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May 16th, 2017

Arzneimittel: keine „Kostenexplosion“

Nicht die Medikamente belasten die Gesundheitsbudgets, betonen der Pharmaindustrieverband Pharmig und der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs.

 

Um rund 2,5 Prozent gestiegen sind die Arzneimittelkosten im vergangenen Jahr. Das teilte der Hauptverband der Sozialversicherungsträger (HV) mit. Zur Begrenzung des Anstiegs beigetragen habe der Rahmenpharmavertrag, auf Grund dessen die Branche 125 Millionen Euro an die Krankenkassen überwies. Für heuer rechnet der HV mit einer Steigerung der Arzneimittelkosten um rund 4,3 Prozent. Zur Abfederung erhalten die Kassen von den Pharmaunternehmen heuer sowie 2018 jeweils zehn Millionen Euro pro Prozentpunkt, höchstens jedoch 80 Millionen Euro pro Jahr.

 

Der Branchenverband Pharmig verlautete dazu, es zeige sich, „dass Arzneimittel keineswegs die Budgets im Gesundheitssystem belasten“. Von der immer wieder heraufbeschworenen „Kostenexplosion“ könne daher offenbar keine Rede sein. Würden die individuellen Rabatte der Pharmaunternehmen berücksichtigt, seien die Arzneimittelkosten für die Krankenkassen sogar niedriger gewesen als 2015, betonte Pharmig-Generalsekretär Jan Oliver Huber. Auch die Kostenprognose für heuer sei deshalb „sicherlich wieder zu hoch gegriffen“. Huber geht von einer ähnlichen Entwicklung wie 2016 aus. Einmal mehr kritisierte der Pharmig-Generalsekretär die im Frühjahr beschlossene ASVG-Novelle, die die Aufwendungen für die Medikamente weiter vermindern soll. Hier werde am falschen Platz gespart: „Wer nur auf den Preis schaut und diesen immer weiter nach unten drückt, muss in Kauf nehmen, dass Unternehmen in Länder abwandern, wo es sich billiger produzieren lässt. Wer nur auf den Preis schaut, muss auch in Kauf nehmen, dass manche Innovationen nicht mehr so früh wie bisher den österreichischen Patienten zur Verfügung stehen werden.“

 

Ähnlich argumentierte die Geschäftsführerin des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO), Sylvia Hofinger: „Auch wenn es der Politik leicht fällt, die Pharmaunternehmen zur Kasse zu bitten, so belegen die aktuellen Zahlen, dass das wahre Einsparungspotential nicht bei den Medikamenten, sondern innerhalb des Kassensystems liegt.“ Der Anteil der Arzneimittelkosten liege „seit Jahren konstant bei zwölf Prozent. Das hat sich auch nicht durch die Einführung innovativer neuer Arzneimittel verändert, die schwere Erkrankungen deutlich lindern oder sogar heilen können“. Deshalb sei die ASVG-Novelle verfehlt gewesen: „Mittelmäßige Preise führen zu mittelmäßigen Leistungen, die Leidtragenden sind - wie so oft – die Patienten.“ Sparen sollten die Krankenkassen nach Ansicht Hofingers bei ihren Verwaltungskosten. Denn die seien 2016 um rund 4,6 Prozent gestiegen - fast doppelt so stark wie die Medikamentenkosten.

„Bestes Quartal der Unternehmensgeschichte“

Der Faserkonzern Lenzing meldet ein EBIT-Wachstum um 72,1 Prozent, das Konzernergebis war um 69,6 Prozent höher als im ersten Quartal 2016.

 

Das „beste Quartal der Unternehmensgeschichte“ meldet der Faserkonzern Lenzing. Verglichen mit dem ersten Quartal 2016 stiegen die Umsatzerlöse um 14,3 Prozent auf 586,2 Millionen Euro. Das EBITDA wuchs um 46,6 Prozent auf 135,1 Millionen Euro, das EBIT um 72,1 Prozent auf 102,3 Millionen, das Konzernergebnis um 69,6 Prozent auf 75 Millionen Euro. In einer Aussendung der Lenzing wird dies mit „höheren Preisen rund um das chinesische Neujahr, einem besseren Produktmix, dem Lagerabbau und günstigeren Währungsrelationen“ begründet.

