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September 20th, 2017

Monsanto: Bayer erwartet Verzögerung

Die Übernahme des US-amerikanischen Agrokonzerns dürfte Anfang 2018 statt Ende 2017 genehmigt werden, hieß es beim „Future of Farming Dialog 2017“.

 

Die Übernahme von Monsanto durch zwischen Bayer könnte sich verzögern. Beim „Future of Farming Dialog 2017“ des deutschen Chemiekonzerns sagte der für den Bereich Crop Science zuständige Vorstand Liam Condon, der Abschluss der Transaktion sei „statt zum Jahresende 2017 nun Anfang 2018 zu erwarten“. Condon bezog sich auf die sogenannte „eingehende Prüfung“ des Vorhabens, die die EU-Kommission am 22. August eingeleitet hatte. Laut Condon beantragte Bayer am 18. September, „die Prüffrist um zehn Werktage bis zum 22. Januar 2018 zu verlängern. Damit soll eine der Größe der Transaktion angemessene Prüfung ermöglicht werden“. Grundsätzlich komme Bayer in der Angelegenheit voran, betonte Condon. Das Unternehmen habe „bei fast allen der rund 30 relevanten Behörden die Genehmigungen beantragt und bereits von über einem Drittel grünes Licht erhalten“.

 

Seitens der Kommission liegt bis dato keine Stellungnahme vor. Die Einleitung der „eingehenden Prüfung“ begründete die Behörde Ende August mit dem unzureichenden Eingehen der beiden Konzerne auf ihre Bedenken. Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager verlautete damals: „Saatgut und Pestizide sind für Landwirte und letztlich auch für die Verbraucher von entscheidender Bedeutung. Wir müssen auf diesen Märkten einen wirksamen Wettbewerb sicherstellen, sodass Landwirte Zugang zu innovativen Produkten und einer besseren Qualität haben und Produkte zu wettbewerbsfähigen Preisen kaufen. Gleichzeitig müssen wir ein Umfeld wahren, in dem Unternehmen innovativ tätig sind und in verbesserte Produkte investieren.“

 

September 19th

BASF will Solvays Polyamidgeschäft

Laut einer Vereinbarung der beiden Riesen bezahlt BASF 1,6 Milliarden Euro. Der Abschluss der Transaktion ist für das dritte Quartal 2018 geplant.

 

Um rund 1,6 Milliarden Euro will BASF das integrierte Polyamidgeschäft von Solvay übernehmen. Die beiden Chemiekonzerne haben bereits eine diesbezügliche Vereinbarung geschlossen, meldete BASF in einer Presseaussendung. Dieser zufolge soll die Transaktion im dritten Quartal 2018 abgeschlossen werden. BASF zufolge erwirtschaftete Solvay im Polyamidgeschäft 2016 rund 1,3 Milliarden Euro und 200 Millionen Euro EBITDA. Etwa 2.400 Personen sind in diesem Bereich weltweit tätig, in Frankreich sind es 1.300. Sie arbeiten in zwölf Fabriken, in zehn technischen Beratungszentren und an vier Forschungs- und Entwicklungsstandorten.

 

Wie üblich, bedarf auch diese Transaktion der Genehmigung durch die zuständigen Behörden. Notwendig ist laut BASF auch die „formelle Zustimmung eines Joint-Venture-Partners“. Solvay muss überdies die „relevanten Sozialpartner“ zu Rate ziehen.

 

Für BASF ist die Polyamid-Sparte von Solvay nach eigenem Bekunden interessant, weil mit deren Erwerb „der Zugang zu den wichtigen Wachstumsmärkten in Asien und Südamerika weiter ausgebaut werden“ kann. Auch würde „das Portfolio von BASF für technische Kunststoffe ergänzt und die Position als Anbieter von Lösungen für die Transport-, Bau- und Konsumgüterindustrie sowie für weitere industrielle Anwendungen gestärkt“. Ferner erwartet sich BASF eine Stärkung der Wertschöpfungskette, weil die Erzeugungskapazitäten für Polyamide stiegen und es zu einer „Rückwärtsintegration in den wesentlichen Rohstoff Adipodinitril (ADN )“ käme.

