Archive - 2026
April 16th
Konjunktur: „Ein Plus, das nicht reicht“
16.04.26
von
Klaus Fischer
Die Bundessparte Industrie ist mit dem Produktionswert-Zuwachs von 3,0 Prozent im Jahr 2025 nicht zufrieden. Sie hat eine Reihe von Forderungen an die Politik, unter anderem die Anpassung des gesetzlichen Pensionsalters an die Lebenserwartung.
„Ein Plus, das nicht reicht“ – so beschrieb der Geschäftsführer der Bundessparte Industrie in der Wirtschaftskammer, Andreas Mörk, bei einer Pressekonferenz zur Konjunktur die Situation. Wohl habe Österreichs Industrie von 2024 auf 2025 eine Steigerung ihres Produktionswerts um 3,0 Prozent auf rund 209 Milliarden Euro verzeichnet. Doch dies genüge nicht, „um die massiven Verluste des Jahres davor zu kompensieren“. Von 2023 auf 2024 sank der Produktionswert nämlich um etwa 6,9 Prozent. Und außerdem, konstatierte Mörk, sei das mit dem Zuwachs im vergangenen Jahr so seine Sache: Preisbereinigt mit dem Erzeugerpreisindex (EPI) habe der Produktionswert von 2025 „zu den Preisen von 2021“ nämlich nur 180 Milliarden Euro betragen: „Das heißt, eigentlich haben wir in den vergangenen fünf Jahren 30 Milliarden Euro verloren.“
Und ohnehin sei die Produktionsleistung von sieben der 16 Fachverbände der Bundessparte gesunken. Nur bei der Chemiebranche, der Nahrungs- und Genussmittelindustrie sowie der Elektro- und Elektronikindustrie sei es gelungen, das Produktionsniveau von 2022 wieder zu erreichen. Zu berücksichtigen ist laut Mörk dabei, dass der Chemiesektor von 2022 auf 2023 einen regelrechten „Einbruch“ verzeichnet habe, ebenso wie die Elektro- und Elektronikindustrie von 2023 auf 2024. Und das nunmehrige Plus werde auch nur durch „einzelne, wenige Unternehmen“ getragen: „Das ist kein Flächenwachstum. Zum Teil gibt es massive Probleme.“ Dies zeigt sich laut Mörk auch bei der Beschäftigung: Seit November 2023 gingen seinen Angaben zufolge rund 25.000 Jobs in der Industrie verloren. Betroffen sei auch das Eigenpersonal, das etwa 95 Prozent der gesamten Belegschaft ausmache. Nicht eben überragend verlief ferner das erste Quartal 2026: „Immerhin geht es nicht weiter nach unten. Statt dessen sieht es nach einer Seitwärtsbewegung aus.“
SAG-Förderungen beantragen
Ähnlich äußerte sich Spartenobmann Siegfried Menz: „Die Lage der Industrie ist zwiegespalten. Einigen Unternehmen geht es sehr gut, vielen aber eher schlecht.“ Die Politik müsse dringend handeln, denn den Prognosen der Nationalbank zufolge „rutschen wir wieder in die Rezession“. Insbesondere fordert die Industrie laut Menz eine Senkung der Lohnnebenkosten um etwa zehn Milliarden Euro „auf deutsches Niveau“. Das gesetzliche Pensionsantrittsalter wiederum müsse „nach dem Vorbild Dänemarks“ erhöht werden. Auf Ersuchen der Redaktion konkretisierte Menz, die Regierung in Kopenhagen plane, dieses bis 2040 auf 70 Jahre zu steigern. Grundsätzlich gehe es darum, es der Lebenserwartung anzupassen. Darüber hinaus seien die Mittel für die Strompreiskompensation (Stromkostenausgleich, SAG) sowie den ab 2027 vorgesehenen „Industriestrompreis“ von 250 Millionen auf 500 Millionen Euro zu verdoppeln. Überdies ist Menz zufolge „eine klare Perspektive“ für die Zeit nach 2029 erforderlich.
