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March 6th, 2026
Bayer mit 42 Prozent mehr Verlust
06.03.26
von
Klaus Fischer
Der deutsche Pharma- und Agrochemiekonzern schrieb auch 2025 rote Zahlen. Laut Vorstandschef Bill Anderson kommt er „gut voran“. Es sei aber noch mancherlei zu tun.
Einen Verlust von rund 3,62 Milliarden Euro verzeichnete der deutsche Pharma- und Agrochemiekonzern Bayer im Jahr 2025, um 42 Prozent mehr als 2024. Der Umsatz belief sich auf 45,57 Milliarden Euro, um 2,2 Prozent weniger als 2024. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) brach um 80,4 Prozent auf 1,71 Milliarden Euro ein. Operativ verbuchte Bayer einen Verlust von 1,07 Milliarden Euro nach 71 Millionen Euro im Jahr 2024. Belastet wurde das EBIT nicht zuletzt durch Sonderaufwendungen von 6,18 Milliarden Euro, die „hauptsächlich“ im Zusammenhang mit Rechtsstreitigkeiten anfielen. Diese bezogen sich nicht zuletzt auf das umstrittene Pflanzenschutzmittel Roundup (Glyphosat). Die Zahl der Beschäftigten verringerte sich gegenüber 2024 weiter um rund fünf Prozent auf 88.078 Personen. Zum Vergleich: 2023 hatte Bayer eine weltweite Belegschaft von 99.723 Personen.
Im Geschäftsbereich Crop Sciences sank der Umsatz um 2,9 Prozent auf 21,62 Milliarden Euro. Das EBITDA brach auf -1,59 Milliarden Euro ein, nachdem es 2024 noch +3,97 Milliarden Euro betragen hatte. Verringert hat sich der operative Verlust: Er belief sich auf 2,53 Milliarden Euro, 2024 waren es 2,76 Millarden Euro gewesen. Laut dem Geschäftsbericht waren negative Währungseffekte von 208 Millionen Euro zu verzeichnen. Dazu kamen „negative regulatorische Effekte und höhere Aufwendungen für das konzernweite Short-Term-Incentive-Programm. Darüber hinaus wurde das Ergebnis durch strategische Maßnahmen, insbesondere Kosten der Portfoliofokussierung im Berichtsjahr sowie Veräußerungserlöse von Randgeschäften im Vorjahr, beeinflusst“. Dem standen ein nicht quantifiziertes „starkes Wachstum“ in der Geschäftseinheit „Maissaatgut und Pflanzeneigenschaften“ sowie die Reduktion von Kosten „durch unsere Effizienzprogramme“ gegenüber.
Xarelto-Umsatz bricht ein
Beim Geschäft mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln (Pharmaceuticals) verzeichnete Bayer einen Umsatzrückgang um 1,7 Prozent auf 17,83 Milliarden Euro. Das EBITDA verringerte sich um 1,0 Prozent auf 4,30 Milliarden Euro. Dem gegenüber erhöhte sich das operative Ergebnis um 12,1 Prozent auf 3,13 Milliarden Euro. Erklärt wird der EBIT-Zuwachs „maßgeblich“ durch die um 54,3 Prozent auf 264 Millionen Euro gesunkenen Sonderaufwendungen für die Restrukturierung des Geschäftsbereichs sowie die um 56,9 Prozent auf 267 Millionen Euro gesunkenen Wertminderungen. Die Umsätze mit dem vormaligen Hauptgeschäftstreiber, dem Gerinnungshemmer Xarelto, dessen Patente auslaufen, fielen um 31,6 Prozent auf 2,34 Milliarden Euro. Er lag damit unter den Umsatzbringern nur mehr an dritter Stelle. Den ersten Platz nahm das Augenpräparat Eylea mit 3,11 Milliarden Euro ein, dessen Umsatz allerdings um 3,7 Prozent sank. Den zweiten Platz belegte das Krebsmedikament Nubeqa mit 2,38 Milliarden Euro. Dieses hatte das mit 62,4 Prozent zweitstärkste Umsatzwachstum zu verzeichnen. Den größten Umsatzzuwachs verzeichnete mit 88,0 Prozent Kerendia, ein Arzneimittel gegen chronische Nierenerkrankung in Verbindung mit Typ-2-Diabetes sowie Herzinsuffizienz. Unter den Umsatzbringern lag das Mittel mit 829 Millionen Euro an fünfter Stelle nach dem Kontrazeptivum Mirena mit 1,37 Milliarden Euro.
Mit rezeptfreien Medikamenten (Geschäftsbereich Consumer Health) schließlich machte Bayer 2025 rund 5,80 Milliarden Euro Umsatz, um 1,2 Prozent weniger als 2024. Das EBITDA wuchs um 2,2 Prozent auf 1,29 Milliarden Euro, das EBIT fiel dem gegenüber um 11,3 Prozent auf 912 Millionen Euro. Als Grund nannte Bayer Sonderaufwendungen von 49 Millionen Euro, 2024 konnte der Konzern in diesem Bereich Sondererträge von 59 Millionen Euro lukrieren.