September 18th

Österreichische Chemietage 2017

Die „Österreichischen Chemietage“, die von 25. bis 28. September an der Uni Salzburg stattfinden, haben sich heuer gleich mehrere Brückenschläge zum Ziel gesetzt: zu benachbarten Disziplinen, vom Jungchemiker zum erfahrenen Forscher und von der universitären Forschung zur Industrie.

Die Österreichischen Chemietage, die im Zwei-Jahres-Rhythmus von der „Gesellschaft österreichischer Chemiker“ (GÖCH) veranstaltet werden, sind als Leistungsschau der heimischen Universitätschemie fest im akademischen Geschehen verankert. Turnusmäßig an einem der österreichischen Universitätsstandorte ausgetragen, wird das Programm auch stets von den wissenschaftlichen Schwerpunkten des Veranstaltungsorts mitgeprägt. Mit Salzburg ist in diesem Jahr eine Stadt an der Reihe, an der gar kein eigenes Vollstudium der Chemie angeboten wird. „Dennoch ist hier eine Reihe bekannter Chemiker tätig, deren Forschungen wichtige Pfeiler der Materialwissenschaften oder der Molekularen Biologie sind“, sagt dazu Nicola Hüsing, selbst Professorin für Materialchemie und Vorsitzende des „Scientific Committee“, das für die inhaltliche Gestaltung der diesjährigen Chemietage verantwortlich zeichnet. Dieser Umstand ist vielleicht mit ein Grund dafür, dass an der Uni Salzburg eine besonderes Gespür für die gegenwärtige Bandbreite chemischer Forschungen und ihre Verbindungen zu benachbarten Disziplinen besteht. „Wir haben uns in unserer Schwerpunktsetzung von dem Gedanken leiten lassen, dass Chemie ein Querschnittskonzept für zahlreiche Aktivitätsfelder ist – von den Lebenswissenschaften bis zum Design neuartiger Materialen“, erklärt Oliver Diwald, der Mitglied des Scientific Committee und einer der Vizepräsidenten der GÖCH ist. Dies komme im Motto „Chemie schafft gute Verbindungen“ in schönem Doppelsinn zum Ausdruck. „Es gibt ja Leute, die der Meinung sind, dass die klassischen naturwissenschaftlichen Fächer obsolet sind und durch neue Studienrichtungen ersetzt werden sollten“, so Diwald, der in dieser Sache ganz anderer Meinung ist: „Wir denken, dass die kanonische Chemie weiter gelehrt werden muss, weil sie unverzichtbares Wissensgut liefert, ohne das die gegenwärtigen Herausforderungen nicht zu bewältigen sind.“

 

Schwerpunkte zu Materialforschung und Bioanalytik

Dem Scientific Committee fiel die Aufgabe zu, die eingereichten Vorträge und Posterbeiträge in thematisch miteinander verbundenen Sessions zu gruppieren und durch die Einladung von Plenarreferenten besondere Akzente im Programm zu setzen. Die Schwerpunkte des Forschungsstandorts Salzburg und die Reputation ihrer Vertreter zogen in diesem Jahr eine große Bandbreite an Themenvorschlägen an. Eigene Vortragsstränge werden sich beispielsweise mit „Chemie und Energie“ und dem weiten Feld neuartiger Materialien, beispielsweise mit porösen Werkstoffen, beschäftigen – jenen Gebieten also, in denen Hüsing und Diwald selbst zuhause sind. Dazu konnte mit Martin Winter vom MEET Batterieforschungszentrum der Universität Münster einer der renommiertesten Forscher auf dem Gebiet der elektrochemischen Energiespeicherung und –wandlung insbesondere für Lithium-Ionen Akkus und Superkondensatoren und mit Hans-Peter Steinrück (Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg und korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Ausland) ein international ausgewiesener Oberflächenchemiker als Plenarreferenten gewonnen werden.

