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March 28th, 2017
Evotec vervierfacht EBITDA
28.03.17
von
Klaus Fischer
Laut Vorstandschef Werner Lanthaler ist der Hamburger Wirkstoffentwickler mit seinem Geschäftsmodell „erst am Anfang“.
„Unser Geschäftsmodell ist erst am Anfang. Wir sind weiterhin in einer starken Position und profitieren vom Megatrend Outsourcing in der Pharmabranche.“ So kommentierte der Vorstandschef des Hamburger Wirkstoffentwicklers Evotec, Werner Lanthaler, am 28. März das Jahresergebnis 2016 seines Unternehmens. Dieses erzielte einen Umsatz von 164,5 Millionen Euro, um 29 Prozent mehr als 2015. Das operative Ergebnis konnte von 11,6 auf 31,3 Millionen Euro fast verdreifacht werden. Hinsichtlich des bereinigten Konzern-EBITDA weist die Evotec eine Vervierfachung auf 36,2 Millionen Euro (2015: 8,7 Millionen Euro) aus. Den Jahresüberschuss beziffert das Unternehmen mit 26,8 Millionen Euro gegenüber 16,5 Millionen im Jahr 2015. Mit 54,5 Millionen Euro entfiel fast ein Drittel des Evotec-Umsatzes auf die Zusammenarbeit mit dem französischen Pharmagiganten Sanofi. Weitere rund 15,1 Millionen Euro erbrachte die Kooperation mit dem deutschen Bayer-Konzern.
Was die beiden Geschäftsbereiche von Evotec betrifft, entfallen rund 83,8 Prozent des Umsatzes bzw. 137,8 Millionen Euro auf die Auftragsforschung- und Entwicklung („EVT Execute“) und 16,2 Prozent bzw. 26,6 Millionen auf eigene Projekte und Kooperationen („EVT Innovate“). Laut dem Geschäftsbericht entwickelte sich das Basisgeschäft „sehr gut“, auch konnten neue Kooperationen geschlossen und bestehende erweitert werden. Insbesondere im Zuge der Zusammenarbeit mit Bayer erhielt Evotec höhere Meilenstein-Zahlungen als 2015.
Für heuer und die kommenden Jahre rechnet das Management des Unternehmens mit einem weiteren Wachstum des EVT-Executive-Geschäfts und mit dem Abschluss neuer Kooperationen im Bereich EVT Innovate. Das bereinigte Konzern-EBITDA „soll positiv bleiben und sich gegenüber 2016 verbessern“. Grundsätzlich gehen Lanthaler und seine Vorstandskollegen davon aus, „dass die Pharmabranche verstärkt umfangreichere strategische Forschungsvereinbarungen bevorzugen wird, die ein als geringer empfundenes kommerzielles Risiko aufweisen und eine bessere Handhabung ermöglichen. Evotec ist ideal aufgestellt, um von diesen Marktentwicklungen voll profitieren zu können.“ Der Umsatz soll 2017 um mehr als 15 Prozent wachsen. Anders als bisher werden in dieser Prognose nunmehr auch die Meilenstein- und Abschlagszahlungen sowie die Lizenzabgeltungen berücksichtigt. Als Grund dafür nennt Evotec, dass die Meilensteinzahlungen „zunehmend zum Umsatz und zur Profitabilität des Unternehmens“ beitragen.
March 27th
Infrarotspektroskopie mit nanomechanischen Resonatoren
Silvan Schmid vom Institut für Sensor- und Aktuatorsysteme der TU Wien hat gemeinsam mit Forschern aus Dänemark eine nanomechanische Messmethode für die Infrarotspektroskopie entwickelt. Diese kommt mit geringsten Probenmengen aus und ist daher vor allem für die Analytik pharmazeutischer Wirkstoffe interessant.
Bei dem neuartigen Verfahren wird aus der zu analysierenden Probe ein Aerosol erzeugt, ohne dass eine händische Probenvorbereitung notwendig wäre. Das Aerosol wird durch einen Filter aus Siliciumnitrit geblasen, der aus vibrierenden Membranen mit einer Dicke im Nanometerbereich und eine Breite von unter einem Millimeter bestehen – Schmid spricht von „Nanotrommeln“ oder „nanomechanischen Resonatoren“. Wird ein Infrarot-Laser auf den Filter gerichtet, regt er die Moleküle in den anhaftenden Aersoltröpfchen an, diese „verstimmen“ die Nanotrommeln, was durch Elektroden gemessen werden kann.
