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April 9th, 2020

COVID-19: Pharmaindustrie sieht „gesellschaftliche Verantwortung“

Laut dem Branchenverband Pharmig unterstützen die Unternehmen den Kampf gegen die Pandemie nicht nur mit der Entwicklung neuer Medikamente.

 

Erfreut zeigt sich der österreichische Pharmaindustrieverband Pharmig über die weltweiten Initiativen der Branche, so rasch wie möglich Medikamente gegen COVID-19 verfügbar zu machen. Er verweist unter anderem auf den US-amerikanischen Konzern Gilead, der angekündigt hatte, 1,5 Millionen Dosen seines in Entwicklung befindlichen Wirkstoffs Remdesivir für klinische Studien kostenlos bereitzustellen. Bis Oktober möchte Gilead 500.000 Dosen des Mittels erzeugen, bis Jahresende eine Million Dosen. Gilead zufolge wurden bereits mehr als 1.700 Personen mit Remdesivir behandelt.

 

Pharmig-Generalsekretär Alexander Herzog bezeichnete dies als „dankenswertes Beispiel gesellschaftlicher Verantwortung“. Beim seinerzeitigen Auftreten von SARS- und MERS-Viren habe Gilead an „vielversprechenden Medikamenten“ gearbeitet und könne nun auf den damaligen Ergebnissen aufbauen. Laut Herzog „besteht damit die Hoffnung, schneller als sonst zu einem erfolgreichen Ergebnis zu gelangen. Diesen Vorteil sehen wir bei einigen derzeit laufenden Entwicklungsprojekten, was uns folglich hoffen lässt, umso schneller Corona-Patienten mit Behandlungsoptionen versorgen zu können“. Einmal mehr verwies Herzog darauf, dass die Entwicklung eines Arzneimittels üblicherweise rund zwölf Jahre dauert. 

 

Auch jenseits der Arbeit an Arzneimitteln gegen COVID-19 unterstützt die Pharmaindustrie den Kampf gegen die Erkrankung, ergänzte der Pharmig-Generalsekretär. Er verwies darauf, dass Bayer Atemschutzmasken und Einmalhandschuhe an das Wiener AKH lieferte, Novartis 30.000 Schutzmasken für Klinikpersonal in Tirol zur Verfügung stellte und AstraZeneca dem Österreichischen Roten Kreuz „eine größere Anzahl solcher Masken“ liefert. Richter Pharma wiederum habe die Dienstwagen der Welser Polizei mit Handdesinfektionsmitteln ausgestattet. All dies seien „erfreuliche Beiträge, die dazu dienen, die derzeitige Krise in Österreich und in der ganzen Welt zu bewältigen“, resümierte Herzog.

 

 

April 8th

ERC: Ferrari geht im Streit

Der Präsident des European Research Council ist nach nur drei Monaten zurückgetreten. Er verweist auf ein angeblich torpediertes COVID-19-Programm, seine Gegner attestieren ihm schwere Pflichtversäumnisse.

 

Nach nur drei Monaten ist der Präsident des European Research Council (ERC), Mauro Ferrari, zurückgetreten. In einem Brandbrief, der dem Chemiereport vorliegt, beschuldigt er seine Ex-Kollegen, seine „idealistischen Bemühungen“ im Kampf gegen die Corona-Pandemie aus rein formalen Gründen torpediert zu haben. Er habe ein spezielles ERC-Programm zu COVID-19 aufsetzen wollen, was angesichts der absehbaren gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen „Verwüstungen“ durch die Pandemie wohl mehr als gerechtfertigt gewesen sei. Sein Ziel habe darin bestanden, den besten einschlägigen Wissenschaftlern der Welt Fördermittel zur Verfügung zu stellen.

 

Mit dem Hinweis, das ERC verfolge einen „Bottom-up“-Ansatz und mache Wissenschaftlern keine inhaltlichen Vorgaben, sei dies indessen einstimmig abgelehnt worden. Jedoch habe ihn EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen persönlich um seinen Rat hinsichtlich der Pandemie gefragt. Binnen dreier Tage habe er, Ferrari, daraufhin ein Programm erarbeitet. Dieser direkte Kontakt mit der Präsidentin sei ihm im ERC schwer verübelt worden. Letzten Endes habe er „das Vertrauen in das System verloren“. Es mangle den EU-Mitgliedsstaaten offenbar völlig an der Koordination ihrer Vorgangsweisen gegen COVID-19, gerade auch im wissenschaftlichen Bereich. Statt dessen würden Finanzhilfen blockiert und Grenzen einseitig geschlossen: „Ich fürchte, ich habe genug gesehen von der europäischen Wissenschaftspolitik und den politischen Operationen der EU.“

 

Nun kehre er zurück an die „Front im Kampf gegen COVID-19“ und verlasse Brüssel, wo sich seine politischen Fähigkeiten als „offenbar unzulänglich“ („clearly inadequate“) erwiesen hätten.

