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July 27th, 2017

Danniger verstärkt Ecoplus-Geschäftsführung

Der ehemalige Regierungskoordinator und Finanzstaatssekretär unterstützt ab 1. September Helmut Miernicki.

 

Ecoplus, die Wirtschaftsagentur des Landes Niederösterreich, erhält einen zweiten Geschäftsführer: Jochen Danninger, der ab 1. September Helmut Miernicki unterstützt. Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav verwies auf die in den vergangenen Jahren „stark gewachsenen“ Aufgaben der Ecoplus. Zusätzlich zu ihren drei Kernbereichen „Investorenservice & Wirtschaftsparks“, „Regionalförderung“ sowie „Unternehmen und Technologie“ inklusive der zugehörigen Technopole und Cluster managt diese auch die Beteiligungen an der RIZ NÖ Gründeragentur, der Niederösterreichischen BergbahnenbeteiligungsgesellschaftmbH (NÖBBG) sowie der Niederösterreichischen GlasfaserinfrastrukturgesellschaftmbH (NÖGIG). Ferner verwaltet sie 42 weitere Beteiligungen, darunter die Ecoplus International GmbH. „Immer mehr Aufgaben bedeuten auch immer mehr Verantwortung. Daher sind wir zum Entschluss gekommen, dass es künftig zwei Geschäftsführer geben soll“, erläuterte Bohuslav.

 

Jochen Danninger, 1975 in Ried im Innkreis geboren, ist Jurist. Er war Kabinettschef des seinerzeitigen Vizekanzlers Michael Spindelegger und Staatssektretär im Finanzministerium. Darüber hinaus hatte er die Funktion eines Regierungskoordinators inne. Seit Anfang 2015 leitet er den Bereich Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility bei der Hypo-Niederösterreich-Gruppe, die im Eigentum des Landes Niederösterreich ist. Danninger sagte, er freue sich „auf diese spannende neue Aufgabe und werde mit vollem Einsatz daran arbeiten, dass die Erfolgsgeschichte der ecoplus weitergeschrieben und somit der Wirtschaftsstandort Niederösterreich weiter gestärkt wird“.

 

Miernicki konstatierte, mit Danningers Hilfe „können wir in diesen herausfordernden Zeiten unsere vielfältigen und für die Wirtschaft des Landes Niederösterreich wichtigen Aufgaben in Zukunft noch professioneller und effizienter bewältigen“.

 

July 26th

Akzo Nobel: Umsatz steigt, Betriebsertrag sinkt

Die schwächelnde Öl- und Erdgasindustrie sowie gestiegene Einkaufspreise im Bereich Spezialchemikalien hinterließen ihre Spuren in der Halbjahresbilanz.

 

Der niederländische Spezialchemikalien-, Beschichtungs- und Farbenkonzern Akzo Nobel verzeichnete im ersten Halbjahr einen Umsatz von rund 7,4 Milliarden Euro, um vier Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2016. Das EBIT wuchs um ein Prozent auf 837 Millionen Euro. Allerdings fielen die betrieblichen Erträge um vier Prozent auf 817 Millionen Euro. Hinsichtlich des Bereichs Performance Coatings wird dies mit der schwächeren Nachfrage nach Unterwasserschutzanstrichen für Schiffe begründet, die ihrerseits auf die schwächelnde Öl- und Gasindustrie zurückzuführen ist. Im Bereich Spezialchemikalien wiederum konnte Akzo Nobel gestiegene Einkaufspreise nicht durch höhere Verkaufspreise ausgleichen. Für das gesamte Geschäftsjahr 2017 wird ein EBIT von etwa 1,6 Milliarden Euro erwartet, um 100 Millionen mehr als 2016. Allerdings bleibe der Marine- sowie der Öl- und Gasmarkt weiter „herausfordernd“, hieß es in einer Aussendung.

 

Im Laufen sind die Vorarbeiten zur Trennung des Unternehmens in den Farben- und Beschichtungs- sowie den Spezialchemikaliensektor, berichtete der neue CEO, Thierry Vanlancker. Im ersten Halbjahr habe Akzo Nobel kräftig investiert, um seine Produktionskapazitäten auszubauen. Im Farbenbereich sei das Unternehmen mit zwei Premium-Produkten in Kernmärkten eingestiegen. Ferner stärkte Akzo Nobel den Bereich Performance Coatings durch die angekündigte Übernahme der britischen Flexcrete Technologies und der französischen Disatech. Flexcrete ist auf Schutz- und Reparaturmittel für Beton spezialisiert, Disatech erzeugt anhaftende Filme für die Luftfahrtindustrie und für Industrieanlagen.