Aber auch die der molekularbiologischen Forschung zuordenbaren Chemiker an der Universität Salzburg wie Christian Huber oder Chiara Cabrele haben sich in die Arbeit des Scientific Committee maßgeblich eingebracht – wovon unter anderem Sessions zu Bioanalytischer Chemie oder der Plenarvortrag von Christian Becker (Institut für Biologische Chemie, Universität Wien) über die (Semi-)Synthese von posttranslational modifizierten Proteinen zeigen. Ebenso sind Organische und Anorganische Chemie, Katalyseforschung, Polymer- und Elektrochemie in den Vorträgen und Postersessions vertreten.

 

„Industry Meets University“

Auch GÖCH-Präsident Ernst Gruber betont den interdisziplinären Aspekt des Programms der diesjährigen Veranstaltung: „Die österreichischen Chemietage symbolisieren den fach- und bereichsübergreifenden Brückenschlag innerhalb des weiten Tätigkeitsbereichs der Chemie. Das heurige Motto ‚Von den Biowissenschaften zum Material‘ steht ganz im Zeichen dieser generellen Querschnittsverbindung.“ Dass mit Gruber, im Hauptberuf Standortleiter des Lackherstellers Axalta in Guntramsdorf, in der laufenden Amtsperiode wieder ein Industrievertreter als Präsident der Gesellschaft fungiert, hat auch auf das Programm abgefärbt. „Es war unser erklärtes Ziel, industrielles und chemisches Treiben miteinander zu verbinden“, erzählt Diwald. Ein eigener Programmpunkt „Industry Meets University“ versammelt Vorträge der F&E-Verantwortlichen von Rembrandtin, Treibacher und Sandoz, die nicht nur über die Forschungsarbeit der von ihnen repräsentierten Unternehmen sondern auch über die Erwartungshaltung, die man in der Industrie an die Chemie-Ausbildung hat, sprechen werden.

„Der Titel ‚Von den Biowissenschaften zum Material‘ ist Programm“, meint auch Hubert Culik, Vorstand des Lackunternehmens Helios Group und Obmann des Fachverbands der Chemischen Industrie in Österreich: „Wir sind auch in der Industrie aufgefordert, uns mit Chemie in dieser ganzen Bandbreite zu beschäftigen.“ Culik gefällt, dass die Chemietage nun einen stärkeren Industriebezug haben: „Die Zusammenarbeit zwischen Lehre, Forschung und Industrie ist besonders wichtig und muss noch stärker gefördert werden“, so Culik. Den Manager freut aber auch, dass die diesjährige Veranstaltung gemeinsam mit der Swiss Chemical Society (SCS) Veranstaltet wird: „Es ist wichtig über den eigenen Tellerrand hinauszublicken.“ „Die SCS hat sich bei der Gestaltung des Programms stark eingebracht, ebenso erwarten wir Gäste aus Italien, Tschechien, der Slowakei und Ungarn“, hebt auch Diwald die internationale Ausrichtung der Chemietage hervor.

 

Viele Arten von Brückenschlägen

Das Miteinander der verschiedenen chemischen Professionen ist GÖCH-Präsident Ernst Gruber ein besonderes Anliegen: „Verbindungen schaffen heißt aber auch: vom Mittelschullehrer zum Hochschullehrer, vom Jungchemiker zum erfahrenen Forscher oder von der universitären Forschung zur Privatindustrie. All diese Netzwerke gilt es, funktionsübergreifend zu fördern und zu stärken.“ Gerade deshalb wolle man auch versuchen, mit dem verstärkten Beitrag der industriellen Forschung einen neuen Schwerpunkt zu etablieren. Gruber: „Der kompetente Chemiker ist gefragt – ganz besonders auf den österreichischen Chemietagen.“

