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October 8th, 2018

Hahns rascher Abgang

Nach nur einem Monat muss der Axalta-CEO seinen Posten aufgeben.

 

Die Karriere war kurz: Am 4. September trat Terrence Hahn seinen Posten als CEO des US-amerikanischen Spezialchemikalienkonzerns Axalta an. Am 8. Oktober musste er den Chefsessel bereits wieder räumen und schied auch aus dem Management aus: Von „Untersuchungen, die nicht im Zusammenhang mit finanziellen Angelegenheiten stehen“ und die nicht mit den Verhaltensregeln des Konzerns übereinstimmen, war in einer Aussendung die Rede. Details wurden nicht bekannt gegeben, auch nicht, ob es bei der Affäre um Tätigkeiten vor Hahns Axalta-Engagement geht.


Der Aussendung zufolge erfolgte der Abgang einvernehmlich. Und immerhin durfte Hahn den Mitarbeitern sowie dem Management von Axalta noch alles Gute wünschen. Hahn war am 25. Juli zum CEO von Axalta berufen worden. Zuvor hatte er die „Home and Building Technologies“-Sparte von Honeywell geleitet.

 

Interimistisch geführt wird Axalta nun von Robert Bryant, seines Zeichens seit 2013 „Executive Vice President“ und Chief Financial Officer. Er ließ verlauten, den Wirbel („distraction“) rasch hinter sich bringen zu wollen. Es werde „unermüdlich“ daran gearbeitet, den Kunden hervorragende Produkte und ebensolchen Service zu bieten. Ergänzend hieß es in der Aussendung, die voraussichtlichen Zahlen für das dritte Quartal entsprächen den Planungen. Also, so die Botschaft, kein Grund zur Beunruhigung.

 

October 3rd

Nobelpreis für Chemie 2018: Gerichtete Evolution und Phagen-Display

Der diesjährige Nobelpreis für Chemie geht zu einer Hälfte an Frances Arnold, die die ersten Experimente zur gerichteten Evolution von Enzymen durchgeführt hat, und zur anderen an George Smith und Gregory Winter für die Entwicklung und Anwendung der Methodik des Phagen-Displays.

Als Frances Arnold, eigentlich studierte Maschinenbauerin, Ende  der 1980er-Jahre begann, sich mit Enyzmen zu beschäftigen, um neue Routen zur Herstellung  in Chemikalien auf den Weg zu bringen, dachte sie zunächst an ein rationales Design der biologischen Makromoleküle. Doch bald kehrte sie diesem nach eigener Aussage „etwas arroganten Zugang“ den Rücken, um jene Werkzeuge zu nutzen, mit denen im Zuge der biologischen Evolution die molekularen Strukturen von Proteinen optimiert wurden. Es gelang ihr, das Enzym Subtilisin durch zufällige Mutationen und gezielte Auswahl der leistungsfähigsten Varianten so umzubauen, dass es die Spaltung von Peptid-Bindungen auch in einer Dimethylformamid-Lösung (anstatt in Wasser) effektiv katalysieren konnte.

Das war der Startschuss für die Methodik der „gerichtete Evolution“, mit der heute Katalysatoren für die biotechnologische Erzeugung von Arzneimitteln oder neuartigen Materialien optimiert werden können. Die dabei genutzten Reaktionen laufen schneller ab, produzieren weniger Nebenprodukte und können vielfach die Verwendung von Schwermetallen vermeiden, die in der traditionellen Chemie häufig erforderlich sind.

 

Viren, die Proteine vorzeigen

George Smith, der zweite unter den diesjährigen Nobelpreisträgern, entwickelte eine Methode, um eine Beziehung zwischen Genen und den von ihnen codierten Proteinen herzustellen. Er hatte die Idee, in das genetische Material von Phagen (Viren, die auf Bakterien als Wirte spezialisiert sind), Gene unbekannter Funktion einzubauen, die dann auf der Hülle des Virus exprimiert werden. Mithilfe von Antikörpern und ihren spezifischen Bindungseigenschaften gelang es, die Funktion der erzeugten Proteine zu bestimmen.

