Evonik-Übernahme: BASF-Chef Kamieth legt nach

Der Vorstandsvorsitzenden des Essener Konzerns schließt betriebsbedingte Kündigungen bis 2032 aus. Er hält es für nötig, dass die deutsche Chemieindustrie die ohnehin laufende Konsolidierung der Branche selbst gestaltet.

 

Credit: BASF
BASF-Vorstandschef Markus Kamieth: Chemieindustrie konsolidiert sich „so oder so“

Hinsichtlich einer möglichen Übernahme des Spezialchemiekonzerns Evonik durch seinen Konzern meldete sich nun BASF-Vorstandschef Markus Kamieth zu Wort. Er betonte, dass die BASF im Falle einer Akquisition „die bestehenden Standortvereinbarungen übernehmen“ würde. Dies bedeute, es werde bis 2032 keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Ferner wolle die BASF die Chemieparks in Marl und Wesseling weiter betreiben. Die Evonik hatte angekündigt, den Parkbetreiber Syneqt verkaufen zu wollen.

 

Kamieth ergänzte, die BASF und die Evonik seien „beide stark in der Spezialchemie. Bei innovativen, kundennahen Lösungen mit globalem Marktzugang. Die Stärken von BASF liegen aber auch im Verbund. In langen Wertschöpfungsketten mit Zugang zu wichtigen Bausteinen in allen Regionen der Welt. Die Produkte und Stärken beider Unternehmen ergänzen sich hervorragend“.

 

Auch werde sich die Chemieindustrie „so oder so“ weiter konsolidieren. Es gelte, diesen Prozess selbst zu gestalten, statt eine Übernahme europäischer Unternehmen durch Investoren aus Drittstaaten abzuwarten: „Ein Zusammenschluss von BASF und Evonik wäre eine starke deutsche Antwort auf den globalen Wettbewerb.“

 

Kamieth warnte indessen, die BASF werde die Evonik „nicht um jeden Preis“ kaufen: „Aber wir gehen das an mit der Überzeugung: Gemeinsam können wir etwas aufbauen, das stärker ist als beide Teile für sich. Jetzt zählt’s. Alleine kleiner oder gemeinsam größer denken. Eine starke Chemie in Deutschland ist die richtige Antwort auf den globalen Wettbewerb. Packen wir es gemeinsam an. Es wird sich lohnen.“

 

Keine Reaktion

 

Die Evonik reagierte auf Kamieths Ausführungen nicht. Anlässlich des Bekanntwerdens der Pläne Ende September hatte sie festgehalten, eine „unverbindliche Ansprache durch die BASF SE“ erhalten zu haben: „Diese ist auf ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien der Gesellschaft gerichtet. Gespräche finden derzeit nicht statt. Evonik beabsichtigt nicht, diesen Vorgang über die rechtlichen Erfordernisse hinaus weiter zu kommentieren oder Anfragen dazu zu beantworten.“ Ihr größter Eigentümer, die RAG-Stiftung, die für den Umgang mit den Hinterlassenschaften des Steinkohlebergbaus in Deutschland zuständig ist, hält an der Evonik nach eigenen Angaben etwa 44 Prozent. Sie hat aber bekundet, diesen Anteil verringern zu wollen.

 

Im Jahr 2025 erwirtschaftete die Evonik rund 14,07 Milliarden Euro Umsatz, um 7,2 Prozent weniger als 2024. Das bereinigte Konzernergebnis lag mit 634 Millionen Euro um 18,4 Prozent unter dem Wert von 2024.