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October 11th, 2018

Core Facilities am Campus Krems eröffnet

Am Campus Krems wurden am 9. Oktober Core Facilities auf den Gebieten Bioimaging und Biomechanik eröffnet, die von den drei wissenschaftlichen Einrichtungen am Standort gemeinsam genutzt werden.

Donau-Universität Krems, IMC Fachhochschule Krems und Karl-Landsteiner-Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften haben vor allem in den Lebenswissenschaften große Überschneidungsflächen. Da schien es naheliegende, die benötigten, oft hoch spezialisierte Geräte Forschern aller drei Einrichtungen gemeinsam zur Verfügung zu stellen. Man entwarf das Konzept einer Core Facility, in der wichtige Infrastruktur zentral gebündelt werden kann.  Das Vorhaben wurde vom Land Niederösterreich über den NÖ. Gesundheits- und Sozialfonds (NÖGUS) mit rund 3,2 Millionen Euro finanziert.

In Anwesenheit von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und unter regem Interesse von Forschern und Branchenteilnehmern wurden die Core Facilities am 9. Oktober eröffnet. Die Besucher bekamen nach einer kurzen Vorstellung die Möglichkeit, die Geräte an ihrem Einsatzort zu besichtigen und von den damit arbeitenden Wissenschaftlern erklärt zu bekommen. So steht am Campus Krems nun sowohl ein konfokales Laser-Scanning-Mikroskop als auch ein Rasterelektronenmikroskop zur Verfügung, um kleinste biologische Strukturelemente untersuchen oder Prozesse in-vivo verfolgen zu können. Zur Charakterisierung von Makromolekülen und Nanopartikeln steht ein auf Elektrophorese basierender Bioanalyzer und ein Instrument zur „Nanoparticle Tracking Analysis“, das die Brownsche Molekularbewegung mithilfe von Laser-Streulicht verfolgt, bereit. Ein Durchflusszytometer mit hoher Sensitivität erlaubt die Untersuchung von Zellen und  extrazellulären Vesikeln. Weitere Anschaffungen in diesem Bereich sollen auch für die mikrobiologischen Wasseranalyse eingesetzt werden.

Gut ausgestatt ist auch die Core Facility auf dem Gebiet der Biomechanik. Sie verbindet Geräte zur Strukturbestimmung, etwa von Knochenmaterial (Mikro-Computertomographie, Präzisions-3D-Oberflächenscanner) mit Infrastruktur zur mechanischen Messung von Dehnungen und Kräften an biologischen Materialien.  

Weitere Ausbaumöglichkeiten

Die Vertreter der drei Hochschulen am Campus Krems sprachen in ihren Statements zur Eröffnung die Möglichkeiten für den weiteren Ausbau der gemeinsam genutzten wissenschaftlichen Infrastruktur im Bereich der Life Sciences an. Dass das auch mit weiteren finanziellen Mitteln des Landes verbunden sein müsste, griff auch Mikl-Leitner auf: „Ich habe die Botschaft verstanden“, so die  Landeshauptfrau.

 

 

October 10th

Octapharma expandiert am Standort Wien

Octapharma eröffnete am 10. Oktober eine neue Forschungs- und Entwicklungszentrale für Plasmaprodukte in Wien und legte gleichzeitig den Grundstein für ein neues Produktionsgebäude.

Bereits in der Validierungsphase befindet sich eine Pilotanlage, in der im 300-Liter-Maßstab produziert werden kann. Das Gesamtinvestitionsvolumen aller drei Projekte beträgt 142 Millionen Euro. Octapharma ist ein 1983 gegründetes und nach wie vor vollständig in Familienbesitz befindliches Unternehmen, das sich auf Produkte aus der Plasmafraktionierung und rekombinante Proteine spezialisiert hat. Der Standort Wien ist der älteste und mit knapp 1.00 Beschäftigten heute größte Produktionsstandort des Unternehmens, das seinen Hauptsitz in der Schweiz hat. Weitere Produktionsstätten befinden sich in Frankreich, Schweden, Deutschland und Mexiko. Weltweit hat das Unternehmen 2017 mit knapp 7.700 Mitarbeitern einen  Umsatz von 1,7 Milliarden Euro erzielt.

