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February 27th, 2018
AMAG meldet „Rekordergebnis“
27.02.18
von
Klaus Fischer
Das EBITDA des Ranshofener Aluminiumkonzerns im Jahr 2017 war das höchste der Unternehmensgeschichte. Umsatz, EBIT und Ergebnis nach Ertragssteuern wuchsen im Vergleich zu 2016 sämtlich zweistellig.
Ein „Rekordergebnis“ verkündeten die AMAG-Vorstände Helmut Kaufmann (Technik) und Gerald Mayer (Finanzen): Der Umsatz des Aluminiumkonzerns lag 2017 bei 1,03 Milliarden Euro, um 14 Prozent mehr als 2016. Das EBITDA lag mit 164,5 Millionen Euro um 15 Prozent über dem von 2016 und erreichte damit einen „Rekordwert“, berichtete Kaufmann in Vertretung des erkrankten Vorstandsvorsitzenden Helmut Wieser. Laut Geschäftsbericht handelt es sich um das bisher höchste operative Ergebnis in der Unternehmensgeschichte. Um 19 Prozent auf 86,8 Millionen Euro gewachsen ist das Betriebsergebnis (EBIT). Das Ergebnis nach Ertragssteuern schließlich war mit 63,2 Millionen Euro um 36,4 Prozent höher als 2016. Als Gründe für diese Entwicklung nannte Kaufmann die „höhere Absatzmenge im Zuge des organischen Wachstumskurses“ sowie den „höhere Aluminiumpreis, der im Jahresdurchschnitt mit 1.980 US-Dollar pro Tonne um rund 23 Prozent über dem Vorjahresmittel lag“. Dass der Cash Flow aus der laufenden Geschäftstätigkeit mit 101,8 Millionen Euro um 11,3 Prozent unter dem Wert von 2016 (114,9) lag, erklärte Finanzvorstand Mayer „vor allem“ mit den höheren Alu-Einkaufspreisen sowie dem gestiegenen Steueraufkommen. An Ertragssteuern alleine bezahlte die AMAG 2017 mit 18,5 Millionen Euro allerdings nur um 1,8 Millionen Euro mehr als 2016.
Für heuer erwartet der AMAG-Vorstand, weiterhin „vom eingeschlagenen Wachstumskurs profitieren zu können“. Eine detaillierte Prognose wollte Mayer nicht stellen: „Dazu ist es noch zu früh im Jahr.“ Allerdings sei im wichtigsten Geschäftsbereich, den Walzprodukten, sowie bei Primäraluminium ein Wachstum von rund vier Prozent zu erwarten. Im Segment Metall hänge die Geschäftsentwicklung von den Preisen für Aluminium und Rohstoffe sowie von den Währungsschwankungen ab. Für den Bereich Gießen geht das AMAG-Management von einer „soliden Ergebnisentwicklung“ aus. Offen ist laut Mayer, wie sich die geplanten US-amerikanischen Zoll- bzw. Importbeschränkungsvorgaben auswirken. Eine reine Zollerhöhung, die alle Alu-Produzenten gleichermaßen trifft, wäre ihm zufolge „nicht so schlimm“. Unangenehmer würden sich Einfuhrkontingente bemerkbar machen: „Denn dann könnten wir weniger in die USA exportieren.“ Allerdings besteht die Möglichkeit, dass sich die USA mit solchen Maßnahmen auch selber schaden: Sie sind auf den Import speziell hochwertiger Alu-Erzeugnisse wie die der AMAG angewiesen.
