Archive - 2026
Jahrestagung „Mission Klimaziele“ mit Defense-Schwerpunkt
Am 9. Juni treffen die Teilnehmer des Clusterprojekts „Mission Klimaziele“ mit Entscheidungsträgern aus Wirtschaft, Forschung und Politik zur Jahrestagung zusammen. Der aktuellen Lage entsprechend, setzt man diesmal einen besonderen Schwerpunkt auf Themen der militärischen Sicherheit.
Das vom Mechatronik-Cluster der niederösterreichischen Wirtschaftsagentur ecoplus vorangetriebene Projekt „Mission Klimaziele“ hat sich der Aufgabe verschrieben, die steigenden regulatorischen Anforderungen an Unternehmen dafür zu nutzen, strategische Fragen nach Geschäftsmodell, Organisationsstruktur und Firmenkultur zu stellen.
Am 9. Juni trifft man im ecoforum im IZ NÖ-Süd in Wiener Neudorf zusammen, um eine Zwischenbilanz zu ziehen: Die Lage hat sich verändert, statt Nachhaltigkeit treiben die politischen Kräfte das Thema Verteidigung voran, die Unternehmen sehen sich neuen Märkten, aber auch Herausforderungen gegenüber. Die Jahrestagung begegnet dieser Situation mit einem attraktiven Programm: Schon der Eröffnungsvortrag von Philipp Belcredi widmet sich unter dem Motto „Sicherheit im Change“ der aktuellen Transformationsdynamik. Dem folgt eine Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Institutionen, die von ecoplus-Routinier Harald Bleier moderiert wird.
Eigene Session mit Defense-Schwerpunkt
Vielversprechend ist die Themensetzung der nachmittäglichen Session zu „Sicherheit & Verteidigung“. Bruno Hofbauer, Generalleutnant des Österreichischen Bundesheers wird dabei über Ist-Stand und Entwicklungsmöglichkeiten des Defense-Sektors für die Wirtschaft sprechen und anschließend mit Generalmajor i.R. Andreas Pernsteiner, Andreas Kornherr (WKNÖ), Axel Schneeberger (Geschäftsführer der FH Wiener Neustadt) und Vertretern von Rüstungsunternehmen in Dialog treten.
In einem dazu parallelen Vortragsstrang werden Praxisbeispiele der Dekarbonisierung, u.a. von den Firmen Constantia Teich, EVN, Brantner Green Solutions und Voestalpine Gießerei, vorgestellt. Der Tag endet mit einem Abendvortrag des Philosophen Konrad Paul Liessmann zum Verhältnis von Mensch und Natur.
Es gibt noch freie Plätze. Anmeldung unter https://www.ecoplus.at/newsroom/jahrestagung-mission-klimaziele-2026-transformation-der-industrie-im-fokus
Pharmaindustrie braucht Investitions- und Planungssicherheit
01.06.26
von
Klaus Fischer
Angesichts des sich ändernden Umfelds sowie des zunehmenden Wettbewerbsdrucks ist eine strategisch ausgerichtete Gesundheitspolitik wichtiger denn je, hieß es bei der Pharmig-Generalversammlung.
Unter dem Motto „Connect & Inspire“ stand die diesjährige Generalversammlung des Pharmaindustrieverbands Pharmig im Wiener Museumsquartier. Und Pavol Dobrocky, der Präsident des Verbands sowie Generaldirektor des Boehringer Ingelheim Regional Center Vienna, stellte klar, das geopolitische und geoökonomische Umfeld der Branche sei in einem grundlegenden Wandel begriffen: „Deshalb ist es wichtiger denn je, Haltung zu zeigen und die Weichen für die Zukunft richtig zu stellen.“ Es gehe darum, die Wettbewerbsfähigkeit Europas sowie Österreichs zu fördern. Pharma und Life Sciences gehörten zu den Schlüsselbranchen des Landes, nicht zuletzt, indem sie die Versorgung der bevölkerung mit modernen Therapien gewährleisteten. „Wir brauchen Investitions- und Planungssicherheit. Die Life-Sciences-Strategie, zu deren Entwicklung sich die Bundesregierung bekennt, muss mehr sein als ein Stück Papier. Sie muss konkrete Maßnahmen und Zusagen enthalten, die in der Folge auch umzusetzen sind“, konstatierte Dobrocky. Die Strategie müsse die gesamte Wertschöpfungskette von der Produktion der Arzneimittel bis zu deren Verabreichung als ein System betrachten.
