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October 4th, 2017
Schockgefrorene Biomoleküle
Dem Schweizer Jacques Dubochet, dem in den USA wirkenden Deutschen Joachim Frank und dem Briten Richard Henderson wurde für ihre Arbeiten auf dem Gebiet der Kryoelektronenmikroskopie der Nobelpreis für Chemie zuerkannt.
Die Arbeit der diesjährigen Chemie-Nobelpreisträger trug maßgeblich dazu bei, die Elektronenmikroskopie zu einem wichtigen Werkzeug der Aufklärung dreidimensionaler Strukturen von Biomolekülen und ihren supramolekularen Aggregate zu machen. Ausgangspunkt dafür waren die Arbeiten, die Henderson bereits in den 70er-Jahren an der Universität Cambridge zu membrangebundenen Proteinen durchführte. Biomoleküle dieses Typs ließen sich nur schwer von ihrer natürlichen Umgebung trennen und in kristalline Form bringen, wie es für die Röntgenstrukturanalyse notwendig gewesen wäre. Henderson wechselte daher zu der damals für diesen Zweck wenig vielsprechenden Elektronenmikroskopie. Schon 1975 konnte er zeigen, dass sich die Kette des Proteins Bacteriorhodopsin siebenmal durch die Bakterienmembran schlängelt. Über die Jahrzehnte verbesserte er die Auflösung der Methode immer weiter, bis er 1990 der erste war, der eine elektronenmikroskopische Aufnahme eines Biomoleküls mit atomarer Auflösung erzeugen konnte.
Wichtige Zutaten: Abkühlen und Rechnen
Wesentlich dazu beigetragen hat eine Technik, die Jacques Dubochet Anfang der 80er-Jahre entwickelt hat: Ihm gelang es, wässrige Proteinlösungen so schnell abzukühlen, dass ein glasartiger Zustand entsteht, in dem die Biomoleküle ihre natürliche Gestalt behalten – eine Methodik, die bald als Kryoelektronenmikroskopie bekannt wurde. Dem Schweizer gelang es auf diese Weise, Bilder von Viren mit dem sie umgebenden wässrigen medium zu erzeugen.
Eine weitere Zutat zum Erfolg der Technologie entwickelte Joachim Frank. Er beschäftigte sich ab Mitte der 70er-Jahre mit Bildverarbeitungs-Methoden, die es gestatteten, aus verwaschenen zweidimensionalen Abbildungen eines Biomoleküls, aufgenommen aus verschiedenen Winkeln, die dreidimensionale Struktur zu errechnen. Die Bemühungen aller drei Forscher wirkten zusammen, um jene Vorteile der Elektronenmikroskopie zu erzielen, die den Biowissenschaften heute neue Perspektiven eröffnen: Momentaufnehmen jener molekularen Strukturen machen zu können, die die Prozesse in lebenden Zellen tragen.
Lanxess schließt Fabrik in Amsterdam
04.10.17
von
Klaus Fischer
Rund 100 Beschäftigte könnten ihren Arbeitsplatz verlieren. Lanxess hatte den Standort im Zug der Akquise von Chemtura im April erworben.
„Spätestens zum November 2018“ beendet der deutsche Spezialchemikalienkonzern Lanxess seine Produktion in Ankerweg in Amsterdam. Das meldete Lanxess in einer Aussendung. Etwa 100 Personen könnten durch die Fabriksschließung ihre Arbeitsplätze verlieren. Laut Anno Borkowsky, dem Leiter des Geschäftsbereichs Additives, „gilt es, gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern verantwortungsvolle Lösungen für die von der geplanten Schließung betroffenen Mitarbeiter zu finden.“ Lanxess verhandle darüber bereits mit der Gewerkschaft.
Der deutsche Konzern hatte Ankerweg im Zug der Übernahme des US-amerikanischen Chemiekonzerns Chemtura erworben. Erzeugt werden dort hauptsächlich Wirkstoffe für ein Agrochemieunternehmen sowie Basisöle für industrielle Schmierstoffe. Die Wirkstofffertigung endet vertragsgemäß im November kommenden Jahres. Die Basisölproduktion alleine rechnet sich laut Borkowsky nicht. Außerdem kann Lanxess die fraglichen Substanzen in seiner kanadischen Fabrik in Elmira etwa 100 Kilometer südwestlich von Toronto in ausreichendem Maß erzeugen.