Anderson zufrieden
Vorstandschef Bill Anderson zeigte sich mit den Resultaten zufrieden: „Auf divisionaler Ebene ist Crop Science im ersten Jahr mit dem Programm zur Verbesserung der Ertragskraft vorangekommen. Die Fortschritte bei Pharmaceuticals werden immer deutlicher sichtbar – mit Produkteinführungen, die sich als Wachstumstreiber etablieren, und weiteren Produkten, deren Entwicklung hin zur Markteinführung vorankommt. Consumer Health litt durch schwache Märkte in den USA und China, konnte sein Margenziel aber erreichen.“ Insgesamt komme Bayer „überall im Unternehmen deutlich voran, wissen aber sehr genau, was in den unterschiedlichen Bereichen noch zu tun ist“. Das gelte zumal für die Rechtsstreitigkeiten um Roundup (Glyphosat). Anderson verwies in diesem Zusammenhang auf den in den USA angestrebten Sammelvergleich.
Für heuer stellte Anderson „solide Ergebnisse“ in Aussicht, „wobei Rückgänge bei Produkten von Pharmaceuticals und Crop Science durch Patentausläufe und Regulierungsentscheidungen in der EU durch die starken Ergebnisse von Produkteinführungen sowie unsere jährliche Portfolioaktualisierung kompensiert werden“. In Zahlen ausgedrückt heißt das: Der Umsatz soll mit 44 Milliarden bis 46 Milliarden Euro um 3,4 Prozent niedriger bis 0,9 Prozent höher als 2025 ausfallen. Das voraussichtliche EBITDA vor Sondereinflüssen beziffert Bayer mit 9,1 Milliarden bis 9,6 Milliarden Euro. Dieses würde somit um bis zu 5,9 Prozent fallen oder bestenfalls stagnieren.
Stern in den Aufsichtsrat
Geplant ist übrigens, bei der Hauptversammlung am 24. April den scheidenden OMV-Generaldirektor Alfred Stern in den Bayer-Aufsichtsrat zu wählen. Dieser bringt laut einer Aussendung „Führungserfahrung, tiefes Wissen über die DACH-Region sowie Expertise in Governance-, Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen in den Aufsichtsrat ein“.
February 18th
Glyphosat: Bayer will Sammelvergleich
18.02.26
von
Klaus Fischer
Der Pharma- und Agrochemiekonzern ist bereit, über 21 Jahre hinweg insgesamt bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar an angeblich Geschädigte zu zahlen. Ein Schuldeingeständnis sieht er darin nicht.
Einen Sammelvergleich zur Beilegung aktueller und künftiger Klagen im Zusammenhang mit dem umstrittenen Pflanzenschutzmittel Glyphosat (Produktname Roundup) will der Pharma- und Agrochemiekonzern Bayer in den USA schließen. Dem Konzern zufolge haben mehrere US-amerikanische Anwaltskanzleien, die die Klägerseite vertreten, die vorläufige Genehmigung des Vergleichs durch den Circuit Court of the City of St. Louis im US-Bundesstaat Missouri beantragt. Wann das Gericht entscheidet, ist offen, ebenso, obund wann eine endgültige Genehmigung erfolgt. Wenn diese vorliegt, zahlt die US-amerikanische Bayer-Tochter Monsanto, die für Glyphosat zuständig ist, über 21 Jahre hinweg maximal 7,25 Milliarden US-Dollar (6,12 Milliarden Euro) an die Kläger. In den kommenden fünf Jahren müsste Monsanto und damit in letzter Konsequenz Bayer jeweils etwa eine Milliarde Euro bezahlen. Danach würden die jährlichen Zahlungen laut Bayer „deutlich“ zurückgehen. Bayer müsste seine Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten von 7,8 auf 11,8 Milliarden Euro erhöhen. Damit würde der Free Cashflow heuer negativ ausfallen. Seine für 25. Feber angesetzte Bilanzpressekonferenz zum Jahr 2025 hat Bayer auf 4. März verschoben.
Laut Bayer ist die Finanzierung des Sammelvergleichs sowie weiterer Vergleiche, die sich auf Klagen im Zusammenhang mit angeblichen Umweltschäden durch polychlorierte Biphenyle (PCB) beziehen, durch eine Kreditlinie gesichert. Diese umfasst rund acht Milliarden US-Dollar (6,75 Milliarden Euro). Ausdrücklich betonte Bayer, die Vergleiche bezüglich Glyphosat dienten ausschließlich dazu, „die Rechtsstreitigkeiten einzudämmen, und sie enthalten keinerlei Schuldeingeständnis. Die weltweit führenden Regulierungsbehörden, etwa in den USA und der EU, haben auf Basis umfassender wissenschaftlicher Studien mehrfach festgestellt, dass glyphosatbasierte Herbizide sicher angewendet werden können und nicht krebserregend sind. Diese Mittel sind für Landwirte essenziell, um bezahlbare Lebensmittel zu produzieren“.
Wichtige Ergänzung
Bayer-Vorstandschef Bill Anderson konstatierte, der Konzern entscheide sich mit dem Sammelvergleich „für eine schnelle und weitreichende Eindämmung, statt die langwierigen gerichtlichen Auseinandersetzungen fortzusetzen, die noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen könnten“. Der Sammelvergleich sei eine wichtige Ergänzung zu dem beim Supreme Court der USA anhängigen Fall, bei dem es um den Vorrang US-amerikanischen Bundesrechts vor dem Recht der Bundesstaaten gehe. Der Vergleich umfasse den Großteil der im Laufen befindlichen Fälle sowie zukünftige Causen, die bis zu 16 Jahre nach seinem Abschluss vorgebracht werden könnten. Eine Entscheidung des Supreme Court zugunste von Bayer wiederum „würde auch Fälle abdecken, die von der Vergleichsvereinbarung nicht umfasst sind – darunter auch Urteile von erheblicher finanzieller Bedeutung für das Unternehmen, gegen die wir Rechtsmittel eingelegt haben. Zudem würden durch ein entsprechendes Urteil Anreize für Kläger reduziert werden, die Vergleichsvereinbarung abzulehnen“. Eine Anhörung vor dem Höchstgericht findet laut Anderson am 27. April statt.
