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September 14th, 2026
EU: Forschungsergebnisse rascher vermarkten
14.09.26
von
Klaus Fischer
Die Verbindung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft muss noch enger werden. Der europäische Binnenmarkt ist dringend weiterzuentwickeln, hieß es bei den Technology Talks des AIT.
Unter dem Motto „Empowering Europe: Technological Leadership for a Resilient Future“ standen die heurigen Technology Talks des Austrian Institute of Technology (AIT) in Wien. Und dieses Thema sei „genau richtig gewählt“, nicht zuletzt in wirtschaftspolitischer Hinsicht, betonte Elisabeth Zehetner, Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium (BMWET). So verfüge etwa Österreich über eine exzellente Forschungslandschaft und über eine starke industrielle Basis. Bei der Forschungsquote liege das Land mit über drei Prozent im EU-weiten Spitzenfeld. Jedoch sei es notwendig, die Ergebnisse heimischer Forschung verstärkt und rascher auf den Markt zu bringen: „Allzu oft erfolgt die Vermarktung nämlich durch andere.“ Ähnliches gelte für die EU insgesamt, ergänzte Zehetner. Der Zugang zur Forschungförderung müsse für die Unternehmen einfacher werden. Auch sei es notwendig, das Emissionshandelssystem ETS zu evaluieren: „Die Dekarbonisierung ist wichtig. Aber wir wollen keine Deindustrialisierung. Das ETS darf unserer Industrie nicht zum Schaden gereichen.“ Dringend erforderlich ist laut Zehetner ferner die Weiterentwicklung des europäischen Binnenmarktes, der bis dato nur unzureichend funktioniert. Eine wichtige Rolle beim Bestreben, Forschungsergebnisse wirtschaftlich nutzbar zu machen, spielt Zehetner zufolg überdies die öffentliche Beschaffung. Österreich etwa habe den bekannten „Made in Europe“-Bonus eingeführt, der weiterentwickelt werden müsse.
Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner konstatierte, Forschung sei wesentlich für Wohlstand und Sicherheit. Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Offenheit Europas müsse wohlüberlegt gehandhabt und stratetisch ausgerichtet werden. Abhängigkeiten von Importen fossiler Energieträger sowie kritischer Rohstoffe seien durch „verlässliche Partnerschaften“ zu überwinden. „Souveränität und Resilienz werden aber nicht über Nacht geschaffen. Wir brauchen eine langfristige Perspektive“, resümierte die Ministerin.
Drei Prioritäten
Christian Ehler, Mitglied des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie (ITRE) des EU-Parlaments, betonte, das Problem der EU bestehe nicht darin, keine Geschäftsmodelle für neue Technologien entwickeln zu können. Was indessen nach wie vor fehle, sei ein einwandfrei funktionierender Binnenmarkt. Ehler, einer der maßgeblichen Wissenschaftspolitiker der CDU-CSU auf EU-Ebene, erläuterte, die Resilienz des Forschungssystems sei die Grundlage wirtschaftlicher, aber auch militärischer Widerstandsfähigkeit. Diesbezüglich nannte der EU-Parlamentarier drei Prioritäten: „stay open“, „pool efforts“ sowie „defend democracy“. Mit „stay open“ meint Ehler die Notwendigkeit, Forschungs- und Wirtschaftspolitik noch stärker zu verknüpfen und dabei offen für technologische Neuerungen zu bleiben. Solche entstünden nicht selten an der Basis und erhielten oft erst spät die gebührende Aufmerksamkeit. Als Beispiel erwähnte Ehler die Quantentechnik: „Meistens fördern wir die ohnehin etablierte Forschung und die großen Unternehmen. Und das ist ein Problem, weil niemand weiß, woher die nächste disruptive Idee kommen wird.“ Es sei daher notwendig, entsprechende Freiräume für die Forschung zu schaffen.
„Pool efforts“ bezeichnet die bekannte Forderung nach gemeinsamem Agieren der EU-Mitgliedsstaaten: „Europa kann nur geeint Erfolg haben. Das sagen wir immer wieder, handeln aber leider nicht danach.“ Unter dem Motto „defend democracy“ schließlich erfasst Ehlers die Bewahrung nicht zuletzt akademischer Freiheit: „Und das ist keine abstrakte Diskussion. Hier besteht Gefahr.“ Künstliche Intelligenz verändere die Art, wie Forschung betrieben wird. Auch verbreite sie Desinformation in bisher ungekannter Weise. Dazu komme das Agieren von monopolistisch orientierten Technologieunternehmen, das ebenfalls eine Herausforderung für die Demokratie darstelle. Dem gelte es mit aller gebotenen Entschiedenheit entgegenzutreten.
Fragmentierter Markt
Lars Reger, Executive Vice President und Chief Technology Officer der NXP Semiconductors mit Hauptsitz in Eindhoven in den Niederlanden, stellte fest, der US-amerikanische Bundesstaat Texas habe etwa die Größe Kontinentaleuropas, weise aber anders als dieses ein einheitliches Rechtssystem auf. Dem gegenüber sei der europäische Markt nach wie zu fragmentiert. Nach Ansicht Regers ist die weitere Verstärkung der Zusammenarbeit der EU-Mitgliedsstaaten von größter Bedeutung: „Darüber hinaus müssen wir Forschung, Entwicklung und Produktion enger zusammenbringen.“
Ähnlich argumentierte die Rektorin der Universität Basel, Andrea Schenker-Wicki. Grundlagenforschung habe zweifellos ihre Bedeutung. Ebenso notwendig sei aber Unternehmertum. Dies vermittle ihre Einrichtung den Studierenden: „Wir versuchen, die Lücke zu schließen zwischen der Erkenntnis, was zu tun ist, und dem tatsächlichen Tun. Das ist harte Arbeit, aber es funktioniert.“ Künftige Ingenieure müssten mit Daten umgehen und analytisch denken können. Ferner benötigten sie soziale Kompetenzen sowie die Fähigkeit, sich an rasant ablaufende Veränderungen anzupassen.