Lanxess akquirierte Chemtura mit seinen rund 2.500 Beschäftigten im April des heurigen Jahres. Aus der Transaktion sollen sich bis 2020 sogenannte Synergien um Ausmaß von rund 100 Millionen Euro ergeben.
October 3rd
Physik-Nobelpreis 2017 für Nachweis von Gravitationswellen
Die in den USA tätigen Forscher Rainer Weiss, Barry Barish und Kip Thorne erhalten für den Nachweis von Gravitationswellen den diesjährigen Nobelpreis für Physik.
Die Auszeichnung kommt nicht überraschend: Der Nachweis von Gravitationswellen im September 2015, 100 Jahre nachdem Albert Einstein diese als Konsequenz seiner Allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagt hatte, brachte die Frucht der Leistungen der diesjährigen Physik-Nobelpreisträger bis in Tageszeitungen und Unterrichtsstunden. Als man am LIGO (Laser Interferometer Gravitational-Wave Observatory) das sehr schwache Signal einer Kollision zweier schwarzer Löcher vor rund 1,3 Milliarden Jahren detektierte, war dies nur möglich, weil über Jahrzehnte zahlreiche Vorarbeiten den Boden dafür aufbereitet hatten.
Gravitationswellen sind periodische Deformationen der Raumzeit, die sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten. Die Messung der theoretisch vorhergesagten, aber äußerst schwachen Signale wurde lange Zeit für unmöglich gehalten. Rainer Weiss, ein gebürtiger Deutscher, der sein Doktorat am Massachusetts Institute of Technology erworben hatte, analysierte schon in den 70er-Jahren mögliche Störsignale und brachte die Idee auf, diese mit einem Laser-basierten Interferometer zu umgehen. Gemeinsam mit Kip Thorne und dessen damaligem Mitarbeiter Ronald Drever wurde der erste Prototyp eines solchen Instruments gebaut. Es sollte noch Jahrzehnten dauern, um die letztlich verwendeten Zwillings-Interferometer, jedes mit vier Kilometer langen Armen und 3.000 Kilometer voneinander entfernt, zu realisieren. Throne lieferte dazu Analyse und Theorie, Weiss den instrumentellen Einfallsreichtum.
Vom Laborexperiment zum wissenschaftlichen Großprojekt
Barry Barish kam Mitte der 90er-Jahre ins Spiel, als es darum ging, die Laborexperimente in die benötigte Großinfrastruktur zu transformieren. Seine Aufgabe war, die dafür benötigte Expertise ausfindig zu machen und zahlreiche Forschungsgruppen aus vielen Ländern für das Projekt zu gewinnen. Seine Auszeichnung steht auch symbolisch für die mehr als 1.000 Wissenschaftler, die an der LIGO Scientific Collaboration mitarbeiten. Die Forscher erwarten sich von der Beobachtung von Gravitationswellen nun eine ganz neue Art, Ereignisse im Universum zu detektieren und die Vorhersagen von Theorien zu testen.
Im September 2015 konnte erstmals Gravitationswellen detektiert werden, die durch einen Zusammenstoß zweier schwarzer Löcher vor 1,3 Milliarden Jahren verursacht wurden.
KMUs: Weiter Probleme mit REACH
03.10.17
von
Klaus Fischer
Vor allem über die Registrierungskosten gibt es Klagen, zeigt eine neue Studie im Auftrag der ECHA.