Dass 2020 bereits einmal ein von Bayer angestrebter Vergleich platzte, spricht laut Anderson nicht gegen den neuerlichen Versuch, einen solchen zu schließen. Auch habe der Konzern aus der damaligen Angelegenheit gelernt und lege die nun angestrebte Vereinbarung anders an.
Langfristiges Entschädigungsprogramm
Bill Dodero, der Leiter Litigation sowie der Rechtsabteilung von Bayer in Nordamerika, erläuterte, bei dem Verfahren vor dem Supreme Court gehe es nicht zuletzt um die Aufhebung „erheblicher Schadenersatzurteile“. Ferner würden mit einem Urteil zugusten Bayers „aktuellen und künftigen Klagen die Grundlage entzogen, die sich auf eine angeblich fehlende Warnung nach dem Recht einzelner Bundesstaaten beziehen. Und das ist der zentrale Klagegrund bei allen bisherigen Roundup-Fällen“.
Der Sammelvergleich betreffe dem gegenüber „sämtliche Anspruchsgrundlagen aus Roundup-Klagen“, bei denen es die angebliche Verursachung von Non-Hodgin-Lymphom-Erkrankungen durch Glyphosat/Roundup gehe. Von dem 2020 angestrebten Sammelvergleich unterscheidet sich der nunmehr gewünschte wesentlich, betonte Dodero. Es gehe nun um ein „um ein langfristig angelegtes Entschädigungsprogramm, mit Mitteln für 21 Jahre, das so strukturiert ist, dass es in einem gemeinsamen Rahmen sowohl auf die Bedürfnisse heutiger als auch künftiger Kläger eingeht. Der frühere Vorschlag war ein kurzfristiges Programm, das für vier Jahre angelegt war und weniger Mittel umfasste. Zudem waren Rechtsstreitigkeiten nach der Vierjahresfrist von den Ergebnissen eines Wissenschaftsgremiums abhängig, das es dieses Mal nicht gibt. Es handelt sich also um ein übliches, langfristig angelegtes Entschädigungsprogramm, das so auch bei anderen großen Produkthaftungsfällen in den USA zum Einsatz gekommen ist“.
January 29th
Astrazeneca: Milliardeninvestition in China
29.01.26
von
Klaus Fischer
Rund 15 Milliarden US-Dollar (12,5 Milliarden Euro) will der britisch-schwedische Pharmakonzern Astrazeneca bis 2030 in seine Fabriken sowie Forschungseinrichtungen in China investieren. Das berichtete Generaldirektor Pascal Soriot anlässlich des Besuchs des britischen Premierministers Keir Starmer in der Volksrepublik. Nicht zuletzt gehe es um den Ausbau der Kapazitäten hinsichtlich Zelltherapien und Radiokonjugaten, präzisierte Soriot. Die Investitionen betreffen ihm zufolge die gesamte Wertschöpfungskette. Laut Soriot wird sich die Zahl der Beschäftigten von Astrazeneca in China mit den Investitionen von derzeit etwa 17.000 auf mehr als 20.000 Personen erhöhen. Unklar ist, ob die Gesamtsumme die bereits im vergangenen Jahr angekündigte Errichtung eines Forschungszentrums in Peking – der zweiten derartigen Einrichtung des Konzerns in China – umfasst, die rund 2,1 Milliarden Euro kosten wird. Mit den Medikamenten, die Astrazeneca erzeugt, wurden in der Volksrepublik 2025 etwa 68 Millionen Personen behandelt.
Premier Starmer von der Labour Party, der politisch alles andere als unumstritten ist, gab sich höchst erfreut: Die Investition trage dazu bei, in Großbritannien „tausende Arbeitsplätze“ zu erhalten. Sie fördere auch die dortige Forschungs- und Entwicklungstätigkeit und unterstütze damit „unseren weltweit erstklassigen Life-Sciences-Sektor“.
Nicht nur in China baut Astrazeneca seine Fabriken und Forschungseinrichtungen aus. Im vergangenen Jahr kündigte der Konzern an, bis 2030 umgerechnet etwa 41,8 Milliarden Euro in den USA investieren zu wollen, darunter eine Fabrik in Virginia zur Herstellung von Arzneimitteln gegen chronische Erkrankungen. Zum Vergleich: Dieser Betrag entspricht fast dem gesamten Umsatz, den Astrazeneca im Jahr 2024 erwirtschaftete. Er belief sich auf rund 45,2 Milliarden Euro.
January 15th
Chemiebranche begrüßt Auftaktveranstaltung der Critical Chemicals Alliance
15.01.26
von
Klaus Fischer
Laut dem Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs kommt die Alliance „zu einem entscheidenden Zeitpunkt“. Dem EU-Branchenverband Cefic zufolge ist sie ein „lebenswichtiger Schritt“.
Einhellig begrüßten Vertreter der österreichischen sowie der europäischen Chemieindustrie die erste Generalversammlung der Critical Chemicals Alliance der EU. Zu dieser hatte der für Industrie zuständige Vizepräsident der EU-Kommission, Stéphane Séjourné, in den Chemelot-Chemiepark in Limburg im Süden der Niederlande eingeladen. Die Alliance wurde am 8. Juli vergangenen Jahres im Rahmen des European Chemicals Industry Action Plan gegründet. Insbesondere soll sie Kriterien entwickeln, um Chemikalien zu identifizieren, die für die europäische Wirtschaft besonders wichtig sind. Ferner geht es darum, die Produktion solcher Substanzen in der EU sowie den Handel mit ihnen abzusichern.