 

Vanlancker selbst führt Akzo Nobel erst seit 19. Juli. An diesem Tag trat sein Vorgänger Ton Büchner zurück, wofür „gesundheitliche Gründe“ verantworlich gemacht wurden. Vanlancker kam vergangenes Jahr als Leiter des Spezialchemikaliengeschäfts zu Akzo Nobel. Zuvor war er rund 28 Jahre lang für DuPont tätig. Büchner hatte im Frühjahr die Übernahme durch den US-amerikanischen PPG-Konzern verhindert. An der mehrmonatigen „Abwehrschlacht“ war auf Seiten der Angreifer auch der New Yorker Finanzjongleur Paul Elliott Singer mit seiner Firma Elliott Advisors beteiligt.

 

July 25th

Covestro: EBIT fast verdoppelt

Die Resultate des ersten Halbjahrs 2017 werden vor allem auf höhere Verkaufspreise und ein besseres Polyurethangeschäft zurückgeführt.

 

Covestro, die ehemalige Werkstoffsparte von Bayer, meldet für das erste Halbjahr 2017 einen Umsatz von rund 7,1 Milliarden Euro, um 20,8 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2016. Dies wird auf das um „insgesamt 14,4 Prozent höhere Verkaufspreisniveau“ zurückgeführt. Das EBITDA belief sich laut einer Aussendung auf 1,7 Milliarden Euro und war damit um 61,3 Prozent höher als im Vergleichszeitraum 2016. Covestro begründet das vor allem mit „Ergebniszuwächsen im Segment Polyurethanes“. Ferner hat sich das EBIT auf 1,4 Milliarden Euro fast verdoppelt.

 

Für das Gesamtjahr erwartet das Covestro-Management um Vorstandschef Patrick Thomas ein EBITDA, „das deutlich über dem Niveau des Vorjahres“ und damit über 2,0 Milliarden Euro liegt. Für Thomas selbst ist 2017 das letzte volle Geschäftsjahr bei Covestro. Er kündigte im Frühjahr an, seinen bis September 2018 laufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen. Als Nachfolger wurde im Mai „Chief Commercial Officer“ Markus Steilemann designiert. Dieser sagte zum Halbjahresergebnis, Covestro wolle „die anhaltend hohe Nachfrage nach unseren Produkten weiterhin bestmöglich nutzen“. Dazu werde in Produktionskapazitäten in den Segmenten Polyurethanes und Polycarbonates investiert.

 

Nach dem Verkauf von insgesamt rund 39,25 Millionen Aktien im ersten Halbjahr hält Bayer an Covestro noch etwa 41 Prozent. Die Mehrheit der Anteile ist im Streubesitz.

July 24th

Pharmaindustrie: Handelsbilanz 2,8 Milliarden Euro im Plus

Laut FCIO hat die Branche große wirtschaftliche Bedeutung für Österreich und muss entsprechend unterstützt werden.

 

Im Jahr 2016 exportierte Österreichs Pharmaindustrie Produkte im Wert von fast acht Milliarden Euro. Die Pharmaerzeugnisse machten damit sechs Prozent aller Ausfuhren aus Österreich aus und lagen unter den Warengruppen nach Maschinen, elektrischen Apparaten sowie Kraftfahrzeugen an vierter Stelle. Das berichtete der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) in einer Aussendung. Ihm zufolge hatten die Pharmaimporte 2016 einen Wert von rund 5,2 Milliarden Euro, woraus sich in diesem Sektor ein Handelsbilanzüberschuss von 2,8 Milliarden Euro ergibt.

 

Laut FCIO entfallen mehr als 70 Prozent der Pharmaxporte auf Wien und Tirol: „In diesen beiden Bundesländern stellen Pharmaprodukte sogar die Warengruppe mit der höchsten Exportquote dar.“ Wiener Unternehmen liefern vor allem in die USA und nach Deutschland, für die Tiroler ist traditionell der Schweizer Markt dominant.

