Wurden früher die meisten Analysen in zentralen Labors durchgeführt, werden heute vermehrt Point-of-Care-Analysen mit mikrofluidischen Einmalchips durchgeführt. Deren Strukturen werden derzeit durch einen hohen F&E-Aufwand realisiert. Dieser Aufwand lässt sich durch den am <a href=http://www.ipa.fraunhofer.de>Fraunhofer IPA</a> entwickelten modular aufgebauten mikrofluidischen Baukasten deutlich reduzieren. <% image name="Mikrofluidischer_Baukasten" %><p>
<small> Bild 1: Bausteine des mikrofluidischen Baukastens. Fraunhofer IPA </small>
Die Umsetzung mikrofluidischer Prozesse auf Einmalchips wird realisiert bei Analysen, die massenhaft durchgeführt werden. Voraussetzung dafür ist die erfolgreiche Abbildung und Testung verschiedener aufeinander folgender mikrofluidischer Strukturen auf Modulen des modularen Baukastens. Die Analysechips können nach erfolgreicher Testung der zusammenhängenden Strukturen auf der Plattform als monolithisches System günstig und in hohen Stückzahlen hergestellt werden. Der Chip kommt dann bei Point-of-Care-Analysen zum Einsatz. Die Probe wird dabei direkt in den Chip eingeführt und kommt zur Auswertung in ein speziell dafür entwickeltes Gerät.
Mit dem mikrofluidischen Baukasten ist es auch möglich, Prozesse in mikroverfahrenstechnischen Produktionen zu realisieren. Ein Beispiel ist die Entwicklung einer Mikropharmafertigung, die patientengerechte, flüssige Medikamente vor Ort herstellt. Das ermöglicht die individuell angepasste Dosierung einzelner Wirkstoffe, was eine verbesserte Therapie zur Folge hat. Darüber hinaus werden unwirksame Zusatzstoffe wie Konservierungsstoffe und eine Überproduktion vermieden.
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<small> Bild 2: Durchführung eines immunologischen Prozesses mit mikrofluidischen Bausteinen auf mehreren Ebenen. </small>
Die Entwicklung der mikrofluidischen Strukturen erfolgt, indem zunächst die Funktionen eines Prozessablaufs (z.B. Fördern, Mischen, Temperieren, Separieren) einzeln und anschließend auf unterschiedlichen Modulen abgebildet werden (Bild 1). Die Module werden dann auf einer Plattform zunächst separat, später als zusammengesetzter Prozess getestet. So können beliebige Prozesse innerhalb kürzester Zeit entwickelt werden.
Auch Prozesse aus der Lebensmittel- und Umweltanalytik sowie der Mikrosystemtechnik können aufgebaut, getestet und realisiert werden. Voraussetzung für das Funktionieren des Baukastens ist das Vorhandensein definierter Schnittstellen. Dies betrifft nicht nur die Schnittstellen der Module untereinander, sondern ganz besonders die Schnittstellen des Baukastensystems zur Makrowelt. Bild 2 zeigt eine Plattform, auf der verschiedene mikrofluidische Module für einen immunologischen Prozess verknüpft sind.Mikrofluidischer Baukasten vom Fraunhofer IPA
Flavobacterium und Pedobacter: Neue Arten entdeckt
<a href=http://www.allweiler.de>Allweiler</a> hat die neue Kreiselpumpe ALLHEAT 1000 vorgestellt. Sie st speziell dafür konstruiert, Thermalöle zu fördern und erweitert das Leistungsspektrum der Produktfamilie ALLHEAT für unterschiedliche Wärmeträger wie Öle, Wasser, Glykole und Salzschmelzen. <% image name="Allweiler_Allheat1000" %><p>
<small> Die ALLHEAT-Produktfamilie der Wärmeträgerpumpen umfasst 14 unterschiedliche Kreiselpumpen-Modelle. </small>
Wie alle ALLHEAT-Pumpen benötigt auch ALLHEAT 1000 keine externe Kühlung. Die Pumpe fördert Thermalöle bis 350 °C und ist ideal, um größere Mengen Thermalöl zuverlässig über große Entfernungen zu fördern. So wird etwa bei 50 Hz und 2.900 l/min eine Fördermenge von 1.000 m³/h auf 80 m erreicht. Die max. Förderhöhe beträgt 100 m, die max. Fördermenge 1.450 m³/h.