Ulrich Wieltsch, der Obmann des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO), konstatierte aus Anlass der Generalversammlung, die Alliance sei „eine positive, wenn auch verspätete Reaktion auf die disruptiven globalen Entwicklungen der letzten Jahre“. Auch die österreichische Politik müsse die Chemiesparte „als systemrelevante Schlüsselbranche“ anerkennen. Wieltsch zufolge bringen hohe Kosten für Energie und Arbeitskräfte die Chemieindustrie im internationalen Wettbewerb unter Druck. Dazu kommt die zunehmende Konkurrenz vor allem aus China. „Die Critical Chemicals Alliance kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Wenn Europa seine industrielle Basis sichern und strategische Abhängigkeiten reduzieren will, braucht es eine starke chemische Industrie. Ohne Chemie gibt es keine Resilienz, keine Transformation und keine Versorgungssicherheit“, betonte Wieltsch.
„Lebenswichtiger Schritt“
Ähnlich äußerte sich der Generaldirektor des europäischen Chemieindustrieverbands Cefic, Marco Mensink. Er bezeichnete die Alliance als „lebenswichtigen Schritt, um die Chemieindustrie abzusichern“. Noch in der ersten Jahreshälfte seien entsprechende Maßnahmen notwendig. Es gehe um eine wettbewerbsfähige Produktion, um widerstandsfähige Lieferketten sowie eine starke industrielle Basis, die Innovation voranbringe und die wegen des Klimawandels erforderliche Umgestaltung der Wirtschaft unterstütze.
„Resilienz darf nicht nur als Versorgungssicherheit in Krisensituationen verstanden werden. Sie muss auch Europas Fähigkeit berücksichtigen, Wachstum, Innovation und technologischen Fortschritt zu befördern“, betonte Mensink. Nicht zuletzt gehe es um Energiepolitik und Carbon Management, das Schaffen von Nachfrage für Produkte der Kreislaufwirtschaft, den Schutz des Handels, regulatorische Vorgaben, die die Wirtschaft unterstützen sowie den leichteren Zugang zu Finanzierungsinstrumenten.
Dezember 22nd, 2025
Biontech übernimmt Curevac
22.12.25
von
Klaus Fischer
Die im Juni angekündigte Transaktion wurde nun mit der Übernahme von 87 Prozent der Curevac-Aktien abgeschlossen. Die verbleibenden Anteile will Biontech 2026 erwerben.
Der deutsche Biotechnologiekonzern Biontech hat die Übernahme des Konkurrenten Curevac abgeschlossen. Etwa 86,75 Prozent der Curevac-Aktien seien der Biontech angedient worden, teilte diese mit. Die verbleibenden Curevac-Anteile will sie im Lauf des Jahres 2026 übernehmen. Vereinbart hatten die beiden Unternehmen die Transaktion im Juni 2025. Wie es damals hieß, liegt der Kaufpreis bei rund 1,25 Milliarden US-Dollar (1,08 Milliarden Euro).
Die Biontech will mit der Akquisition laut einer nunmehrigen Aussendung ihre „Fähigkeiten und unternehmenseigenen Technologien in den Bereichen mRNA-Design, Verabreichungsformulierungen und mRNA-Herstellung weiter ergänzen“. Ferner sieht sie darin eine Unterstützung ihrer Onkologie-Strategie. Diese stützt sich primär auf zwei Programme. Erstens geht es um die Arbeit an mRNA-basierten Krebsimmuntherapie-Kandidaten. Zweitens handelt es sich um die Entwicklung des Antikörperkandidaten Pumitamig, der gegen mikrosatellitenstabilen Darmkrebs und gegen Magenkrebs zum Einsatz gelangen soll. Dabei arbeitet Biontech mit Bristol Myers Squibb zusammen.
Ugur Sahin, CEO und Mitgründer von Biontech, verlautete, mit einem zugelassenen mRNA-Produkt „und einer Reihe von Programmen, die unterschiedliche Wirkmechanismen umfassen und sich in der fortgeschrittenen klinischen Entwicklungsphase befinden, treiben wir eine neue Generation von Medikamenten voran, die Patientinnen und Patienten einen echten Mehrwert bieten könnten“.
Verlust verringert
Wirtschaftlich lief das Jahr 2025 für Biontech eher nicht überragend. Zwar erhöhte sich der Umsatz den ersten drei Quartalen um 25,7 Prozent auf 1,96 Milliarden Euro. Doch hatte das Unternehmen einen Verlust von 831,1 Millionen Euro hinzunehmen. Immerhin war dieser um 93,7 Millionen Euro niedriger als im Vorjahreszeitraum.
Für das Gesamtjahr erwartet Biontech einen Umsatz von 2,6 bis 2,8 Milliarden Euro. Im Jahr 2024 hatte das Unternehmen einen Umsatz von 2,75 Milliarden Euro erwirtschaftet. Zu ihrem voraussichtlichen Konzernergebnis machte die Biontech keine Angaben.
November 24th
24.11.25
von
Klaus Fischer
Rund ein Jahr nach dem verbindlichen Übernahmeangebot liegen nun sämtliche behördlichen Genehmigungen vor.
