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January 3rd

Uni-Joint Venture Max F. Perutz Laboratories verlängert

Die Rektoren der Universität Wien und der Medizinischen Universität Wien, Heinz Engl und Markus Müller, haben die Fortsetzung der Zusammenarbeit im Rahmen der Max F. Perutz Laboratories (MFPL) bis 2025 unterzeichnet.

2005 bündelten die beiden Universitäten ihre Forschungsgruppen der molekularbiologischen Grundlagenforschung im Rahmen eines Joint Ventures, das nach Max Ferdinand Perutz, dem aus Österreich stammenden Nobelpreisträger und Pionier der Molekularbiologie benannt wurde. Seither ist daraus eine international sichtbare Forschungseinrichtung geworden, an der heute rund 500 Wissenschaftler in 60 Forschungsgruppen arbeiten. Seit ihrer Gründung sind zahlreiche Preise und Förderungen an die MFPL geflossen, darunter elf ERC Grants des European Research Council.

Nach Aussage von Meduni-Wien-Rektor Markus Müller sind die MFPL ein entscheidendes Element in der „erfolgreichen Aufholjagd des wissenschaftlichen Standorts Österreich zur internationalen Spitze der biomedizinischen Forschung“. Uni-Wien-Rektor Heinz Engl bezeichnete die Arbeit der Labors als „Beitrag zur medizinischen Grundlagenforschung unter dem Generalthema Mechanistische Biomedizin“.

Die MFPL bilden eine der Säulen des Vienna Biocenter in Wien 3, an dem auch das von Boehringer Ingelheim finanzierte IMP, mehrere Forschungseinrichtungen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (IMBA, GMI) sowie zahlreicher Unternehmen angesiedelt sind. Durch die geplante Übersiedlung des Biologiezentrums der Universität Wien in die unmittelbare Nachbarschaft des MFPL soll der Standort weiter gestärkt werden.

 

 

Dezember 24th, 2018

Dezember 19th

Großer Schritt - vor und zurück

Die Einigung des EU-Parlaments und des Rates über die Einwegkunststoff-Richtlinie wird von deren Befürwortern begrüßt und von den Gegnern weiterhin scharf abgelehnt.

 

Die Reaktionen auf die Einigung des EU-Parlaments und des Rates über das Verbot von Einwegplastik-Artikeln durch die Einwegkunststoff-Richtlinie fallen aus wie erwartet: Für seine Befürworter ist dieses ein großer Schritt in die richtige Richtung, für die Gegner ein wenigstens ebenso großer Schritt in die falsche Richtung. Wie das EU-Parlament in einer Aussendung mitteilte, ist ab 2021 das In-Verkehr-Bringen folgender Erzeugnisse verboten: Besteck inklusive Rührstäbchen, Teller, Strohhalme, Wattestäbchen, Luftballonstäbe, weiters oxoabbaubare Einwegprodukte, Lebensmittelboxen und Polystyrenbecher. Ferner gilt ein erweitertes Verursacherprinzip. So haben beispielsweise die Hersteller von Fischernetzen die Kosten zu tragen, die durch das Einsammeln auf hoher See verloren gegangener Netze entstehen. Die Tabakindustrie wiederum hat die negativen Umweltauswirkungen der Plastikfilter achtlos weggeworfener Zigarettenstummel kenntlich zu machen. Analoges gilt für die Produzenten von Plastikbechern, Feuchttüchern und Damenbinden. Für Plastikflaschen sieht die Einigung ab 2029 ein Sammelziel von 90 Prozent der in Verkehr gebrachten Mengen vor. Ab 2025 muss der Anteil von Recyclingmaterial in Plastikflaschen 25 Prozent betragen, ab 2030 sind es 30 Prozent. Laut der belgischen EU-Parlamentarierin Frédérique Ries, der Berichterstatterin zu der Causa an das Parlament, werden dadurch bis 2030 Umweltschäden von etwa 22 Milliarden Euro vermieden. Damit die nunmehr erzielte Einigung in Kraft treten kann, sind Formalbeschlüsse des EU-Parlaments und des Rates notwendig. Der Umweltausschuss des Parlaments stimmt darüber im Jänner 2019 ab.

