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October 29th, 2026
Borouge International: Gewinneinbruch im dritten Quartal
29.10.26
von
Klaus Fischer
Der Überschuss des Polyolefinkonzerns fiel mit 130 Millionen US-Dollar um 83 Prozent niedriger aus als im zweiten Quartal 2026. Vorstandschef Roger Kearns gibt sich zuversichtlich für den weiteren Geschäftsverlauf.
Überragend lief das Geschäft des Polyolefinkonzerns Borouge International im dritten Quartal 2026 eher nicht. Verglichen mit dem zweiten Quartal sank der Umsatz um 11 Prozent auf 4,87 Milliarden US-Dollar. Das bereinigte EBITDA fiel um 51 Prozent auf 899 Millionen US-Dollar, die EBITDA-Marge halbierte sich annähernd von 33,0 Prozent im zweiten Quartal auf 18,4 Prozent im dritten Quartal. Der Gewinn („Jahresüberschuss“) schließlich brach um 83 Prozent auf 130 Millionen US-Dollar ein. Nach Angaben des Unternehmens erfolgte dies, obwohl dessen Absatzmengen um 11 Prozent auf rund 2,6 Millionen Tonnen stiegen.
Laut der Borouge International war das schlechtere Quartalsergebnis vor allem durch gesunkene Polyolefin-Referenzpreise bedingt, die das bereinigte EBITDA drückten. „Besonders ausgeprägt war dieser Effekt in Europa, wo die Kosten für naphthabasierte Rohstoffe auf einem erhöhten Niveau blieben, während konfliktbedingte Einschränkungen bei der Ethanversorgung die Ergebnisentwicklung in den Vereinigten Arabischen Emiraten belasteten“, hieß es in einer Aussendung.
Vorstandschef Roger Kearns gab sich indessen zuversichtlich. Bereits September hätten sich die Preise für die Produkte der Borouge International „spürbar“ erhöht. Diese Entwicklung habe sich „zu Beginn des vierten Quartals“ fortgesetzt. Im Oktober seien die Raffinerien in den Vereinigten Arabischen Emiraten zu über 90 Prozent ausgelastet gewesen. Der Konzern erwartet laut Kearns, dass dieses Niveau im weiteren Verlauf des vierten Quartals 2026 gehalten oder sogar gesteigert werden kann. Überdies habe die Inbetriebnahme der neuen Polyethylen-7-Anlage im Komplex Borouge 4 begonnen.
„Mit starkem Momentum starten wir in das vierte Quartal. Unsere führenden Positionen in den jeweiligen Regionen, unsere globale Präsenz und unser differenziertes Produktportfolio werden die volle Ertragskraft unserer Plattform zunehmend sichtbar machen“, resümierte Kearns.
October 28th
Evonik-Übernahme: BASF-Chef Kamieth legt nach
28.10.26
von
Klaus Fischer
Der Vorstandsvorsitzenden des Essener Konzerns schließt betriebsbedingte Kündigungen bis 2032 aus. Er hält es für nötig, dass die deutsche Chemieindustrie die ohnehin laufende Konsolidierung der Branche selbst gestaltet.
Hinsichtlich einer möglichen Übernahme des Spezialchemiekonzerns Evonik durch seinen Konzern meldete sich nun BASF-Vorstandschef Markus Kamieth zu Wort. Er betonte, dass die BASF im Falle einer Akquisition „die bestehenden Standortvereinbarungen übernehmen“ würde. Dies bedeute, es werde bis 2032 keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Ferner wolle die BASF die Chemieparks in Marl und Wesseling weiter betreiben. Die Evonik hatte angekündigt, den Parkbetreiber Syneqt verkaufen zu wollen.
Kamieth ergänzte, die BASF und die Evonik seien „beide stark in der Spezialchemie. Bei innovativen, kundennahen Lösungen mit globalem Marktzugang. Die Stärken von BASF liegen aber auch im Verbund. In langen Wertschöpfungsketten mit Zugang zu wichtigen Bausteinen in allen Regionen der Welt. Die Produkte und Stärken beider Unternehmen ergänzen sich hervorragend“.
Auch werde sich die Chemieindustrie „so oder so“ weiter konsolidieren. Es gelte, diesen Prozess selbst zu gestalten, statt eine Übernahme europäischer Unternehmen durch Investoren aus Drittstaaten abzuwarten: „Ein Zusammenschluss von BASF und Evonik wäre eine starke deutsche Antwort auf den globalen Wettbewerb.“
Kamieth warnte indessen, die BASF werde die Evonik „nicht um jeden Preis“ kaufen: „Aber wir gehen das an mit der Überzeugung: Gemeinsam können wir etwas aufbauen, das stärker ist als beide Teile für sich. Jetzt zählt’s. Alleine kleiner oder gemeinsam größer denken. Eine starke Chemie in Deutschland ist die richtige Antwort auf den globalen Wettbewerb. Packen wir es gemeinsam an. Es wird sich lohnen.“
Keine Reaktion
Die Evonik reagierte auf Kamieths Ausführungen nicht. Anlässlich des Bekanntwerdens der Pläne Ende September hatte sie festgehalten, eine „unverbindliche Ansprache durch die BASF SE“ erhalten zu haben: „Diese ist auf ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien der Gesellschaft gerichtet. Gespräche finden derzeit nicht statt. Evonik beabsichtigt nicht, diesen Vorgang über die rechtlichen Erfordernisse hinaus weiter zu kommentieren oder Anfragen dazu zu beantworten.“ Ihr größter Eigentümer, die RAG-Stiftung, die für den Umgang mit den Hinterlassenschaften des Steinkohlebergbaus in Deutschland zuständig ist, hält an der Evonik nach eigenen Angaben etwa 44 Prozent. Sie hat aber bekundet, diesen Anteil verringern zu wollen.
