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May 16th, 2022

Agrana: Ukraine-Krieg sorgt für Jahresverlust

Operativ verlief das Geschäftsjahr 2021/22 des Frucht-, Stärke- und Zuckerkonzerns zufriedenstellend. Aufgrund von Wertberichtigungen ergaben sich Einbrüche beim EBIT und beim Konzernergebnis. Für die Zukunft ist der Vorstand optimistisch.

 

„In normalen Zeiten wäre 2021/22 ein gutes Jahr gewesen. Aber die Zeiten sind nicht normal“, konstatierte Agrana-Generaldirektor Markus Mühleisen anlässlich der Bilanzpressekonferenz des Frucht-, Stärke- und Zuckerkonzerns. Zwar verzeichnete die Agrana ein Umsatzplus von 13,9 Prozent auf 2,90 Milliarden Euro, das EBITDA erhöhte sich um 8,1 Prozent auf 206,7 Millionen Euro. Doch das Ergebnis der Betriebstätigkeit (EBIT) brach um 68,6 Prozent auf 24,7 Millionen Euro ein. Und hatte der Konzern 2020/21 einen Gewinn von rund 55,0 Millionen Euro erwirtschaftet, so musste er 2021/22 einen Verlust von 12,2 Millionen Euro verkraften. Schuld waren Wertberichtigungen vo rund -69,8 Millionen Euro, die die Agrana aufgrund des Kriegs in der Ukraine vorzunehmen hatte. Laut Mühleisen war der Konzern „bis zum Kriegsausbruch voll auf Kurs und hätte ohne negatives Ergebnis aus Kriegssondereinflüssen einen deutlichen EBIT-Anstieg erreicht“. Operativ sei 2021/22 „sehr zufriedenstellend“ verlaufen, nicht zuletzt dank „sehr guter“ Apfel- und Zuckerrübenernten, die sich auf die Segmente Frucht und Zucker positiv auswirkten, sowie „historisch hoher“ Ethanolnotierungen, die sich im Segment Stärke erfreulich bemerktbar machten.

 

In der Ukraine stellte die Agrana ihre Tätigkeit nach der Invasion der Russländischen Föderation (RF) am 24. Feber ein. Inzwischen produzieren die beiden Werke für Fruchtzubereitungen und Fruchtsaftkonzentrate wieder mit etwa einem Drittel ihrer Leistung, wobei die Sicherheit der Belegschaften selbstverständlich Priorität hat. Die rund 800 Beschäftigten im Lande werden regulär entlohnt. In der RF ist das Werk in Serpuchow etwa 100 Kilometer südlich von Moskau mit seinen 300 Mitarbeitern faktisch „auf sich allein gestellt“, erläuterte Finanzvorstand Stephan Büttner. Die Produktion von Fruchtzubereitungen für Joghurts wird bis auf Weiteres aufrecht erhalten. Mühleisen ergänzte, ein Rückzug aus der RF sei vorläufig nicht geplant. Allerdings beobachte die Agrana die Lage sehr genau und bewerte diese kontinuierlich neu. Zurzeit sei es indessen „richtig, dass wir dort sind“. Der operative Betrieb werde schwieriger, unter anderem, was die Versorgung des Werks mit Ersatzteilen betreffe. Auch die politische Lage könne sich jederzeit ändern. Jedenfalls aber bekenne sich die Agrana zu den Sanktionen der Westmächte gegen die RF und sei „entsetzt über die Kriegshandlungen“.

 

Auswirkungen zeitigt der Krieg auch auf die Energieversorgung der Agrana-Standorte in Österreich, berichtete Technikvorstand Norbert Harringer. In Hinblick auf ein mögliches Erdgas-Embargo der EU gegen die RF laufen die Vorbereitungen, die Fabriken auf den Betrieb mit Heizöl extra leicht (HEL) umzurüsten. Ab Oktober soll dieser möglich sein. Ob der Umstieg tatsächlich erfolgt, hängt von den weiteren Entwicklungen ab.

 

„Starkes Fundament“

 

Für das angelaufene Geschäftsjahr 2022/23 gab sich Mühleisen grundsätzlich optimistisch. Die Agrana „hat ein starkes Fundament und ist gut aufgestellt“. Zu rechnen sei mit einem „sehr deutlichen“ Anstieg des EBIT und einem „deutlichen“ Wachstum des Konzernergebnisses. Allerdings liegt dieser Erwartung dem Konzern zufolge „die Annahme zugrunde, dass der Krieg in der Ukraine temporär und regional begrenzt bleibt, die physische Versorgung mit Energie und Rohstoffen gewährleistet ist und sich im neuen Geschäftsjahr die Absatz- und Beschaffungsmärkte wieder teilweise normalisieren können“. Ferner werde davon ausgegangen, „die insbesondere im Rohstoff- und Energiebereich deutlich gestiegenen Preise in angepassten Kundenkontrakten weitergeben zu können“.