 

Bevölkerung schützen

 

Frans Timmermans, der für Nachhaltige Entwicklung zuständige Erste Vizepräsident der EU-Kommission, verkündete, die Einigung helfe „wahrhaft, die Bevölkerung und den Planeten zu schützen“. Die Europäer seien sich des Problems Plastikmüll bewusst, und die EU gehe dessen Lösung mutig an. Ferner entstehe ein neues „kreislaufwirtschaftliches“ Geschäftsmodell, das eine nachhaltige Wirtschaftsweise voranbringe. Seitens der EU-Ratspräsidentschaft sagte Österreichs Nachhaltigkeits- und Tourismusministerin Elisabeth Köstinger, mit der Einigung „treten wir der Verschmutzung unserer Naturlandschaften und Lebensräume durch steigenden Plastikmüll entschlossen entgegen“. Der Präsident des Verbands Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VÖEB), Saubermacher-Chef Hans Roth, sprach von einem „abfallpolitischen Meilenstein“. Mit der Festlegung eines Mindestanteils von Recyclingmaterial in neuen Erzeugnissen „kann die Nachfrage nach Recyclingrohstoffen gesteigert werden und dadurch ein Markt für Rezyklate entstehen“.

 

„Scheinlösung und Symbolpolitik“

 

Kritik kam dagegen vom Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO). „Die Einwegkunststoff-Richtlinie ist in erster Linie Symbolpolitik. Mit dem Verbot von Wattestäbchen lässt sich die Verschmutzung der Meere nicht reduzieren. Hier wurde leider der einfachste Weg gegangen, indem man den Menschen Scheinlösungen anbietet“, kritisierte Geschäftsführerin Sylvia Hofinger. Ferner seien Kunststoffverpackungen anderen Materialien ökologisch überlegen: „Ein Umstieg auf diese würde den Energieverbrauch um den Faktor 2,2 erhöhen und die Treibhausgasemissionen um den Faktor 2,7 steigen lassen.“ Auch Roths Hoffnung auf bessere Rahmenbedingungen fürs Kunststoffrecycling teilt Hofinger nicht. Im Gegenteil werde die Einwegkunststoff-Richtlinie das Recycling „erschweren, da auch Produkte aus Recyclingmaterial von den Verboten betroffen sind. Österreich ist Vorzeigeschüler bei Kunststoffrecycling. Um weiterhin führend zu sein, braucht es statt unsachlicher Verbote stabile Rahmenbedingungen für Unternehmen, die in Recyclingtechnologien investieren“.

 

 

Dezember 18th

„Genschere“: Ja, aber

Die Österreichische Akademie der Wissenschaften hält den Einsatz der CRISPR-Technologie grundsätzlich für vertretbar - allerdings nur unter strenger Beachtung aller rechtlichen Vorgaben.

 

Eine Stellungnahme zur umstrittenen „Genscheren“-Technologie CRISPR veröffentlichte die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Der Anlass dafür sind Berichte, denen zufolge Embryonen chinesischer Zwillinge mittels CRISPR gegen HIV resistent gemacht worden sein sollen. Laut ÖAW sind derartige Eingriffe „aktuell nicht vertretbar, hochgradig unausgereift und in weiten Teilen der Welt rechtswidrig“. Allerdings „besteht die Möglichkeit, dass eine streng geregelte und auf schwerwiegende genetische Erkrankungen beschränkte Keimbahn-Editierung im Laufe der nächsten zehn bis 20 Jahre vertretbar und zulässig wird“.

 

Für bereits derzeit „vertretbar und zulässig“ hält die ÖAW dagegen die Manipulation im Labor gezüchteter Zellen mittels CRISPR, etwa für die Entwicklung neuer Medikamente. Allerdings müssen die geltenden Standards „für Laborsicherheit und Gentechnik eingehalten werden“. Ebenso „vertretbar und zulässig“ ist der Einsatz von CRISPR in Tierversuchen, allerdings nur unter Beachtung der dafür geltenden strengen österreichischen sowie europäischen Vorschriften. Gleiches gilt für die „somatische Gentherapie“, etwa die „Reparatur erkrankten Gewebes“. Für solche Fälle fordert die Akademie vorab eine „ausführliche Validierung der Technologie in präklinischen Modellen“.