 

Vorstandschef Stefan Doboczky verlautete, neue Vertriebsniederlassungen in der Türkei sowie Südkorea ermöglichten, die Kunden noch besser zu betreuen. Ferner gehe der Ausbau der Produktionskapazitäten für Lyocell-Spezialfasern wie Tencel gut vonstatten. Der Spatenstich für eine neuen Produktionslinie mit 25.000 Tonnen Jahreskapazität in Heiligenkreuz im Burgenland sei Ende März erfolgt. Auch die Errichtung einer neuen Produktionsanlage in Mobile im US-Bundesstaat Alabama habe begonnen, die Fertigstellung sei für Ende des ersten Quartals 2019 geplant.

 

Für das heurige Gesamtjahr erwartet Doboczky „unter der Annahme gleichbleibender Verhältnisse an den Fasermärkten eine deutliche Ergebnisverbesserung gegenüber 2016“.

May 15th

EU-Kommission ermittelt gegen Aspen Pharma

Der südafrikanische Konzern soll überhöhte Preise für Wirkstoffe gegen Blutkrebs verlangt und damit gegen europäisches Wettbewerbsrecht verstoßen haben.

 

Die Europäische Kommission ermittelt gegen den südafrikanischen Pharmakonzern Aspen Pharma. Er soll „bei fünf lebenswichtigen Krebsarzneien unangemessen hohe Preise“ verlangt und damit „eine marktbeherrschende Stellung missbraucht“ haben. Laut Informationen, die der Kommission vorliegen, erhöhte das Unternehmen den Preis von Wirkstoffen gegen Blutkrebs um bis zu 100 Prozent. Staaten, die das nicht akzeptierten, soll Aspen Pharma damit gedroht haben, die einschlägigen Medikamente vom jeweiligen Markt zu nehmen. In einigen Fällen sei dies auch tatsächlich erfolgt. Der Kommission zufolge könnte dies gegen das Kartellrecht der EU sowie gegen das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR-Abkommen) verstoßen. Beiden Vorschriften zufolge ist „die Erzwingung unangemessener Preise oder sonstiger Geschäftsbedingungen ausdrücklich verboten“, verlautete die Kommission in einer Aussendung. Wie sie hinzufügte, erstreckt sich das Verfahren auf das gesamte Gebiet des EWR (EU inklusive Island, Liechtenstein und Norwegen) mit Ausnahme Italiens.

 

In Italien verurteilte die Kartellbehörde Autorità Garante della Concorrenza e del Mercato (AGCM) Aspen Pharma bereits am 14. Oktober 2016 zu einer Strafe von über fünf Millionen Euro. Die AGCM begründete dies mit Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht der EU. Aspen Pharma sei gegenüber der italienischen Medizinmarktagentur (Agenzia Italiana del Farmaco - AIFA) „aggressiv“ vorgegangen und habe damit Preiserhöhungen zwischen 300 und 1.500 Prozent erreicht, hieß es in einer Aussendung der AGCM. So sei damit gedroht worden, die Versorgung Italiens mit mehreren Krebsmedikamenten einzustellen.

 

Aspen Pharma bestätigte die Ermittlungen der EU-Kommission. „Wir nehmen die Befolgung wettbewerbsrechtlicher Vorschriften sehr ernst und werden konstruktiv mit der Kommission zusammenarbeiten“, verlautete das Unternehmen.

 

Unterdessen haben nicht nur die europäischen Behörden Aspen Pharma im Visier. Auch die südafrikanische Wettbewerbsbehörde ermittelt gegen den Konzern wegen angeblich überhöhter Arzneimittelpreise. Aspen Pharma weist die Vorwürfe zurück. Es habe zwar Preiserhöhungen gegeben, jedoch innerhalb des gesetzlichen Rahmens.

May 12th

Dialog-Plattform für „Personalisierte Medizin“ vorgestellt

Roche Österreich präsentierte gemeinsam mit Wissenschaftlern aus den Bereichen Onkologie, Chirurgie und Bioinformatik die Initiative „Medizin für mich“, die dem breiten gesellschaftlichen Dialog zu Chancen und Grenzen der Präzisionsmedizin dienen will.

 

Als Anlaufstelle für die breitere Öffentlichkeit wurde die Website wwww.medizinfuermich.at geschaffen, auf der Interviews mit Patienten, Ärzten und Forschern zu finden sind. Medizinstudentin „Mira Hoffnung“ begleitet den Besucher auf einer Reise, auf der die Möglichkeiten neuer, molekularbiologisch zugeschnittener Therapie-Ansätze in einfach verständlicher Sprache dargestellt werden.