 

 

May 11th

Glyphosat: Entscheidung verzögert sich

Statt noch im Herbst 2022 schließt die Lebensmittelsicherheitsagentur EFSA ihre Neubewertung erst im Juli 2023 ab. Wann die EU-Kommission über die weitere Zulassung des Mittels befindet, ist offen.

 

Die Europäische Lebensmittelsicherheitsagentur EFSA und die Chemikalienagentur ECHA veröffentlichten einen aktualisierten Zeitplan hinsichtlich der Bewertung des umstrittenen Pflanzenschutzmittels Glyphosat. Bisher war vorgesehen, seitens der EU-Kommission bis Jahresende über die weitere Zulassung des Mittels zu befinden. Nun verzögert sich dies voraussichtlich bis in die zweite Jahreshälfte 2023. Als Grund dafür geben die EFSA und die ECHA die Vielzahl an Stellungnahmen zu ihrer öffentlichen Konsultation im vergangenen Jahr an. Ihnen zufolge langten im Rahmen der Konsultation „368 Antworten ein, von denen viele mehrere Kommentare enthielten. Darüber hinaus erhielt die EFSA rund 2.400 Kommentare von Sachverständigen aus den Mitgliedstaaten sowie der Gruppe für die erneute Zulassung von Glyphosat (GRG)“. Daraus erstellten die Behörden ein rund 3.000 Seiten umfassendes Dossier. Dieses wird nun von der GRG und in der Folge von der Bewertungsgruppe für Glyphosat (AGG) geprüft, der Frankreich, die Niederlande, Schweden und Ungarn angehören. Laut der AGG wird die Prüfung bis etwa Ende September dauern. Ihr Resultat ergeht an die EFSA.

 

Bereits am 30. und 31. Mai befasst sich der Ausschuss für Risikobeurteilung (RAC) der ECHA mit der Gefahreneinstufung von Glyphosat. Er prüft das Mittel hinsichtlich seiner Karzinogenität, Genotoxizität, Reproduktions- und Entwicklungstoxizität und analysiert dessen Umwelteinstufung. Seine Erkenntnisse übermittelt der RAC der EFSA voraussichtlich Ende Juli/Mitte August. „Somit wird die EFSA im November und Dezember 2022 die Peer-Review-Sitzungen zu Pestiziden mit Sachverständigen der Mitgliedstaaten abhalten und im Juli 2023 die Schlussfolgerungen fertigstellen können. In ihren Schlussfolgerungen wird die EFSA alle möglichen Risiken bewerten, die eine Exposition gegenüber Glyphosat für Menschen, Tiere und die Umwelt mit sich bringen könnte“, konstatierte die Lebensmittelsicherheitsagentur. Bis wann mit einer Entscheidung über die weitere Zulassung von Glyphosat zu rechnen ist, teilte sie nicht mit.

 

Kritik kam von Gegnern der Nutzung von Glyphosat. Sarah Wiener, eine der Abgeordneten der Grünen zum EU-Parlament, bemängelte, „das Ende des Einsatzes von Glyphosat rückt damit wieder in die Ferne“. Sie forderte „ein EU-weites Verbot von Glyphosat – und zwar so schnell wie möglich“. Der Europasprecher der SPÖ im Nationalrat, Jörg Leichtfried, stellte fest, dass Glyphosat voraussichtlich „ein weiteres Jahr am Markt sein wird. Hier gibt die EU-Behörde kein gutes Bild ab, wenn sie es innerhalb von drei Jahren nicht schafft, so ein Zulassungsverfahren abzuwickeln“. Landwirtschaftssprecherin Cornelia Ecker forderte den designierten Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig auf, „dass er auf europäischer Ebene Druck macht, dass die Arbeit der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit höchste Priorität bekommt und die Entscheidung noch in diesem Jahr getroffen werden kann“.

 

April 20th

Henkel: Raus aus der Russländischen Föderation

Noch Anfang April hatte Vorstandschef Carsten Knobel die vorläufige Fortsetzung der Geschäftstätigkeit angekündigt. Nun will er doch aussteigen, angeblich unter dem wachsenden Druck von Aktionären.

 

Der deutsche Chemiekonzern Henkel will seine Geschäftstätigkeit in der Russländischen Föderation (RF) beenden. Begründet wurde dies in einer Aussendung mit den „aktuellen Entwicklungen des Krieges in der Ukraine“. Henkel versicherte darin, zu versuchen, einen „geordneten Ablauf“ des Ausstiegs zu gewährleisten. Die etwa 2.500 Beschäftigten in der RF würden vorläufig „weiterbeschäftigt und -bezahlt. Die mit der Entscheidung verbundenen finanziellen Auswirkungen des geplanten Ausstiegs für Henkel können zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht näher quantifiziert werden“. Vorstandschef Carsten Knobel wurde in einer Aussendung mit den Worten zitiert, „Henkel verurteilt den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und die Gewalt gegen unschuldige Zivilisten. Unsere Priorität ist weiterhin, alles zu tun, um unsere Kolleginnen und Kollegen in der Ukraine zu unterstützen. Wir unterstützen unsere Mitarbeiter:innen und die Menschen in der Ukraine und in den Nachbarländern umfassend mit finanziellen Spenden sowie Lebensmittel- und Sachspenden. Viele Henkel-Mitarbeiter:innen helfen zudem an den Grenzen, indem sie dringend benötigte Güter verteilen oder den Menschen aus der Ukraine eine Bleibe bieten.“