Pharmig-Generalsekretär Alexander Herzog ergänzte, eine der Voraussetzungen für einen leistungsfähigen Life-Sciences-Standort bestehe darin, „dass Forschung, Produktion und Versorgung entlang einer gemeinsamen Strategie gedacht und umgesetzt werden. Dabei ist es wesentlich, dass Standort-, Forschungs- und Gesundheitspolitik klar aufeinander abgestimmt sind“. Herzog verwies auf das Engagement der pharmazeutischen Unternehmen in Österreich, „die trotz schwerer Rahmenbedingungen weiterhin investieren und hier ihrem Versorgungsauftrag nachkommen“.
Patienten einbinden
Für eine verstärkte Zentralisierung der Spitäler und die vermehrte Schaffung von Exzellenzzentren plädierte Anita Kienesberger, die Obfrau der Allianz onkologischer Patientenorganisationen. Dabei müsse die europäische Perspektive intensiver in den Blick genommen werden: „Wir sollten nicht nur über Österreich reden, sondern europäischer denken und gesamteuropäische Instrumente nutzen.“ Im Gespräch mit dem Chemiereport ergänzte Kienesberger, bei einer besseren Einbindung der Patientenorganisationen würden sich manche Debatten über neue Spitäler in manchen Bundesländern erübrigen: „In der Sache kann es nur um mehr Zentralisierung und damit auch mehr Qualität gehen.“
Politisches „Commitment“
Alexander Pröll, der Staatssekretär im Bundeskanzleramt für Digitalisierung und öffentlichen Dienst sowie Regierungskoordinator der ÖVP, versicherte, Themen wie die zuverlässige Versorgung der Bevölkerung mit innovativen Medikamenten sowie die Sicherung des Standorts der Pharmaindustrie hätten für die Regierung „höchste Priorität“. Denn gerade der Pharmasektor sei „ein wirtschaftliches Rückgrat Österreichs“.
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer ergänzte in einer Videobotschaft, die Life-Sciences-Branche sei einer der neun Schwerpunkte der Industriestrategie und verfüge über ein „enormes Wachstumspotenzial“. Als nächsten Schritt der Bundesregierung zu deren Stärkung kündigte der Minister die Life-Sciences-Strategie an. Diese werde aus seiner, Hattmannsdorfers, Sicht drei Schwerpunkte enthalten: „Erstens die Erhöhung der Produktion und der Versorgungssicherheit sowie die Verringerung von Abhängigkeiten, zweitens die Stärkung der Innovationskraft und drittens die Erleichterung des Marktzugangs und von Investitionen.“
May 21st
BASF: „Coreshift“ soll Kerngeschäft stärken
21.05.26
von
Klaus Fischer
Mit dem Programm will der deutsche Chemiekonzern seine zahlungswirksamen Fixkosten in den Bereichen Chemicals, Materials, Industrial Solutions und Nutrition & Care bis 2029 um rund 20 Prozent senken.
Der deutsche Chemiekonzern BASF hat ein Programm zur Stärkung seines Kerngeschäfts eingeleitet. Mit „Coreshift“ will er die zahlungswirksamen Fixkosten in den Bereichen Chemicals, Materials, Industrial Solutions und Nutrition & Care bis 2029 um rund 20 Prozent senken, hieß es in einer Aussendung. Ein Betrag wurde nicht genannt. Die vier Bereiche erbringen laut der BASF etwa 40 Milliarden Euro Umsatz. Dies entspricht rund 67 Prozent des Gesamtumsatzes von 2025, der sich auf 59,66 Milliarden Euro belief. Im „Handelsblatt“ konstatierte Vorstandschef Markus Kamieth, der Großteil der Einsparungen werde auf das Personal entfallen. In der Aussendung erläuterte er, mit „Coreshift“ beabsichtige die BASF, in ihren Kerngeschäften (Core Businesses) „höchste Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen und Synergien bestmöglich zu nutzen, um die Ertragskraft dieser Geschäfte zu steigern“. Die Personalkosten des Konzerns machten 2025 etwa 12,29 Milliarden Euro aus. Ihren aktuellen Personalstand beziffert die BASF mit etwa 108.000 Personen. Verantwortlich für die Umsetzung von „Coreshift“ ist Julia Raquet, die Leiterin des eigens geschaffenen „Core Transformation Office“. Die 1975 geborene Managerin verbrachte ihr gesamtes Berufsleben bei der BASF.