Längerfristig sind die Aussichten laut Kaufmann nicht schlecht. So wird für die kommenden 20 Jahre ein Mehrbedarf an rund 41.000 neuen (Passagier-)Flugzeugen erwartet. Ferner sollte bis 2027 die Nachfrage der Automobilindustrie nach Aluminiumblechen um elf Prozent pro Jahr steigen und letztlich einen Wert von 3,8 Millionen Tonnen erreichen. Für beide Industriezweige ist die AMAG ein nicht zu unterschätzender Zulieferer. Zu den Kunden gehören im Luftfahrtsegment Airbus, Boeing, Cessna und Embraer ebenso wie Lockheed Martin, BAE Systems und Dassault, aber auch derHubschrauberproduzent Agusta Westland. Unter den Autoproduzenten stehen Audi, BMW, Daimler-Mercedes, Chrysler, General Motors und Renault-Nissan auf der Abnehmerliste. Für den Alfa Romeo Stelvio liefert die AMAG Kotflügel- und Türkomponenten. Kaufmann zufolge ist das „ein Herzeigeprodukt“.
February 21st
OMV mit „sehr erfolgreichem Jahr“
21.02.18
von
Klaus Fischer
Das Öl- und Gasunternehmen fuhr 2017 rund 853 Millionen Euro Gewinn ein und ist für heuer ebenfalls zuversichtlich.
Die OMV verzeichnete 2017 einen Umsatz von rund 20,22 Milliarden Euro, um fünf Prozent mehr als 2016. Das um Lagerhaltungseffekte bereinigte operative Ergebnis vor Sondereffekten („CCS Operatives Ergebnis vor Sondereffekten“) fiel mit 2,96 Milliarden Euro fast doppelt so hoch aus wie 2016. Und statt einem Verlust von 183 Millionen Euro im Jahr 2016 konnte das Unternehmen 2017 einen Gewinn von 853 Millionen Euro verbuchen. Entsprechend aufgeräumt zeigte sich Generaldirektor Rainer Seele bei der Bilanzpressekonferenz: „Es war ein sehr erfolgreiches Jahr. Ein so gutes Ergebnis hatten wir zuletzt 2013. Aber damals waren die Ölpreise doppelt so hoch wie derzeit.“ Dank um 15 Prozent gesunkener Produktionskosten von rund 8,8 US-Dollar je Fass könne die OMV nun auch bei einem Öl-Verkaufspreis von 25 US-Dollar je Fass Gewinne machen. Vor wenigen Jahren habe sie dazu noch rund 70 US-Dollar je Fass gebraucht. Freuen können sich laut Seele auch die Aktionäre: Vorbehaltlich der Zustimmung der Hauptversammlung bekommen sie mit 1,50 Euro je Aktie die bisher höchste Dividende der Unternehmensgeschichte.
Zu dem Resultat trug mit höheren Absatzpreisen für Erdöl und Erdgas nicht zuletzt der Bereich Downstream bei, zu dem auch das Petrochemie-Geschäft gehört. Die Referenz-Raffineriemarge lag bei 6,0 US-Dollar je Fass und war damit um rund 21,7 Prozent höher als 2016 (4,7 US-Dollar je Fass). Etwa 110 Millionen Euro investierte die OMV vergangenes Jahr in die Generalüberholung der Raffinerie Schwechat. Trotz des dadurch bedingten geplanten zeitweiligen Produktionsstillstands erbrachte das Petrochemiegeschäft einen Ergebnisbeitrag von rund 245 Millionen Euro. Wie es seitens des Unternehmens hieß, war das unter anderem durch die Butadien-Margen bedingt, die „im ersten Halbjahr einen Höchststand erreichten“. Die Borealis, an der die OMV mit 36 Prozent beteiligt ist, unterstützte das operative Ergebnis ebenso wie 2016 mit rund 399 Millionen Euro. Laut dem für das Downstream-Geschäft verantwortlichen Vorstandsdirektor Manfred Leitner plant die OMV bis auf Weiteres nicht, den Anteil an der Borealis zu verändern. Im Lauf des vergangenen Jahres war gerüchteweise von einer möglichen Aufstockung die Rede gewesen.
Für heuer erwartet die OMV einen durchschnittlichen Verkaufspreis für Erdöl von rund 60 US-Dollar je Fass. Allerdings dürften dadurch die Raffineriemargen fallen. Die Petrochemiemargen sollen dagegen „auf einem ähnlichen Niveau wie im Jahr 2017“ liegen. Den voraussichtlichen Auslastungsgrad ihrer Raffinerien veranschlagt die OMV auf über 90 Prozent. Berücksichtigt ist dabei ein sechs Wochen langer Stillstand der rumänischen Raffinerie Petrobrazi, die im zweiten Quartal generalüberholt wird.