 

Weder zulässig noch vertretbar ist nach Ansicht der ÖAW dem gegenüber zumindest derzeit eine „CRISPR-Editierung der Keimbahn als Gentherapie“, wie sie angeblich bei den chinesischen Zwilligen erfolgte. Für völlig ausgeschlossen erklärt die ÖAW schließlich die sogenannte „CRISPR-Editierung der Keimbahn mit dem Ziel des Human Enhancement“. Derartige Manipulationen, um den menschlichen Körper zu „verbessern“, seien „niemals vertretbar und höchst unethisch, da dies unvorhersehbare Risiken schafft – nicht nur aufgrund der Gefahr von Nebenwirkungen für den Einzelnen und seine Nachkommen, sondern auch für die Gesellschaft als Ganzes, als einer neuen Quelle für Ungleichheit und Diskriminierung“.

 

Notwendig ist nach Ansicht der ÖAW eine ausführliche gesellschaftliche Diskussion „über die Chancen und Risiken des Einsatzes der CRISPR-Technologie“. Es gelte, die Bevölkerung verstärkt über die „medizinischen, rechtlichen und ethischen Fragen der Gentechnik“ zu informieren. Denn grundsätzlich habe diese „großes Zukunftspotential“ und und könne „positiv für die Gesellschaft“ wirken.

 

Der vollständige Text der Stellungnahme findet sich unter www.ots.at/redirect/oeaw7.

 

 

 

 

Dezember 13th

BASF baut um

Ab 1. Jänner gibt es statt vier Geschäftsbereichen sechs „Segmente“. Das soll die Transparenz des deutschen Chemiekonzerns erhöhen.

 

Der deutsche Chemiekonzern BASF strukturiert sich per 1. Jänner um. Laut Aufsichtsratsbeschluss vom 13. Dezember werden die vier bisherigen Hauptgeschäftsbereiche (Chemicals, Performance Materials, Functional Materials & Solutions und Agricultural Solutions) durch sechs neue Segmente ersetzt. Es handelt sich um „Chemicals“ mit den Unterbereichen Petrochemicals und Intermediates, „Materials“ mit Performance Materials und Monomers, „Industrial Solutions“ mit Dispersions & Pigments und Performance Chemicals, „Surface Technologies“ mit Catalysts und Coatings, „Nutrition & Care“ mit Care Chemicals und Nutrition & Health sowie „Agricultural Solutions“.

 

Unverändert bleibt die Zusammensetzung des Vorstands unter dem Vorsitzenden und „Chief Technology Officer“ Martin Brudermüller. Die Vorstandsmitglieder außer ihm sind sein Stellvertreter, Finanzvorstand Hans-Ulrich Engel, Arbeitsdirektor Michael Heinz, der unter anderem für Care Chemicals und New Business verantwortliche Markus Kamieth, Agricultural-Solutions-Chefin Saori Dubourg, der Leiter des Asien-Geschäfts, Sanjeev Gandhi, und der für Nordamerika zuständige Wayne T. Smith.

 

In einer Aussendung hieß es, mit der neuen Struktur „schafft BASF höhere Transparenz über die Steuerung ihrer Geschäftsaktivitäten, die Bedeutung von Wertschöpfungsketten und die Rolle des Verbunds“.

 

Ferner beschloss der Aufsichtsrat seine eigene Zusammensetzung ab Mai kommenden Jahres. Vorsitzender bleibt Jürgen Hambrecht, der bei der Hauptversammlung 2020 vom vormaligen BASF-Vorstandschef Kurt Bock abgelöst werden soll. Weiters im Aufsichtsrat verbleiben Alison Carnwath, Franz Fehrenbach und Anke Schäferkordt. Neu hinzu kommen Thomas Carell, Professor für Organische Chemie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, sowie Alexander C. Karp, Chef der kalifornischen Palantir Technologies. Carell und Karp folgen François Diederich und Michael Diekmann die laut BASF „aufgrund ihrer Zugehörigkeitsdauer für eine Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung stehen“.

