Konjunktur: „Ein Plus, das nicht reicht“
Die Bundessparte Industrie ist mit dem Produktionswert-Zuwachs von 3,0 Prozent im Jahr 2025 nicht zufrieden. Sie hat eine Reihe von Forderungen an die Politik, unter anderem die Anpassung des gesetzlichen Pensionsalters an die Lebenserwartung.
„Ein Plus, das nicht reicht“ – so beschrieb der Geschäftsführer der Bundessparte Industrie in der Wirtschaftskammer, Andreas Mörk, bei einer Pressekonferenz zur Konjunktur die Situation. Wohl habe Österreichs Industrie von 2024 auf 2025 eine Steigerung ihres Produktionswerts um 3,0 Prozent auf rund 209 Milliarden Euro verzeichnet. Doch dies genüge nicht, „um die massiven Verluste des Jahres davor zu kompensieren“. Von 2023 auf 2024 sank der Produktionswert nämlich um etwa 6,9 Prozent. Und außerdem, konstatierte Mörk, sei das mit dem Zuwachs im vergangenen Jahr so seine Sache: Preisbereinigt mit dem Erzeugerpreisindex (EPI) habe der Produktionswert von 2025 „zu den Preisen von 2021“ nämlich nur 180 Milliarden Euro betragen: „Das heißt, eigentlich haben wir in den vergangenen fünf Jahren 30 Milliarden Euro verloren.“
Und ohnehin sei die Produktionsleistung von sieben der 16 Fachverbände der Bundessparte gesunken. Nur bei der Chemiebranche, der Nahrungs- und Genussmittelindustrie sowie der Elektro- und Elektronikindustrie sei es gelungen, das Produktionsniveau von 2022 wieder zu erreichen. Zu berücksichtigen ist laut Mörk dabei, dass der Chemiesektor von 2022 auf 2023 einen regelrechten „Einbruch“ verzeichnet habe, ebenso wie die Elektro- und Elektronikindustrie von 2023 auf 2024. Und das nunmehrige Plus werde auch nur durch „einzelne, wenige Unternehmen“ getragen: „Das ist kein Flächenwachstum. Zum Teil gibt es massive Probleme.“ Dies zeigt sich laut Mörk auch bei der Beschäftigung: Seit November 2023 gingen seinen Angaben zufolge rund 25.000 Jobs in der Industrie verloren. Betroffen sei auch das Eigenpersonal, das etwa 95 Prozent der gesamten Belegschaft ausmache. Nicht eben überragend verlief ferner das erste Quartal 2026: „Immerhin geht es nicht weiter nach unten. Statt dessen sieht es nach einer Seitwärtsbewegung aus.“
SAG-Förderungen beantragen
Ähnlich äußerte sich Spartenobmann Siegfried Menz: „Die Lage der Industrie ist zwiegespalten. Einigen Unternehmen geht es sehr gut, vielen aber eher schlecht.“ Die Politik müsse dringend handeln, denn den Prognosen der Nationalbank zufolge „rutschen wir wieder in die Rezession“. Insbesondere fordert die Industrie laut Menz eine Senkung der Lohnnebenkosten um etwa zehn Milliarden Euro „auf deutsches Niveau“. Das gesetzliche Pensionsantrittsalter wiederum müsse „nach dem Vorbild Dänemarks“ erhöht werden. Auf Ersuchen der Redaktion konkretisierte Menz, die Regierung in Kopenhagen plane, dieses bis 2040 auf 70 Jahre zu steigern. Grundsätzlich gehe es darum, es der Lebenserwartung anzupassen. Darüber hinaus seien die Mittel für die Strompreiskompensation (Stromkostenausgleich, SAG) sowie den ab 2027 vorgesehenen „Industriestrompreis“ von 250 Millionen auf 500 Millionen Euro zu verdoppeln. Überdies ist Menz zufolge „eine klare Perspektive“ für die Zeit nach 2029 erforderlich.
Bekanntlich hatte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer die SAG-Förderungen freigegeben, ohne die Genehmigung der EU-Kommission abzuwarten. Auf Anfrage der Redaktion riet Geschäftsführer Mörk trotz der damit verbundenen rechtlichen Unsicherheiten und des Risikos möglicher Rückzahlungen, die Förderungen jedenfalls zu beantragen: „Die Rechtsunsicherheiten werden sich bald klären, und die jetzigen Anträge beziehen sich auf die Mittel für das vergangene Jahr.“ Wünsche hat die Wirtschaftskammer auch zum europäischen Emissionshandelssystem ETS. Die Industrie sollte die Gratiszertifikate auch über das Jahr 2039 hinaus bekommen. „Das muss so lange erfolgen, bis das System der CO2-Zölle, also der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM), funktioniert. Eine genaue Jahreszahl kann ich nicht nennen“, konstatierte Mörk auf die Frage der Redaktion.