 

FCIO-Geschäftsführerin Sylvia Hofinger verlautete, die genannten Zahlen belegten „eindrucksvoll die wirtschaftliche Bedeutung der Branche. Pharma ist ein Zukunftssektor, bringt Forschung und Entwicklung nach Österreich und generiert eine enorme Wertschöpfung“. Umso mehr müsse die Politik „nun endlich zu einem klaren Bekenntnis zum Pharma-Standort Österreich“ finden. „Die Erhöhung der Forschungsprämie von zwölf auf 14 Prozent ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Es braucht aber weitere Signale“, betonte Hofinger. Als Beispiele nannte sie „Verwaltungsvereinfachungen“ wie das Beiseitigen „teilweise überfrachteter gesetzlicher Bestimmungen und Verordnungen“, die die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen beeinträchtigten.

July 20th

Deutschland: Chemie- und Pharmaumsatz wächst um 5 Prozent

Der Verband der Chemischen Industrie gibt sich mit der aktuellen Lage zufrieden und präsentiert im Vorfeld der Bundestagswahl Ende September seine Forderungen an die Politik.

 

Der Umsatz der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie belief sich im ersten Halbjahr 2017 auf rund 96,6 Milliarden Euro. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2016 ist das ein Zuwachs von etwa 5 Prozent, meldete der Verband der Chemischen Industrie (VCI). Ihm zufolge stiegen die Erzeugerpreise um 3,5 Prozent, die Produktion erhöhte sich um 1,5 Prozent. Für das Gesamtjahr 2017 erwartet der VCI ein Produktionswachstum von 1,5 Prozent, bisher hatte er von 1 Prozent gesprochen. Hinsichtlich des Umsatzes geht der Verband von einem Plus um 5 Prozent auf 194 Milliarden Euro aus.

 

VCI-Präsident und BASF-Chef Kurt Bock sagte, die wirtschaftliche Lage sei „positiv. Wir erwarten auch für die zweite Jahreshälfte anhaltend gute Geschäfte im In- und Ausland.“ Laut Bock rechnen die Mitgliedsunternehmen des Verbandes mit einem „stabilen Wirtschaftswachstum bis ins kommende Jahr hinein“. Dies gelte sowohl für die Märkte in Europa als auch für die USA. Angesichts dessen planten die Chemiefirmen für heuer in Deutschland Investitionen von etwa 7,5 Milliarden Euro in Produktionsanlagen und Maschinen. Mit einem Zuwachs um 6,7 Prozent oder 470 Millionen Euro gegenüber 2016 sei dies „mehr als je zuvor“. Weitere 8,4 Milliarden Euro würden im Ausland investiert, was einer Zunahme um 5,8 Prozent gleichkomme.

 

Im Vorfeld der Bundestagswahl am 24. September präsentierte Bock auch seine Wünsche an die politischen Parteien. Auf seiner Liste stehen die Einbremsung der Energiekosten, das Ende der Ökostromförderung (EEG-Umlage), das Steigern der Forschungs- und Entwicklungsausgaben von derzeit 3 auf 3,5 Prozent des BIP, „mehr Investitionen“ in Bildung sowie die Sanierung der angeblich von „Erosion“ bedrohten Verkehrsinfrastruktur. Ferner müsse auch der Breitbandausbau beschleunigt werden.

Marinomed holt Geld vom Kapitalmarkt

Das Wiener Biotechnologie-Unternehmen Marinomed hat eine Wandelanleihe mit einem Volumen von 7 Millionen Euro am dritten Markt der Wiener Börse platziert, nachdem die Firma zuvor in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden war.

Marinomed baut sein Geschäft auf zwei selbstentwickelte Technologieplattformen auf: „Mavirex“ basiert auf einer Gruppe von Polymeren, die aus Rotalgen gewonnen wurden und war die Grundlage für die Entwicklung des Wirkstoffs Carragelose, der gegen eine Vielzahl viraler Atemwegsinfekte zum Einsatz kommt. Diese Technologie wird Lizenzpartnern mit Erfolg zur Verfügung gestellt: 2016 waren weltweit 19 Produkteinführungen von antiviralen Nasen- und Rachensprays sowie Pastillen auf Basis der Mavirex-Plattform zu verzeichnen, der Umsatz des Unternehmens konnte mehr als verdoppelt werden.