<small> Mit mehreren Hunderttausend verkauften Pumpen seit Beginn der Fertigung von Wärmeträgerpumpen zählt Allweiler heute international zu den führenden Herstellern von Wärmeträgerpumpen. Der Hersteller garantiert weltweit einen 24-h-Reaktions-Service für seine Pumpen. Dies umfasst u.a. Ersatzteile, Wartung und Service vor Ort sowie Laufzeitgarantien gemäß VDMA. </small>Neue Hochleistungspumpe für Wärmeträger
Menschen der Chemie: Karl Zojer im Gespräch mit Frank Kubel, dem Leiter des Fachbereiches Strukturchemie am Institut für Chemische Technologien und Analytik an der TU Wien.Struktur-Chemiker mit Leucht-Kraft<% image name="kubel" %><p>
<small> Frank Kubel: Bringt Kristalle zum Leuchten und kann sich einen Europaschwerpunkt Energieforschung in Österreich gut vorstellen. </small>
<i>Sie sind vor neun Jahren von Genf nach Wien berufen worden. Der Bereich Strukturchemie hat unter Ihrer Führung eine Imagekorrektur vollzogen – was haben Sie verändert?</i>
Hinter mir liegt eine spannende Zeit, die durch den Aufbau einer "Leuchtstoffgruppe", aber auch durch starke Veränderungen in der Universitätspolitik geprägt wurde. Mein erstes Ziel war es, junge Menschen von meiner Leidenschaft zur Chemie zu überzeugen und sie in die Ausbildung und die wissenschaftliche Forschung einzubinden. Das habe ich erreicht, inzwischen kommen sogar Schüler als gern gesehene Forschungsgäste zu uns. Es ist wesentlich, die Begeisterung für Naturwissenschaft und Technik möglichst früh zu wecken; nur dann werden wir ausreichend Nachwuchs an Studierenden – und damit auch an ausgebildeten Fachkräften – bekommen.
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<small> Dotierte Kristalle können via UV-Licht zu intensivem Leuchten angeregt werden – als Leuchtstoffe der nächsten Generation sind sie Glühlampen meilenweit überlegen. </small>
<i>Als Fachkraft der Strukturchemie – womit haben Sie hier zu tun?</i>
Die Strukturchemie ist per Definition ein Teilbereich der Physikalischen Chemie mit Schwerpunkt auf der Strukturbildung in Molekülen und Festkörpern. Wir fügen durch unsere spezielle Forschung an dotierten Kristallen und festen Lösungen, die durch UV-Licht zum intensiven Leuchten angeregt werden, einen Technologieaspekt hinzu.
Als Bereich ist die Strukturchemie im Institut für Chemische Technologien und Analytik eingebettet. Durch die Zusammenführung ehemals kleiner Forschungseinheiten ist nun eine viel bessere Ausnützung von Ressourcen möglich: Alle Festkörpersynthesen bei 1.000 bis 1.500 °C können vor Ort durchgeführt werden und das Ergebnis der Synthese kann im darauffolgenden Schritt in atomarer Auflösung analysiert werden. Darin liegt die Stärke eines interdisziplinären Bereiches.
Aus dieser Vielseitigkeit ergibt sich auch die Motivation für meine Arbeit: Ich versuche, die Mechanismen der Umwandlung von UV-Licht in sichtbares Licht zu verstehen. Ähnlich wie ein farbloser Korundkristall durch den Einbau von wenig Chrom zum roten Rubin wird, oder durch Einbau von wenig Eisen und Titan zum blauen Saphir mutiert, zeigen unsere Kristalle durch Einbau von wenig Europium (einem Seltenerdelement) intensive Leuchteigenschaften, je nachdem in welchen Kristall sie eingebaut werden.