 

Der erste humane monoklonale Antikörper

Gregory Winter verband diese, Phagen-Display genannte, Methodik mit der gerichteten Evolution, um aus der Vielfalt der vom menschlichen Immunsystem produzierten Antikörper solche mit bestimmten  Bindungseigenschaften auszuwählend. Er baute große Bibliotheken von Phagen auf, die humane Antikörper an ihrer Oberfläche ausprägen und selektierte die gewünschten heraus. Auf diese Weise gelang es, die ersten pharmazeutisch wirksamen, vollständig humanen monoklonalen Antikörper zu erzeugen. Ein von Winter mitgegründetes Unternehmen entwickelte beispielsweise den Wirkstoff Adalimumab, der erfolgreich gegen chronisch-entzündliche Erkrankungen angewandt wird.

 

 

October 2nd

Nobelpreis für Physik 2018: Laserwerkzeuge mit biologischer Anwendung

Der diesjährige Nobelpreis für Physik geht zur Hälfte an Arthur Ashkin und je zu einem Viertel an Gérard Mourou und Donna Strickland. Alle drei haben wichtige Werkzeuge der Laseroptik entwickelt.

 

Die Life Sciences haben heuer auch bei der Vergabe des Nobelpreises reüssiert. Denn diejenigen „bahnbrechenden Erfindungen auf dem Gebiet der Laserphysik“, für die die diesjährigen Laureaten ausgezeichnet werden, haben ihre Anwendung vor allem auf biologischem und medizinischem Gebiet. Im Fall von Arthur Ashkin von den Bell Laboratories in Holmdel (USA), wurde die Anwendung auf biologische Systeme sogar explizit in der Begründung des Nobelpreis-Komitees genannt.  Zwar lassen sich auch unbelebte Partikel bis hinunter zu Atomen und bis hinauf zu Viren mit der von ihm erfundenen optischen Pinzetten greifen. Doch gelang der Durchbruch auf diesem Gebiet gerade dadurch, dass es Ashkin 1987 gelang, eine Bakterienzelle zu bewegen, ohne ihr Schaden zuzufügen. Genutzt wird dazu der sogenannte Strahlungsdruck des Lichts, mit dessen Hilfe man kleine Korpuskel zur Mitte eines Laserstrahls  befördern und dort halten kann. Seither haben sich optische Pinzetten zu einem wichtigen Werkzeug entwickelt, um Objekte von biologischer Relevanz (Makromoleküle, molekulare Maschinen) zu manipulieren.

Gérard Mourou, der an der École Polytechnique in Palaiseau (Frankreich) und an der University of Michigan in Ann Arbor (USA) beheimatet ist, und Donna Strickland von der University of Waterloo (Kanada) erhalten ihre Hälfte des Nobelpreises für die von ihenn entwickelten Methoden, ultrakurze Laserpulse von hoher Intensität zu erzeugen. In einer aufsehenerregenden Publikation aus dem Jahr 1984 beschrieben sie eine Abfolge aus zeitlicher Streckung, anschließender Verstärkung und abermaliger zeitlicher Kompression (Komprimierung) der Pulse, mit der es gelang , Pulsspitzenleistung bis in den Petawatt-Bereich (1015 Watt) zu erzeugen ohne das Verstärkermedium des Lasers zu zerstören. Diese Chirped Pulse Amplification (CPA) genannte Technik wird heute in unterschiedlichsten Feldern angewandt, am bekanntesten ist wohl die Korrektur der Hornhaut bei Augenoperationen.


 

October 1st

Medizin-Nobelpreis 2018 für Entdeckung der Immun-Checkpoint-Therapie

Der diesjährige Nobelpreis für Physiologie oder Medizin geht an den US-Amerikaner James Allison und den Japaner Tasuku Honjo. Beide haben gezeigt, dass über die Blockade von Immun-Checkpoints Krebs bekämpft werden kann.