Überdies beabsichtigt die BASF, ihr Silikategeschäft sowie nicht näher bezeichnete „Vermögenswerte am Standort Düsseldorf/Holthausen“ an die US-amerikanische PQ zu verkaufen. Finanzielle Details zu der Transaktion nannte der Konzern nicht. Abgeschlossen werden soll diese nach Erhalt der nötigen Genehmigungen im zweiten Halbjahr 2026. Die PQ hat ihren Hauptsitz in Malvern, gelegen etwa 30 Kilometer westlich von Philadelphia, der Hauptstadt es Bundesstaats Pennsylvania. Sie erwirtschaftet nach eigenen Angaben mit 1.500 Beschäftigten mehr als 800 Millionen US-Dollar (690 Millionen Euro). Tätig ist sie in 15 Ländern, darunter Deutschland.
Wie berichtet, erwirtschaftete die BASF im ersten Quartal 2026 einen Gewinn von rund 946 Millionen Euro, um 12,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Jedoch sank der Umsatz um etwa 3,0 Prozent auf 16,02 Milliarden Euro. Das EBITDA erhöhte sich um 5,6 Prozent auf 2,19 Milliarden Euro, das EBIT um 8,8 Prozent auf 1,26 Milliarden Euro. Der Free Cash Flow war mit minus 1,38 Milliarden Euro deutlich negativ. Laut dem Quartalsbericht belasteten Währungseffekte, „vor allem aus dem US-Dollar und dem chinesischen Renminbi, die Umsatzentwicklung aller Segmente. Die Preise sanken infolge von Wettbewerbsdruck in den Segmenten Chemicals, Materials, Industrial Solutions, Nutrition & Care sowie Agricultural Solutions“. Allerdings verzeichneten fast alle Segmente steigende Absätze. Eine Ausnahme bildete der Bereich Surface Technologies, wo indessen wegen höherer Edelmetallpreise gestiegene Absatzpreise verzeichnet wurden. Für das Gesamtjahr rechnet die BASF weiterhin mit einem EBITDA vor Sondereinflüssen zwischen 6,2 und 7,0 Milliarden Euro sowie einem Free Cashflow zwischen 1,5 und 2,3 Milliarden Euro. Das EBITDA vor Sondereinflüssen würde somit im schlimmsten Fall um rund 6,0 Prozent und im besten Fall um 6,0 Prozent steigen.
April 16th
Konjunktur: „Ein Plus, das nicht reicht“
16.04.26
von
Klaus Fischer
Die Bundessparte Industrie ist mit dem Produktionswert-Zuwachs von 3,0 Prozent im Jahr 2025 nicht zufrieden. Sie hat eine Reihe von Forderungen an die Politik, unter anderem die Anpassung des gesetzlichen Pensionsalters an die Lebenserwartung.
„Ein Plus, das nicht reicht“ – so beschrieb der Geschäftsführer der Bundessparte Industrie in der Wirtschaftskammer, Andreas Mörk, bei einer Pressekonferenz zur Konjunktur die Situation. Wohl habe Österreichs Industrie von 2024 auf 2025 eine Steigerung ihres Produktionswerts um 3,0 Prozent auf rund 209 Milliarden Euro verzeichnet. Doch dies genüge nicht, „um die massiven Verluste des Jahres davor zu kompensieren“. Von 2023 auf 2024 sank der Produktionswert nämlich um etwa 6,9 Prozent. Und außerdem, konstatierte Mörk, sei das mit dem Zuwachs im vergangenen Jahr so seine Sache: Preisbereinigt mit dem Erzeugerpreisindex (EPI) habe der Produktionswert von 2025 „zu den Preisen von 2021“ nämlich nur 180 Milliarden Euro betragen: „Das heißt, eigentlich haben wir in den vergangenen fünf Jahren 30 Milliarden Euro verloren.“
