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Dezember 14th, 2017
Hookipa holt in Finanzierungsrunde 50 Millionen Euro
Das Wiener Impfstoff-Unternehmen Hookipa hat eine Serie-C-Finanzierungsrunde im Umfang von 50 Millionen Euro abgeschlossen. Das Geld soll vor allem für zwei „Proof-of-concept“-Studien zu den wichtigsten Entwicklungsprogrammen der Startup-Firma verwendet werden.
„Eine Welle neuartiger Impfstoffe“ wollte ein Team von Entrepreneuren 2011 auslösen, deshalb nannte man das damals frischgegründete Unternehmen „Hookipa“ nach dem Surfer-Paradies „Hookipa Beach Park“ auf Hawaii. Seither ist es tatsächlich gelungen, einigermaßen hohe Wogen zu schlagen: Die von dem in Wien ansässigen Startup entwickelten virusbasierten Vektor-Technologien „TheraT“ und „Vaxwave“ wurden daraufhin designt, dendritische Zellen zu infizieren und eine wirksame und langanhaltende Immunantwort zu stimulieren.
HB-101, ein auf der „Vaxwave“-Plattform basierender Impfstoff gegen das Cytomegalovirus, wurde bereits im Rahmen eine Phase-I-Studie erfolgreich auf Sicherheit und Immunogenität geprüft. Nun soll eine Phase-II-Studie die prophylaktische Wirksamkeit an Patienten nach Organtransplantationen zeigen. „TheraT“, eine Therapieform, mit der man auf eine aktive Immunisierung von Patienten mit Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich abzielt, zeigte im Tierversuch starke, antigenspezifische T-Zell-Antworten. Nun soll eine Phase-I-Studie im Menschen folgen.
Alte und neue Shareholder
Die jüngste Finanzierungsrunde, die das Geld für diese Aktivitäten aufbringen sollte, wurde von einer nicht näher benannten US-Blue-Chip-Fonds angeführt. Neben neuen Partnern wie HBM Partners, Hillhouse Capital, Sirona Capital und Gilead zogen auch alle bestehenden Hookipa-Investoren (Sofinnova Partners, Forbion Capital Partners, Boehringer Ingelheim Venture Fund, Takeda Ventures and Bio Med Partners) bei der Runde mit.
Dezember 13th
CEFIC setzt auf Kreislaufwirtschaft
13.12.17
von
Klaus Fischer
Im Rahmen des künftigen Forschungs-Rahmenprogramms der EU (FP9) will die Chemieindustrie die Umwelt-, Energie- und Klimapolitik für neue Geschäftsmöglichkeiten nutzen.
Ein sogenanntes „Missions Paper“ zum künftigen Forschungs-Rahmenprogramm der EU (FP9) veröffentlichte der europäische Chemieindustrieverband CEFIC. Das derzeitige Rahmenprogramm Horizon 2020 endet 2020. Ab 2021 läuft FP9. CEFIC umreißt in dem „Missions Paper“ drei Bereiche, in denen die Chemiebranche zu Innovationen beitragen kann und die entsprechend gefördert werden sollten: die Schaffung weitgehend klimaneutraler Industriezweige (low carbon industries), das Up- und Recycling von Materialien sowie erschwingliche und reichlich verfügbare saubere Energie für die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft. So könnte die Umwelt-, Energie- und Klimapolitik zur neuen Geschäftschance werden.
Hinsichtlich der „low carbon industries“ konstatiert CEFIC, die Industrie sei das Rückgrat der europäischen Wirtschaft. Europa verfüge über Wettbewerbsvorteile bei der Bereitstellung hochwertiger Produkte und Dienstleistungen. Ferner habe es sich ambitionierte klimapolitische Ziele gesetzt. Die Chemieindustrie könne wesentlich dazu beitragen, diese zu erreichen. Ihr sei es beispielsweise möglich, die negativen Auswirkungen von CO2-Emissionen zu begrenzen und deren positive Auswirkungen zu erhöhen. So könne sie etwa neue Produkte und Materialien sowie Dienstleistungen entwickeln, um den Energie- und Ressourcenbedarf zu vermindern und die Wiederverwendbarkeit bzw. Rezyklierbarkeit zu steigern. Weiters sei es denkbar, ihre eigenen Produktionsprozesse zu verbessern und „Symbiosen“ zwischen Industriebetrieben und den Infrastrukturen städtischer Ballungsgebiete zu finden. Schließlich könnten biobasierte Grundstoffe die petrochemischen Basischemikalien ergänzen.
