Evonik: Mit BASF nicht verhandeln, aber reden

Der Essener Spezialchemiekonzern reagiert auf die Aussagen BASF-Vorstandschef Markus Kamieths zur im Raum stehenden Übernahme. Er schlägt vor, die Standpunkte abzuklären.

 

Credit: Evonik
„Rein informativ“ reden: Der Evonik-Vorstand um Claus Rettig lehnt formelle Verhandlungen mit BASF vorerst ab.

Das Hin und Her um die mögliche Übernahme des Essener Spezialchemiekonzerns Evonik durch die BASF geht weiter. In einer Aussendung teilte der Evonik-Vorstand sinngemäß mit, er habe ein Schreiben erhalten, das die Ausführungen Kamieths wiedergibt, und dieses „ eingehend geprüft. Er hat auf Basis der vorliegenden Informationen entschieden, nicht in Verhandlungen mit der BASF SE einzutreten. Der Vorstand bleibt auf die strategische Ausrichtung und Weiterentwicklung von Evonik als eigenständiges Unternehmen fokussiert“.

 

Allerdings erklärte er sich bereit, mit der BASF-Führung „rein informativ und vertraulich“ über die Causa zu sprechen. Es gehe darum, „die Position der Evonik Industries AG zu erläutern und der BASF SE die Gelegenheit zu geben, ihre Motive und die aus ihrer Sicht maßgeblichen Erwägungen darzulegen“.

 

Der mutmaßliche Hintergrund der Angelegenheit ist: Wie berichtet, hält die RAG-Stiftung, die für den Umgang mit den Hinterlassenschaften des Steinkohlebergbaus in Deutschland zuständig ist, etwa 44 Prozent der Evonik und ist damit deren größter Eigentümer. Sie will ihren Anteil aber verringern. Das BASF-Angebot wäre hierzu eine Möglichkeit, vorausgesetzt, es fällt attraktiv genug aus. Die in Aussicht gestellten Gespräche könnten dazu dienen, dies zu klären.

 

Strategie schärfen

 

Die Evonik hatte im September angekündigt, ihre Strategie nachzuschärfen und ihre Strukturen zu ändern. Laut einer Aussendung wird „das Produkt-Portfolio nach Rollenprofilen geordnet, allen großen Standorte in Deutschland werden spezifische Aufgaben zugeteilt. Zugleich wird die geostrategische Balance durch gezielte Wachstumsprojekte optimiert“. Überdies erfolgt der Rückzug aus „Geschäftsaktivitäten, für die keine Perspektive im Unternehmen besteht“. Hinsichtlich der Belegschaft geht es um „Nicht-Nachbesetzung freiwerdender Stellen, frühere Übergänge in den Ruhestand sowie freiwillige Abkehr gegen Zahlung von Abfindungen. Betriebsbedingte Beendigungskündigungen sind weiterhin ausgeschlossen“. Wie viele Beschäftigte betroffen sein könnten, teilte die Evonik nicht mit.

 

Im Jahr 2025 erwirtschaftete der Spezialchemiekonzern rund 14,07 Milliarden Euro Umsatz, um 7,2 Prozent weniger als 2024. Das bereinigte Konzernergebnis lag mit 634 Millionen Euro um 18,4 Prozent unter dem Wert von 2024. Zurzeit führt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Evonik, Claus Rettig, den Konzern interimistisch. Vorstandschef Christian Kullmann ist nach einer überraschenden Operation Ende August auf Genesungsurlaub.