Weltweites Investitionsprogramm

Mit weiterem Wachstum ist zu rechnen. Nach Aussage von Barbara Rangetiner, Geschäftsführerin der Octapharma Pharmazeutika Produktionsges.m.bH. sind die Auftragsbücher voll, ein umfassendes Investitionsprogramm hat den Ausbau der Kapazitäten sämtlicher Produktionsstandorte bis 2026 zum Ziel. Dem dient auch der Neubau der F&E-Zentrale am Standort Wien. Rund 100 Mitarbeiter sind hier mit präklinischer Entwicklung, Pharmakologie und Toxikologie, der Organisation von klinischen Studien sowie dem medizinisch-wissenschaftlichen Support beschäftigt. Die größte Abteilung davon ist mit rund 60 Mitarbeitern die präklinische Entwicklung, in der alle Schritte der Herstellung von Arzneimitteln auf der Basis von Plasmaproteinen (Präzipitation, Virus-Inaktivierung, präparative Chromatographie, Ultrafiltration, Gefriertrocknung) im Labormaßstab entwickelt und getestet werden. Der Neubau, in dem nun alle Entwicklungsaufgaben in einer kompakten Einheit abgewickelt werden können, setzt auf einen Mix an offenen und geschlossenen Bürobereichen in unmittelbarer Nähe zu den Labors.

 

 

October 9th

Plasmaprodukte: Starken Standort weiter stärken

Die Abgeltung einschlägiger Erzeugnisse durch die Krankenkassen ist angesichts schwankender Rohstoffkosten etwas „starr“, hieß es bei einer Pressekonferenz der Pharmig in Wien.

 

Rund zehn Milliarden US-Dollar (8,72 Milliarden Euro) pro Jahr verdient die Pharmaindustrie weltweit mit Produkten, die aus menschlichen Blutplasma hergestellt werden. Das verlautete auf Anfrage des Chemiereports am Rande einer Pressekonferenz des Branchenverbands Pharmig aus Anlass der alljährlichen „Woche der Plasmaspende“. Laut Karl-Heinz Hofbauer, dem Leiter der Pharmig-Arbeitsgruppe „Standort“ und Chef der Produktionsbetriebe des Biopharmakonzerns Shire in Wien, werden global gesehen rund 42 Millionen Liter Plasma gespendet. Ihm zufolge wächst der Weltmarkt für plasmabasierte Produkte wie Immunglobulin um etwa sechs bis sieben Prozent pro Jahr. Die EU-weite Plasmaerzeugung liegt bei acht Millionen Litern, der Bedarf dagegen bei zwölf Millionen. Somit müssen rund vier Millionen Liter importiert werden, großteils aus den USA. Die österreichische Plasmaproduktion beläuft sich laut Hofbauer auf etwa fünf Millionen Liter, etwa doppelt so viel wie vor zehn Jahren. Um die 95 bis 98 Prozent der Erzeugung gehen in den Export. Den Marktwert eines Liters Plasma bezifferte Hofbauer mit 100 bis 120 US-Dollar (87,2 bis 104,6 Millionen Euro).

 

Das Volumen des heimischen Plasmamarkts liegt bei 70 bis 80 Millionen Euro, erläuterte der Geschäftleiter von Biotest Austria, Gerald Schrot, dem Chemiereport. Ihm zufolge ist Österreich ein „bedeutender Standort“ für die Plasmagewinnung (Fraktionierung). Um den Standort weiter zu stärken, wäre seiner Ansicht nach eine „adäquate Erstattung“ der Kosten für einschlägige Produkte wünschenswert. Die österreichische Preispolitik sei etwas „starr“. Dem gegenüber schwankten die Kosten für Plasma teils erheblich. Und das könne für die Industrie ins Geld gehen: „Die Rohstoffkosten machen rund 60 Prozent der Gesamtkosten für die Herstellung von Arzneimitteln auf Plasmabasis aus.“ Nicht möglich ist laut Schrot, das aus menschlichem Blut gewonnene Plasma durch „künstlich“ erzeugte Proteine zu ersetzen. Denn menschliches Plasma enthalte tausende Antikörper, „künstlich“ herstellen ließen sich aber nur einzelne Antikörper. Und zumeist ergebe erst das Zusammenspiel mehrerer solcher Substanzen die gewünschte Wirkung. Nicht zuletzt in der Onkologie seien Arzneien auf Basis menschlichen Plasmas daher alternativlos: Chemotherapien zerstörten zwar die Tumoren, machten aber leider auch den im Blut des Patienten enthaltenen Antikörpern den Garaus. Damit werde dieser anfällig für Immunkrankheiten und müsse durch plasmabasierte Medikamente wieder mit Antikörpern versorgt werden.