Die XRG, eine Investmentgesellschaft der Abu Dhabi National Oil Company (Adnoc), darf den deutschen Spezialchemiekonzern Covestro übernehmen. Laut einer Aussendung der Covestro erteilte das Berliner Wirtschaftsministerium die letzte noch nötige Genehmigung. Der Gesamtpreis beläuft sich auf rund 12,89 Milliarden Euro. Laut einer Investitionesvereinbarung, die bis Ende 2028 gilt, muss die XRG die Covestro bis dahin weiter als Aktiengesellschaft führen und darf „keinen Beherrschungs- und/oder Gewinnabführungsvertrag mit Covestro“ schließen. Das verbindliche Übernahmeangebot hatte die Adnoc Anfang Oktober 2024 gelegt.
Covestro-Vorstandschef Markus Steilemann sprach vom „Beginn eines spannenden neuen Kapitels für Covestro. Mit XRG als starkem und langfristig orientiertem Partner werden wir Innovation und digitale Transformation ausbauen, die Kreislaufwirtschaft weiter vorantreiben und neue Maßstäbe in der chemischen Industrie setzen können“. Der vormalige OMV-Generaldirektor Rainer Seele, der die Chemiesparte der XRG leitet, betonte, die Transaktion stärke die Position seines Unternehmens „in der globalen Chemiebranche und bestärkt das Ziel, zu den drei führenden internationalen Investoren der Branche zu zählen. Wir schätzen die hohe Kompetenz und das Engagement der Covestro-Mitarbeitenden und freuen uns darauf, eng mit dem Management-Team zusammenzuarbeiten, um das volle Potenzial von Covestro auszuschöpfen“.
Für Österreich ist die Angelegenheit insofern interessant, als die Adnoc bekanntlich dabei ist, mit der OMV die „Borouge Group International“ (BGI) zu gründen, einen weltweit tätigen Polyolefinkonzern mit einem Marktwert von rund 60 Milliarden US-Dollar (57 Milliarden Euro). Dies soll vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen im ersten Quartal 2026 erfolgen. Die BGI entsteht aus der Fusion der Borealis, an der die OMV 75 Prozent und die Adnoc 25 Prozent hält, mit der Adnoc-Tochter Borouge. In die BGI verschmolzen wird ferner die US-amerikanische Nova Chemicals, die zu 100 Prozent der Mubadala gehört, einer staatlichen Investmentgesellschaft aus Abu Dhabi.
Weiter Verluste
Die Covestro hatte zuletzt erneut rote Zahlen geschrieben und im dritten Quartal einen Verlust von 47 Millionen Euro verzeichnet, nachdem es im zweiten Quartal 59 Millionen Euro gewesen waren. Im dritten Quartal 2024 wies die Covestro einen Gewinn von 33 Millionen Euro aus. Für den neuerlichen Verlust machte das Covestro-Management „eine anhaltend schwache Nachfrage und ein daraus resultierendes Überangebot in wichtigen Absatzmärkten“ sowie den Brand einer einer Trafostation im von der Currenta betriebenen Chempark Dormagen am 12. Juli verantwortlich. Der Schaden soll das EBITDA der Covestro mit einem niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag belasten.
September 30th
Lenzing baut 600 Beschäftigte ab
30.09.25
von
Klaus Fischer
Die Maßnahme betrifft die Belegschaft des oberösterreichischen Stammsitzes und soll bis Ende 2027 Einsparungen von rund 45 Millionen Euro bringen. Geprüft wird der Verkauf der Faserfabrik in Indonesien.
Rund 600 Beschäftigte baut der Faserkonzern Lenzing an seinem gleichnamigen Stammsitz in Oberösterreich bis Ende 2027 ab. Etwa 250 Personen verlieren noch heuer ihren Arbeitsplatz, hieß es in einer Aussendung. Der Konzern verspricht sich von diesen Maßnahmen Einsparungen von insgesamt rund 45 Millionen Euro. Umgesetzt werden diese der Lenzing zufolge „im Einklang mit einem neuen Sozialplan, der mit Vertretern des Betriebsrats Anfang September vereinbart wurde“. Insgesamt hat die Lenzing in Österreich etwa 3.500 Beschäftigte, weltweit waren es per 30. Juni 7.712.
Ferner kündigte die Lenzing an, sogenannte „strategische Optionen“ prüfen zu wollen, darunter den Verkauf des Produktionsstandorts in Purwakarta in Indonesien. Purwakarta liegt etwa 140 Kilometer südöstlich der indonesischen Hauptstadt Jakarta auf der Insel Java. An dem Standort hatte der Konzern in den vergangenen Jahren rund 100 Millionen Euro in eine neue Schwefelrückgewinnungsanlage und die Modernisierung einer Kläranlage investiert. Durch einen Verkauf könnten sich noch heuer Abschreibungen von bis zu 100 Millionen Euro ergeben, die das konsolidierte operative Ergebnis (EBIT) sowie den konsolidierten Jahresabschluss negativ beeinflussen würden. Begründet wurden diese Aktivitäten durch die „schwache Markterholung, niedrige Preise für Standardfasern in China und steigende Kosten für Personal, Energie und Rohstoffe“.