„Es geht darum, aufzuklären, Verständnis zu schaffen, Wissen zu vertiefen“, erklärte Veronika Mikl, Public Affairs Director bei Roche Österreich im Rahmen der Präsentation der Initiative: „Wir wollen aber auch Grenzen aufzeigen, um keine falschen Hoffnungen zu wecken.

 

Maßgeschneiderte Therapien auf bioinformatischer Grundlage

Der vielfach gebräuchliche Begriff „Personalisierte Medizin“ meine dabei nicht, dass jeder Patient seine individuellen Medikamente erhalte, sondern dass aufgrund des fortgeschrittenen molekularbiologischen Wissens Krankheiten heute viel besser in Subgruppen untergliedert und daher präziser behandelt werden können, wie Hellmut Samonigg, Spezialist für Hämatoonkologie und Rektor der Medizin-Uni Graz klarstellte. Es sei daher besser von „Präzisionsmedizin“ zu sprechen. Michael Gnant, Professor für Chirurgie an der Medizinischen Universität Wien, erzählte von beeindruckenden Erfolgen in der Diagnose und Therapie von Erkrankungen wie Brustkrebs oder Melanom.

Grundlage dafür ist die Auswertung von Daten aus genomischen Hochdurchsatz-Experimenten, die mit den Werkzeugen der Bioinformatik möglich geworden ist, wie Ivo Hofacker, Vorstand des Instituts für Theoretische Chemie der Uni Wien darstellte: „Was wir heute kennen, ist nur die Spitze des Eisbergs“. 98 Prozent des Genoms würden nicht für ein bestimmtes Protein codieren, man verstehe heute nicht ausreichend, was Mutationen in diesem Bereich bedeuten. Hier sei noch viel Grundlagenforschung erforderlich, so Hofacker.

 

 

Agrana mit „erfolgreichem Geschäftsjahr“

Sowohl beim Umsatz als auch beim EBITDA und beim EBIT verzeichnete der Fruchtzubereitungs-, Stärke- und Zuckerkonzern 2016/17 gegenüber 2015/16 teils erhebliche Ergebniszuwächse.

 

Ein „erfolgreiches Geschäftsjahr“ 2016/17 meldete Agrana-Generaldirektor Johann Marihart bei der Bilanzpressekonferenz am 12. Mai . Der Umsatz des Fruchtzubereitungs-, Stärke- und Zuckerkonzerns wuchs gegenüber 2015/16 um 3,4 Prozent auf 2,56 Milliarden Euro. Das EBITDA verbesserte sich um 22,5 Prozent auf 235,2 Millionen Euro, das operative Ergebnis (EBIT) um 33,6 Prozent auf 172,4 Millionen Euro. Unter Berücksichtigung des Finanzergebnisses und der Ertragssteuern ergibt sich ein Konzernergebnis von 117,9 Millionen Euro, um 45,7 Prozent mehr als 2015/16. Marihart zufolge ist das auf bessere Resultate in allen drei Geschäftbereichen (Frucht, Stärke und Zucker) zurückzuführen. Im Segment Stärke verzeichnete die Agrana einen EBIT-Anstieg um 15,6 Prozent auf 76,2 Millionen Euro, vor allem aufgrund höherer Verkaufsmengen. Das Segment Frucht wiederum profitierte insbesondere von besseren Preisen für Apfelsaftkonzentrat, wodurch das EBIT um 22,1 Prozent auf 71,8 Millionen Euro stieg. Das kleinste Segment, Zucker, schließlich verzeichnete wegen gestiegener Verkaufspreise ein EBIT von 24,4 Millionen Euro, was nahezu einer Versechsfachung gleichkommt.

 

Für das angelaufene Geschäftsjahr 2017/18 erwartet Marihart „sowohl beim Konzernergebnis als auch beim EBIT“ einen „moderaten Anstieg“.