So wirklich wohl fühlen sich die von REACH betroffenen Klein- und Mittelbetriebe mit dem EU-Chemikalienmanagementsystem offenbar nach wie vor nicht. Das zeigt eine neue Studie im Auftrag der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA). Ihr zufolge haben europaweit rund 35.000 KMUs Registrierungspflichten im Rahmen von REACH. An der Umfrage beteiligten sich 819, von denen 732 die per E-Mail zugesandten Fragebögen ganz oder wenigstens teilweise ausfüllten. Auf die Frage, ob ihnen REACH bekannt sei, antworteten insgesamt 730, davon 96 Prozent mit Ja. Rund 31 Prozent verlauteten, durch die ECHA auf das Thema aufmerksam geworden zu sein, 19 durch den jeweiligen nationalen (Chemie-)Wirtschaftsverband, 14 Prozent durch die Behörden der Nationalstaaten, die verbleibenden 36 Prozent durch andere Quellen. Immerhin 91 Prozent ist die nächste und damit letzte Registrierungsdeadline bekannt, der 31. Mai kommenden Jahres. Registrierungspflichtig ist, wer Stoffe in einer Menge zwischen einer und 100 Tonnen pro Jahr in der EU erzeugt oder in die EU importiert.
Rund 35 Prozent der antwortenden Unternehmen haben festgestellt, dass sie einen oder mehrere Stoffe registrieren müssen. Etwa 13 Prozent gehen von einer Verpflichtung aus, sind aber noch dabei, dies zu verifizieren. Dem gegenüber sind 31 Prozent nach entsprechender Prüfung sicher, keinen Stoff registrieren zu müssen. Um die 21 Prozent glauben, keine entsprechende Verpflichtung zu haben, müssen dies aber noch endgültig klären.
Deutlich zeigt die Umfrage auch, dass die Kosten für die Registrierung ein wesentlicher Faktor bei der Entscheidung sind, ob jemand einen Stoff tatsächlich registriert oder dessen Produktion bzw. den Import aufgibt. Auf einer Skala von 0 (kein Einfluss auf die Entscheidung) bis 10 (maßgeblicher Einfluss) entfielen auf die Ordnungszahl 10 etwa 36 Prozent der Antworten, auf 9 rund 15 Prozent und auf 8 gut neun Prozent. Dem gegenüber konstatierten nur sechs Prozent der Antwortenden, die Kosten hätten keinerlei Einfluss auf die Entscheidung. Ferner gaben 65 Prozent der antwortenden Unternehmen bekannt, sie wollten zwischen zehn und 30 Prozent der von ihnen erzeugten bzw. importierten Stoffe vom Markt nehmen, um sie nicht registrieren zu müssen. Immerhin elf Prozent wollen ihre Produktions- bzw. Importtätigkeit komplett einstellen.
Die ECHA konstatierte zu der Studie, sie bemühe sich, den KMUs beim Umgang mit REACH zu helfen. Bereits seit 2010 seien einschlägige Aktivitäten im Gang.
Hansen folgt Dancet
Unterdessen hat das Management Board der ECHA den Nachfolger Geert Dancets als Exekutivdirektor der Agentur nominiert. Es handelt sich um den Dänen Björn Hansen, der seit 2003 in der Chemieabteilung der Generaldirektion Umwelt der EU-Kommission tätig ist und diese derzeit leitet. Hansen soll seine fünfjährige Funktionsperiode Anfang 2018 antreten. Die Vertragsunterzeichnung ist für die Sitzung des Management Boards am 14. und 15. Dezember geplant. Zuvor findet noch eine Anhörung vor dem Europäischen Parlament statt, die aber keinen Einfluss mehr auf die Entscheidung hat.
October 2nd
Nobelpreis für Medizin für Erklärung der „biologischen Uhr“
Der diesjährige Nobelpreis für Medizin oder Physiologie geht an die US-Forscher Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young, die die molekularen Mechanismen des Tag-Nacht-Rhythmus lebender Zellen aufklären konnten.
Schon seit langem war bekannt, dass zahlreiche physiologische Vorgänge bei Mensch, Tier und Pflanze einer inneren Uhr oder – wie die Biologen sagen – einem „circadianen Rhythmus folgen“. In den 70er-Jahren begann man, nach den genetischen Voraussetzungen für derartige Rhythmen zu fragen. Den diesjährigen Nobel-Laureaten gelang es, die dahinter stehenden Mechanismen auf molekularer Ebene schrittweise aufzuklären.
