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May 22nd, 2017

Milliarden-Fusion um Spezialchemikalien

Die Schweizer Clariant und die texanische Huntsman wollen sich zusammentun und mit rund zwölf Milliarden Euro Jahresumsatz die weltweite Nummer 2 in ihrem Geschäftsbereich werden.

 

Der Spezialchemikalienkonzerne Clariant (Schweiz) und Huntsman (Texas) wollen fusionieren, verlauteten sie in einer gemeinsamen Aussendung. Entstehen soll HuntsmanClariant, ein Unternehmen mit rund 13,2 Milliarden US-Dollar (11,7 Milliarden Euro) Jahresumsatz. Der Aussendung zufolge würde es sich vom Umsatz her um den weltweit zweitgrößten Spezialchemikalienanbieter nach der deutschen Evonik und vor der ebenfalls deutschen Covestro (der ehemaligen Bayer MaterialSciences) handeln. Angestrebt wird ein bereinigtes EBITDA von 2,3 Milliarden US-Dollar (2,0 Milliarden Euro) pro Jahr. Abgeschlossen werden soll die Transaktion bis Jahresende. Für ihre Finanzierung ist ein Aktientausch geplant, bei dem die bisherigen Huntsman-Eigentümer für jede ihrer Aktien 1,2196 HuntsmanClariant-Aktien bekommen. Insgesamt sollen sie 48 Prozent an dem neuen Konzern halten, für die Clariant-Eigentümer ist ein Anteil von 52 Prozent vorgesehen.

 

Der heutigen Aussendung zufolge wird sich das neue Unternehmen auf fünf Geschäftsbereiche konzentrieren. Auf den Bereich Consumer werden etwa 30 bis 35 Prozent des Jahresumsatzes entfallen, auf Transportation sowie Energy jeweils zehn bis 15 Prozent, auf Construction 20 bis 25 Prozent und auf Industrial 15 bis 20 Prozent. Rund 40 Prozent des künftigen gemeinsamen Umsatzes werden in Nord- und Südamerika erzielt, 34 Prozent in Europa, dem Nahen Osten sowie Afrika und die übrigen 26 Prozent im asiatisch-pazifischen Raum. Als größter Einzelmarkt wird China genannt, das rund elf Prozent des Jahresumsatzes ausmachen soll. Die weltweite Zahl der Beschäftigten wird sich auf mehr als 28.000 belaufen.

 

Clariant erwirtschaftete 2016 mit rund 17.440 Beschäftigten einen Umsatz von etwa 5,8 Milliarden Schweizer Franken (5,3 Milliarden Euro), das EBITDA vor Sondereffekten betrug rund 887 Millionen Franken (812,5 Millionen Euro). Huntsmans Umsatz belief sich 2016 auf 9,6 Milliarden US-Dollar (8,5 Milliarden Euro), das bereinigte EBITDA wird mit 1,1 Milliarden US-Dollar (976,8 Millionen Euro) beziffert.

 

Clariant-Vorstandschef Hariolf Kottmann sprach von einem „perfekten Geschäft zur richtigen Zeit. Wir vereinigen unsere Kräfte, um uns einen noch größeren weltweiten Aktionsradius zu verschaffen, unsere langfristige Innovationskraft zu steigern und neue Wachstumsmöglichkeiten zu erschließen“. Laut Peter R. Huntsman, President und CEO von Huntsman, wird das neue Unternehmen „im Spezialchemikaliensektor weltweit führend sein und ein ausgewogenes Portfolio aufweisen, das ihm erhebliche finanzielle Stärke und Flexibilität gibt“.

 

May 19th

Quecksilberschutz-Konvention ab 16. August in Kraft

Die EU und sieben ihrer Mitgliedsstaaten haben ihre Ratifizierungsurkunden bei der UNO hinterlegt.