 

Sparsam mit der Wahrheit

 

Die Reaktion des ERC erfolgte umgehend: Ferraris Darstellung habe mit den Tatsachen nichts zu tun. Bereits am 27. März hätten ihn alle 19 aktiven Mitglieder des Scientific Council des ERC zum Rücktritt aufgefordert. Ausschlag gebend seien vier Gründe gewesen: Erstens habe Ferrari den Sinn des ERC und dessen Rolle im Kontext des EU-Forschungs-Rahmenprogramms Horizon 2020 nicht im mindesten begriffen. Zweitens müsse ihm ein Mangel an Engagement für das ERC vorgeworfen werden: Er habe an einer ganzen Reihe wichtiger Sitzungen nicht teilgenommen und statt dessen viel Zeit in den USA verbracht. Das Programm und die Mission des ERC zu vertreten, sei ihm dagegen nicht in den Sinn gekommen. Drittens habe Ferrari etliche persönliche Initiativen innerhalb der EU-Kommission gestartet und seine Position missbraucht, um eigene Ideen zu vertreten statt das ERC. Zu schlechter Letzt sei Ferrari umfangreichen externen wissenschaftlichen wie auch wirtschaftlichen Vorhaben nachgegangen und habe diesen öfters Vorrang gegenüber seinen Verpflichtungen beim ERC eingeräumt. Sein Rücktritt am 7. April sei somit faktisch die Folge eines einstimmigen Misstrauensvotums.

 

Die von Ferrari erwähnte Initiative in Sachen COVID-19 habe das Scientific Council nicht unterstützt, „weil dies nicht unsere Aufgabe ist und die Generaldirektion Forschung und Innovation, mit der wir verbunden sind, bereits sehr aktiv neue diesbezügliche Programme entwickelt“. Über 50 ERC-Programme mit einem Gesamtvolumen von etwa 100 Millionen Euro im Zusammenhang mit COVID-19 seien im Laufen oder bereits abgeschlossen: „Wir bedauern daher Herrn Professor Ferraris Stellungnahme, die bestenfalls sparsam mit der Wahrheit umgeht.“

 

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der League of European Research Universities (LERU) und Präsident der Sorbonne, Jean Chambaz. Dass Ferrari nach nur drei Monaten von den USA aus seinen Rücktritt als ERC-Präsident erklärt habe, sei „bedauerlich, aber unvermeidbar“. Ferrari erzähle seine eigene Geschichte, zeige aber gerade damit sein mangelndes Verständnis für den Ansatz des ERC. Dieses werde weltweit für seine Erfolge bewundert: „Im Rahmen des Investitionsplans der EU zum Kampf gegen die derzeitige Krise sollte es daher noch stärker unterstützt werden. Alles Übrige ist unerheblich.“

 

 

Langfristiger Wachstumskurs bei Boehringer Ingelheim

Boehringer Ingelheim hat inmitten verstärkter Bemühungen um eine Therapie gegen COVID-19 zwar seine jährliche Bilanzpresskonferenz abgesagt, aber dennoch seine Bilanzzahlen für 2019 veröffentlicht.

Bereinigt um Währungseffekte konnte das Unternehmen im vergangenen Jahr den Umsatz um 5,7 Prozent auf 19 Milliarden Euro steigern. Auf Gruppenebene wurde ein Betriebsergebnis von 3,8 Milliarden Euro erzielt, das ergibt ein Ergebnis nach Steuern von 2,7 Milliarden Euro (gegenüber 2,1 Milliarden im Jahr 2018). Die Eigenkapitalquote erhöhte sich mit Jahresende im Vergleich zum Vorjahr von 40 auf 44 Prozent (2018: 40 Prozent).