Generaldirektor Seele verlautete, er wolle „Die Erfolgsgeschichte 2018 fortschreiben. Es gibt viel zu tun. Die OMV packt es an“.
February 20th
Merck: Weitere CRISPR-Patente
20.02.18
von
Klaus Fischer
Die „Genscheren-Technologie“ des deutschen Pharmakonzerns Merck steht bald auch in Südkorea und Israel unter Schutz.
Die Patentämter Südkoreas (Korean Intellectual Property Office) und Israels (Israel Patent Office) werden dem deutschen Pharmakonzern Merck Patente für seine „Genscheren-Technologie“ CRISPR erteilen. Das berichtet Merck unter Berufung auf entsprechende Mitteilungen der beiden Behörden. Dem Konzern zufolge handelt es sich um das fünfte und sechste Patent für die Technologie. Ähnliche Patente erteilten ihm zufolge das Intellectual Property Office von Singapur sowie das australische Patentamt. „Darüber hinaus wurden dem Unternehmen zugehörige Patente von den europäischen und kanadischen Patentämtern gewährt“, hieß es in einer Aussendung.
In Südkorea und Israel geht es um die sogenannte „chromosomale Integration“. Dabei wird die DNA durchtrennt und an der betreffende Stelle eine neue Gensequenz eingefügt. So lassen sich krankhafte Mutationen entfernen und „ durch eine vorteilhafte oder funktionale Gensequenz ersetzen“, verlautet Merck. Mit CRISPR könnten „mit Krebs oder seltenen Krankheiten assoziierte Gene ermittelt oder zu Blindheit führende Mutationen rückgängig gemacht werden“.
Nach eigenen Angaben beabsichtigt Merck, „interessierten Parteien“ Lizenzen für den Einsatz von CRISPR zu erteilen. Gehen könnte es dabei um „Anwendungen wie Grundlagenforschung, landwirtschaftliche Biotechnologie und therapeutische Verwendung“.
Covestro meldet „Rekordjahr“
20.02.18
von
Klaus Fischer
Der Leverkusener Werkstoffkonzern hat sein Unternehmensergebnis von 2016 auf 2017 mehr als verdoppelt, das EBITDA wuchs um rund 71 Prozent.
Der Werkstoffkonzern Covestro meldet für das Geschäftsjahr 2017 ein Konzernergebnis von rund 2,0 Milliarden Euro, um 153 Prozent mehr als 2016. Das EBITDA wuchs um 70,6 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro, der Umsatz um 18,8 Prozent auf 14,1 Milliarden Euro. Ausschlaggebend dafür waren höhere Verkaufsmengen und -preise. Covestro plant, die Dividende von 1,35 Euro auf 2,20 Euro zu erhöhen.
Der scheidende Vorstandschef Patrick W. Thomas sprach von einem „beeindruckenden Ergebnis“. Die Unternehmensziele seien „deutlich übertroffen“ worden. Für 2018 ist nach Einschätzung der Unternehmensführung mit einer „positiven Entwicklung“ zu rechnen. Die Verkaufsmengen im Kerngeschäft sollen „im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich“ wachsen. Das EBITDA wird voraussichlich „auf dem Niveau des Vorjahres“ liegen, also bei etwa 2,0 Milliarden Euro.
Thomas´ Vorstandsvertrag läuft mit 30. September aus. Sein Nachfolger ist Markus Steilemann, derzeit Vertriebschef von Covestro. Ihm zufolge nimmt Covestro demnächst einen „digitalen Marktplatz“ in Betrieb. Dieser soll den Kunden den „Zugang zu Basis-Produkten vereinfachen und sie mit Covestro sowie weiteren Anbietern vernetzen“. Covestro plant, über die Plattform bis Ende 2019 insgesamt bis zu einer Milliarde Euro Umsatz zu erwirtschaften.