 

Wie berichtet, hatte Knobel bei der Hauptversammlung Anfang April noch anders geklungen. Damals argumentierte er, ein Stopp des Geschäfts in der RF könne „weitreichende Konsequenzen haben, auch für unsere Mitarbeiter vor Ort. In Russland besteht die Gefahr, dass ausländische Unternehmen von der Regierung in Zukunft enteignet werden können und ihre lokalen Manager haftbar gemacht werden, wenn sie die Geschäfte einstellen“. Ohnehin habe Henkel in der RF „die gesamte Werbung eingestellt. Wir haben alle Sponsoringaktivitäten beendet und alle geplanten Investitionen in Russland gestoppt“. Somit setze der Konzern die seitens der EU und der USA verhängen Sanktionen gegen die RF „konsequent“ um und gehe sogar über diese hinaus. Allerdings hatte Knobel schon damals „weitere Schritte“ hinsichtlich der Tätigkeit Henkels in der RF nicht ausgeschlossen. Gerüchten zufolge soll sich der Druck aus Aktionärskreisen, diese einzustellen, in den vergangenen Wochen verstärkt haben, nicht zuletzt unter dem Eindruck von Berichten über mutmaßliche Kriegsverbrechen russländischer Truppen. Moskau spricht diesbezüglich bekanntlich von „Provokationen“, die seitens ukrainischer Einheiten verübt worden seien. Abschließende Ergebnisse unabhängiger Untersuchungen der fraglichen Ereignisse gibt es bis dato nicht.

 

 

 

April 11th

Airfinity senkt Umsatzprognosen für COVID-19-Vakzine

Heuer dürften mit dem Verkauf von Impfstoffen gegen das SARS-CoV-2-Virus weltweit etwa 64,1 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet werden. Bisher war der Pharmadatendienst von rund 80,8 Milliarden US-Dollar ausgegangen.

 

Der Pharmadatendienst Airfinity senkt seine Erwartungen hinsichtlich des voraussichtlichen weltweiten Umsatzes mit COVID-19-Impfstoffen im heurigen Jahr. Statt von 80,8 Milliarden US-Dollar geht er nunmehr von 64,1 Milliarden US-Dollar aus. Der nun prognostizierte Wert liegt also um etwa 20,7 Prozent unter dem zuvor angegebenem. Auch der Bedarf an COVID-19-Vakzinen dürfte laut Airfinity erheblich zurückgehen. Der Datendienst geht für heuer von etwa sechs Milliarden Dosen aus, für 2023 und die Folgejahre dagegen nur mehr von zwei bis vier Milliarden Dosen. Laut dem Chefanalytiker von Airfinity, Matt Linley, liegen derzeit einerseits rund 2,3 Milliarden Dosen an COVID-19-Impfstoffen auf Lager. Andererseits haben speziell Länder mit niedrigerem volkswirtschaftlichem Einkommen Probleme, genug Impfstoff für die Versorgung ihrer Bevölkerungen zu bekommen. Die Omikron-Variante des SARS-CoV-2Virus führe überwiegend zu einem leichteren Verlauf der Krankheit als frühere Mutationen. Das senke das Verlangen nach weiteren Impfungen.

 

Im Wesentlichen teilen sich zwei Unternehmen den Markt für die COVID-19-Vakzine: An der Spitze befindet sich heuer weiterhin Pfizer/Biontech mit einem voraussichtlichen Anteil von etwa 58 Prozent, was einem Umsatz von rund 36,4 Milliarden US-Dollar entspricht. Der Wermutstropfen für den US-Konzern: Die Prognose liegt um 15 Prozent unter der bisherigen. Die zweite Stelle hat Moderna inne - mit 30 Prozent Marktanteil bzw. 18,7 Milliarden US-Dollar Umsatz, womit der Umsatz um etwa 27 Prozent niedriger wäre als der bisher prognostizierte. Jeweils fünf Prozent Marktanteil weist Airfinity für Astrazeneca und Johnson & Johnson (J&J) aus, beim Umsatz bewegt sich Astrazeneca bei 3,4 Milliarden US-Dollar. Einen Jahresvergleich nennt Airfinity für das schwedisch-britische Unternehmen nicht. Doch lagen die Umsätze im ersten Quartal 2022 um rund 67 Prozent unter denen des vierten Quartals 2021. J&J wiederum dürfte im Gesamtjahr 2022 auf etwa 2,9 Milliarden US-Dollar kommen. Im ersten Quartal 2022 erzielte J&J mit dem Präparat um 65 Prozent weniger Umsatz mit seinem COVID-19-Vakzin als im vierten Quartal 2021. Der fünftgrößte Hersteller von COVID-19-Impfstoffen ist Novavax mit einem Marktanteil von etwa zwei Prozent und einem voraussichtlichen Umsatz von 2,7 Milliarden US-Dollar. Allerdings: Bisher hatte Airfinity den voraussichtlichen Umsatz für heuer mit 4,6 Milliarden US-Dollar angegeben, also um 41 Prozent höher. Novavax hat laut Airfinitiy bis dato zwar Verträge über die Lieferung von bis zu 1,7 Milliarden Dosen abgeschlossen, tatsächlich aber erst etwa 30 Millionen Dosen abgesetzt.