Bekanntlich hatte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer die SAG-Förderungen freigegeben, ohne die Genehmigung der EU-Kommission abzuwarten. Auf Anfrage der Redaktion riet Geschäftsführer Mörk trotz der damit verbundenen rechtlichen Unsicherheiten und des Risikos möglicher Rückzahlungen, die Förderungen jedenfalls zu beantragen: „Die Rechtsunsicherheiten werden sich bald klären, und die jetzigen Anträge beziehen sich auf die Mittel für das vergangene Jahr.“ Wünsche hat die Wirtschaftskammer auch zum europäischen Emissionshandelssystem ETS. Die Industrie sollte die Gratiszertifikate auch über das Jahr 2039 hinaus bekommen. „Das muss so lange erfolgen, bis das System der CO2-Zölle, also der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM), funktioniert. Eine genaue Jahreszahl kann ich nicht nennen“, konstatierte Mörk auf die Frage der Redaktion.
March 6th
Bayer mit 42 Prozent mehr Verlust
06.03.26
von
Klaus Fischer
Der deutsche Pharma- und Agrochemiekonzern schrieb auch 2025 rote Zahlen. Laut Vorstandschef Bill Anderson kommt er „gut voran“. Es sei aber noch mancherlei zu tun.
Einen Verlust von rund 3,62 Milliarden Euro verzeichnete der deutsche Pharma- und Agrochemiekonzern Bayer im Jahr 2025, um 42 Prozent mehr als 2024. Der Umsatz belief sich auf 45,57 Milliarden Euro, um 2,2 Prozent weniger als 2024. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) brach um 80,4 Prozent auf 1,71 Milliarden Euro ein. Operativ verbuchte Bayer einen Verlust von 1,07 Milliarden Euro nach 71 Millionen Euro im Jahr 2024. Belastet wurde das EBIT nicht zuletzt durch Sonderaufwendungen von 6,18 Milliarden Euro, die „hauptsächlich“ im Zusammenhang mit Rechtsstreitigkeiten anfielen. Diese bezogen sich nicht zuletzt auf das umstrittene Pflanzenschutzmittel Roundup (Glyphosat). Die Zahl der Beschäftigten verringerte sich gegenüber 2024 weiter um rund fünf Prozent auf 88.078 Personen. Zum Vergleich: 2023 hatte Bayer eine weltweite Belegschaft von 99.723 Personen.
Im Geschäftsbereich Crop Sciences sank der Umsatz um 2,9 Prozent auf 21,62 Milliarden Euro. Das EBITDA brach auf -1,59 Milliarden Euro ein, nachdem es 2024 noch +3,97 Milliarden Euro betragen hatte. Verringert hat sich der operative Verlust: Er belief sich auf 2,53 Milliarden Euro, 2024 waren es 2,76 Millarden Euro gewesen. Laut dem Geschäftsbericht waren negative Währungseffekte von 208 Millionen Euro zu verzeichnen. Dazu kamen „negative regulatorische Effekte und höhere Aufwendungen für das konzernweite Short-Term-Incentive-Programm. Darüber hinaus wurde das Ergebnis durch strategische Maßnahmen, insbesondere Kosten der Portfoliofokussierung im Berichtsjahr sowie Veräußerungserlöse von Randgeschäften im Vorjahr, beeinflusst“. Dem standen ein nicht quantifiziertes „starkes Wachstum“ in der Geschäftseinheit „Maissaatgut und Pflanzeneigenschaften“ sowie die Reduktion von Kosten „durch unsere Effizienzprogramme“ gegenüber.