Angekündigt wurde auch, am Stammsitz sowie am Standort Heiligenkreuz im Burgenland bis Ende 2027 rund 100 Millionen Euro investieren zu wollen: „Heiligenkreuz wird seine globale Führungsposition als umweltfreundlichste Produktionsstätte für Spezialfasern sowie als Innovationshub durch gezielte Investitionen in neue Technologien weiter ausbauen. In Lenzing sind zudem weitere Investitionen mit strategischen Partnern in Vorbereitung, um die Premiumisierungsstrategie von Lenzing zu unterstützen.“
„Konsequente Umsetzung“
In einem Zuge bestätigte der Vorstand unter seinem Vorsitzenden Rohit Aggarwal, das EBITDA werde heuer über dem Wert von 2024 liegen. Dieser belief sich auf etwa 395,4 Millionen Euro. Für 2027 werde ein EBITDA von 550 Millionen Euro angestrebt. Insgesamt hatte die Lenzing 2024 einen Verlust (Ergebnis nach Steuern) von 138,3 Millionen Euro hinzunehmen, nachdem sie 2023 rund 593 Millionen Euro Verlust geschrieben hatte. Zum Halbjahr 2025 wies der Konzern einen Gewinn von 15,2 Millionen Euro aus. Das erste Halbjahr 2024 hatte er mit einem Verlust von 65,4 Millionen Euro abgeschlossen.
Aggarwal resümierte, 2025 sei „das Jahr der konsequenten Umsetzung“. Es gehe nun darum, „die Agilität, die Widerstandsfähigkeit und die Kostenposition von Lenzing weiterauszubauen, um das Unternehmen als globaler Marktführer im Bereich nachhaltiger Cellulosefasern zu stärken. Wir bauen auf unsere Stärke als Innovationsführer. Zugleich optimieren wir unsere Strukturen und Prozesse, um Kosten nachhaltig zu senken und unsere Wettbewerbsfähigkeit weiter zu stärken“.
Arbeitsministerium bereit
Arbeitsministerin Korinna Schumann versicherte, ihr Haus stehe „in engem Austausch mit dem Arbeitsmarktservice sowie den Sozialpartnern, um geeignete Unterstützungsmaßnahmen auf den Weg zu bringen und die Folgen für die Beschäftigten abzufedern“.
Ähnlich äußerte sich Oberösterreichs Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner. Ihm zufolge steht das Land „ im Rahmen seines Standortprogramms für Arbeit in Oberösterreich ‚Upperwork‘ zur Unterstützung bereit.“ Die Maßnahmen reichten „von Qualifizierungsprogrammen bis zu Direktvermittlungsaktivitäten“.
Der ÖGB bezweifelte indessen, „ob kurzfristige Einsparungen und Auslagerungen wirklich der richtige Weg sind, wenn dadurch wertvolles Know-how und Fachkräfte verloren gehen“. Nötig sind ihm zufolge „nachhaltige Investitionen statt kurzfristiger Sparprogramme“.
September 4th
Borealis: Über 100 Millionen Euro für Polymer-Compounding
04.09.25
von
Klaus Fischer
Der mehrheitlich im Besitz der OMV befindliche Kunststoffkonzern baut in Schwechat bis Herbst 2026 eine neue Produktionslinie für Polypropylen-Compounds.
Der zu 75 Prozent der OMV gehörende Kunststoffkonzern Borealis investiert mehr als 100 Millionen in eine neue Produktionslinie für Polypropylen-Compounds in der Raffinerie Schwechat. Sie soll in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres den Betrieb aufnehmen, teilte die Borealis in einer Aussendung mit. Um wie viel sich die Kapazität seiner PP-Compounding-Anlagen in Schwechat damit erhöht, gab das Unternehmen nicht bekannt. Die Materialien werden der Borealis zufolge für die Herstellung vieler unterschiedlicher Waren verwendet. Darunter sind Konsumgüter und Haushaltsgeräte ebenso wie Leichtbau-Kunststoffe für Elektrofahrzeuge, aber auch „schützende Außenbeschichtung für Stahlrohre, die für den Transport von Öl und Gas bei hohen Temperaturen erforderlich sind“.
Borealis-Geschäftsführer Stefan Doboczky konstatierte, sein Unternehmen habe „in den vergangenen zehn Jahren fundierte Expertise in zirkulären Lösungen aufgebaut, die den hohen Qualitätsansprüchen unserer Kundinnen und Kunden gerecht werden. Mit zusätzlicher Kapazität liefern wir mehr von den Materialien, die sie benötigen, damit sie ihre Leistungsziele erreichen und ihren Nachhaltigkeitsambitionen näherkommen“.
July 8th
Arzneimittelversorgung: Warnung vor Engpässen
08.07.25
von
Klaus Fischer
Laut der Ärztekammer und der Pharmaindustrie sind das Preisband, die Wirkstoffverschreibung und die Kommunale Abwasserrichtlinie der Versorgungssicherheit nicht eben förderlich.
Vor einer weiteren Verschärfung bei der Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln warnt die Österreichische Ärztekammer. Bei einer Pressekonferenz verwies deren Präsident Johannes Steinhart auf das seit kurzem geltende neue Preisband für Arzneimittelspezialitäten, mit dessen Einführung die Preise für die betreffenden Präparate ein weiteres Mal gesenkt wurden. „Wenn die Kostenschraube nun noch weiter angezogen wird, dann könnten noch mehr Medikamente vom österreichischen Markt verschwinden“, betonte Steinhart. Auch die immer wieder diskutierte Wirkstoffverschreibung wäre dem Kammerpräsidenten zufolge alles andere als empfehlenswert. Sie würde lediglich dazu führen, die Logistikkosten der Apotheken zu senken und deren Gewinnspannen zu steigern. Den Patienten bringe sie dagegen nichts, sondern verunsichere diese nur und gefährde im Extremfall deren Gesundheit. „Bei Schluckbeschwerden achten wir beispielsweise auf ein lösliches Präparat. Dieses Wissen über einen Patienten hat aber der Apotheker nicht und so kann es zu gefährlichen Situationen kommen, wenn der Patient trotzdem versucht, das Medikament zu schlucken“, stellte Steinhart fest.