Die zweite Technologie-Plattform, „Marinosolv“, entstammt der Forschungs- und Entwicklungsarbeit der vergangenen Jahre, mit denen die Produktpipeline erweitert werden sollte. „Marinosolv“ ermöglicht die Herstellung stabiler wässriger Lösungen von schwer löslichen organischen Verbindungen (beispielsweise Kortikosteroiden). Deren therapeutische Anwendung könnte durch die dadurch erzielbare höhere Verfügbarkeit deutlich verbessert werden.

Die über den Kapitalmarkt beschafften Finanzmittel sollen nun vor allem zur Validierung der Marinosolv-Technologie in einem klinischen Entwicklungsprogramm verwendet werden. Mit Unterstützung der Ausgabebank Erste Group zeichneten institutionelle und private Investoren ein Volumen von insgesamt 7 Millionen Euro. Die Wandelanleihe soll bis Juli 2021 laufen, Marinomed zahlt einen Kupon von 4 Prozent. Im Falle eines Börsegangs haben die Investoren ein Wandlungsrecht in Aktien.

 

 

July 18th

Neue Geschäftsführung am OFI

Das OFI (Österreichisches Institut für Chemie und Technik) hat eine neue Geschäftsführung. Michael Balak und Udo Pappler, die beide schon viele Jahre in Führungsfunktionen für das Unternehmen tätig sind, übernehmen die Leitung der kooperativen Forschungseinrichtung.

Balak war bisher Leiter des Bereichs Bauwerkserneuerung und Geschäftsführer der „Bautechnische Prüf- und Versuchsanstalt GmbH“. Pappler verantwortete den Bereich Werkstoffanwendungen sowie der Zertifizierungsstelle am OFI. Die beiden Techniker folgen dem bisherigen Geschäftsführungs-Duo Georg Buchtela und Dietmar Loidl nach. Loidl zieht sich auf eigenem Wunsch aus der Geschäftsführung zurück, bleibt dem OFI aber bis zu seinem Ruhestand mit seiner Erfahrung und als Leiter der Prüfungs- und Inspektionsstelle erhalten. Buchtela und das OFI trennen sich einvernehmlich, wie von Seiten des OFI zu erfahren war. Der Chemiker, der seit 2011 als kaufmännischer Geschäftsführer agierte, wird sich neuen Herausforderungen stellen.

„Der Wechsel in der Geschäftsführung soll dazu beitragen, die breiten technischen Kompetenzen, die am OFI vorhanden sind, noch besser am Markt zu platzieren“, sagt dazu OFI-Präsident Hubert Culik. Der Vorstand habe sich dabei bewusst für langjährige Führungskräfte des Hauses entschieden, die die Erfahrung der OFI-Mitarbeiter entsprechend einsetzen können. Insbesondere soll die interdisziplinäre Aufstellung des OFI dazu beitragen, auch für den Spezialfall kundenspezifische Lösungen anzubieten.

 

Über das OFI

Das OFI ist eine von der Wirtschaft getragene Forschungseinrichtung, die sich auf Werkstoffanwendungen und Bauwerkserneuerung spezialisiert hat. Kernkompetenz ist die Prüfung der Zuverlässigkeit von Werkstoffe, die beispielweise im Fahrzeugbau, bei Verpackungen oder im Bauwesen zum Einsatz kommen. Zudem fungiert man als akkreditierte Prüf- und Inspektions- sowie Zertifizierungsstelle. An fünf Standorten sind rund 120 Mitarbeiter beschäftigt.

 

July 14th

Triclosan: BASF Grenzach unterliegt ECHA

Eine Tochter des deutschen Chemiekonzerns BASF muss der Chemikalienagentur die verlangten Informationen über Persistenz, Bioakkumulation und Toxizität des Kosmetika-Konservierungsstoffs liefern.