 

Die Minamata-Konvention zum Schutz vor Gefahren durch Quecksilber tritt am 16. August in Kraft. Das steht fest, nachdem am 18. Mai die Ratifizierungsurkunden der EU sowie sieben ihrer Mitgliedsstaaten (Bulgarien, Dänemark, Malta, Niederlande, Rumänien, Schweden und Ungarn) bei der UNO in New York hinterlegt wurden. Laut Artikel 31 der Konvention tritt diese am 90. Tag in Kraft, nachdem mindestens 50 Vertragsparteien der UNO ihre Ratifizierungsdokumente übermittelt haben. Mit dem Schritt der EU und der sieben Mitgliedsstaten haben dies 52 Parteien getan. EU-Umweltkomissar Karmenu Vella sagte, die Konvention werde „dazu beitragen, Millionen von Menschen weltweit vor der Belastung durch dieses giftige Schwermetall zu schützen. Die Ratifizierung unterstreicht das Engagement Europas für ein entschiedenes und abgestimmtes Handeln auf internationaler Ebene.“

 

Die erste Tagung auf Grundlage der Minamata-Konvention findet vom 24. bis zum 29. September in Genf statt. Laut einer Aussendung der EU-Kommission wird dabei „eine Reihe wichtiger Durchführungsbeschlüsse angenommen“. Unter anderem handelt es sich um Leitfäden für den Handel mit Quecksilber und für Techniken, mit denen Quecksilberemissionen in die Luft verringert werden können.

 

Jährlich gelangen weltweit 3.600 Tonnen Quecksilber zum Einsatz. Rund 1.400 Tonnen davon entfallen auf den sogenannten „kleingewerblichen Goldbergbau“ in den Entwicklungsländern Afrika, Asien sowie Südamerikas. Etwa zehn bis 15 Millionen Menschen sollen im „kleingewerblichen Goldbergbau“ tätig sein - unter Bedingungen, die sie schweren gesundheitlichen Gefahren aussetzen. Nicht zuletzt diesem Problem soll die Minamata-Konvention entgegenwirken.

 

In der Europäischen Union wurde die letzte Quecksilbermine 2003 geschlossen. Seit 15. März 2011 ist es verboten, Quecksilber und bestimmte Quecksilberverbindungen aus der Gemeinschaft zu exportieren. Aus Zinnobererz gewonnenes metallisches Quecksilber gilt seit diesem Zeitpunkt als Abfall und muss beseitigt werden.

 

Genetisches Wissen für bessere Nutzpflanzen

Im Rahmen des „Fascination of Plants Day 2018“ konnte man sich in der BOKU-Arbeitsgruppe für Pflanzenbiotechnologie über genetische Züchtungsmethoden für Nutzpflanzen informieren – und wurde mit „ausgezeichnetem“ Kaffee und Dirndlkuchen bewirtet.

Nicaragua, Brasilien, Ecuador, Äthiopien, Honduras – das sind die Herkunftsländer der Kaffeebohnen, die Michael Prem für seine Röstungen und preisgekrönten Kaffeezubereitungen (der BOKU-Absolvent hat die Österreichische Barista-Meisterschaft 2017 gewonnen) verwendet. Bevor sie in seine Trommelröster mit kontrolliertem Temperaturverlauf kommen, haben die Bohnen schon eine lange Geschichte hinter sich. Prem bezieht seine Ware von kleinen Kooperativen, die sich einer biologischen Anbauweise verschrieben haben. Dort werden die Bohnen geerntet, die zunächst roten „Kirschen“ von Fruchtfleisch befreit und die verbliebene Schleimschicht durch Fermentation entfernt. Nach Waschen und Trocknen enthält man so die grünen Kaffeebohnen, von denen jede Frucht zwei enthält. Eine Alternative zu dieser Vorgehensweise ist die sogenannte „Trockenaufbereitung“, bei der die Kaffeekirschen mehrere Wochen getrocknet und die Bohnen danach mechanisch herausgelöst werden.