 

Wachstumsmöglichkeiten sieht er insbesondere in Osteuropa sowie im südostasiatischen Raum. Deshalb wird vor allem dort investiert. Im Westen Zentralindiens etwa erwarb die Agrana kürzlich ein Fruchtzubereitungswerk von Saikrupa Fruit Processing. Die Tagesverarbeitung beläuft sich auf rund 20 Tonnen an Mangos, Erdbeeren, Granatäpfeln und Guaven. Laut Marihart handelt es sich um einen „Nukleus mit Wachstumspotenzial“, dessen Ausbau die Agrana „zügig in Angriff nehmen“ werde. Rund 150 Kilometer westlich von Schanghai wiederum soll um 22 Millionen Euro ein neues Werk für Fruchtzubereitungen entstehen, das eine Kapazität von etwa 30.000 Tonnen pro Jahr aufweist. Es ergänzt die bestehende 20.000-Tonnen-Anlage in Dachang nahe Peking, die „an ihre Kapazitätsgrenze“ kommt. Den Produktionsstart plant die Agrana für November 2018. Marihart verwies darauf, dass China mit einem jährlichen Verbrauch von 3,7 Millionen Tonnen der weltgrößte Markt und am stärksten wachsende Markt für Joghurt ist. Bis 2020 wird eine Verdopplung des Pro-Kopf-Konsums auf rund 5,6 Kilogramm pro Jahr erwartet. Ferner ist China auch der größte Markt für Eiscreme, der Jahresverbrauch lag 2016 bei 4,3 Milliarden Litern.

 

Geschäftspotenzial gibt es laut Marihart grundsätzlich auch noch in einem anderen Bereich. Ihm zufolge könnte die Bioethanolzumischung zu Benzin den Feinstaubausstoß von Kraftfahrzeugen „dramatisch“ verringern. Wünschenswert wäre seiner Ansicht nach eine Beimischung von zehn Prozent.

 

Mariharts Vorstandsvertrag wurde bei der Aufsichtsratssitzung der Agrana am 11. Mai bis Ende Februar 2021 verlängert. Er plane, die gesamte Funktionsperiode wahrzunehmen, betonte der am 8. Dezember 1950 geborene Generaldirektor bei der Bilanzpressekonferenz: „Ich fühle mich fit und proper.“ Marihart leitet die Agrana seit 19. September 1988.

 

 

May 11th

Evologic gewinnt Science2Business Award 2017

Beim diesjährigen „Science2Business Award“ konnte sich das Team von Evologic Technologies bei Jury und Publikum durchsetzen. Der zweite Preis ging an das von der Donau-Universität Krems eingereichte Projekt Smartdiagnos.

 

Eine in blau-weiß, den Farben des Corporate Design, gehaltene Geburtstagstorte am Buffettisch der diesjährigen „Life Science Success“ erinnerte daran, dass diese Veranstaltung, die sich zum alljährlichen Treffpunkt der österreichischen Life-Science-Szene entwickelt hat, heuer bereits zum zehnten Mal stattfand. Zum zehnten Mal wurde in diesem Rahmen auch der „Science2Business“-Award vergeben, der – im Unterschied zu vielen Auszeichnungen, die auf die wissenschaftliche Arbeit selbst abzielen – die Management-Qualitäten eines Kooperationsprojekts prämiert. Vor einigen Jahren wurde dabei einer neuer Vergabemodus festgelegt. Die Jury bestimmt aus allen Einreichungen (heuer waren es 23) vorab zehn Finalisten, die im Rahmen der „Life Science Success“ die Möglichkeit erhalten, ihr Projekt in zehnminütigen Präsentationen vorzustellen. Die Jurymitglieder entscheiden, noch unter dem Eindruck der Darstellungen stehend, über die Vergabe der Preise, während die Besucher der Veranstaltung das Beste der von den Finalisten erstellten Poster bestimmen.

Das Startup-Unternehmen Evologic Technologies konnte in diesem Jahr sowohl den Posterpreis des Publikums als auch den mit 8.000 Euro dotierten Hauptpreis der Jury erringen. Das Unternehmen beschäftigt sich damit, arbuskuläre Mykorrhiza-Pilze (die in Symbiose mit dem Wurzelbereich von Pflanzen im Boden leben) mithilfe eines großtechnisch anwendbaren Prozesses herzustellen. Dabei arbeitet die von Wieland Reichelt gegründete Firma eng mit der TU Wien und dem Agro Innovation Lab der RWA zusammen. Jury-Sprecher Albert Missbichler hob vor allem die geeignete Auswahl von Kooperationspartnern und die Absicherung von Interessen durch entsprechende Verträge hervor, die es dem kleinen Unternehmen ermöglichen, sich auf die eigenen Kompetenzen zu fokussieren.