Die Infrarotquelle kann entsprechend ihres Frequenzspektrums „durchgestimmt“ werden und so Molekülschwingungen mit unterschiedlichen Frequenzen erzeugen. Die Wissenschaftler haben die Messergebnisse mit den bekannten Aborptionsmaxima von pharmazeutischen Wirkstoffen verglichen und gute Übereinstimmung gefunden.
March 24th
24.03.17
von
Klaus Fischer
Niederösterreichische Unternehmen sind bei Kunststofflegierungen (Compounds) ebenso innovativ unterwegs wie bei Metall- und Keramikmaterialien. Unterstützt werden sie dabei von der Wirtschaftsagentur Ecoplus.
Wachstum ist angesagt, und das nicht zu knapp: Im vergangenen Jahr erzeugte die Thermoplastkreislauf GmbH im Sitz in Traiskirchen rund 1.800 Tonnen hochwertige Kunststofflegierungen (Compounds), davon rund 650 Tonnen Recyclingmaterial (Regranulate). Heuer werden es über 2.000 Tonnen sein, für 2020 peilt Unternehmenschef Christian Wind rund 6.000 Tonnen an. Noch im Lauf des Jahres wird auf Dreischichtbetrieb umgestellt. Mindestens drei zusätzliche Arbeitsplätze kommen zu den derzeitigen etwa 20 hinzu, bis 2020 soll auf etwa 30 Beschäftigte aufgestockt werden. Derzeit erwirtschaftet Wind rund 20 Millionen Euro Umsatz pro Jahr - wobei sein Unternehmen Kunststoffe tatsächlich recycelt und meist sogar „upcycelt“, also aus sauberen Kunststoffabfällen aus der Industrie teilweise sogar höherwertige Produkte herstellt. Spezialisiert hat sich die Thermoplastkreislauf GmbH auf Erzeugnisse, die den jeweiligen Anforderungen der Kunden angepasst sind. Die Compounds werden eigens für diese entwickelt bzw. produziert. Ein eigenes Forschungs- und Entwicklungslabor macht es möglich, die gewünschten Rezepturen zusammenzustellen. „Wir entwickeln unsere Produkte in beiden Bereichen, bei Neuwaren ebenso wie bei Regranulaten“, erläuterte Wind am 23. März bei einem Betriebsbesuch der niederösterreichischen Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav.
Hilfreich sind dabei immer wieder hochqualifizierte Partner. Nicht zuletzt das ist der Grund, weshalb die Thermoplastkreislauf GmbH seit etlichen Jahren am Kunststoffcluster der niederösterreichischen Wirtschaftsagentur Ecoplus beteiligt ist: „Wir profitieren vom Know-how und von der überbetrieblichen Zusammenarbeit.“ Gefragt sind die Erzeugnisse des Unternehmens auch international. Die Exportquote liegt bei derzeit etwa fünf Prozent, die ausländischen Zielmärkte sind zurzeit insbesondere Deutschland und Italien. Heuer steht in Sachen Export eine Premiere an: Rund 40 Tonnen Compounds gehen in die mexikanische Hafenstadt Veracruz. Dort betreibt ein international tätiger Kunde eine Produktionsstätte, in der er das Material der Thermoplastkreislauf GmbH benötigt.
Nicht zu verachten ist übrigens die CO2-Menge, die mit den Regranulaten eingespart werden kann: Sie belief sich allein im vergangenen Jahr auf etwa 965 Tonnen. Und weil der Trend in Richtung immer umwelt- sowie klimaverträglicherer Kunststoffe geht, „wollen wir bei der CO2-Reduktion vorne mit dabei sein“, konstatierte Wind. Dass das ordentlich funktioniert, bestätigt die Montanuniversität Leoben. Sie attestiert der Thermoplastkreislauf GmbH, mit jeder Tonne Regranulat gegenüber neuen Compounds rund 1,5 bis zwei Tonnen an CO2-Emissionen zu vermeiden. Nicht zuletzt deshalb erhielt das Unternehmen den Steirischen Energy Globe Award und ist für den Clusterland Award 2017 nominiert.