Und ohnehin sei die Produktionsleistung von sieben der 16 Fachverbände der Bundessparte gesunken. Nur bei der Chemiebranche, der Nahrungs- und Genussmittelindustrie sowie der Elektro- und Elektronikindustrie sei es gelungen, das Produktionsniveau von 2022 wieder zu erreichen. Zu berücksichtigen ist laut Mörk dabei, dass der Chemiesektor von 2022 auf 2023 einen regelrechten „Einbruch“ verzeichnet habe, ebenso wie die Elektro- und Elektronikindustrie von 2023 auf 2024. Und das nunmehrige Plus werde auch nur durch „einzelne, wenige Unternehmen“ getragen: „Das ist kein Flächenwachstum. Zum Teil gibt es massive Probleme.“ Dies zeigt sich laut Mörk auch bei der Beschäftigung: Seit November 2023 gingen seinen Angaben zufolge rund 25.000 Jobs in der Industrie verloren. Betroffen sei auch das Eigenpersonal, das etwa 95 Prozent der gesamten Belegschaft ausmache. Nicht eben überragend verlief ferner das erste Quartal 2026: „Immerhin geht es nicht weiter nach unten. Statt dessen sieht es nach einer Seitwärtsbewegung aus.“
SAG-Förderungen beantragen
Ähnlich äußerte sich Spartenobmann Siegfried Menz: „Die Lage der Industrie ist zwiegespalten. Einigen Unternehmen geht es sehr gut, vielen aber eher schlecht.“ Die Politik müsse dringend handeln, denn den Prognosen der Nationalbank zufolge „rutschen wir wieder in die Rezession“. Insbesondere fordert die Industrie laut Menz eine Senkung der Lohnnebenkosten um etwa zehn Milliarden Euro „auf deutsches Niveau“. Das gesetzliche Pensionsantrittsalter wiederum müsse „nach dem Vorbild Dänemarks“ erhöht werden. Auf Ersuchen der Redaktion konkretisierte Menz, die Regierung in Kopenhagen plane, dieses bis 2040 auf 70 Jahre zu steigern. Grundsätzlich gehe es darum, es der Lebenserwartung anzupassen. Darüber hinaus seien die Mittel für die Strompreiskompensation (Stromkostenausgleich, SAG) sowie den ab 2027 vorgesehenen „Industriestrompreis“ von 250 Millionen auf 500 Millionen Euro zu verdoppeln. Überdies ist Menz zufolge „eine klare Perspektive“ für die Zeit nach 2029 erforderlich.
Bekanntlich hatte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer die SAG-Förderungen freigegeben, ohne die Genehmigung der EU-Kommission abzuwarten. Auf Anfrage der Redaktion riet Geschäftsführer Mörk trotz der damit verbundenen rechtlichen Unsicherheiten und des Risikos möglicher Rückzahlungen, die Förderungen jedenfalls zu beantragen: „Die Rechtsunsicherheiten werden sich bald klären, und die jetzigen Anträge beziehen sich auf die Mittel für das vergangene Jahr.“ Wünsche hat die Wirtschaftskammer auch zum europäischen Emissionshandelssystem ETS. Die Industrie sollte die Gratiszertifikate auch über das Jahr 2039 hinaus bekommen. „Das muss so lange erfolgen, bis das System der CO2-Zölle, also der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM), funktioniert. Eine genaue Jahreszahl kann ich nicht nennen“, konstatierte Mörk auf die Frage der Redaktion.
March 6th
Bayer mit 42 Prozent mehr Verlust
06.03.26
von
Klaus Fischer
Der deutsche Pharma- und Agrochemiekonzern schrieb auch 2025 rote Zahlen. Laut Vorstandschef Bill Anderson kommt er „gut voran“. Es sei aber noch mancherlei zu tun.
Einen Verlust von rund 3,62 Milliarden Euro verzeichnete der deutsche Pharma- und Agrochemiekonzern Bayer im Jahr 2025, um 42 Prozent mehr als 2024. Der Umsatz belief sich auf 45,57 Milliarden Euro, um 2,2 Prozent weniger als 2024. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) brach um 80,4 Prozent auf 1,71 Milliarden Euro ein. Operativ verbuchte Bayer einen Verlust von 1,07 Milliarden Euro nach 71 Millionen Euro im Jahr 2024. Belastet wurde das EBIT nicht zuletzt durch Sonderaufwendungen von 6,18 Milliarden Euro, die „hauptsächlich“ im Zusammenhang mit Rechtsstreitigkeiten anfielen. Diese bezogen sich nicht zuletzt auf das umstrittene Pflanzenschutzmittel Roundup (Glyphosat). Die Zahl der Beschäftigten verringerte sich gegenüber 2024 weiter um rund fünf Prozent auf 88.078 Personen. Zum Vergleich: 2023 hatte Bayer eine weltweite Belegschaft von 99.723 Personen.