Was das Up- und Recycling betrifft, geht es CEFIC im Einklang mit den diesbezüglichen Bestrebungen der EU-Kommission um den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft. Elemente einer solchen sind CEFIC zufolge Ökodesign, biologisch abbaubare Produkte, biobasierte Grundstoffe, ein effizienterer Ressourceneinsatz und schließlich die Vermeidung des Begriffs „Abfall“, da „Abfall“ im derzeitigen Sinn künftig nicht mehr existieren soll. Nicht zuletzt im Kunststoffbereich ginge es laut CEFIC um das „Upcycling“, also die Herstellung hochwertiger(er) Produkte aus Sekundärrohstoffen.
Betreffend die erschwingliche, reichlich verfügbare und „saubere“ Energie betont CEFIC, die Chemieindustrie könne bessere Materialien zur Isolierung von Gebäuden ebenso bereitstellen wie Leichtbaumaterialien für Fahrzeuge, aber auch chemische Energiespeicher und Stoffe zum Bau leistungsfähigerer Batterien. Überdies sei es möglich, mit solchen Materialien effizientere Solarzellen und Rotorblätter für Windkraftanlagen zu erzeugen. Zu guter Letzt könnten erneuerbare Energien auch in den Produktionsprozessen der Chemieindustrie zur Anwendung kommen.
Österreichs Wünsche
Eine interministerielle Arbeitsgruppe unter Führung des Wissenschafts- und Wirtschaftsministeriums veröffentlichte Anfang September ein Eckpunktepapier mit den wichtigsten österreichischen Forderungen zum FP9. Unter anderem umfassen diese den Wunsch nach einem verstärkten „wirkungsorientierten Ansatz“ mit gezieltem und umfassendem Programmmanagement und einer „Evaluierungskultur, die dem Entstehen von Lerneffekten hohe Priorität einräumt“. Auch sollte das FP9 „stärker als das zentrale Instrument des europäischen Forschungsraums fungieren“. Und nicht zuletzt muss „die Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit weiterhin einen zentralen Fokus der europäischen FTI-Maßnahmen darstellen“.
Nicht fehlen darf der Hinweis, dass die Nuklearforschung „auf nukleare Sicherheit zu fokussieren“ ist. Die Entwicklung neuer Reaktoren der Generation IV „hat zu unterbleiben, ebenso die Darstellung der Kernspaltung als nachhaltige Energieform“.
Dezember 12th
Covestro erweitert Tarragona
12.12.17
von
Klaus Fischer
Der deutsche Werkstoffkonzern investiert in Spanien rund 200 Millionen Euro in die Hartschaum-Vorprodukt- sowie Chlorerzeugung.
Der deutsche Werkstoffkonzern Covestro baut seinen spanischen Standort Tarragona aus. Die Produktionskapazität für das Hartschaum-Vorprodukt MDI wird bis 2022 von 50.000 auf 220.000 Tonnen pro Jahr vervierfacht. Ferner soll bis Ende 2020 eine Anlage zur Chlorerzeugung errichtet werden. Insgesamt plant Covestro in Tarragona Investitionen von rund 200 Millionen Euro. Am deutschen Standort Brunsbüttel erweitert das Unternehmen seine Kapazität zur Erzeugung von MCI ebenfalls. Sie soll sich ab Ende 2018 auf 400.000 Tonnen belaufen, das Doppelte des derzeitigen Wertes.
Laut Vorstandschef Patrick Thomas bekennt sich Covestro „voll und ganz zum MDI-Markt und zu unserem Standort Tarragona. Durch die Steigerung der Produktionskapazität und den Aufbau unserer eigenen Chlorproduktion wird dieser Standort ein noch effizienterer und wettbewerbsfähigerer Teil unseres Netzwerks sein.“
Covestro ist der ausgegliederte ehemalige Werkstoff-Geschäftsbereich von Bayer. Mit rund 15.600 Beschäftigten erwirtschaftet das Unternehmen an 30 Standorten in aller Welt etwa 11,9 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr.