Von der Raumfahrt bis zum Schmuckstück
Hightech ist in Niederösterreich indessen nicht nur im Kunststoffbereich ein Thema, sondern auch bei Metall und Keramik. Ein Beispiel dafür ist die RHP-Technology GmbH, ansässig auf dem Gelände des Forschungszentrums Seibersdorf. Sie hat ein schnelles Heißpressverfahren entwickelt, mit dem sich Bauteile bei bis zu 2.400 Grad Celsius in weniger als einer Stunde zu Werkstücken formen lassen. Neben dieser Kernkompetenz bringen die Geschäftsführer Michael Kitzmantel und Erich Neubauer mit ihrem Team mittlerweile auch 3D-Druck- sowie Pulverspritzgussverfahren zum Einsatz. Beim Pulverspritzguss mischt die RHP-Technology Keramik- oder Metallpulver mit Kunststoff und kann so das gewünschte Werkstück in Form bringen. Anschließend wird der Kunststoff durch Sintern entfernt. „Wir wollen niemanden kopieren, sondern in neue Themen gehen“, berichtete Kitzmantel anlässlich eines Besuchs von Wirtschaftslandesrätin Bohuslav. Zurzeit sind verstärkte Aktivitäten im Bereich Luft- und Raumfahrt angesagt. Unter anderem ist ein Modul in Entwicklung, das die Druckverteilung von Treibstoffen für Minisatelliten steuert.
Doch auch im Bereich der erneuerbaren Energien ist die RHP-Technology aktiv: Sie kooperiert unter anderem mit der „Route 16.6“, einer Tiroler Firma. Diese erzeugt biegsame Photovoltaikmodule und nutzt dabei Werkstoffe des niederösterreichischen Unternehmens. Wie Neubauer erläuterte, wird in den kommenden Jahren das Recyceln von Photovoltaikmodulen stark an Bedeutung gewinnen. Die ersten in Österreich installierten Paneele erreichen das Ende ihrer Betriebsdauer. Daher ist es sinnvoll, mit geeigneten Verfahren wertvolle Inhaltsstoffe wieder aufzubereiten, darunter Aluminium und Silber, aber auch das Siliziumglas für die Solarzellen. „Das wird ein Riesenthema“, konstatierte Neubauer.
Auch die RHP-Technology ist seit geraumer Zeit Mitglied im Ecoplus-Kunststoffcluster. „Dadurch bekommen wir einen guten Überblick darüber, welche Werkstoffe gebraucht werden und wo sich bei deren Anwendung Probleme ergeben könnten. Außerdem werden wir immer wieder auf neue Ideen und Entwicklungsmöglichkeiten gebracht“, berichtete Kitzmantel.
Als möglicher neuer Geschäftszweig zeichnet sich die Schmuckproduktion ab. Für einen Kunstschmied entwickelte das Unternehmen einen Werkstoff mit der Bezeichnung „Niellium“. Ferner erzeugt die RHP-Technology Materialien, die sie als „Tiger Metals“ bezeichnet. Unter anderem können diese von Luxusuhren und Ringen eingesetzt werden. Für die Uhrenproduktion wird ein Partner gesucht. Laut Kitzmantel müsste es sich dabei um ein international tätiges (Groß-)Unternehmen in dieser Branche handeln: „Die Uhren würden mindestens 200.000 Euro pro Stück kosten.“
Laut Ecoplus-Geschäftsführer Helmut Miernicki kooperieren im Kunststoffcluster mittlerweile rund 120 Partnerunternehmen mit etwa 20.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von über sechs Milliarden Euro. Die Arten der Zusammenarbeit reichen „von der Grundlagenforschung bis zur gezielten Produktentwicklung“.
March 23rd
BASF: Lederchemikaliengeschäft geht an Stahl Group
23.03.17
von
Klaus Fischer
Im Gegenzug übernimmt der deutsche Chemieriese 16 Prozent an dem niederländischen Lederchemikalienspezialisten. Die Transaktion soll im vierten Quartal abgeschlossen werden.
Der deutsche Chemiekonzern BASF überträgt sein weltweites Lederchemikaliengeschäft inklusive der Fabrik in L’Hospitalet in Spanien an die niederländische Stahl Group. Im Gegenzug erhält er einen Anteil von 16 Prozent an dieser. Die Stahl Group ist auf Prozesschemikalien für Lederprodukte und Hochleistungsbeschichtungen spezialisiert. Vorbehaltlich der Zustimmung der Genehmigungsbehörden ist geplant, die Transaktion im vierten Quartal abzuschließen, verlautete die Stahl Group in einer Aussendung. Ihr zufolge sollen die rund 210 Arbeitsplätze in L’Hospitalet erhalten bleiben.