 

Viele Preisträger an einem Abend

Der zweite, mit 4.000 Euro dotierte Preis ging an das Projekt Smartdiagnos. Dabei werden von einem Team um Viktoria Weber von der Donau-Universität Krems Diagnosesysteme entwickelt, die die Detektion von Pathogenen bei Sepsis-Patienten mit minimaler Probenvorbereitung aus Vollblut ermöglichen. Kooperationspartner ist dabei die Firma CubeDx. Anerkennungspreise gingen an ein Projekt der Meduni Wien, das zyklische Peptide als immunsuppressive Wirkstoffe untersucht, an „Nanokult“ (ein Projekt der Uni Graz zur Entwicklung eines industriefähigen Verfahrens zur Papierentsäuerung bei historischen Dokumenten) sowie an „Sensofood“ – ein von der Carinthia Tech Research AG eingereichtes Projekt, das smarte Sensoren beim schonenden Kochen und Entsaften einsetzt. Sponsor der Preisgelder war das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft.

Darüber hinaus wurde der von Janssen Cilag gestiftete Jansen Special Award an ein Projekt der Meduni Graz zur Früherkennung von Therapieresistenzen bei Prostatakarzinomen vergeben. Eine von Amin El-Heliebi und seinem Team entwickelte Methode, die sich eines direkt in die Armvene eingeführten Drahtes zur Isolierung relevanter Biomarker bedient, soll mithelfen, eine optimale Behandlungsstrategie für die bei Männern häufigste Krebserkrankung zu finden.

 

OMV „erfolgreich gestartet“

Generaldirektor Rainer Seele ist mit dem ersten Quartal 2017 zufrieden. Der Jahresausblick ist ebenfalls nicht allzu düster.

 

Die OMV ist „erfolgreich ins Jahr 2017 gestartet“, kommentierte Generaldirektor Rainer Seele das am 11, Mai bekannt gegebene Ergebnis des ersten Quartals. Das um Lagerhaltungseffekte bereinigte Betriebsergebnis vor Sondereffekten (CCS EBIT vor Sondereffekten) war mit 805 Millionen Euro etwa drei Mal so hoch wie im ersten Quartal 2016 (262 Millionen Euro). Ferner erzielte die OMV mit rund 335.000 Fass Erdöläquivalent pro Tag (kboe/d) „die höchste Quartalsproduktion in den letzten zehn Jahren“. Auch gelang es, die Produktionskosten auf weniger als 9 USD-Dollar pro Fass zu verringern. Die Referenz-Raffineriemarge war mit 5,42 US-Dollar pro Fass um 34 Cent höher als im ersten Quartal des Jahres 2016. Positiv wirkten sich auch die im Vergleich zu 2016 höheren Öl- und Gaspreise aus, sagte Seele.

 

Hinsichtlich des Upstream-Geschäfts verwies Seele auf die mit Gazprom erzielte Vereinbarung zum Erwerb eines Anteils von 24,99 Prozent am westsibirischen Jushno-Russkoe-Gasfeld. Wird dieser von den Behörden genehmigt, könnte die OMV ihre Tagesproduktion auf über 400.000 Fass steigern. Als Erfolg wertete Seele weiters die Einigung über die Finanzierung der Pipeline Nord Stream 2. Dabei bleibt Gazprom Alleineigentümer. Die übrigen Projektpartner, neben der OMV die ENGIE, Shell, Uniper und Wintershall, tragen mit je rund einer Milliarde Euro zu dem 9,5 Milliarden Euro teuren Vorhaben bei. Von strategischer Bedeutung ist laut Seele die Beteilung der OMV an Smartrics, dem Elektromobilitätsunternehmen des Verbunds und Siemens Österreichs.

 

Für heuer rechnet Seele mit einer Tagesproduktion von rund 320.000 Fass sowie einem durchschnittlichen Ölpreis von 55 US-Dollar pro Fass. Im Upstream-Bereich will er etwa 1,3 Milliarden Euro investieren. Auf dem Gasmarkt besteht derzeit ein Überangebot. Folglich sind laut Seele geringere Verkaufsmengen zu erwarten. Für die derzeit Generalüberholung des Petrochemiebereichs der Raffinerie Schwechat wendet die OMV insgesamt 133 Millionen Euro auf, davon 110 Millionen an Investitionen und 23 Millionen an Betriebskosten. Das CCS EBIT vor Sondereffekten im zweiten Quartal dürfte dadurch mit etwa 80 Millionen Euro belastet werden.

May 8th

Brennstoffzellen: Großes Potenzial

Welche Rolle Brennstoffzellenheizungen im künftig im Erdgasnetz spielen und welche Bedeutung sie für die Dekarbonisierung haben können, war Thema eines Strategiegesprächs in Wien.