Zunächst isolierten Hall, Rosbash und Young ein „period“ genanntes Gen, dessen mutierte Versionen bewirken, dass der biologische Rhythmus von Fruchtfliegen gestört wird. Im nächsten Schritt konnte man zeigen, dass dieses Gen für ein Protein namens PER codiert, das sich in der Nacht in der Zelle ansammelt, tagsüber jedoch abgebaut wird.
Als Mechanismus für diese Verhalten schlugen Hall und Rosbah vor, dass PER seine eigene Synthese hemmt: Je mehr davon da ist, desto weniger wird also erzeugt. Damit das Protein in dieser Weise wirken kann, muss es allerdings vom Cytoplasma in den Zellkern gelangen. Young zeigte, dass dies durch Wechselwirkung mit einem zweiten Protein („TIM“) möglich wird, das von einem weiteren circadianen Gen namens „timeless“ codiert wurde. Schließlich gelang die Entdeckung eines dritten für das Funktionieren der biologischen Uhr wichtigen Gens namens „doubletime“, das für das Protein DBT codiert und über dieses hilft, die Oszillationen besser an den erforderlichen 24-Stunden-Rhythmus zu adaptieren.
Covestro außer Bayer-Kontrolle
02.10.17
von
Klaus Fischer
Der deutsche Chemiekonzern hat die Direktbeteiligung an seinem ehemaligen Material-Sciences-Bereich auf 24,6 Prozent vermindert.
Der deutsche Chemiekonzern Bayer verkaufte rund 6,9 Prozent der Aktien der Covestro AG um etwa eine Milliarde Euro. Seine Direktbeteiligung an seinem ehemaligen Bereich Material Sciences beläuft sich nunmehr auf 24,6 Prozent, womit die Kontrolle „endgültig abgegeben“ wurde, berichtete Bayer. Über die Direktanteile hinaus besitzt der Konzern über seinen „Pension Trust“ weitere 8,9 Prozent an Covestro und kontrolliert somit insgesamt 33,5 Prozent. Wie Bayer mitteilte, wurde aber ein „sogenannter Entherrschungsvertrag abgeschlossen, mit dem Bayer verbindlich auf die Ausübung bestimmter Stimmrechte bei der Covestro-Hauptversammlung verzichtet. Damit wird sichergestellt, dass Covestro im Bayer-Konzernabschluss nicht mehr voll konsolidiert werden muss“. Die Käufer der nun veräußerten Aktien müssen diese bis mindestens 11. Dezember behalten. Bis dahin trägt Bayer nach eigenen Aussagen das Kursrisiko.
Ein an die neue Lage angepasster Konzernausblick wird bei der Bekanntgabe der Ergebnisse des 3. Quartals 2017 am 26. Oktober veröffentlicht. Bayer-Vorstandsvorsitzender Werner Baumann verlautete, mit dem Aktienverkauf „sind wir unserem Ziel, uns mittelfristig vollständig von Covestro zu trennen, einen großen Schritt nähergekommen“.
Brauchen kann Baumann den Verkaufserlös zweifellos. Vorbehaltlich der Genehmigung durch die EU-Kommission muss er im kommenden Jahr die Übernahme des US-Agrarkonzerns Monsanto stemmen.
September 28th
BASF verkauft Produktion in Pischelsdorf
BASF verkauft die in Pischelsdorf (Niederösterreich) angesiedelte Produktion von Dispersionen für die Papierbeschichtung an die Österreich-Tochter des britischen Spezialchemikalien-Herstellers Synthomer.
Hintergrund ist die Konzentration der Produktion mit Papierdispersionen, die BASF auf europäischem Boden künftig nur mehr an den Standorten Ludwigshafen (Deutschland) und Hamina (Finnland) herstellen wird. Die Produktionen in Gebze (Türkei) und Durban (Südafrika) bleiben davon unberührt.
Im Zuge der Transaktion übernimmt Synthomer die Anlagen zur Herstellung von Dispersion auf Styrol-Butadien-Basis und alle 42 am Standort beschäftigten Mitarbeiter. Als Verkaufspreis wurden 30 Millionen Euro bekannt gegeben. Die bisher ebenfalls in Pischelsdorf produzierten Styrol-Acrylat-Dispersionen sind nicht Bestandteil der veräußerten Geschäfte. Sie werden ebenfalls in Ludwigshafen zusammengeführt.
