XRG übernimmt Covestro

Rund ein Jahr nach dem verbindlichen Übernahmeangebot liegen nun sämtliche behördlichen Genehmigungen vor.

 

Foto: Covestro
Übernahme: Die Adnoc-Tochter XRG kauft den deutschen Spezialchemiekonzern Covestro.

 

Die XRG, eine Investmentgesellschaft der Abu Dhabi National Oil Company (Adnoc), darf den deutschen Spezialchemiekonzern Covestro übernehmen. Laut einer Aussendung der Covestro erteilte das Berliner Wirtschaftsministerium die letzte noch nötige Genehmigung. Der Gesamtpreis beläuft sich auf rund 12,89 Milliarden Euro. Laut einer Investitionesvereinbarung, die bis Ende 2028 gilt, muss die XRG die Covestro bis dahin weiter als Aktiengesellschaft führen und darf „keinen Beherrschungs- und/oder Gewinnabführungsvertrag mit Covestro“ schließen. Das verbindliche Übernahmeangebot hatte die Adnoc Anfang Oktober 2024 gelegt.

 

Covestro-Vorstandschef Markus Steilemann sprach vom „Beginn eines spannenden neuen Kapitels für Covestro. Mit XRG als starkem und langfristig orientiertem Partner werden wir Innovation und digitale Transformation ausbauen, die Kreislaufwirtschaft weiter vorantreiben und neue Maßstäbe in der chemischen Industrie setzen können“. Der vormalige OMV-Generaldirektor Rainer Seele, der die Chemiesparte der XRG leitet, betonte, die Transaktion stärke die Position seines Unternehmens „in der globalen Chemiebranche und bestärkt das Ziel, zu den drei führenden internationalen Investoren der Branche zu zählen. Wir schätzen die hohe Kompetenz und das Engagement der Covestro-Mitarbeitenden und freuen uns darauf, eng mit dem Management-Team zusammenzuarbeiten, um das volle Potenzial von Covestro auszuschöpfen“.

 

Für Österreich ist die Angelegenheit insofern interessant, als die Adnoc bekanntlich dabei ist, mit der OMV die „Borouge Group International“ (BGI) zu gründen, einen weltweit tätigen Polyolefinkonzern mit einem Marktwert von rund 60 Milliarden US-Dollar (57 Milliarden Euro). Dies soll vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen im ersten Quartal 2026 erfolgen. Die BGI entsteht aus der Fusion der Borealis, an der die OMV 75 Prozent und die Adnoc 25 Prozent hält, mit der Adnoc-Tochter Borouge. In die BGI verschmolzen wird ferner die US-amerikanische Nova Chemicals, die zu 100 Prozent der Mubadala gehört, einer staatlichen Investmentgesellschaft aus Abu Dhabi.

 

Weiter Verluste

 

Die Covestro hatte zuletzt erneut rote Zahlen geschrieben und im dritten Quartal einen Verlust von 47 Millionen Euro verzeichnet, nachdem es im zweiten Quartal 59 Millionen Euro gewesen waren. Im dritten Quartal 2024 wies die Covestro einen Gewinn von 33 Millionen Euro aus. Für den neuerlichen Verlust machte das Covestro-Management „eine anhaltend schwache Nachfrage und ein daraus resultierendes Überangebot in wichtigen Absatzmärkten“ sowie den Brand einer einer Trafostation im von der Currenta betriebenen Chempark Dormagen am 12. Juli verantwortlich. Der Schaden soll das EBITDA der Covestro mit einem niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag belasten.