Prem war Gast der Arbeitsgruppe für Pflanzenbiotechnologie der BOKU, die im Rahmen des „Fascination of Plants Day 2017“ am 18. Mai die Pforten zu Gewächshaus und Genbanken öffnete. Der von ihm beschriebenen Wertschöpfungskette sind Bemühungen um eine Züchtung von Kaffeesorten vorgelagert, wie sie in dem von Margit Laimer geleiteten Forschungsteam vorangetrieben werden. Vorrangiges Ziel ist dabei, die Kaffeepflanzen resistent gegen Schädlinge zu machen, die oft große Teile der Ernte vernichten und den Lebensunterhalt zahlloser Menschen bedrohen. Die Anwendung biotechnologischer Züchtungsmethoden verspricht dabei, wesentlich schneller zu kultivierbaren Sorten zu kommen als die Kreuzung mit resistenten Wildtypen. Aber auch heimische Nutzpflanzen wie die Kornelkirsche (in Österreich „Dirndl“ genannt) oder die Energiepflanze Jatropha curcas („Purgiermuss“) sind Gegenstand der Forschung, die darauf abzielt, die genetische Ausstattung mit dem Auftreten erwünschter Eigenschaften zu korrelieren. Vor kurzem wurde die Erweiterung der Infrastruktur um ein Saranhaus beantragt, in dem die Charakterisierung von Pflanzen-Phänotypen im Hochdurchsatz durchgeführt werden kann.

Über all diese Aktivitäten wurde der interessierten Öffentlichkeit im Rahmen des „Fascination of Plants Day“, als dessen nationale Koordinatorin Laimer fungiert, informiert, dazu gab es Prems Kaffeespezialitäten und Dirndlkuchen. Johann Vollmann vom BOKU-Department für Nutzpflanzenwissenschaften zeigte darüber hinaus Wissenswertes aus dem Leben von Gregor Mendel und spannte den Bogen zu den Züchtungsversuchen mit Sojabohnen, die an seinem Institut durchgeführt werden.

 

Der „Fascination of Plants Day“ in Österreich

Rund um den von der „European Plant Science Organisation“ (EPSO) ausgerufenen „Fascination of Plants Day“ am 18. Mai finden an zahlreichen österreichischen Einrichtungen Aktionen statt. Beteiligt sind unter anderem die HBLFA Raumberg (Steiermark), deren Experten durch die Trautenfelser Iriswiesen führen, die Österreichische Gartenbaugesellschaft, die von 19. bis 21. Mai ihre rund 100 Sorten umfassende Zitruspflanzen-Sammlung im Schlosspark Schönbrunn öffnet oder die Gartenausstellung „Die Garten Tulln“ mit ihrem „Tag der Artenvielfalt“ am 21. Mai.

 

 

May 18th

Merck: Mehr Umsatz, weniger Gewinn

Die Bilanz im ersten Quartal 2017 war nicht zuletzt durch den Verkauf der Rechte an einem Stoffwechselmedikament geprägt.

 

Mehr Umsatz, aber weniger Gewinn - so lautet das Geschäftsergebnis des deutschen Pharma- und Spezialchemikalienkonzerns Merck im ersten Quartal 2017. Auf der Basis des ersten Quartals 2016 wuchs der Umsatz um 5,3 Prozent auf 3,86 Milliarden Euro. Das EBITDA fiel mit 1,20 Milliarden Euro allerdings um 6,2 Prozent niedriger aus, das EBIT sank um 11,1 Prozent auf 755 Millionen Euro. Seitens des Unternehmens wird dies so begründet: Im ersten Quartal 2016 seien durch den Verkauf der Rechte an dem Stoffwechsel-Medikament Kuvan an den US-Konzern Biomarin Pharmaceutical 324 Millionen Euro an Sondereinnahmen erzielt worden, die heuer nicht mehr anfielen.

