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May 4th, 2017
Solvay und Albemarle: Zufrieden mit erstem Quartal
04.05.17
von
Klaus Fischer
Der belgische Chemiekonzern und der US-amerikanische Lithium-Erzeuger haben Umsatz und EBITDA gesteigert.
Einen „starken Start ins Jahr 2017“ meldet der belgische Chemiekonzern Solvay. Der Nettoumsatz wuchs im ersten Quartal 2017 gegenüber dem ersten Quartal 2016 um 9,7 Prozent auf 2,97 Milliarden Euro, das EBITDA um 12 Prozent auf 616 Millionen Euro. Hinsichtlich des EBIT verzeichnete Solvay ein Plus von 16 Prozent auf 429 Millionen Euro. Laut Angaben des Unternehmens hat sich der Nettoumsatz in fast allen Geschäftsbereichen erhöht, bei Advanced Materials um 4,0 Prozent auf 1,12 Milliarden Euro, bei Advanced Formulations und Performance Chemicals um jeweils zwölf Prozent auf 741 bzw. 668 Millionen Euro und bei Functional Polymers um 19 Prozent auf 430 Millionen Euro. Kaum ins Gewicht fällt dem gegenüber der Umsatzrückgang von 4 auf 3 Millionen Euro im Bereich Corporate & Business Services. Solvay begründete diese Entwicklung mit höheren Verkaufsmengen und Verkaufserlösen, die die ebenfalls gestiegenen Einkaufspreise für die Rohstoffe überkompensierten.
CEO Jean-Pierre Clamadieu sagte, er wolle den „Weg des Wachstums“ fortsetzen. Für das Gesamtjahr 2017 erwarte Solvay eine Steigerung des EBITDA im „mittleren einstelligen Prozentbereich“. Der Free Cash Flow werde sich auf etwa 800 Millionen Euro belaufen, verglichen mit 164 Millionen im ersten Quartal.
Mehr Geld mit Lithium
Zufrieden mit dem ersten Quartal zeigte sich auch Luke Kissam, der CEO des US-amerikanischen Chemiekonzerns Albemarle, der zu den weltweit wichtigsten Lithium-Produzenten gehört. Sein Unternehmen meldete für das erste Quartal 2017 ein Umsatzplus von 14 Prozent auf 722 Millionen US-Dollar (660,70 Millionen Euro) sowie einen EBITDA-Zuwachs von 10 Prozent auf 211 Millionen US-Dollar (193,08 Millionen Euro). Mit der Lithium-Erzeugung erwirtschaftete Albemarle nach eigenen Angaben ein EBITDA von rund 100 Millionen Dollar (91,48 Millionen Euro), um 56 Prozent mehr als im ersten Quartal 2016. Die Brom-Produktion erbrachte 68 Millionen US-Dollar (62,21 Millionen Euro), im Jahresvergleich ein Plus von 11 Prozent.
Ferner erhielt Albemarle im ersten Quartal 2017 die Genehmigung, seine Produktion in der australischen Greenbushes-Mine bis 2019 auf 160.000 Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent (LCE) zu verdoppeln. Ein weiteres Projekt zur Steigerung der LCE-Erzeugung in China von 30.000 auf 40.000 Tonnen läuft dem Unternehmen zufolge planmäßig und soll 2018 abgeschlossen werden. Im ersten Quartal 2017 steigerte Albemarle seinen Lithium-Verkauf um 39 Prozent, der Preis war um 21 Prozent höher als im ersten Quartal 2016.
Für das Gesamtjahr erwartet Albemarle einen Umsatz von 2,95 bis 3,05 Milliarden US-Dollar (2,69 bis 2,78 Milliarden Euro), das bereinigte EBITDA soll zwischen 835 und 875 Millionen Dollar (763,66 bzw. 800,33 Millionen Euro) liegen. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 erwirtschaftete das Unternehmen 2,67 Milliarden US-Dollar (2,44 Milliarden Euro) Umsatz, das bereinigte EBITDA belief sich auf 758 Millionen US-Dollar (693,31 Millionen Euro).
May 3rd
Wirtschaftsagentur Wien errichtet Start-up-Labs für die Life-Sciences-Branche
Im Rahmen einer Pressekonferenz am 3. Mai wurde ein Projekt vorgestellt, das die Schaffung von Laborinfrastruktur für Life-Science-Start-ups im ehemaligen IMP-Gebäude am Vienna Biocenter in Wien-St. Marx zum Ziel hat.