 

Kein Problem für die heimischen Plasmahersteller wäre laut Schrot ein „harter“ Ausstieg Großbritanniens aus der EU („Hard Brexit“). Wie in den meisten anderen EU-Mitgliedsländern sind auch in Großbritannen Plasmaspenden verboten. Zulässig sind sie nur in Österreich, Deutschland, der Tschechischen Republik und Ungarn. In Hinblick auf die Versorgung mit plasmabasierten Medikamenten könnte ein „Hard Brexit“ somit eher für Großbritannien als für Kontinentaleuropa zum Problem werden. Wie berichtet, hatte BioLife, die Blutplasmasparte von Shire, Anfang September die Sanaplasma AG übernommen und damit 14 Plasmaspendezentren in Tschechien und Ungarn erworben. Hofbauer verlautete damals, mit dem Kauf könne der Konzern „somit nachhaltig den wachsenden Bedarf an diesem wertvollen Rohstoff und den von uns daraus produzierten Arzneimitteln decken“. In Wien erzeugt Shire 16 pharmazeutische Produkte aus Plasma für den Weltmarkt.

 

October 8th

Hahns rascher Abgang

Nach nur einem Monat muss der Axalta-CEO seinen Posten aufgeben.

 

Die Karriere war kurz: Am 4. September trat Terrence Hahn seinen Posten als CEO des US-amerikanischen Spezialchemikalienkonzerns Axalta an. Am 8. Oktober musste er den Chefsessel bereits wieder räumen und schied auch aus dem Management aus: Von „Untersuchungen, die nicht im Zusammenhang mit finanziellen Angelegenheiten stehen“ und die nicht mit den Verhaltensregeln des Konzerns übereinstimmen, war in einer Aussendung die Rede. Details wurden nicht bekannt gegeben, auch nicht, ob es bei der Affäre um Tätigkeiten vor Hahns Axalta-Engagement geht.


Der Aussendung zufolge erfolgte der Abgang einvernehmlich. Und immerhin durfte Hahn den Mitarbeitern sowie dem Management von Axalta noch alles Gute wünschen. Hahn war am 25. Juli zum CEO von Axalta berufen worden. Zuvor hatte er die „Home and Building Technologies“-Sparte von Honeywell geleitet.

 

Interimistisch geführt wird Axalta nun von Robert Bryant, seines Zeichens seit 2013 „Executive Vice President“ und Chief Financial Officer. Er ließ verlauten, den Wirbel („distraction“) rasch hinter sich bringen zu wollen. Es werde „unermüdlich“ daran gearbeitet, den Kunden hervorragende Produkte und ebensolchen Service zu bieten. Ergänzend hieß es in der Aussendung, die voraussichtlichen Zahlen für das dritte Quartal entsprächen den Planungen. Also, so die Botschaft, kein Grund zur Beunruhigung.

 

October 3rd

Nobelpreis für Chemie 2018: Gerichtete Evolution und Phagen-Display

Der diesjährige Nobelpreis für Chemie geht zu einer Hälfte an Frances Arnold, die die ersten Experimente zur gerichteten Evolution von Enzymen durchgeführt hat, und zur anderen an George Smith und Gregory Winter für die Entwicklung und Anwendung der Methodik des Phagen-Displays.

Als Frances Arnold, eigentlich studierte Maschinenbauerin, Ende  der 1980er-Jahre begann, sich mit Enyzmen zu beschäftigen, um neue Routen zur Herstellung  in Chemikalien auf den Weg zu bringen, dachte sie zunächst an ein rationales Design der biologischen Makromoleküle. Doch bald kehrte sie diesem nach eigener Aussage „etwas arroganten Zugang“ den Rücken, um jene Werkzeuge zu nutzen, mit denen im Zuge der biologischen Evolution die molekularen Strukturen von Proteinen optimiert wurden. Es gelang ihr, das Enzym Subtilisin durch zufällige Mutationen und gezielte Auswahl der leistungsfähigsten Varianten so umzubauen, dass es die Spaltung von Peptid-Bindungen auch in einer Dimethylformamid-Lösung (anstatt in Wasser) effektiv katalysieren konnte.