Wissenschaft und Festlichkeit auf den Österreichischen Chemietagen
Die 17. Österreichischen Chemietage boten der chemischen Forschung am Standort Salzburg die Möglichkeit, sich vor einer breiteren Fachöffentlichkeit zu präsentieren. Erstmals wurde auch eine Tür hin zur industriellen Chemie geöffnet.
Rund 400 Teilnehmer kamen vom 25. bis 27. September zu den von der Gesellschaft österreichischer Chemiker (GÖCH) veranstalteten 17. Österreichischen Chemietagen, deren Gastgeber in diesem Jahr die naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Salzburg war. Die Forschungsschwerpunkte des Standorts prägten denn auch in besonderer Weise das Vortragsprogramm, dessen thematischer Bogen sich bis hin zu Bioanalytik und Metabolomik auf der einen und zu Materialchemie, Katalyse und Energiekonversion auf der anderen Seite spannte. Dem lokalen Organisationskomitee unter Nicola Hüsing und Oliver Diwald (beide Professoren im Fachbereich Chemie und Physik der Materialien ) war es gelungen, namhafte Referenten für „Plenary Lectures“ zu gewinnen, darunter den Oberflächenchemiker Hans Peter Steinrück (Universität Erlangen-Nürnberg) oder den Materialchemiker Maksym Kovalenko (ETH Zürich).
Eine Tür in Richtung Industrie wurde im Rahmen der traditionell akademisch orientierten Veranstaltung mit der Session „Industry meets University“ geöffnet, die von GÖCH-Präsident Ernst Gruber (Standortleiter des Lackherstellers Axalta in Guntramsdorf) moderiert wurde. Vertreter der Unternehmen Rembrandtin, Treibacher und Sandoz stellten die Entwicklungsaktivitäten ihrer Branchen vor und führten den zahlreichen anwesenden Jungchemikern die Perspektiven einer Industriekarriere vor Augen. Im Anschluss an die Vorträge entspann sich eine Diskussion über die Anforderungen, die Industrieunternehmen an die Curricula der chemischen Studienrichtungen stellen.
Der Kongress feiert
Im Rahmen eines Festakts gedachte die GÖCH ihres 120-jährigen Bestehens und vergab Förderungspreise für Masterarbeiten und Dissertationen, den Anton-Paar-Wissenschaftspreis (an den Analytiker Benedikt Warth) und den Habilitationspreis (an den Materialchemiker Thomas Berger). Wolfgang Meindl, ehemaliger Eigentümer der Loba Feinchemie und heute als Business Angel für Startup-Unternehmen aktiv, wurde die Ehrenurkunde der Gesellschaft überreicht. Die Austrian Society for Analytical Chemistry (ASAC) vergab darüber hinaus den Feigl-Preis und den Junganalytiker-Preis. Günther Bonn (Universität Innsbruck) wurde in Anerkennung seines wissenschaftlichen wie wissenschaftspolitischen Engagements die Ehrenmitgliedschaft der ASAC zuerkannt.
September 27th
27.09.17
von
Klaus Fischer
Die Rohöl-Aufsuchungs-Gesellschaft hat die erste Tankstelle Österreichs für verflüssigtes Erdgas in Betrieb genommen.