Im Jahr 2025 erwirtschaftete die Evonik rund 14,07 Milliarden Euro Umsatz, um 7,2 Prozent weniger als 2024. Das bereinigte Konzernergebnis lag mit 634 Millionen Euro um 18,4 Prozent unter dem Wert von 2024.
October 27th
Novartis: Gewinn sinkt um 34 Prozent
27.10.26
von
Klaus Fischer
Das Geschäft des Schweizer Pharmakonzerns lief im heurigen Jahr bisher eher mäßig. Ursächlich waren niedrigere Preise, die Konkurrenz durch Generika sowie eine Wertminderung im Zuge einer klinischen Studie.
In den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2026 erwirtschaftete der Schweizer Pharmakonzern Novartis einen Reingewinn von rund 7,61 Milliarden US-Dollar, um 34 Prozent weniger als 2025. Er begründete dies insbesondere mit dem um 23 Prozent auf 10,83 Milliarden Dollar gesunkenen operativen Ergebnis, dem höheren Zinsaufwand sowie den um 16 Prozent auf 1,82 Milliarden US-Dollar gestiegenen Ertragssteuern. Der Umsatz erhöhte sich gegenüber dem Vergleichszeitraum 2025 um rund 2,1 Prozent auf 42,04 Milliarden US-Dollar. Positiv wirkten sich die höheren Verkaufsmengen sowie die vorteilhafteren Wechselkurse aus. Diesen Faktoren standen niedrigere Preise und die Konkurrenz durch Generika gegenüber.
Beim operativen Ergebnis schlug eine Wertminderung um 1,9 Milliarden US-Dollar zu Buche. Sie betraf die Entwicklung von Del-Desiran, eines Wirkstoffkandidaten gegen erbliche Muskelschwäche (myotone Dystrophie Typ 1, DM1). Laut einer Aussendung von Novartis verfehlte dieser in der Phase-III-Studie HARBOR im Vergleich mit dem Placebo „den primären Endpunkt der Video-Handöffnungszeit (vHOT)“. Der Konzern wertet nun die Daten der Studie detailliert aus und will dann in Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden entscheiden, wie er mit Del-Desiran weiter verfährt. Einen diesbezüglichen Zeitplan nannte Novartis nicht.
Die größten Umsatzbringer in den ersten drei Quartalen des Jahres 2026 waren das Brustkrebsmittel Kisquali mit 5,0 Milliarden US-Dollar (plus 44 Prozent), Kesimpta zur Behandlung vom Multipler Sklerose mit 4,1 Milliarden US-Dollar (plus 27 Prozent) sowie das Prostatakrebs-Präparat Pluvicto mit 2,0 Milliarden US-Dollar (plus 42 Prozent). Die stärksten Umsatzrückgänge verzeichneten dem gegenüber der Gerinnungshemmer Promacta mit einem Minus von 64 Prozent auf 505 Millionen UD-Dollar, Tasigna gegen Leukäme mit minus 53 Prozent auf 438 Millionen US-Dollar sowie der Herzschwäche-Medikament Entresto mit einem Minus von 44 Prozent auf 3,7 Milliarden US-Dollar.
Prognose in Reichweite
Novartis-Vorstandschef Vasant Narasimhan gab sich zufrieden. Der Konzern habe ein solides Ergebnis erzielt. Auch in der Pipeline gebe es Fortschritte, unter anderem mit Remibrutinib gegen schubförmig verlaufende multiple Sklerose. Die Studienresultate bezüglich Del-Desiran seien „nicht wie erhofft“ ausgefallen, deuteten aber „auf eine klinische Wirksamkeit hin“. Insgesamt sei Novartis „dank der anhaltenden Dynamik des Geschäfts und der Pipeline nach wie vor auf dem besten Weg, unsere mittel- bis langfristige Prognose zu erfüllen“.
Hinsichtlich des Gesamtjahres erwartet Novartis ein Wachstum des Nettoumsatzes „im niedrigen einstelligen Prozentbereich“. Für 2025 bezifferte Novartis diese Kennzahl mit 54,53 Milliarden US-Dollar. Das operative Kernergebnis soll stagnieren oder bestenfalls „im niedrigen einstelligen Prozentbereich“ wachsen. Im Jahr 2025 hatte es rund 21,89 Milliarden US-Dollar betragen.
October 21st
Kapitalerhöhung: Lenzing lukriert 301,2 Millionen Euro
21.10.26
von
Klaus Fischer
Die Mehrheitseigentümer des Faserkonzerns erwarben rund 55,2 Prozent der angebotenen neuen Aktien. Dieser will damit nicht zuletzt die Abkehr vom zyklischen Textilgeschäft verstärkt vorantreiben.
Einen Erlös von 301,2 Millionen Euro erzielte der Faserkonzern Lenzing bei seiner nun abgeschlossenen Kapitalerhöhung. Wie berichtet, wollte er mit dieser mindestens 300 Millionen Euro lukrieren. Zu diesem Zweck bot er bestehenden Aktionären rund 34,7 Millionen neue auf den Inhaber lautende Stückaktien mit Gewinnberechtigung ab dem 1. Januar 2026 zu je 8,65 Euro an. Davon erwarb das Syndikat seiner Haupteigentümer, der österreichischen B&C-Gruppe und der brasilianischen Suzano S. A., etwa 18,1 Millionen Aktien, was 55,25 Prozent der angebotenen neuen Wertpapiere entsprach. Die Oberbank kaufte weitere 1,3 Millionen Aktien oder rund 3,8 Prozent.