 

Krebsimmuntherapien sind die derzeit größten Hoffnungsträger unter den neueren Therapieansätzen gegen Krebserkrankungen. Am vielversprechendsten ist es dabei, an Proteinen anzusetzen, deren Aufgabe es ist, die Immunabwehr herabzusetzen (sogenannte Immun-Checkpoints). In diesem Jahr werden zwei Wissenschaftler mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet, die zwei dieser Checkpoints entdeckt haben.

Das Labor von James Allison an der Universität von Kalifornien in Berkeley konnte 1994 zeigen, dass mit Antikörpern, die das T-Zell-Protein CTLA-4 blockieren, Krebs im Mausmodell bekämpft werden konnte. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse konnte das Arzneimittel Ipilimumab entwickelt werden, das 2011 in Europa und den USA zur Behandlung von Melanomen zugelassen wurde.

Bereits einige Jahre zuvor entdeckte der Japaner Tasuku Honjo von  der Universität Kyoto mit PD-1 eine andere Immunbremse, die an der Oberfläche von T-Zellen exprimiert wird. Auch die Blockade dieses Rezeptors erwies sich als vielversprechende Strategie zur Bekämpfung verschiedener Krebserkrankungen . Erfolgreiche klinische Studien führten zur Zulassung der monoklonalen Antikörper Nivolumab und Pembrolizumab.

Die ersten Resultate lösten seither einen wahren Boom an klinischen  Studienprogrammen zu unterschiedlichen Immun-Checkpoints aus. Vor allem Kombinationstherapien, die mehrerer solcher Immunbremsen adressieren oder die Immuntherapie mit anderen zielgerichteten Ansätzen verbinden, scheinen großes Potential zu bergen.

September 28th

Spatenstich in Haag am Hausruck

Mit dem Spatenstich wurden die Arbeiten zur Errichtung eines neuen Produktionsstandorts der Erber-Gruppe in Haag am Hausruck offiziell angestoßen.

Die Erber-Tochter Biomin wird hier Mineralfutter und Futtermittel-Vormischungen für die Schweine-, Geflügel- und Rinderhaltung herstellen. Für das Vorhaben ist eine Bauzeit von rund 12 Monaten veranschlagt. Der Vollbetrieb des neuen Werks, das ca. 20 Autominuten vom derzeitigen Produktionsstandort in Zell an der Pram entfernt liegt, ist für Dezember 2019 geplant.

Die Erber-Gruppe, die 1983 von Erich und Margarete Erber gegründet wurde, ist heute weltweit auf den Gebieten Futteradditive, Futter- und Lebensmittelanalytik, biologischer Pflanzenschutz und Tierarzneimittel tätig, 2017 betrug der Umsatz 325 Millionen Euro. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Getzersdorf (Bezirk St. Pölten-Land), Forschung und Entwicklung sind am Campus Tulln konzentriert. Vor kurzem wurde die Erber AG mit dem Zertifikat „Leitbetriebe Austria“ ausgezeichnet.

September 27th

Mobile: Lenzing stoppt Ausbau

Die geplante Erweiterung des US-amerikanischen Lyocellfaserwerks findet bis auf Weiteres nicht statt.

Im kommenden Frühjahr wollte der Faserkonzern Lenzing seine um rund 90.000 Jahrestonnen erweiterten Produktionskapazitäten in Mobile im US-amerikanischen Bundesstaat Alabama in Betrieb nehmen. Nun ist alles anders: Die 275-Millionen-Euro-Investition ist „vorübergehend“ gestoppt, teilte die Lenzing mit. Als Grund wurde die „steigende Wahrscheinlichkeit höherer Handelszölle, gepaart mit einer möglichen Überschreitung der Baukosten aufgrund des boomenden US-Arbeitsmarktes“ genannt. Bis auf Weiteres werde sich das Unternehmen nun auf die „Erweiterung der Lyocellfaser-Kapazitäten in Prachinburi (Thailand)“. Das Ausbauprojekt in Mobile bleibe aber in der Pipeline und werde regelmäßig auf seine Umsetzbarkeit geprüft. Mobile war Teil eines massiven Investitions- und Kapazitätssteigerungsprogramms. Allein 2017 wandte die Lenzing dafür rund 238,8 Millionen Euro auf. Ende Juni wurde Prüfung eines 450.000-Tonnen-Projekts in Brasilien angekündigt, in das etwa eine Milliarde US-Dollar fließen könnte. Bereits fertiggestellt ist die Erweiterung des Werks in Heiligenkreuz im Burgenland, mit der 2019 und 2020 etwa 25.000 Tonnen an zusätzlichen Lyocellfasern auf den Markt kommen.