Wichtigster Wachstumstreiber war dabei das Geschäft mit Humanarzneimitteln, mit dem 14 Milliarden Euro oder 74 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet wurden – ein währungsbereinigtes Wachstum von 8,0 Prozent. Umsatzstärkstes Medikament war Jardiance, mit dem Patienten mit Typ-2-Diabetes behandelt werden. Im Geschäftsbereich Tiergesundheit wurde ein Umsatz von 4 Milliarden Euro erwirtschaftet, was ein währungsbereinigtes Minus von 0,7 Prozent darstellt. Gestiegene Erlöse im Haustiersegment konnten hier eine auf den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest zurückgeführten Rückgang bei Arzneimitteln für Schweine nicht wettmachen. In der Biopharmazeutischen Auftragsproduktion wurde im Jahr 2019 ein Umsatz von 786 Mio. Euro (währungsbereinigt +7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr) erzielt.  

 

Investitionen in Forschung und Infrastruktur – und die Bekämpfung von COVID-19

Die Investitionen von Boehringer Ingelheim im vergangenen Geschäftsjahr waren auf einen langfristige Wachstumskurs ausgerichtet. 3,5 Milliarden Euro flossen in Forschung und Entwicklung, das entspricht 18,2 Prozent des Umsatzes und einer Steigerung von 9,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 1,1 Milliarden Euro wurden in Sachanlagen investiert.

Die gute, durch die Geschäftsentwicklung 2019 erwirtschaftete Kapitalbasis ermöglichte es dem Unternehmen eigenen Angaben zufolge, ein „Globales Unterstützungsprogramm“ zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie aufzusetzen. Wissenschaftler von Boehringer Ingelheim beteiligen sich an der Suche nach virusneutralisierenden Antikörpern und durchsuchen die Molekülbibliothek des Konzerns nach Substanzen, die das Virus bekämpfen könnten. Darüber hinaus ist man an mehreren Forschungskonsortien beteiligt, die beispielweise von der Innovative Medicines Initiative der EU oder der der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung getragen werden.

Neben den Forschungsaktivitäten umfasst das „Globale Unterstützungsprogramm“ einen Spendenfonds in Höhe von 5,8 Millionen Euro, bezahlten Urlaub für die 51.000 Mitarbeiter, die sich als freiwillige Helfer engagieren sowie einen Hilfsfonds in Höhe von 580.000 Euro für Sozialunternehmer in Kenia und Indien.

 

 

Corona: Henkel verwirft Jahresprognose

Zurzeit sind laut Angaben des Konzerns keine seriösen Einschätzungen möglich. Für das erste Quartal wird ein Umsatzrückgang von 0,9 Prozent erwartet.

 

Wegen der Corona-Pandemie verwirft der deutsche Chemiekonzern Henkel die Prognose für seine Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr. „Da die COVID-19-Pandemie weltweite Auswirkungen hat und in ihrer weiteren Entwicklung nicht absehbar ist, können wir derzeit keine verlässlichen Prognosen für unsere Geschäftsentwicklung im Jahr 2020 treffen“, konstatierte Vorstandschef Carsten Knobel. Sobald sich die Lage hinreichend kläre, werde eine neue Prognose veröffentlicht. Im Geschäftsbericht 2019 war für heuer von einem organischen Umsatzwachstum von 0 bis zwei Prozent die Rede gewesen. Somit wäre der Umsatz bei 20,11 Milliarden Euro stabil geblieben oder bestenfalls auf rund 20,51 Milliarden Euro gewachsen.

 

Für das erste Quartal 2020 erwartet Henkel gegenüber dem ersten Quartal 2019 nunmehr einen Umsatzrückgang um 0,9 Prozent. Somit würde sich der Umsatz auf etwa 4,51 Milliarden Euro belaufen. Im Bereich Adhesive Technologies soll der Quartalsumsatz um 4,1 Prozent auf 2,21 Milliarden Euro sinken, im Bereich Beauty Care um 3,9 Prozent auf 922 Millionen Euro. Einzig im Bereich Laundry & Home Care rechnet Henkel mit einem Umsatzanstieg, und zwar um 5,5 Prozent auf etwa 1,76 Milliarden Euro.

 

Das endgültige Quartalsergebnis veröffentlicht Henkel am 11. Mai.

 

 

April 6th

Evotec: Gentherapie-Tochter in Orth

Das Hamburger Wirkstoffunternehmen hat sich beim japanischen Pharmakonzern Takeda eingemietet und mit diesem eine Forschungsallianz geschlossen.