 

Den russländischen Impfstoff Sputnik V berücksichtigt Airfinity in seinen Analysen übrigens nicht mehr. Laut dem Datendienst bestehen seit der Invasion in der Ukraine angeblich Unsicherheiten hinsichtlich der Produktion und der Vermarktung des Präparats. Auch die in der Volksrepublik China hergestellten Vakzine behandelt Airfinity in seinen Berichten nun nicht mehr. Einen Grund nennt der Datendienst nicht.

 

 

 

 

April 7th

Cefic: Erneutes Plädoyer für Chemikalienrecycling

Ohne einschlägige Technologien sind die Kreislaufwirtschaftsziele der EU nicht zu erreichen, warnt der europäische Chemieindustrieverband in einem aktuellen Positionspapier.

 

Chemikalienrecycling ist notwendig, um die Kreislaufwirtschaftsziele der EU für 2050 zu erreichen, betont der europäische Chemieindustrieverband Cefic in einem aktuellen Positionspapier. Ihm zufolge werden derzeit rund 70 Prozent der Glas-, Papier- und Metallabfälle recycelt, aber nur etwa 41 Prozent der Kunststoffabfälle. Chemikalienrecycling könnte der Cefic zufolge diese Quote maßgeblich erhöhen, insbesondere bei Verbundmaterialien, die mechanisch kaum recyclierbar sind. Dem Positionspapier zufolge lassen sich mit Chemikalienrecycling neue Chemikalien erzeugen, darunter gerade auch neue Kunststoffe. Sekundärrohstoffe können in einer Qualität bereitgestellt werden, die jener von Primärrohstoffen entspricht und die alle einschlägigen Vorgaben für derartige Materialien erfüllt, also auch REACH-kompatibel ist. Ferner ist es möglich, mittels Chemikalienrecycling die Recyclate von unerwünschten Additiven zu befreien. Laut der Cefic ist eine Reihe von Demonstrationsprojekten im Gange bzw. angekündigt. Es sei indessen notwendig, die Technologien zum Einsatz im industriellen Maßstab reif zu machen, was entsprechender Investitionen bedürfe.

 

Nach Ansicht der Cefic muss die Industrie selbst verstärkt zusammenarbeiten. Notwendig sei nicht zuletzt die Entwicklung von Verfahren zur Behandlung schwer recyclierbarer Materialien, ebenso wie das Schaffen von Qualitätsstandards und Zertifizierungsschemata. Ferner sollte die Branche Lebenszyklusanalysen durchführen und deren Ergebnisse veröffentlichen.

 

Die Politik wiederum ist laut Cefic aufgerufen, Chemikalienrecycling als integralen Bestandteil der Kreislaufwirtschaft anzuerkennen und geeignete Rahmenbedingungen für den Einsatz entsprechender Technologien zu entwickeln. Als besonders wichtig erachtet die Cefic klare Festlegungen hinsichtlich des „Abfallendes“, also jener Kritieren, bei deren Erfüllung ein Stoff nicht mehr als Abfall gilt. Notwendig sei auch, Investitionen in industrielle Vorhaben zum Einsatz von Chemikalienrecycling zu erleichtern.

 

 

 

April 5th

Erdgas: Industrie gegen Importstopp

Die Bundessparte Industrie der Wirtschaftskammer warnt vor einem Missbrauch von Erdgas als „wirtschaftspolitische Waffe“. Sie fordert die Sicherstellung der Gasversorgung sowie die Klärung der Frage, was im Energielenkungsfall auf die Unternehmen zukommt.