Aktiv in der Programmgestaltung eingebunden waren dementsprechend nicht nur die einzelnen Arbeitsgruppen der GÖCH, die eigene Minisymposia am ersten Konferenztag organsiert haben, sondern auch die „Jungchemiker“ in der GÖCH, die mehrere Programmschwerpunkte gestaltet haben: Im Minisymposium „Chemistry a-side“ werden Themen abseits der traditionellen Chemie beleuchtet, bei „Careers in Concept“ erzählen Chemiker über ihren ganz persönlichen Werdegang, im Rahmen des „Career Day“ werden Workshops zu Foresight Management und Arbeit 4.0 angeboten. Zum traditionellen Rahmenprogramm der Chemietage gehört schließlich auch die Verleihung einer ganzen Reihe von Preisen (siehe Info-Box), deren Gewinner (Melanie Hall, Andreas Orthaber, Benedikt Warth, Thomas Berger) zu „Invited Lectures“ eingeladen wurden.

Kritik an PIC

Der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) beklagt den mit der Verordnung bezüglich des Exports gefährlicher Stoffe verbundenen Aufwand sowie unklare Vorgaben.

 

Bei der Umsetzung der „Prior Informed Consent Regulation“ (PIC-Regulation) der Europäischen Union ist nicht alles eitel Wonne, heißt es seitens des Fachverbandes der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) auf Anfrage des Chemiereport. Laut einem Bericht der EU-Chemikalienagentur ECHA von vergangener Woche sind die Notifikationen von Exporten gefährlicher Stoffe von 2014 bis 2016 um 74 Prozent gestiegen.

 

Wie der FCIO kritisiert, bringen die mit der Verordnung verbundenen Pflichten allerdings „einen stetig zunehmenden administrativen Aufwand mit sich“. Die Verordnung diene dazu, das „Rotterdamer Übereinkommen“ umzusetzen. Jedoch erweise sich die Chemikalienliste zu PIC als „wesentlich umfangreicher, als es das Rotterdamer Übereinkommen vorsieht. Unsicherheiten bei der Erfüllung der Pflichten ergeben sich vor allem dort, wo Stoffgruppen ohne namentlich gelistete Chemikalien betroffen sind“. Dieses Problem zeige die im ECHA-Bericht erwähnte „Art und Anzahl der Anfragen sowie die hohe Anzahl der unnötigen Notifikationen“.

 

Ferner seien die Leitfäden für die Industrie „kompliziert und missverständlich“. Dem Wunsch nach „einfachen, praxistauglichen Formaten, ähnlich denen, die es für die REACH-Verordnung“, sei die ECHA leider nicht nachgekommen. „Es ist zu hoffen, dass die ECHA in den kommenden drei Jahren bis zum nächsten Bericht für mehr Klarheit und Rechtssicherheit bei den Unternehmen und den Behörden sorgt“, resümiert der Verband.

September 13th

Ohne Not kein Verbot

Die EU-Kommission oder die Mitgliedsstaaten dürfen das Inverkehrbringen gentechnisch veränderter Lebensmittel nicht unter Hinweis auf das Vorsorgeprinzip verbieten, urteilt das Europäische Gericht.

 

Das Vorsorgeprinzip erlaubt der EU-Kommission oder den EU-Mitgliedsstaaten nicht, durch Sofortmaßnahmen das Inverkehrbringen gentechnisch veränderter Lebensmittel zu verbieten. Auch ein Verbot des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen ist nicht zulässig. Das besagt ein Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union, das am 13. September bekannt gegeben wurde.