 

Health Care, der größte Geschäftsbereich von Merck, ist laut dem Unternehmen „strategisch und finanziell gut ins Jahr gestartet“. Verwiesen wird auf den um 5,4 Prozent auf 1,73 Milliarden Euro gewachsenen Umsatz. Indessen rasselte das EBITDA um 24,1 Prozent nach unten und liegt nun bei 629 Millionen Euro. Das EBIT wiederum stürzte um 30,6 Prozent auf 445 Millionen Euro ab. Ausschlaggebend dafür waren dem Quartalsbericht zufolge vor allem um rund 43 Millionen Euro höhere Lizenzausgaben sowie um 176 Millionen Euro niedrigere „sonstige Erträge“. Bei diesem Bilanzposten schlug auch der erwähnte Entfall der Erlöse aus dem Verkauf der Rechte an Kuvan durch. Ferner verzeichnete Merck höhere Marketing- und Vertriebskosten für die Markteinführung zweier neuer Medikamente.

 

Für den zweitgrößten Geschäftsbereich, Life Sciences, meldet Merck Umsatzerlöse von 1,48 Milliarden Euro, um 6,1 Prozent mehr als im ersten Quartal 2016. Das EBITDA wuchs um 51,5 Prozent auf 430 Millionen Euro. Das EBIT hat sich von 105 auf 236 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Zurückzuführen ist das allerdings weniger auf organische Effekte als auf Auswirkungen des Erwerbs von Sigma-Aldrich im Jahr 2015, der bisher größten Akquisition der Unternehmensgeschichte, wird von Merck eingeräumt.

 

Im kleinsten Geschäftsbereich, Performance Materials, lagen die Umsatzerlöse mit 645 Millionen Euro um 3,6 Prozent über denen des ersten Quartals 2016. Das EBITDA war indessen um 4,0 Prozent niedriger und lag bei 257 Millionen Euro. Das EBIT schließlich verminderte sich um 5,6 Prozent auf 195 Millionen Euro.

 

Für das Gesamtjahr 2017 erwartet Merck einen Anstieg der Umsatzerlöse von 15,02 auf 15,5 bis 16,0 Milliarden Euro. Das voraussichtliche EBITDA vor Sondereffekten wird mit 4,4 bis 4,6 Milliarden Euro beziffert, verglichen mit 4,49 Milliarden Euro im vergangenen Jahr.

 

Merck-Vorstandschef Stefan Oschmann verlautete, „2017 ist für Merck erneut ein Jahr mit vielen Herausforderungen, aber auch mit großen Chancen. Ich bin zuversichtlich, dass wir diese Chancen nutzen werden, indem wir unsere klare Wachstumsstrategie für die drei Unternehmensbereiche weiter vorantreiben“.

 

May 17th

Weiter Krach um Glyphosat

EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis schlägt vor, das Pflanzenschutzmittel für weitere zehn Jahre zuzulassen. Eine österreichische EU-Parlamentarierin bezeichnet das als „inakzeptabel“.

 

EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis empfiehlt, die Zulassung für das Pflanzenschutzmittel Glyphosat um zehn Jahre zu verlängern. Die EU-Kommission billigte am 16. Mai einen Vorschlag des Kommissars, mit den Mitgliedsstaaten darüber zu verhandeln. Beschlossen werden könnte die Verlängerung Mitte Juni im Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel (PAFF), dem Fachleute der EU-Kommission sowie der Mitgliedsstaaten angehören. Grundsätzlich wäre es möglich, die Glyphosat-Zulassung um 15 Jahre zu verlängern. Mit seinem Vorschlag nutzt Andriukaitis diesen Spielraum offensichtlich nicht aus. Erfreut zeigte sich Agrarkommissar Phil Hogan. Ihm zufolge wurde das Mittel Länge mal Breite untersucht. Zuletzt hatte das Risk Assessment Committee (RAC) der europäischen Chemikalienagentur ECHA im Auftrag der EU-Kommission eine Bewertung vorgenommen und Glyphosat nicht als krebserregend, mutagen oder reproduktionstoxisch eingestuft. Der diesbezügliche Bericht erschien Mitte März.