Das war der Startschuss für die Methodik der „gerichtete Evolution“, mit der heute Katalysatoren für die biotechnologische Erzeugung von Arzneimitteln oder neuartigen Materialien optimiert werden können. Die dabei genutzten Reaktionen laufen schneller ab, produzieren weniger Nebenprodukte und können vielfach die Verwendung von Schwermetallen vermeiden, die in der traditionellen Chemie häufig erforderlich sind.

 

Viren, die Proteine vorzeigen

George Smith, der zweite unter den diesjährigen Nobelpreisträgern, entwickelte eine Methode, um eine Beziehung zwischen Genen und den von ihnen codierten Proteinen herzustellen. Er hatte die Idee, in das genetische Material von Phagen (Viren, die auf Bakterien als Wirte spezialisiert sind), Gene unbekannter Funktion einzubauen, die dann auf der Hülle des Virus exprimiert werden. Mithilfe von Antikörpern und ihren spezifischen Bindungseigenschaften gelang es, die Funktion der erzeugten Proteine zu bestimmen.

 

Der erste humane monoklonale Antikörper

Gregory Winter verband diese, Phagen-Display genannte, Methodik mit der gerichteten Evolution, um aus der Vielfalt der vom menschlichen Immunsystem produzierten Antikörper solche mit bestimmten  Bindungseigenschaften auszuwählend. Er baute große Bibliotheken von Phagen auf, die humane Antikörper an ihrer Oberfläche ausprägen und selektierte die gewünschten heraus. Auf diese Weise gelang es, die ersten pharmazeutisch wirksamen, vollständig humanen monoklonalen Antikörper zu erzeugen. Ein von Winter mitgegründetes Unternehmen entwickelte beispielsweise den Wirkstoff Adalimumab, der erfolgreich gegen chronisch-entzündliche Erkrankungen angewandt wird.

 

 

October 2nd

Nobelpreis für Physik 2018: Laserwerkzeuge mit biologischer Anwendung

Der diesjährige Nobelpreis für Physik geht zur Hälfte an Arthur Ashkin und je zu einem Viertel an Gérard Mourou und Donna Strickland. Alle drei haben wichtige Werkzeuge der Laseroptik entwickelt.

 

Die Life Sciences haben heuer auch bei der Vergabe des Nobelpreises reüssiert. Denn diejenigen „bahnbrechenden Erfindungen auf dem Gebiet der Laserphysik“, für die die diesjährigen Laureaten ausgezeichnet werden, haben ihre Anwendung vor allem auf biologischem und medizinischem Gebiet. Im Fall von Arthur Ashkin von den Bell Laboratories in Holmdel (USA), wurde die Anwendung auf biologische Systeme sogar explizit in der Begründung des Nobelpreis-Komitees genannt.  Zwar lassen sich auch unbelebte Partikel bis hinunter zu Atomen und bis hinauf zu Viren mit der von ihm erfundenen optischen Pinzette greifen. Doch gelang der Durchbruch auf diesem Gebiet gerade dadurch, dass es Ashkin 1987 gelang, eine Bakterienzelle zu bewegen, ohne ihr Schaden zuzufügen. Genutzt wird dazu der sogenannte Strahlungsdruck des Lichts, mit dessen Hilfe man kleine Korpuskel zur Mitte eines Laserstrahls  befördern und dort halten kann. Seither haben sich optische Pinzetten zu einem wichtigen Werkzeug entwickelt, um Objekte von biologischer Relevanz (Makromoleküle, molekulare Maschinen) zu manipulieren.

Gérard Mourou, der an der École Polytechnique in Palaiseau (Frankreich) und an der University of Michigan in Ann Arbor (USA) beheimatet ist, und Donna Strickland von der University of Waterloo (Kanada) erhalten ihre Hälfte des Nobelpreises für die von ihnen entwickelten Methoden, ultrakurze Laserpulse von hoher Intensität zu erzeugen. In einer aufsehenerregenden Publikation aus dem Jahr 1984 beschrieben sie eine Abfolge aus zeitlicher Streckung, anschließender Verstärkung und abermaliger zeitlicher Kompression (Komprimierung) der Pulse, mit der es gelang , Pulsspitzenleistung bis in den Petawatt-Bereich (1015 Watt) zu erzeugen ohne das Verstärkermedium des Lasers zu zerstören. Diese Chirped Pulse Amplification (CPA) genannte Technik wird heute in unterschiedlichsten Feldern angewandt, am bekanntesten ist wohl die Korrektur der Hornhaut bei Augenoperationen.