 

Laut dem Gerichtshof sind solche Maßnahmen ausschließlich dann erlaubt, wenn „erwiesenermaßen davon auszugehen ist, dass ein genetisch verändertes Erzeugnis wahrscheinlich ein ernstes Riskio für die Gesundheit von Mensch oder Tier oder die Umwelt darstellt“. Das Vorsorgeprinzip alleine reiche indessen nicht aus: „Dieses Prinzip kann zwar das Ergreifen vorläufiger Risikomanagementmaßnahmen bei Lebensmitteln im Allgemeinen rechtfertigen, doch es erlaubt nicht, die Bestimmungen für genetisch veränderte Lebensmittel beiseite zu lassen oder zu ändern – insbesondere zu lockern –, da diese Lebensmittel vor ihrem Inverkehrbringen bereits einer umfassenden wissenschaftlichen Bewertung unterzogen wurden.“

 

So habe etwa die EU-Kommission 1998 das Inverkehrbringen einer genetisch veränderten Maissorte erlaubt. Sie stützte sich dabei auf eine Stellungnahme des Wissenschaftlichen Ausschusses „Pflanzen“, der zufolge kein Grund zu der Annahme besteht, dass die betreffende Sorte für den Menschen oder die Umwelt gefährlich ist. Allerdings verbot die italienische Regierung 15 Jahre später den Anbau des Maises und verwies dabei auf das Vorsorgeprinzip. Gegen Landwirte, die das Verbot verletzten, wurde ein Strafverfahren eingeleitet - zu Unrecht, wie nun das Europäische Gericht urteilte.

September 12th

Glyphosat-Streit: Ende in Sicht

Bei der Tagung des „Standing Committee on Plants, Animals, Food and Feed“ (PAFF) der Europäischen Kommission Anfang Oktober könnte darüber entschieden werden, ob der Einsatz des Pflanzenschutzmittels in der EU weiter erlaubt bleibt.

 

Die schier endlosen Streitereien um die Zulassung des Pflanzenschutzmittels Glyphosat in der EU könnten demnächst zum Abschluss kommen. Am 5. und 6. Oktober tagt in Brüssel das „Standing Committee on Plants, Animals, Food and Feed“ (PAFF) der Europäischen Kommission. Dabei könnte sich entscheiden, ob die Zulassung des Mittels um zehn Jahre verlängert wird, wie das die EU-Kommission anstrebt, oder ob sie zu Jahresende ausläuft. Die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) ist grundsätzlich für die Verlängerung, will allerdings den Einsatz eingeschränkt wissen. Eine ähnliche Position vertritt auch die österreichische Landwirtschaftskammer. Frankreichs Umweltminister Nicolas Hulot deutete Ende August an, eher dagegen zu sein. Keine offizielle Stellungnahme gibt es bis dato von Deutschland. Dass eine solche vor der Bundestagswahl am 24. September erfolgt, gilt als ausgeschlossen.

 

Der Gesundheitskommissar der EU, Vytenis Andriukaitis, konstatierte mehrfach, er wolle das leidige Thema endlich vom Tisch haben. Es gebe keinen Grund, die Zulassung nicht zu verlängern. Wie unter anderem die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) und die Europäischen Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) festgestellt hätten, sei Glyphosat nicht krebserregend. Außerdem könne jeder Staat den Einsatz des Mittels trotz dessen Wiederzulassung auf EU-Ebene verbieten, wenn er das wolle.

 

Nach Aussagen aus der Landwirtschaft gibt es für Glyphosat keinen tauglichen Ersatz. Laut einer Umfrage des in Frankreich ansässigen Meinungsforschungsinstituts IPSOS befürchten die dortigen Landwirte Schäden von bis zu zwei Milliarden Euro pro Jahr, falls die Zulassung nicht verlängert wird. Die Industriegruppe Pflanzenschutz (IGP) verlautete am 12. September einmal mehr, bei einem allfälligen Verbot von Glyphosat „steigen das Risiko von Bodenerosion und die CO2-Emissionen durch vermehrte Pflugüberfahrten und den dadurch zunehmenden Dieselverbrauch sowie Kohlenstoff-Emissionen aus dem Boden. Durch die zunehmenden Überfahrten sinkt zudem die Biodiversität, da Bodenlebewesen und -organismen, Insekten, Vogelnester und -eier sowie Jungtiere durch das verstärkte Pflügen gefährdet werden. Und der steigende Bedarf an Ackerland führt dazu, dass Naturräume und Habitate mit einer deutlich höheren Artenvielfalt in Ackerland umzuwandeln wären“. Rund 3.300 Studien mit insgesamt 90.000 Seiten attestierten die Unbedenklichkeit der sachgemäßen Verwendung von Glyphosat. Es sei daher „völlig absurd“, den Wirkstoff zu verbieten.