 

Als „inakzeptabel“ bezeichnete Andriukaitis' Vorschlag Karin Kadenbach, die Gesundheits- und Umweltsprecherin der SPÖ im EU-Parlament. Der Kommissar ignoriere „die ohnehin schon sehr moderaten Vorstellungen des EU-Parlaments, das sich für eine siebenjährige Verlängerung ausgesprochen hat, komplett. Das können wir nicht hinnehmen. Wir werden den EU-Kommissar voraussichtlich im Juni ins Parlament vorladen und ihn befragen, aus welchen Motiven und Interessenlagen er zu dieser Entscheidung kommt“.

 

Die These, es handle sich um eine „Entscheidung“, ist jedoch falsch. Wie erwähnt, geht es um einen Vorschlag. Entschieden ist damit noch nichts. Hinzu kommt: Unabhängig von einer allfälligen Neuzulassung durch die EU-Kommission können die Mitgliedsstaaten den Einsatz von Glyphosat auf ihrem Territorium untersagen. Auf diesen Umstand wies die Kommission in den vergangenen Jahren immer wieder hin. Auch Andriukaitis brachte diese Tatsache mehrfach in Erinnerung.

 

 

May 16th

Arzneimittel: keine „Kostenexplosion“

Nicht die Medikamente belasten die Gesundheitsbudgets, betonen der Pharmaindustrieverband Pharmig und der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs.

 

Um rund 2,5 Prozent gestiegen sind die Arzneimittelkosten im vergangenen Jahr. Das teilte der Hauptverband der Sozialversicherungsträger (HV) mit. Zur Begrenzung des Anstiegs beigetragen habe der Rahmenpharmavertrag, auf Grund dessen die Branche 125 Millionen Euro an die Krankenkassen überwies. Für heuer rechnet der HV mit einer Steigerung der Arzneimittelkosten um rund 4,3 Prozent. Zur Abfederung erhalten die Kassen von den Pharmaunternehmen heuer sowie 2018 jeweils zehn Millionen Euro pro Prozentpunkt, höchstens jedoch 80 Millionen Euro pro Jahr.

 

Der Branchenverband Pharmig verlautete dazu, es zeige sich, „dass Arzneimittel keineswegs die Budgets im Gesundheitssystem belasten“. Von der immer wieder heraufbeschworenen „Kostenexplosion“ könne daher offenbar keine Rede sein. Würden die individuellen Rabatte der Pharmaunternehmen berücksichtigt, seien die Arzneimittelkosten für die Krankenkassen sogar niedriger gewesen als 2015, betonte Pharmig-Generalsekretär Jan Oliver Huber. Auch die Kostenprognose für heuer sei deshalb „sicherlich wieder zu hoch gegriffen“. Huber geht von einer ähnlichen Entwicklung wie 2016 aus. Einmal mehr kritisierte der Pharmig-Generalsekretär die im Frühjahr beschlossene ASVG-Novelle, die die Aufwendungen für die Medikamente weiter vermindern soll. Hier werde am falschen Platz gespart: „Wer nur auf den Preis schaut und diesen immer weiter nach unten drückt, muss in Kauf nehmen, dass Unternehmen in Länder abwandern, wo es sich billiger produzieren lässt. Wer nur auf den Preis schaut, muss auch in Kauf nehmen, dass manche Innovationen nicht mehr so früh wie bisher den österreichischen Patienten zur Verfügung stehen werden.“

 

Ähnlich argumentierte die Geschäftsführerin des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO), Sylvia Hofinger: „Auch wenn es der Politik leicht fällt, die Pharmaunternehmen zur Kasse zu bitten, so belegen die aktuellen Zahlen, dass das wahre Einsparungspotential nicht bei den Medikamenten, sondern innerhalb des Kassensystems liegt.“ Der Anteil der Arzneimittelkosten liege „seit Jahren konstant bei zwölf Prozent. Das hat sich auch nicht durch die Einführung innovativer neuer Arzneimittel verändert, die schwere Erkrankungen deutlich lindern oder sogar heilen können“. Deshalb sei die ASVG-Novelle verfehlt gewesen: „Mittelmäßige Preise führen zu mittelmäßigen Leistungen, die Leidtragenden sind - wie so oft – die Patienten.“ Sparen sollten die Krankenkassen nach Ansicht Hofingers bei ihren Verwaltungskosten. Denn die seien 2016 um rund 4,6 Prozent gestiegen - fast doppelt so stark wie die Medikamentenkosten.

