EU-Chemieindustrie kämpft mit Herausforderungen

Laut dem Chemical Trends Report des EU-Branchenverbands Cefic kann von einer Rückkehr zu nachhaltigem Wachstum vorerst keine Rede sein.

 

Credit: Cefic
Weiter starker Gegenwind: Laut Cefic sind die Aussichten für die Chemieindustrie nicht rosig.

Im ersten Halbjahr 2026 entwickelte sich die Chemieindustrie in der EU besser als erwartet. Allerdings ist an Herausforderungen weiterhin kein Mangel, berichtet der Branchenverband Cefic in seinem aktuellen Chemical Trends Report. Die Produktion war im ersten Halbjahr 2026 um etwa 1,6 Prozent niedriger als im ersten Halbjahr 2025. Jedoch verzeichnete die Branche erhebliche regionale Unterschiede. In Spanien etwa erhöhte sich die Erzeugung gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,3 Prozent, in Frankreich um 1,0 Prozent. Dem gegenüber mussten die Niederlande einen Rückgang um 6,0 Prozent hinnehmen. In Italien sank die Produktion um 3,3 Prozent, in Deutschland um 2,7 Prozent. Sektorbezogen verringerte sich die Erzeugung im Bereich der „sonstigen Basischemikalien“ mit 9,2 Prozent am stärksten. Die Polymerherstellung sank um 6,5 Prozent, ebenso wie jene von Pflanzenschutzmitteln. Bei Pigmenten war ein Rückgang um 2,7 Prozent zu verzeichnen, bei Farben belief sich dieser auf 0,9 Prozent.

 

Positiv entwickelten sich die Erzeugerpreise. Der diesbezügliche Index erreichte einen dimensionslosen Wert von 124,1. Er lag damit um 4,2 Prozent über dem Niveau des ersten Halbjahres 2025. Die Verbraucherpreise wiederum erhöhten sich leicht um 0,4 Prozent.

 

Als nach wie vor unbefriedigend erachtet Cefic dem gegenüber die Auslastung der Fabriken. Wohl erreichte sie im dritten Quartal 2026 rund 75,0 Prozent, verglichen mit 74,4 Prozent im zweiten und 73,2 Prozent im ersten Quartal. Sie liegt aber um 6,3 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt.

 

Verringerter Handel

 

Sorgen bereitet Cefic auch die Entwicklung des Handels. So belief sich der Wert der Exporte im ersten Halbjahr 2026 auf etwa 107,1 Milliarden Euro, um 7,2 Milliarden Euro oder 6,3 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum 2025. Einen Einbruch um 93 Prozent musste die Branche bei den Ausfuhren in die USA verkraften. Von den Volumina her lagen die gesamten Exporte mit 43,7 Millionen Tonnen um 6,2 Prozent unter dem Vorjahreswert. Auch die Importe gingen zurück, nämlich um 5,9 Prozent auf 88,7 Milliarden Euro. Die Volumina sanken sogar um 12,3 Prozent auf 46,0 Millionen Tonnen. Immerhin ergab sich finanziell gesehen ein Exportüberschuss von 18,4 Milliarden Euro.

 

Ein Problem bleiben weiterhin die Energiepreise, hält Cefic fest. Die durchschnittlichen Gaspreise lagen bei 45,1 Euro/MWh und waren damit um 15,7 Prozent höher als im ersten Halbjahr 2025. Im selben Zeitraum sanken die Gaspreise in den USA um etwa 9,0 Prozent auf 12,5 Euro/MWh, was die Wettbewerbssituation weiter verschärfte.

 

Insgesamt betrachtet, sieht sich Europas Chemieindustrie weiterhin starkem Gegenwind ausgesetzt, konstatiert Cefic. Nicht zuletzt die schwache Nachfrage, die unvorteilhafte Situation bei den Energiepreisen sowie die niedrige Auslastung der Fabriken verhindern bis auf Weiteres eine Rückkehr zu starkem und nachhaltigem Wachstum.