Durch die Kombination des eigenen Lederchemikaliengeschäfts mit dem von BASF lässt sich laut Stahl Group ein Jahresumsatz von rund 850 Millionen Euro und ein EBITDA von mehr als 200 Millionen Euro erzielen. Zurzeit gehört das BASF-Lederchemikaliengeschäft zum Unterbereich „Performance Chemicals“. Dessen Umsatz sank 2016 im Vergleich zu 2015 um rund acht Prozent auf 3,8 Milliarden Euro. Im BASF-Geschäftsbericht wird dies mit den gefallenen Verkaufspreisen sowie dem Verkauf des Paper-Hydrous-Kaolin- und des Textilchemikaliengeschäfts begründet.
March 22nd
AkzoNobel sträubt sich gegen Übernahme
22.03.17
von
Klaus Fischer
Auch das zweite Offert der US-amerikanischen PPG Industries wurde zurückgewiesen. Diese hält an ihren Plänen fest.
Der niederländische Farben-, Beschichtungs- und Spezialchemikalienkonzern AkzoNobel wehrt sich weiterhin gegen die Übernahme durch die US-amerikanische PPG Industries. Ein neuerliches Angebot vom Montag dieser Woche wurde am 22. März abgelehnt, meldete AkzoNobel. Wie schon das erste Offert von Anfang März stelle auch das zu Wochenbeginn ergangene eine „substanzielle Unterbewertung“ von AkzoNobel dar und berücksichtige nicht die Optionen für künftige Wertschöpfung. Ferner mache es eine Reihe von Divestitionen nötig und bringe daher Wertverluste mit sich. Der Grund für die Divestitionen seien mögliche umfangreiche Auflagen durch die Genehmigungsbehörden, die in dem Angebot nicht berücksichtigt würden. Auch gebe es Probleme durch eine Vielzahl von Unterschieden in der Unternehmenskultur der beiden Konzerne, für die in dem Angebot keine Lösungen geboten würden. Überdies führt AkzoNobel eventuelle „erhebliche“ Arbeitsplatzverluste ins Treffen, wobei allerdings keine konkreten Zahlen genannt werden. Zurzeit beschäftigt AkzoNobel weltweit rund 46.000 Personen.
PPG Industries betonte in einer Aussendung, das Angebot um 7,00 Euro je Aktie auf rund 24,5 Milliarden Euro verbessert zu haben. Es liege damit bei 90,00 Euro je Aktie und somit um 40 Prozent über dem Kurswert vom 8. März. PPG-Chef Michael McGarry verlautete, er halte an den Übernahmeplänen fest. Das Offert sei für die Aktionäre von AkzoNobel attraktiv und beinhalte für sie die Möglichkeit der Teilhabe am fusionierten Unternehmen. Somit könnten sie auch von dessen zukünftigem Erfolg profitieren. Er hoffe daher auf baldige Verhandlungen mit dem Management von AkzoNobel, um zu einer für beide Seiten akzeptablen Lösung zu kommen.
Lenzing mit „exzellentem Jahr“
22.03.17
von
Klaus Fischer
Der Faserkonzern erzielte 2016 das zweitbeste Ergebnis seiner bisherigen Unternehmensgeschichte. Übermut ist dennoch kein Thema, sehr wohl aber die Vorbereitung auf Zeiten schwächerer wirtschaftlicher Entwicklung.
„Es war ein exzellentes Jahr, das zweitbeste in unserer Unternehmensgeschichte.“ So kommentierte der Vorstandsvorsitzende der Lenzing AG, Stefan Doboczky, bei der Jahres-Pressekonferenz am 22. März die Bilanz seines Unternehmes für 2016. Dessen Umsatz wuchs im Vergleich mit 2015 um rund acht Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Das EBITDA stieg um 47,6 Prozent auf 428,3 Millionen Euro, das EBIT um 96,1 Prozent auf 296,3 Millionen Euro. Den Jahresüberschuss beziffert die Lenzing mit 229,1 Millionen Euro, um 78,9 Prozent mehr als 2015. Als Gründe nannten Doboczky, Vertriebsvorstand Robert van de Kerkhof und Finanzvorstand Thomas Obendrauf höhere Verkaufspreise für alle Faserprodukte, den duch einen höheren Anteil an Spezialfasern verbesserten Produktmix sowie in geringerem Ausmaß die leicht gestiegenen Verkaufsmengen. Freuen können sich die Aktionäre: Ihre Dividende soll von 2,00 Euro für 2015 auf 3,00 Euro je Aktie erhöht werden. Zusätzlich schlägt der Vorstand eine Sonderdividende von 1,20 Euro je Aktie vor. Insgesamt beläuft sich die Ausschüttung somit auf rund 111,5 Millionen Euro.