Um die Versorgung der Patienten mit Arzneimitteln sicherzustellen, schlug Steinhart zwei Maßnahmen vor. Erstens müsse die Erzeugung von Medikamenten wieder nach Österreich oder zumindest Europa zurückgeholt werden. Zweitens gelte es, die österreichische „Niedrigpreispolitik“ bei Arzneimitteln zu revidieren. Auf die Frage der Redaktion, welche Maßnahmen er zum „Zurückholen“ der Produktion setzen würde, beschied Steinhart: „Man wird vermutlich Förderungen brauchen. Das wird natürlich etwas kosten.“ Aber einem „wohlhabenden Land“ wie Österreich müsse die Versorgungssicherheit etwas wert sein.
Preise senken „mit Augenmaß“
Hinsichtlich des Preisbandes erläuterte Ernst Agneter, Facharzt für Pharmakologie, Inhaber des Lehrstuhls für Pharmakologie an der Sigmund Freud Privatuniversität sowie Präsident der Gesellschaft der Ärzte in Wien, es sei legitim, die Preise für Generika senken zu wollen. Das müsse jedoch „mit Augenmaß“ geschehen. Das Preisband sei mittlerweile zum fünften Mal angewandt worden. Der Wirkstoff Astorvastatin gegen einen zu hohen Cholesterinspiegel sei 2005 mit einem Fabrikabgabepreis von 33 Euro in den Erstattungskodex aufgenommen worden. Nunmehr liege der Preis für das günstigste Generikium bei 3,24 Euro, was einem Rückgang um 90 Prozent entspreche. Als Referenzpräparat werde jeweils das Medikament mit der geringsten Wirkstoffmenge verwendet: „Das kann nicht sinnvoll sein.“
Im Gespräch mit dem Chemiereport erläuterte Agneter, es gehe nicht darum, das Preisband abzuschaffen. Notwendig sei jedoch, die Anpassung der Preise für Arzneimittel unter Berücksichtigung der Inflation zu ermöglichen. Als sinnvoll erachtet Agneter eine politische Grundsatzdebatte über die Kosten von Arzneimitteln. Gerade aus Kostengründen habe die Industrie die Produktion in einigen wenigen Ländern konzentriert, insbesondere bei Generika. Das wirke sich nicht eben positiv auf die Versorgungssicherheit aus: „Die Globalisierung hat viel gebracht. Aber jede Medaille hat zwei Seiten.“
Unterstützung von der Pharmig
Weitgehend unterstützt wird die Position der Ärztekammer vom Pharmaindustrieverband Pharmig. Dessen Generalsekretär Alexander Herzog warnte wie Steinhart und Agneter vor der Wirkstoffverschreibung. Sie hätte „nur Verunsicherung und sicherlich keinen einzigen Engpass weniger zur Folge“. Herzog ergänzte, letztlich lasse sich das Problem der Versorgung nur auf europäischer Ebene lösen. Entsprechende Maßnahmen seien „ein wichtiger Bestandteil der neuen EU-Pharmagesetzgebung, die sich auf der Zielgerade befindet. Darüber hinaus wird mit Hochtouren an einem Critical Medicines Act gearbeitet, der dieses Problem ebenfalls adressiert. Weiters sorgt seit Anfang des Jahres die European Shortages Monitoring Plattform für mehr Transparenz, um Lieferengpässe auf EU-Ebene besser zu erfassen und gegebenenfalls entgegenwirken zu können. Auch bereits etablierte regulatorische Erleichterungen, etwa für die Abgabe ausländischer Packungen im Falle von Engpässen, führen dazu, dass Patient:innen die gewohnten Arzneimittel erhalten können“. Darüber hinaus müssten die Zulassungsinhaber in Österreich seit kurzem Vorräte bestimmter Arzneimittel anlegen.
Wichtig sei aber auch eine „faire Preispolitik“. Würden die Preise für Arzneimittel zu niedrig angesetzt, sei das der Versorgungssicherheit nicht eben dienlich, warnte Herzog.
Generikaverband schlägt Alarm
Bereits Ende Juni hatte der Präsident des Österreichischen Generikaverbands, Wolfgang Andiel, im Zusammenhang mit dem Preisband Alarm geschlagen. Im Durchschnitt würden monatlich etwa 20 Präparate aus dem Erstattungskodex verschwinden. Dies zeige, dass „Preisregulierungen mit Augenmaß umgesetzt werden“ müssten. Andernfalls sei die sichere Versorgung mit Arzneimitteln gefährdet. Über 80 Prozent jener Generika, deren Marktanteil bei mehr als 60 Prozent liege, würden „in Europa nur noch von einem einzigen großen Anbieter geliefert“. Dazu komme die neue EU-Verordnung zur Arzneimittelbevorratung. Sie verpflichte die Pharmabranche, rund 600 Präparate dauerhaft vorzuhalten, von denen etwa 83 Prozent Generika seien.