 

Agrana bringt Biokunststoff auf Stärke-Basis auf den Markt

Die Agrana hat unter dem Markennamen „Agenacomp“ einen Biokunststoff auf den Markt gebracht, der vollständig heimkompostiertbar ist. Das Material ist ein Compound aus thermoplastischer Stärke und einem biologisch abbaubaren Polyester.

Die aus landwirtschaftlichen Produkten gewonnene Stärke wird, um thermoplastische Eigenschaften zu erreichen, zunächst in einem Schneckenextruder funktionalisiert und im nächsten Schritt mit einem vollständig biologisch abbaubaren (aber nicht biogenen) Polyester compoundiert. Auf diese Weise erhält man ein Granulat, das im Spritzguss und beim Folienblasen gut verarbeitet werden kann. TÜV Austria hat in Testversuchen bestätigt, dass das Material unter den Bedingungen, die man im Heimkompost vorfindet (20 – 30 Grad Celsius) in rund fünf Wochen degradiert und biologisch abgebaut wird.

Auf Nachfrage des Chemiereport wollte Barbara Fahrngruber, die bei der Agrana für die Entwicklung von Biopolymeren verantwortlich ist, die Materialeigenschaften von Agenacomp mit keinem der bekannten konventionellen Kunststoffe vergleichen. Vielmehr nutze man die spezifischen Eigenschaften der Stärke, ohne die die vollständige Kompostierbarkeit nur schwer zu erreichen wäre. Agrana-Vorstandsvorsitzender Johann Marihart betonte, man gehe mit diesem Produkt nicht den Weg, biologisches Material in seine Bestandteile zu zerlegen, um sie danach zu etwas Neuem zusammenzusetzen, sondern nutze ein Polymer, das die Natur bereits anbiete. Durch das von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte Verbot von „Plastiksackerln“ aus konventionellen Kunststoffen sieht Marihart zusätzliche Marktchancen für das Produkt.

 

Dezember 11th

Romer Labs eröffnet neues Gebäude in Tulln

Romer Labs, ein Unternehmen der Erber-Gruppe, das sich mit Analytik-Lösungen für die Lebens- und  Futtermittelindustrie beschäftigt, hat ein neues Betriebsgebäude in Tulln eröffnet.

In dem Gebäude sind künftig auf 4.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche rund 60 Mitarbeiter in Forschung & Entwicklung, Produktion, Qualitätskontrolle, analytischen Service-Labors und technischem Support tätig.

Romer Labs wurde 1982 in Washington, Missouri, gegründet und 1999 von der Erber Group erworben, die sich mit ihrem Kernunternehmen Biomin früh auf dem Gebiet der Mykotoxin-Belastung von Futtermitteln engagiert hat. Die Firma entwickelt Lösungen zum Nachweis von Mykotoxinen, aber auch Probenahme- und Detektionssysteme für Lebensmittelallergene, pathogene Keime, genetisch veränderte Organismen und Tierarzneimittelrückstände. Insgesamt sind mehr als 700 Produkte im Portfolio

In den vergangenen Jahren haben sich die Geschäfte weltweit gut entwickelt, der Umsatz von Romer Labs konnte in weniger als vier Jahren verdoppelt werden. In den kommenden fünf Jahren wird eine weitere Umsatzverdoppelung angestrebt, wie Jan Vanbrabant, Vorstandsvorsitzender der Erber Group, anlässlich der Eröffnung des neuen Gebäudes mitteilte. Erich Erber, Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender der Gruppe, sieht die Investition in Tulln als Teil des internationalen Wachstumskurses der Gruppe, der auch am Heimatstandort Österreich seinen Niederschlag finde.

 


 

Dezember 10th

Kreislaufwirtschaft: Mit Bedacht voran

Noch steht die biobasierte Industrie im Wesentlichen am Anfang. Doch Wirtschaft, Politik und Verwaltung sind entschlossen, sie voranzubringen, hieß es beim Stakeholder-Dialog von FCIO und BMVIT.