Nachdem das von Boehringer Ingelheim finanzierte Grundlagenforschungsinstitut IMP (Institut für Molekulare Pathologie) Anfang März sein neues Gebäude bezogen hatte, stellte sich die Frage, was mit der bisherigen Bleibe, die Mitte der 80er-Jahre den Startschuss zur Entstehung des Campus darstellte, geschehen soll. Nun wurden die Pläne für die weitere Nutzung der Fachöffentlichkeit vorgestellt: Die Wirtschaftsagentur Wien, die ohnehin Grundeigentümer und Baurechtsgeber für Boehringer Ingelheim war, kauft das Gebäude zurück und investiert rund 20 Millionen Euro in dessen Sanierung. Entstehen sollen Büro- und Laborräume, die speziell auf die Bedürfnisse der Life-Sciences-Branche ausgerichtet sind.
„Als Sahnehäubchen“ werden im dritten Geschoß 1.100 Quadratmeter an Labor- und Büroräumen entstehen, die nach einem auf Start-up-Unternehmen zugeschnittenen Modell vermietet werden. Dazu gehört sowohl ein leistbares Preismodell als auch eine höhere Flexibilität bei Kündigungsfristen und -verzichten als sonst bei derartigen Immobilien üblich. Insgesamt sollen 72 Labor- und 32 Büroarbeitsplätz für Start-ups entstehen. Die übrigen Stockwerke sollen marktkonform vermietet werden, auch das in Gründung befindliche Stammzellenforschungszentrum des IMBA soll Platz finden.
„Fehlenden Puzzlestein“ ergänzt
Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz bezeichneten Finanzstadträtin Renate Brauner, IMBA-Direktor und Unternehmensgründer Josef Penninger, Philipp von Lattorff (Generaldirektor von Boehringer Ingelheim RCV) und Gerhard Hirczi (Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien) die Start-up-Labs als „fehlenden Puzzlestein“, der das Angebot für die Branche komplettiere.
Boehringer Ingelheim wird auch künftig als einer der Hauptsponsoren fungieren und sogenannte „Innovation Tickets“ vergeben, mit denen ausgewählten Jungunternehmen Labor- und Büroarbeitsplätze für jeweils ein Jahr finanziert werden, wie von Lattorff ankündigte. Der Konzern setze neben der Finanzierung der Grundlagenforschung und der unternehmenseigenen F&E auch international verstärkt darauf, sich Anregungen für innovative Methoden und Produkte von Start-up-Unternehmen zu holen.
May 2nd
Kreislaufwirtschaft pro und kontra
02.05.17
von
Klaus Fischer
Um neue Methoden, Rohstoffe als Werkstoffe für die Industrie bereitzustellen, ging es bei einer Veranstaltung des Technologieministeriums in Wien.
Hinsichtlich ihrer Rohstoffversorgung für die Industrie ist die Europäische Union nicht eben gut aufgestellt, warnte Alfred Maier, der Beauftragte für internationale Angelegenheiten der Montanuniversität Leoben, beim Stakeholder-Dialog „Vom Rohstoff zum Werkstoff“ des Technologieministeriums (BMVIT) am 2. Mai in Wien. Wie Maier erläuterte, verfügt die EU bei immerhin 18 der weltweit gehandelten 63 mineralischen Rohmaterialien über keine Eigenproduktion. Hinzu kommt, dass bei 50 der Substanzen über 50 Prozent der Förderung in nur drei Ländern konzentriert sind. Bei 28 Rohstoffen ist die Volksrepublik China der wichtigste Produzent. Und der Bedarf an mineralischen Rohstoffen wächst rasant: In den Jahren 2000 bis 2016 legte er um 52,9 Prozent auf 17,3 Milliarden Tonnen zu.