Xarelto-Umsatz bricht ein
Beim Geschäft mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln (Pharmaceuticals) verzeichnete Bayer einen Umsatzrückgang um 1,7 Prozent auf 17,83 Milliarden Euro. Das EBITDA verringerte sich um 1,0 Prozent auf 4,30 Milliarden Euro. Dem gegenüber erhöhte sich das operative Ergebnis um 12,1 Prozent auf 3,13 Milliarden Euro. Erklärt wird der EBIT-Zuwachs „maßgeblich“ durch die um 54,3 Prozent auf 264 Millionen Euro gesunkenen Sonderaufwendungen für die Restrukturierung des Geschäftsbereichs sowie die um 56,9 Prozent auf 267 Millionen Euro gesunkenen Wertminderungen. Die Umsätze mit dem vormaligen Hauptgeschäftstreiber, dem Gerinnungshemmer Xarelto, dessen Patente auslaufen, fielen um 31,6 Prozent auf 2,34 Milliarden Euro. Er lag damit unter den Umsatzbringern nur mehr an dritter Stelle. Den ersten Platz nahm das Augenpräparat Eylea mit 3,11 Milliarden Euro ein, dessen Umsatz allerdings um 3,7 Prozent sank. Den zweiten Platz belegte das Krebsmedikament Nubeqa mit 2,38 Milliarden Euro. Dieses hatte das mit 62,4 Prozent zweitstärkste Umsatzwachstum zu verzeichnen. Den größten Umsatzzuwachs verzeichnete mit 88,0 Prozent Kerendia, ein Arzneimittel gegen chronische Nierenerkrankung in Verbindung mit Typ-2-Diabetes sowie Herzinsuffizienz. Unter den Umsatzbringern lag das Mittel mit 829 Millionen Euro an fünfter Stelle nach dem Kontrazeptivum Mirena mit 1,37 Milliarden Euro.
Mit rezeptfreien Medikamenten (Geschäftsbereich Consumer Health) schließlich machte Bayer 2025 rund 5,80 Milliarden Euro Umsatz, um 1,2 Prozent weniger als 2024. Das EBITDA wuchs um 2,2 Prozent auf 1,29 Milliarden Euro, das EBIT fiel dem gegenüber um 11,3 Prozent auf 912 Millionen Euro. Als Grund nannte Bayer Sonderaufwendungen von 49 Millionen Euro, 2024 konnte der Konzern in diesem Bereich Sondererträge von 59 Millionen Euro lukrieren.
Anderson zufrieden
Vorstandschef Bill Anderson zeigte sich mit den Resultaten zufrieden: „Auf divisionaler Ebene ist Crop Science im ersten Jahr mit dem Programm zur Verbesserung der Ertragskraft vorangekommen. Die Fortschritte bei Pharmaceuticals werden immer deutlicher sichtbar – mit Produkteinführungen, die sich als Wachstumstreiber etablieren, und weiteren Produkten, deren Entwicklung hin zur Markteinführung vorankommt. Consumer Health litt durch schwache Märkte in den USA und China, konnte sein Margenziel aber erreichen.“ Insgesamt komme Bayer „überall im Unternehmen deutlich voran, wissen aber sehr genau, was in den unterschiedlichen Bereichen noch zu tun ist“. Das gelte zumal für die Rechtsstreitigkeiten um Roundup (Glyphosat). Anderson verwies in diesem Zusammenhang auf den in den USA angestrebten Sammelvergleich.
Für heuer stellte Anderson „solide Ergebnisse“ in Aussicht, „wobei Rückgänge bei Produkten von Pharmaceuticals und Crop Science durch Patentausläufe und Regulierungsentscheidungen in der EU durch die starken Ergebnisse von Produkteinführungen sowie unsere jährliche Portfolioaktualisierung kompensiert werden“. In Zahlen ausgedrückt heißt das: Der Umsatz soll mit 44 Milliarden bis 46 Milliarden Euro um 3,4 Prozent niedriger bis 0,9 Prozent höher als 2025 ausfallen. Das voraussichtliche EBITDA vor Sondereinflüssen beziffert Bayer mit 9,1 Milliarden bis 9,6 Milliarden Euro. Dieses würde somit um bis zu 5,9 Prozent fallen oder bestenfalls stagnieren.