Doboczky konstatierte, die Lenzing sei „auf einem guten Weg. Auch heuer werde die „strategische Transformation“ hin zum Spezialfaserkonzern fortgesetzt. Bereits 2016 machten Spezialfasern wie Tencel rund 42 Prozent des Konzernumsatzes aus. Laut Doboczky wird die Lenzing ihre „Markenrelevanz stärken“ und überdies die Direktvermarktung ihrer Erzeugnisse forcieren. Im Lauf des Jahres kommen auch zwei „fundamental neue Produkte“ auf den Markt, kündigte Doboczky an. Ferner wird noch heuer die Entscheidung über den Standort für eine weitere Produktionsanlage mit etwa 90.000 Tonnen Jahreskapazität fallen. Fix ist, dass diese im Großraum Asien gebaut wird. Indien, das schon einmal im Fokus war, kommt dabei ebenso in Frage wie Indonesien. Aber auch China, der weitaus wichtigste Markt für Textilien, ist eine Option, ebenso, wie es eine Reihe anderer asiatischer Staaten ist. In Betrieb gehen soll die Anlage um die Jahreswende 2020/21. Grundsätzlich strebt die Lenzing an, ihre Kapazitäten alle etwa zwei Jahre zu erweitern. Für 2019 ist die Inbetriebnahme der neuen Fabrik in den USA geplant, deren Bau das Unternehmen im Dezember 2016 ankündigte.
Laut Doboczky ist das Marktumfeld für Fasern weiterhin positiv. Insbesondere die Nachfrage nach Spezialfasern ist stark. Daher könne für heuer mit einer weiteren „deutlichen Ergebnisverbesserung“ gegenüber 2016 gerechnet werden. „Natürlich wird es nicht ständig so weitergehen“, betonte Doboczky. Speziell im Bereich der Fasern mit hohem Produktionsvolumen sei früher oder später mit einem Rückgang zu rechnen. Davon werde freilich auch die Lenzing betroffen sein, „aber umso weniger, je mehr wir in Richtung Spezialfasern gehen. Deshalb freuen wir uns des Moments und bereiten uns darauf vor, dass die Zeiten wieder einmal anders sein werden“.
March 21st
Neues Gebäude der Karl Landsteiner Privatuniversität eröffnet
Die „Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften“ (KL) hat ihr neues Universitätsgebäude am Campus Krems im Rahmen eines Festakts feierlich eröffnet.
Der vom Wiener Architekturbüro Delugan Meissl entworfene Bau bietet auf knapp 4.600 Quadratmetern Nutzfläche die notwendige Infrastruktur für den Lehr- und Forschungsbetrieb, darunter zwei Säle und ein Hörsaal, 17 Seminarräume, ein Lehrlabor, ein so genanntes „Skills Lab“ für den Unterricht in den klinischen Grundfertigkeiten sowie zwei weitere Laborkomplexe für die Forschung. Das Gebäude wirke identitätsstiftende für die KL, die sich der Einheit von Forschung, Lehrer und Klinik verpflichtet fühle, wie Rektor Rudolf Mallinger anlässlich der Eröffnung betonte.
An der Privatuniversität, die von der Medizinischen Universität Wien, der Donau-Universität Krems und der IMC Fachhochschule Krems getragen wird, wird ein Medizin-Studium nach dem Bachelor-Master-System angeboten. Der Ausbildungsweg beginnt mit einem Bachelorstudium der „Health Sciences“, in das neben medizinische Grundlagenfächern Schwerpunkte zur Medizintechnik und zur Gesundheitsökonomie integriert sind. Darauf setzt das Masterstudium „Humanmedizin“ auf, das gemeinsam mit den Universitätskliniken in St. Pölten, Krems und Tulln organisiert wird. Daneben werden ein berufsbegleitendes Bachelor-Studium der Psychotherapie- und Beratungswissenschaften sowie ein Bachelorstudium der Psychologie angeboten.
