Kapitalerhöhung: Lenzing lukriert 301,2 Millionen Euro

Die Mehrheitseigentümer des Faserkonzerns erwarben rund 55,2 Prozent der angebotenen neuen Aktien. Dieser will damit nicht zuletzt die Abkehr vom zyklischen Textilgeschäft verstärkt vorantreiben.

 

Credit: Lenzing
Erfolgreiche Kapitalerhöhung: Die Haupteigentümer der Lenzing kauften 55,25 Prozent der neuen Aktien.

Einen Erlös von 301,2 Millionen Euro erzielte der Faserkonzern Lenzing bei seiner nun abgeschlossenen Kapitalerhöhung. Wie berichtet, wollte er mit dieser mindestens 300 Millionen Euro lukrieren. Zu diesem Zweck bot er bestehenden Aktionären rund 34,7 Millionen neue auf den Inhaber lautende Stückaktien mit Gewinnberechtigung ab dem 1. Januar 2026 zu je 8,65 Euro an. Davon erwarb das Syndikat seiner Haupteigentümer, der österreichischen B&C-Gruppe und der brasilianischen Suzano S. A., etwa 18,1 Millionen Aktien, was 55,25 Prozent der angebotenen neuen Wertpapiere entsprach. Die Oberbank kaufte weitere 1,3 Millionen Aktien oder rund 3,8 Prozent.

 

Lenzing-Vorstandschef Georg Kasperkovitz gab sich mit dem Erlös zufrieden. „Der erfolgreiche Abschluss der Kapitalerhöhung unterstreicht das Vertrauen in Lenzing und unsere strategische Transformation und markiert einen wichtigen Schritt in deren Umsetzung. Mit der gestärkten finanziellen Basis werden wir ‚Grow Nonwovens, Reset Textiles‘ konsequent vorantreiben und Lenzing nachhaltig auf profitables Wachstum ausrichten“, ließ er per Aussendung wissen. „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ ist die Bezeichnung für die Unternehmensstrategie, die die Lenzing Ende Juli vorgestellt hatte. Sie sieht insbesondere vor, sich vom Textilgeschäft unabhängiger zu machen, das Zyklen von rund fünf bis sieben Jahren aufweist.

 

Zu der Strategie gehört auch ein massiver Personalabbau, der etwa 2.000 Personen betrifft, davon rund 1.400 in Indonesien. Keine Angaben machte die Lenzing in der Aussendung zum Schicksal des Standorts in Heiligenkreuz im Burgenland. Für diesen wird ein Käufer gesucht. Findet sich kein solcher, will die Lenzing ihre dortige Fabrik zu Jahresende schließen. Bis Ende 2027 wird auch die Fabrik in Grimsby in Großbritannien stillgelegt.

 

Die Lenzing hatte im Jahr 2025 einen Verlust von 135,2 Millionen Euro hinzunehmen, nachdem sie 2024 rund 138,3 Millionen Euro Verlust zu verkraften hatte. Zum ersten Halbjahr 2026 meldete sie einen Gewinn von 35,6 Millionen Euro, mehr als doppelt so viel wie im ersten Halbjahr 2025. Allerdings sank ihr Umsatz um 5,5 Prozent auf 1,27 Milliarden Euro, ihr EBITDA ging um 10,9 Prozent auf 239,2 Millionen Euro zurück. Ihre EBITDA-Marge lag mit 18,9 Prozent deutlich über dem als kritisch betrachteten Wert von zehn Prozent.