Fraglich ist laut Maier angesichts dessen, ob die von der EU-Kommission propagierte Kreislaufwirtschaft dieses Problem lösen kann. Er verwies auf das Beispiel Gold: Im Jahr 2015 wurden weltweit rund 3.000 Tonnen des Edelmetalls erzeugt. Dabei fiel allerdings rund eine Milliarde Tonnen nicht goldhältigen Gesteins an. Auch die Bereitstellung vieler anderer mineralischer Rohstoffe ist laut Maier mit „riesigen Abfallmengen“ verbunden. Und weil die derzeitige Wirtschaftsweise auf Wachstum basiert, werden die Mengen an notwendigen Rohstoffen samt den bei ihrer Förderung anfallenden Abfällen immer größer. „Die Kreislaufwirtschaft ist also zumindest teilweise ein Trugbild - wenngleich sie in mancher Hinsicht ein Bild ist, dem man durchaus folgen kann“, konstatierte Maier. Seiner Ansicht nach wird es notwendig sein, von den Funktionalitäten auszugehen, die die Kunden benötigen respektive wünschen. Aus dieser Perspektive lässt sich eruieren, welche Rohstoffe nötig sind, um diese Funktionalitäten darzustellen. Das aber macht es erforderlich, die Stoffe und deren Eigenschaften sowie die daraus resultierenden Anwendungsmöglichkeiten tunlichst zu kennen.
Mit all diesen Fragen befasst sich nicht zuletzt das European Institute of Innovation and Technology (EIT) in Budapest. Es rief zu diesem Zweck die EU-weite „Knowledge and Innovation Community“ (KIC) RawMaterials ins Leben, in deren Rahmen die Montanuniversität in Österreich eine wesentliche Rolle spielt. „EIT RawMaterials“ ist laut Maier das weltweit größte Forschungs- und Industrienetzwerk, das sich mit allen Rohstoffen außer Energie- und Nahrungsmittelrohstoffen befasst. Insgesamt arbeiten darin derzeit 109 Partner zusammen. Sie bemühen sich nicht zuletzt, das oft erwähnte „Valley of Death“ zu überbrücken, Maier zufolge die „Kluft zwischen exzellenten Forschungsergebnissen und Marktreife“. In den vergangenen beiden Jahren wurden in Österreich im Rahmen der KIC RawMaterials Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 9,5 Millionen Euro abgewickelt.
Beim Design ansetzen
Nach Ansicht Veronika Reinbergs von der Alchemia-Nova Gmbh ist das Kreislaufwirtschaftskonzept grundsätzlich durchaus sinnvoll. Ihr zufolge empfiehlt sich, beim Produktdesign anzusetzen und davon ausgehend eine Gesamtsicht zu entwickeln: „Man muss beim Design mitdenken, was nach der Anwendung des Produkts passiert, ob und wie es sich wiederverwenden bzw. recyceln lässt. Dabei geht es nicht zuletzt auch um Fragen des modularen Aufbaus und der Reparierbarkeit.“
Ihr eigenes Unternehmen befasst sich unter anderem mit der sogenannten „Green Recovery of Metals“. Gemeint ist damit, dass Pflanzen eingesetzt werden sollen, um industriell wichtige Metalle wie Mangan, Kobalt und Gallium aus Müllverbrennungsasche wiederzugewinnen. Das Zauberwort dabei heißt „Bioleaching“ und beschreibt einen mikrobiellen Prozess. Dabei werden Metalle durch Bildung von Säuren in Lösung gebracht. Aus dieser Lösung entnehmen die Mikroben auf den Wurzeln von Pflanzen die Metalle, reichern sie an und ermöglichen so ihre Wiedergewinnung. Einer der Vorteile der Methode ist: Bestimmte Metalle binden sich an spezifische Peptide auf der Zellwand der Mikroben. So ist es möglich, die gewünschten Stoffe gezielt wiederzugewinnen. In Österreich wird auch daran gearbeitet, landwirtschaftliche Abfälle als Sorbentien zu verwenden, an denen sich über Mikroorganismen die Metalle aus den Lösungen ablagern. Reinberg zufolge stünden dafür pro Jahr rund 500.000 Tonnen Zuckerrübenschnitzel, 400.000 Tonnen Rinde und 180.000 Tonnen Maisspindeln sowie kleinere Mengen anderer Materialien, etwa Eierschalen, zur Verfügung.
April 28th
Pharmaindustrie fordert Anerkennung
28.04.17
von
Klaus Fischer
Die Branche will nicht nur über die Kosten, sondern auch über den Nutzen ihrer Produkte reden, hieß es bei der Pharmig-Generalversammlung in Wien.