 

Grundsätzlich können mit Erdgas betriebene Brennstoffzellen künftig eine wichtige Rolle auf dem österreichischen Heizungsmarkt spielen. An Herausforderungen ist aber kein Mangel, hieß es kürzlich bei einem Strategiegespräch der deutsch-österreichischen Initiative Zukunft Erdgas, des Fachverbands Gas-Wärme und der Rohöl-Aufsuchungs-AG (RAG Austria) in Wien. Der Vorstand von Zukunft Erdgas, Timm Kehler, erläuterte, zurzeit werde aus klimapolitischen Gründen der Einsatz von Strom in den Bereichen Raumwärme und Verkehr forciert. Doch das genüge nicht, um das angestrebte Ziel einer CO2-Reduktion um 80 bis 95 Prozent bis 2050 zu erreichen. Der Grund: Es könne nicht ausreichend Strom aus mittels der „klassischen“ neuen erneuerbaren Energien wie Wind- und Solarkraft bereitgestellt werden. Auch seien keineswegs alle Hausbesitzer in der Lage, umfangreiche energetische Sanierungen zu finanzieren und so ihren Wärmebedarf zu vermindern. Helfen könne nur eine Kombination aus erneuerbaren Energien und Erdgas. Letzteres habe noch dazu den Vorteil, selbst quasi „erneuerbar“ zu sein - in Form von Biomethan und synthetischem Erdgas. Dieses wird erzeugt, indem Wasser mit Strom aus erneuerbaren Energien in Sauerstoff und Wasserstoff zerlegt und der Wasserstoff durch Reaktion mit CO2 in Methan umgewandelt wird, den Hauptbestandteil von Erdgas. Kehler zufolge könnten sich bis 2050 rund 35 Prozent „grünes“ Erdgas in den deutschen Netzen finden.

 

Ähnlich argumentierte RAG-Austria-Generaldirektor Markus Mitteregger. Ihm zufolge kann auch in Österreich nicht ausreichend Strom mittels erneuerbarer Energien bereitgestellt werden, um den Raumwärme- und den Verkehrssektor vollständig zu bedienen. Daher habe es keinen Sinn, „Gasheizungen durch Stromheizungen zu ersetzen, so lange nicht klar ist, woher die Elektrizität kommt“. Folglich sei Erdgas ein wesentlicher Energieträger im Zusammenhang mit der angestrebten Dekarbonisierung. Auch Wasserstoff habe großes Potenzial und sei gut geeignet, mit Erdgas zusammenzuspielen, ebenso wie Biomethan. Mitteregger erinnerte an den Einsatz von Stadtgas im vergangenen Jahrhundert. Dieser Energieträger habe zu etwa 50 Prozent aus Wasserstoff bestanden. Die RAG betreibe zur Zeit ein Forschungsprojekt mit der Bezeichnung „Underground Sun Conversion“. Dabei werde Wasserstoff in eine ausgeförderte Gaslagerstätte eingebracht und von Mikroorganismen im Untergrund in Metan umgewandelt. Auf diese Weise könne ein „geschlossener Erdgaskreislauf“ entstehen. Laut Mitteregger wird ferner die Bedeutung von Gasspeichern in den kommenden Jahrzehnten stark wachsen, weil die Gasförderung in Europa rapid zurückgeht. Folglich sind die Mitgliedsstaaten der EU in zunehmendem Maß auf Gasimporte angewiesen. Die Gaslieferung erfolgt jedoch weitgehend konstant, während der Bedarf jahreszeitlichen Schwankungen unterliegt: Im Sommer wird weniger Gas für Heizzwecke benötigt als im Winter. Hinzu kommt der geplante weitere massive Ausbau der erneuerbaren Energien zur Stromerzeugung. Allerdings schwankt die Stromproduktion von Windparks und Soalranlangen witterungsbedingt erheblich und muss daher ausgeglichen werden. Neben Pumpspeichern sind dafür Gaskraftwerke besonders gut geeignet. Für ihren Betrieb muss jedoch stets Gas bereitgestellt werden können, was sich mit Gasspeichern leicht bewerkstelligen lässt.