Im Geschäftsbereich Crop Sciences sank der Umsatz um 2,9 Prozent auf 21,62 Milliarden Euro. Das EBITDA brach auf -1,59 Milliarden Euro ein, nachdem es 2024 noch +3,97 Milliarden Euro betragen hatte. Verringert hat sich der operative Verlust: Er belief sich auf 2,53 Milliarden Euro, 2024 waren es 2,76 Millarden Euro gewesen. Laut dem Geschäftsbericht waren negative Währungseffekte von 208 Millionen Euro zu verzeichnen. Dazu kamen „negative regulatorische Effekte und höhere Aufwendungen für das konzernweite Short-Term-Incentive-Programm. Darüber hinaus wurde das Ergebnis durch strategische Maßnahmen, insbesondere Kosten der Portfoliofokussierung im Berichtsjahr sowie Veräußerungserlöse von Randgeschäften im Vorjahr, beeinflusst“. Dem standen ein nicht quantifiziertes „starkes Wachstum“ in der Geschäftseinheit „Maissaatgut und Pflanzeneigenschaften“ sowie die Reduktion von Kosten „durch unsere Effizienzprogramme“ gegenüber.
Xarelto-Umsatz bricht ein
Beim Geschäft mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln (Pharmaceuticals) verzeichnete Bayer einen Umsatzrückgang um 1,7 Prozent auf 17,83 Milliarden Euro. Das EBITDA verringerte sich um 1,0 Prozent auf 4,30 Milliarden Euro. Dem gegenüber erhöhte sich das operative Ergebnis um 12,1 Prozent auf 3,13 Milliarden Euro. Erklärt wird der EBIT-Zuwachs „maßgeblich“ durch die um 54,3 Prozent auf 264 Millionen Euro gesunkenen Sonderaufwendungen für die Restrukturierung des Geschäftsbereichs sowie die um 56,9 Prozent auf 267 Millionen Euro gesunkenen Wertminderungen. Die Umsätze mit dem vormaligen Hauptgeschäftstreiber, dem Gerinnungshemmer Xarelto, dessen Patente auslaufen, fielen um 31,6 Prozent auf 2,34 Milliarden Euro. Er lag damit unter den Umsatzbringern nur mehr an dritter Stelle. Den ersten Platz nahm das Augenpräparat Eylea mit 3,11 Milliarden Euro ein, dessen Umsatz allerdings um 3,7 Prozent sank. Den zweiten Platz belegte das Krebsmedikament Nubeqa mit 2,38 Milliarden Euro. Dieses hatte das mit 62,4 Prozent zweitstärkste Umsatzwachstum zu verzeichnen. Den größten Umsatzzuwachs verzeichnete mit 88,0 Prozent Kerendia, ein Arzneimittel gegen chronische Nierenerkrankung in Verbindung mit Typ-2-Diabetes sowie Herzinsuffizienz. Unter den Umsatzbringern lag das Mittel mit 829 Millionen Euro an fünfter Stelle nach dem Kontrazeptivum Mirena mit 1,37 Milliarden Euro.
Mit rezeptfreien Medikamenten (Geschäftsbereich Consumer Health) schließlich machte Bayer 2025 rund 5,80 Milliarden Euro Umsatz, um 1,2 Prozent weniger als 2024. Das EBITDA wuchs um 2,2 Prozent auf 1,29 Milliarden Euro, das EBIT fiel dem gegenüber um 11,3 Prozent auf 912 Millionen Euro. Als Grund nannte Bayer Sonderaufwendungen von 49 Millionen Euro, 2024 konnte der Konzern in diesem Bereich Sondererträge von 59 Millionen Euro lukrieren.
Anderson zufrieden
Vorstandschef Bill Anderson zeigte sich mit den Resultaten zufrieden: „Auf divisionaler Ebene ist Crop Science im ersten Jahr mit dem Programm zur Verbesserung der Ertragskraft vorangekommen. Die Fortschritte bei Pharmaceuticals werden immer deutlicher sichtbar – mit Produkteinführungen, die sich als Wachstumstreiber etablieren, und weiteren Produkten, deren Entwicklung hin zur Markteinführung vorankommt. Consumer Health litt durch schwache Märkte in den USA und China, konnte sein Margenziel aber erreichen.“ Insgesamt komme Bayer „überall im Unternehmen deutlich voran, wissen aber sehr genau, was in den unterschiedlichen Bereichen noch zu tun ist“. Das gelte zumal für die Rechtsstreitigkeiten um Roundup (Glyphosat). Anderson verwies in diesem Zusammenhang auf den in den USA angestrebten Sammelvergleich.