Lenzing-Vorstandschef Georg Kasperkovitz gab sich mit dem Erlös zufrieden. „Der erfolgreiche Abschluss der Kapitalerhöhung unterstreicht das Vertrauen in Lenzing und unsere strategische Transformation und markiert einen wichtigen Schritt in deren Umsetzung. Mit der gestärkten finanziellen Basis werden wir ‚Grow Nonwovens, Reset Textiles‘ konsequent vorantreiben und Lenzing nachhaltig auf profitables Wachstum ausrichten“, ließ er per Aussendung wissen. „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ ist die Bezeichnung für die Unternehmensstrategie, die die Lenzing Ende Juli vorgestellt hatte. Sie sieht insbesondere vor, sich vom Textilgeschäft unabhängiger zu machen, das Zyklen von rund fünf bis sieben Jahren aufweist.
Zu der Strategie gehört auch ein massiver Personalabbau, der etwa 2.000 Personen betrifft, davon rund 1.400 in Indonesien. Keine Angaben machte die Lenzing in der Aussendung zum Schicksal des Standorts in Heiligenkreuz im Burgenland. Für diesen wird ein Käufer gesucht. Findet sich kein solcher, will die Lenzing ihre dortige Fabrik zu Jahresende schließen. Bis Ende 2027 wird auch die Fabrik in Grimsby in Großbritannien stillgelegt.
Die Lenzing hatte im Jahr 2025 einen Verlust von 135,2 Millionen Euro hinzunehmen, nachdem sie 2024 rund 138,3 Millionen Euro Verlust zu verkraften hatte. Zum ersten Halbjahr 2026 meldete sie einen Gewinn von 35,6 Millionen Euro, mehr als doppelt so viel wie im ersten Halbjahr 2025. Allerdings sank ihr Umsatz um 5,5 Prozent auf 1,27 Milliarden Euro, ihr EBITDA ging um 10,9 Prozent auf 239,2 Millionen Euro zurück. Ihre EBITDA-Marge lag mit 18,9 Prozent deutlich über dem als kritisch betrachteten Wert von zehn Prozent.
October 13th
Impfstoffhersteller: Impfen in Apotheken rasch ermöglichen
13.10.26
von
Klaus Fischer
Die Bundesregierung sollte ihre Ankündigung vom Feber, diese „niederschwellige“ Option zum Schutz vor Infektionskrankheiten mit 1. Jänner 2027 zuzulassen, zügig umsetzen, fordert der Spartenverband ÖVIH.
Die Bundesregierung sollte rasch die rechtlichen Voraussetzungen für das Impfen in Apotheken schaffen, fordert der Österreichische Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH). Verbandspräsidentin Sigrid Haslinger bekundete bei einer Pressekonferenz, die Bundesregierung habe im Feber des heurigen Jahres angekündigt, dies ab 1. Jänner 2027 zu ermöglichen. Jedoch fehlten nach wie vor die rechtlichen Grundlagen, konkret, eine diesbezügliche Novelle des Apothekengesetzes. Auf Nachfrage der Redaktion konstatierte Haslinger sinngemäß, eine solche Novelle könnte noch zeitgerecht vor Jahresende in Kraft treten. Bekanntlich hat der Bundesrat acht Wochen Zeit, einen entsprechenden Beschluss des Nationalrats zu beeinspruchen. Haslinger zufolge sollten die Apotheken zumindest sämtliche in Österreich zugelassenen Totimpfstoffe verimpfen dürfen. Zurzeit werde die Sinnhaftigkeit des Impfens in der Bevölkerung verstärkt zur Kenntnis genommen: „Das sollten wir nutzen.“
Sinnvoll könnte laut ÖVIH-Vizepräsidentin Nicole Zahradnicek sein, mit FSME-Impfungen zu beginnen. Von dieser Krankheit ist Österreichs Bevölkerung besonders betroffen, und die Durchimpfungsrate sinkt. Von Jänner bis einschließlich September des heutigen Jahres seien österreichweit 155 FSME-Fälle aufgetreten, verglichen mit 132 Fällen im gesamten Jahr 2025. Zwar verfügen rund 76 Prozent der Personen, die geimpft werden könnten, über eine Grundimmunisierung. Wichtig sei aber, den gesamten Impfzyklus zu durchlaufen und den Schutz regelmäßig aufzufrischen.
Zahradnicek ergänzte, das Impfen in Apotheken sei in 19 europäischen Ländern möglich und bewähre sich. In Irland etwa sei es seit 2011 zulässig. Seither habe sich die Durchimpfungsrate bei Influenza um etwa 50 Prozent erhöht: „Es wurden auch Menschen erreicht, die sonst nur schwer einen Impfschutz erhalten hätten.“ Ähnlich stelle sich die Situation in Portugal dar. In der Schweiz wiederum dürfe seit 2015 in Apotheken geimpft werden. Etwa zwei Drittel der eidgenössischen Apotheken machten von dieser Erlaubnis Gebrauch. Grundsätzlich handle es sich beim Impfen in Apotheken um eine „niederschwellige“ Möglichheit zum Schutz vor Infektionskrankheiten.
Kräftige Ersparnisse
Zur notwendigen Ausbildung des Apothekenpersonals sowie zur erforderlichen Ausstattung der Apotheken wollten sich die ÖVIH-Vertreterinnen nicht äußern. Dies müsse die Standesvertretung mit der Politik klären, beschied Generalsekretärin Renée Gallo-Daniel. Allfällige Risiken für Impfwillige halten sich aber in Grenzen, betonte Haslinger. Dies sei durch einschlägige Studien belegt.