„Standort stärken und Wirtschaft fördern“ war das Motto der Generalversammlung des Pharmaindustrieverbands Pharmig am 28. April in Wien. Präsident Martin Munte erläuterte, die Branche erbringe wichtige Leistungen für die Gesellschaft und wolle dafür angemessen akzeptiert werden. Ihr gehe es nicht zuletzt darum, auch weiterhin innovative Arzneien frühzeitig auf den österreichischen Markt zu bringen und den Standort für eine hochwertige Versorgung weiterzuentwickeln. Dies sei angesichts des restriktiver gewordenen Rechtsrahmens nicht einfach, konstatierte Munte unter Hinweis auf die kürzlich beschlossene ASVG-Novelle zur Eindämmung der Medikamentenkosten. Es sei durchaus sinnvoll, im Gesundheitssystem nach Effizienzen zu suchen. Dies dürfe aber nicht nur bei den Arzneimittelkosten erfolgen. Um ihre Leistungen und ihre Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Österreich (noch) besser zu kommunizieren, hat die Pharmaindustrie die Website www.pharmastandort.at eingerichtet.
Rendi-Wagner will Partnerschaft
In ihrem Grußwort zur Generalversammlung betonte Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner, ihr gehe es „über allem“ um die Partnerschaft mit allen Mitgliedern des Gesundheitssystems und damit keineswegs zuletzt auch der Pharmaindustrie „Diesen Weg will ich weiterhin fortsetzen.“ Rendi-Wagner fügte hinzu, „härtere Diskussionen“ wie jüngst jene über die ASVG-Novelle seien „völlig normal“. Das gemeinsame Ziel bestehe unbestrittener Maßen darin, Innovationen im Gesundheitssystem für alle zugänglich zu machen, die diese benötigen, „und nicht nur für die, die sie sich leisten können“. Folglich müssten gemeinsame Wege für eine „nachhaltige Finanzierung“ des Systems gefunden werden. Auf Basis des Rahmen-Pharmavertrages leiste die Pharmaindustrie dazu einen wichtigen Beitrag. Dass die auf dem Vertrag basierende ASVG-Novelle Herausforderungen für die Industrie mit sich bringe, „ist mir klar. Aber wir müssen alle ein wenig über unseren Schatten springen und einander entgegenkommen“.
Ein wesentliches Thema der kommenden Wochen bestehe darin, die European Medicines Agency (EMA) von ihrem derzeitigen Sitz London nach Wien zu holen. Sie, Rendi-Wagner, kämpfe dafür seit zwölf Monaten. Der Beschluss der Staats- und Regierungschefs werde für das Ratstreffen im Juni erwartet: „Es lohnt sich, sich in die Schlacht zu werfen.“
Kapsch teilt aus
Dies bekräftigte auch der Präsident der Industriellenvereinigung, Georg Kapsch, in seinem Gastvortrag. Für den Wirtschaftsstandort Österreich sei es wichtig, „global sichtbar zu sein. Denn das bringt Investitionen“. Er verstehe „nichts“ von der Pharmaindustrie, bekannte Kapsch. Doch habe auch er erkannt, dass „Life Sciences ein Megatrend sind. Und auf einen Megatrend zu setzen, ist immer zukunftstsorientiert“. Kritik übte Kapsch am österreichischen Gesundheitssystem. Trotz hoher Kosten sei die „Gesundheitserwartung“ der Menschen im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich. Das System müsse „massiv restrukturiert“ werden. Den Rücktritt der Chefin des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, Ulrike Rabmer-Koller, nannte Kapsch „symptomatisch dafür, dass dieses System nicht reformierbar ist“. Es werde von zu vielen Partikularinteressen dominiert, „weil es sozialpartnerschaftlich aufgeteilt ist und nicht unternehmerisch geführt werden kann“. Hier müsse die Politik ansetzen. Statt dessen halte auch sie es offenbar für bequemer, mit den hohen Gewinnen der Pharmaindustrie zu argumentieren. Forschungsintensive Unternehmen bräuchten aber nun einmal höhere Erträge, um ihre Investitionen refinanzieren zu können. „Ich habe den Eindruck, die Pharmaindustrie wird mit irgendeinem Greisler verglichen. Sie zu belasten, ist aber sicher der falsche Weg“, tönte Kapsch unter tosendem Applaus.