 

Für ein Verbot des Mittels sprechen sich unter anderem die Grünen aus. Ihnen zufolge soll der EU-Unterausschuss des Nationalrates „eine bindende Stellungnahme beschließen und damit die österreichische Position für die Abstimmung über Glyphosat auf europäischer Ebene im Oktober verbindlich festlegen“.

September 8th

EIB-Darlehen für Evotec

Das Hamburger Wirkstoffforschungs- und Entwicklungsunternehmen Evotec bekommt bis zu 75 Millionen Euro an Juncker-Plan-Mitteln für neue Investitionen.

 

Mit einem Darlehen von bis zu 75 Millionen Euro unterstützt die Europäische Investitionsbank (EIB) das Hamburger Wirkstoffforschungs- und Entwicklungsunternehmen Evotec. Besichert werden die Mittel durch eine Garantie des Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI), berichteten die EIB und die Evotec. Wie es seitens des Unternehmens hieß, handelt es sich bei dem Darlehen um „die erste größere erfolgsabhängige Finanzierung unter dem EFSI. Zudem handelt es sich um die erste erfolgsabhängige Finanzierung mit EFSI-Garantie, bei der die Bank das Risiko des Forschungs- und Entwicklungs-Erfolgs ihres Kunden teilt“.

 

In einer Stellungnahme bezeichnete die Europäische Kommission den EFSI als „Kernelement des Investitionsplans für Europa, des sogenannten Juncker-Plans“. Der für Beschäftigung, Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit zuständige Vizepräsident der EU-Kommission, Jyrki Katainen, erläuterte, die Entwicklung innovativer Therapien sei nur mittels kontinuierlicher Investitionen möglich. Dabei könne der Juncker-Plan helfen: „Ich freue mich, dass der Plan Forschung unterstützt, die die Behandlung schwerer Krankheiten zum Ziel hat“.

 

Evotec möchte Mittel aus dem Darlehen nach eigenem Bekunden bereits heuer „für erste Investitionen einsetzen“. Der CEO des Unternehmens, Werner Lanthaler, verlautete, es sei erfreulich, „dass wir den EFSI für unsere Finanzierung nutzen können und unsere Innovationsstrategie Vertrauen genießt. Auch künftig konzentrieren wir uns auf unsere Investitionen und F+E der Spitzenklasse. Dank der Finanzierung der EIB, ihrer Flexibilität und ihres innovativen Finanzierungsmodells sinken unsere Kapitalkosten erheblich. Der Einsatz dieses neuen Finanzierungsinstruments in der Biotechbranche ist ein wichtiger Meilenstein und wird messbare Auswirkungen auf das globale Innovationsökosystem in der Wirkstoffforschung haben“.

 

September 7th

„Positives zweites Quartal“

Der deutsche Verband der Chemischen Industrie zeigt sich mit der aktuellen Lage und den Aussichten zufrieden.

 

Der Umsatz der chemisch-pharmazeutischen Industrie Deutschlands betrug im zweiten Quartal 2017 rund 46,9 Milliarden Euro. Er lag damit um 7,1 Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres, meldete der Verband der Chemischen Industrie (VCI), der die beiden Branchen vertritt. In Deutschland selbst erhöhte sich der Umsatz um etwa 4,1 Prozent. Im Ausland erwirtschaftete die chemisch-pharmazeutische Industrie ein Umsatzplus von 8,5 Prozent.