Keine offiziellen Zahlen gibt es zum Spartenumsatz, teilte Haslinger der Redaktion mit. Daher lässt sich auch nicht sagen, was beispielsweise eine Erhöhung der FSME-Durchimpfungsrate um ein Prozent der Sparte finanziell bringen würde. Im ÖVIH arbeiten sechs Pharmaunternehmen zusammen, nämlich Astrazeneca, MSD, Pfizer, Takeda, Valneva und Viatris. Haslinger selbst ist bei MSD Österreich für Market Access, Policy & Communication zuständig. Zahradnicek führt bei Pfizer hierzulande die Geschäfte. Gall-Daniel wiederum ist im Aufsichtsrat von Pfizer Manufacturing in Österreich vertreten.
Zum volkswirtschaftlichen Nutzen von Impfmaßnahmen heißt es auf der ÖVIH-Website, europaweit ließen sich durch Influenzaimpfungen pro Jahr rund 250 Millionen Euro an Einsparungen in den Gesundheitssystemen darstellen. Davon entfielen rund 130 Millionen Euro auf die Vermeidung von „1,6 Millionen Grippefällen und 45.000 Krankenhauseinweisungen“, 22 Millionen auf rund 700.000 vermiedene Besuche bei Hausärzten sowie 96 Millionen auf die „Vermeidung von 715.000 verlorenen Arbeitstagen und durch die Vermeidung eines Produktivitätsverlustes“.
Ergänzen, nicht ersetzen
Ausdrücklich betonten die ÖVIH-Vertreterinnen, das Impfen in Apotheken solle andere Angebote ergänzen, aber keineswegs ersetzen. Weiter notwendig bleibe das Impfen durch (Haus-)Ärzte, in Schulen, Betrieben und Impfinstituten. Mit hartnäckigen Impfgegnern lässt sich übrigens nichts machen, bedauerte Haslinger im Gespräch mit der Redaktion: „Das muss man leider in Kauf nehmen.“ Immerhin halte sich der Anteil der Betreffenden an der Bevölkerung mit rund fünf Prozent in Grenzen.
Grundsätzlich begrüßt würde das Impfen in Apotheken vom Pensionistenverband, teilte Präsidentin Birgit Gerstorfer in einer Aussendung mit. Sie forderte jedoch „ klare Sicherheitsstandards, einen einfachen Zugang zu Schutzimpfungen und die Ausweitung kostenloser Impfangebote“. Die Patientensicherheit müsse „oberste Priorität“ haben.
October 12th
Personalisierte Therapien statt Chemo-„Gießkanne“
12.10.26
von
Klaus Fischer
Bei der Behandlung von Krebserkrankungen hat sich viel verbessert, hieß es bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) sowie ihrer österreichischen und schweizer Schwesterverbände in Wien. An Herausforderungen mangelt es dennoch nicht.
Weg von der „Gießkanne“ klassischer Chemotherapien zu hochspezifischen personalisierten Behandlungsformen führt der Weg beim Umgang mit Krebserkrankungen. Das berichtete die Geschäftsführende Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO), Claudia Baldus, bei der Jahrestagung ihrer Organisation sowie deren österreichischer und schweizer Schwesterverbände OeGHO, SSMO und SGKSSH in Wien. Baldus zufolge ist es notwendig, innovative Therapien von der Forschung und Entwicklung in die breite Anwendung zu bekommen. Dazu müssen diese bisweilen an die Erfordernisse der täglichen Versorgung angepasst werden. Ein zentrales Thema ist laut Baldus ferner die Prävention, durch deren konsequenten Einsatz die Entstehung von etwa 40 Prozent der Tumoren hintangehalten könnte. Baldus zufolge bestehen dafür jedoch zwei nicht zu unterschätzende Hindernisse. Erstens handelt es sich um die Finanzierung: „Es gibt in den Gesundheitssystemen oft kein Geld für Krankheiten, die noch nicht aufgetreten sind.“ Zweitens ist das Bewusstsein hinsichtlich der Kresbvorsorge in der Gesellschaft nach wie vor zu wenig entwickelt. Und die Politik scheut unpopuläre, aber wirksame Maßnahmen: „Wenn eine Packung Zigaretten 100 Euro kosten würde, würde die Zahl der Raucher radikal sinken“ sinnierte Baldus. Mehr getan werden müsste weiters, um die Früherkennung zu verbessern, nicht zuletzt beim Mammakarzinom und bei Darmkrebs, konstatierte Baldus.
Laut Lars Bullinger, dem Vorsitzenden der DGHO, hat sich die Lage bei der Behandlung von Krebserkrankungen in den vergangenen Jahrzehnten grundsätzlich stark verbessert. Etwa 50 Prozent der Tumoren seien mittlerweile heilbar: „Das ist ein enormer Fortschritt.“ Bei manchen Formen beläuft sich die Überlebenszeit nach der Diagnose auf etwa 17 Jahre: „Wenn jemand im Alter von 70 Jahren erkrankt, ist das schon etwas.“ Leider sind die für die Entwicklung noch besserer Medikamente unverzichtbaren klinischen Studien in der Öffentlichkeit noch immer negativ konnotiert, bedauerte Bullinger: „Nicht wenige Menschen glauben, klinische Studien seien so etwas Ähnliches wie Tierversuche.“ Große Erwartungen bestehen laut Bullinger, was mRNA-basierte Impfstoffe gegen krebserkrankungen betrifft: „Da wird viel kommen.“
Bei manchen Indikationen ist allerdings mit längeren Zeiträumen zu rechnen, konstatierte Bullinger auf Nachfrage der Redaktion. Ihm zufolge betrifft dies nicht zuletzt das Mammakarzinom in seinen unterschiedlichen Ausprägungen. Dies bestätigten auf Anfrage auch Jens Huober, einer der führenden Schweizer Onkologen, die Münchner Onkologin Nadia Harbeck, die auf Mammakarzinome spezialisiert ist, sowie Rupert Bartsch, Professor für Onkologie in Wien. Ihnen zufolge laufen klinische Studien. Mit Resultaten ist aber erst in einigen Jahren zu rechnen, mit Impfstoffen nicht vor dem kommenden Jahrzehnt.