Bereits bei der Präsentation des Halbjahresergebnisses 2018 Anfang August hatte Lenzing-Vorstandschef Stefan Doboczky von „unverändert herausfordernden Marktbedingungen“ gesprochen und dabei auch auf die Situation in den USA verwiesen. Doboczky hatte angekündigt, das Ergebnis von 2018 werde voraussichtlich unter den Resultaten der „Rekordjahre“ 2016 und 2017 liegen.

Vom Nordstaaten-Konteradmiral David G. Farragut, dem Sieger im Gefecht in der Mobile Bay im US-amerikanischen Bürgerkrieg, wird berichtet, er habe angesichts auf sein Flaggschiff zupreschender Torpedos gebrüllt: „Zum Teufel mit den Dingern! Volle Fahrt voraus!“ Doboczky hat sich in Anbetracht möglichen weltwirtschaftlich schlechteren Wetters dem gegenüber offenbar entschieden, vor Mobile erst einmal beizudrehen.

September 26th

„Unglaublich gut unterwegs“

Niederösterreichs Wirtschaft ist stark im Export - nicht zuletzt dank der Europäischen Union, hieß es bei einem Symposium der Wirtschaftsagentur Ecoplus in Schloss Laxenburg.

In Sachen Exporte ist Niederösterreich „unglaublich gut unterwegs“, und die Europäische Union spielt dabei eine entscheidende Rolle: Unter den zehn wichtigsten Auslandsmärkten gehören nur die USA und die Schweiz nicht der EU an. Das betonte Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav beim Symposium „Niederösterreichs Wirtschaft im Zeichen der EU-Ratspräsidentschaft - Was Niederösterreichs Betriebe von der Europäischen Union erwarten“ der Wirtschaftsagentur Ecoplus am 25. September in Schloss Laxenburg. Bohuslav erläuterte, Niederösterreich erwirtschafte etwa 50 Prozent seines Bruttoregionalprodukts mittels Exporten. Jede Milliarde Euro an Ausfuhren sichere rund 11.000 Arbeitsplätze. Und das Exportvolumen könne sich ebenfalls sehen lassen: 2017 sei dieses bei 21,8 Milliarden Euro gelegen, verglichen mit 7,8 Milliarden Euro vor 20 Jahren. Laut Bohuslav geht Niederösterreich die Erschließung neuer Auslandsmärkte strategisch an. Die Basis bilden Deutschland und die östlichen Nachbarstaaten Österreichs. Interessante Handelspartner außerhalb der EU sind unter anderem die Russländische Föderation, die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate. Auf längere Sicht könne auch der Iran ein Thema werden. Für das kommende Jahr sei geplant, Frankreich als neuen Markt zu erschließen. Als Fernziel sei China im Blick. Ausdrücklich betonte Bohuslav die Bedeutung der Regionalförderung der EU für die niederösterreichische Wirtschaft: „Ohne sie gäbe es keine Innovationszentren. Auch manche touristischen Angebote wären ohne Regionalförderung nicht möglich.“

Martin Eichtinger, der Landesrat für internationale Beziehungen, ergänzte, der ehemalige Landeshauptmann Erwin Pröll habe sich seinerzeit für Regionalförderungen für alle Regionen ausgesprochen, unabhängig von ihrer Wirtschaftskraft. Auch Landeshauptfrau Johanna Mickl-Leitner vertrete diese Position, und das erfolgreich: „Es steht mittlerweile fest, dass auch die am meisten entwickelten Regionen wie Niederösterreich weiterhin Regionalförderung bekommen werden.“