Nach Angaben des Verbands lagen die Erzeugerpreise um 4,1 Prozent über dem Vorjahreswert, die Produktion stieg um 1,6 Prozent. Die Auslastung der Fabriken belief sich auf rund 86,9 Prozent und war damit „überdurchschnittlich hoch“, berichtete der VCI. Ihm zufolge liegt die „Normalauslastung“ der Anlagen bei rund 85 Prozent. Was die Zahl der Beschäftigten betrifft, verzeichneten die beiden Branchen ein Plus von 0,5 Prozent auf 449.300 Personen. Aus diesen Gründen sprach der VCI von einem „insgesamt positiven zweiten Quartal“.

 

Auch die Aussichten für das Gesamtjahr sind laut VCI zufriedenstellend. Der Verband erwartet im Vergleich mit 2016 einen Produktionszuwachs von 1,5 Prozent. Und: „Durch einen starken Anstieg der Chemikalienpreise um 3,5 Prozent kann der Branchenumsatz um 5,0 Prozent auf 193,9 Milliarden Euro zulegen.“ VCI-Präsident Kurt Bock zufolge sind die „Chancen gut, dass die deutschen Chemie- und Pharmaunternehmen auch in der zweiten Jahreshälfte gute Geschäfte machen. In Europa hellt sich die Lage weiter auf: Die Industrie befindet sich im Aufschwung, dadurch steigt die Nachfrage nach Chemikalien. Auch in Deutschland geht es weiter aufwärts.“

 

Laut dem Quartalsbericht gehen die Unternehmen zwar mehrheitlich davon aus, dass die Preise und damit die Gewinnspannen „unter Druck“ geraten. Doch habe der Austritt Großbritanniens aus der EU wenigstens kurzfristig an Schrecken verloren. Europas Industrie ist laut VCI „im Aufschwung und die Nachfrage nach Chemikalien steigt“. Andererseits wiederum verringerten „chemieintensive Branchen“ wie etwa die Papier- und Druckindustrie ihre Erzeugung. Gleichzeitig steige der Wettbewerbsdruck im Bereich der chemischen Grundstoffe. Folglich bleibe die Wachstumsdynamik „insgesamt verhalten“. Wegen der „unsteten“ US-amerikanischen Wirtschaftspolitik seien auch im US-Geschäft „große Sprünge nicht zu erwarten. Ähnliches gilt für Südamerika, das sich nur langsam aus der Rezession befreien kann“.

September 6th

Lanxess mit neuen Finanzzielen

Der Spezialchemikalienkonzern will die operative Ergebnismarge ab 2021 von rund 13 auf bis zu 18 Prozent steigern.

 

Der deutsche Spezialchemikalienkonzern Lanxess hat seine Finanzziele für die Zeit ab 2021 aktualisiert. Wie er verlautete, soll sich „die operative Ergebnismarge, gemessen am EBITDA vor Sondereinflüssen, in einem Korridor von 14 bis 18 Prozent bewegen“. Die Marge für das Geschäftsjahr 2016 bezifferte Lanxess mit 12,9 Prozent.

 

Um das Ziel zu erreichen, will der Konzern in Zukunft nur noch Geschäfte betreiben oder ins Portfolio nehmen, in denen er „führende Marktpositionen erreichen und nachhaltig attraktive Margen erwirtschaften“ kann. Ferner wird das Geschäft noch stärker regional und sektoral diversifiziert. Steigen soll insbesondere der Anteil sogenannter „Wachstumsmärkte“ am Umsatz. Als Beispiele nennt Lanxess Asien sowie Nordamerika. Sektoral betrachtet, möchte Lanxess unter anderem die Elektro- und Elektronikindustrie sowie die Energiewirtschaft verstärkt beliefern.