ADCs zu bevorzugen
Als zu bevorzugende Erstlinientherapie bei metastasiertem Brustkrebs haben sich mittlerweile Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (Antibody-Drug-Conjugates, ADCs), also zielgerichtet wirkende Chemotherapien, etabliert, berichtete Harbeck bei einem Vortrag: „Sie sind deutlich besser als die bisherigen Standardtherapien, und diese waren schon sehr gut.“ Das habe eine Reihe von Studien gezeigt. Zwar treten beispielsweise bei der Gabe von Sacituzumab govitecan (Sg) als Nebenwirkungen Entzündungen der Mundschleimhaut (Stomatitis) sowie trockene Augen auf. Doch diese seien gut behandelbar, konstatierte Harbeck: „Bei den trockenen Augen heißt es einfach spülen, spülen und nochmals spülen. Da haben alle ihre Geheimrezepte.“ Eine weitere häufige Nebenwirkung bei ADCs sei Übelkeit (Nausea). Im Winterhalbjahr gelte es zudem, auf Infektionen, darunter insbesondere solche der Atemwege, zu achten.
Ausdrücklich betonte Harbeck, es sei wichtig, das erwartungsgemäß wirksamste Medikament als erstes zu verabreichen: „Zu dieser Zeit sind die Patientinnen noch am besten beisammen.“ Und leider erreiche nicht jede Erkrankte eine zweite Therapielinie. Den bisherigen Erfahrungen zufolge fällt etwa ein Drittel der Patientinnen bereits nach der ersten Therapielinie aus.
Wie lange aber sollen ADCs verabreicht werden? Laut Harbeck „vertragen leider nicht alle Patientinnen diese Medikamente gut.“ Die maximale Tumorreduktion werde von etwa 80 Prozent der Betroffenen nach rund zwei Jahren erreicht. Weil aber nicht alle Patientinnen eine zweijährige Gabe erreichen, sollte zumindest ein Jahr lang therapiert werden.
Ähnlich argumentierte der Schweizer Onkologe Huober in seinem Vortrag. Ihm zufolge sind die Nebenwirkungen von ADCs im Allgmeinen nicht schlimmer als jene von klassischen Chemotherapien. Die ADCs seien aber den klassischen „Chemos“ hinsichtlich des zu erwartenden Behandlungserfolgs überlegen.
Klinische Studien unverzichtbar
Jedenfalls aber sind klinische Studien weiter unabdingbar, betonte Ewald Wöll, Primar am Krankenhaus Zams in Tirol und Präsident der OeGHO. Gerade in Österreich bestehen indessen restriktive Bedingungen für die Durchführung solcher Studien: „Das ist ein enormer Aufwand.“ Die OeGHO habe ein Positionspapier mit Verbesserungsvorschlägen erarbeitet. Auf Nachfrage der Redaktion erläuterte Wöll, es handle sich zum Teil um Maßnahmen, die sich ohne finanziellen Aufwand umsetzen ließen. Beispielsweise sollte das Verfassen von Anträgen auf klinische Studien auch in englischer Sprache zugelassen werden. Zu unterbinden wäre die Notwendigkeit „multipler“ Anträge für die einzelnen Komponenten der Studien. Hilfreich wäre ferner, „Subzentren“ bilden zu dürfen: „Wenn Herr Kollege Dominik Wolf an der Universität Innsbruck eine klinische Studie durchführt und ich ihm aus 70 Kilometern Entfernung Patienten dazu schicken möchte, muss ich derzeit ein komplettes Studienzentrum aufbauen.“
Dazu komme, dass die rechtliche Prüfung von Studienanträgen oft länger dauere als die Studien selbst. Kein großes Problem ist dagegen die Aufnahme innovativer Onkologika in den Erstattungskodex, teilte Wöll auf Anfrage der Redaktion mit. Die OeGHO habe im Bewertungsboard für Arzneimittel zwar keine Stimme, aber immerhin einen Sitz, und könne ihre Expertise einbringen. Zumindest bis dato bestehe diesbezüglich kein Handlungsbedarf.
Der angesprochene Innsbrucker Onkologe Dominik Wolf, der dem Kongress präsidierte, empfahl der Politik dringend, nicht bei der Entwicklung von Therapien zu sparen: „Da her kommen ja die Innovationen.“ Zu diskutieren seien Möglichkeiten, um die Strukturen der Versorgung an Krebs Erkrankter weiter zu verbessern: „Wir sollten uns überlegen, wer wo was am besten machen kann.“ Als mögliches Vorbild nannte Wolf Dänemark, das sehr stark digital getrieben Strukturen aufweise.
Begrenzte Ressourcen
Wolfs Kopräsidentin, die Berliner Onkologin Maike de Wit, bedauerte, die personellen Ressourcen in der Medizin seien generell „extrem begrenzt“. Dies könnten auch noch so innovative Arzneimittel nicht ausgleichen. Oft fühlten sich an Krebs Erkrankten mit ihrer meist schockierenden Diagnose alleingelassen: „Wenn ihnen ein Mediziner sagt, sie haben Krebs, sind sie unter dem ersten Eindruck dieser Tatsache meist nicht mehr in der Lage, aufzunehmen, was ihnen darüber hinaus mitgeteilt wird.“ Große Bedeutung komme angesichts dessen Selbsthilfegruppen zu.