 

Das Hamburger Wirkstofferforschungs- und -entwicklungsunternehmen Evotec hat eine auf Gentherapien spezialsierte Tochter gegründet. Die Evotec Gene Therapy (Evotec GT) besteht seit Anfang April und hat ihren Sitz in Orth an der Donau. In der dortigen Fabrik des japanischen Pharmakonzerns Takeda wurden Labor- und Büroflächen angemietet, hieß es auf Anfrage des Chemiereports. Wie groß diese sind, wollte Evotec nicht mitteilen. Für vorerst vier Jahre besteht eine Forschungsallianz mit Takeda. In deren Rahmen „wird Evotec mehrere Programme unterstützen, die auf die Entwicklung von Wirkstoffen in Takedas vier therapeutischen Kernbereichen ausgerichtet sind: Onkologie, seltene Krankheiten, Neurologie und Gastroenterologie“. Bei der Evotec GT sind rund 20 Wissenschaftler beschäftigt. Deren Anzahl werde sich „mit dem Aufbau unserer Kapazitäten im Bereich Gentherapie potenziell weiter erhöhen“, hieß es gegenüber dem Chemiereport. Die betreffenden Personen arbeiten nach Angaben von Evotec „seit vielen Jahren zusammen und haben Erfahrungen mit verschiedenen Technologien für gentherapeutische Forschung in einem breiten Indikationsspektrum“. Zu ihrer Expertise gehören Vektorologie, Virologie sowie Kenntnisse in verschiedenen Indikationsgebieten, darunter Hämophilie, Hämatologie und metabolische wie auch Muskelerkrankungen.

 

Evotec-Chef Werner Lanthaler betonte, der Einstieg in den Gentherapiemarkt „passt hervorragend zu unserer Unternehmensstrategie. In den vergangenen Jahren wurden vermehrt präzisionsmedizinische Ansätze entwickelt, die auf Zell- und Gentherapien basieren, und es wird erwartet, dass sich dieser Trend auch in Zukunft weiter verstärkt“. Es handle sich um einen „vielversprechenden Ansatz zur Entwicklung genetischer Wirkstoffe insbesondere für erbliche und seltene Krankheiten. Für die Entwicklung der besten Therapien wird es entscheidend sein, den bestmöglichen Wirkstoffkandidaten für die jeweilige Krankheitsbiologie zu finden – unabhängig von seiner Modalität“.

 

Nach Angaben seines Unternehmens hatte der weltweite Gentherapiemarkt 2018 ein Volumen von rund 500 Millionen US-Dollar (463,5 Millionen Euro), 2025 sollen es mehr als fünf Milliarden US-Dollar (4,63 Milliarden Euro) sein. Das durchschnittliche Wachstum (CAGR) beziffert Evotec aufgrund von Analystenschätzungen mit rund 34 Prozent.

 

 

April 3rd

Corona: VCDI will Hochdurchsatz-Tests entwickeln

In der Initiative kooperieren 20 in Wien ansässige Forschungsinstitute. Sie arbeiten mit selbst entwickelten Testreagenzien und sind daher nicht von Importen abhängig.

 

Die Vienna COVID-19 Diagnostics Initiative (VCDI) haben 20 in Wien ansässige Forschungsinstitute gegründet. Sie wollen Hochdurchsatz-Tests entwickeln, die bei der Bekämpfung des Coronavirus SARS-CoV-2 helfen können. Laut einer Aussendung der Max-Perutz-Labs, die die VCDI koordinieren, haben sich binnen zweier Wochen 200 Wissenschaftler auf freiwilliger Basis zu der Initative zusammengefunden. Sie bauten „mit vorhandener Laborausstattung aus den beteiligten Einrichtungen in kürzester Zeit eine automatisierte Diagnose-Pipeline am Vienna BioCenter“ auf.

 

Der Vorteil der VCDI ist: Sie arbeitet mit selbst entwickelten Testreagenzien und ist daher nicht auf den Import von Materialien angewiesen, bei denen angesichts der Pandemie Lieferengpässe bestehen. Finanziell gefördert wird die Initiative vom Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF), Unterstützung kommt auch von der Bundesregierung.

