andere als schlecht aus. Dem Bericht zufolge wuchs die Produktion der Branche im ersten Quartal 2022 gegenüber dem vierten Quartal 2021 um 1,3 Prozent. Im Vergleich zum ersten Quartal 2021 war ein Zuwachs um 2,8 Prozent zu verzeichnen. Die Preise für Chemikalien wiederum waren um 1,1 Prozent höher als im Vorquartal und sogar um 21,6 Prozent höher als vor einem Jahr. Diese Entwicklungen machten sich auch im Umsatz bemerkbar: Mit 66,3 Milliarden Euro war dieser um 7,8 Prozent höher als im vierten Quartal 2021 und um 28,4 Prozent höher als im ersten Quartal 2021. Im Inland verzeichnete die Branche im Vergleich zum vorigen Quartal ein Umsatzplus von 9,8 Prozent, im Jahresvergleich sogar einen Anstieg um 36,2 Prozent.

 

Auch das Auslandsgeschäft lief keineswegs schlecht: Verglichen mit dem vierten Quartal 2021 wurden um 6,6 Prozent mehr Umsatz erzielt, verglichen mit dem ersten Quartal 2021 um 23,7 Prozent mehr. Regional betrachtet, wuchsen sämtliche Märkte, vom dominierenden Europa über Nord- und Lateinamerika bis Asien. Einen Dämpfer hatte die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie nur in Osteuropa zu verkraften, was zumindest teilweise der russländischen Invasion in der Ukraine geschuldet war. „Der Handel mit Russland ist im März um die Hälfte eingebrochen“, heißt es im Quartalsbericht.

 

Immerhin stabil war der Beschäftigungsstand, der bei rund 473.200 Personen lag. Weniger erfreulich war die Kapazitätsauslastung der Fabriken: Mit 80,9 Prozent lag sie unter dem langjährigen Durchschnitt. Niedriger war sie zuletzt im ersten Quartal des „Coronajahres“ 2020, wo sie bei rund 77 Prozent gelegen war.

 

Warnend heißt es im Quartalsbericht, es falle der Chemie- und Pharmaindustrie „zunehmend schwerer“, die Kostensteigerungen bei Rohstoffen und Energie „in der Wertschöpfungskette weiterzugeben. Eine Entspannung auf den Energie- und Rohstoffmärkten ist nicht in Sicht. Zwar gingen die Preise für Öl, Gas und Strom nach den Höchstständen im März wieder etwas zurück. Insgesamt dürfte das Niveau und auch die Volatilität – als Ausdruck der großen Unsicherheiten – hoch bleiben“. Zusätzlich belastend wirkt sich die Entwicklung der COVID-19-Pandemie in China aus. Die „Null-COVID-Strategie“ der Pekinger Führung sei dem Wirtschaftswachstum alles andere als förderlich. Und so sind die deutschen Chemie- und Pharmabosse nicht allzu optimistisch. Laut dem VCI-Quartalsbericht hat sich „die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage in den letzten Monaten eingetrübt. Der Stimmungsumschwung zeigt sich vor allem bei den Geschäftserwartungen. Seit Beginn des Krieges in der Ukraine herrscht in vielen Unternehmen Rezessionsstimmung. Noch ist die Auftragslage zufriedenstellend. Für die kommenden Monate rechnet aber der überwiegende Teil der Branche mit einem Rückschlag im Chemiegeschäft“.

 

Angesichts dessen „verzichtet der VCI weiterhin auf eine quantitative Vorhersage für die Entwicklung der Branche im Gesamtjahr 2022“. Klar sei nur, dass „das Produktionsniveau des Vorjahres kaum zu erreichen sein“ dürfte.

 

 

May 16th

Agrana: Ukraine-Krieg sorgt für Jahresverlust

Operativ verlief das Geschäftsjahr 2021/22 des Frucht-, Stärke- und Zuckerkonzerns zufriedenstellend. Aufgrund von Wertberichtigungen ergaben sich Einbrüche beim EBIT und beim Konzernergebnis. Für die Zukunft ist der Vorstand optimistisch.

