EU-Gesundheitspolitik: HERA nimmt Arbeit auf

Seit Mitte September ist die neue Krisenvorsorgebehörde der EU für den Gesundheitssektor operativ. Sie soll nicht zuletzt bei der Bewältigung von Pandemien wie COVID-19 helfen.

Foto: EC Audivisual Service / Jennifer Jacquemart
EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides: „Die HERA ist das Symbol für ein Umdenken in der Gesundheitspolitik.“

 

Mitte September etablierte die EU-Kommission die neue europäische Krisenvorsorgebehörde für den Gesundheitssektor, die sogenannte „Health Emergency Preparedness and Response Authority“ (HERA). Wie es in einer Aussendung hieß, soll diese dazu beitragen, Pandemien wie COVID-19 „künftig verhüten, erkennen und rasch darauf reagieren zu können. Bei Eintreten einer Notlage wird die HERA die Entwicklung, Herstellung und Verteilung von Arzneimitteln, Impfstoffen und anderen medizinischen Maßnahmen – wie Handschuhen und Masken – sicherstellen, an denen es in der ersten Zeit der Coronavirus-Pandemie gemangelt hat“. Im Zuge der Krisenvorsorge kooperiert die HERA eng mit den übrigen Behörden im Gesundheitsbereich auf internationaler, europäischer sowie auf nationalstaatlicher Ebene, aber auch mit der Pharmaindustrie und sonstigen für die Sicherheit der Arzneimittelversorgung relevanten Branchen. Sie werde „Gefahrenanalysen durchführen, Informationen sammeln und Vorhersagemodelle für einen Ausbruch entwickeln. Bis 2022 wird sie mindestens drei Gesundheitsgefahren mit potenziell weitreichenden Folgen ermitteln und aktiv werden und mögliche Lücken bei den medizinischen Gegenmaßnahmen angehen“. Das betrifft nicht zuletzt Maßnahmen gegen Verfügbarkeitsmängel, die in den vergangenen Jahren immer wieder für Aufregung gesorgt hatten. Eine weitere Aufgabe der HERA ist die Unterstützung der Arzneimittelentwicklung, nicht zuletzt „durch ein unionsweites Netz für klinische Prüfungen und Plattformen für den raschen Datenaustausch“.

 

Kommt es trotz aller Vorsorge zu einer Krise, beruft die HERA ihren Krisenstab ein und aktiviert die EU-FAB-Fazilität, die als „Netz ständig einsatzbereiter Produktionskapazitäten für die Herstellung von Impfstoffen und Arzneimitteln“ beschrieben wird. Überdies werde „eine Bestandsaufnahme der Produktionsanlagen, der Rohstoffe, Verbrauchsmaterialien, Ausrüstungen und Infrastrukturen erstellt, um einen besseren Überblick über die Kapazitäten in der EU zu erhalten“.

 

Für die Jahre 2022 bis 2027 verfügt die HERA über ein Budget von sechs Milliarden Euro. Insgesamt stellt die EU nach Angaben der Kommission bis 2027 fast 30 Milliarden Euro bereit, um die „Resilienz der Gesundheitssysteme“ zu stärken. Die HERA soll ab Anfang kommenden Jahres voll arbeitsfähig sein, erläuterte die Kommission: „Bis 2025 wird die Funktionsweise jährlich überprüft und gegebenenfalls angepasst. Anschließend wird eine umfassende Überprüfung durchgeführt.“ EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides bezeichnete die HERA als „unverzichtbares Kernstück einer starken EU-Gesundheitsunion. Sie wird uns in die Lage versetzen, Gesundheitsgefahren durch strategische Früherkennung zu antizipieren und gemeinsam rasch zu reagieren. Nach fast zwei Jahren einer verheerenden Pandemie ist die HERA das Symbol für ein Umdenken in der Gesundheitspolitik, dem wir uns alle anschließen sollten: Nur wenn wir gemeinsam handeln, sind wir stark genug und in der Lage, die Gesundheitssicherheit unserer Bürger entscheidend zu verbessern“.

 

Pharmabranche hilft

 

Erfreut zeigten sich der europäische Pharmaindustrieverband EFPIA (European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations) sowie der Impfstoffverband Vaccines Europe (VE). EFPIA-Generaldirektorin Nathalie Moll konstatierte, Europa sei 2020 sehr rasch zum Zentrum der COVID-19-Pandemie geworden. Ebenso rasch aber hätten die Pharmaindustrie, die Impfstoffbranche und die Behörden reagiert, um die Herausforderung gemeinsam in den Griff zu bekommen. „Die Gründung der HERA ist ein erster Schritt, um Europa im Kampf gegen weltweite Gesundheitsgefahren an die Spitze zu bringen“, betonte Moll. Sie sicherte der neuen Einrichtung die Unterstützung der EFPIA sowie von VE zu: „Wir teilen mit der HERA das Ziel eines sichereren, gesünderen und resilienteren Europas.“