 

Ausdrücklich wird betont, dass die VCDI ihr Know-how zum Aufbau von Test-Pipelines sowie ihre Forschungsergebnisse unentgeltlich zur Verfügung stellt. Das soll anderen Universitäten und Forschungseinrichtungen helfen, selbst COVID-19-Testkapazitäten aufzubauen. Alwin Köhler, Wissenschaftlicher Direktor der Max-Perutz-Labs und Koordinator der Initiative, konstatiert: „In einer Situation, in der die meisten Labore geschlossen wurden und viele Forscher untätig zu Hause sitzen mussten, sind einige zurückgekehrt, um diese Test-Pipeline praktisch aus dem Nichts aufzubauen. Wir haben hier kein Flugzeug am Boden zusammengebaut. Es war eher eine Konstruktion in der Luft, während die Pläne noch in Ausarbeitung waren. Ich bin stolz auf die kreative Energie, den Einfallsreichtum und die Leidenschaft aller beteiligten Forscher.“

 

Eine Liste der teilnehmenden Einrichtungen findet sich unter www.maxperutzlabs.ac.at/vcdi/about-vcdi.

 

 

 

 

 

COVID-19: Mobile Testzentren entwickelt

Denios hat auf Basis bekannter Elemente der Gefahrstofflagerung ein mobiles Testzentrum für den kontaktreduzierten Test auf SARS-CoV-2 entwickelt.

Derzeit werden in vielen Städten Europas Testzentren eingerichtet, an denen in  ausgelagerten Räumlichkeiten Personen auf den Corona-Virus SARS-CoV-2 getestet werden können. Denios, ein Hersteller von Produkten für die Gefahrstofflagerung, den betrieblichen Umweltschutz und die Sicherheit am Arbeitsplatz, hat für diesen Einsatzzeck ein mobiles Testzentrum für den kontaktreduzierten COVID-19 Abstrich bzw. die kontaktlose Assistenz beim Selbstabstrich entwickelt.

Die Funktionsweise ist dabei so konzipiert, dass die zu testende Person nach erfolgter Händedesinfektion den Patientenbereich durch eine verschließbare Tür betritt. Die räumliche Trennung zum Personalbereich erfolgt durch eine Trennwand mit Fensterschleuse und Kommunikationseinrichtung. Über diese Fensterschleuse, die nur über den Personalbereich bedient werden kann, wird dem Verdachtspatienten ein Abstrich per Stäbchen entnommen. Der im Patientenbereich herrschende Unterdruck wirkt während der kurzzeitigen Entnahme der möglichen Übertragung viraler Aerosole in den Personalbereich entgegen.

 

Fertige Raumausstattung für sofortige Inbetriebnahme

Das anschlussfertige Testzentrum basiert auf gut eingeführten Gefahrstofflagercontainern von Denios und kann auf einer ebenen, befestigten Fläche (z.B. Beton, Steinpflaster, Asphalt) aufgestellt werden. Bis Windlastzone 2 wird keine Bodenverankerung benötigt. Die Türen sind selbstschließend, absperrbar und können optional auch mit einem Türhaltesystem ausgerüstet werden. Eine Auffahrrampe bietet barrierefreien Zugang.

 

 

Apeiron: Rekombinantes Protein wird gegen COVID-19 getestet

Das Wiener Biotechnologie-Unternehmen Apeiron beginnt eine klinische Studie der Phase II in Österreich, Deutschland und Dänemark, bei dem das rekombinante Protein rhACE2 an 200 schwer erkrankten COVID-19-Patienten getestet werden soll.

rhACE2 (Projektname APN01) ist die rekombinante Variante des membrangebundenen Enzyms ACE2 (Angiotensin-konvertierendes Enzym 2), das eine wichtige Rolle bei der Regulation des Salz- und Wasserhaushalts des Körpers sowie des Blutdrucks spielt. Der Wirkstoff wurde, ausgehend von dieser Funktion, von Apeiron zur Behandlung schwerwiegender Lungenerkrankungen wie des akuten Atemnotsyndroms (ARDS) entwickelt, das als eine der Komplikationen bei COVID-19-Patienten auftritt. ACE2 dient aber auch als Rezeptor, an dem Coronaviren der Spezies SARS-CoV an die Wirtszelle andocken, deren Vertreter sowohl die SARS-Epidemie 2003 als auch den derzeitigen Ausbruch von COVID-19 verursacht haben. Bindet das Virus an die lösliche rekombinante Variante anstatt an den Zellrezeptor, wird verhindert, dass dieser die Zelle befällt.