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<i>Sie haben gerade bei der Erforschung von Leuchtmitteln einen beachtlichen Erfolg erzielt. Wo sind Sie dran?</i>
Als Forscher bin ich eingebunden in nahezu alle Bereiche der Chemie – der theoretischen Chemie, der Synthesechemie, der analytischen Chemie und der angewandten technologisch orientierten Chemie. In der Grundlagenforschung suchen wir unbekannte Verbindungen als Wirtgitter für Leuchtelemente. Die Idee, Fluoride in die Leuchtstoffforschung einzuführen, hat sich als Erfolgsmodell herausgestellt, denn wir haben zusammen mit den Genfer Kollegen einen sehr hellen, weißen Leuchtstoff aus einer reinen Verbindung mit nur einem Leuchtelement hergestellt.
In der Angewandten Forschung stellen wir Verbindungen und Gemische gezielt als Leuchtstoffe für die nächste Generation an Leuchtmitteln, also Leucht- oder UV-Dioden bzw. quecksilberfreie Leuchtröhren, her. Dabei spielen eben Energieeffizienz und Umweltaspekte eine entscheidende Rolle. Es bedarf dabei der präzisen Kenntnis der Kristallstruktur ebenso wie der Intuition des Chemikers, welches Leuchtelement in welcher Menge (meist weniger als 1 %) chemisch eingebaut werden muss, um als Pulver ein im UV-Licht hell leuchtendes Material herzustellen. Wenn dann eine Verbindung ihren Weg in die technische Anwendung findet – und das haben wir nun erreicht – dann ist einem der Durchbruch gelungen.
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<i>Die EU hat kürzlich bei den Glühlampen eine neue Richtlinie herausgegeben. Beflügelt das Ihre Arbeit?</i>
Licht ist gleich Zivilisation, wir wollen auf Licht nicht verzichten. Bei einer Energieeffizienz von 5 % Licht und 95 % Wärme gehen traditionelle Glühbirnen nicht gerade sparsam mit der Energie um. Eine mit modernen Leuchtstoffen durchgeführte effiziente Beleuchtung kann den Stromverbrauch weltweit um 10 % drosseln. Die Politik hat dieses Thema nun aufgegriffen und sorgt vernünftigerweise dafür, dass "Energiefresser" weltweit vom Markt verschwinden. Unsere Forschung hat im engen Sinne mit dem verantwortungsvollen Umgang mit Energieressourcen zu tun und daher hat die Industrie bereits mehrere Forschungsprojekte gefördert. Die meiste Unterstützung kam bisher aus der Schweiz, derzeit bemühe ich mich um Forschungsförderung in Österreich. Neue Richtlinien machen allerdings nur dann Sinn, wenn naturwissenschaftliche Forschung mit dem Ziel der Energieoptimierung gefördert wird.
Der Grenzbereich "Energieforschung", der meinem Verständnis nach zukünftig vor allem eine Energiesparforschung sein sollte, wird weder zur Grundlagenforschung noch zur reinen angewandten Forschung gerechnet. Verantwortung und Finanzierung dafür wird also weder von der Industrie noch von der Politik übernommen. Ein konkretes Bekenntnis zur Energiesparforschung wäre wohl der nächstfolgende Schritt für die EU.
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<i>Ihr Institut ist im Fachbereich Chemie ein gesuchter Kooperationspartner. Wo liegen die Schwerpunkte in der Zusammenarbeit mit anderen Institutionen?</i>
Die Naturwissenschaft und angewandte Forschung benötigt genaues Wissen über atomare Strukturen, um Eigenschaften zu verstehen und zu verbessern. Daher tragen wir unsere Kenntnisse auch in andere Institute und kleinere Firmen hinein, die diesen Service nicht von sich aus haben. Dort bieten wir dann die Analyse von Röntgenfeinstrukturen und Pulverproben an und haben dabei Kontakt mit der Pharmazeutischen Großindustrie bis zu Mittelständischen Betrieben.