Dezember 7th
„Politik der Abrissbirne“
07.12.17
von
Klaus Fischer
Die niederösterreichische Gebietskrankenkasse sowie die Ärztekammer kritisieren die gesundheitspolitischen Pläne der mutmaßlichen künftigen Bundesregierung ein. Die Pharmaindustrie sieht diese dagegen positiv.
Heftige Kritik an den gesundheitspolitischen Überlegungen der mutmaßlichen künftigen ÖVP-FPÖ-Regierungskoalition üben Vertreter der Gebietskrankenkasse (NÖGKK) und der Ärztekammer Niederösterreichs. Bei einem Pressegespräch in Wien verlautete NÖGKK-Obmann Gerhard Hutter, natürlich lasse sich auch am international anerkannten österreichischen Gesundheitssystem mancherlei verbessern. Die Koalitionsverhandler hätten jedoch andere Pläne: „Einem bewährten System soll in die Speichen gegriffen werden. Das ist eine Politik der Abrissbirne mit dem Ziel bloßer Machtverschiebung.“ Die FPÖ habe das Problem, in den Kammergremien nicht gerade stark vertreten zu sein. Auch bei den Arbeiterkammerwahlen hielten sich ihre Erfolge in Grenzen: „Da dürfte die Versuchung schon groß sein, an die Macht zu kommen.“ Letzten Endes gehe es um die Privatisierung weiter Teile des Gesundheitssystems, sagte Hutter auf Anfrage des Chemiereports: „Man redet eine Krise herbei, um sich selbst als Retter darstellen zu können.“
Der Generaldirektor der NÖGKK, Jan Pazourek, ergänzte, die Krankenkassen hätten etliche sinnvolle Verbesserungen ohnehin bereits in Angriff genommen, insbesondere die Leistungsharmonisierung und die „Aufgabenbündelung im Verwaltungs- und IT-Bereich“. Die seitens der Koalitionäre in spe angestrebte Zusammenlegung der Gebietskrankenkassen brächte laut Pazourek wenig: In Deutschland habe der Bundesrechnungshof sechs derartige Fusionen untersucht. Das Ergebnis: Bei fünf der Zusammenschlüsse stiegen die Kosten um bis zu 18 Prozent. Ähnlich habe sich in Österreich die Zusammenführung der Kassen für Eisenbahn und Bergbau sowie der Pensionsversicherungsträger ausgewirkt. Vom Chemiereport darauf angesprochen, dass die Leistungsharmonisierung schon längst erfolgen hätte können, konstatierte Pazourek: „Das war ja ohnehin der Fall.“ Schon Ende der 1990er Jahre sowie der 2000er Jahre sei diesbezüglich „viel geschehen. Jetzt geht es bei dem, was wir selbst tun können, eigentlich nur mehr um die letzte Restrate“. Die tatsächlich ins Gewicht fallenden Leistungsunterschiede bestünden zwischen den Bundesinstitutionen und den Gebietskrankenkassen: „Und da müsste der Gesetzgeber tätig werden. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“
Dietmar Baumgartner, der Vizepräsident der niederösterreichischen Ärztekammer und Obmann der Kurie der niedergelassenen Ärzte, fügte hinzu, er betrachte die Pläne der ÖVP und der FPÖ als „reinen politischen Aktionismus“. An den eigentlichen Problemen gehe das bisher Bekannte vorbei: „Wir haben immer mehr Kinder mit Diabetes mellitus und eine massive Zunahme an morbider Adipositas im Kindesalter. Außerden droht für die nahe Zukunft ein Ärztemangel.“ Dem mit einer zentralistischen Krankenkasse für alle Bundesländer zu begegnen, sei schwerlich der Weisheit letzter Schluss: „Regionale Unterschiede verlangen dezentrale Entscheidungsstrukturen und müssen im Sinne der Menschen auch in Zukunft Berücksichtigung finden.“
Lob von der Pharmig
Einiges abgewinnen kann den Vorstellungen der mutmaßlichen künftigen Bundesregierung dagegen der Pharmaindustrieverband Pharmig. Präsident Martin Munte forderte „in Sachen Reform der Sozialversicherung und einer effizienteren Leitung der Finanzierungsströme entscheidende Impulse. Wir werden uns als Industrie partnerschaftlich und in direkten Gesprächen mit der Politik dafür einsetzen, Österreich als Wirtschafts- und speziell als Pharmastandort zu stärken“.
