Borouge International mit neuer Compoundinganlage

Mit der 100-Millionen-Investition in Schwechat wurde „strategische Infrastruktur“ für den Polyolefinkonzern geschaffen. Nicht zuletzt verarbeitet dieser dort im Sinne der Kreislaufwirtschaft hochwertiges Recyclingmaterial.

 

Credit: Chemiereport
Hochmodern: Bei ihrer neuen Compoundinganlage in Schwechat setzt die Borouge International auf Spitzentechnologie.

 

Etwa 100 Millionen Euro investierte der Polyolefinkonzern Bourouge International (BI) in eine neue Anlage zur Herstellung von Verbundwerkstoffen (Spezialpolypropylen-Compounds) am Standort Schwechat. Zu ihrer Kapazität machte das Management des Unternehmens bei der offiziellen Eröffnung aus Wettbewerbsgründen keine Angaben.

 

Vorstandschef Roger Kearns sprach von einem „wichtigen Investment“. Mit den Erzeugnissen würden Kunden in bedeutenden Märkten beliefert. Nicht zuletzt stelle die BI in der neuen Anlage Compounds her, die je nach Bedarf der Kunden unterschiedlich hohe Anteile an hochqualitativem Recyclingmaterial enthalten: „Wir setzen hier auf Spitzentechnologie und Recyclingkunststoffe der nächsten Generation.“ Damit schlage die BI ein neues Kapitel im Sinne der Kreislaufwirtschaft auf.

 

Roland Janssen, der mit 1. Oktober Stefan Doboczky als BI-Vertriebschef folgt, ergänzte, die Anforderungen an Kunststoffe stiegen stetig: „Es wird immer mehr Leistung zu immer niedrigeren Preisen verlangt.“ Auch das regulatorische Umfeld verschärfe sich. Daher seien Investitionen wie jene in Schwechat nötig, um technisch im Spitzenfeld zu bleiben. Die in der neuen Anlage erzeugten Werkstoffe werden laut Janssen nicht zuletzt an Kunden in der Automobilindustrie, in der Haushaltsgerätebranche sowie im Infrastrukturbereich geliefert.

 

Hasan Karam, Chief Operating Officer der BI, konstatierte, die neue Anlage sei ein „Eckstein“ für seinen Konzern: „Das ist eine unserer strategischen Infrastrukturen.“

 

Kunststoffe im „Fleischwolf“

 

Produziert wird überwiegend im Auftrag von Kunden und in enger Abstimmung mit diesen, hieß es bei der Besichtigung des Werks. Die BI sei in der Lage, flexibel auf sich ändernde Bedarfslagen zu reagieren, wozu unter anderem ein Hochregallager diene. Wesentlich ist, dass die BI eine breite Palette von Einsatzstoffen verarbeiten kann. Geliefert werden diese üblicherweise in fester Form.

 

Die Erzeugung der Compounds erfolgt in Doppelschneckenextrudern, die von BI-Fachleuten launig als „riesige Fleischwölfe“ für Kunststoffe bezeichnet wurden. Durch die Drehung der Extruderschnecken entsteht Wärme, die die Einsatzstoffe aufschmilzt und, was zentral ist, homogenisiert. Der entstehende Kunststoff wird durch eine Lochplatte gepresst. So entstehen „Polymerwürste“, die mit einem Schneidwerkzeug in Pellets zerschnitten werden. Vor der Auslieferung an die Kunden durchlaufen die Materialien strenge Qualitätskontrollen.

 

Politik erfreut

 

Erfreut zeigte sich die bei der Eröffnung anwesende Politik. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer betonte, es sei „entscheidend“, industrielle Produktion in Österreich zu halten. Darum bemühe sich die Bundesregierung nach Kräften. Unter anderem plane sie bekanntlich die Einführung eines Industriestrompreises, wolle die kommerzielle Speicherung aus Industrie- und Kraftwerksabgasen abgeschiedenen Kohlendioxids (CCS) zulassen und richte die Forschungsförderungsagenturen neu aus. Ferner habe sie eine Novelle des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) zur Begutachtung ausgesandt. Mit dieser sollen Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. Nur mit Innovation, Forschung und Entwicklung, wie sie nicht zuletzt die BI betreibe, könne Österreich dauerhaft wirtschaftlich erfolgreich sein.

 

Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner verwies auf die gedeihliche Zusammenarbeit der BI mit der Landes-Wirtschaftsagentur ecoplus gerade im Bereich Kreislaufwirtschaft. Die Politik müsse die Wirtschaft entlasten, Genehmigungsverfahren beschleunigen und Investitionen ermöglichen. Zu diesem Zweck habe Niederösterreich eine „Task Force Wirtschaft“ eingerichtet.