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<i>Wie sehen Sie Ihre Forschungen im internationalen Konnex?</i>
Untersuchung von Leuchtstoffen wird zur Zeit hauptsächlich im asiatischen Raum betrieben, da dort die dazu nötige Zahl an Forschern und vor allem der politische Wille zur Energiesparforschung steht. In Österreich kann man nur mit ausgezeichneter Grundlagenforschung konkurrieren. Einen Europaschwerpunkt "Energieforschung" könnte ich mir in unserem Land gut vorstellen. Die dazu ausgebildeten Forscher und immer mehr hochmotivierte junge Leute sind vorhanden.
<i>Sie haben als Ordinarius schon einige Änderungen im universitären Bereich mitgemacht. Wie kommen Sie damit zu Rande?</i>
Die neuen Gesetze und Regelungen entlasten von der Verwaltungsarbeit, aber um mitzugestalten, muss man jetzt andere Wege gehen. Dabei spielt ein gutes Arbeitsklima in der Fakultät für Technische Chemie und eine hervorragende Gesprächsbasis zu unserem sehr engagierten und dynamischen Dekan – seit 2004 hat sich vieles in die richtige Richtung bewegt, – eine große Rolle. Die Autonomie der Universitäten in Österreich ist allerdings noch nicht ganz so weitgehend, wie es wünschenswert wäre. Wesentliche Entscheidungen, wie der dringend notwendige Bau eines neuen Gebäudes für die Chemie, des sogenannten Lehartraktes, werden nach wie vor primär an anderer Stelle entschieden, nicht an der Universität.
<i>Ihr Institut hat einen Modernisierungsschub angekündigt. Wo wird investiert?</i>
Wir haben unsere Analysegräte mit Hilfe des Instituts auf den neuesten Stand bringen können und erwarten mit Ungeduld ein Einkristalldiffraktometer, das als Beispiel für institutsübergreifende Aktionen – auf Initiative des Instituts für Materialchemie aus Mitteln der Universität – angeschafft und bei uns betrieben wird. Damit wären wir wieder auf einem zeitgemäßen Stand der Forschung angelangt.
Krebs- und Schmerzforschung, schlaflose Zebrafische, Biomoleküle im Weltraum, Computersimulationen, Nanopartikel – molekulare Biowissenschaften sind am <a href=http://www.uibk.ac.at/forschung/zentren/cmbi.html>CMBI</a> der Leopold-Franzens-Uni Innsbruck vielfältig vertreten. Dies wurde Ende September deutlich, als sich das CMBI zum viertenmal mit einer Tagung der Öffentlichkeit vorstellte. Carola Hanisch berichtet über 2 der spannendsten Vorträge. <hr><big> Mensch und Seeanemone haben mehr gemeinsam<br>als es scheint </big><p><p>
Einer der faszinierendsten Vorgänge des Lebens ist die Gestaltbildung: Zellen organisieren sich selbständig zu Geweben, Organen und letztlich zu hochkomplexen Organismen. Sie alle haben denselben genetischen Grundbauplan, und doch weiß jede einzelne, welche Aufgabe ihr zukommt und was die anderen tun. Wie dieses Zusammenspiel funktioniert, will Thomas Holstein von der Uni Heidelberg an Polypen und Seeanemonen herausfinden. Ihn interessieren die Gene und Moleküle, welche die Vermehrung und Regeneration dieser Nesseltiere dirigieren.