Für heuer stellte Anderson „solide Ergebnisse“ in Aussicht, „wobei Rückgänge bei Produkten von Pharmaceuticals und Crop Science durch Patentausläufe und Regulierungsentscheidungen in der EU durch die starken Ergebnisse von Produkteinführungen sowie unsere jährliche Portfolioaktualisierung kompensiert werden“. In Zahlen ausgedrückt heißt das: Der Umsatz soll mit 44 Milliarden bis 46 Milliarden Euro um 3,4 Prozent niedriger bis 0,9 Prozent höher als 2025 ausfallen. Das voraussichtliche EBITDA vor Sondereinflüssen beziffert Bayer mit 9,1 Milliarden bis 9,6 Milliarden Euro. Dieses würde somit um bis zu 5,9 Prozent fallen oder bestenfalls stagnieren.
Stern in den Aufsichtsrat
Geplant ist übrigens, bei der Hauptversammlung am 24. April den scheidenden OMV-Generaldirektor Alfred Stern in den Bayer-Aufsichtsrat zu wählen. Dieser bringt laut einer Aussendung „Führungserfahrung, tiefes Wissen über die DACH-Region sowie Expertise in Governance-, Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen in den Aufsichtsrat ein“.
February 18th
Glyphosat: Bayer will Sammelvergleich
18.02.26
von
Klaus Fischer
Der Pharma- und Agrochemiekonzern ist bereit, über 21 Jahre hinweg insgesamt bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar an angeblich Geschädigte zu zahlen. Ein Schuldeingeständnis sieht er darin nicht.
Einen Sammelvergleich zur Beilegung aktueller und künftiger Klagen im Zusammenhang mit dem umstrittenen Pflanzenschutzmittel Glyphosat (Produktname Roundup) will der Pharma- und Agrochemiekonzern Bayer in den USA schließen. Dem Konzern zufolge haben mehrere US-amerikanische Anwaltskanzleien, die die Klägerseite vertreten, die vorläufige Genehmigung des Vergleichs durch den Circuit Court of the City of St. Louis im US-Bundesstaat Missouri beantragt. Wann das Gericht entscheidet, ist offen, ebenso, obund wann eine endgültige Genehmigung erfolgt. Wenn diese vorliegt, zahlt die US-amerikanische Bayer-Tochter Monsanto, die für Glyphosat zuständig ist, über 21 Jahre hinweg maximal 7,25 Milliarden US-Dollar (6,12 Milliarden Euro) an die Kläger. In den kommenden fünf Jahren müsste Monsanto und damit in letzter Konsequenz Bayer jeweils etwa eine Milliarde Euro bezahlen. Danach würden die jährlichen Zahlungen laut Bayer „deutlich“ zurückgehen. Bayer müsste seine Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten von 7,8 auf 11,8 Milliarden Euro erhöhen. Damit würde der Free Cashflow heuer negativ ausfallen. Seine für 25. Feber angesetzte Bilanzpressekonferenz zum Jahr 2025 hat Bayer auf 4. März verschoben.
Laut Bayer ist die Finanzierung des Sammelvergleichs sowie weiterer Vergleiche, die sich auf Klagen im Zusammenhang mit angeblichen Umweltschäden durch polychlorierte Biphenyle (PCB) beziehen, durch eine Kreditlinie gesichert. Diese umfasst rund acht Milliarden US-Dollar (6,75 Milliarden Euro). Ausdrücklich betonte Bayer, die Vergleiche bezüglich Glyphosat dienten ausschließlich dazu, „die Rechtsstreitigkeiten einzudämmen, und sie enthalten keinerlei Schuldeingeständnis. Die weltweit führenden Regulierungsbehörden, etwa in den USA und der EU, haben auf Basis umfassender wissenschaftlicher Studien mehrfach festgestellt, dass glyphosatbasierte Herbizide sicher angewendet werden können und nicht krebserregend sind. Diese Mittel sind für Landwirte essenziell, um bezahlbare Lebensmittel zu produzieren“.
