Marinomed beantragt Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung
Das Biotechnologieunternehmen setzte den angekündigten Schritt beim Landesgericht Klosterneuburg. In einem Zuge legte es einen Vorschlag für einen neuen Sanierungsplan vor.

Wie angekündigt, beantragte das Korneuburger Biotechnologieunternehmen Marinomed Biotech AG beim Landesgericht Korneuburg die Einleitung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung. Als Grund nannte die Marinomed „fehlende Earn-out Zahlungen von Unither aus dem Verkauf des Carragelose-Geschäftsbereichs und der Abbruch von Verhandlungen durch Unither Pharmaceuticals. Damit kann der gerichtlich genehmigte Sanierungsplan vom 14. November 2024 nicht erfüllt werden und der Gesellschaft droht dadurch die Zahlungsunfähigkeit“. Der Hintergrund: Nach der Insolvenz vom August 2024 hatte das Unternehmen einen Sanierungsplan entwickelt, den das Landesgericht Korneuburg am 14. November 2024 genehmigte. Er sah die Übernahme des Geschäfts mit dem Virenblocker-Wirkstoff Carragelose durch den französischen Pharmakonzern Unither Pharmaceuticals vor. Die Unither sollte dafür ingesamt 20 Millionen Euro bezahlen, davon einen fixen Anteil von fünf Millionen sowie weitere 15 Millionen an Nachzahlungen (Earn-out-Zahlungen) beim Erfüllen vorab festgelegter Bedingungen. Nun verweigerten die Franzosen offenbar den finanziellen Nachschuss.
Die Marinomed geht davon aus, „dass Unither die vereinbarten Zielvorgaben aufgrund einer schuldhaften Verzögerung beim Abschluss von Kundenverträgen und einer geänderten Unternehmensstrategie nicht erreicht hat. Die mit Unither geführten Gespräche verliefen erfolglos und es konnte keine Einigung betreffend die Earnout Zahlungen getroffen werden“. Hinzu kamen „Verzögerungen im Abschluss weiterer Partnerschaften für die Marinosolv-Produkte“. Dabei handelt es sich um die in Entwicklung befindlichen Arzneimittel Budesolv, ein Präparat gegen allergische Rhinitis, sowie Tacrosolv, ein Medikament zur Behandlung entzündlicher Augenerkrankungen.
Anlässlich des neuen Insolvenzantrags legte die Marinomed dem Gericht einen Vorschlag für einen neuen Sanierungsplan vor. Laut einer Aussendung umfasst dieser weitere Restrukturierungsmaßnahmen, rechtliche Schritte gegen Unither sowie das Heben von Potenzialen „des kürzlich begonnen Compounding-Geschäftes“.
Unternehmenschef und -gründer Andreas Grassauer konstatierte, das Sanierungsverfahren sei „die beste Chance, eine nachhaltige Grundlage für die Fortführung des Unternehmens und die Kommerzialisierung unserer innovativen Produkte zu schaffen. Die Situation mit Unither hat die Geschäftstätigkeiten und die Finanzierungsoptionen zuletzt massiv eingeschränkt“. Grassauer bezeichnete den Antrag als „aktuell einzige Option für das Unternehmen“.