 

„Nur die kaskadische Nutzung der Biomasse bringt höchste Wertschöpfung. Sowohl Biomasse als auch Erdöl sind zu schade, um einfach nur verbrannt zu werden. Wir müssen beide Materialien so lange wie möglich stofflich nutzen. Erst dann dürfen wir sie energetisch verwerten.“ Das betonte der Obmann des Fachverbandes der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO), Hubert Culik, kürzlich beim diesjährigen Stakeholder-Dialog Biobased Industry seines Verbands und des Infrastrukturministeriums (BMVIT) in der Wiener Wirtschaftskammer. Culik zufolge gewinnt das Thema „biobasierte Wirtschaft“ in der Öffentlichkeit immer mehr an Bedeutung. Der sich nach wie vor weitgehend auf Erdöl stützenden Chemieindustrie wird Biomasse in unterschiedlichsten Formen als Alternative offeriert. Allerdings stelle sich das Problem der Ressourcenverfügbarkeit und der Wirtschaftlichkeit. Laut einer Studie im Auftrag des FCIO wären zum vollständigen Ersatz von Erdöl bei der Produktion wesentlicher Basischemikalien rund drei Millionen Tonnen Biomasse pro Jahr notwendig. Das entspreche dem gesamten derzeitigen Einsatz von Industrieholz in Österreich. Deshalb dürfe die Politik auch nicht übertreiben und in Sachen Bioökonomie zu sehr aufs Tempo drücken und müsse deren Entwicklung mit Bedacht angehen: „Wir brauchen praktikable Normen und Gesetze, die nachhaltige Planung ermöglichen.“ Außerdem empfehle sich, auf die Konsistenz der unterschiedlichen Vorgaben zu achten. Zwischen der Kunststoffstrategie der EU sowie deren geplanter Richtlinie zum weitgehenden Verbot von Einwegkunststoffen etwa gebe es Zielkonflikte, die nur die Politik lösen könne. Die Chemieindustrie forsche jedenfalls an technischen Lösungen und sei zuversichtlich, diese in vielen Bereichen auch zu finden. Wichtig sei, den kommenden Generationen den heutigen Wohlstand und Lebensstandard zu erhalten. „Das funktioniert vorwiegend mit chemisch-technischen Neuerungen, und da hat die biobasierte Industrie einen hohen Stellenwert“, resümierte Culik.

 

Neue Strategie


Tatsache ist, dass sich die Europäische Union schon seit längerem der Bioökonomie verschrieben hat, berichtete Petra Goyens von der Generaldirektion Forschung der EU-Kommission beim Stakeholder-Dialog. Die erste diesbezügliche Kommunikation der Kommission erging 2012 und führte zur Erarbeitung einer einschlägigen Strategie der Gemeinschaft. Wie vorgesehen, wurde diese im vergangenen Jahr evaluiert. Am 11. Oktober des heurigen Jahres präsentierte die Kommission die überarbeitete Strategie, betitelt „A new bioeconomy strategy for a sustainable Europe“. Goyens zufolge verbindet diese die nachhaltige Nutzung von Biomasse für die Erzeugung von Nahrungs- und Futtermitteln sowie anderen Produkten, aber auch Bioenergie, mit dem Schutz und - soweit nötig - der Wiederherstellung der Biodiversität und Ökosystemen, aber auch von Boden und Wasser. Ferner zielt sie auf eine langfristige Ausgewogenheit zwischen sozialen, ökologischen und ökonomischen Verbesserungen. Erreicht werden soll dies durch einen systemischen Ansatz, der über Forschung und Innovation im rein technischen Sinn hinausgeht, die Kreislaufwirtschaft und die Nachhaltigkeit unterstützt und so den Bürgern Nutzen bringt. Wichtig sind laut Goyens auch lokale Aspekte, wie etwa die Verwendung örtlich verfügbarer Ressourcen und die Rücksichtnahme auf spezifische Bedürfnisse in einzelnen Regionen und Kommunen.