Dezember 6th
06.12.17
von
Klaus Fischer
Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie macht heuer voraussichtlich rund 195 Milliarden Euro Umsatz, 2018 könnten es über 200 Milliarden werden.
Der Umsatz der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie wird heuer bei knapp 195 Milliarden Euro liegen, um 5,5 Prozent über dem Wert des Jahres 2016. Das erwartet der Branchenverband VCI. Beim Inlandsumsatz geht der VCI von einer Steigerung um 4,5 Prozent auf 74,4 Milliarden Euro aus, beim Auslandsumsatz von einem Plus um 6,5 Prozent auf 120,4 Milliarden Euro. Besonders gut dürfte das Geschäft mit 8 Prozent Zuwachs in Asien gelaufen sein, gefolgt von 5,5 Prozent in Europa und 3 Prozent in Nordamerika. Das Produktionsvolumen wird sich um 2,5 Prozent erhöhen. Die Kapazitätsauslastung sollte laut VCI „mit 86,7 Prozent überdurchschnittlich gut“ ausfallen. Den Beschäftigtenstand beziffert der Verband mit 451.500 Personen, dem höchsten Wert seit 2004.
„Nach eher durchwachsenen Ergebnissen in den drei vorherigen Jahren hat 2017 das Prädikat ‚gut‘ ohne Einschränkung verdient“, konstatierte VCI-Präsident und BASF-Chef Kurt Bock bei der Vorstellung des voraussichtlichen Jahresergebnisses. Auch für 2018 gab sich Bock optimistisch: Wenn die Produktenpreise um 1 Prozent steigen, würde der Umsatz um etwa 3 Prozent wachsen und damit erstmals über 200 Milliarden Euro liegen.
Prügel für die Politik
Einmal mehr wiederholte Bock seine Kritik an der deutschen Bundespolitik. Diese habe „sich bisher nicht auf einen gemeinsamen Plan für die Zukunftssicherung des Standortes und die Modernisierung der Gesellschaft einigen können“. Ferner verfolgten manche Politiker immer noch „Konzepte, die zu weiteren Erhöhungen der Strompreise und einer Gefährdung der Versorgungssicherheit führen“ würden. Eine CO2-Steuer lehnt Bock weiterhin ab, ebenso einen „überhasteten Ausstieg aus der Kohleverstromung“.
Und was den Brexit betrifft, sollte Großbritannien laut Bock „durch ein umfassendes Abkommen möglichst eng an die EU gebunden bleiben“. Immerhin exportiere die deutsche Chemie- und Pharmabranche jährlich Waren im Wert von knapp zwölf Milliarden Euro nach Großbritannien, die Importe von dort beliefen sich auf etwa 6,4 Milliarden Euro.
Dezember 5th
Biobasierte Industrie: Noch weit zu gehen
05.12.17
von
Klaus Fischer
Die Verwendung von Biomaterialien in der Chemieindustrie nimmt zu. Doch das hat bisweilen seine Tücken, hieß es beim Stakeholderdialog Biobased Industry in Wien.