Bullinger riet, zu Informationsgesprächen eine Vertrauensperson beizuziehen. Die DGHO verweise überdies auf seriöse digitale Informationsplattformen. Auch die allgegenwärtige KI werde zunehmend zum Thema. Manche Programme seien bereits in der Lage, „Beratungsgespräche“ zu führen. Jedoch ist Vorsicht geboten, warnte Bullinger: Wie in anderen Bereichen auch, tendiere die KI dazu, zu „halluzinieren“ und falsche „Informationen“ zu geben.
October 8th
Agrana: Operativer Halbjahresgewinn deutlich gestiegen
08.10.26
von
Klaus Fischer
Dass das Konzernergebnis fast 33 Mal so hoch ausfiel wie im ersten Halbjahr 2025/26, führt der Konzern vor allem auf bessere Ergebnisse in den Segmenten Stärke und Zucker zurück.
Der Frucht-, Stärke- und Zuckerkonzern Agrana erwirtschaftete im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026/27 einen Gewinn (Konzernergebnis) von 37,5 Millionen Euro. Dieser belief sich damit auf fast 33 Mal so viel wie im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/26, als er 1,1 Millionen Euro betragen hatte. Mit einem Plus von 0,5 Prozent blieb der Umsatz mit 1,70 Milliarden Euro stabil. Das EBITDA wuchs um 4,0 Prozent auf 110,4 Millionen Euro. Das operative Ergebnis (EBIT) erhöhte sich um etwa 126 Prozent auf 63,4 Millionen Euro. Ein Wermutstropfen war die EBITDA-Marge, die mit 6,5 Prozent deutlich unter dem Richtwert von 10,0 Prozent lag.
Zurückzuführen war das bessere Halbjahresergebnis der Agrana zufolge vor allem auf die Entwicklung in den Segmenten Stärke und Zucker. Im Segment Stärke war das EBIT mit 17,2 Millionen Euro mehr als fünfmal so hoch wie im Vergleichszeitraum des Geschäftsjahres 2025/26. Als Grund nennt die Agrana den Anstieg der Ethanolmargen. Zwar sanken die Verkaufspreise für die wichtigsten Produkte. Doch gingen auch die Einkaufspreise für die Rohstoffe zurück. Weizen etwa war um etwa elf Prozent billiger als im ersten Halbjahr 2025/26. Weiterhin hoch war der Agrana zufolge der Wettbewerbsdruck, bedingt durch Überkapazitäten in Europa, volatile Rohstoffmärkte sowie die nach wie vor hohen Energie- und Rohstoffkosten. Als wichtig erwiesen sich daher die verstärkte Produktdifferenzierung, aber auch stabile Kundenbeziehungen und eine strenge Kostendisziplin.
Zucker bleibt das „Sorgenkind“
Im Segment Zucker verringerte sich zwar der Umsatz um 9,4 Prozent auf 280,4 Millionen Euro. Doch konnte die Agrana ihren operativen Verlust von 36,3 Millionen Euro auf rund 2,0 Millionen Euro signifikant verringern. Eitel Wonne ist die Lage auf dem Zuckermarkt aber nach wie vor nicht. Im Kleinkundenbereich erhöhten sich zwar die Verkaufsmengen, doch die Preise sanken. Bei den Industriekunden wiederum sah sich die Agrana mit fallenden Absatzmengen konfrontiert. Wegen des Kriegs der USA und Israels gegen den Iran bleibt die Lage auf dem Erdölmarkt gespannt. Daher wird erwartet, dass Brasilien seine Produktion des biogenen Treibstoffs Ethanol ausweiten wird. Deshalb war in letzter Zeit ein „deutlicher Anstieg des Weltmarktpreisniveaus“ zu verzeichnen. Ihre EBIT-Verbesserung im Segment Zucker führt die Agrana nicht zuletzt auf die „deutlich niedrigeren Herstellungs- und Strukturkosten“ zurück. Mit dieser Formulierung ist insbesondere die Schließung der Zuckerfabriken in Leopoldsdorf und Hrusovany (Tschechien) gemeint.
Auf dem EU-Zuckermarkt war das Angebot im heurigen Jahr nach wie vor hoch. Im Juni lagen die Zuckerpreise daher bei 501 Euro pro Tonne, um 6,5 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Für das Zuckerwirtschaftsjahr 2026/27 wird dagegen „eine deutliche Verengung der globalen Zuckerbilanz“ erwartet. Bedingt ist dies durch die fragliche Entwicklung der Produktion in Brasilien, der EU, Indien und Thailand. Offen ist auch, welche Mengen an Zucker Brasilien für die erwartete Ausweitung der Ethanolerzeugung verwenden wird. Die Zuckerherstellung in der EU wird voraussichtlich um 3,1 Millionen Tonnen auf 13,4 Millionen Tonnen sinken. Gründe dafür sind der Rückgang der Rübenanbaufläche, die dürrebedingte schlechtere Ernte und sowie Schädlingsbefall.
Durchwachsene „Früchte“
Im größten Segment, genannt „Food and Beverage Solutions“ (grob gesprochen, dem früheren Geschäftsbereich Frucht), wuchs der Umsatz um rund 4,3 Prozent auf 896,4 Millionen Euro. Dies war vor allem auf die „moderaten“ Preis- und Mengensteigerungen bei Rezepturen zurückzuführen. Im Bereich Getränke musste die Agrana dagegen deutliche preisbedingte Umsatzrückgänge hinnehmen. Das EBIT bei den Rezepturen stieg geringfügig, unter anderem wegen des besseren Geschäftsverlaufs im Mittleren Osten und Afrika. Bei den Getränken lief das Geschäft dagegen nicht zuletzt aufgrund von Ernteeinbußen schlechter.