 

Verloren hat die BASF Grenzach, eine Tochter des BASF-Konzerns, einen Rechtsstreit um eine Entscheidung der europäischen Chemikalienagentur ECHA. Dabei ging es um das Bakterizid Triclosan, das die BASF Grenzach als Konservierungsstoff für Kosmetika einsetzt. Am 19. September 2014 verpflichtete die ECHA das Unternehmen, ihr Informationen hinsichtlich der Persistenz, der Bioakkumulation und der Toxizität von Triclosan zu übermitteln. Um diese liefern zu können, musste die BASF Grenzach drei einschlägige Studien durchführen. Eine davon bezog sich auf den Endabbau der Substanz im Oberflächenwasser sowie im Meerwasser. Bei den beiden anderen handelte es sich um Tierversuche, um die Entwicklungs- und Reproduktionsneurotoxizität von Triclosan bei Ratten sowie die Auswirkungen des Stoffes auf die sexuelle Entwicklung von Fischen festzustellen. Einen Einspruch gegen diese Entscheidung verwarf die Widerspruchskammer der ECHA am 19. Dezember vergangenen Jahres. Gleichzeitig verlängerte sie die Frist zur Vorlage der Informationen bis zum 26. Dezember 2018.

 

Dagegen klagte die BASF Grenzach beim Europäischen Gericht. Überdies stellte sie einen Antrag auf vorläufigen Rechtsschutz. Sie behauptete, die Tierversuche nicht durchführen zu können. Andernfalls verstoße sie gegen die Kosmetikverordnung, die Tierversuche mit Kosmetika bzw. deren Inhaltsstoffen verbiete. Damit drohten ihr - möglicherweise auch strafrechtliche - Konsequenzen. Ferner laufe sie Gefahr, den gesamten Markt für Triclosan zu verlieren, weil die Kunden infolge der ECHA-Entscheidung eventuell auf andere Bakterizide umsteigen würden.

 

Mit Entscheidung vom 14. Juli wies das Gericht diese Argumente und damit auch die Begehren zurück. Wenn die ECHA die BASF Grenzach zu Tierversuchen verpflichtet habe, könne das Unternehmen nicht für deren Durchführung bestraft werden. Und was den Verlust des Triclosanmarktes betreffe, handle es sich um einen finanziellen Schaden. Doch dieser sei „nicht als irreparabel anzusehen, da in der Regel ein Ersatz in Geld den Geschädigten wieder in die Lage versetzen kann, in der er sich zuvor befand“. Außerdem habe die BASF Grenzach keine Angaben zur Bedeutung des Triclosanmarktes für sie und ihren Mutterkonzern gemacht.

 

Von BASF liegt bis dato keine Stellungnahme vor.

Mikroplastik: Warnung vor unsauberen Studien

Bernhard Lendl, Professor für Analytische Chemie an der TU Wien, warnt vor der Verfälschung von Studien zur Kunstfaser-Belastung von Meeresproben durch Einträge aus dem Labor.

In den vergangenen Jahren sind immer wieder Studien bekannt geworden, die behaupteten, ein großer Teil des in den Ozeanen zu findenden „Mikroplastiks“ bestehe aus Kunstfasern (etwa aus Viskose oder Polyester). Auch in großer Tiefe sollen derartige Partikel nachgewiesen worden sein. „Wenn man in Wasserproben nach Kunststoffen sucht, dann besteht immer die Gefahr, dass die nachgewiesenen Substanzen gar nicht aus der Probe selbst stammen, sondern aus der Laborumgebung“, wird Lendl in einer Aussendung der TU Wien zitiert. In vielen Forschungsgruppen hat man dies insofern berücksichtigt, als Kleidung aus Kunstfasermaterial aus den Labors verbannt wurde.

Lendl und sein Team konnten nun aber zeigen, dass auch Cellulosefasern, die z.B. von Labormänteln aus Baumwolle stammen können, bei den bisher angewandten Methoden nicht von Kunstfasern unterschieden werden können. Die Analytiker bedienen sich beim Nachweis derartiger Materialien zumeist der Infrarot-Spektroskopie. Mit dieser könne jedoch nur dann zwischen  Kunstfasern und natürlichem Material unterschieden werden, wenn die richtige Methode gewählt wird und die Messparameter sorgfältig gesetzt werden, wie Lendl betont: „Unseren Ergebnissen nach dürfte es sich bei den angeblich in großer Meerestiefe gefundenen Kunstfasern einfach um einen Messfehler handeln.“

Lendl will das Problem der Verschmutzung der Weltmeere durch Kunststoffe nicht verharmlosen, mahnt aber eine sorgfältige Vorgehensweise ein: „Wenn es darum geht, Mikroplastik-Spuren nachzuweisen, muss man die passenden wissenschaftlichen Methoden wählen. Alles andere ist unseriös und hilft weder dem Ozean noch der Wissenschaft.“

 

 

July 13th

Pharmaindustrie will trotz Brexit kooperieren

Einen „harten“ Abschied der Briten von der EU darf es nicht geben, fordern Pharmaverbände in einem offenen Brief an die Chefverhandler Michel Barnier und David Davis.