 

Mit Unterstützung der neuen Strategie könnte laut Goyens bis 2030 EU-weit rund eine Million neue Arbeitsplätze entstehen, vor allem in strukturschwachen ländlichen sow küstennahen Gebieten. Auch fürs Klima soll die Strategie gut sein: Ersetze die Bauwirtschaft eine Tonne Beton durch eine Tonne Holz, könnten rund 2,1 Millionen Tonnen an CO2-Emissionen vermieden werden, rechnete Goyens vor. Ferner habe die EU die Chance, eine weltweite Führungsposition in der Biochemie im Ersatz fossiler Rohstoffe zu erringen. Um das zustande zu bringen, plant die Kommission eine Reihe von Maßnahmen, unter anderem die Einrichtung einer „Circular Bioeconomy Thematic Investment Platform“, die mit 100 Millionen Euro dotiert sein soll. Geplant ist auch ein Monitoringmechanismus, um die Fortschritte auf dem Weg zur biobasierten EU-Wirtschaft zu überwachen. Übrigens: Schon derzeit bietet die Bioökonomie in der EU etwa 18 Millionen Personen Arbeit, ergänzte Goyens. Der Jahresumsatz der einschlägigen Unternehmen lässt sich mit rund 2.300 Milliarden Euro beziffern.

 

An einer Bioökonomiestrategie lässt unterdessen auch die österreichische Bundesregierung arbeiten. Der Entwurf soll im ersten Quartal 2019 vorliegen.

 

Unterlagen zur Veranstaltung:

https://nachhaltigwirtschaften.at/de/veranstaltungen/2018/20181207-stakeholderdialog-bbi.php

Dezember 4th

Durchwachsene Aussichten

Die Verkaufszahlen der EU-Chemieindustrie sind die höchsten seit sechs Jahren, meldet der Branchenverband CEFIC. Sorgen bereiten die zunehmenden Irritationen bei der Weiterentwicklung des Binnenmarktes und des weltweiten Freihandels.

 

Die Produktion der Chemieindustrie der EU war in den ersten drei Quartalen des Jahres 2018 um nur 0,2 Prozent höher als im Vergleichszeitraum 2017. Das zeigt der aktuelle Trendbericht des Branchenverbandes CEFIC. Ihm zufolge verzeichnete nur der Bereich Haushaltschemikalien mit 2,9 Prozent ein signifikantes Plus. In den meisten anderen Sektoren sei die Produktion dagegen rückläufig gewesen. Immerhin stiegen die Preise von Jänner bis einschließlich September 2018 um durchschnittlich 3,6 Prozent. Den höchsten Anstieg gab es in der Petrochemie mit 5,4 Prozent, gefolgt von den anorganischen Basischemikalien mit 5,3 Prozent und den Polymeren mit 4,2 Prozent. Hinsichtlich der Verkaufszahlen meldet die CEFIC den höchsten durchschnittlichen Zuwachs seit sechs Jahren: Von Jänner bis August 2018 verkaufte die Branche um 3,6 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2017.

 

Die Exporte beliefen sich in derselben Periode auf etwa 108,4 Milliarden Euro, laut CEFIC ein „Sprung“ um 4,2 Prozent. Die Ausfuhren in die USA wuchsen von 19,4 auf 21,5 Milliarden Euro. In der Petrochemie wurde ein Plus von 14 Prozent oder 1,08 Milliarden Euro erzielt, in der Spezialchemie ein Zuwachs um 11 Prozent bzw. 650 Millionen Euro. Erheblich schlechter lief das Geschäft mit China: Die Ausfuhr petrochemischer Erzeugnisse fiel um 13 Prozent bzw. 342 Millionen Euro. Insgesamt sank der Handelsüberschuss von 31,74 Milliarden Euro auf 31,18 Milliarden Euro. Überschüsse erzielte die EU-Chemieindustrie gegenüber dem restlichen Europa, den USA, Afrika und Brasilien. Ein Defizit fuhr sie gegenüber China, Indien, Japan und Südkorea ein. Durchwachsen ist der Ausblick auf die kommenden sechs Monate: Die Auftragslage wird seitens der CEFIC als „weniger befriedigend“ beschrieben. Der Grund dafür seien die Unsicherheiten im internationalen Handel.