 

„Erdgas darf nicht als wirtschaftspolitische Waffe verwendet werden. Hundertausende Arbeitsplätze wären bei Produktionsstillständen gefährdet.“ Das betonte Siegfried Menz, der Obmann der Bundessparte Industrie der Wirtschaftskammer, bei einer Pressekonferenz am 5. April. Menz zufolge würde ein Stopp der Erdgasimporte aus der Russländischen Föderation (RF) die Versorgung der österreichischen Bevölkerung „mit lebensnotwendigen Produkten und Dienstleistungen in den Bereichen Ernährung, Hygiene, Medizin, Verpackungen, Bauen und Wohnen“ gefährden. In der Stahl-, der Gießerei- und der Glasindustrie seien Ausfälle von Schmelzprozessen und damit Millionenschäden zu befürchten. Ferner würde die „Herstellung von pharmazeutischen Produkten würde zum Stillstand kommen, in der Halbleiterproduktion sowie bei der Herstellung von Hygieneprodukten und Verpackungen würden irreparable Schäden an den Anlagen entstehen, die ein Wiederhochfahren in kurzer Zeit verunmöglichen“. Daher müsse „alles unternommen werden, um die heimische Industrie mit ihren rund 460.000 Beschäftigten am Laufen zu halten und die Gasversorgung kurz- und mittelfristig sicherzustellen“.

 

Die Industrie benötige rund drei Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr, was etwa einem Drittel des österreichischen Gasbedarfs entspreche. Kurzfristig verfügbare Alternativen zum „Russengas“ sind laut Menz nicht verfügbar. Folglich gelte es, mögliche Engpässe in der Gasversorgung „primär durch freiwillige, marktbasierte Maßnahmen auszugleichen. Der vorhandene Notfallplan mit definierten Krisenstufen muss aus der Parteipolitik herausgehalten werden. Die aktuelle Situation erfordert Krisenmanagement“. Bekanntlich habe die Bundesregierung die erste Stufe des Notfallplans für Versorgungskrisen im Erdgasbereich aktiviert. Nun müsse klargestellt werden, was auf die Industrie zukomme, wenn die Stufe 3 ausgerufen werde, also der sogenannte „Energielenkungsfall“. „Selbstverständlich sind die Haushalte und die kritischen Infrastrukturen vorrangig zu versorgen. Die Unternehmen müssen aber wissen, was auf sie zukommt und wie die verfügbaren Vorräte verteilt werden“, forderte Menz. Es sei klar, dass Österreich angesichts des derzeitigen Gasspeicherfüllstands von etwa 13 Prozent „höchstens fünf bis sechs Wochen“ durchhalten könne.

 

Zur Wirtschaftslage im Allgemeinen konstatierte Menz, die WKÖ gehe von einem Wachstum des BIP um etwa 3,5 Prozent aus. Noch seien die Auftragsbücher gut gefüllt, „aber wir wissen nicht, wie lange“. Der Geschäftsführer der Bundessparte Industrie, Andreas Mörk, ergänzte, mit dem Angriff der RF auf die Ukraine am 24. Feber habe sich die Hoffnung, einen positiven Ausblick geben zu können, zerschlagen. Zwar habe die Industrie mit einem Produktionswert von 202,2 Milliarden Euro im vergangenen Jahr erstmals die „Marke“ von 200 Milliarden Euro übertroffen. Doch dies sei den gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten geschuldet, nicht aber einer Ausweitung der Absätze.

 

Angesichts des massiven Anstiegs der Großhandelspreise – bei Strom beispielsweise um 163,2 Prozent, bei Gas um 465,7 Prozent und bei Aluminium um 79 Prozent – seien die Liquidität und die Margen der Unternehmen „massiv unter Druck“. Hinzu kämen Probleme bei den Lieferketten, die vermehrt zu Kurzarbeit und zu Herausforderungen bei der Beschäftigung führten. Ensprechend sorgsam gelte es bei den laufenden Kollektivvertragsverhandlungen zu agieren. Wünschenswert sei die Schaffung der Möglichkeit, den Beschäftigten steuerfreie Prämien nach Art der  „Coronaprämie“ anbieten zu können. Finanzminister Magnus Brunner solle ehestens die rechtlichen Voraussetzungen dafür schaffen. Diese sollten dauerhaft gelten, um in Krisenfällen entsprechende Angebote machen zu können, empfahl Mörk. 

 

 

 

Henkel bleibt in der Russländischen Föderation

Produktion und Verkauf werden „zur Zeit“ fortgesetzt, betonte Vorstandschef Carsten Knobel bei der Hauptversammlung des Konzerns. Er will damit möglichen Reaktionen auf die westlichen Sanktionen vorbeugen.

 

Der deutsche Chemiekonzern Henkel bleibt weiter in der Russländischen Föderation (RF) tätig. Das betonte Vorstandschef Carsten Knobel bei der virtuell abgehaltenen Hauptversammlung des Unternehmens am 4. April. Die „lokale Produktion“ sowie der Verkauf würden „zur Zeit“ fortgesetzt. Vor allem gehe es dabei um Waren „des täglichen Bedarfs, zum Beispiel Reinigungs- und Hygieneprodukte“. Knobel erläuterte, Henkel trage Verantwortung für seine etwa 2.500 Beschäftigten sowie den Erhalt seiner Vermögenswerte in der RF: „Ein Stopp unserer russischen Geschäfte kann weitreichende Konsequenzen haben, auch für unsere Mitarbeiter vor Ort. In Russland besteht die Gefahr, dass ausländische Unternehmen von der Regierung in Zukunft enteignet werden können und ihre lokalen Manager haftbar gemacht werden, wenn sie die Geschäfte einstellen“.