 

„In normalen Zeiten wäre 2021/22 ein gutes Jahr gewesen. Aber die Zeiten sind nicht normal“, konstatierte Agrana-Generaldirektor Markus Mühleisen anlässlich der Bilanzpressekonferenz des Frucht-, Stärke- und Zuckerkonzerns. Zwar verzeichnete die Agrana ein Umsatzplus von 13,9 Prozent auf 2,90 Milliarden Euro, das EBITDA erhöhte sich um 8,1 Prozent auf 206,7 Millionen Euro. Doch das Ergebnis der Betriebstätigkeit (EBIT) brach um 68,6 Prozent auf 24,7 Millionen Euro ein. Und hatte der Konzern 2020/21 einen Gewinn von rund 55,0 Millionen Euro erwirtschaftet, so musste er 2021/22 einen Verlust von 12,2 Millionen Euro verkraften. Schuld waren Wertberichtigungen vo rund -69,8 Millionen Euro, die die Agrana aufgrund des Kriegs in der Ukraine vorzunehmen hatte. Laut Mühleisen war der Konzern „bis zum Kriegsausbruch voll auf Kurs und hätte ohne negatives Ergebnis aus Kriegssondereinflüssen einen deutlichen EBIT-Anstieg erreicht“. Operativ sei 2021/22 „sehr zufriedenstellend“ verlaufen, nicht zuletzt dank „sehr guter“ Apfel- und Zuckerrübenernten, die sich auf die Segmente Frucht und Zucker positiv auswirkten, sowie „historisch hoher“ Ethanolnotierungen, die sich im Segment Stärke erfreulich bemerktbar machten.

 

In der Ukraine stellte die Agrana ihre Tätigkeit nach der Invasion der Russländischen Föderation (RF) am 24. Feber ein. Inzwischen produzieren die beiden Werke für Fruchtzubereitungen und Fruchtsaftkonzentrate wieder mit etwa einem Drittel ihrer Leistung, wobei die Sicherheit der Belegschaften selbstverständlich Priorität hat. Die rund 800 Beschäftigten im Lande werden regulär entlohnt. In der RF ist das Werk in Serpuchow etwa 100 Kilometer südlich von Moskau mit seinen 300 Mitarbeitern faktisch „auf sich allein gestellt“, erläuterte Finanzvorstand Stephan Büttner. Die Produktion von Fruchtzubereitungen für Joghurts wird bis auf Weiteres aufrecht erhalten. Mühleisen ergänzte, ein Rückzug aus der RF sei vorläufig nicht geplant. Allerdings beobachte die Agrana die Lage sehr genau und bewerte diese kontinuierlich neu. Zurzeit sei es indessen „richtig, dass wir dort sind“. Der operative Betrieb werde schwieriger, unter anderem, was die Versorgung des Werks mit Ersatzteilen betreffe. Auch die politische Lage könne sich jederzeit ändern. Jedenfalls aber bekenne sich die Agrana zu den Sanktionen der Westmächte gegen die RF und sei „entsetzt über die Kriegshandlungen“.

 

Auswirkungen zeitigt der Krieg auch auf die Energieversorgung der Agrana-Standorte in Österreich, berichtete Technikvorstand Norbert Harringer. In Hinblick auf ein mögliches Erdgas-Embargo der EU gegen die RF laufen die Vorbereitungen, die Fabriken auf den Betrieb mit Heizöl extra leicht (HEL) umzurüsten. Ab Oktober soll dieser möglich sein. Ob der Umstieg tatsächlich erfolgt, hängt von den weiteren Entwicklungen ab.

 

„Starkes Fundament“

 

Für das angelaufene Geschäftsjahr 2022/23 gab sich Mühleisen grundsätzlich optimistisch. Die Agrana „hat ein starkes Fundament und ist gut aufgestellt“. Zu rechnen sei mit einem „sehr deutlichen“ Anstieg des EBIT und einem „deutlichen“ Wachstum des Konzernergebnisses. Allerdings liegt dieser Erwartung dem Konzern zufolge „die Annahme zugrunde, dass der Krieg in der Ukraine temporär und regional begrenzt bleibt, die physische Versorgung mit Energie und Rohstoffen gewährleistet ist und sich im neuen Geschäftsjahr die Absatz- und Beschaffungsmärkte wieder teilweise normalisieren können“. Ferner werde davon ausgegangen, „die insbesondere im Rohstoff- und Energiebereich deutlich gestiegenen Preise in angepassten Kundenkontrakten weitergeben zu können“.

 

 

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