Stern in den Aufsichtsrat
Geplant ist übrigens, bei der Hauptversammlung am 24. April den scheidenden OMV-Generaldirektor Alfred Stern in den Bayer-Aufsichtsrat zu wählen. Dieser bringt laut einer Aussendung „Führungserfahrung, tiefes Wissen über die DACH-Region sowie Expertise in Governance-, Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen in den Aufsichtsrat ein“.
February 18th
Glyphosat: Bayer will Sammelvergleich
18.02.26
von
Klaus Fischer
Der Pharma- und Agrochemiekonzern ist bereit, über 21 Jahre hinweg insgesamt bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar an angeblich Geschädigte zu zahlen. Ein Schuldeingeständnis sieht er darin nicht.
Einen Sammelvergleich zur Beilegung aktueller und künftiger Klagen im Zusammenhang mit dem umstrittenen Pflanzenschutzmittel Glyphosat (Produktname Roundup) will der Pharma- und Agrochemiekonzern Bayer in den USA schließen. Dem Konzern zufolge haben mehrere US-amerikanische Anwaltskanzleien, die die Klägerseite vertreten, die vorläufige Genehmigung des Vergleichs durch den Circuit Court of the City of St. Louis im US-Bundesstaat Missouri beantragt. Wann das Gericht entscheidet, ist offen, ebenso, obund wann eine endgültige Genehmigung erfolgt. Wenn diese vorliegt, zahlt die US-amerikanische Bayer-Tochter Monsanto, die für Glyphosat zuständig ist, über 21 Jahre hinweg maximal 7,25 Milliarden US-Dollar (6,12 Milliarden Euro) an die Kläger. In den kommenden fünf Jahren müsste Monsanto und damit in letzter Konsequenz Bayer jeweils etwa eine Milliarde Euro bezahlen. Danach würden die jährlichen Zahlungen laut Bayer „deutlich“ zurückgehen. Bayer müsste seine Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten von 7,8 auf 11,8 Milliarden Euro erhöhen. Damit würde der Free Cashflow heuer negativ ausfallen. Seine für 25. Feber angesetzte Bilanzpressekonferenz zum Jahr 2025 hat Bayer auf 4. März verschoben.
Laut Bayer ist die Finanzierung des Sammelvergleichs sowie weiterer Vergleiche, die sich auf Klagen im Zusammenhang mit angeblichen Umweltschäden durch polychlorierte Biphenyle (PCB) beziehen, durch eine Kreditlinie gesichert. Diese umfasst rund acht Milliarden US-Dollar (6,75 Milliarden Euro). Ausdrücklich betonte Bayer, die Vergleiche bezüglich Glyphosat dienten ausschließlich dazu, „die Rechtsstreitigkeiten einzudämmen, und sie enthalten keinerlei Schuldeingeständnis. Die weltweit führenden Regulierungsbehörden, etwa in den USA und der EU, haben auf Basis umfassender wissenschaftlicher Studien mehrfach festgestellt, dass glyphosatbasierte Herbizide sicher angewendet werden können und nicht krebserregend sind. Diese Mittel sind für Landwirte essenziell, um bezahlbare Lebensmittel zu produzieren“.
Wichtige Ergänzung
Bayer-Vorstandschef Bill Anderson konstatierte, der Konzern entscheide sich mit dem Sammelvergleich „für eine schnelle und weitreichende Eindämmung, statt die langwierigen gerichtlichen Auseinandersetzungen fortzusetzen, die noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen könnten“. Der Sammelvergleich sei eine wichtige Ergänzung zu dem beim Supreme Court der USA anhängigen Fall, bei dem es um den Vorrang US-amerikanischen Bundesrechts vor dem Recht der Bundesstaaten gehe. Der Vergleich umfasse den Großteil der im Laufen befindlichen Fälle sowie zukünftige Causen, die bis zu 16 Jahre nach seinem Abschluss vorgebracht werden könnten. Eine Entscheidung des Supreme Court zugunste von Bayer wiederum „würde auch Fälle abdecken, die von der Vergleichsvereinbarung nicht umfasst sind – darunter auch Urteile von erheblicher finanzieller Bedeutung für das Unternehmen, gegen die wir Rechtsmittel eingelegt haben. Zudem würden durch ein entsprechendes Urteil Anreize für Kläger reduziert werden, die Vergleichsvereinbarung abzulehnen“. Eine Anhörung vor dem Höchstgericht findet laut Anderson am 27. April statt.