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<small> Die Signalwege der Seeanemone Nematosella finden sich auch in höheren Organismen wieder. </small><p>
Dabei blickt er quasi zurück in die Frühzeit der Evolution, denn Nesseltiere bevölkern die Erde bereits seit rund 650 Mio Jahren. Sie gehören zu den ältesten heute noch lebenden vielzelligen Tieren. Wenn also heutzutage ein Polyp heranwächst, laufen vermutlich ganz ähnliche Vorgänge ab wie damals, als sich zum erstenmal in der Geschichte des Lebens einzelne Zellen zu einem Organismus zusammentaten.
Auf das ihnen innewohnende Gestaltbildungs-Programm können die Tiere ein Leben lang zurückgreifen: Verlorengegangene Körperteile bilden sich problemlos neu. Schneidet man dem Polypen Hydra den mit Nesselfäden bestückten Kopf ab, so wächst dieser umgehend nach, wenn auch nicht in doppelter Ausführung wie bei dem gleichnamigen Seeungeheuer der Antike. Man kann den Polypen sogar in 100 Teile schneiden und aus jedem entsteht ein neues Tier.
<b>Gleiche Signalwege.</b> Im Jahr 2000 machte Bert Hobmayer, der damals in Holsteins Gruppe arbeitete und heute an der Uni Innsbruck ist, eine entscheidende Entdeckung. Er fand heraus, dass es den vom Menschen bekannten Wnt-Signalweg (gesprochen „wint“) auch beim Polypen Hydra gibt. Ein Signalweg ist eine Art Kettenmechanismus, der über sich gegenseitig aktivierende Moleküle Informationen weiterleitet. Beim Menschen trägt der Wnt-Signalweg zur Gestaltbildung des Embryos bei. Hobmayer entdeckte damals, dass der Signalweg bei Hydra eine ganz ähnliche Aufgabe erfüllt. Das bedeutet, dass es sich um einen uralten Steuermechanismus handelt, der vom Nesseltier bis zum Menschen erhalten geblieben ist.
Holstein und seine Mitarbeiter, damals noch in Darmstadt, machten sich im Erbgut der Nesseltiere auf die Suche nach weiteren Wnt-Genen. Der Mensch besitzt insgesamt 12, Insekten und Würmer haben deutlich weniger. Für die „lebenden Fossilien“ wäre ein Minimal-Satz an Wnt-Genen angemessen erschienen. Doch die Wissenschaftler machten 12 Wnt-Gene ausfindig, nicht nur genauso viele, sondern auch fast dieselben wie beim Menschen.
Der Stammbaum der Wnt-Gene hat sich demnach im Laufe der Evolution nicht zunehmend verästelt. Vielmehr gehörte der heute beim Menschen vorhandene Satz an Wnt-Genen gewissermaßen von Anfang an zur Grundausstattung vielzelliger Tiere. Vielleicht war er sogar nötig, um den wichtigen Meilenstein in der Geschichte des Lebens vom Einzeller zum Organismus überhaupt erst zu ermöglichen. Warum später einige Tiere auf Teile dieses Basis-Sets verzichten konnten, bleibt vorerst unklar.
Doch damit nicht genug der Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Nesseltier: Wie Holstein am CMBI-Meeting berichtete, sind mittlerweile zahlreiche weitere wichtige Signalwege höherer Organismen auch bei Polypen und Seeanemonen gefunden worden. In allerjüngster Zeit ist die Sequenzierung ihrer Genome nahezu abgeschlossen. Das Ergebnis bestätigt den Trend: Nesseltiere haben fast dieselbe Anzahl von Genen wie der Mensch, und mehr als die beliebten Modelltiere Fadenwurm und Fliege. Daher lässt sich die im Laufe der Evolution zunehmende Komplexität der Lebewesen nicht, so glaubt Holstein, mit einer Vergrößerung des Erbguts erklären. Sie muss eine andere Ursache haben, möglicherweise die immer ausgefeilteren Regulationsmechanismen der Gene.