February 19th
Die Schi, mit denen Marcel Hirscher in Pyeongchang derzeit seine Erfolge feiert, sind Hochleistungssportgeräte, bei denen es auf jedes Detail ankommt. Auch die Beschichtungstechnologie leistet dazu ihren Beitrag.
Österreich jubelt über die Gold-Medaillen von Marcel Hirscher bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang. Um derartige Erfolge zu ermöglichen, muss zu den Spitzenleistungen des Rennläufers auch ein Equipment kommen, das an die mechanischen Belastungen und äußeren Bedingungen eines solchen Rennens optimal angepasst ist. Dabei kommt es auf jedes Detail an, beispielweise auf eine geeignete Beschichtungstechnologie für die Hochleistungssportgeräte.
Hirscher fährt Schi der Marke Atomic, die mit Produkten des Herstellers Axalta Coating Systems beschichtet sind. Der Aufbau besteht aus Siebdruckfarben in verschiedenen Varianten, einem Vergusslack als Grundschicht sowie einen kratzfesten Klarlack. Diese Produkte wurden speziell für Schi und Snowboards entwickelt – ein Einsatzbereich, der eine besondere Kombination von Eigenschaften erforderlich macht. Die Lacke müssen auf verschiedenen Untergründen wie Holz, Plastikfolien, Titan oder Aluminium auch bei Temperaturen von minus 30° Celsius ohne Probleme haften, kompatibel mit verschiedenen Klebern sein und zudem eine hohe UV-Beständigkeit aufweisen.
February 13th
Chemische Spiralwellen im Elektronenmikroskop
In der Forschungsgruppe von Günther Rupprechter am Institut für Materialchemie der TU Wien konnten spiralförmige chemische Wellen auf einer Katalysatoroberfläche beobachtet werden.
Die Wissenschaftler untersuchten die Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff (also jene chemische Umwandlung, die auch einer Brennstoffzelle zugrundeliegt) an einem Rhodium-Katalysator. Der Mechanismus der Reaktion bewirkt ein auffälliges Verhalten: Es kommt zu Oszillationen der Konzentrationen der an der Reaktion teilnehmenden Moleküle, die sich wellenförmig über die Katalysatoroberfläche ausbreiten.
Die Oberfläche des eingesetzten Materials besitzt nun aber eine polykristalline Struktur. Je nachdem, welche Kristallfläche an einer bestimmten Stelle der Wasserstoff-Sauerstoff-Atmosphäre ausgesetzt ist, verlaufen die Teilschritte der Gesamtreaktion unterschiedlich schnell. Trifft eine chemische Welle auf eine Korngrenze, ändert sich daher ihre Geschwindigkeit – es kommt zu Wellen mit komplizierten spiralförmigen Mustern, die das Team um Rupprechter und Erstautor Yuri Suchorski mithilfe eines Photoemissions-Elektronenmikroskops sichtbar machen konnten. Aus der Analyse dieser Muster können die Forscher wiederum schließen, welche Regionen der Oberfläche die besseren katalytischen Eigenschaften hat.
Die Arbeit, die unter dem Titel „Visualizing catalyst heterogeneity by a multifrequential oscillating reaction” in Nature Communications erschienen ist, wurde vom FWF im Rahmen des Spezialforschungsbereichs „FOXSI“ geförderten und in Kooperation mit der Chalmers Universität Göteborg (Schweden) durchgeführt.
February 12th
Anton Paar übernimmt US-Unternehmen auf dem Gebiet der Feststoffanalyse
Anton Paar, ein führender Anbieter von Analysegeräten mit Sitz in Graz, übernimmt Quantachrome Instruments. Das US-Unternehmen bringt Messtechnik rund um Partikeloberflächen, Porengrößen und die Dichte von Feststoffen in das Portfolio der Gruppe ein.