 

Binnenmarkt unverzichtbar

 

Nicht zuletzt deshalb plädiert der Chemieindustrieverband in einem neuen Positionspapier einmal mehr für die Stärkung des europäischen Binnenmarktes und des weltweiten Freihandels. Den Binnenmarkt bezeichnet die CEFIC als unverzichtbare Grundlage für den Erfolg der Chemiebranche. Sie zeigt sich besorgt über dessen weitere Entwicklung, insbesondere wegen des kommenden EU-Austritts Großbritanniens (Brexit), aber auch wegen der Debatten über die Rückverlagergung von Kompetenzen zu den Nationalstaaten und die Reform des Komitologieprozesses. Laut CEFIC sind weitere Harmonisierungen dringend geboten. Technische Handelsbarrieren müssen abgebaut werden, das „Gold Plating“ ist zu vermeiden, fordert der Verband. Ferner muss europäisches Recht korrekt umgesetzt werden, wobei in den Nationalstaaten stets jene Maßnahmen zu setzen sind, die die Industrie am wenigsten belasten.

 

REACH und der Brexit

 

Zum Chemikalienmanagementsystem REACH hält die CEFIC fest, die Branche habe über 20.000 Substanzen erfolgreich registriert. Die Unternehmen seien bemüht, die Dossiers aktuell zu halten. Allerdings müsse REACH auch auf Importe aus Drittstaaten angewandt werden. Diesbezüglich sei der behördliche Vollzug zu verstärken. Und die CEFIC warnt: Mit dem Brexit ist etwa ein Viertel der REACH-Registrierungsdossiers hinfällig. Betroffen sind jene Dossiers, die von britischen Unternehmen erstellt wurden. Jedenfalls müsse der Brexit so friktionsfrei wie möglich über die Bühne gehen, verlangt die CEFIC.

 

Dezember 3rd

Marinomed unterbricht Börsengang

Das Wiener Biotech-Unternehmen Marinomed hat die bis 29. November laufende Angebotsfrist im Zuge des geplanten Börsengangs unterbrochen. Das Unternehmen hatte eine Zulassung zum amtlichen Handel im Prime-Market-Segment der Wiener Börse beantragt.

Nach Angaben des Unternehmens konnte man zwar bei den Investoren ein gute Nachfrage nach neuen Aktien erreichen, das angestrebte Angebotsvolumen wurde aber wegen des „aktuell schlechten Marktumfelds mit hoher Volatilität“ bis zum Ende der Frist nicht vollständig erreicht. Die Angebotsfrist wird daher unterbrochen und soll, abhängig davon, wie sich das Börsenklima entwickelt, voraussichtlich Anfang 2019 fortgesetzt werden.

Das Angebot umfasst bis zu 400.000 neuer Inhaberaktien zuzüglich Upsize- und Mehrzuteilungsoption. Die Preisspanne war mit 75 bis 90 Euro pro neuer Aktie festgelegt. Die Unterbrechung der Angebotsfrist bezieht sich aber auch auf das qualifizierte öffentliche Angebot gemäß den Anleihebedingungen der im Jahr 2017 von Marinomed begebenen Wandelschuldverschreibungen, die in den Handel im Dritten Markt der Wiener Börse einbezogen sind.

Über Marinomed

Marinomed wurde 2006 als Startup-Unternehmen auf dem Gebiet der marinen Biotechnologie gegründet und hat sich seither auf die Entwicklung und Kommerzialisierung von Therapien gegen Allergie-, Atemwegs- und Augenerkrankungen spezialisiert. Die Entwicklungsaktivitäten der Firma stützen sich auf die Plattformen „Carragelose“ (antivirale Produkte basierend auf einem aus Rotalgen gewonnenen Polymer) und „Marinosolv“ (micellare Formulierungen von praktisch unlöslichen Verbindungen).

 

 

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