Wichtige Ergänzung
Bayer-Vorstandschef Bill Anderson konstatierte, der Konzern entscheide sich mit dem Sammelvergleich „für eine schnelle und weitreichende Eindämmung, statt die langwierigen gerichtlichen Auseinandersetzungen fortzusetzen, die noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen könnten“. Der Sammelvergleich sei eine wichtige Ergänzung zu dem beim Supreme Court der USA anhängigen Fall, bei dem es um den Vorrang US-amerikanischen Bundesrechts vor dem Recht der Bundesstaaten gehe. Der Vergleich umfasse den Großteil der im Laufen befindlichen Fälle sowie zukünftige Causen, die bis zu 16 Jahre nach seinem Abschluss vorgebracht werden könnten. Eine Entscheidung des Supreme Court zugunste von Bayer wiederum „würde auch Fälle abdecken, die von der Vergleichsvereinbarung nicht umfasst sind – darunter auch Urteile von erheblicher finanzieller Bedeutung für das Unternehmen, gegen die wir Rechtsmittel eingelegt haben. Zudem würden durch ein entsprechendes Urteil Anreize für Kläger reduziert werden, die Vergleichsvereinbarung abzulehnen“. Eine Anhörung vor dem Höchstgericht findet laut Anderson am 27. April statt.
Dass 2020 bereits einmal ein von Bayer angestrebter Vergleich platzte, spricht laut Anderson nicht gegen den neuerlichen Versuch, einen solchen zu schließen. Auch habe der Konzern aus der damaligen Angelegenheit gelernt und lege die nun angestrebte Vereinbarung anders an.
Langfristiges Entschädigungsprogramm
Bill Dodero, der Leiter Litigation sowie der Rechtsabteilung von Bayer in Nordamerika, erläuterte, bei dem Verfahren vor dem Supreme Court gehe es nicht zuletzt um die Aufhebung „erheblicher Schadenersatzurteile“. Ferner würden mit einem Urteil zugusten Bayers „aktuellen und künftigen Klagen die Grundlage entzogen, die sich auf eine angeblich fehlende Warnung nach dem Recht einzelner Bundesstaaten beziehen. Und das ist der zentrale Klagegrund bei allen bisherigen Roundup-Fällen“.
Der Sammelvergleich betreffe dem gegenüber „sämtliche Anspruchsgrundlagen aus Roundup-Klagen“, bei denen es die angebliche Verursachung von Non-Hodgin-Lymphom-Erkrankungen durch Glyphosat/Roundup gehe. Von dem 2020 angestrebten Sammelvergleich unterscheidet sich der nunmehr gewünschte wesentlich, betonte Dodero. Es gehe nun um ein „um ein langfristig angelegtes Entschädigungsprogramm, mit Mitteln für 21 Jahre, das so strukturiert ist, dass es in einem gemeinsamen Rahmen sowohl auf die Bedürfnisse heutiger als auch künftiger Kläger eingeht. Der frühere Vorschlag war ein kurzfristiges Programm, das für vier Jahre angelegt war und weniger Mittel umfasste. Zudem waren Rechtsstreitigkeiten nach der Vierjahresfrist von den Ergebnissen eines Wissenschaftsgremiums abhängig, das es dieses Mal nicht gibt. Es handelt sich also um ein übliches, langfristig angelegtes Entschädigungsprogramm, das so auch bei anderen großen Produkthaftungsfällen in den USA zum Einsatz gekommen ist“.
January 29th
Astrazeneca: Milliardeninvestition in China
29.01.26
von
Klaus Fischer
Rund 15 Milliarden US-Dollar (12,5 Milliarden Euro) will der britisch-schwedische Pharmakonzern Astrazeneca bis 2030 in seine Fabriken sowie Forschungseinrichtungen in China investieren. Das berichtete Generaldirektor Pascal Soriot anlässlich des Besuchs des britischen Premierministers Keir Starmer in der Volksrepublik. Nicht zuletzt gehe es um den Ausbau der Kapazitäten hinsichtlich Zelltherapien und Radiokonjugaten, präzisierte Soriot. Die Investitionen betreffen ihm zufolge die gesamte Wertschöpfungskette. Laut Soriot wird sich die Zahl der Beschäftigten von Astrazeneca in China mit den Investitionen von derzeit etwa 17.000 auf mehr als 20.000 Personen erhöhen. Unklar ist, ob die Gesamtsumme die bereits im vergangenen Jahr angekündigte Errichtung eines Forschungszentrums in Peking – der zweiten derartigen Einrichtung des Konzerns in China – umfasst, die rund 2,1 Milliarden Euro kosten wird. Mit den Medikamenten, die Astrazeneca erzeugt, wurden in der Volksrepublik 2025 etwa 68 Millionen Personen behandelt.