Ehrengäste und Festredner
Zum Festakt konnten zahlreiche Ehrengäste begrüßt werden, darunter der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll, der Propst des Augustiner-Chorherrenstifts Herzogenburg Maximilian Fürnsinn sowie der evangelische Superintendent von Niederösterreich, Lars Müller-Marienburg. Namensgeber der Einrichtung ist der Nobelpreisträger Karl Landsteiner, der Entdecker der Blutgruppen, an dessen Werk Wolfgang Mayr, medizinischer Berater für Blutspendewesen des Roten Kreuzes, sowie Brigitte Lohff, Medizinhistorikerin an der Medizinischen Hochschule Hannover, erinnerten.
Chemiewaffen-Einsatz: Sanktionen gegen vier syrische Militärs
21.03.17
von
Klaus Fischer
Die hochrangigen Luftwaffenoffiziere werden beschuldigt, für teilweise tödliche Angriffe auf die Zivilbevölkerung verantwortlich zu sein.
Der Rat der Europäischen Union hat vier hochrangige syrische Luftwaffenoffiziere in die EU-Sanktionenliste gegen die Regierung Assad aufgenommen. Sie werden beschuldigt, für Chemiewaffeneinsätze gegen die Zivilbevölkerung in nordsyrischen Dörfern verantwortlich zu sein. Laut dem Amtsblatt der EU vom 21. März handelt es sich um Generalmajor Achmad Ballul, den Befehlshaber der syrischen Luftstreitkräfte, Generalmajor Saji Darwish, den Kommandanten der 22. Division der Luftwaffe, um Brigadegeneral Badi' Mu'alla, den Befehlshaber der 63. Brigade der Luftwaffe und um seinen Stellvertreter, Brigadegeneral Muhammed Ibrahim. Die gegen sie verhängten Sanktionen umfassen Einreiseverbote sowie das Einfrieren von Vermögenswerten. Auf der Sanktionsliste finden sich nunmehr 239 Personen, teilte der Rat mit.
Darwish wird insbesondere des Chemiewaffenangriffs durch Hubschrauber in Talmenes 21. April 2014 bezichtigt. Mu'alla und Ibrahim beschuldigt die EU-Kommission darüber hinaus auch der Attacken in Qmenas und Sarmin am 16. März 2015. Ballul macht die EU als obersten Chef der syrischen Luftstreitkräfte und Chemiewaffenspezialisten letztverantwortlich für sämtliche Einsätze. Laut Human Rights Watch warfen die Helikopter je zwei Fassbomben auf Qmenas und Sarmin. Dadurch sollen insgesamt sechs Personen ums Leben gekommen sein und etwa 150 ärztlicher Behandlung bedurft haben. Umstritten ist, ob der Angriff auf Talmenes den Luftstreitkräften anzulasten ist. In manchen Quellen werden auch Oppositionseinheiten als Urheber genannt. Welche Chemikalien zum Einsatz kamen, ist nicht gesichert. In Talmenes soll es sich laut der Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons (OPCW) mit hoher Wahrscheinlichkeit um Chlorgas oder Chlorgasverbindungen gehandelt haben.
March 17th
K1-Zentrum FFoQSI eröffnet
Am Technopol Tulln wurde am 16. März das K1-Zentrum FFoQSI („Feed & Food Quality, Safety and Innovation“) eröffnet, an dem Wissenschaftler von Vetmed, BOKU und FH Oberösterreich Forschungsthemen entlang der Wertschöpfungskette von Lebens- und Futtermitteln behandeln.
Das im Zuge des FFG-Calls für K1-Zentren vergangenen Sommer bewilligte Kompetenzzentrum FFoQSI kann auf mehrere Jahre Vorgeschichte zurückblicken: Bereits 2008 stellte man an der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmed) Überlegungen zu einem K-Projekt zum Thema präventive Veterinärmedizin an. Dieses wurde zwar nicht bewilligt, gab aber Anstoß zu weiteren Projekten zur Wertschöpfungskette bei Schweinefleisch und Milchprodukten, wie die designierte Vetmed-Rektorin Petra Winter im Rahmen der Eröffnungsfeier berichtete. Vetmed, BOKU, Umweltministerium und Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) schlossen darüber hinaus die strategische Allianz „Bioscience Austria“, die die wissenschaftliche Vernetzung im Vorfeld einer auf erneuerbaren Ressourcen aufbauenden Bioökonomie vorantreiben will. FFoQSI, so BOKU-Vizerektor Josef Glößl, sei als Kind dieser Initiative anzusehen.