Ein entsprechendes Abkommen wurde am 9. Februar am Firmensitz von Quantachrome unterzeichnet, über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Das US-Unternehmen, das rund 170 Mitarbeiter beschäftigt, wird als Teil der Anton-Paar-Gruppe von seinem Standort in Boynton Beach, Florida, aus operieren. Georg Supp-Cortolezis, bisher Leiter von Produktion und Einkauf bei Anton Paar, übernimmt das Management des neuen Produktionsstandorts. Der bisherige Präsident des Familienunternehmens, Scott Lowell, sowie Finanzchefin Lauren Spector „werden die Übergangsperiode unterstützend begleiten“, wie es in einer Aussendung von Anton Paar hieß.
Quantachrome wurde 1968 gegründet und hat sich auf Messgeräte zur Bestimmung von Oberfläche, Dichte, Porengröße und -verteilung sowie Wechselwirkungen zwischen Gasen und Feststoffen spezialisiert. Grundlage dafür ist die auf Stephen Brunauer, Paul Hugh Emmett und Edward Teller zurückgehende „BET-Methode“, bei der die Größe von Festkörper-Oberflächen mittels Gasadsorption bestimmt wird. Angewandt werden die Geräte des Unternehmens zur Untersuchung von porösen Materialien und Pulvern, wie sie beispielweise in Batterien, Katalysatoren, bei keramischen Materialien oder in der Pharma- und Lebensmittelindustrie zum Einsatz kommen.
Ergänzung des Produktportfolios
Nach Aussage von Anton-Paar-CEO Friedrich Santner sind die Messgeräte von Quantachrome eine „perfekte Ergänzung“ des Produktportfolios der Gruppe, das bisher vor allem der Analytik von flüssigen Medien (Dichte, Brechungsindex, Viskosität, rheologische Eigenschaften, gelöste Gase) sowie der Bestimmung von Partikelgrößen diente. Der bisherige Quantachrome-Präsident Scott Lowell freut sich darüber, dass man mit Anton Paar einen Käufer gefunden habe, der auf eine „nachhaltige Unternehmensphilosophie“ setze, die das Bekenntnis zum Ausbau des Standortes in Boynton Beach einschließe.
February 8th
08.02.18
von
Klaus Fischer
Lanxess hat das Phosphoradditiv-Geschäft von Solvay übernommen.
Wie geplant, hat der deutsche Spezialchemie-Konzern Lanxess das Phosphorchemikalien-Geschäft des belgischen Chemiekonzerns Solvay übernommen. In den Kauf einbezogen ist auch der Produktionsstandort von Solvay in Charleston im US-amerikanischen Bundesstaat South Carolina. Etwa 90 Beschäftigte erzeugen dort Phosphorchlorid und eine Reihe von Folgeprodukten, darunter Flammschutz-Additive sowie Substanzen zur Erzeugung von Agrochemikalien.
Mitte November vergangenen Jahres hatten sich die beiden Unternehmen hinsichtlich der Akquisition geeinigt. Nun liegt das Placet aller zuständigen Behörden vor, verlautete Lanxess. Der Jahresumsatz der übernommenen Geschäftsbereiche von Solvay wird mit rund 65 Millionen Euro beziffert.
Chemiepolitik: Es grünt so grün
08.02.18
von
Klaus Fischer
Lead: „Chemie als Teil der Lösung“ für eine ganze Reihe von Problemen ist das Motto der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr. Einer der Höhepunkte könnte die „Green Chemistry“-Konferenz Anfang November werden.