Ferner müssten die Generikahersteller nach derzeitigem Stand rund 60 Prozent der Kosten für die kommende vierte Reinigungsstufe kommunaler Kläranlagen tragen, was europaweit Belastungen von bis zu 6,6 Milliarden Euro mit sich bringen könne. Freilich: Klagen gegen die Kommunale Abwasserrichtlinie (KARL) sind seitens der Pharma- und der Kosmetikindustrie im Laufen. Und Branchenvertreter betonten in den vergangenen Monaten, die KARL müsse angepasst werden, um die Versorgungssicherheit mit Arzneimitteln nicht zu gefährden.
Kasse wimmelt ab
Unbeeindruckt von den Warnungen gab sich der Dachverband der Sozialversicherungsträger. Ihm zufolge sind Befürchtungen, das Preisband könne die Versorgung mit Medikamenten gefährden, „unbegründet“. Gerade bei Generika sei Österreich kein Billigland, sondern ein „Hochpreisland“. Außerdem steige die Zahl der Präparate im Erstattungskodex stetig. „Waren Anfang 2005 noch 5.264 Medikamente gelistet, sind es mit Jänner 2025 bereits 7.759“, hieß es in einer Aussendung.
July 3rd
Pharmaindustrie lobt EU-Life-Sciences-Strategie
03.07.25
von
Klaus Fischer
Dem europäischen Branchenverband EFPIA zufolge ist das Dokument „ein höchst willkommener Schritt für die in Europa tätigen Unternehmen“.
Weitestgehend positiv beurteilt der europäische Pharmaindustrieverband EFPIA die Life-Sciences-Strategie, die die EU-Kommission am 2. Juli vorstellte. Nach Ansicht der EFPIA ist diese „ein höchst willkommener Schritt für die in Europa tätigen Unternehmen“. Die Strategie fokussiere richtigerweise darauf, die Durchführung klinischer Studien zu erleichtern. Ferner begrüßt der Verband das noch für heuer geplante EU-Biotech-Gesetz, mit dem der Kommission zufolge „ein innovationsfreundlicherer Rahmen für alle Biotech-Sektoren“ geschaffen werden soll. Auch die Ankündigung, eine „Koordinierungsgruppe für Biowissenschaften“ (Life Sciences Coordination Board) zu etablieren, „um Politik und Finanzierung sektorübergreifend aufeinander abzustimmen und die Zusammenarbeit mit wichtigen Interessenträgern, einschließlich der Industrie und der Bürgerinnen und Bürger, zu unterstützen“, stößt bei der EFPIA auf Zustimmung. Dies könne helfen, die Strategie in „schnelle, greifbare“ Handlungen umzusetzen.
EFPIA-Generaldirektorin Nathalie Moll konstatierte, es sei „außerordentlich ermutigend, dass die EU-Gesetzgeber die Notwendigkeit erkennen, negative Trends umzukehren und dass sie aktiv nach neuen Investitionen suchen“. Um seine führende Rolle im Pharmasektor zu behaupten, müsse Europa selbst in neuartige Arzneimittel investieren, private Investoren anziehen, sicherstellen, dass die Investitionen rascher zu neuen Behandlungsmöglichkeiten sowie zu Wirtschaftswachstum führen und den Patienten in der EU den Zugang zu den Präparaten ebenso rasch gewährleisten wie in anderen Regionen.
Notwendig sind der EFPIA zufolge ein „funktionierender einheitlicher Markt für klinische Studien“ sowie eine Strategie für die gleichzeitige Durchführung solcher Studien in mehreren EU-Staaten. „Die Arbeit daran muss unverzüglich beginnen“, hieß es in einer Aussendung. Als hilfreich erachtet die EFPIA auch, dass die EU-Kommission über die Programme Horizon Europe und EU4Health rund 300 Millionen Euro bereitstellen möchte, um biowissenschaftliche Innovationen zur Eindämmung des Klimawandels sowie zur Entwicklung neuartiger Impfstoffe und Krebsmedikamente zu fördern.
„Vielversprechende Impulse“
Ähnlich äußerte sich der Geschäftsführer der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB), Ricardo Gent. Ihm zufolge enthält die Life-Sciences-Strategie „vielversprechende Impulse, um Forschung, Entwicklung, Produktion zu stärken – und vor allem eingefahrene Strukturen aufzubrechen. Denn Europa kann die nächste Innovationswelle in den Life-Sciences nur dann global anführen, wenn sie gewohnte Denk- und Branchengrenzen überwindet“. Gent zufolge handelt es sich bei „der Biotechnologie“ um eine „ eine universell einsetzbare Technologie, die tiefgreifende Transformationen branchenübergreifend vorantreibt. Ein robustes Biotech-Ökosystem ist auf regulatorische und finanzielle Rahmenbedingungen angewiesen, die diese Integration unterstützen und sie nicht behindern. Ohne dies bleibt das Potenzial der Biotechnologie für die EU reine Theorie“.
Gewichtig und innovativ
Seitens der EU-Kommission hieß es, die Life-Sciences- und Biotechnologieindustrie der EU repräsentiere einen Wert von 1.500 Milliarden Euro oder rund 9,4 Prozent des kumulierten BIP der Mitgliedsstaaten. Überdies beschäftige sie etwa 29 Millionen Personen. Auch zeichne sich die Branche durch außerordentliche Innovationskraft aus. Allein im Jahr 2022 habe sie rund 46,6 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investiert, was knapp einem Fünftel der einschlägigen Ausgaben der gesamten EU-Industrie entspreche. Gesundheitskommissar Olivér Várhelyi konstatierte, Life Sciences und Biotechnologie schüfen „Wettbewerbsfähigkeit, Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze“. Mit der Strategie ebne die Kommission „den Weg für ein gesünderes, intelligenteres Europa“.
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