Lenzing will Abhängigkeit vom Textilgeschäft senken

Im Zuge einer Restrukturierung werden rund 2.000 Beschäftigte abgebaut, vor allem in Indonesien. Mit einer Kapitalerhöhung um 300 Millionen Euro und neuen Krediten möchte der Konzern seine Finanzstruktur verbessern.

 

Credit: Lenzing
Schließungsgefahr: In Heiligenkreuz im Burgenland könnte die Faserproduktion noch heuer enden.

Mit einem umfassenden Restrukturierungsprogramm will der der oberösterreichische Faser- und Zellstoffkonzern Lenzing dauerhaft profitabel werden. Das berichteten Vorstandschef Georg Kasperkovitz und Finanzvorstand Mathias Breuer bei einem Pressegespräch. Kasperkovitz zufolge soll die Lenzing ihren Umsatz künftig zu jeweils einem Drittel im Textil-, im Vliesstoff- sowie im Zellstoffgeschäft erwirtschaften. Zurzeit entfallen 45 Prozent des Umsatzes auf das Textilgeschäft, 26 Prozent auf Vliesstoffe, 20 Prozent auf Zellstoff und zehn Prozent auf sonstige Produkte. „Die Textilindustrie hat einen Zyklus von fünf bis sieben Jahren. Wir müssen unsere Abhängigkeit davon reduzieren“, konstatierte Kasperkovitz. Auf die Frage der Redaktion, warum diese Reduktion erst jetzt erfolgt, beschied der Lenzing-Chef, mit der Kommerzialisierung der Lyocell-Faser habe das Unternehmen lange Zeit eine führende Position auf dem Weltmarkt eingenommen: „Das ist jetzt leider nicht mehr so.“

 

Im Zuge der Restrukturierung baut die Lenzing weltweit etwa 2.000 ihrer derzeit 7.700 Beschäftigten ab. Der Großteil davon entfällt laut Finanzchef Breuer auf Indonesien, wo rund 1.400 Personen ihren Arbeitsplatz verlieren könnten. Ferner ist geplant, die Produktion in Heiligenkreuz im Burgenland bis Ende des heurigen Jahres auslaufen zu lassen. In Großbritannien will die Lenzing ihre Fabrik in Grimsby, gelegen unweit der Humber-Mündung in die Nordsee etwa 95 Kilometer westlich von Leeds, bis Ende 2027 herunterfahren. Für die Belegschaft von Heiligenkreuz bestehe ein Sozialplan. Hinsichtlich Grimsby werde mit den zuständigen Interessenvertretern über „geeignete Unterstützungsmaßnahmen“ verhandelt.

 

Laut Kasperkovitz war das Engagement der Lenzing in Heiligenkreuz „keine gute Invesitition. Wir können dieses Werk nicht gut führen. Es passt nicht in unser Produktportfolio.“ Ein Managementfehler sei Heiligenkreuz aber nicht gewesen: Das dortige Biomassekraftwerk biete alternative Nutzungsmöglichkeiten. Versucht wird, das Werk zu verkaufen. Dies sei allerdings schwierig, räumte Kasperkovitz ein: „Es ist möglich, dass wir keinen neuen Eigentümer finden. In diesem Fall sperren wir Heiligenkreuz mit Jahresende zu.“

 

Finanzstruktur verbessern

 

Um die Finanzstruktur der Lenzing zu verbessern, soll bei einer außerordentlichen Hauptversammlung Ende August eine Kapitalerhöhung von bis zu 300 Millionen Euro beschlossen werden. Überdies möchte der Konzern neue Kredite über weitere bis zu 300 Millionen Euro aufnehmen. Die Hauptaktionäre, die B&C-Gruppe mit 37,2 Prozent sowie der brasilianische Zellstoffkonzern Suzano mit 15 Prozent, unterstützen diese Pläne. Zwischen den beiden Unternehmen besteht hinsichtlich der Lenzing ein Syndizierungsvertrag. Die Kapitalerhöhung wird BNP Paribas, UniCredit, Commerzbank und der Erste Group sichergestellt, berichtete Breuer: „Was die Aktionäre nicht kaufen, übernehmen die Banken.“

 

Weiters tätigt die Lenzing heuer Abschreibungen von rund 150 Millionen auf langfristige Vermögenswerte von bis zu 150 Millionen Euro. Dies werde sich im Betriebsergebnis (EBIT) sowie im Konzernergebnis entsprechend niederschlagen. Rückstellungen für den Personalabbau wiederum dürften das EBITDA mit bis zu 40 Millionen Euro belasten. Mittelfristig will die Lenzing ihr EBITDA um etwa 150 Millionen Euro pro Jahr erhöhen. Für 2025 hatte sie dieses mit 430 Millionen Euro beziffert. Die EBITDA-Marge soll von 15,9 Prozent im Jahr 2025 auf 20 bis 25 Prozent steigen.

 

Ausbauen will der Konzern das „Nonwovens“-Geschäft, das nicht zuletzt Fasern für Hygieneprodukte umfasst. Wie in den vergangenen Monaten angekündigt, wird nicht zuletzt am Stammsitz in Lenzing selbst in diesen Bereich investiert. Der Faserproduktionsstandort in Mobile im US-amerikanischen Bundesstaat Alabama wird modernisiert.

 

Doskozil will „Zukunftslösung mit Bestand“

 

Bezüglich Heiligenkreuz hatte sich auch der Landeshauptmann des Burgenlands, Hans Peter Doskozil, zu Wort gemeldet. Er ventilierte „eine Zukunftslösung mit Bestand – so wie uns das bei Sanochemia in Neufeld oder anderen Unternehmen direkt in der Region Jennersdorf auch gelungen ist“. Das Problem: Laut einem von Doskozil heftig kritisierten Bericht des Landesrechnungshofs ist die Finanzlage des Burgenlands alles andere als prächtig.