 

Die EU und Großbritannien sollten auch nach dem „Brexit“ in Sachen Arzneimittel und Arzneimittelsicherheit zusammenarbeiten. Eine entsprechende formelle Vereinbarung fordern mehrere europäische sowie britische Pharmaverbände, darunter die EFPIA, in einem Brief an EU-Chefverhandler Michel Barnier, vormals Binnenmarktkommissar, und Secretary of State David Davis, der auf britischer Seite die Gespräche führt.

 

Darin heißt es, die Pharmaindustrie sei „über ganz Europa hinweg hochintegriert“ und unterliege einer umfassenden Regulierung, in die Behörden auf europäischer wie auch auf nationalstaatlicher Ebene eingebunden seien. Es empfehle sich, die Möglichkeiten einer künftigen engen Kooperation auf regulatorischer Ebene auszuloten und zu nutzen. Allfällige handelsrechtliche Einschränkungen infolge des „Brexit“ dürften nicht zulasten von Forschung und Entwicklung sowie der Arzneimittelproduktion und -versorgung gehen.

 

Auch die zu erwartenden Einschränkungen des Personenverkehrs sehen die Pharmalobbyisten kritisch. Sie fürchten um den Beitrag britischer Spezialisten zur Arbeit der Behörden, aber auch der Unternehmen. Neue Kapazitäten aufzubauen, sei umständlich und teuer. Und falls die Austrittsverhandlungen platzen, stehe das pure Chaos ins Haus. Eventuell könnte die Lieferung von Medikamenten aus oder nach Großbritannien verzögert oder gar unterbrochen werden, womit möglicherweise Menschenleben in Gefahr gerieten.

 

Daher wünscht sich die Pharmaindustrie eine Übergangsperiode, um im Interesse der Patienten unleidliche Konsequenzen fürs eigene Geschäft abfedern zu können.

 

Eher hart

 

Nach der ersten Verhandlungsrunde sieht es allerdings eher nach einem „harten“ Ausstieg der Briten aus der EU aus. Barnier zufolge spießt es sich gerade auch bei der Frage der Rechte der EU-Bürger in Großbritannien und britischer Bürger in der EU. Ihm zufolge besteht die EU auf dem Prinzip der Reziprozität: Die Rechte, die die EU britischen Staatsbürgern einräumt, müssen auch die EU-Bürger in Großbritannien haben. Streitfälle soll das Europäische Gericht klären - was die Briten bis dato strikt ablehnen.

 

Als „zweite Baustelle“ bezeichnet Barnier die Geldfrage. Ihm zufolge muss Großbritannien seine finanziellen Verpflichtungen gegenüber der EU anerkennen - auch, wenn diese Zahlungen nach dem „Brexit“ mit sich bringen. Dem britischen Außenminister Boris Johnson, der Barnier bestellt hatte, er könne mit dieser Forderung „pfeifen gehen“, antwortete der ehemalige Binnenmarktkommissar knapp: Er höre kein Pfeifen, sondern nur ein Ticken der Uhr. Denn die Zeit bis zum Austritt laufe.

 

Der dritte heikle Punkt ist die gemeinsame Reisezone zwischen Großbritannien und Irland, im Zuge derer die Freizügigkeit des Personenverkehrs zwischen den beiden Staaten besteht. Nach dem „Brexit“ kann dies schwerlich noch der Fall sein.

 

Laut Barnier sind diese drei Kernfragen des ersten Verhandlungsabschnitts untrennbar miteinander verknüpft: „Mit anderen Worten: Ein Fortschritt bei nur einem oder zwei dieser Themen wird nicht ausreichend sein, um die Diskussion über unser künftiges Verhältnis zum Vereinigten Königreich abzuschließen.“

 

 

 

 

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