 

Henkel habe in der RF indessen „die gesamte Werbung eingestellt. Wir haben alle Sponsoringaktivitäten beendet und alle geplanten Investitionen in Russland gestoppt“. Somit setze der Konzern die seitens der EU und der USA verhängen Sanktionen gegen die RF „konsequent“ um und gehe sogar über diese hinaus. Allfällige „weitere Schritte“ hinsichtlich der Tätigkeit Henkels in der RF schloss Knobel nicht aus.

 

Den Geschäftsverlauf im Jahr 2021, auf das sich die Hauptversammlung bezog, bezeichnete Knobel als „gut“. Er verwies auf den um 7,8 Prozent auf 20,06 Milliarden Euro gestiegenen Umsatz sowie das um 4,2 Prozent auf 2,69 Milliarden Euro gewachsene bereinigte Betriebsergebnis (EBIT). Henkel sei „finanziell kerngesund“.

 

Allerdings werde das laufende Geschäftsjahr aufgrund des Kriegs in der Ukraine und der weiter steigenden Kosten für Energie sowie Logistik „voraussichtlich noch schwerer als ohnehin erwartet“. Hinsichtlich der längerfristigen Perspektiven gab sich Knobel indessen optimistisch: Es sei möglich, „dieses Jahrzehnt für Henkel zu einem Erfolg machen“.

 

 

 

April 1st

Boehringer-Ingelheim: Ausbau in Niederösterreich

Nach der LSCC in Wien tätigt der deutsche Pharmakonzern binnen weniger Jahre seine zweite Großinvestition in Österreich. Unterstützung kommt nicht zuletzt von der niederösterreichischen Wirtschaftsagentur ecoplus.

 

Rund 1,2 Milliarden Euro investiert Boehringer Ingelheim in eine neue Fabrik für biopharmazeutuische Arzneimittel im Wirtschaftspark der niederösterreichischen Landes-Wirtschaftsagentur ecoplus in Bruck an der Leitha. Sie trägt die Bezeichnung Bionex und entspricht technisch sowie von ihrer Größe her im Wesentlichen der „Large Scale Cell Culture“ (LSCC), die das Unternehmen im Herbst vergangenen Jahres in Wien in Betrieb nahm. Laut dem Generaldirektor der Boehringer-Ingelheim-Vertretung in Österreich (Boehringer Ingelheim RCV), Philipp von Lattorff, handelt es sich um die „größte Investition in Österreich in der Konzerngeschichte“. Anlässlich des Beschlusses über den Bau der LSCC im Jahr 2015 habe er geglaubt, „das sei etwas Einmaliges. Aber wir haben es geschafft, noch ein zweites derartiges Projekt nach Österreich zu bekommen“. Aus Platzgründen sei es nicht möglich gewesen, dieses am Standort in Wien zu realisieren. Aber eine „gewisse Nähe“ zur LSCC sei wünschenswert. Den Baubeginn erwartet Von Lattorff für das erste Quartal 2023. Ein Teil der erforderlichen Genehmigungen liegt bereits vor, teilte Von Lattorff dem Chemiereport mit. Er sei „guten Mutes“, auch die ausständigen Genehmigungen zeitgerecht zu erhalten. Der Abschluss der Arbeiten ist für 2026 geplant. Installiert wird ein Fermenter mit rund 185.000 Litern Volumen. Boehringer Ingelheim RCV wird in Bruck sowohl Auftrags- als auch Eigenproduktion mit wechselndem Erzeugungsmix durchführen. Daher sei es schwierig, das jährliche Produktionsvolumen zu beziffern, verlautete gegenüber dem Chemiereport. Auch der Energiebedarf lasse sich zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht exakt angeben. Von Lattorff sprach von einer „guten Nachricht für ganz Europa“. Mit der Investition werde der Pharmastandort Österreich gestärkt, was der gesamten EU zugute komme. Die Biopharmazie werde „ein wesentlicher Teil der Zukunft der Medizin“ sein. Somit nutze das neue Werk den Patienten weit über Österreich hinaus. Vor allem für Indikationen wie Krebs, Schlaganfall und Herzinfarkt seien die in Bruck künftig hergestellten Heilmittel vorgesehen. Ausdrücklich dankte Von Lattorff Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck und Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, die die Umsetzung unterstützen.

 

Schramböck ihrerseits dankte Von Lattorff, das Wirtschaftsministerium von Beginn an in das Vorhaben eingebunden zu haben. Das mache es möglich, dieses wirksam zu unterstützen. Das Land Niederösterreich und insbesondere die ecoplus hätten „großartige Arbeit“ geleistet, betonte Schramböck. Sie kündigte an, „alles“ für eine rasche Umsetzung des Projekts zu tun. Die Life-Science-Branche sei einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Europas. Mit Investitionen wie denen von Boehringer Ingelheim habe Österreich die Chance, zur „Apotheke Europas“ zu werden.


