Pharmaindustrie braucht Investitions- und Planungssicherheit

Angesichts des sich ändernden Umfelds sowie des zunehmenden Wettbewerbsdrucks ist eine strategisch ausgerichtete Gesundheitspolitik wichtiger denn je, hieß es bei der Pharmig-Generalversammlung.

 

Credit: Katharina Schiffl
Der Zukunft zugewandt: ABA-Geschäftsführer René Tritscher, Anita Kienesberger, Patientenvertreterin, Pharmig-Präsident Pavol Dobrocky, GPA-Bundesvorsitzende Barbara Teiber und MedUni-Vizerektorin Michaela Fritz (v. l.)

Unter dem Motto „Connect & Inspire“ stand die diesjährige Generalversammlung des Pharmaindustrieverbands Pharmig im Wiener Museumsquartier. Und Pavol Dobrocky, der Präsident des Verbands sowie Generaldirektor des Boehringer Ingelheim Regional Center Vienna, stellte klar, das geopolitische und geoökonomische Umfeld der Branche sei in einem grundlegenden Wandel begriffen: „Deshalb ist es wichtiger denn je, Haltung zu zeigen und die Weichen für die Zukunft richtig zu stellen.“ Es gehe darum, die Wettbewerbsfähigkeit Europas sowie Österreichs zu fördern. Pharma und Life Sciences gehörten zu den Schlüsselbranchen des Landes, nicht zuletzt, indem sie die Versorgung der bevölkerung mit modernen Therapien gewährleisteten. „Wir brauchen Investitions- und Planungssicherheit. Die Life-Sciences-Strategie, zu deren Entwicklung sich die Bundesregierung bekennt, muss mehr sein als ein Stück Papier. Sie muss konkrete Maßnahmen und Zusagen enthalten, die in der Folge auch umzusetzen sind“, konstatierte Dobrocky. Die Strategie müsse die gesamte Wertschöpfungskette von der Produktion der Arzneimittel bis zu deren Verabreichung als ein System betrachten.

 

Pharmig-Generalsekretär Alexander Herzog ergänzte, eine der Voraussetzungen für einen leistungsfähigen Life-Sciences-Standort bestehe darin, „dass Forschung, Produktion und Versorgung entlang einer gemeinsamen Strategie gedacht und umgesetzt werden. Dabei ist es wesentlich, dass Standort-, Forschungs- und Gesundheitspolitik klar aufeinander abgestimmt sind“. Herzog verwies auf das Engagement der pharmazeutischen Unternehmen in Österreich, „die trotz schwerer Rahmenbedingungen weiterhin investieren und hier ihrem Versorgungsauftrag nachkommen“.

 

 

Patienten einbinden

 

Für eine verstärkte Zentralisierung der Spitäler und die vermehrte Schaffung von Exzellenzzentren plädierte Anita Kienesberger, die Obfrau der Allianz onkologischer Patientenorganisationen. Dabei müsse die europäische Perspektive intensiver in den Blick genommen werden: „Wir sollten nicht nur über Österreich reden, sondern europäischer denken und gesamteuropäische Instrumente nutzen.“ Im Gespräch mit dem Chemiereport ergänzte Kienesberger, bei einer besseren Einbindung der Patientenorganisationen würden sich manche Debatten über neue Spitäler in manchen Bundesländern erübrigen: „In der Sache kann es nur um mehr Zentralisierung und damit auch mehr Qualität gehen.“

 

Politisches „Commitment“

 

Alexander Pröll, der Staatssekretär im Bundeskanzleramt für Digitalisierung und öffentlichen Dienst sowie Regierungskoordinator der ÖVP, versicherte, Themen wie die zuverlässige Versorgung der Bevölkerung mit innovativen Medikamenten sowie die Sicherung des Standorts der Pharmaindustrie hätten für die Regierung „höchste Priorität“. Denn gerade der Pharmasektor sei „ein wirtschaftliches Rückgrat Österreichs“.

 

Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer ergänzte in einer Videobotschaft, die Life-Sciences-Branche sei einer der neun Schwerpunkte der Industriestrategie und verfüge über ein „enormes Wachstumspotenzial“. Als nächsten Schritt der Bundesregierung zu deren Stärkung kündigte der Minister die Life-Sciences-Strategie an. Diese werde aus seiner, Hattmannsdorfers, Sicht drei Schwerpunkte enthalten: „Erstens die Erhöhung der Produktion und der Versorgungssicherheit sowie die Verringerung von Abhängigkeiten, zweitens die Stärkung der Innovationskraft und drittens die Erleichterung des Marktzugangs und von Investitionen.“