Gesundheitssystem „etwas kompliziert“
Im Zuge einer Podiumsdiskussion verwahrte sich der HV-Generaldirektor Josef Probst gegen den Vorwurf der Reformunwilligkeit. „Das Gesundheitssystem ist wegen der vielen Beteiligten und wegen des Föderalismus nun einmal etwas kompliziert. Wer es reformieren will, hat nur die Wahl, damit umzugehen oder seinen Sessel zu räumen“, betonte Probst mit Seitenhieb auf Rabmer-Koller. Außerdem hätten die Sozialversicherungen mit der seinerzeitigen Einladung zur Entwicklung des Masterplans Gesundheit einen wesentlichen Beitrag zur im Gang befindlichen Gesundheitsreform geleistet. Mittlerweile zögen der Bund, die Länder und die Sozialversicherungsträger an einem Strang: „Das ist schon etwas Besonderes.“
Der Generalsekretär der Pharmig, Jan Oliver Huber, äußerte grundsätzlich Verständnis für die Position des HV zu den Medikamentenkosten. Er betonte jedoch, die Ausgaben für die Arzneien gingen an „Unternehmen, die in Österreich Mitarbeiter beschäftigen und die die Lebensqualität der Bevölkerung steigern“. Daher könne es nicht sein, dass manche Arzneimittel „einen Bruchteil eines Kaugummis“ kosten. Nicht nur neue, sondern auch seit längerer Zeit auf dem Markt befindliche Medikamente müssten „angemessen abgegolten werden“.
Gewinner der ersten BoB-Phase gekürt
Im Rahmen einer „Award Ceremony“ am Ende der ersten Phase des Businessplan-Wettbewerbs „Best of Biotech“ (BoB) wurden am 27. April drei Sieger-Teams prämiert und erhielten jeweils 1.500 Euro.
BoB wird von Life Science Austria, einem Programm, das die AWS im Auftrag des Wirtschaftsministeriums betreibt, ausgerichtet, und dient dazu, Wissenschaftler aus dem Bereich der Life Sciences zu motivieren, ihre Ideen und Erfindungen in unternehmerische Modelle zu übersetzen. Der Wettbewerb ist in zwei Phasen gegliedert: In der ersten werden Geschäftsideen präsentiert, die in der zweiten Phase zu vollständigen Business-Plänen ausgearbeitet werden.
Am 27. April endete die erste Phase der diesjährigen BoB-Runde mit der „Award Ceremony“. Aus 31 Teams, die ihre Business-Ideen einreichten, wählte eine 42-köpfige Jury die besten drei aus. Die Gewinner sind:
- NP Life Science Technologies entwickelt und produziert ein bioabbaubares Trägermaterial, das die Regeneration geschädigter peripherer Nerven unterstützt.
- Sodisens erstellte einen nichtinvasiven Point-of-Care-Test für die schnelle Diagnose und das therapeutische Monitoring der Natrium-Regulation.
- Vacthera entwickelt Impfstoffe auf der Basis von Influenza-Viren und Immuntherapien gegen Krebs.
Mit 28. April startet nun die zweite Phase des BoB, bei der bis 1. Juli ausgearbeitete Business-Pläne eingereicht werden können. Auch Teams, die an der ersten Phase nicht teilgenommen haben, sind dazu eingeladen.
April 27th
27.04.17
von
Klaus Fischer
Im ersten Quartal 2017 stieg der Umsatz im Vergleich zum ersten Quartal 2016 um 19 Prozent, das EBIT wuchs um 29 Prozent.
Der deutsche Chemiekonzern BASF meldet für das erste Quartal 2017 einen Umsatz von 16,9 Milliarden Euro, um 19 Prozent mehr als im ersten Quartal 2016. Das EBIT vor Sondereinflüssen wird mit 2,5 Milliarden Euro beziffert, was einem Zuwachs von rund 29 Prozent oder 585 Millionen Euro entspricht.