 

Etliche Angebote

 

Was nun Gasbrennstoffzellen betrifft, haben fast alle namhaften Heizungshersteller einschlägige Produkte entwickelt. Maximilian Lederer von der Bosch Thermotechnik GmbH etwa präsentierte bei dem Strategiegespräch ein Hochtemperatur-Zellensystem (SOFC-System) mit 700 Watt elektrischer Leistung, das für Einfamilienhäuser geeignet ist. Um Bedarfsspitzen zu decken, umfasst dieses auch ein Gasbrennwertgerät und ist überdies mit einem Pufferspeicher ausgestattet. Seit 2016 ist das System auf dem deutschen Markt erhältlich, die Einführung in anderen Ländern wird geprüft.
Auch die deutsche Senertec ist auf dem Markt für Brennstoffzellenheizungen aktiv, berichete deren Innendienstleiter Export, Holger Säuberlich. Das System seines Unternehmens besteht aus einem Brennstoffzellengerät mit 700 Watt Leistung, einem Gasbrennwertgerät als Spitzenlastkessel sowie einem Pufferspeicher. Integriert ist weiters ein Internet-Kommunikationsmodul für die Auswertung der Verbrauchsdaten.

Auf den Gewerbebereich spezialisiert hat sich die Solidpower, erläuterte deren Geschäftsführer Andreas Ballhausen. Das System seines Unternehmens hat eine elektrische Leistung von 1,5 Kilowatt sowie eine thermische Leistung von 0,6 Kilowatt. Außer für Gewerbebetriebe eignet es sich für große Einfamilienhäuser sowie Bürogebäude. Bis dato wurden rund 750 Geräte in Deutschland verkauft, die Amortisationszeit beziffert Ballhausen mit rund sieben Jahren.

Auf Niedertemperatur-Anlagen (PEMFC-Anlagen) setzt dagegen die Firma Viessmann, sagte deren vertreter Manfred Stieger. Seit drei Jahren ist sein Unternehmen mit solchen Geräten auf dem deutschen Markt vertreten, ab 2018 will Viessmann auch SOFC-Anlagen anbieten. In Österreich begann die PEMFC-Einführung im Herbst 2016. Bisher wurden fünf Geräte geliefert, weitere fünf werden in den kommenden Monaten installiert. Die Brennstoffzellen kauft Viessmann bei der Panasonic, die bereits 100.000 Geräte auf dem japanischen Markt abgesetzt hat.

 

Wachsender Markt

 

Laut Peter Jurik vom Fachverband Gas-Wärme (FGW) wird der österreichische Wärmemarkt in den kommenden Jahren weiter wachsen: „Die Bevölkerungszahlen steigen. Damit steigt auch die Wohnfläche, die zu beheizen ist.“ Grundsätzlich wäre es ihm zufolge möglich, den gesamten Raumwärmebedarf in Österreich bis 2050 mit „grünem“ Erdgas inklusive Biomethan zu decken. Wichtig sei daher, das Thema Erdgas auch in der in Ausarbeitung befindlichen österreichischen Energie- und Klimastrategie zu berücksichtigen.

 

 

 

 

May 5th

Gunda Köllensperger und SIM Characters gewinnen Houska-Preis 2017

Gewinner des diesjährigen Houska-Preises sind die Chemikerin Gunda Köllensperger von der Universität Wien in der Kategorie „Universitäre Forschung“ und das Startup-Unternehmen SIM Characters in der Kategorie "Forschung & Entwicklung in KMU.“

 

Mit insgesamt 400.000 Euro Preisgeld ist der Houska-Preis eine der höchstdotierten Auszeichnung, die in Österreich im Bereich der anwendungsorientierten Forschung vergeben werden. Die Sieger jeder Kategorie nahmen jeweils 150.000 Euro entgegen.

Gunda Köllensperger koordinierte ein Team von Forschern der Universität Wien und der Universität für Bodenkultur, die Standards für Messungen in der Metabolomik (ein Ansatz, der auf die Bestimmung der Gesamtheit an Stoffwechselprodukten eines Systems abzielt) entwickelten. Die Forschung, die metabolomische Messungen leistbar und präzise machen soll, hat  zur Gründung des Spinoff-Unternehmens Isotopic Solutions geführt, das bereits erste Markterfolge verzeichnet.

Ein Spinoff-Unternehmen ist auch SIM Characters, in diesem Fall entstand die Idee an der Meduni Wien. Es wurde von Jens-Christian Schwindt gegründet, um bestehende Lücken bei Trainingsmöglichkeit in der Frühgeborenenmedizin zu schließen. Das Team um Schwindt entwickelte einen Trainingssimulator, der ein Einüben notfallmedizinischer Maßnahmen unter besonders realitätsnahen Bedingungen ermöglicht.