Laut Sabine Herlitschka, der Vorstandsvorsitzenden von Infineon in Österreich, geben Europas Steuerzahler „sehr viel Geld“ für die Förderung wissenschaftlicher Forschung aus. Dies müsse zumindest in einigen Bereichen in weltweite Technologieführerschaft Europas münden. Die Grundlagen hierfür sind laut Herlitschka vorhanden. Allerdings bleibe mancherlei zu tun: „In China beispielsweise sind die Innovationszyklen wesentlich kürzer als in Europa. Daran sollten wir uns orientieren.“ Auch empfehle sich dringend, bestehende sowie allfällige künftige Partnerschaften zwischen der Industrie und der Wissenschaft zu stärken.
September 9th
Förderungsagenturen: Fokus auf Wirtschaftsberatung
09.09.26
von
Klaus Fischer
Mit dem Leitbild „Österreich fördert Zukunft“ werden AWS, FFG, CDG und ABA verstärkt auf Schlüsseltechnologien, Wertschöpfung und Unternehmenswachstum ausgerichtet. Die Wirtschaft zeigt sich erfreut.
Die österreichischen Förderungsagenturen an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft werden bis 2030 „konsequent auf Schlüsseltechnologien, Wertschöpfung und Unternehmenswachstum“ ausgerichtet. Das kündigten Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und der für Innovation zuständige Wirtschaftsminister Peter Hanke an. Hattmannsdorfer konstatierte, nur durch Hochtechnologie, Forschung und Entwicklung könne Österreich seinen Wohlstand auf Dauer halten: „Daher müssen wir uns auf die in der Industriestrategie genannten Schlüsseltechnologien konzentrieren. ‚Made in Europe‘ muss zu ‚Produziert in Österreich‘ werden.“ Forschungsergebnisse müssten in verstärktem Maße und deutlich rascher als bisher auf den Markt kommen. Die beste Idee habe keinen Sinn, wenn sie „im Labor bleibt“, betonte Hattmannsdorfer und fügte hinzu: „Wir sind kein Billiglohnland und wollen das auch nicht werden.“
Neu ausgerichtet werden die Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft (AWS), die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), die Christian-Doppler-Forschungsgesellschaft (CDG) sowie die Standortagentur Austrian Business Agency (ABA). Laut Hattmannsdorfer sollen sie sich verstärkt um Wirtschaftsberatung kümmern. Dem dient ein gemeinsames Leitbild mit dem Titel „Österreich fördert Zukunft. Einfacher. Schneller. Wirksamer. Agenturen-Leitbild 2030“. Sein durchaus ambitioniertes Ziel besteht darin, diese bis 2030 als „Europas modernste Agenturen für Standort-, Investitions- und Forschungsförderung“ zu etablieren. Geschaffen wird dem Leitbild zufolge ein „Single-Point-of-Entry“ mit der Bezeichnung „Business Austria“ als zentraler Ansprechpunkt für Förderwerber. Über diesen werden die betreffenden Unternehmen zu den für sie passenden Angeboten geleitet und durch den Förderprozess geführt. Ihre dafür notwendigen Daten brauchen sie künftig nur mehr einmal zur Verfügung zu stellen. Diese stehen dann allen Agenturen zur Verfügung. Unter dem Titel „Meet Austria“ entsteht überdies ein „gemeinsamer internationaler Auftritt“. Ein „Innovation Board“ schließlich unterstützt die strategische Steuerung des Zusammenwirkens der Agenturen. Die Umsetzung dieses Programms beginnt noch heuer, berichteten Hattmannsdorfer und Hanke.
Hohe Summen
An Fördermitteln stehen für die Jahre 2027 bis einschließlich 2029 im Rahmen des Forschungs-, Technologie- und Innovations-Pakts (FTI-Pakt) insgesamt rund 5,6 Milliarden Euro zur Verfügung. Laut den beiden Ministern sind davon etwa 2,6 Milliarden Euro für die Förderung der Schlüsseltechnologien der Industriestrategie vorgesehen. Dabei handelt es sich um Künstliche Intelligenz und Dateninnovation, Chips, Elektronische Komponenten und Systeme, Fortgeschrittene Produktionstechnologien und Robotik, Quantentechnologie und Photonik, Fortgeschrittene Werkstoffe (Advanced Materials), Life-Sciences & Biotech, Energie- und Umwelttechnologien, Mobilitätstechnologien sowie Weltraum- und Luftfahrttechnologien. Das Wirtschaftsministerium selbst kann auf Basis des FTI-Pakts 641 Millionen Euro aufwenden. Von diesen fließen 449 Millionen in die Schlüsseltechnologien. Laut Hattmannsdorfer ist dies gegenüber der laufenden Förderperiode ein Anstieg um rund 70 Prozent.
Hanke zufolge sind auch bei der Beschaffung der öffentlichen Hand Änderungen vorgesehen, die sich auf einen Gesamtbetrag von etwa 70 Milliarden Euro pro Jahr beläuft. Diese Mittel sollen in Zukunft nicht mehr alleine dem Billigstbieterprinzip ausgegeben werden, sondern „innovativ und akkordiert, damit Mehrwert für unsere Wirtschaft von der Großindustrie bis zu den KMU entsteht“. Ein diesbezüglicher „Aktionsplan“ wird im Herbst präsentiert.
Wirtschaft zufrieden
Die Wirtschaftskammer und die Industriellenvereinigung sprachen sinngemäß von einem Schritt in die richtige Richtung. Sie forderten eine „rasche, praxistaugliche und unbürokratische Umsetzung“ des Vorhabens.