Um rund 36 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro gewachsen ist der Umsatz im Bereich Chemicals. Ausschlaggebend dafür waren die höheren Preise für Petrochemikalien und Monomere. Die Schäden durch den Unfall am Standort Ludwigshafen im Spätherbst 2016 wurden laut BASF „durch eine erste Versicherungszahlung kompensiert“. Ebenfalls um 36 Prozent stieg der Umsatz im Segment Oil & Gas, der mit 829 Millionen Euro angegeben wird. BASF zufolge ist dies auf die höheren Öl- und Gaspreise zurückzuführen. Im Bereich Performance Products erhöhte sich der Umsatz um neun Prozent auf 4,3 Milliarden Euro, was BASF mit gestiegenen Verkaufsmengen bei Dispersionen und Pigmenten, Care Chemicals und Performance Chemicals begründet. Hinsichtlich des Bereichs Segment Functional Materials & Solutions verzeichnete BASF eine verstärkte Nachfrage aus der Automobilindustrie. Hauptsächlich deshalb stieg der Umsatz um 18 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro.
Den schwächsten Umsatzzuwachs erzielte BASF mit vier Prozent im Segment Agricultural Solutions, in dem 1,9 Milliarden Euro erwirtschaftet wurden. Das EBIT in diesem Bereich sank um 58 Millionen auf 533 Millionen Euro.
Vorstandschef Kurt Bock verlautete, BASF sei „gut in das Jahr 2017 gestartet. Die Nachfragetrends, die wir im Verlauf des Jahres 2016 gesehen haben, setzten sich im ersten Quartal fort.“ Für das Gesamtjahr 2017 erwartet Bock „ein deutliches Umsatzwachstum“ von mindestens sechs Prozent. Das EBIT soll sich um „bis zu zehn Prozent“ erhöhen.
April 24th
Neuer EMA-Standort: rasch entscheiden
24.04.17
von
Klaus Fischer
Der Europäische Rat soll in der Angelegenheit möglichst noch im Juni beschließen, fordert der Pharmaindustrieverband EFPIA.
Eine rasche Entscheidung über den künftigen Standort der European Medicines Agency (EMA) fordert der europäische Pharmaindustrieverband EFPIA. In einem offenen Brief heißt es, der Europäische Rat solle seinen diesbezüglichen Beschluss „so früh wie möglich fassen, vorzugsweise bei seinem Treffen im Juni“, das am 22. und 23. Juni stattfindet. Die EMA hat ihren Sitz derzeit in London, was nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU nicht mehr zulässig ist. Warnend wird in dem Schreiben der EFPIA auf ein denkbares Scheitern der Austrittsverhandlungen zwischen der EU und Großbritannen oder auf deren nicht auszuschließende bewusste Obstruktion hingewiesen. In diesem Fall sei die reibungslose Arbeit der EMA in Frage gestellt: „Europa hat keine Backup-Option.“
Eine Empfehlung für den neuen Standort macht die EFPIA nicht. Sie betont jedoch, es müsse sich um eine Örtlichheit mit „world class connectivity“ handeln. Schließlich gehe es um das Abwickeln von etwa 36.000 Expertentreffen pro Jahr. Ferner finde auch eine Reihe von regelmäßigen Zusammenkünften mit der Pharmaindustrie statt. Folglich müssten die internationalen, nationalen und regionalen Verkehrsverbindungen ausgezeichnet sein. Auch werde als Sitz ein Gebäude von angemessenen Dimensionen benötigt. Darüber hinaus sei auch die Verfügbarkeit „einer großen Zahl von Hotels“ erforderlich. Überdies müsse der Standort auch eine attraiktive Lebensqualität für die Beschäftigten der EMA und deren Familien bieten.
Zu sorgen ist laut EFPIA nicht zuletzt auch dafür, dass die Übersiedlung der EMA reibungslos vonstatten geht. Das Funktionieren dieser „bestens geölten Maschine“ müsse auch in der Übergangszeit gewährleistet sein.
Als neuer Standort ins Spiel gebracht hat sich unter anderem auch Wien. Gerüchteweise heißt es, von der Qualität her seien die Chancen durchaus gegeben. Allerdings habe sich Österreich bei manchen osteuropäischen Nachbarländern nicht eben beliebt gemacht - Stichwort etwa Flüchtlingspolitik.
24.04.17
von
Klaus Fischer
Der Chemieindustrieverband nennt den Start ins Jahr 2017 „gut“. Er veröffentlicht jedoch Zahlen, die dies in Frage stellen.