 

October 1st

Medizin-Nobelpreis 2018 für Entdeckung der Immun-Checkpoint-Therapie

Der diesjährige Nobelpreis für Physiologie oder Medizin geht an den US-Amerikaner James Allison und den Japaner Tasuku Honjo. Beide haben gezeigt, dass über die Blockade von Immun-Checkpoints Krebs bekämpft werden kann.

 

Krebsimmuntherapien sind die derzeit größten Hoffnungsträger unter den neueren Therapieansätzen gegen Krebserkrankungen. Am vielversprechendsten ist es dabei, an Proteinen anzusetzen, deren Aufgabe es ist, die Immunabwehr herabzusetzen (sogenannte Immun-Checkpoints). In diesem Jahr werden zwei Wissenschaftler mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet, die zwei dieser Checkpoints entdeckt haben.

Das Labor von James Allison an der Universität von Kalifornien in Berkeley konnte 1994 zeigen, dass mit Antikörpern, die das T-Zell-Protein CTLA-4 blockieren, Krebs im Mausmodell bekämpft werden konnte. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse konnte das Arzneimittel Ipilimumab entwickelt werden, das 2011 in Europa und den USA zur Behandlung von Melanomen zugelassen wurde.

Bereits einige Jahre zuvor entdeckte der Japaner Tasuku Honjo von  der Universität Kyoto mit PD-1 eine andere Immunbremse, die an der Oberfläche von T-Zellen exprimiert wird. Auch die Blockade dieses Rezeptors erwies sich als vielversprechende Strategie zur Bekämpfung verschiedener Krebserkrankungen . Erfolgreiche klinische Studien führten zur Zulassung der monoklonalen Antikörper Nivolumab und Pembrolizumab.

Die ersten Resultate lösten seither einen wahren Boom an klinischen  Studienprogrammen zu unterschiedlichen Immun-Checkpoints aus. Vor allem Kombinationstherapien, die mehrerer solcher Immunbremsen adressieren oder die Immuntherapie mit anderen zielgerichteten Ansätzen verbinden, scheinen großes Potential zu bergen.

September 28th

Spatenstich in Haag am Hausruck

Mit dem Spatenstich wurden die Arbeiten zur Errichtung eines neuen Produktionsstandorts der Erber-Gruppe in Haag am Hausruck offiziell angestoßen.

Die Erber-Tochter Biomin wird hier Mineralfutter und Futtermittel-Vormischungen für die Schweine-, Geflügel- und Rinderhaltung herstellen. Für das Vorhaben ist eine Bauzeit von rund 12 Monaten veranschlagt. Der Vollbetrieb des neuen Werks, das ca. 20 Autominuten vom derzeitigen Produktionsstandort in Zell an der Pram entfernt liegt, ist für Dezember 2019 geplant.

Die Erber-Gruppe, die 1983 von Erich und Margarete Erber gegründet wurde, ist heute weltweit auf den Gebieten Futteradditive, Futter- und Lebensmittelanalytik, biologischer Pflanzenschutz und Tierarzneimittel tätig, 2017 betrug der Umsatz 325 Millionen Euro. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Getzersdorf (Bezirk St. Pölten-Land), Forschung und Entwicklung sind am Campus Tulln konzentriert. Vor kurzem wurde die Erber AG mit dem Zertifikat „Leitbetriebe Austria“ ausgezeichnet.

September 27th

Mobile: Lenzing stoppt Ausbau

Die geplante Erweiterung des US-amerikanischen Lyocellfaserwerks findet bis auf Weiteres nicht statt.