Dass 2020 bereits einmal ein von Bayer angestrebter Vergleich platzte, spricht laut Anderson nicht gegen den neuerlichen Versuch, einen solchen zu schließen. Auch habe der Konzern aus der damaligen Angelegenheit gelernt und lege die nun angestrebte Vereinbarung anders an.
Langfristiges Entschädigungsprogramm
Bill Dodero, der Leiter Litigation sowie der Rechtsabteilung von Bayer in Nordamerika, erläuterte, bei dem Verfahren vor dem Supreme Court gehe es nicht zuletzt um die Aufhebung „erheblicher Schadenersatzurteile“. Ferner würden mit einem Urteil zugusten Bayers „aktuellen und künftigen Klagen die Grundlage entzogen, die sich auf eine angeblich fehlende Warnung nach dem Recht einzelner Bundesstaaten beziehen. Und das ist der zentrale Klagegrund bei allen bisherigen Roundup-Fällen“.
Der Sammelvergleich betreffe dem gegenüber „sämtliche Anspruchsgrundlagen aus Roundup-Klagen“, bei denen es die angebliche Verursachung von Non-Hodgin-Lymphom-Erkrankungen durch Glyphosat/Roundup gehe. Von dem 2020 angestrebten Sammelvergleich unterscheidet sich der nunmehr gewünschte wesentlich, betonte Dodero. Es gehe nun um ein „um ein langfristig angelegtes Entschädigungsprogramm, mit Mitteln für 21 Jahre, das so strukturiert ist, dass es in einem gemeinsamen Rahmen sowohl auf die Bedürfnisse heutiger als auch künftiger Kläger eingeht. Der frühere Vorschlag war ein kurzfristiges Programm, das für vier Jahre angelegt war und weniger Mittel umfasste. Zudem waren Rechtsstreitigkeiten nach der Vierjahresfrist von den Ergebnissen eines Wissenschaftsgremiums abhängig, das es dieses Mal nicht gibt. Es handelt sich also um ein übliches, langfristig angelegtes Entschädigungsprogramm, das so auch bei anderen großen Produkthaftungsfällen in den USA zum Einsatz gekommen ist“.
January 29th
Astrazeneca: Milliardeninvestition in China
29.01.26
von
Klaus Fischer
Rund 15 Milliarden US-Dollar (12,5 Milliarden Euro) will der britisch-schwedische Pharmakonzern Astrazeneca bis 2030 in seine Fabriken sowie Forschungseinrichtungen in China investieren. Das berichtete Generaldirektor Pascal Soriot anlässlich des Besuchs des britischen Premierministers Keir Starmer in der Volksrepublik. Nicht zuletzt gehe es um den Ausbau der Kapazitäten hinsichtlich Zelltherapien und Radiokonjugaten, präzisierte Soriot. Die Investitionen betreffen ihm zufolge die gesamte Wertschöpfungskette. Laut Soriot wird sich die Zahl der Beschäftigten von Astrazeneca in China mit den Investitionen von derzeit etwa 17.000 auf mehr als 20.000 Personen erhöhen. Unklar ist, ob die Gesamtsumme die bereits im vergangenen Jahr angekündigte Errichtung eines Forschungszentrums in Peking – der zweiten derartigen Einrichtung des Konzerns in China – umfasst, die rund 2,1 Milliarden Euro kosten wird. Mit den Medikamenten, die Astrazeneca erzeugt, wurden in der Volksrepublik 2025 etwa 68 Millionen Personen behandelt.