Von einem „guten Start ins Jahr 2017“ schreibt der europäische Chemieindustrieverband CEFIC in seinem am 24. April erschienenen Chemical Trends Report (CTR). Die darin enthaltenen Zahlen zeigen indessen ein differenzierteres Bild. So wuchs zwar die Produktion in den ersten beiden Monaten des heurigen Jahres verglichen mit Jänner und Feber 2016 um 1,6 Prozent. Steigerungen gab es insbesondere bei Industriegasen (plus 8,6 Prozent), Kunststoffen (plus 4,7 Prozent) und Farbstoffen sowie Pigmenten (plus 1,6 Prozent). Allerdings fielen die Preise um 3,6 Prozent und in der Folge die Umsätze um 2,1 Prozent. Auch erhöhte sich die Produktion keineswegs in allen Segmenten. Bei synthetischem Gummi etwa war ein Minus von 3,5 Prozent zu verzeichnen. Die Düngererzeugung verminderte sich um 2,3 Prozent, die Erzeugung von Petrochemikalien um 1,5 Prozent.
Ferner konstatiert die CEFIC, dass das Produktionswachstum der Chemiebranche in den Jahren 2012 bis 2016 weniger als ein Prozent pro Jahr betrug. „Das bedeutet, die europäische Chemieindustrie muss neue Wege beschreiten, um langfristig starkes Wachstum zu erzielen“, hieß es in einer Aussendung zum CTR. Zu schaffen machen der Branche weiterhin vor allem die im Vergleich zu anderen Wirtschaftsräumen hohen Energie- und Rohstoffkosten.
Was schließlich den Außenhandel betrifft, wurde 2016 zwar ein Überschuss von 47,6 Milliarden Euro erwirtschaftet, um 3,3 Milliarden mehr als 2015. Wie die CEFIC indessen einräumt, kam dies dadurch zustande, dass die Importe noch stärker zurückgingen als die Exporte. Sie fielen um 3,4 Milliarden Euro, wohingegen die Exporte nur um 133 Millionen Euro sanken.
April 20th
20.04.17
von
Klaus Fischer
Die Vorstandsvorsitzende im Hauptverband der Sozialversicherungsträger wirft nach knapp anderthalb Jahren das Handtuch. Als Grund nennt sie die Unmöglichkeit, die Sozialversicherung zu reformieren.
„Ob der oftmals schwierigen Strukturen nachzuvollziehen“ sei der Rücktritt Ulrike Rabmer-Koller als Vorstandsvorsitzende im Hauptverband der Sozialversicherungsträger (HV), verlautete Vizekanzler Reinhold Mitterlehner. Rabmer-Koller hatte ihren Rückzug heute bekannt gegeben, nachdem sie erst im Jänner für die Funktionsperiode bis 2020 wiedergewählt worden war. Angetreten hatte sie ihren Posten im HV im Dezember 2015 als Nachfolgerin Peter McDonalds, damals frischgebackener ÖVP-Generalsekretär und heute Privatwirtschaftler. Rabmer-Koller begründete ihren nunmehrigen Schritt mit der Unmöglichkeit, den Hauptverband samt den Krankenkassen zu reformieren, weil ihr das Durchgriffsrecht auf diese fehle. Ihr zufolge sind die Sozialversicherungsträger politische Spielbälle und sachorientierte Lösungen abseits der Parteipolitik nicht möglich. Kritik übte Rabmer-Koller auch an der Effizienzstudie hinsichtlich der Sozialversicherungsreform, die die London School of Economics im Auftrag Sozialminister Alois Stögers durchführt. Der Zwischenbericht ist seit Ende März ausständig, die Kosten für die Studie liegen bei rund 600.000 Euro. Laut Rabmer-Koller war bereits die Auftragsvergabe „parteipolitisch motiviert. Bis Ergebnisse vorliegen und daraus etwas umsetzbar ist, kostet es weiter Zeit“. Rabmer-Koller kündigte an, ihre Funktion weiter auszuüben, bis ein Nachfolger bestellt ist.