September 3rd
KARL: Generalanwältin gegen erweiterte Herstellerverantwortung
03.09.26
von
Klaus Fischer
Laut den Schlussanträgen Juliane Kokotts sind die einschlägigen Bestimmungen der Kommunalen Abwasserrichtlinie unzureichend begründet und daher nichtig. Die Pharmabranche spricht von einem „maßgeblichen Schritt“.
Der EuGH sollte jene Bestimmungen der Kommunalen Abwasserrichtlinie (KARL) für nichtig erklären, die der Pharma- und der Kosmetikindustrie mindestens 80 Prozent der Kosten der kommenden vierten Reinigungsstufe kommunaler Kläranlagen aufbürden. Das empfiehlt Generalanwältin Juliane Kokott in ihren Schlussanträgen zur Klage Polens gegen die KARL. Kokotts Ausführungen zufolge begründeten die EU-Kommission sowie das EU-Parlament diese sogenannte „erweiterte Herstellerverantwortung“ nicht ausreichend. Insbesondere äußerten sie sich nicht „zur Berechnung der Anteile von Arzneimitteln und Kosmetika an der gewichteten toxischen Belastung auf der Grundlage des PNEC‑Werts (PNEC: predicted no effect concentration, Anm). Damit sind die Organe zumindest nicht ihrer Verpflichtung nachgekommen, vor dem Gerichtshof klar und eindeutig zu belegen, dass sie beim Erlass des Rechtsakts ihr Ermessen tatsächlich ausgeübt haben. Dies setzt nämlich voraus, dass sie alle erheblichen Faktoren und Umstände der Situation, die mit diesem Rechtsakt geregelt werden sollte, berücksichtigt haben“.
Auch habe Polen „begründete Zweifel an der Richtigkeit von PNEC‑Werten und an der Zuordnung bestimmter Stoffe zum Sektor der Kosmetika vorgetragen, die für die danach gewichtete toxische Belastung ausschlaggebend sind. Da diese Zweifel im Gesetzgebungsverfahren nicht erörtert wurden und die Organe darauf auch im gerichtlichen Verfahren nicht geantwortet haben, ist die diesbezügliche Beurteilung durch den Unionsgesetzgeber mit einem offensichtlichen Fehler behaftet“. Damit aber sind nach Ansicht Kokotts die Bestimmungen der KARL zur erweiterten Herstellerverantwortung „für nichtig zu erklären“ oder wenigstens im Rahmen der Klage zu prüfen, die Irland gegen die KARL eingebracht hat.
Für zutreffend hält Kokott ferner das Argument Polens, „dass auch andere Hersteller in die erweiterte Verantwortung einbezogen werden müssten. Aus der Perspektive der Hersteller von Arzneimitteln und Kosmetika wäre es in der Tat nicht das mildeste Mittel, wenn sie einen überhöhten Anteil der Kosten für die vierte Reinigungsstufe tragen müssten, obwohl andere Hersteller ebenfalls in nicht unerheblichem Maß zur Verunreinigung des Abwassers durch Mikroschadstoffe beitragen und somit auch einen Anteil an den Kosten tragen sollten“. Das aber heißt, die Kommission und das Parlament waren verpflichtet, ihre Gründe für die Belastung der Pharma- sowie der Kosmetikindustrie „klar und eindeutig darzulegen und den Zweifeln am Ausmaß ihrer Verantwortung entgegenzutreten“. Auch da sie dies nicht taten, „sollte der Gerichtshof die Regeln über die erweiterte Verantwortung der Hersteller von Arzneimitteln und Kosmetika für nichtig erklären“.
Wünsche abgewiesen
Dagegen bewege sich die Schätzung der Kommission und des Parlaments bezüglich der Kosten der vierten Reinigungsstufe im Rahmen des zulässigen Beurteilungsspielraums. Der Einwand Polens gegen die Schätzung sei daher zurückzuweisen. Keinen Erfolg hatte Polen auch mit dem Wunsch, die erweiterte Herstellerverantwortung für Generikaproduzenten aufzuheben. Laut Kokott „sind die fehlenden Anreize für Generikahersteller zwar unbefriedigend“. Doch das sei kein „offensichtlicher Fehler des Unionsgesetzgebers“.
Branche zufrieden
Zufrieden zeigte sich der Pharmaindustrieverband Pharmig. Generalsekretär Alexander Herzog konstatierte, es könne nicht sein, „dass lediglich zwei Branchen dafür aufzukommen haben, dass Schadstoffe aus dem Abwasser gefiltert werden, die aus vielerlei Quellen stammen. Das ist weder sachgerecht noch fair. Es ist daher nur folgerichtig, wenn die einseitige Herstellerverantwortung gekippt wird“. Kokotts Ansichten sind für den EuGH nicht bindend. Nach bisheriger Erfahrung folgt er den Feststellungen der Generalanwälte aber häufig. Wann er sein Urteil fällt, ist offen.
September 1st
Eli Lilly will Merida Biosciences erwerben
01.09.26
von
Klaus Fischer
Der Preis wird mit umgerechnet rund 2,47 Milliarden Euro beziffert. Merida entwickelt Therapien gegen schwere Autoimmunerkrankungen sowie Allergien.
Der US-amerikanische Pharmakonzern Eli Lilly mit Sitz in Indianapolis will die Merida Biosciences um 2,87 Milliarden US-Dollar (2,47 Milliarden Euro) übernehmen. Das teilten die beiden Firmen in einer gemeinsamen Aussendung mit. Ihr zufolge setzt sich die Kaufsumme aus einem Grundbetrag sowie Meilensteinzahlungen zusammen. Die konkrete Aufteilung wurde nicht bekannt gegeben. Wie üblich, bedarf die geplante Transaktion der Zustimmung der zuständigen Behörden. Geplant ist, sie im vierten Quartal des heurigen Jahres abzuschließen.