Im kommenden Frühjahr wollte der Faserkonzern Lenzing seine um rund 90.000 Jahrestonnen erweiterten Produktionskapazitäten in Mobile im US-amerikanischen Bundesstaat Alabama in Betrieb nehmen. Nun ist alles anders: Die 275-Millionen-Euro-Investition ist „vorübergehend“ gestoppt, teilte die Lenzing mit. Als Grund wurde die „steigende Wahrscheinlichkeit höherer Handelszölle, gepaart mit einer möglichen Überschreitung der Baukosten aufgrund des boomenden US-Arbeitsmarktes“ genannt. Bis auf Weiteres werde sich das Unternehmen nun auf die „Erweiterung der Lyocellfaser-Kapazitäten in Prachinburi (Thailand)“. Das Ausbauprojekt in Mobile bleibe aber in der Pipeline und werde regelmäßig auf seine Umsetzbarkeit geprüft. Mobile war Teil eines massiven Investitions- und Kapazitätssteigerungsprogramms. Allein 2017 wandte die Lenzing dafür rund 238,8 Millionen Euro auf. Ende Juni wurde Prüfung eines 450.000-Tonnen-Projekts in Brasilien angekündigt, in das etwa eine Milliarde US-Dollar fließen könnte. Bereits fertiggestellt ist die Erweiterung des Werks in Heiligenkreuz im Burgenland, mit der 2019 und 2020 etwa 25.000 Tonnen an zusätzlichen Lyocellfasern auf den Markt kommen.

Bereits bei der Präsentation des Halbjahresergebnisses 2018 Anfang August hatte Lenzing-Vorstandschef Stefan Doboczky von „unverändert herausfordernden Marktbedingungen“ gesprochen und dabei auch auf die Situation in den USA verwiesen. Doboczky hatte angekündigt, das Ergebnis von 2018 werde voraussichtlich unter den Resultaten der „Rekordjahre“ 2016 und 2017 liegen.

Vom Nordstaaten-Konteradmiral David G. Farragut, dem Sieger im Gefecht in der Mobile Bay im US-amerikanischen Bürgerkrieg, wird berichtet, er habe angesichts auf sein Flaggschiff zupreschender Torpedos gebrüllt: „Zum Teufel mit den Dingern! Volle Fahrt voraus!“ Doboczky hat sich in Anbetracht möglichen weltwirtschaftlich schlechteren Wetters dem gegenüber offenbar entschieden, vor Mobile erst einmal beizudrehen.

September 26th

„Unglaublich gut unterwegs“

Niederösterreichs Wirtschaft ist stark im Export - nicht zuletzt dank der Europäischen Union, hieß es bei einem Symposium der Wirtschaftsagentur Ecoplus in Schloss Laxenburg.

In Sachen Exporte ist Niederösterreich „unglaublich gut unterwegs“, und die Europäische Union spielt dabei eine entscheidende Rolle: Unter den zehn wichtigsten Auslandsmärkten gehören nur die USA und die Schweiz nicht der EU an. Das betonte Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav beim Symposium „Niederösterreichs Wirtschaft im Zeichen der EU-Ratspräsidentschaft - Was Niederösterreichs Betriebe von der Europäischen Union erwarten“ der Wirtschaftsagentur Ecoplus am 25. September in Schloss Laxenburg. Bohuslav erläuterte, Niederösterreich erwirtschafte etwa 50 Prozent seines Bruttoregionalprodukts mittels Exporten. Jede Milliarde Euro an Ausfuhren sichere rund 11.000 Arbeitsplätze. Und das Exportvolumen könne sich ebenfalls sehen lassen: 2017 sei dieses bei 21,8 Milliarden Euro gelegen, verglichen mit 7,8 Milliarden Euro vor 20 Jahren. Laut Bohuslav geht Niederösterreich die Erschließung neuer Auslandsmärkte strategisch an. Die Basis bilden Deutschland und die östlichen Nachbarstaaten Österreichs. Interessante Handelspartner außerhalb der EU sind unter anderem die Russländische Föderation, die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate. Auf längere Sicht könne auch der Iran ein Thema werden. Für das kommende Jahr sei geplant, Frankreich als neuen Markt zu erschließen. Als Fernziel sei China im Blick. Ausdrücklich betonte Bohuslav die Bedeutung der Regionalförderung der EU für die niederösterreichische Wirtschaft: „Ohne sie gäbe es keine Innovationszentren. Auch manche touristischen Angebote wären ohne Regionalförderung nicht möglich.“

Martin Eichtinger, der Landesrat für internationale Beziehungen, ergänzte, der ehemalige Landeshauptmann Erwin Pröll habe sich seinerzeit für Regionalförderungen für alle Regionen ausgesprochen, unabhängig von ihrer Wirtschaftskraft. Auch Landeshauptfrau Johanna Mickl-Leitner vertrete diese Position, und das erfolgreich: „Es steht mittlerweile fest, dass auch die am meisten entwickelten Regionen wie Niederösterreich weiterhin Regionalförderung bekommen werden.“