Für die angewandte Forschung sind all diese Erkenntnisse von großer Wichtigkeit. So ist der Wnt-Signalweg, wenn er außer Kontrolle gerät, an der Krebsentstehung beteiligt. Seine Erforschung hat daher hohe Priorität. Polypen und Seeanemonen sind zudem als Modelltiere für die Gestaltbildung interessant, da sie über dieselben Gene und Signalwege verfügen wie der Mensch. Interessant ist vor allem jenen Vorgang zu erforschen, den die Nesseltiere meisterhaft beherrschen: die Regeneration. Vielleicht lassen sich daraus auch Erkenntnisse für Heilungsprozesse beim Menschen gewinnen.
<hr><big> Antibiotika-Target unter die Lupe genommen </big><p><p>
Bakterien sind – wie alle Zellen – hochkomplexe Fabriken für die verschiedensten Biomoleküle. Sie benutzen ausgefeilte Rückkoppelungsmechanismen, um ihre Produktionsmaschinerie jederzeit an den aktuellen Bedarf anzupassen. Ein erst kürzlich entdecktes Steuerprinzip bedient sich so genannter Riboschalter. Sie sind gleichzeitig Sensoren und Schalter, weil sie das Vorhandensein eines Biomoleküls aufspüren und seine Herstellung steigern oder drosseln können.
Die Funktionsweise ist verblüffend einfach: Der Riboschalter sitzt am Ende einer Boten-RNA, welche die Anweisung zum Zusammensetzen eines Biomoleküls transportiert. Er verfügt über eine Bindungsstelle für eben jenes Biomolekül. Bekommt er eines zu fassen, faltet er sich blitzschnell um. Diese Strukturänderung der RNA verhindert, dass die auf ihr gespeicherte Bauanleitung weitergegeben wird.
<b>Stopptaste für Biomoleküle.</b> Riboschalter gelten als interessante Ziele der Antibiotikaforschung. Die Strategie ist naheliegend: Man versucht ein Molekül zu designen, das statt des eigentlichen Liganden an den Riboschalter bindet. Somit wird dem Bakterium vorgegaukelt, es habe bereits eine ausreichende Menge des Liganden hergestellt, und es stellt die weitere Produktion ein.
Wenn dieses Molekül aber für das Bakterium lebenswichtig ist, geht es an dem Mangel zugrunde. Dass diese Strategie prinzipiell erfolgreich sein kann, zeigt das Beispiel des seit Jahrzehnten bekannten antimikrobiellen Wirkstoffs Pyrithiamin. Wie erst kürzlich entdeckt wurde, blockiert er den Thiaminpyrophophat(TPP)-Riboschalter. TPP ist die biologisch aktive Form des Vitamins B1 und als Coenzym an vielen wichtigen Stoffwechselprozessen beteiligt. Der TPP-Riboschalter kommt in zahlreichen Bakterien und Pilzen vor, darunter auch Krankheitserreger.
Um derartige Wirkstoffe in Zukunft maßschneidern zu können, ist es wichtig, den Umfaltungsprozess der Riboschalter-RNA genau zu verstehen. Das Problem ist, dass die Kristallstruktur der Riboschalter bisher nur im „Endzustand“ bekannt ist, wenn der Ligand bereits fest angekoppelt ist. Der Ausgangszustand lässt sich nicht kristallisieren – wahrscheinlich ist er zu beweglich. Kathrin Lang vom Institut für Organische Chemie der Universität Innsbruck hat nun eine indirekte Methode angewandt, um die Strukturänderung herzuleiten.