Die Merida hat ihren Sitz in Cambridge im Bundesstaat Massachusetts. Sie ist auf die Entwicklung von Therapien gegen schwere Autoimmunerkrankungen sowie Allergien spezialisiert. Ihr derzeit wichtigstes Programm mit der Bezeichnung MER511 befindet sich im Status klinischer Studien der Phase 1. Es geht um einen Wirkstoff gegen die Basedowkrankheit (englisch Graves’ disease) sowie die damit häufig zusammenhängende Schilddrüsen-Augenerkrankung (Thyreoidale Augenerkrankung, TED). Schätzungen zufolge sollen zwischen 25 und 50 Prozent der Basedow-Patienten auch an TED leiden. Diese kann in schweren Fällen zum Verlust der Sehkraft führen. In den USA sind laut Eli Lilly rund drei Millionen Menschen an Basedow erkrankt.
Zwar sind Möglichkeiten zur Behandlung von Basedow sowie TED seit längerer Zeit verfügbar. Sie zielen jedoch darauf ab, die Immunreaktion zu unterdrücken. Bei der von Merida entwickelten Therapie geht es dagegen darum, die Antikörper aufzuspüren und zu eliminieren, die Basedow sowie TED auslösen. Im präklinischen Stadium befindet sich MER769, ein Forschungsprogramm zur Entwicklung von Medikamenten gegen Lebensmittelallergien, Asthma und andere Krankheiten. Auch diese haben den Zweck, die Antikörper, die die betreffenden Leiden auslösen, zu neutralisieren.
Geld vorhanden
Wie Eli Lilly den Kauf finanzieren möchte, wurde nicht bekannt gegeben. Über die erforderlichen Mittel sollte der Konzern aber verfügen. Sein Umsatz im zweiten Quartal belief sich auf rund 22,97 Milliarden US-Dollar (19,81 Milliarden Euro), sein Nettogewinn auf 7,09 Milliarden US-Dollar (6,11 Milliarden Euro).
August 25th
Lenzing: Kapitalerhöhung beschlossen
25.08.26
von
Klaus Fischer
Wie geplant, billigte eine außerordentliche Hauptversammlung die Ausgabe von Inhaberaktien im Wert von rund 300 Millionen Euro. Sie soll bis spätestens 25. Februar 2027 erfolgen.
Plangemäß beschloss eine außerordentliche Hauptversammlung des Faserkonzerns Lenzing die Erhöhung seines Grundkapitals um rund 300 Millionen Euro. Diese erfolgt, wie angekündigt, mittels Ausgabe neuer auf Inhaber lautender Stückaktien. Vorgesehen ist, die Kapitalerhöhung bis spätestens 25. Februar kommenden Jahres durchzuführen, hieß es in einer Aussendung: „Die Stärkung der Eigenkapitalbasis verbessert die Bilanzstruktur der Lenzing AG, erhöht ihre finanzielle Stabilität und schafft zusätzlichen Handlungsspielraum.“ Überdies werde die Umsetzung des Restrukturierungsprogramms „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ erleichtert, verlautete Vorstandschef Georg Kasperkovitz: „Damit schaffen wir die Voraussetzungen, die Profitabilität der Lenzing AG nachhaltig zu steigern und langfristigen Wert zu schaffen.“ Die Hauptaktionäre, die B&C-Gruppe mit 37,2 Prozent sowie der brasilianische Zellstoffkonzern Suzano mit 15 Prozent, hatten bereits bei der Ankündigung der Kapitalerhöhung Ende Juli angekündigt, diese zu unterstützen. Sie befürworten auch die Absicht des Vorstands, neue Kredite über weitere bis zu 300 Millionen Euro aufzunehmen.
Wie berichtet, will die Lenzing mit dem umfassenden Restrukturierungsprogramm „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ dauerhaft profitabel werden. Geplant ist, den Konzernumsatz in Zukunft zu künftig zu jeweils rund einem Drittel im Textil-, im Vliesstoff- sowie im Zellstoffgeschäft zu erwirtschaften. Zurzeit fallen etwa 45 Prozent des Umsatzes im Textilgeschäft an, 26 Prozent im Geschäft mit Vliesstoffen, 20 Prozent im Zellstoffgeschäft und zehn Prozent im Vertrieb sonstiger Produkte. Mit der Umstrukturierung möchte sich die Lenzing von der Abhängigkeit vom Textilgeschäft befreien, das Zyklen von etwa fünf bis sieben Jahren aufweist.
Erheblicher Stellenabbau
Erheblich betroffen von den Maßnahmen ist die Belegschaft. Weltweit verlieren rund 2.000 der derzeit 7.700 Beschäftigten ihre Arbeitsplätze. Davon entfallen etwa 1.400 auf den Standort des Konzerns in Indonesien. In Großbritannien soll die Fabrik in Grimsby an der Humbermündung in die Nordsee etwa 95 Kilometer östlich von Leeds bis Ende 2027 geschlossen werden. Im Burgenland steht die Fabrik in Heiligenkreuz zum Verkauf. Findet sich kein Abnehmer, schließt die Lenzing das Werk mit Jahresende. In diesem Zusammenhang kündigte der Landeshauptmann des Burgenlands, Hans Peter Doskozil, an, sich engagieren zu wollen. Er ventilierte „eine Zukunftslösung mit Bestand – so wie uns das bei Sanochemia oder anderen Unternehmen auch gelungen ist“. Das Problem: Laut einem von Doskozil heftig kritisierten Bericht des Landesrechnungshof ist die Finanzlage des Burgenlands alles andere als prächtig.
August 17th
ECHA unterstützt Umsetzung der Altfahrzeugverordnung
17.08.26
von
Klaus Fischer
Die EU-Chemikalienagentur wird unter anderem besorgniserregende Substanzen in Fahrzeugen identifizieren sowie Vorschläge für die Einschränkung der Verwendung solcher Substanzen machen.