Laut Landeshauptfrau Mikl-Leitner handelt es sich bei der neuen Fabrik in Bruck um eine „Green Factory“, die einmal mehr die Vereinbarkeit von Ökonomie und Ökologie unter Beweis stellt. Die Energieversorgung erfolgt ausschließlich mit Biomasse und Biogas, Windkraft und Photovoltaik, also vollständig klimaneutral. Auch Mikl-Leitner zufolge ist das Vorhaben ein „wichtiges Signal in Richtung Life Sciences“. Was dessen wirtschaftliche Bedeutung betrifft, verwies die Landeshauptfrau darauf, dass es der ecoplus in den vergangenen zehn Jahren gelungen sei, rund 335 Betriebe in Niederösterreich anzusiedeln, die insgesamt etwa eine Milliarde Euro investiert und mehr als 700 Arbeitsplätze geschaffen hätten. Mit einem einzigen Schlag würden diese Werte nunmehr verdoppelt. Ausdrücklich dankte Mikl-Leitner Wirtschafts- und Technologielandesrat Jochen Danninger sowie der ecoplus unter Geschäftsführer Helmut Miernicki für ihre diesbezügliche Arbeit.

 

Branchenvertreter erfreut

 

Erfreut zeigten sich der Pharmaindustrieverband Pharmig und der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO). Pharmig-Generalsekretär Alexander Herzog konstatierte, Boehringer Ingelheim trage „massiv zur Stärkung unseres Pharmastandorts bei. Wir freuen uns außerordentlich, dass Österreich hier im Wettbewerb mit anderen Ländern als Produktionsstandort zum Zug gekommen ist“. Er empfahl der Politik, die Rahmenbedingungen für die Industrie weiter zu verbessern. Als hilfreich zu erachten wären laut Herzog unter anderem eine „Senkung der Lohnnebenkosten oder ein zehnjähriger Steuerfreibetrag für Investitionen zum Standortausbau“, ebenso wie ein „klares Bekenntnis zu mehr Forschung wichtig sowie rechtliche Rahmenbedingungen, um die Produktion in Österreich weiter planbar zu machen und Marktkonditionen nachhaltig zu verbessern“.

 

Ähnlich äußerte sich FCIO-Geschäftsführerin Sylvia Hofinger: „Es ist ein wichtiges Signal für den Pharmastandort, dass sich Boehringer-Ingelheim erneut für Österreich entschieden hat. Die Investition wird die Versorgungssicherheit der Patientinnen und Patienten mit pharmazeutischen Produkten verbessern und führt gleichzeitig zu vielen neuen hochwertigen Jobs. Dadurch wird die lokale Wirtschaft gestärkt.“ Auch Hofinger plädierte jedoch für „ein freundlicheres Umfeld für die Branche“. Bei den Arzneimittelpreisen etwa sollte sich Österreich „als eines der wohlhabendsten Länder in der EU an Ländern orientieren, deren Wirtschaftsleistung nicht einmal halb so groß ist. Außerdem braucht es Verbesserungen bei der Nutzung anonymisierter Patientendaten für die Forschung, mehr Anreize für klinische Studien, ein rascher Zugang für Patienten zu neuen Therapien sowie ein klares Bekenntnis zum Patentschutz, um die bestmögliche Versorgung garantieren und im internationalen Wettbewerb bestehen zu können“.

 

 

 

 

 

March 23rd

Zusammenhang zwischen Übergewicht und Immunsystem

Eine Studie der LMU München konnte zeigen, dass bereits nach wenigen Wochen einer hochkalorischen Diät Immunzellen im Fettgewebe akkumulieren und zu krankhaften Veränderungen von Immunstatus und Stoffwechsel führen können.

Gesundheitsexperten von der WHO abwärts warnen kontinuierlich vor den Folgen von Übergewicht und Adipositas (definiert als Stoffwechselerkrankung, die mit überdurchschnittlicher Vermehrung von Körperfett einhergeht). Einer Aussendung der LMU München zufolge gelten knapp 60 Prozent der Deutschen als übergewichtig, rund ein Viertel als adipös. Übergewicht wird als Auslöser für schwere Folgeerkrankungen wie Diabetes, Arteriosklerose oder Herzinfarkte angesehen.

Im Rahmen einer Studie haben Wissenschaftler der Ludwigs-Maximilians-Universität München (LMU) nun gezeigt, dass schon eine dreiwöchige hochkalorische Diät drastische Effekte auf das Immunsystem haben kann. Das Forschungsteam rund um Susanne Stutte und Barbara Walzog vom Walter-Brendel-Zentrum für Experimentelle Medizin hat festgestellt, dass sogenannte plasmazytoide dendritische Zellen (pDCs) im Viszeralfettgewebe im Inneren des Bauchraums akkumulieren. Die Folge davon ist die Ausbildung kleiner Lymphknötchen – tertiärer lymphatischer Organe –, die akut in den Stoffwechsel eingreifen.

