FCIO: Lohn- und Energiekosten senken, regulatorischen Aufwand verringern
Der Fachverband der Chemischen Industrie Österreich sieht die Branche international in einer sich verschlechternden Wettbewerbssituation. Gegensteuern sei dringend geboten.

Drei Forderungen an die österreichische sowie europäische Politik erhebt Ulrich Wieltsch, der Obmann des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreich (FCIO): „Erstens ist es nötig, die Lohnkosten in den Griff zu bekommen. Zweitens gilt es, auch die Energiekosten in den Griff zu bekommen. Und drittens muss der regulatorische Aufwand verringert werden.“ Wieltsch, der hauptberuflich Technischer Direktor bei Thermo Fisher Scientific in Linz ist, erläuterte bei einem Pressegespräch, die österreichische Chemiebranche habe derzeit im Vergleich zur Konkurrenz in Deutschland jährliche Mehrkosten von etwa 500 Millionen Euro zu tragen: „Das können wir auf die Dauer nicht stemmen.“ Schon im vergangenen Jahr habe die Chemieindustrie rund 600 Arbeitsplätze abgebaut, heuer werde sich dieser Trend fortsetzen. Wieltsch zufolge bekennen sich die Unternehmen der Branche zwar nach wie vor zum Standort Österreich. Wegen der ungünstigen Rahmenbedingungen senken sie indessen ihre Investitionen.
Seine Forderungen untermauerte Wieltsch mit den Ergebnissen einer Umfrage, die das Beratungsunternehmen EY Denkstatt im Auftrag des FCIO unter dessen Mitgliedern durchführte. Sie erfolgte vor dem Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs der USA und Israels auf den Iran am 28. Feber 2026, der bis heute andauert. Als wichtigste Faktoren für die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Chemieindustrie erachten die Vertreter der dem FCIO angehörenden Unternehmen dieser zufolge die Personalkosten, die Nachfrageentwicklung, den „Importdruck aus Niedrigkostenländern“, regulatorische Unsicherheiten und Komplexitäten sowie die Energiekosten. „Im Vergleich zu Deutschland sowie EU/EWR + UK + Schweiz überwiegen neutrale bis leicht negative Einschätzungen. Gegenüber dem osteuropäischen Raum hat sich Marktsituation in Österreich leicht verschlechtert“, hieß es in einer bei dem Pressegespräch ausgegebenen Unterlage. Die Befragten erachten die USA sowie Asien verglichen mit der Europäischen Union als „klar als attraktivere Standorte. Der Wettbewerbsabstand wird hier als zunehmend wahrgenommen. Dies gilt vor allem für die Herstellung chemischer Erzeugnisse“. Allerdings hat der asiatische Raum als Markt für die österreichische Chemieindustrie nur „untergeordnete“ Bedeutung: Auf ihn entfallen rund 7,5 Prozent des gesamten Exportvolumens.
Ferner zeigt die Umfrage „ branchenspezifische Unterschiede“. So sehen sich Vertreter der Pharmaindustrie vergleichsweise „weniger stark vom Importdruck und von regulatorischer Unsicherheit betroffen“. Die chemische Industrie im engeren Sinn wiederum erachtet die Dauer der Genehmigungen für Anlagen als besonders herausfordernd. Grundsätzlich werden in der gesamten Sparte folgende Faktoren als wesentliche Hemmnisse für Investitionen angegeben: die komplexen und langen Genehmigungsverfahren, die Lohnkosten, die Energiekosten, die Qualität und Quantität der gesetzlichen Vorgaben sowie der Konkurrenzdruck aus Nicht-EU-Ländern. Am wenigsten Bedeutung haben dem gegenüber die Kapitalkosten, Risiken durch den Klimawandel, die Versorgungssicherheit bei Rohstoffen sowie die Verfügbarkeit von Fachkräften.
„Hochnotwendig, aber nicht ausreichend“
Von der Redaktion auf die Maßnahmen der Regierung zur Senkung der Energiekosten angesprochen, konstatierte Wieltisch, der mit 1. Jänner 2027 kommende Industriestrompreis sei „hochnotwendig, aber nicht ausreichend“. Das Stromkostenausgleichsgesetz (SAG) wiederum komme um zwei Jahre zu spät. Außerdem berücksichtige die Regierung bei ihrer Reforum nicht sämtliche Sparten, die laut dem EU-Recht begünstigt werden können. Als Beispiele nannte Wieltsch die Dünger- sowie die Kunststofferzeugung sowie die Faserproduktion. Dies sei eine Verletzung des verfassungsrechtlichen Gleichheitsgrundsatzes. „Wenn Betroffene dagegen vorgehen, werden wir sie unterstützen“, kündigte Wieltsch an.