Die Europäische Chemikalienagentur ECHA wird die EU-Kommission bei der Umsetzung der am 13. August in Kraft getretenen Altfahrzeugverordnung (Verordnung (EU) 2026/1738) unterstützen. Zu diesem Zweck wird sie besorgniserregende Substanzen identifizieren, die in Fahrzeugen vorkommen, auf Anfrage der Kommission Vorschläge für Einschränkungen für die Verwendung besorgniserregender Substanzen erstellen sowie Ausnahmen zu bestehenden Verboten untersuchen. Sie wird dabei gemäß den Bestimmungen des Chemikalienmanagementsystems REACH vorgehen, also die betreffenden Arbeiten durch die wissenschaftlichen Komitees durchführen lassen. Das teilte die ECHA in einer Aussendung mit. Ihre Erkenntnisse fließen in einen Bericht der EU-Kommission ein, den diese voraussichtlich bis 14. Feber 2028 vorlegen wird.
Laut der Aussendung der ECHA dienen die Bestimmungen der neuen Verordnung dazu, ab dem 1. September 2032 auf den Markt kommende Fahrzeuge leichter wiederverwendbar, recyclierbar und wiederverwertbar zu machen, wenn sie das Ende ihrer Lebensdauer erreichen. Ferner geht es darum, mögliche Verschmutzungen der Umwelt zu vermindern sowie die Menschen und die Umwelt zu schützen. Die Bestimmungen der neuen Verordnung werden ab 1. September 2028 angewandt, um der Wirtschaft eine angemessene Übergangsfrist zu bieten. Bis dahin sind noch die Vorgaben der Altfahrzeugrichtlinie 2000/53/EU anzuwenden.
In Einzelteile zerlegt
Als „Altfahrzeuge“ im Sinne der Verordnung gelten, grob gesprochen, Fahrzeuge, die unter die Bestimmungen des Abfallbegriffs der EU fallen. Unter anderem betrifft dies Fahrzeuge, die „in Einzelteile zerlegt oder zur Wiederverwendung ihrer Teile demontiert“ wurden oder sich „bis oberhalb des Armaturenbretts unter Wasser“ befanden. Ferner gilt ein Fahrzeug als Altfahrzeug, wenn „Bauteile mit Bodenkontakt (z. B. Reifen und Räder), Federung, Lenkung, Bremsen und ihre Steuerelemente“ irreparabel sind. Ein weiteres Kriterium ist: „Struktur- und Sicherheitsbauteile weisen technische Defekte auf, die unumkehrbar sind und dazu führen, dass diese Bauteile nicht ausgewechselt werden können.“
Wie es in der Verordnung heißt, ist die Verwendung von Blei, Quecksilber, Cadmium und sechswertigem Chrom in Fahrzeugen bereits derzeit nur eingeschränkt zulässig. Die diesbezüglichen Bestimmungen werden in die Verordnung übernommen. Auf der Grundlage des Berichts, den sie mit Unterstützung der ECHA erstellt, soll die Kommission „geeignete Folgemaßnahmen in Betracht ziehen und ergreifen, darunter gegebenenfalls die Annahme von delegierten Rechtsakten zur Festlegung von Informationsanforderungen und von Beschränkungen für besorgniserregende Stoffe, die einer Wiederverwendung und einem Recycling von Werkstoffen aus Gründen entgegenstehen, die nicht in erster Linie mit der Stoffsicherheit zusammenhängen“.
August 13th
Evotec mit 168,6 Millionen Euro Halbjahresverlust
13.08.26
von
Klaus Fischer
Das Hamburger Wirkstoffunternehmen schrieb zum Halbjahr wie schon 2025 rote Zahlen. Auch der Ausblick ist keineswegs ungetrübt. Vorstandschef Christian Wojczewski ist dennoch zufrieden.
Keineswegs glänzend liefen die Geschäfte des Hamburger Wirkstoffunternehmens Evotec im ersten Halbjahr 2026. Die Umsatzerlöse sanken gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 um 19,2 Prozent auf 300,1 Millionen Euro. Als Betriebsergebnis weist die Evotec -234,7 Millionen Euro aus, nachdem sie schon im Vergleichszeitraum 2025 ein Minus von 47,8 Millionen Euro verkraften musste. In Summe ergab sich ein Halbjahresverlust von 168,6 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2025 hatte die Evotec einen Verlust von 75,1 Millionen Euro ausgewiesen.
Beide Geschäftsbereiche, nämlich Discovery & Preclinical Development (D&PD) sowie Just – Evotec Biologics (JEB) verzeichneten kräftige Umsatzrückgänge. Der Umsatz von D&PD sank um 15,2 Prozent auf 228,1 Millionen Euro. Als Gründe nannte die Evotec „die schwache Konvertierung des Auftragsbestands in Umsatzerlöse und die verhaltener als erwartet ausgefallene Kundennachfrage“. Ihr zufolge spiegelte dies „das anhaltend schwierige Marktumfeld“ wider. Bei JEB wiederum war ein Umsatzrückgang um 29,3 Prozent auf 72,3 Millionen Euro zu verzeichnen. Die Evotec stellte dazu fest, sie habe im ersten Halbjahr 2025 Erlöse aus einem Lizenzverkauf an Sandoz erhalten. Dieser positive Sondereffekt schlug heuer nicht mehr zu Buche.
Betriebliche Aufwendungen verzehnfacht
Erhebliche Auswirkungen hatten ferner die annähernde Verzehnfachung der sonstigen betrieblichen Aufwendungen von 5,6 auf 51,2 Millionen Euro sowie die von 634.000 auf 98,9 Millionen Euro gestiegenen Reorganisationskosten. Die erstere ergab sich insbesondere durch einen „Wertminderungsverlust in Höhe von 42,3 Millionen Euro im Segment D&PD im Zusammenhang mit einem Laborgebäude in Hamburg“. Bei den Reorganisationskosten ging es um „Aufwendungen für Rückstellungen und Wertminderungen von Vermögenswerten im Zusammenhang mit dem Horizon-Projekt“. Horizon ist ein „Transformationsprojekt“, mit dem sich die Evotec laut ihrer Aussendung zur Halbjahresbilanz „auf operative Exzellenz, wissenschaftliche Führungsstärke und kommerzielle Umsetzung“ konzentrieren möchte.