Hohe Erwartungen
Agrana-Vorstandschef Stephan Büttner zeigte sich mit dem Halbjahresergebnis zufrieden. Die Agrana habe sich „insgesamt im Rahmen unserer Erwartungen entwickelt. Trotz des herausfordernden Marktumfelds konnten wir unsere operative Performance verbessern und zentrale strategische Projekte konsequent vorantreiben. Ein Schwerpunkt bleibt die planmäßige Integration von Austria Juice und Mercator-Emba. Beide Unternehmen stärken bereits unseren Geschäftsbereich Food & Beverage Solutions. Im Fokus stehen Synergien, effizientere internationale Strukturen und gemeinsame innovative Kundenlösungen. Mit dem Kaufvertrag für die geplante Akquisition von Esarom haben wir zudem einen weiteren wichtigen strategischen Schritt im Rahmen unserer Portfolio-Strategie gesetzt“.
Für das gesamte Geschäftsjahr 2026/27 rechnet die Agrana „mit einem EBIT, das sehr deutlich über dem Vorjahr liegen soll“. Es dürfte sich auf etwa 90 bis 110 Millionen Euro belaufen. Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2025/26 hatte es 3,2 Millionen Euro betragen.
October 7th
Bayer: Milliardeninvestition in den USA
07.10.26
von
Klaus Fischer
Um 2,2 Milliarden US-Dollar baut der deutsche Konzern eine neue Arzneimittelfabrik nordöstlich von Columbus, der Hauptstadt des Bundesstaats Ohio. Sie soll in den Jahren 2031 bis 2034 in Betrieb gehen.
Rund 2,2 Milliarden US-Dollar investiert der deutsche Agrochemie- und Pharmakonzern Bayer in den Bau einer Arzneimittelfabrik in New Albany nordöstlich von Columbus, der Hauptstadt des Bundesstaats Ohio. Die Anlage besteht aus zwei Modulen. Das erste davon dient der Erzeugung von Wirkstoffen und soll 2031 den Betrieb aufnehmen. Das zweite Modul wird fertige Medikamente herstellen. Seine Inbetriebnahme ist für 2034 geplant. Insgesamt entstehen etwa 600 Arbeitsplätze, teilte Bayer in einer Aussendung mit. Nach eigenen Angaben investierte der Konzern in den vergangenen fünf Jahren in den USA etwa sieben Milliarden US-Dollar, zu denen nun die genannten zwei Milliarden hinzukommen.
Im Pharmasektor hat Bayer eine Zentrale in Whippany im Bundestaat New Jersey etwa 30 Kilometer westlich von Manhattan. Ferner verfügt der Konzern über Niederlassungen in Pittsburgh (Pennsylvania), Berkeley (Kalifornien), Cambridge (Massachusetts) sowie San Diego (Kalifornien). Vertreten ist Bayer auch im „Research Triangle Park“ (RTP) in North Carolina, gelegen im Grenzgebiet der Counties Durham im Nordwesten, Wake im Osten und Chatham im Südwesten. Laut der Research Triangle Regional Partnership hat der RTP eine Fläche von umgerechnet etwa 2.800 Hektar. Mehr als 250 Unternehmen sind dort ansässig.
Bayer bezeichnete den Bau der neuen Fabrik im Staate Ohio als „zentralen Bestandteil der langfristigen Wachstumsstrategie“ des Konzerns in den USA, die seinen größten Markt für Pharmazeutika darstellen. Die Anlage solle überdies „Teil eines neuen, in den USA angesiedelten Kooperationsnetzwerks werden“. Bayer-Vorstandschef Bill Anderson, der aus Ohio im Bundesstaat Texas stammt, konstatierte, die USA seien für Bayer „seit Langem ein wichtiger Produktionsstandort und bedeutendes Innovationszentrum. Diese wegweisende Investition bekräftigt unser langfristiges Engagement in den USA. Am neuen Standort bringen wir Produktionskompetenz und qualifizierte Fachkräfte zusammen, um Patienten in den Vereinigten Staaten und weltweit mit innovativen, hochwertigen Arzneimitteln zu versorgen“.
September 30th
30.09.26
von
Klaus Fischer
Die beiden deutschen Konzerne bestätigen sinngemäß „Sondierungen“. Fix ist aber noch nichts.
Die BASF plant, den Spezialchemiekonzern Evonik zu übernehmen. Beide Unternehmen bestätigten diesbezügliche „Sondierungen“. Die BASF teilte mit, sie prüfe „im Rahmen ihrer Unternehmensstrategie fortlaufend die strategische Option von Akquisitionen, die ihre Kerngeschäfte stärken, einen hohen strategischen Fit aufweisen, profitables Wachstum und Wertsteigerung fördern. Dabei geht BASF diszipliniert vor. Das Unternehmen wird den Markt in Übereinstimmung mit den regulatorischen Vorgaben unverzüglich informieren, wenn und soweit dies erforderlich ist“.
Seitens der Evonik hieß es, ihr sei eine „unverbindliche Ansprache durch die BASF SE zugegangen. Diese ist auf ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien der Gesellschaft gerichtet. Gespräche finden derzeit nicht statt. Evonik beabsichtigt nicht, diesen Vorgang über die rechtlichen Erfordernisse hinaus weiter zu kommentieren oder Anfragen dazu zu beantworten“.