Apeiron-Vorstandsvorsitzender Peter Llewellyn-Davies spricht daher von einem „einzigartigen dualen Wirkmechanismus“, durch den APN01 zum ersten Medikament werden könnte, das spezifisch gegen SARS-CoV-2 gerichtet ist. Die Aufsichtsbehörden in Österreich, Deutschland und Dänemark haben nun die Genehmigung zum Start einer klinischen Phase II-Studie erteilt, in deren Rahmen der Arzneimittelkandidat an 200 schwer an COVID-19 erkrankten Patienten getestet werden soll. Die Placebo-kontrollierte randomisierte Doppelblindstudie wird an zehn Standorten in Österreich, Dänemark und Deutschland durchgeführt. Primäres Ziel ist die Bewertung der klinischen Wirksamkeit sowie der Sicherheit und Verträglichkeit von APN01. Sekundäre Zieles sind die Evaluierung von Veränderungen messbarer biologischer Parameter nach der Verabreichung.

Am 26. Februar hatte Apeiron bekannt gegeben, eine klinische Pilotstudie mit APN01 in China beginnen zu wollen, die als Grundlage für die Durchführung einer klinischen Phase-IIB-Studie mit einer größeren Anzahl von Patienten dienen sollte. Eine Genehmigung des lokalen Ethikrates für diese Vorhaben lag vor. „Bevor die Studie jedoch starten konnte, hat die chinesische Regierung die Zulassungsregelungen verändert und lässt nur noch Studien mit Genehmigung der nationalen Behörden zu“, heißt es von Seiten Apeirons dazu. Ein Antrag für eine Phase-II-Studie in China sei in Arbeit, derzeit konzentriere man sich aber auf den aktuellen Hotspot Europa.

 

Über APN01

Die Forschungen zur Rolle von ACE2 von Apeiron-Gründer Josef Penninger waren einer der Ausgangspunkte für die Gründung des Unternehmens. 2010 wurden die Rechte an APN01 an Glaxo Smith Kline auslizenziert. Der Pharmakonzern führte von 2014 bis 2017 Studien zur Behandlung von Lungenerkrankungen durch. 2019 erhielt Apeiron die Lizenzen für die weitere klinische Entwicklung zurück, nachdem GSK sich strategisch auf die Onkologie konzentriert hatte.

 

 

April 2nd

COVID-19: Wiener Startup hätte Wirkstoff-Kandidaten

Das Wiener Startup-Unternehmen Panoptes Pharma ist in Besitz eines Wirkstoffs, der gute antivirale Eigenschaften zeigt. Um diesen gegen den COVID-19-Erreger zu testen, würde allerdings ein Finanzierungspartner benötigt.

Panoptes erwarb 2013, als Teil seiner Gründungsidee, die Rechte für einen Arzneimittelkandidaten, der gute Wirkung gegen verschiedene Erkrankungen des Auges gezeigt hatte. Seither wurden mehrere Formulierungen mit diesem Wirkstoff entwickelt und gegen Uveitis (eine Autoimmunerkrankung, die eine Entzündung der mittleren Augenhaut auslöst), Keratoconjunctivitis sicca (Syndrom des trockenen Auges) und einige andere Indikationen klinisch getestet. Doch die Möglichkeit, die Substanz in der Augenheilkunde einzusetzen, ergab sich ursprünglich aus einem Nebeneffekt – eigentlich war man, noch bevor die Rechte von Panoptes erworben wurden, im Rahmen der Entwicklung antiviraler Therapien für Erkrankungen außerhalb des Auges auf die Substanz aufmerksam geworden. Panoptes-CEO Franz Obermayr schien es daher naheliegend, angesichts der weltweit fieberhaften Suche nach einem Arzneimittel gegen den Erreger von COVID-19, einen erneuten Blick auf die Eigenschaften des Wirkstoffs zu werfen.

Der Substanz, mit der sich Panoptes beschäftigt, ist ein Inhibitor des Enzyms DHODH, das einen Schritt in der Biosynthese von Pyrimidinen katalysiert. Dadurch wird auch die Versorgung mit den Pyrimidin-Basen Cytosin und Uracil gestört, ohne die die virale RNA in der Wirtszelle nicht vervielfältigt werden kann. Es ist aber auch bekannt, dass dieses Target regulierend ins entzündliche Geschehen eingreift, mehrere DODH-Hemmer sind als Immunmodulatoren in Gebrauch.