Zumindest eines wurde beim Stakeholderdialog Biobased Industry des Fachverbandes der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO), des Technologieministeriums (BMVIT) und der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) deutlich: Der Weg zur biobasierten Industrie ist noch einigermaßen weit - und er könnte so manche Windung aufweisen. Zwar hat die Verwendung agrarischer Rohstoffe in der Chemieindustrie in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen, erläuterte FCIO-Obmann Hubert Culik. Auch bei diversen Förderprogrammen stehen einschlägige Forschungs- und Entwicklungsvorhaben hoch im Kurs. Wirtschafts- sowie umweltpolitisch wiederum besteht das Ziel, ab 2050 so weit wie möglich ohne fossile Rohstoffe auszukommen. Doch wie das realistischer Weise erfolgen kann, weiß bis dato niemand. „Haben wir überhaupt genug agrarische Ressourcen? Wenn wir nicht ordentlich haushalten, eher nicht“, warnte Culik und verwies auf Tierisches: „Wenn man früher ein Schwein geschlachtet hat, hat man alles davon verwertet.“
In dieser Weise vorzugehen, sei auch hinsichtlich der biobasierten Industrie gefragt: „Wir müssen die Biomasse kaskadisch verwerten, also stofflich wie auch energetisch.“ Und dafür müsse es auch entsprechende Anreize sowie klare rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen geben. Die seinerzeitigen Beimischungsregeln für Biosprit seien „eher verwirrend“ gewesen. Schließlich gelte es, eine Weltbevölkerung von rund 7,6 Milliarden Menschen zu versorgen. „Das geht nur ressourcenschonend. Wir müssen mit wirklich nachhaltigen Rohstoffen arbeiten. Nur dann gehen wir einer guten Zukunft entgegen“, betonte Culik.
Klein ist fein
Wie die Angelegenheit seiner Meinung nach funktionieren könnte, schilderte Johan Sanders von der Universität Wageningen in Holland. Sollten ab 2050 auch nur 30 Prozent der voraussichtlich benötigten fossilen Rohstoffe durch biobasierte Substanzen ersetzt werden, würden von den letzteren nicht weniger als 20 Milliarden Tonnen gebraucht. Davon entfielen rund vier bis fünf Millarden Tonnen für Nahrungs- und Futtermittel, zwei Milliarden Tonnen auf Holzwerkstoffe, Papier und Textilien sowie vier Milliarden Tonnen auf Brennholz. Das funktioniere nur mit radikalen Effizienzverbesserungen bei der Bereitstellung wie auch bei der Verwendung: „Wir müssen alle Biomassebestandteile nutzen, und zwar die richtigen Komponenten für die richtigen Zwecke.“ Und es sei natürlich darauf zu achten, die Fertilität des Bodens zu erhalten. Ein durchschnittlicher Erwachsener in der EU verzehre heute Nahrungsmittel mit einem Energiegehalt von rund 2.000 Kalorien pro Tag. Der Energieaufwand, um diese zu erzeugen, sei aber etwa 20 Mal so hoch. „Könnten wir ihn um den Faktor 2 senken, hätten wir genug Energie, um alle Autos in der EU mit Biosprit zu betreiben“, rechnete Sanders vor.
Er plädierte dafür, biochemische Produktionsanlagen eher klein auszulegen, statt Großfabriken zu errichten. Das ermögliche eine sichere Erzeugung auch der Basischemikalien zu niedrigeren Kosten als derzeit. Ferner verringere sich die Abhängigkeit von der Infrastruktur großer Anlagen - nicht zuletzt wegen niedrigerer Transportkosten. Eine These, die indessen nicht bei allen Teilnehmern auf uneingeschränkte Zustimmung stieß. „Wenn wir nach 200 Jahren Industrialisierung draufkommen, dass die Economies of Scale doch nicht funktionieren, dann kann etwas nicht stimmen“, so das Geraune in der Kaffeepause.
Dezember 1st
Neuer Studiengang für die „Chemische Industrie 4.0“
Ab Herbst 2018 wird an der IMC FH Krems ein Bachelor-Studiengang „Applied Chemistry“ angeboten, der eine fundierte Ausbildung in den chemischen Basisfächern mit Kompetenzen zu IT-unterstützten Methoden verbindet.
Das Anforderungsprofil an Fachkräfte der chemischen Industrie hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. An die IMC FH Krems wurde daher immer öfter herangetragen, dass die Betriebe der Branche Mitarbeiter mit einem Ausbildungsprofil benötigen, das heute schwer zu finden ist: Fundiertes Wissen in den Basisfächern der Chemie (Allgemeine, Analytische, Anorganische, Organische, Physikalische Chemie und Biochemie), verknüpft mit dem Beherrschen Computer-unterstützter Arbeitsmethoden des Molecular Modelling, der Prozessanalyse und des Prozessmanagements.