Eine nicht zu unterschätzende Herausforderung ist laut Eichtinger der EU-Austritt Großbritanniens (Brexit) im kommenden Jahr. Immerhin exportiert Niederösterreich alljährlich Güter und Dienstleistungen im Wert von 477 Millionen Euro nach Großbritannien und erwirtschaftet damit einen Exportüberschuss von etwa 150 Millionen Euro. Daher sei es notwendig, den Austritt möglichst geordnet zu vollziehen und ein diesbezügliches Abkommen zu schließen: „Dann gäbe es Rechtssicherheit und klar definierte Übergangsfristen.“

„Auf die Hinterfüße stellen“

Auch der ehemalige Bundeskanzler Wolfgang Schüssel plädierte für einen reibungsfreien Austritt der Briten. Sie hätten sich immer wieder für den Freihandel und gegen den Zentralismus ausgesprochen - beides Positionierungen, die dringend benötigt würden. Und gerade für Niederösterreich hätten der EU-Beitritt sowie die Ostöffnung eine „Doppelchance“ geboten, die auch gut genutzt worden sei, betonte Schüssel. Angesichts der weltweiten wirtschaftspolitischen Verwerfungen - Stichwort US-amerikanischer Protektionismus - müsse sich Europa „auf die Hinterfüße stellen“. Insbesondere gelte es, den Euro zu stärken. Als Zahlungsmittel sei dieser bereits „fast so stark wie der US-Dollar“. Als Reservewährung müsse er indessen noch attraktiver gemacht werden. Zu überlegen sei ferner ein schrittweiser Ausstieg aus „gewissen Sanktionen“ gegenüber der Russländischen Föderation, wenngleich deren Agieren im Zusammenhang mit der Krim nicht einfach akzeptiert werden könne.

Die Digitalisierung bezeichnete Schüssel als „Klassiker einer disruptiven Technik, die zu einer qualitativ total anderen Wirtschaft führt“. Niederösterreich solle sich daher um die Einrichtung einer Technischen Universität mit Schwerpunkt Digitalisierung bemühen. Das sei wichtiger, als beispielsweise „irgendwo“ eine weitere medizinische Universität zu etablieren.

Für ein rasches Ende der EU-Sanktionen gegenüber der Russländischen Föderation sprach sich der Gewürzindustrielle Erwin Kotányi aus. Wie er erläuterte, führt fast jede neue „Sanktionsrunde“ zu einer Abwertung des Rubels. Und das sei für sein Unternehmen ein erhebliches Risiko: „Russland ist unser wichtigster Auslandsmarkt im Osten. Wir können da nicht jahrelang zuschauen.“ Silvia Fluch, Vorstand der Ecoduna AG, die Mikroalgen erzeugt, konstatierte, der Marktaufbau für ein neues Produkt wie ihres sei stets „eine Herausforderung“. Vor allem in Asien biete das Gütesiegel „Made in Austria“ einen nicht zu unterschätzenden Wettbewerbsvorteil, weil dort die hohen österreichischen Qualitätsstandards bestens anerkannt seien. Novomatic-Vorstandschef Harald Neumann betonte, sein Unternehmen benötige für Investitionen stabile Rahmenbedingungen und Rechtssicherheit. Beides sei in der EU grundsätzlich gegeben, wenn auch die italienische Regierung in letzter Zeit etwas „absurd“ agiere. Allerdings bezahle der Glücksspielsektor in Italien jährlich etwa sechs bis sieben Milliarden Euro Steuern: „Will die Regierung auf dieses Geld wirklich verzichten?“

Wie immer sich die internationale Lage darstellt, ist jedoch eines klar, betonte Ecoplus-Geschäftsführer Helmut Miernicki: „Eine unserer Kernaufgaben ist es, die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit heimische Unternehmen und Innovationen wachsen können. Unsere Tochtergesellschaft Ecoplus International übernimmt diese wichtige Aufgabe für die niederösterreichische Exportwirtschaft.“ Über eigene Länderteams verfügt diese in Polen, der Slowakei, Tschechien, der Türkei, Rumänien, der Russländischen Föderation und Ungarn.

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