Marinomed plant Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung

Das Korneuburger Biotechnologieunternehmen sieht zum zweiten Mal nach 2024 die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit. Als Grund nennt es das Scheitern der Verhandlungen mit dem französischen Investor Unither.

 

Credit: Marinomed
Marinomed-Gründer Andreas Grassauer: Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung geplant

Das Korneuburger Biotechnologieunternehmen Marinomed will laut einer Aussendung die Einleitung eines gerichtlichen Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung beantragen. Mit dieser Maßnahme beabsichtigt die Marinomed, ihre „finanzielle Stabilität durch Abschluss eines neuen Sanierungsplans abzusichern“. Der gerichtlich genehmigte Sanierungsplan vom 14. November 2024 sei gescheitert. Somit drohe „die Zahlungsunfähigkeit“. Als Grund gab die Marinomed an, die Verhandlungen mit dem französischen Pharmakonzern Unither Pharmaceuticals seien abgebrochen worden. Dieser verweigere sogenannte Earn-out-Zahlungen für das von ihm übernommene Carragelose-Geschäft der Marinomed. Dabei handelt es sich um Nachzahlungen zum Kaufpreis, wenn bestimmte Kennzahlen erreicht werden. Laut der Aussendung will die Marinomed rechtlich gegen die Unither vorgehen.

 

Erst vor knapp drei Monaten hatte das Korneuburger Unternehmen bekannt gegeben, im Zuge einer Kapitalerhöhung rund 2,2 Millionen Euro lukriert zu haben. „Mit dieser Finanzierung wird der erwartete Liquiditätsbedarf gedeckt und unsere Position in den laufenden Verhandlungen zur Vermarktung unserer Leitprodukte Budesolv und Tacrosolv gestärkt“, konstatierte Unternehmensgründer und Vorstandschef Andreas Grassauer damals.

 

Die Marinomed hatte im August 2024 Insolvenz beantragt. Ihr Umsatz war nach Ende der COVID-19-Pandemie eingebrochen. Dies hatte Schulden von rund 30 Millionen Euro zur Folge. Um sich zu sanieren, verkaufte die Marinomed ihren Virenblocker-Wirkstoff Carragelose um 20 Millionen Euro an die Unither. Seither entwickelt sie unter Nutzung ihrer „Marinosolv“-Plattform neue Medikamente, vor allem zur Behandlung von autoreaktiven Immunerkrankungen. Bezüglich Budesolv, einem Präparat gegen allergische Rhinitis, liegen die Ergebnisse einer klinischen Phase-III-Studie vor. Hinsichtlich Tacrosolv, einem Mittel zur Behandlung entzündlicher Augenerkrankungen, verfügt die Marinomed über Ergebnisse einer Phase-II-Studie. Die beiden Arzneien sind jedoch noch nicht auf dem Markt. Geplant war bisher, sie nach einer allfälligen Zulassung mit „strategischen Partnern“ zu vermarkten.