„Bestes Quartal der Unternehmensgeschichte“

Der Faserkonzern Lenzing meldet ein EBIT-Wachstum um 72,1 Prozent, das Konzernergebis war um 69,6 Prozent höher als im ersten Quartal 2016.

 

Das „beste Quartal der Unternehmensgeschichte“ meldet der Faserkonzern Lenzing. Verglichen mit dem ersten Quartal 2016 stiegen die Umsatzerlöse um 14,3 Prozent auf 586,2 Millionen Euro. Das EBITDA wuchs um 46,6 Prozent auf 135,1 Millionen Euro, das EBIT um 72,1 Prozent auf 102,3 Millionen, das Konzernergebnis um 69,6 Prozent auf 75 Millionen Euro. In einer Aussendung der Lenzing wird dies mit „höheren Preisen rund um das chinesische Neujahr, einem besseren Produktmix, dem Lagerabbau und günstigeren Währungsrelationen“ begründet.

 

Vorstandschef Stefan Doboczky verlautete, neue Vertriebsniederlassungen in der Türkei sowie Südkorea ermöglichten, die Kunden noch besser zu betreuen. Ferner gehe der Ausbau der Produktionskapazitäten für Lyocell-Spezialfasern wie Tencel gut vonstatten. Der Spatenstich für eine neuen Produktionslinie mit 25.000 Tonnen Jahreskapazität in Heiligenkreuz im Burgenland sei Ende März erfolgt. Auch die Errichtung einer neuen Produktionsanlage in Mobile im US-Bundesstaat Alabama habe begonnen, die Fertigstellung sei für Ende des ersten Quartals 2019 geplant.

 

Für das heurige Gesamtjahr erwartet Doboczky „unter der Annahme gleichbleibender Verhältnisse an den Fasermärkten eine deutliche Ergebnisverbesserung gegenüber 2016“.

May 15th

EU-Kommission ermittelt gegen Aspen Pharma

Der südafrikanische Konzern soll überhöhte Preise für Wirkstoffe gegen Blutkrebs verlangt und damit gegen europäisches Wettbewerbsrecht verstoßen haben.

 

Die Europäische Kommission ermittelt gegen den südafrikanischen Pharmakonzern Aspen Pharma. Er soll „bei fünf lebenswichtigen Krebsarzneien unangemessen hohe Preise“ verlangt und damit „eine marktbeherrschende Stellung missbraucht“ haben. Laut Informationen, die der Kommission vorliegen, erhöhte das Unternehmen den Preis von Wirkstoffen gegen Blutkrebs um bis zu 100 Prozent. Staaten, die das nicht akzeptierten, soll Aspen Pharma damit gedroht haben, die einschlägigen Medikamente vom jeweiligen Markt zu nehmen. In einigen Fällen sei dies auch tatsächlich erfolgt. Der Kommission zufolge könnte dies gegen das Kartellrecht der EU sowie gegen das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR-Abkommen) verstoßen. Beiden Vorschriften zufolge ist „die Erzwingung unangemessener Preise oder sonstiger Geschäftsbedingungen ausdrücklich verboten“, verlautete die Kommission in einer Aussendung. Wie sie hinzufügte, erstreckt sich das Verfahren auf das gesamte Gebiet des EWR (EU inklusive Island, Liechtenstein und Norwegen) mit Ausnahme Italiens.

 

In Italien verurteilte die Kartellbehörde Autorità Garante della Concorrenza e del Mercato (AGCM) Aspen Pharma bereits am 14. Oktober 2016 zu einer Strafe von über fünf Millionen Euro. Die AGCM begründete dies mit Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht der EU. Aspen Pharma sei gegenüber der italienischen Medizinmarktagentur (Agenzia Italiana del Farmaco - AIFA) „aggressiv“ vorgegangen und habe damit Preiserhöhungen zwischen 300 und 1.500 Prozent erreicht, hieß es in einer Aussendung der AGCM. So sei damit gedroht worden, die Versorgung Italiens mit mehreren Krebsmedikamenten einzustellen.