Das Programm der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2018 steht fest - zumindest, was die Chemiepolitik betrifft. Wie Thomas Jakl, der Leiter der zuständigen Abteilung V / 5 im Umwelt- - pardon, natürlich Nachhaltigkeitsministerium - erläutert, steht sie unter dem Motto „Chemicals are part of the solution“. Jakl formuliert das so: „Wir wollen einen positiven innovativen, chemiefreundlichen Zugang.“ Dem diene insbesondere auch die „Green-Chemistry-Konferenz“ am 5. und 6. November in Wien. Beteiligt sind neben dem Ministerium die ISC3-Initiative, die Europäische Umweltagentur EEA und die UNIDO, die Entwicklungshilfe-Organisation der Vereinten Nationen. Als einer der Hauptreferenten hat sich John Warner angesagt, der gemeinsam mit Paul Anastas den Begriff „Green Chemistry“ kreierte. Jakl zufolge soll die Konferenz nicht zuletzt zeigen, was unter diesem Begriff zu verstehen ist und wie es mit der Rohstoffbasis aussieht. Denn die sattsam bekannte Teller-versus-Tank-Diskussion ein weiteres Mal aufzuwärmen, habe keinen Sinn. Umso weniger, als in der Green Chemistry ohnedies vor allem biotechnologisch generierte Materialien zum Einsatz gelangen sollen. Doch nicht nur technische Aspekte stehen bei der Konferenz auf dem Programm. Ein weiteres wichtiges Thema ist, ob der Einsatz von Green Chemistry den Unternehmen auch in Hinblick auf regulatorische Belange Vorteile bringen könnte. „Eine der Fragen ist, ob das Chemikalienmanagementsystem REACH und die übrige Gesetzgebung im Chemiebereich ausreichen Raum für Innovationen bieten“, erläutert Jakl. Sinnvoll könnte es beispielsweise sein, einschlägigen Unternehmen einfacheren Zugang zum Zulasssungssystem für neue Stoffe zu bieten sowie ihnen längere Zulassungsfristen oder reduzierte Zulassungsgebühren zu gewähren.
Ein weiterer Programmpunkt in der österreichischen „Presidency“ wird im September die Präsentation der ersten Ergebnisse des seit rund anderthalb Jahren laufenden „Human Biomonitoring“-Programms der Europäischen Union sein. Dieses zielt darauf ab, die Belastung der EU-Bürger durch chemische Stoffe zu erfassen und, so weit möglich, zu verringern. Laut Jakl geht es unter anderem darum, ob die Methodik zur Durchführung des Monitorings feststeht, ob die zu überwachenden Substanzen ausgewählt sind, ob sich sämtliche derzeit noch 28 EU-Mitgliedsstaaten beteiligen und ob ein tauglicher Auswertungsalgorithmus geschaffen wurde, um die wirklich wichtigen Substanzen herauszufinden. Weiters soll geklärt werden, ob sich bereits Trends in der Belastungssituation abzeichnen.
Kür und Pflicht
Und das ist nur die „Kür“ des Präsidentschaftsprogramms, also jener Teil, den Österreich aus eigenem Antrieb durchzuführen gedenkt. Was das Pflichtprogramm betrifft, steht nicht zuletzt das Abarbeiten von Vorschlägen der Kommission zu rechtlichen und regulatorischen Themen auf der Tagesordnung. Im zweiten Quartal erwartet wird Jakl zufolge eine Neufassung der Verordnung zu den „Persistent Organic Pollutants“ (POPs). So sind etwa die Anhänge hinsichtlich der Verbote von Substanzen zu erweitern. Ferner ist die auf europäischer Ebene bereits bestehende Arbeitsgruppe zu den persistenten Bioakkumulatoren gibt, formal bei der Chemikalienagentur ECHA in Helsinki einzurichten. Möglicherweise wird die Kommission auch einen Vorschlag zu Einwegplastik präsentieren. Eine diesbezügliche Ankündigung erging im Rahmen der kürzlich publizierten Plastikstrategie. „Da werden wir schauen, was kommt. Gesehen haben wir noch nichts“, konstatiert Jakl pragmatisch.
Mitteilungen der EU-Kommission sind unter anderem zur Überarbeitung von REACH („REACH-Refit“) sowie zum „Fitnesscheck“ bezüglich der Chemiegesetzgebung außerhalb von REACH angekündigt. Die Kommission plant, diese bei einer „High-Level-Konferenz“ gemeinsam mit der österreichichen Präsidentschaft vorzustellen, die aller Wahrscheinlichkeit nach im Oktober stattfindet. Weil insbesondere auch die skandinavischen Staaten an dieser Thematik höchst interessiert sind, werden sie auf Initiative Jakls in die Organisation der Konferenz eingebunden.