Die weiteren nominierten Projekte (vier in jeder Kategorie) erhielten je 10.000 Euro als Anerkennungspreis. Die Publikumspreise, die ebenfalls mit je 10.000 Euro pro Kategorie dotiert sind, gingen heuer an Viktor Hacker von der TU Graz sowie das Technologieunternehmen Bionic Surface Technologies.

Der Houska-Preis wird von der B&C Privatstiftung vergeben, die sich ihrem Stiftungszweck „Förderung des österreichischen Unternehmertums“ entsprechend auch für verbesserte finanzielle Grundlagen für Innovation und Forschung in Österreich einsetzt.

 

 

May 4th

„Konjunkturelle Talsohle durchschritten“

Nach einem durchwachsenen Jahr für die Branche blickt der Fachverband der chemischen Industrie Österreichs (FCIO) optimistisch auf die Entwicklung im laufenden Kalenderjahr.

2016 gingen die Umsätze um 0,6 Prozent auf knapp 14,8 Milliarden Euro zurück, der Fachverband verzeichnete damit das fünfte Jahr in Folge ohne Aufschwung. Eine Steigerung konnte in den Bereichen Chemiefasern und Lacke erzielt werden, beim Geschäft mit Chemikalien, Kunststoffen und Pharmazeutika gab es Rückgänge. Einer der Gründe ist dabei ein Minus von rund einem Prozent im Auslandsgeschäft, was für die traditionell exportorientierte Chemiewirtschaft besonders stark ins Gewicht fällt. Die Zahl der Betriebe der chemischen Industrie sank im vergangenen Jahr um 1,7 Prozent auf 235, mit rund 44.000 Mitarbeitern beschäftigten diese aber um 1,4 Prozent mehr Menschen als 2015.

Viele Anzeichen würden aber dafür sprechen, dass die konjunkturelle Talsohle durchschritten ist, wie Fachverbands-Obmann Hubert Culik anlässlich eines Pressegesprächs am 4. Mai bemerkte: „Die Unternehmen sind allgemein optimistisch, es herrscht wieder ein positiver Spirit.“ Als Gründe identifizierte Culik eine stärkere Öffnung Richtung Osteuropa, aber auch die Umkehrung bisher üblicher Beschaffungsvorgänge zwischen China und Europa: „Chinesische Firmen kaufen Rohstoff verstärkt in Europa ein.“

Mit der wahrgenommenen Aufbruchsstimmung verbindet der FCIO aber auch Forderungen an die Politik: „Einige im Jänner von der Regierung angekündigte Reformen wie die Erhöhung der Forschungsprämie oder der Bürokratieabbau im Anlagenrecht versprachen Rückenwind. Aber leider steht das Ganze jetzt wieder“, so Fachverbands-Geschäftsführerin Sylvia Hofinger. Auch bei der Regelung der Medikamentenpreise im ASVG und der Novelle zum Ökostromgesetz hätte sich die Industrie standortfreundliche Entscheidung anstatt politischen Abtauschs erwartet.

 

Trendthema Industrie 4.0

Der Trend zur umfassenden Digitalisierung macht auch vor der chemischen Industrie nicht halt. Eine Umfrage unter rund 50 Mitgliedsbetrieben des Fachverbands ergab, dass knapp 60 Prozent „Industrie 4.0“ bereits als Teil ihrer Unternehmensstrategie ansehen. Rund zwei Drittel haben bereits konkrete Digitalisierungsprojekte implementiert. Chancen werden dabei vor allem in der Produktivitätssteigerung von Produktions- und Logistikprozessen und in der Verbesserung der Kundenbeziehung gesehen.

Um diese Chancen wahrzunehmen, gelte es aber auch, die gesellschaftliche Akzeptanz der Digitalisierung zu steigern: „Wir würden uns ein investitionsfreundliches Umfeld statt Diskussion um eine Maschinensteuer wünschen“, so Hofinger. Zudem müssten noch zahlreiche rechtliche Fragen geklärt werden, beispielsweise Haftungsfragen bei autonom agierenden Maschinen, die Nutzungsrechte an Maschinendaten oder Fragen der Cybersecurity. Im Bereich Ausbildung ist man mit der Modernisierung des Lehrberufs Chemieverfahrenstechniker beim Fachverband selbst einen ersten Schritt gegangen.

 

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