 

Aspen Pharma bestätigte die Ermittlungen der EU-Kommission. „Wir nehmen die Befolgung wettbewerbsrechtlicher Vorschriften sehr ernst und werden konstruktiv mit der Kommission zusammenarbeiten“, verlautete das Unternehmen.

 

Unterdessen haben nicht nur die europäischen Behörden Aspen Pharma im Visier. Auch die südafrikanische Wettbewerbsbehörde ermittelt gegen den Konzern wegen angeblich überhöhter Arzneimittelpreise. Aspen Pharma weist die Vorwürfe zurück. Es habe zwar Preiserhöhungen gegeben, jedoch innerhalb des gesetzlichen Rahmens.

May 12th

Dialog-Plattform für „Personalisierte Medizin“ vorgestellt

Roche Österreich präsentierte gemeinsam mit Wissenschaftlern aus den Bereichen Onkologie, Chirurgie und Bioinformatik die Initiative „Medizin für mich“, die dem breiten gesellschaftlichen Dialog zu Chancen und Grenzen der Präzisionsmedizin dienen will.

 

Als Anlaufstelle für die breitere Öffentlichkeit wurde die Website wwww.medizinfuermich.at geschaffen, auf der Interviews mit Patienten, Ärzten und Forschern zu finden sind. Medizinstudentin „Mira Hoffnung“ begleitet den Besucher auf einer Reise, auf der die Möglichkeiten neuer, molekularbiologisch zugeschnittener Therapie-Ansätze in einfach verständlicher Sprache dargestellt werden.

„Es geht darum, aufzuklären, Verständnis zu schaffen, Wissen zu vertiefen“, erklärte Veronika Mikl, Public Affairs Director bei Roche Österreich im Rahmen der Präsentation der Initiative: „Wir wollen aber auch Grenzen aufzeigen, um keine falschen Hoffnungen zu wecken.

 

Maßgeschneiderte Therapien auf bioinformatischer Grundlage

Der vielfach gebräuchliche Begriff „Personalisierte Medizin“ meine dabei nicht, dass jeder Patient seine individuellen Medikamente erhalte, sondern dass aufgrund des fortgeschrittenen molekularbiologischen Wissens Krankheiten heute viel besser in Subgruppen untergliedert und daher präziser behandelt werden können, wie Hellmut Samonigg, Spezialist für Hämatoonkologie und Rektor der Medizin-Uni Graz klarstellte. Es sei daher besser von „Präzisionsmedizin“ zu sprechen. Michael Gnant, Professor für Chirurgie an der Medizinischen Universität Wien, erzählte von beeindruckenden Erfolgen in der Diagnose und Therapie von Erkrankungen wie Brustkrebs oder Melanom.

Grundlage dafür ist die Auswertung von Daten aus genomischen Hochdurchsatz-Experimenten, die mit den Werkzeugen der Bioinformatik möglich geworden ist, wie Ivo Hofacker, Vorstand des Instituts für Theoretische Chemie der Uni Wien darstellte: „Was wir heute kennen, ist nur die Spitze des Eisbergs“. 98 Prozent des Genoms würden nicht für ein bestimmtes Protein codieren, man verstehe heute nicht ausreichend, was Mutationen in diesem Bereich bedeuten. Hier sei noch viel Grundlagenforschung erforderlich, so Hofacker.

 

 

Agrana mit „erfolgreichem Geschäftsjahr“

Sowohl beim Umsatz als auch beim EBITDA und beim EBIT verzeichnete der Fruchtzubereitungs-, Stärke- und Zuckerkonzern 2016/17 gegenüber 2015/16 teils erhebliche Ergebniszuwächse.