Laut Jan Oliver Huber, dem Generalsekretär des Pharmaindustrieverbands Pharmig, zeigt Rabmer-Kollers Abgang, „ dass statt Reformdynamik Stillstand herrscht. Ohne wirklichen Willen und ohne Bereitschaft zur Veränderung von innen heraus wird unser Gesundheitswesen weiterhin unter Ineffizienzen leiden und nichts für eine zukunftsfähige Versorgung der Patienten getan“. Huber wiederholte seine Forderung nach „Modernisierung der Strukturen im Gesundheitssystem, auch im Bereich der Sozialversicherungsträger, um Effizienzpotenziale heben zu können und ein Maximum in der Gesundheitsversorgung der Patienten zu erreichen“. Pharmig-Präsident Martin Munte ergänzte, alle Systempartner müssten „ihre Strukturen durchleuchten und Defizite heben. Die Effizienzstudie zur Kassenstruktur ist ein wichtiger Anfang, um Löcher im Gesundheitssystem zu stopfen“.
Ingrid Reischl, die streitbare Vorsitzende der HV-Trägerkonferenz, trat der Kritik Rabmer-Kollers hinsichtlich der angeblichen Unmöglichkeit von Reformen entgegen. Die Sozialversicherung habe sich „gerade in den vergangenen Jahren als treibende Kraft bei der Weiterentwicklung des Gesundheitssystems erwiesen. Und sie war und ist ein verlässlicher Partner bei der Umsetzung der Gesundheitsreform“. Es gehe keineswegs darum, sich der „Debatte über mehr Effizienz“ zu verschließen. Gut Ding brauche aber nun einmal Weile. Daher müsse „zumindest so viel Zeit sein, die von der Regierung beauftragte Studie abzuwarten, anstatt im Wochentakt andere Konzepte präsentieren zu lassen. Speed kills ist hier einmal mehr das falsche Motto“.
20.04.17
von
Klaus Fischer
Mit der Ausgliederung der Spezialchemikaliensparte soll die Übernahme durch PPG verhindert werden.
Im Kampf gegen die geplante Übernahme durch den US-amerikanischen Konzern PPG führte AkzoNobel am 19. April den nächsten Schlag. Das niederländische Farben-, Beschichtungs- und Spezialchemikalienunternehmen präsentierte eine neue Strategie: Binnen zwölf Monaten soll die Spezialchemikaliensparte in eine eigenständige Firma ausgegliedert werden. AkzoNobel würde damit aus zwei eigenständigen Unternehmungen bestehen. Außerdem will AkzoNobel die geplante Dividende für 2017 um 50 Prozent auf 2,50 Euro je Aktie erhöhen und eine Sonderdividende von einer Milliarde Euro auszahlen. Insgesamt brächte das den Aktionären rund 1,6 Milliarden Euro, hieß es in einer Aussendung.
CEO Ton Büchner verlautete, das EBIT werde heuer um rund 100 Millionen Euro höher ausfallen als 2016, da in allen Geschäftsbereichen „signifikante Wachstumsschwünge“ verzeichnet würden. Somit würde es sich auf etwa 1,6 Milliarden Euro belaufen. Bis 2020 werde der Return on Investment (ROI) im Bereich Farben und Beschichtungen auf über 25 Prozent steigen, der Return on Sales (ROS) auf 15 Prozent. Den ROI im Bereich Spezialchemikalien bezifferte Büchner mit mehr 20 Prozent, den ROS mit 16 Prozent. Im Geschäftsbericht 2016 meldete AkzoNobel für den Zeitraum 2016 bis 2018 einen erwarteten ROI von 13 bis 16,5 Prozent und einen ROS von 9 bis 11 Prozent. Ferner sind laut Büchner bei Farben und Beschichtungen Kostensenkungen von 150 Millionen Euro pro Jahr zu erwarten. Weitere Senkungen von 50 Millionen Euro pro Jahr würden sich durch die Ausgliederung im Bereich Spezialchemikalien ergeben. Somit sei diese Strategie erheblich attraktiver als allfällige Alternativen. Projektteams zu deren Umsetzung wurden laut Büchner bereits eingerichtet.
Büchner ergänzte, die Spezialchemikaliensparte habe sich in den vergangenen Jahren hervorragend entwickelt, die Aussichten seien ebenfalls bestens. Gleiches gelte für den Bereich Farben und Beschichtungen, der schneller wachse als der Markt: „Jetzt ist die Zeit gekommen, um zwei fokussierte Unternehmen zu schaffen, die eine hohe Performance aufweisen. Diese Strategie bringt den Aktionären substanziellen Wertzuwachs und weist weniger Risiken und Unsicherheiten auf als Alternativen.“
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