Eine nicht zu unterschätzende Herausforderung ist laut Eichtinger der EU-Austritt Großbritanniens (Brexit) im kommenden Jahr. Immerhin exportiert Niederösterreich alljährlich Güter und Dienstleistungen im Wert von 477 Millionen Euro nach Großbritannien und erwirtschaftet damit einen Exportüberschuss von etwa 150 Millionen Euro. Daher sei es notwendig, den Austritt möglichst geordnet zu vollziehen und ein diesbezügliches Abkommen zu schließen: „Dann gäbe es Rechtssicherheit und klar definierte Übergangsfristen.“

„Auf die Hinterfüße stellen“

Auch der ehemalige Bundeskanzler Wolfgang Schüssel plädierte für einen reibungsfreien Austritt der Briten. Sie hätten sich immer wieder für den Freihandel und gegen den Zentralismus ausgesprochen - beides Positionierungen, die dringend benötigt würden. Und gerade für Niederösterreich hätten der EU-Beitritt sowie die Ostöffnung eine „Doppelchance“ geboten, die auch gut genutzt worden sei, betonte Schüssel. Angesichts der weltweiten wirtschaftspolitischen Verwerfungen - Stichwort US-amerikanischer Protektionismus - müsse sich Europa „auf die Hinterfüße stellen“. Insbesondere gelte es, den Euro zu stärken. Als Zahlungsmittel sei dieser bereits „fast so stark wie der US-Dollar“. Als Reservewährung müsse er indessen noch attraktiver gemacht werden. Zu überlegen sei ferner ein schrittweiser Ausstieg aus „gewissen Sanktionen“ gegenüber der Russländischen Föderation, wenngleich deren Agieren im Zusammenhang mit der Krim nicht einfach akzeptiert werden könne.

Die Digitalisierung bezeichnete Schüssel als „Klassiker einer disruptiven Technik, die zu einer qualitativ total anderen Wirtschaft führt“. Niederösterreich solle sich daher um die Einrichtung einer Technischen Universität mit Schwerpunkt Digitalisierung bemühen. Das sei wichtiger, als beispielsweise „irgendwo“ eine weitere medizinische Universität zu etablieren.

Für ein rasches Ende der EU-Sanktionen gegenüber der Russländischen Föderation sprach sich der Gewürzindustrielle Erwin Kotányi aus. Wie er erläuterte, führt fast jede neue „Sanktionsrunde“ zu einer Abwertung des Rubels. Und das sei für sein Unternehmen ein erhebliches Risiko: „Russland ist unser wichtigster Auslandsmarkt im Osten. Wir können da nicht jahrelang zuschauen.“ Silvia Fluch, Vorstand der Ecoduna AG, die Mikroalgen erzeugt, konstatierte, der Marktaufbau für ein neues Produkt wie ihres sei stets „eine Herausforderung“. Vor allem in Asien biete das Gütesiegel „Made in Austria“ einen nicht zu unterschätzenden Wettbewerbsvorteil, weil dort die hohen österreichischen Qualitätsstandards bestens anerkannt seien. Novomatic-Vorstandschef Harald Neumann betonte, sein Unternehmen benötige für Investitionen stabile Rahmenbedingungen und Rechtssicherheit. Beides sei in der EU grundsätzlich gegeben, wenn auch die italienische Regierung in letzter Zeit etwas „absurd“ agiere. Allerdings bezahle der Glücksspielsektor in Italien jährlich etwa sechs bis sieben Milliarden Euro Steuern: „Will die Regierung auf dieses Geld wirklich verzichten?“

Wie immer sich die internationale Lage darstellt, ist jedoch eines klar, betonte Ecoplus-Geschäftsführer Helmut Miernicki: „Eine unserer Kernaufgaben ist es, die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit heimische Unternehmen und Innovationen wachsen können. Unsere Tochtergesellschaft Ecoplus International übernimmt diese wichtige Aufgabe für die niederösterreichische Exportwirtschaft.“ Über eigene Länderteams verfügt diese in Polen, der Slowakei, Tschechien, der Türkei, Rumänien, der Russländischen Föderation und Ungarn.