Premier Starmer von der Labour Party, der politisch alles andere als unumstritten ist, gab sich höchst erfreut: Die Investition trage dazu bei, in Großbritannien „tausende Arbeitsplätze“ zu erhalten. Sie fördere auch die dortige Forschungs- und Entwicklungstätigkeit und unterstütze damit „unseren weltweit erstklassigen Life-Sciences-Sektor“.
Nicht nur in China baut Astrazeneca seine Fabriken und Forschungseinrichtungen aus. Im vergangenen Jahr kündigte der Konzern an, bis 2030 umgerechnet etwa 41,8 Milliarden Euro in den USA investieren zu wollen, darunter eine Fabrik in Virginia zur Herstellung von Arzneimitteln gegen chronische Erkrankungen. Zum Vergleich: Dieser Betrag entspricht fast dem gesamten Umsatz, den Astrazeneca im Jahr 2024 erwirtschaftete. Er belief sich auf rund 45,2 Milliarden Euro.
January 15th
Chemiebranche begrüßt Auftaktveranstaltung der Critical Chemicals Alliance
15.01.26
von
Klaus Fischer
Laut dem Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs kommt die Alliance „zu einem entscheidenden Zeitpunkt“. Dem EU-Branchenverband Cefic zufolge ist sie ein „lebenswichtiger Schritt“.
Einhellig begrüßten Vertreter der österreichischen sowie der europäischen Chemieindustrie die erste Generalversammlung der Critical Chemicals Alliance der EU. Zu dieser hatte der für Industrie zuständige Vizepräsident der EU-Kommission, Stéphane Séjourné, in den Chemelot-Chemiepark in Limburg im Süden der Niederlande eingeladen. Die Alliance wurde am 8. Juli vergangenen Jahres im Rahmen des European Chemicals Industry Action Plan gegründet. Insbesondere soll sie Kriterien entwickeln, um Chemikalien zu identifizieren, die für die europäische Wirtschaft besonders wichtig sind. Ferner geht es darum, die Produktion solcher Substanzen in der EU sowie den Handel mit ihnen abzusichern.
Ulrich Wieltsch, der Obmann des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO), konstatierte aus Anlass der Generalversammlung, die Alliance sei „eine positive, wenn auch verspätete Reaktion auf die disruptiven globalen Entwicklungen der letzten Jahre“. Auch die österreichische Politik müsse die Chemiesparte „als systemrelevante Schlüsselbranche“ anerkennen. Wieltsch zufolge bringen hohe Kosten für Energie und Arbeitskräfte die Chemieindustrie im internationalen Wettbewerb unter Druck. Dazu kommt die zunehmende Konkurrenz vor allem aus China. „Die Critical Chemicals Alliance kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Wenn Europa seine industrielle Basis sichern und strategische Abhängigkeiten reduzieren will, braucht es eine starke chemische Industrie. Ohne Chemie gibt es keine Resilienz, keine Transformation und keine Versorgungssicherheit“, betonte Wieltsch.
„Lebenswichtiger Schritt“
Ähnlich äußerte sich der Generaldirektor des europäischen Chemieindustrieverbands Cefic, Marco Mensink. Er bezeichnete die Alliance als „lebenswichtigen Schritt, um die Chemieindustrie abzusichern“. Noch in der ersten Jahreshälfte seien entsprechende Maßnahmen notwendig. Es gehe um eine wettbewerbsfähige Produktion, um widerstandsfähige Lieferketten sowie eine starke industrielle Basis, die Innovation voranbringe und die wegen des Klimawandels erforderliche Umgestaltung der Wirtschaft unterstütze.
„Resilienz darf nicht nur als Versorgungssicherheit in Krisensituationen verstanden werden. Sie muss auch Europas Fähigkeit berücksichtigen, Wachstum, Innovation und technologischen Fortschritt zu befördern“, betonte Mensink. Nicht zuletzt gehe es um Energiepolitik und Carbon Management, das Schaffen von Nachfrage für Produkte der Kreislaufwirtschaft, den Schutz des Handels, regulatorische Vorgaben, die die Wirtschaft unterstützen sowie den leichteren Zugang zu Finanzierungsinstrumenten.