Größer Eigentümer der Evonik, der ehemaligen RAG-Beteiligungs-AG, ist die RAG-Stiftung, die für den Umgang mit den Hinterlassenschaften des Steinkohlebergbaus in Deutschland zuständig ist. Sie hält an der Evonik nach eigenen Angaben etwa 44 Prozent. Im Jahr 2025 erwirtschaftete die Evonik rund 14,07 Milliarden Euro Umsatz, um 7,2 Prozent weniger als 2024. Das bereinigte Konzernergebnis lag mit 634 Millionen Euro um 18,4 Prozent unter dem Wert von 2024.
Am 22. September gab die Evonik bekannt, in den kommenden drei Jahren ihre Strategie zu „schärfen“: „Das Produkt-Portfolio wird nach Rollenprofilen geordnet, allen großen Standorte in Deutschland werden spezifische Aufgaben zugeteilt. Zugleich wird die geostrategische Balance durch gezielte Wachstumsprojekte optimiert.“ Aus „Geschäftsaktivitäten, für die keine Perspektive im Unternehmen besteht“, will sich die Evonik zurückziehen. Interimistisch geführt wird der Konzern derzeit von Claus Rettig. Der langjährige Vorstandschef Christian Kullmann ist nach einer unerwarteten Operation Ende August auf Genesungsurlaub.
September 28th
Borouge International mit neuer Compoundinganlage
28.09.26
von
Klaus Fischer
Mit der 100-Millionen-Investition in Schwechat wurde „strategische Infrastruktur“ für den Polyolefinkonzern geschaffen. Nicht zuletzt verarbeitet dieser dort im Sinne der Kreislaufwirtschaft hochwertiges Recyclingmaterial.
Etwa 100 Millionen Euro investierte der Polyolefinkonzern Bourouge International (BI) in eine neue Anlage zur Herstellung von Verbundwerkstoffen (Spezialpolypropylen-Compounds) am Standort Schwechat. Zu ihrer Kapazität machte das Management des Unternehmens bei der offiziellen Eröffnung aus Wettbewerbsgründen keine Angaben.
Vorstandschef Roger Kearns sprach von einem „wichtigen Investment“. Mit den Erzeugnissen würden Kunden in bedeutenden Märkten beliefert. Nicht zuletzt stelle die BI in der neuen Anlage Compounds her, die je nach Bedarf der Kunden unterschiedlich hohe Anteile an hochqualitativem Recyclingmaterial enthalten: „Wir setzen hier auf Spitzentechnologie und Recyclingkunststoffe der nächsten Generation.“ Damit schlage die BI ein neues Kapitel im Sinne der Kreislaufwirtschaft auf.
Roland Janssen, der mit 1. Oktober Stefan Doboczky als BI-Vertriebschef folgt, ergänzte, die Anforderungen an Kunststoffe stiegen stetig: „Es wird immer mehr Leistung zu immer niedrigeren Preisen verlangt.“ Auch das regulatorische Umfeld verschärfe sich. Daher seien Investitionen wie jene in Schwechat nötig, um technisch im Spitzenfeld zu bleiben. Die in der neuen Anlage erzeugten Werkstoffe werden laut Janssen nicht zuletzt an Kunden in der Automobilindustrie, in der Haushaltsgerätebranche sowie im Infrastrukturbereich geliefert.
Hasan Karam, Chief Operating Officer der BI, konstatierte, die neue Anlage sei ein „Eckstein“ für seinen Konzern: „Das ist eine unserer strategischen Infrastrukturen.“
Kunststoffe im „Fleischwolf“
Produziert wird überwiegend im Auftrag von Kunden und in enger Abstimmung mit diesen, hieß es bei der Besichtigung des Werks. Die BI sei in der Lage, flexibel auf sich ändernde Bedarfslagen zu reagieren, wozu unter anderem ein Hochregallager diene. Wesentlich ist, dass die BI eine breite Palette von Einsatzstoffen verarbeiten kann. Geliefert werden diese üblicherweise in fester Form.
Die Erzeugung der Compounds erfolgt in Doppelschneckenextrudern, die von BI-Fachleuten launig als „riesige Fleischwölfe“ für Kunststoffe bezeichnet wurden. Durch die Drehung der Extruderschnecken entsteht Wärme, die die Einsatzstoffe aufschmilzt und, was zentral ist, homogenisiert. Der entstehende Kunststoff wird durch eine Lochplatte gepresst. So entstehen „Polymerwürste“, die mit einem Schneidwerkzeug in Pellets zerschnitten werden. Vor der Auslieferung an die Kunden durchlaufen die Materialien strenge Qualitätskontrollen.
Politik erfreut
Erfreut zeigte sich die bei der Eröffnung anwesende Politik. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer betonte, es sei „entscheidend“, industrielle Produktion in Österreich zu halten. Darum bemühe sich die Bundesregierung nach Kräften. Unter anderem plane sie bekanntlich die Einführung eines Industriestrompreises, wolle die kommerzielle Speicherung aus Industrie- und Kraftwerksabgasen abgeschiedenen Kohlendioxids (CCS) zulassen und richte die Forschungsförderungsagenturen neu aus. Ferner habe sie eine Novelle des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) zur Begutachtung ausgesandt. Mit dieser sollen Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. Nur mit Innovation, Forschung und Entwicklung, wie sie nicht zuletzt die BI betreibe, könne Österreich dauerhaft wirtschaftlich erfolgreich sein.
Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner verwies auf die gedeihliche Zusammenarbeit der BI mit der Landes-Wirtschaftsagentur ecoplus gerade im Bereich Kreislaufwirtschaft. Die Politik müsse die Wirtschaft entlasten, Genehmigungsverfahren beschleunigen und Investitionen ermöglichen. Zu diesem Zweck habe Niederösterreich eine „Task Force Wirtschaft“ eingerichtet.
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