Offiziell eröffnet wurde am 26. September im Hafen Enns die erste Tankstelle Österreichs für verflüssigtes Erdgas (LNG). Markus Mitteregger, der Generaldirektor der Rohöl-Aufsuchungs-AG (RAG), die die Anlage betreibt, will damit dazu beitragen, „LNG als umweltfreundlichen Kraftstoff in Österreich zu etablieren“. Ihm zufolge lassen sich mit LNG im Vergleich zu Diesel die Feinstaubemissionen um bis zu 95 Prozent vermindern, die Stickoxidemissionen um bis zu 77 Prozent und die CO2-Emissionen um etwa 20 Prozent. Ferner kann der Lärmausstoß im Vergleich mit einem Diesel-LKW um rund 50 Prozent gesenkt werden. Zu den Vorteilen des LNG-Antriebs gehört laut Mitteregger weiters, dass dieser anders als etwa Elektromotoren auch für Schwerlastkraftwagen bereits marktreif ist - und das auch für den Fernverkehr: „LNG ist der Kraftstoff der Zukunft. Und er ist sofort verfügbar.“ Laut Karl-Martin Studener, dem „Business Director“ von Iveco in Österreich, lassen sich mit LNG-LKWs seines Unternehmens Reichweiten von bis zu 1.500 Kilometern erzielen.
Je nach Bedarf möchte die RAG innerhalb der kommenden etwa fünf Jahre rund neun weitere LNG-Tankstellen im gesamten Bundesgebiet errichten und so ein flächendeckendes Netz zur Verfügung stellen. Notwendig dafür sei allerdings die Unterstützung durch die Politik, konstatierte Mitteregger. So müsse etwa weiterhin gewährleistet sein, dass für erdgasbetriebene Fahrzeuge nur die Erdgasabgabe zu entrichten ist, nicht aber die Mineralölsteuer. Studener plädierte für darüber hinausgehende Begünstigungen von LNG-LKWs, unter anderem eine Anschaffungsprämie ähnlich derer in Deutschland, die sich auf 18.000 Euro pro Fahrzeug beläuft. Auch eine „begünstigte Mautklasse“ für LNG-LKWs sollte ihm zufolge angedacht werden. Welche Kosten damit für das Bundesbudget verbunden wären, sei „schwer einzuschätzen“, verlautete Studener auf die Frage des Chemiereports: „Das hängt natürlich davon ab, wie hoch die Förderung ist und wie gut sie von den Flottenbetreibern angenommen wird.“
Der oberösterreichische Landeshauptmannstellvertreter Michael Strugl kündigte an, „einen Investitionsanreiz überlegen“ zu wollen: „Da sollte man natürlich wissen, was der Bund macht.“ Er, Strugl, werde bezüglich möglicher Steuererleichterungen und Förderungen jedenfalls „einen Vorschlag an den Bund“ richten.
An der Eröffnung der Tankstelle nahm auch die niederösterreichische Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav teil. Ihr zufolge erhält der an der niederösterreichisch-oberösterreichischen Grenze gelegene Ennshafen durch die „neue LNG-Tankstelle der RAG ein weiteres Alleinstellungsmerkmal, das ihn einzigartig macht und seine Vorreiterrolle im Bereich der Infrastruktur einmal mehr bestätigt“.
September 25th
VCI fordert rasche Regierungsbildung
25.09.17
von
Klaus Fischer
Nach der deutschen Bundestagswahl sollte die Politik keine Zeit verlieren, verlangen die Chemie- und die Pharmaindustrie.
„Schwierige Koalitionsverhandlungen“ in Deutschland erwartet der Verband der Chemischen Industrie (VCI). Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann zufolge sollte die Bildung einer stabilen Regierung dennoch möglichst rasch erfolgen. „Jede Woche zählt, wenn es darum geht, Deutschland zukunftsfähig zu machen.“ Einmal mehr forderte Tillmann aus gegebenem Anlass, neue Ökostromanlagen aus dem Bundesbudget zu fördern und damit die Unternehmen zu entlasten. Weiters wiederholte er den Wunsch des VCI nach einer „steuerlichen Förderung von Forschung und Entwicklung“.
Ähnliches war vom Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) zu hören. Auch dessen Vorstandsvorsitzender Martin Zentgraf verlangte, „zügig eine stabile Regierung zu bilden, die sich den gravierenden gesundheitspolitischen Fragestellungen widmet“. Denn „die Sicherstellung einer verlässlichen und hochwertigen Arzneimittelversorgung ist auch in Zukunft kein Selbstläufer“. Den Pharmaunternehmen müssten ihre Erzeugnisse „angemessen“ vergütet werden. Nur so ließen sich innovative Medikamente den Patienten rasch zur Verfügung stellen.
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