Premier Starmer von der Labour Party, der politisch alles andere als unumstritten ist, gab sich höchst erfreut: Die Investition trage dazu bei, in Großbritannien „tausende Arbeitsplätze“ zu erhalten. Sie fördere auch die dortige Forschungs- und Entwicklungstätigkeit und unterstütze damit „unseren weltweit erstklassigen Life-Sciences-Sektor“.
Nicht nur in China baut Astrazeneca seine Fabriken und Forschungseinrichtungen aus. Im vergangenen Jahr kündigte der Konzern an, bis 2030 umgerechnet etwa 41,8 Milliarden Euro in den USA investieren zu wollen, darunter eine Fabrik in Virginia zur Herstellung von Arzneimitteln gegen chronische Erkrankungen. Zum Vergleich: Dieser Betrag entspricht fast dem gesamten Umsatz, den Astrazeneca im Jahr 2024 erwirtschaftete. Er belief sich auf rund 45,2 Milliarden Euro.
January 15th
Chemiebranche begrüßt Auftaktveranstaltung der Critical Chemicals Alliance
15.01.26
von
Klaus Fischer
Laut dem Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs kommt die Alliance „zu einem entscheidenden Zeitpunkt“. Dem EU-Branchenverband Cefic zufolge ist sie ein „lebenswichtiger Schritt“.
Einhellig begrüßten Vertreter der österreichischen sowie der europäischen Chemieindustrie die erste Generalversammlung der Critical Chemicals Alliance der EU. Zu dieser hatte der für Industrie zuständige Vizepräsident der EU-Kommission, Stéphane Séjourné, in den Chemelot-Chemiepark in Limburg im Süden der Niederlande eingeladen. Die Alliance wurde am 8. Juli vergangenen Jahres im Rahmen des European Chemicals Industry Action Plan gegründet. Insbesondere soll sie Kriterien entwickeln, um Chemikalien zu identifizieren, die für die europäische Wirtschaft besonders wichtig sind. Ferner geht es darum, die Produktion solcher Substanzen in der EU sowie den Handel mit ihnen abzusichern.
Ulrich Wieltsch, der Obmann des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO), konstatierte aus Anlass der Generalversammlung, die Alliance sei „eine positive, wenn auch verspätete Reaktion auf die disruptiven globalen Entwicklungen der letzten Jahre“. Auch die österreichische Politik müsse die Chemiesparte „als systemrelevante Schlüsselbranche“ anerkennen. Wieltsch zufolge bringen hohe Kosten für Energie und Arbeitskräfte die Chemieindustrie im internationalen Wettbewerb unter Druck. Dazu kommt die zunehmende Konkurrenz vor allem aus China. „Die Critical Chemicals Alliance kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Wenn Europa seine industrielle Basis sichern und strategische Abhängigkeiten reduzieren will, braucht es eine starke chemische Industrie. Ohne Chemie gibt es keine Resilienz, keine Transformation und keine Versorgungssicherheit“, betonte Wieltsch.
„Lebenswichtiger Schritt“
Ähnlich äußerte sich der Generaldirektor des europäischen Chemieindustrieverbands Cefic, Marco Mensink. Er bezeichnete die Alliance als „lebenswichtigen Schritt, um die Chemieindustrie abzusichern“. Noch in der ersten Jahreshälfte seien entsprechende Maßnahmen notwendig. Es gehe um eine wettbewerbsfähige Produktion, um widerstandsfähige Lieferketten sowie eine starke industrielle Basis, die Innovation voranbringe und die wegen des Klimawandels erforderliche Umgestaltung der Wirtschaft unterstütze.
„Resilienz darf nicht nur als Versorgungssicherheit in Krisensituationen verstanden werden. Sie muss auch Europas Fähigkeit berücksichtigen, Wachstum, Innovation und technologischen Fortschritt zu befördern“, betonte Mensink. Nicht zuletzt gehe es um Energiepolitik und Carbon Management, das Schaffen von Nachfrage für Produkte der Kreislaufwirtschaft, den Schutz des Handels, regulatorische Vorgaben, die die Wirtschaft unterstützen sowie den leichteren Zugang zu Finanzierungsinstrumenten.