 

Was die Substanz von anderen unterscheidet

„Wir konnten in unseren präklinischen Studien zeigen, dass unser Arzneimittelkandidat die Ausschüttung bestimmter Cytokine hemmt und dadurch der überschießenden Immunantwort bei Uveitis entgegenwirkt“, berichtet Obermayr. Eine solche ist aber auch das Problem bei vielen schwerwiegenden Verläufen von COVID-19, bei denen es ausgehend von einer Lungenentzündung zur Ausbreitung des Entzündungsgeschehens über den gesamten Organismus und zur Gefahr eines Multiorganversagens kommt. Obermayr geht daher davon aus, dass DHODH-Hemmer über einen zweifachen Mechanismus (die Hemmung der überschießenden Immunantwort und die von Mutationen des Virus unabhängige antivirale Aktivität) gegen die virale Atemwegserkrankung einsetzbar ist. Dazu komme, dass gegenüber anderen Molekülen, die dieses Target adressieren, die von Panoptes untersuchte Verbindung eine 50- bis 1.000-fache Aktivität zeige und daher nur geringe Dosen verabreicht werden müssten.

Das Wiener Startup-Unternehmen würde seinen Wirkstoff daher für klinische Studien in dieser Indikation anbieten. Budgetiert war ein solches Engagement allerdings nicht, wollte man sich doch auf weitere Vorhaben in der Ophthalmologie stützen: „Wir planen eine größere Phase-II-Studie zu Uveitis und wollen den Wirkstoff gegen diabetisches Makulaödem testen.“ Wirkstoff ist für diese Vorhaben ausreichend vorhanden und in Österreich gelagert, er könnte also schnell auch für klinische Studien gegen virale Atemwegsinfektionen zur Verfügung stehen, wie Obermayr betont. Für einen derartiges Programm würde man aber einen Finanzierungspartner benötigen.

 

April 1st

EMA: Corona-Impfstoff frühestens Mitte 2021 verfügbar

Die europäische Arzneimittelagentur warnt vor übertriebenen Erwartungen. Ermutigend ist ihr zufolge indessen die zunehmende Anzahl umfangreicher klinischer Studien.

 

Frühestens in etwa einem Jahr wird ein Impfstoff gegen die Corona-Krankheit COVID-19 in ausreichenden Menge für einen großflächigen Einsatz zur Verfügung stehen. Das meldet die European Medicines Agency (EMA) nach einer Nachfrage bei einem Dutzend potenzieller Hersteller. Zwei Impfstoff-Kandidaten befinden sich zurzeit in der Phase 1 klinischer Studien.

 

Überdies arbeitet die Pharmaindustrie nach Angaben der EMA an rund 40 Medikamenten zur Behandlung der Atemwegserkrankung. Klinische Studien laufen unter anderem zu Lopinavir/Ritonavir, einem Medikament gegen HIV, Chloroquin und Hydroxylchloroquin, die zurzeit gegen Malaria sowie gegen Autioimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis eingesetzt werden, Interferon Beta, das gegen Multiple Sklerose zum Einsatz gelangt, sowie zu einer Reihe monoklonaler Antikörper, mit denen Komponenten des Immunsystems behandelt werden.

 

Bisher zeigte allerdings noch kein Mittel Wirksamkeit bei der Behandlung von COVID-19, bedauert die EMA. Als ermutigend betrachtet die EMA die zunehmende Anzahl umfassender klinischer Studien. Diese sind ihr zufolge notwendig, um die Datenbasis für die Zulassung der jeweiligen Arzneimittel sowie für deren Einsatz in der klinischen Praxis zu schaffen.

 

Unterdessen hat die Europäische Kommission im Rahmen des EU-Forschungsrahmenprogramms Horizont 2020 rund 47,5 Millionen Euro für 17 Projekte im Zusammenhang mit COVID-19 bereitgestellt. An den Vorhaben sind 136 Forschungsteams aus der EU sowie aus weiteren Ländern beteiligt. Bei den Arbeiten geht es um die Verbesserung der Abwehrbereitschaft und Reaktionsfähigkeit auf Ausbrüche durch Entwicklung besserer Überwachungssysteme zur Prävention und Eindämmung der Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus, um Schnelltests mit rascheren und genaueren Diagnosen, neue Therapien und neue Impfstoffe.

 

 

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