Anhand der bekannten Kristallstruktur des gebundenen Schalters suchte sie sich Nukleotide heraus, die sich möglichst störungsfrei ersetzen lassen. Dann stellte sie in einem sehr zeitaufwändigen Verfahren künstliche RNA-Schalter her, die genau an den vorgegebenen Stellen ein fluoreszierendes 2-Aminopurin trugen. Die Fluoreszenz dieser Sonden ändert sich in Abhängigkeit von ihrer unmittelbaren Umgebung. Man kann daher die Bewegung einzelner Nukleotide beim Umschalten mitverfolgen und ihre Geschwindigkeit bestimmen. Kathrin Lang hat dieses Verfahren an verschiedenen Stellen des Riboschalters angewandt und konnte aus der Gesamtheit der Daten ein Faltungsmodell entwickeln. Danach wirkt TPP wie eine rasch zuschnappende Klammer, die zwei Enden des Riboschalters zusammenzwingt. Diese plötzliche Nähe wiederum ermöglicht weitere, langsamere Verknüpfungen der Schalter-Teilstrukturen. Nun gilt es Moleküle zu finden, die gewissermaßen eine Dauerklammer bilden und dadurch antibiotische Wirkung zeigen.
<small> K. Lang, R. Rieder, R. Micura; 'Ligand-induced folding of the thiM TPP riboswitch investigated by a structure-based fluorescence spectroscopic approach'; Nucl. Acids Res. 2007, 35, 5370-5378. </small>Wie aus einzelnen Zellen ein Organismus wird
October 19th
<small>Miesmuschel als Vorbild:</small><br> Bionischer Feuchtkleber für Zahnimplantate
Bill und Melinda Gates riefen dazu auf, sich "ein kühnes Ziel - den Tag zu erreichen, an dem kein Mensch mehr Malaria hat und keine Mücke auf der Erde den Erreger mehr beherbergt" zu setzen. Die US-Präsidentschaftskandidaten wurden zur Beibehaltung und Erweiterung der Malariainitiative des US-Präsidenten aufgefordert.<% image name="Gates_Foundation" %><p>
"Fortschritte in der Wissenschaft und das wachsende Interesse von Menschen überall auf der Welt bieten eine historische Chance, Malaria nicht nur zu behandeln oder zu kontrollieren - sondern auch eine langfristige Strategie zur Ausrottung dieser Krankheit festzulegen", so Melinda Gates.
Bill Gates sagte, dass "<b>ein Andrang neuer Akteure</b>" - darunter etwa der Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis, and Malaria, das Malaria Booster Program der Weltbank und die Malariainitiative des US-Präsidenten - neue Energien und Ressourcen für die weltweiten Anstrengungen zur Malariakontrolle beisteuert. Zusammen genommen haben diese Initiativen <b>3,6 Mrd $ zur Malariakontrolle</b> zur Verfügung gestellt und werden mehr als 70 Länder erreichen.
Gates lobte auch die afrikanischen Länder, die aggressive, umfassende Programme zur Malariakontrolle durchgeführt haben. Insbesondere äußerte er sich anerkennend über das Malariaprogramm von Sambia, als einem "inspirierenden Beispiel einer landesweit koordinierten Anstrengung."
Ein <u>neuer UNICEF-Bericht</u> dokumentiert den Fortschritt der Bemühungen um eine Kontrolle der Malaria:
• Die jährliche Versorgung mit insektizidbehandelten Bettnetzen zur Malariaprävention wurde in den letzten Jahren mehr als verdoppelt, von 30 Mio Netzen im Jahr 2004 auf 63 Mio Netze in Jahr 2006.
• Die globale Beschaffung von Artemisinin-Kombitherapien, die die effektivste Form der Malariabehandlung darstellen, stieg von 3 Mio Dosen 2003 auf 100 Mio in Jahr 2006.
Als Beitrag zur Weiterführung dieses Fortschritts riefen Herr und Frau Gates die US-Präsidentschaftskandidaten dazu auf, sich zur Unterstützung der Malariainitiative des Präsidenten zu verpflichten, einem von Präsident Bush 2005 begonnenen Programm in Höhe von 1,2 Mrd $. Bill Gates sagte: "Malaria wird ohne die volle Unterstützung des Präsidenten der USA niemals ausgerottet werden."