 

Vorstandschef Matthias Zachert sagte, „Lanxess steht heute wieder auf festen Beinen und ist zurück auf einem profitablen Wachstumspfad. In den kommenden Jahren wollen wir unser volles Potenzial ausschöpfen und uns zu einem noch stärkeren Unternehmen entwickeln“.

 

Wie berichtet, steigerte Lanxess im ersten Halbjahr 2017 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2016 seinen Umsatz um fast 30 Prozent. Ausschlaggebend dafür war nicht zuletzt die Chemtura-Übernahme. Das um Sondereffekte bereinigte EBITDA stagnierte dagegen.

 

 

 

 

September 4th

REACH-Dossiers: Aktualisierung nötig

Vielen Unternehmen ist nicht klar, dass mit der einmaligen Registrierung ihre Pflichten aufgrund des EU-Chemikalienmanagementsystems nicht erfüllt sind, zeigt eine neue Studie.

 

Die Stoffregistrierungsdossiers im Rahmen des Chemikalienmanagementsystems REACH müssen stets aktuell gehalten werden. Dies ist der Wirtschaft jedoch auch elf Jahre nach Inkrafttreten des Systems noch immer nicht ausreichend klar, zeigt eine Studie im Auftrag der europäischen Chemikalienagentur ECHA. Durchgeführt wurde diese von den Beratungsunternehmen Peter Fisk Associates und Amec Foster Wheeler mittels Fragebögen und vertiefenden Interviews. Aus 5.700 Kontakten mit betroffenen Unternehmen und Institutionen ergaben sich 322 ausgefüllte Fragebögen und 20 Interviews.

 

Den Antworten zufolge wurden 64 Prozent der Dossiers noch nie aktualisiert, obwohl die ersten Chemikalienregistrierungen bereits 2008 zu erfolgen hatten. Viele Unternehmen sind der Ansicht, dass mit der Registrierung ihre Pflichten in Hinsicht auf REACH ein für allemal erledigt sind. Immer wieder wird auch beklagt, dass die Formulierungen bezüglich der Aktualisierungspflicht im Artikel 22 der REACH-Richtlinie unklar seien. Nicht zuletzt betreffe dies die Frage, wer in einer Registrierungsgruppe (Substance Information Exchange Forum, SIEF) für die Aktualisierungen zuständig ist. Kritisiert werden auch die mit den Aktualisierungen verbundenen Kosten, denen nach Ansicht der Wirtschaft wenig Nutzen gegenübersteht - wenn sie denn überhaupt einen Nutzen bringen. Diese Klage wird vor allem von Klein- und Mittelbetrieben vorgebracht. Ferner verweisen die Unternehmen auf Probleme mit der Registrierungssoftware IUCLID, die Aktualisierungen alles andere als einfach mache. Dazu kommt eine gewisse „REACH-Müdigkeit“ in der Wirtschaft, wobei auf den erheblichen Zeit- und Finanzaufwand mit den erstmaligen Registrierungen verwiesen wird.

 

Daraus leiten die Autoren der Studie vier wesentliche Empfehlungen ab:

 

Erstens ist klarzustellen, was aktualisiert werden muss. So lässt sich der Aufwand minimieren und der Nutzen maximieren.

 

Zweitens ist zu klären, wer für die Aktualisierungen verantwortlich ist.

 

Drittens empfehlen die Autoren einen regulatorischen Mechanismus, um die Erfüllung der Aktualisierungspflicht zu verbessern. Beispielsweise könnten regelmäßige Aktualisierungen mit klaren Zeitvorgaben vorgeschrieben werden.

 

Viertens ist zu erläutern, warum die Aktualisierungen wichtig sind und dass diese Auswirkungen auf den Schutz von Gesundheit und Umwelt haben.

 

Wie die Autoren festhalten, richten sich die Empfehlungen in erster Linie an die ECHA und in zweiter Linie an die Wirtschaftsverbände der EU-Mitgliedsstaaten. Zu guter Letzt sei aber auch die Politik aufgerufen, geeignete Maßnahmen zu setzen.

 

 

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