Ihren Ausblick auf das Gesamtjahr 2026 bestätigte die Evotec: Diesem zufolge sollen sich die Umsatzerlöse auf 570 bis 610 Millionen Euro belaufen. Das bereinigte EBITDA wird bei -70 bis -105 Millionen Euro liegen. Die Umsatzerlöse würden somit um rund 23 bis 28 Prozent sinken. Das bereinigte EBITDA im Jahr 2025 hatte 41,1 Millionen Euro betragen.
Vorstand zufrieden
Vorstandschef Christian Wojczewski gab sich dennoch zufrieden. Ihm zufolge war das Halbjahresergebnis durch den „erwartungsgemäß herausfordernden Jahresbeginn“ geprägt. Laut Wojczewski gibt es aber „deutliche und ermutigende Anzeichen dafür, dass unsere eingeleiteten Maßnahmen greifen“. Das Basisgeschäft von D&PD sei gut gelaufen, JEB setze die „positive Geschäftsentwicklung“ fort. Auch das Transformationsprogramm Horizon laufe „planmäßig“.
August 10th
Chemiebranche für Jugendliche attraktiv
10.08.26
von
Klaus Fischer
Personen im Alter von 14 bis 19 Jahren sehen die Chemieindustrie als ansprechenden Arbeitgeber, der interessante Tätigkeiten und gute Verdienste bietet. Etwas mehr Praxisorientierung wird beim Chemieunterricht gewünscht.
Österreichs Jugendliche im Alter von 14 bis 19 Jahren erachten die Chemieindustrie grundsätzlich als attraktiven Arbeitgeber. Sie gilt als wichtig für die Bewältigung künftiger gesellschaftlicher Herausforderungen sowie als Branche, die vielfältige und spannende Tätigkeiten ermöglicht. Als oberste Prioritäten bei der Berufswahl nennen die Jugendlichen die „Freude an der Arbeit“, die Sicherheit des Arbeitsplatzes sowie eine gute Verdienstmöglichkeiten. Das zeigt eine Umfrage unter 773 Personen, die das Foresight-Institut im Auftrag des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) im Zeitraum 23. März bis 15. Mai durchführte. Methodisch handelte es sich um eine „geschlossene“ Befragung, bei der die Antwortmöglichkeiten vorgegeben werden, berichtete Foresight-Geschäftsführer Christoph Hofinger auf Anfrage der Redaktion.
FCIO-Obmann Ulrich Wieltsch betonte, die Branche entspreche den Prioritäten der Jugendlichen hinsichtlich der Berugswahl sehr gut. Diese biete sinnerfüllte Arbeitsplätze, die gut bezahlt seien: „Die chemische Industrie entwickelt Lösungen für Gesundheit, Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft. Genau diese Vielfalt müssen wir jungen Menschen stärker vermitteln. Wer unsere Betriebe besucht, erkennt schnell, wie modern, innovativ und sinnstiftend die Arbeit in unserer Branche ist.“
Auch für Frauen wird die Chemieindustrie immer mehr zum ansprechenden Berufsfeld. Laut Wieltsch sind etwa 32,8 Prozent der 50.000 Beschäftigten Frauen, die ferner etwa ein Drittel der knapp 1.600 in Lehrausbildung Befindlichen stellen: „An den HTLs und den Universitäten haben wir einen Frauenanteil von rund 50 Prozent.“ Die in letzter Zeit verstärkt diskutierte „Gender Pay Gap“ verliert in der Chemiebranche immer mehr an Bedeutung, teilte Wieltsch der Redaktion mit. Die meisten der 230 Mitgliedsunternehmen des FCIO seien Großbetriebe, die aus eigenem Antrieb auf derartige Themen achteten: „Sie sind üblicherweise weiter als die Politik.“
Wer sich für den Einstieg in die Chemieindustrie entscheidet, kann in den kommenden Jahren mit guten Bedingungen rechnen, erläuterte Wieltsch: Die Generation der „Babyboomer“ erreiche das Pensionsalter. Daher strengten sich die Unternehmen erheblich an, um junge Talente für sich zu gewinnen. Der oft beklagte Fachkräftemangel hält sich laut Wieltsch in Grenzen: „Wir finden ausreichend gute Leute. Und die Lehrlinge sind üblicherweise ordentlich auf das Berufsleben vorbereitet.“
Guter Eindruck vom Chemieunterricht
Einen guten Eindruck haben die Jugendlichen der Studie zufolge übrigens vom Chemieunterricht an den Schulen, berichtete Hofinger. Zwar werde dieser bisweilen als etwas theorie- und „formellastig“ wahrgenommen. Als positiv bezeichneten die Befragten indessen, dass die Inhalte meist verständlich erklärt werden und „Bedeutung für wichtige aktuelle Themen“ besitzen. Überdies gelingt es dem Lehrpersonal zumeist, zu vermitteln, warum „Chemie“ im Alltag wichtig ist. „Das Interesse an einer einschlägigen Berufstätigkeit wird verstärkt, wenn der Chemieunterricht zeigt, wie Tätigkeiten in der Branche aussehen“, konstatierte Hofinger.