Das „Pflichtprogramm“ bildet die inhaltliche Grundlage für die Schlussfolgerungen, die auf dem Umwelt-Rat der EU im Dezember beschlossen werden sollen. Im Oktober und November sind diese in der Ratsarbeitsgruppe Umwelt zu verhandeln und so weit wie möglich zu finalisieren.
Laut Jakl hat auch die Chemieindustrie bereits ihre Wünsche kundgetan. Und manche davon sind ihm zufolge unkontroversiell. So müsse beispielsweise eine Lösung für Chemikalien gefunden werden, die in jenen Produkten enthalten sind, die in die EU importiert werden. Schließlich gehe es nicht an, dass ein und derselbe Stoff in der EU ein aufwändiges Zulassungsverfahren zu durchlaufen habe, aber ohne entsprechende Zulassung importiert werden könne. Ferner steht die Entflechtung der Bestimmungen von REACH und der Vorgaben zum Arbeitnehmerschutz auf der Agenda. Zurzeit sieht REACH für eine Reihe von Substanzen Grenzwerte vor, die an Arbeitplätzen einzuhalten sind. Jakl: „Da sagen viele zu recht, es gibt außerhalb von REACH entsprechende rechtliche Schutzvorgaben.“ Um Unsicherheiten und Doppelgleisigkeiten zu vermeiden, gibt es ihm zufolge zwei grundsätzliche Möglichkeiten: „Entweder man `kassiert´ die einschlägigen Bestimmungen in REACH. Oder man sagt: REACH ist überall dort anzuwenden, wo ein Risiko auftritt. Somit ist REACH auch ein Arbeitssschutzinstrument.“ In diesem Fall müssten die einschlägigen Bestimmungen des Chemikalienmanagemensystems adaptiert werden, damit die Chemiebranche bewährte Verfahren und Prozesse weiter verwenden könne.
Offen ist, ob die EU-Kommission noch ihren seit längerem angekündigten Vorschlag zur „Chemical Strategy: Towards a non-toxic environment“ vorlegt. Dessen Sinnhaftigkeit lässt sich laut Jakl diskutieren: „Schon allein der Titel ist problematisch. Die Minimierung von bestimmten Substanzen ist ja gut und schön, aber `not-toxic´ ist einfach nicht möglich.“
Minamata und SAICM
Bleiben noch jene Dinge, die auf UN-Ebene zu erledigen sind. Auf dem Programm steht insbesondere die zweite Vertragsstaatenkonferenz der Minamata-Konvention zum Schutz vor Quecksilber. Ferner ist eine Vertragsstaatentagung zum freiwilligen globalen Chemikaliensicherheitsprogramm SAICM abzuhalten. Dieses läuft 2020 aus. Während der der Tagung könnten erste Entscheidungen fallen, wie es danach weitergeht.
Zu guter Letzt ist geplant, dass das Management Board der ECHA im Lauf der „Presidency“ Wien besucht. Über zu wenig Arbeit dürften sich Jakl und sein Team heuer daher kaum zu beklagen haben.
February 1st
01.02.18
von
Klaus Fischer
Der britische Spezialchemikalienkonzern übernahm die Fabrik des deutschen Chemieriesen in Pischelsdorf.
Mit Datum 1. Februar erwarb Synthomer Austria die Fabrik von BASF in Pischelsdorf. Dort werden Papierdispersionen auf Styrol-Butadien-Basis erzeugt. Den Kaufpreis bezifferte BASF mit 30 Millionen Euro. Laut einer Aussendung des deutschen Konzerns übernimmt Synthomer Austria sämtliche 42 in der Fabrik Beschäftigten.
Synthomer Austria ist eine Tochter des britischen Spezialchemikalienkonzerns Synthomer. Dieser beziffert seinen Jahresumsatz mit rund 1,2 Milliarden Euro. Weltweit hat er nach eigenen Angaben rund 2.750 Beschäftigte an 25 Standorten.
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