„Gut bestelltes Haus“
Laut dem scheidenden Generaldirektor der OMV, Alfred Stern, hat sich deren integriertes Geschäftsmodell im ersten Halbjahr 2026 einmal mehr bewährt. „Das Beste der OMV“ werde noch kommen.

„Ich übergebe ein gut bestelltes Haus“, betonte der scheidende Generaldirektor der OMV, Alfred Stern, bei der Präsentation des Halbjahresergebnisses seines Konzerns. Dessen Umsatz erhöhte sich im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 um 16 Prozent auf 13,91 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis „aus fortgeführten Geschäftsbereichen“ – also ohne Berücksichtigung des in die Borouge International eingebrachten Konzstoffkonzerns Borealis - wuchs um 32 Prozent auf 2,25 Milliarden Euro. Ihren Halbjahresgewinn beziffert die OMV mit 2,26 Milliarden Euro, was verglichen mit dem Vorjahreszeitraum (680 Millionen Euro) mehr als einer Verdreifachung entspricht. Als wesentlichen Grund für die Verbesserung nennt die OMV die gestiegenen Preise für ihre Produkte. Ihr durchschnittlich realisierter Ölpreis stieg um 22 Prozent auf 84,92 US-Dollar/Barrel, ihr durchschnittlich realisierter Gaspreis um zwei Prozent auf 34,40 Euro/Megawattstunde (MWh).
Chemiegeschäft zufriedenstellend
Positiv entwickelte sich nicht zuletzt der Geschäftsbereich Chemicals: Dessen operatives Ergebnis vor Sondereffekten und Abschreibungen war mit 716 Millionen Euro um 56 Prozent höher als im ersten Halbjahr 2025. Der am 30. März mit der XRG, der internationalen Investmentgesellschaft des OMV-Miteigentümers Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) gegründete Polyolefinkonzern Borouge International trug rund 349 Millionen Euro zum operativen Ergebnis vor Sondereffekten bei.
Das Geschäft mit Basischemikalien wuchs vor allem infolge der um 17 Prozent auf 506 Euro/Tonne gestiegenen Propylen-Referenzmarge Europa sowie der mit 629 Euro/Tonne um 13 Prozent höheren Ethylen-Referenzmarge Europa. Dazu kam die bessere Auslastung der Steamcracker. Im Gefolge des US-amerikanisch-israelischen Angriffs auf den Iran kam es am 5. April zu Sachschäden an Standorten der Borouge International. Es dauerte bis Juni, die betroffenen Anlagen vollständig zu reparieren. Aus diesem Grund sank ihr Auslastungsgrad im zweiten Quartal auf etwa 60 Prozent.
Gasspeicherbefüllung „nur in engen Zeitfenstern“ wirtschaftlich
Nur geringe Auswirkungen auf die Bilanz der OMV hatte das Scheitern ihrer Pläne, das Offshore-Erdgasfeld Han Asparuh im bulgarischen Teil des Schwarzen Meeres zu entwickeln. Laut Stern stellte sich heraus, dass dieses Vorhaben wirtschaftlich nicht rentabel gewesen wäre. Der Finanzvorstand der OMV, Reinhard Florey, bezifferte die Investitionen der OMV in das Projekt auf Anfrage der Redaktion mit einem „einstelligen Millionenbetrag“. Florey zufolge trieb OMV das Vorhaben gemeinsam mit einem Partner voran, der die Hauptlast trug.
Angesprochen auf die im Vergleich zum Vorjahr niedrigen Füllstände der europäischen Gasspeicher beschied Stern, angesichts der Preissituation sei die Befüllung der Speicher derzeit wirtschaftlich „nur in begrenzten Zeitfenstern“ darstellbar. Österreich weise indessen zwei wichtige Vorteile auf: Erstens verfüge das Land über „sehr hohe Speicherkapazitäten“. Zweitens habe die Bundesregierung 2022 die „strategische Gasreserve“ von etwa 20 Terawattstunden (TWh) beschafft, was rund einem Viertel des Jahresbedarfs entspricht. Insofern sei Österreich im internationalen Vergleich mutmaßlich in einer „guten Situation“. Wie sich Speicherstände in Europa bis zum Winter entwickeln werden, ist Stern zufolge schwer einzuschätzen.
„Robustes Ergebnis in herausforderndem Umfeld“
Stern konstatierte, einmal mehr habe sich im ersten Halbjahr das integrierte Geschäftsmodell der OMV bewährt. Ihm zufolge ermöglichte dieses, ein „robustes Ergebnis in sehr herausfordernden Marktumfeld“ zu erwirtschaften. Die strategische Entwicklung des Konzerns schreite gut voran: „Das Beste der OMV wird noch kommen. Davon bin ich überzeugt.“ Seiner Nachfolgerin Emma Delaney, die den Vorstandsvorsitz mit 1. September übernimmt, wünschte Stern „alles erdenklich Gute“.
Zumindest einige Faktoren könnten Delaney den Einstieg erleichtern. Laut ihrem Ausblick auf das Gesamtjahr erwartet die OMV einen durchschnittlichen Preis für Rohöl der Marke Brent von 85 bis 95 US-Dollar/Barrel, 2025 hatte dieser 69 US-Dollar/Barrel betragen. Der durchschnittlich realisierte Gaspreis sollte bei etwa 40 Euro/MWh liegen, verglichen mit 30 Euro im Vorjahr. Die OMV Raffinerie-Referenzmarge Europa wird sich vorausslichtlich auf rund 20 US-Dollar/Barrel verdoppeln. Ferner rechnet der Konzern mit einem Anstieg der Ethylen-Referenzmarge Europa auf mehr als 600 Euro/Tonne (2025: 569 Euro) sowie der Propylen-Referenzmarge Europa auf über 500 Euro/Tonne (2025: 445 Euro).
Warnend heißt es im Halbjahresbericht allerdings, die geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten seien im zweiten Quartal „unverändert dynamisch“ gewesen. Insofern „stellt dieser Ausblick auf Grundlage der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des OMV Konzernberichts Jänner–Juni 2026 verfügbaren Informationen die aktuelle Einschätzung des Markts dar. Die tatsächlichen Ergebnisse können erheblich abweichen, sollten sich geopolitische oder regulatorische Entwicklungen anders als derzeit angenommen gestalten“.