Wieltsch sieht darin „den größten Hebel“, um Jugendliche für die Chemieindustrie zu gewinnen: „Das bestätigen uns auch Personen, die im Berufsleben stehen. Wichtig ist der Bezug des Chemieunterrichts zu Praxis, wichtig ist die Zusammenarbeit mit der Industrie.“ Diese biete daher in zunehmendem Maße Betriebsbesichtigungen mit einschlägigen Informationsmöglichkeiten an. Der Wunsch nach einem noch mehr verstärkten Praxisbezug des Chemieunterrichts läuft übrigens nicht auf die Forderung hinaus, die Allgemeinbildenden Höheren Schulen zugunsten der Berufsbildenden Höheren Schulen abzuschaffen, betonte Wieltsch der Redaktion gegenüber: „Beide Arten haben ihre Berechtigung. Und an vielen AHS gibt es unglaublich engagiertes Lehrpersonal. Ich kann nur dazu einladen, die Möglichkeiten zu Betriebsbesichtigungen zu nutzen.“
July 31st
31.07.26
von
Klaus Fischer
Laut dem scheidenden Generaldirektor der OMV, Alfred Stern, hat sich deren integriertes Geschäftsmodell im ersten Halbjahr 2026 einmal mehr bewährt. „Das Beste der OMV“ werde noch kommen.
„Ich übergebe ein gut bestelltes Haus“, betonte der scheidende Generaldirektor der OMV, Alfred Stern, bei der Präsentation des Halbjahresergebnisses seines Konzerns. Dessen Umsatz erhöhte sich im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 um 16 Prozent auf 13,91 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis „aus fortgeführten Geschäftsbereichen“ – also ohne Berücksichtigung des in die Borouge International eingebrachten Konzstoffkonzerns Borealis - wuchs um 32 Prozent auf 2,25 Milliarden Euro. Ihren Halbjahresgewinn beziffert die OMV mit 2,26 Milliarden Euro, was verglichen mit dem Vorjahreszeitraum (680 Millionen Euro) mehr als einer Verdreifachung entspricht. Als wesentlichen Grund für die Verbesserung nennt die OMV die gestiegenen Preise für ihre Produkte. Ihr durchschnittlich realisierter Ölpreis stieg um 22 Prozent auf 84,92 US-Dollar/Barrel, ihr durchschnittlich realisierter Gaspreis um zwei Prozent auf 34,40 Euro/Megawattstunde (MWh).
Chemiegeschäft zufriedenstellend
Positiv entwickelte sich nicht zuletzt der Geschäftsbereich Chemicals: Dessen operatives Ergebnis vor Sondereffekten und Abschreibungen war mit 716 Millionen Euro um 56 Prozent höher als im ersten Halbjahr 2025. Der am 30. März mit der XRG, der internationalen Investmentgesellschaft des OMV-Miteigentümers Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) gegründete Polyolefinkonzern Borouge International trug rund 349 Millionen Euro zum operativen Ergebnis vor Sondereffekten bei.
Das Geschäft mit Basischemikalien wuchs vor allem infolge der um 17 Prozent auf 506 Euro/Tonne gestiegenen Propylen-Referenzmarge Europa sowie der mit 629 Euro/Tonne um 13 Prozent höheren Ethylen-Referenzmarge Europa. Dazu kam die bessere Auslastung der Steamcracker. Im Gefolge des US-amerikanisch-israelischen Angriffs auf den Iran kam es am 5. April zu Sachschäden an Standorten der Borouge International. Es dauerte bis Juni, die betroffenen Anlagen vollständig zu reparieren. Aus diesem Grund sank ihr Auslastungsgrad im zweiten Quartal auf etwa 60 Prozent.
Gasspeicherbefüllung „nur in engen Zeitfenstern“ wirtschaftlich
Nur geringe Auswirkungen auf die Bilanz der OMV hatte das Scheitern ihrer Pläne, das Offshore-Erdgasfeld Han Asparuh im bulgarischen Teil des Schwarzen Meeres zu entwickeln. Laut Stern stellte sich heraus, dass dieses Vorhaben wirtschaftlich nicht rentabel gewesen wäre. Der Finanzvorstand der OMV, Reinhard Florey, bezifferte die Investitionen der OMV in das Projekt auf Anfrage der Redaktion mit einem „einstelligen Millionenbetrag“. Florey zufolge trieb OMV das Vorhaben gemeinsam mit einem Partner voran, der die Hauptlast trug.
Angesprochen auf die im Vergleich zum Vorjahr niedrigen Füllstände der europäischen Gasspeicher beschied Stern, angesichts der Preissituation sei die Befüllung der Speicher derzeit wirtschaftlich „nur in begrenzten Zeitfenstern“ darstellbar. Österreich weise indessen zwei wichtige Vorteile auf: Erstens verfüge das Land über „sehr hohe Speicherkapazitäten“. Zweitens habe die Bundesregierung 2022 die „strategische Gasreserve“ von etwa 20 Terawattstunden (TWh) beschafft, was rund einem Viertel des Jahresbedarfs entspricht. Insofern sei Österreich im internationalen Vergleich mutmaßlich in einer „guten Situation“. Wie sich Speicherstände in Europa bis zum Winter entwickeln werden, ist Stern zufolge schwer einzuschätzen.
„Robustes Ergebnis in herausforderndem Umfeld“
Stern konstatierte, einmal mehr habe sich im ersten Halbjahr das integrierte Geschäftsmodell der OMV bewährt. Ihm zufolge ermöglichte dieses, ein „robustes Ergebnis in sehr herausfordernden Marktumfeld“ zu erwirtschaften. Die strategische Entwicklung des Konzerns schreite gut voran: „Das Beste der OMV wird noch kommen. Davon bin ich überzeugt.“ Seiner Nachfolgerin Emma Delaney, die den Vorstandsvorsitz mit 1. September übernimmt, wünschte Stern „alles erdenklich Gute“.