 

Ein „erfolgreiches Geschäftsjahr“ 2016/17 meldete Agrana-Generaldirektor Johann Marihart bei der Bilanzpressekonferenz am 12. Mai . Der Umsatz des Fruchtzubereitungs-, Stärke- und Zuckerkonzerns wuchs gegenüber 2015/16 um 3,4 Prozent auf 2,56 Milliarden Euro. Das EBITDA verbesserte sich um 22,5 Prozent auf 235,2 Millionen Euro, das operative Ergebnis (EBIT) um 33,6 Prozent auf 172,4 Millionen Euro. Unter Berücksichtigung des Finanzergebnisses und der Ertragssteuern ergibt sich ein Konzernergebnis von 117,9 Millionen Euro, um 45,7 Prozent mehr als 2015/16. Marihart zufolge ist das auf bessere Resultate in allen drei Geschäftbereichen (Frucht, Stärke und Zucker) zurückzuführen. Im Segment Stärke verzeichnete die Agrana einen EBIT-Anstieg um 15,6 Prozent auf 76,2 Millionen Euro, vor allem aufgrund höherer Verkaufsmengen. Das Segment Frucht wiederum profitierte insbesondere von besseren Preisen für Apfelsaftkonzentrat, wodurch das EBIT um 22,1 Prozent auf 71,8 Millionen Euro stieg. Das kleinste Segment, Zucker, schließlich verzeichnete wegen gestiegener Verkaufspreise ein EBIT von 24,4 Millionen Euro, was nahezu einer Versechsfachung gleichkommt.

 

Für das angelaufene Geschäftsjahr 2017/18 erwartet Marihart „sowohl beim Konzernergebnis als auch beim EBIT“ einen „moderaten Anstieg“.

 

Wachstumsmöglichkeiten sieht er insbesondere in Osteuropa sowie im südostasiatischen Raum. Deshalb wird vor allem dort investiert. Im Westen Zentralindiens etwa erwarb die Agrana kürzlich ein Fruchtzubereitungswerk von Saikrupa Fruit Processing. Die Tagesverarbeitung beläuft sich auf rund 20 Tonnen an Mangos, Erdbeeren, Granatäpfeln und Guaven. Laut Marihart handelt es sich um einen „Nukleus mit Wachstumspotenzial“, dessen Ausbau die Agrana „zügig in Angriff nehmen“ werde. Rund 150 Kilometer westlich von Schanghai wiederum soll um 22 Millionen Euro ein neues Werk für Fruchtzubereitungen entstehen, das eine Kapazität von etwa 30.000 Tonnen pro Jahr aufweist. Es ergänzt die bestehende 20.000-Tonnen-Anlage in Dachang nahe Peking, die „an ihre Kapazitätsgrenze“ kommt. Den Produktionsstart plant die Agrana für November 2018. Marihart verwies darauf, dass China mit einem jährlichen Verbrauch von 3,7 Millionen Tonnen der weltgrößte Markt und am stärksten wachsende Markt für Joghurt ist. Bis 2020 wird eine Verdopplung des Pro-Kopf-Konsums auf rund 5,6 Kilogramm pro Jahr erwartet. Ferner ist China auch der größte Markt für Eiscreme, der Jahresverbrauch lag 2016 bei 4,3 Milliarden Litern.

 

Geschäftspotenzial gibt es laut Marihart grundsätzlich auch noch in einem anderen Bereich. Ihm zufolge könnte die Bioethanolzumischung zu Benzin den Feinstaubausstoß von Kraftfahrzeugen „dramatisch“ verringern. Wünschenswert wäre seiner Ansicht nach eine Beimischung von zehn Prozent.

 

Mariharts Vorstandsvertrag wurde bei der Aufsichtsratssitzung der Agrana am 11. Mai bis Ende Februar 2021 verlängert. Er plane, die gesamte Funktionsperiode wahrzunehmen, betonte der am 8. Dezember 1950 geborene Generaldirektor bei der Bilanzpressekonferenz: „Ich fühle mich fit und proper.“ Marihart leitet die Agrana seit 19. September 1988.

 

 

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