September 24th

ÖGMBT: Life Science Research Awards 2018 vergeben

Die im Rahmen der 10. ÖGMBT Jahrestagung vergebenen Life Science Research Awards 2018 gingen an zwei Forscher des Instituts für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien und eine Wissenschaftlerin der Universität Salzburg.

Cosmas Arnold, der sich am IMP damit beschäftigt, wie die Mechanismen der Genregulation in der Gensequenz selbst codiert sind, konnte in der Kategorie „Grundlagenforschung“ reüssieren. Eine wichtige Rolle kommt dabei sogenannten Enhancern zu – DNA-Abschnitten, die die Transkription eines bestimmten Zielgens aktivieren. Gemeinsam mit seinen Kollegen aus der Forschungsgruppe von Alexander Stark hat Arnold eine Methode entwickelt, mit der bestimmt werden kann, wie stark Zielgene auf derartige Enhancer reagieren. „Die Verwendung der Methode wird dazu beitragen, unser Verständnis der Regulation von Genen stark zu verbessern“, begründete  Juryvorsitzender Joachim Seipelt die Preisvergabe an den Forscher. Die prämierte Arbeit ist in der Zeitschrift Nature Biotechnology erschienen.

Ebenfalls man IMP ist Matthias Muhar tätig, der sich in der Arbeitsgruppe von Johannes Zuber mit den Regulationsmechanismen in Krebsmodellen beschäftigt. Durch die Kombination von SLAM-seq (einem Hochdurchsatz-Verfahren zur Analyse von neu synthetisierter Messenger-RNA) mit der pharmakologischen Störung der Regulationsprozesse gelang es ihm und seinen Kooperationspartnern, die Funktion zweier Proteine aufzuklären, die als Regulationsdrehscheiben in Leukämien fungieren. „Seine heuer in der renommierten Wissenschaftszeitschrift Science veröffentlichte Arbeit zeigt eindrucksvoll auf, wie mittels funktioneller Genomik jene Faktoren identifiziert werden können, die das Entstehen von verschiedenen Formen von Krebs bestimmen“, meinte dazu Lukas Mach, der Vorsitzende der Jury für die Vergabe in der Kategorie „Anwendungsorientierte Forschung“.

Sonderpreis für gesellschaftliche Relevanz

Erstmals vergeben wurde ein Sonderpreis in der Kategorie „Excellence & Societal Impact“ für wissenschaftlich herausragende Forschung mit gesellschaftlicher Relevanz. Prämiert wurde damit eine Arbeit von Therese Wohlschlager, die sich an der Universität Salzburg mit der Kontrolle der Glykosylierung  von Biopharmazeutika im biotechnologischen Herstellungsprozess beschäftigt hat. Gemeinsam mit Kollegen aus der Arbeitsgruppe von Christian Huber (Fachbereich Biowissenschaften) entwickelte sie eine in „Natur Communications“ veröffentlichte Methode, die mithilfe hochaufgelöster Massenspektrometrie Heterogenitäten im Glykosylierungsmuster eines therapeutischen Fusionsproteins detektieren kann. Juror Lukas Mach: „Damit hat Wohlschlager wesentlich zur verbesserten Herstellung von Medikamenten beigetragen, die bei der Behandlung von Krebs und verschiedenen Entzündungserkrankungen Verwendung finden.“

September 13th

Boehringer Ingelheim übernimmt ViraTherapeutics

Für das Tiroler Krebsforschungsunternehmen bezahlt der deutsche Pharmakonzern 210 Millionen Euro.