Zumindest einige Faktoren könnten Delaney den Einstieg erleichtern. Laut ihrem Ausblick auf das Gesamtjahr erwartet die OMV einen durchschnittlichen Preis für Rohöl der Marke Brent von 85 bis 95 US-Dollar/Barrel, 2025 hatte dieser 69 US-Dollar/Barrel betragen. Der durchschnittlich realisierte Gaspreis sollte bei etwa 40 Euro/MWh liegen, verglichen mit 30 Euro im Vorjahr. Die OMV Raffinerie-Referenzmarge Europa wird sich vorausslichtlich auf rund 20 US-Dollar/Barrel verdoppeln. Ferner rechnet der Konzern mit einem Anstieg der Ethylen-Referenzmarge Europa auf mehr als 600 Euro/Tonne (2025: 569 Euro) sowie der Propylen-Referenzmarge Europa auf über 500 Euro/Tonne (2025: 445 Euro).
Warnend heißt es im Halbjahresbericht allerdings, die geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten seien im zweiten Quartal „unverändert dynamisch“ gewesen. Insofern „stellt dieser Ausblick auf Grundlage der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des OMV Konzernberichts Jänner–Juni 2026 verfügbaren Informationen die aktuelle Einschätzung des Markts dar. Die tatsächlichen Ergebnisse können erheblich abweichen, sollten sich geopolitische oder regulatorische Entwicklungen anders als derzeit angenommen gestalten“.
July 30th
FCIO: Lohn- und Energiekosten senken, regulatorischen Aufwand verringern
30.07.26
von
Klaus Fischer
Der Fachverband der Chemischen Industrie Österreich sieht die Branche international in einer sich verschlechternden Wettbewerbssituation. Gegensteuern sei dringend geboten.
Drei Forderungen an die österreichische sowie europäische Politik erhebt Ulrich Wieltsch, der Obmann des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreich (FCIO): „Erstens ist es nötig, die Lohnkosten in den Griff zu bekommen. Zweitens gilt es, auch die Energiekosten in den Griff zu bekommen. Und drittens muss der regulatorische Aufwand verringert werden.“ Wieltsch, der hauptberuflich Technischer Direktor bei Thermo Fisher Scientific in Linz ist, erläuterte bei einem Pressegespräch, die österreichische Chemiebranche habe derzeit im Vergleich zur Konkurrenz in Deutschland jährliche Mehrkosten von etwa 500 Millionen Euro zu tragen: „Das können wir auf die Dauer nicht stemmen.“ Schon im vergangenen Jahr habe die Chemieindustrie rund 600 Arbeitsplätze abgebaut, heuer werde sich dieser Trend fortsetzen. Wieltsch zufolge bekennen sich die Unternehmen der Branche zwar nach wie vor zum Standort Österreich. Wegen der ungünstigen Rahmenbedingungen senken sie indessen ihre Investitionen.
Seine Forderungen untermauerte Wieltsch mit den Ergebnissen einer Umfrage, die das Beratungsunternehmen EY Denkstatt im Auftrag des FCIO unter dessen Mitgliedern durchführte. Sie erfolgte vor dem Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs der USA und Israels auf den Iran am 28. Feber 2026, der bis heute andauert. Als wichtigste Faktoren für die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Chemieindustrie erachten die Vertreter der dem FCIO angehörenden Unternehmen dieser zufolge die Personalkosten, die Nachfrageentwicklung, den „Importdruck aus Niedrigkostenländern“, regulatorische Unsicherheiten und Komplexitäten sowie die Energiekosten. „Im Vergleich zu Deutschland sowie EU/EWR + UK + Schweiz überwiegen neutrale bis leicht negative Einschätzungen. Gegenüber dem osteuropäischen Raum hat sich Marktsituation in Österreich leicht verschlechtert“, hieß es in einer bei dem Pressegespräch ausgegebenen Unterlage. Die Befragten erachten die USA sowie Asien verglichen mit der Europäischen Union als „klar als attraktivere Standorte. Der Wettbewerbsabstand wird hier als zunehmend wahrgenommen. Dies gilt vor allem für die Herstellung chemischer Erzeugnisse“. Allerdings hat der asiatische Raum als Markt für die österreichische Chemieindustrie nur „untergeordnete“ Bedeutung: Auf ihn entfallen rund 7,5 Prozent des gesamten Exportvolumens.
Ferner zeigt die Umfrage „ branchenspezifische Unterschiede“. So sehen sich Vertreter der Pharmaindustrie vergleichsweise „weniger stark vom Importdruck und von regulatorischer Unsicherheit betroffen“. Die chemische Industrie im engeren Sinn wiederum erachtet die Dauer der Genehmigungen für Anlagen als besonders herausfordernd. Grundsätzlich werden in der gesamten Sparte folgende Faktoren als wesentliche Hemmnisse für Investitionen angegeben: die komplexen und langen Genehmigungsverfahren, die Lohnkosten, die Energiekosten, die Qualität und Quantität der gesetzlichen Vorgaben sowie der Konkurrenzdruck aus Nicht-EU-Ländern. Am wenigsten Bedeutung haben dem gegenüber die Kapitalkosten, Risiken durch den Klimawandel, die Versorgungssicherheit bei Rohstoffen sowie die Verfügbarkeit von Fachkräften.
„Hochnotwendig, aber nicht ausreichend“
Von der Redaktion auf die Maßnahmen der Regierung zur Senkung der Energiekosten angesprochen, konstatierte Wieltisch, der mit 1. Jänner 2027 kommende Industriestrompreis sei „hochnotwendig, aber nicht ausreichend“. Das Stromkostenausgleichsgesetz (SAG) wiederum komme um zwei Jahre zu spät. Außerdem berücksichtige die Regierung bei ihrer Reforum nicht sämtliche Sparten, die laut dem EU-Recht begünstigt werden können. Als Beispiele nannte Wieltsch die Dünger- sowie die Kunststofferzeugung sowie die Faserproduktion. Dies sei eine Verletzung des verfassungsrechtlichen Gleichheitsgrundsatzes. „Wenn Betroffene dagegen vorgehen, werden wir sie unterstützen“, kündigte Wieltsch an.
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