In diese Lücke stößt der Bachelor-Lehrgang „Applied Chemistry“ vor, der ab Herbst 2017 an der IMC FH Krems angeboten wird. Auf das Vermitteln des Basiswissens in Chemie und angrenzenden Fächern (Mathematik, Informatik, Statistik, Physik) wird dabei eine fundierte praktische Ausbildung in Verfahrenstechnik und instrumenteller Analytik aufgesetzt und mit dem Aneignen von Kompetenzen in Chemometrie, Big Data Analysis, IT- Prozessoptimierung sowie In-silico-Methoden in der Wirkstoffsynthese verknüpft.
Zwei Vertiefungsrichtungen möglich
Im letzten Studiensemester können die Studenten zwischen zwei Vertiefungsmodulen wählen: „Instrumental Analysis and Chemometrics“ bereitet mit vertieften Kenntnissen der instrumentellen Analytik und der statistischen Auswertung von Messergebnissen auf berufliche Aufgabenstellungen in den Bereichen Produktsicherheit, Umweltanalytik, pharmazeutische und forensische Analytik sowie Polymeranalytik vor. „Chemical Simulations and Data Analysis“ vermittelt Kompetenzen im Bereich der computergesteuerten Simulation von chemischen Prozessen, wie sie für die Steuerung von Anlagen in der Prozessindustrie erforderlich sind. Die Vermittlung von Soft Skills, Chemikalienrecht, Prozessmanagement sowie betriebswirtschaftlichen Grundbegriffen rundet das Curriculum ab.
Der Vollzeit-Studiengang ist auf sechs Semester angelegt und wird in englischer Sprache abgehalten. Das Land Niederösterreich unterstützt das Programm mit einer Anschubfinanzierung von rund 2,4 Millionen Euro.
November 29th
AIT-Batterieforscherin mit Mobilitäts-Zukunftspreis ausgezeichnet
Arlavinda Rezqita wurde mit dem Staatspreis Mobiliät in der Kategorie „Zukunftspotenzial entfalten“ ausgezeichnet. Die Forscherin hat im Rahmen ihrer Dissertation am AIT ein verbessertes Anodenmaterial für Antriebsbatterien von Elektrofahrzeugen entwickelt.
Rezqita ersetzte den herkömmlich in Lithium-Ionen-Akkus verwendeten Graphit durch Siliciumpartikel, die mit mesoporösem Kohlenstoff umhüllte wurden. Silicium weist eine zehnmal höhere Energiedichte wie Kohlenstoff auf, Batterien könnten dementsprechend leichter und platzsparender werden. Zur Verbesserung der an sich schlechten mechanischen Stabilität von Silicium umgab es die junge Forscherin mit einer Hülle aus Kohlenstoff, in die kleine Löcher geätzt wurden, durch die sich das Anodenmaterial kontrolliert ausdehnen und Lithium-Ionen aufnehmen kann.
Arlavinda Rezqita studierte in ihrer Heimat Indonesien Chemical Engineering und kam über ein Erasmus-Stipendium für das Masterstudium „Material for Energy Storage and Conversion“ nach Europa. Seit 2013 forschte sie als Dissertantin am Austrian Institute of Technology (AIT). Seit 2017 ist sie Junior Scientist im Batterieforschungsteam der außeruniversitären Forschungseinrichtung.
November 28th
ERC-Grant für Gruppenleiter am CeMM
Stefan Kubicek, der in seiner Forschung am CeMM die Rolle niedermolekularer Metaboliten bei der Regulierung der Genexpression untersucht, kann seine Arbeitsgruppe auf das Fundament eines „ERC Consolidator Grant“ stellen.
Bislang wurde weithin angenommen, dass für die Regulation der Genexpression zwar zahlreiche Proteine und DNA-Modifikationen eine wichtige Rolle spielen, dass kleine Moleküle des Stoffwechsels“ aber keinen nennenswerten Einfluss auf das Geschehen im Zellkern haben. Stefan Kubicek, der am Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (CeMM) forscht, widerspricht dieser Annahme. Ergebnisse aus seinem Labor weisen darauf hin, dass niedermolekulare Metaboliten sich in bestimmten Zellregionen anreichern und dabei auf die Aktivität von Genen in gesunden und bösartig veränderten Zellen Einfluss nehmen.