Molekularer Mittler dieses Eingriffs ist Alpha-Interferon – ein Protein, das für gewöhnlich das Immunsystem stimuliert, um Infektionen zu bekämpfen. Im Bauchfettgewebe steigen nun aber durch die Ausschüttung des Botenstoffs die Entzündungswerte und der Stoffwechsel entgleist – ein Krankheitsbild, das als „metabolisches Syndrom“ bezeichnet wird. Wird die Einwanderung der pDCs dagegen blockiert, verbessert sich der metabolische Zustand deutlich. Die Ergebnisse dieser Studie, die in Kooperation mit der Harvard Medical School entstanden, können nun dazu beitragen, neue Ansatzpunkte für eine therapeutische Intervention zu entwickeln.

Die Original-Publikation “High-Fat Diet Rapidly Modifies Trafficking, Phenotype, and Function of Plasmacytoid Dendritic Cells in Adipose Tissue” ist im Journal of Immunology erschienen.

 

 

March 22nd

Wieso läuft die Zeit nur in eine Richtung?

Der Physiker Marcus Huber vom Atominstitut der TU Wien erhält für seine Forschung, die an der Schnittstelle von Quantenphysik und Thermodynamik angesiedelt ist, einen ERC Consolidator Grant.

Hubers Interesse ist von einem besonderen Zusammenhang geleitet: „Es gibt nur zwei Bereiche der Physik, in denen die Richtung der Zeit eine entscheidende Rolle spielt“, wie der Wissenschaftler aufzeigt. Der eine davon ist die Thermodynamik. Hier wurde die Größe Entropie definiert, die in abgeschlossenen Systemen immer nur zunehmen kann und somit die Richtung von Prozessen angibt, die von selbst ablaufen: Zum Beispiel gibt ein Gegenstand höherer Temperatur Wärme an seine Umgebung ab, bis überall die gleiche Temperatur herrscht; niemals aber kühlt ein Körper seine Umgebung von selbst ab, um sich selbst zu erwärmen.

Die andere Teildisziplin der Physik, in die Richtung der Vorgänge eine Rolle spielt, ist die Quantenphysik, im Speziellen der quantenphysikalische Messprozess. Dabei tritt ein mikroskopisches System, das durch die Quantentheorie sehr gut beschrieben werden kann (z.B. ein einzelnes Atom) mit einer makroskopischen Messanordnung in Wechselwirkung. Während der Zustand des Quantensystems vor der Messung durch Überlagerung („Superposition“) verschiedener, mit bestimmter Wahrscheinlichkeit auftretender Zustände aufgefasst werden kann, wird bei der Messung einer davon, der einem ganz bestimmten Messwert entspricht, selektiert. Auch hier ist eine Umkehrbarkeit dieses Vorgangs unmöglich.

„Die Vermutung liegt nahe, dass diese beiden Gebiete – die Thermodynamik und der Messprozess in der Quantenphysik – auf ganz fundamentaler Ebene etwas miteinander zu tun haben“, sagt Marcus Huber: „Daher wollen wir die Quantentheorie statistisch verstehen, ähnlich wie man mit Hilfe der Thermodynamik statistische Größen wie Druck und Temperatur verstehen kann.“

 

Ansehnliche Karriere

Um auf diesem Forschungsfeld weiter vorzudringen, stehen Marcus Huber nun die finanziellen Mittel eines ERC Consolidator Grants zur Verfügung. Diese prestigeträchtige Förderung wird an Forscher vergeben, die seit ihrer Promotion sieben bis zwölf Jahre Erfahrung gesammelt, dabei einen vielversprechenden Weg beschritten und überdies einen exzellenten Forschungsvorschlag gemacht haben. Über eine Periode von fünf Jahren werden dem Geförderten bis zu zwei Millionen Euro ausbezahlt.

Der Physiker studierte zunächst an der Universität Wien Physik und kehrte nach Aufenthalten an den Universitäten Bristol, Barcelona und Genf nach Wien zurück, wo er seit 2016 Gruppenleiter am IQOQI (Institut für Quanten-Optik und Quanteninformation der Österreichischen Akademie der Wissenschaften) und seit 2020 zusätzlich Professor an der TU Wien ist.

Die Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Arbeit sieht er dabei auch als Grundlage neuer Formen von Technologie: So wie die Thermodynamik im 19. Jahrhundert mit Dampfmaschinen oder Verbrennungsmotoren die Basis für die industrielle Revolution geschaffen habe, könnten Quantensysteme die Grundlage für neue Quantentechnologien (etwa „Quantenkühlschränke“ oder ein künftiges „Quanteninternet“) darstellen. 

 

 

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