Bill Gates nannte die "außergewöhnliche Breite der laufenden Forschung zu Medikamenten, Impfungen und anderen Kontrollwerkzeugen" als einen weiteren Grund für den neuen Optimismus im Kampf gegen Malaria. Als Beispiele für wissenschaftliche Fortschritte, die in jüngster Zeit durch von der Gates-Stiftung geförderte Projekte erzielt wurden, seien nachfolgend aufgeführt:
• <u>Impfstoffe</u>: Neue Studienergebnisse von der PATH Malaria Vaccine Initiative zeigen, dass der experimentelle Malariaimpfstoff RTS,S sicher ist und möglicherweise das Risiko einer Malariainfektion bei Säuglingen signifikant senken kann. In der Studie an 200 Säuglingen senkte der Impfstoff die Rate der Neuinfektionen um 65 % über einen Zeitraum von dreieinhalb Monaten. Eine groß angelegte Phase-III-Studie zu dem Impfstoff wird im nächsten Jahr in 10 afrikanischen Studienzentren durchgeführt werden.
• <u>Medikamente</u>: Das Medicines for Malaria Venture, das zurzeit nach Behandlungsmöglichkeiten forscht, mit denen Resistenzen gegenüber vorhandenen Medikamenten überwunden werden können, hat das größte Portfolio an Malariamedikamenten in der Geschichte entwickelt und erwartet für 2008 die aufsichtsbehördliche Zulassung einer verbesserten Behandlung für Kinder.
• <u>Mückenkontrolle</u>: Das Innovative Vector Control Consortium entwickelt zurzeit neue und verbesserte Insektizide zur Kontrolle der malariaübertragenden Mücken.
Neue Impfstoffe, Medikamente und Insektizide werden dabei helfen, "den Übertragungszyklus zu durchbrechen und die Krankheit auszurotten", so Melinda Gates. "Sowohl die Privatindustrie als auch die öffentlichen Forschungseinrichtungen müssen auch weiterhin in neue Werkzeuge investieren, damit eine Ausrottung der Malaria möglich wird."
<small> <b>Jedes Jahr</b> sterben mehr als 1 Mio Menschen an Malaria, die meisten davon sind Kinder. Eine Kampagne zur Ausrottung der Malaria in den 1950er und 1960er Jahren scheiterte wegen des Rückgangs der Gebermittel und der zunehmenden Resistenzen gegen Medikamente und Pestizide. Seitdem lag der Schwerpunkt von Malariaprogrammen auf der Senkung, nicht der Beseitigung der durch Malaria verursachten Probleme. </small>Malaria: Bill & Melinda Gates fordern neues Engagement
Die Konzentration von Wasserstoff und Edelgasen in korrosiven Gasen ermittelt das neue Gasanalysengerät <a href=http://www.siemens.com/calomat>Calomat 62</a> von Siemens A&D. Es misst Gaskomponenten wie H<small>2</small>, N<small>2</small>, Cl<small>2</small>, HCl oder NH<small>3</small> in binären oder quasi-binären Gemischen. <% image name="Siemens_Calomat" %><p>
Damit eignet sich das Gerät etwa für Messaufgaben in der Chlor-Alkali-Elektrolyse, Stahlbearbeitung- und -herstellung, Ammoniaksynthese und Kunstdüngerherstellung sowie für LNG-Anlagen. Calomat 62 ergänzt das bereits verfügbare Calomat 6, das Pendant zur Messung in nicht-korrosiven Gasen.
Calomat 6 und 62 gibt es sowohl im kompakten 19-Zoll-Gehäuse als auch im spülbaren IP65-Feldgehäuse mit gasdichter Trennung des Elektronik- und des Analysierteils. Beide Geräte bieten die interne und externe Korrektur von Einflüssen durch Quergase. Zur schnellen und einfachen Wartung kommunizieren die Geräte über TCP/IP-Ethernet mit dem Softwaretool Siprom GA. Die Profibus-DP- oder Profibus-PA-Schnittstellen ermöglichen durchgängige Automatisierungslösungen.Calomat 62: Neues Messgerät für korrosive Gase