Für das Testen dieser Hypothese wurde Kubicek, der organische Chemie studiert hat und nach Forschungsarbeiten am IMP in Wien und am Broad Institute in Cambridge, Massachusetts, seit 2010 Gruppenleiter am CeMM ist, nun mit einem ERC Consolidator Grant“ in der Höhe von zwei Millionen Euro ausgestattet. In dem damit finanzierten Projekt „Chromabolism“ sollen zunächst die an Chromatin, die genetische Strukturkomponente des Zellkerns, gebundenen Stoffwechselenzyme und zugehörigen Metaboliten untersucht werden. Im zweiten Schritt werden Methoden entworfen, mit denen die molekularen Verhältnisse im Kern gezielt gestört werden können und darauf aufbauend Modelle entworfen, um den Einfluss der Stoffwechselprodukte auf Entstehung und Vermehrung von Krebszellen vorhersagen zu können.
ERC Grant für junge Forschungsgruppen
„ERC Consolidator Grants“ werden an Wissenschaftler vergeben, die eine eigene Arbeitsgruppe gründen oder ein neugegründetes Team auf eine feste Basis stellen wollen. Sie sind mit bis zu zwei Millionen Euro für eine Periode von fünf Jahren dotiert.
November 23rd
Vier Sieger bei „Best of Biotech“ 2017
Der achte vom Austria Wirtschaftsservice (AWS) im Auftrag des BMWFW organisierte Businessplan-Wettbewerb „Best of Biotech“ ging mit der Preisverleihung am 22. November zu Ende. Die diesjährigen Gewinner sind BHS Technologies, Macroarray Diagnostics, Image Biopsy Lab und Morphomed.
30 Projekte wurden bei der zweiten Phase der diesjährigen Ausgabe des Businessplan-Wettbewerbs „Best of Biotech“ eingereicht, zehn davon haben es in die finale Fragerunde der Jury geschafft. Aus den dabei gegebenen Präsentationen und den eingereichten Geschäftsideen und Markteintritts-Strategien wurden schließlich jene vier Sieger ermittelt, die im Rahmen eines Festakts am 22. November ihre Auszeichnungen entgegennehmen konnten.
Den mit 15.000 Euro dotierten ersten Platz konnte das Tiroler Unternehmen BHS Technologies erringen. Bei dem Projekt geht es darum, ein neuartiges Mikroskop für die Mikrochirurgie zu entwickeln, das Zeitersparnis für Operateure bringen soll. Die Jury habe aber auch der durchdachte Businessplan und das erfahrene Team überzeugt, wie deren Sprecherin, Angelika Weinländer-Mölders ausführte.
Medizintechnik-Unternehmen räumen ab
Der zweite Platz und 10.000 Euro Preisgeld gingen an Macroarray Diagnostics. Das Wiener Unternehmen entwickelt eine neue Art von Multi-Parameter-Allergiediagnostik, die möglichst viele der relevanten Allergene in einem einzigen Labortest abdecken soll. Seitens der Jury wurden der neuartige diagnostische Ansatz und die überzeugende Präsentation der Geschäftsidee hervorgehoben. Platz 3 und 5.000 Euro konnte das Projekt Image Biopsy Lab für sich gewinnen, das eine Software zur Automatisierung und Objektivierung der Diagnose von Knie-Arthrose entwickelt. Die Preisgelder wurden von Shire, Boehringer Ingelheim und Roche Diagnostics gestiftet.
Zusätzlich wurde auch heuer wieder der von der Wiener Life-Science-Plattform Lisa Vienna ausgeschriebene und mit 10.000 Euro dotierte Medtech Award vergeben, der an die Firma Morphomed ging. Das im Mai in Wien gegründete Unternehmen entwickelt ein Implantat aus hochreiner Seide, das der Regeneration von Bändern und Sehnen dient.
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