Der deutsche Pharmakonzern Boehringer Ingelheim hat alle Anteile an der Tiroler ViraTherapeutics (ViraT) übernommen. Laut einer Aussendung bezahlte er dafür 210 Millionen Euro. Im August 2016 hatten die beiden Unternehmen einen Kaufoptionsvertrag abgeschlossen. ViraT mit Sitz in Innsbruck ist auf die Krebsforschung spezialisiert und will Viren zur Bekämpfung von Tumoren einsetzen. Als „Hauptproduktkandidat“ wird der Vesicular-Stomatitis-Virus mit modifiziertem Glykoprotein (VSV-GP) bezeichnet. Diesen untersucht ViraT „allein und in Kombination mit anderen Krebstherapien“. Grundsätzlich funktioniert Ansatz von ViraT so: Der VSV-GP vermehrt sich zunächst in den Krebszellen und tötet diese ab. Er wirkt also gewissermaßen als „Krebs im Krebs“. Anschließend regt er das Immunsystem zum Angriff auf die Krebszellen an - egal, ob sie von ihm bereits infiziert sind oder nicht. So lässt sich der Tumor besser unter Kontrolle halten.

Philipp von Lattorff, der Generaldirektor des Boehringer Ingelheim Regional Center Vienna (RCV), konstatierte, sein Konzern habe „mit der Übernahme von ViraTherapeutics ein herausragendes Team in der Krebsforschung gewonnen. Mit der Akquisition ergänzen wir bestehende Forschungsprojekte im Bereich der Immunonkologie und stärken gleichzeitig den Forschungsstandort Österreich, da wir dadurch den Verbleib des Teams und die räumliche Nähe zu den Innsbrucker Universitäten sichern konnten“.

Vielversprechendes Spin-off

ViraT wurde 2013 als ausgegliedertes Unternehmen (Spin-off) von Dorothee von Laer, der Leiterin der Abteilung für Virologie an der Medizinischen Universität Innsbruck, gegründet. Zurzeit hat das Unternehmen 19 Mitarbeiter. ViraT kooperiert mit dem Christian-Doppler-Labor für virale Immuntherapie für Krebserkrankungen an der Medizinischen Universität Innsbruck. Geschäftsführer von ViraT ist Heinz Schwer, der jahrzehntelange Erfahrung im Pharmangeschäft hat.

September 6th

Österreichische Forscher weisen seltenes Quanten-Phänomen nach

Eine Forschergruppe rund um Johannes Majer vom Atominstitut der TU Wien konnte das Quantenphänomen der Superradianz in einem Festkörpersystem nachweisen.

Theoretisch vorhergesagt ist das Phänomen schon seit langem: Atome in angeregten Zustand können durch induzierte Emission so miteinander in Wechselwirkung treten, dass ihre überschüssige Energie lawinenartig abgegeben wird und ein intensiver Lichtblitz aufritt. Im Unterschied zu einem Laser funktioniert diese sogenannte „Superradianz“ ohne Strahlungsrückkopplung in einem Resonator, sodass ein einziges Photon die Strahlungslawine auslösen kann. Experimentell zu realisieren ist ein solches System aber schwierig: Das Phänomen tritt nämlich nur auf, wenn der Abstand zwischen den emittierenden Teilchen viel kleiner ist als die Wellenlänge der emittierten Strahlung, was bei sichtbarem Licht bedeuten würde, sie auf weniger als 100 Nanometer zu konzentrieren. Deswegen konnte man Superradianz bislang nur in eher exotischen Systemen, etwa Quantenpunkten, beobachten.

Die Forscher um Johannes Majer vom Atominstitut der TU Wien haben dieses Problem umgangen, indem Sie Diamanten mit gezielt eingebauten Fehlstellen verwendeten, die an der Universität von Tsukuba in Japan erzeugt wurden. Dabei sind Gitterplätze in hoher Konzentration mit Stickstoff- anstatt mit Kohlenstoffatomen besetzt, während die daneben liegenden Gitterplätze frei bleiben. Dieses System aus Gitterdefekten kann nun aber mit elektromagnetischer Strahlung im Mikrowellenbereich angeregt werden, die Wellenlängen von mehreren Zentimetern aufweist. Auf den erwarteten Strahlungsblitz mussten die Wissenschaftler aufgrund des Superradianz-Effekts nicht lange  warten: Das erste Photon, das emittiert wird, bringt alle anderen Defektstellen dazu, ihre Anregungsenergie ebenfalls abzugeben.

Die Originalpublikation ist unter dem Titel „Superradiant emission from colour centres in diamond“ in der Zeitschrift Nature Physics erschienen.

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