Die Forschung des Kompetenzzentrums wird sich in drei Areas gliedern: Zwei davon beschäftigen sich mit unternehmensnaher Forschung, wobei Martin Wagner (Vetmed, er ist auch wissenschaftlicher Gesamtleiter des FFoQSI) eine „Red Area“ zu Lebensmitteln tierischen Ursprungs, Rudolf Krska (BOKU-Department IFA-Tulln) eine „Green Area“ zu pflanzlichen Produkten leiten wird. Die von Thomas Prohaska verantwortete „Blue Area“ arbeitet an strategischen Projekten, in denen beispielsweise methodisches Know-how erarbeitet wird, das den angewandten Forschungsvorhaben zu Gute kommen soll. Die FH Oberösterreich wird die Kompetenzen ihres Fachbereichs Lebensmitteltechnologie und Ernährung einbringen und in Wels eine Außenstelle des FFoQSI unterhalten.
Breit gestreute Fragestellungen
Allen Forschungsfeldern gemeinsam ist, dass der Blick auf die gesamte Wertschöpfungskette gerichtet ist, also gleichsam vom Acker bis zu Gabel reicht – oder sogar darüber hinaus, wenn man an die Entwicklung von Verwertungskonzepten für Lebensmittelabfälle denkt. Entsprechend breit gestreut sind die Unternehmenspartner des FFoQSI und die gemeinsam bearbeiteten Fragestellungen. Beispiele dafür sind neue Pflanzenschutzkonzepte auf der Basis von Mikroorganismen, spektrale Echtzeitmessungen direkt auf der agrarisch genutzten Fläche, um den Pestizideinsatz zu reduzieren, innovative Futtermittel zur Steigerung der Tiergesundheit und Minimierung von Antibiotika-Resistenzen oder Vermeidungsstrategien für belastende Keime in der Milch- und Fleischverarbeitung.
Zur feierlichen Eröffnung des am Universitäts- und Forschungszentrums Tulln angesiedelten K1-Zentrums stellten sich zahlreiche Gratulanten ein: Die niederösterreichische Landespolitik war durch Nationalratsabgeordnete Eva-Maria Himmelbauer vertreten, das BMVIT durch Rupert Pichler, Abteilungsleiter für Forschungs- und Technologieförderung, das BMWFW durch Abteilungsleiter Thomas Weldschek, in dessen Aufgabenbereich die Entwicklungspläne für BKOU und Vetmed fallen. Andreas Wildberger, Bereichsleiter für Strukturprogramme, vertrat die FFG. Die Veranstaltung wurde von Claus Zeppelzauer von der niederösterreichischen Wirtschaftsagentur ecoplus moderiert.
March 16th
Paradigmenwechsel in der Bergbaubrache
16.03.17
von
Klaus Fischer
Die Digitalisierung kommt nicht ohne mineralische Rohstoffe aus und braucht daher „Bodenhaftung“. Gleichzeitig bietet sie der Bergbau- und Mineralrohstoffindustrie etliche Chancen, hieß es bei der EUMICON-Enquete 2017 in Wien.
Die Steigerung der Produktivität und das bestmögliche Nutzen der Digitalisierung sind die derzeit wesentlichsten Herausforderungen für die europäische Bergbauindustrie. Das sagte Mark Rachovides, der Präsident des Branchenverbandes Euromines bei der Jahrestagung der European Mineral Resources Federation (EUMICON), der EUMICON-Enquete 2017, am 15. März in Wien. Ihm zufolge muss die Branche ihre Geschäftsmodelle grundlegend überprüfen und ändern. Zurzeit laute das Paradigma „mine-to-mill“, also von der Rohstoffförderung zur Aufbereitung. „Künftig geht es aber um market-to-mine. Das bedeutet, der Markt bestimmt, was wir zu tun haben“, erläuterte Rachovides. Rohstoffe seien mittlerweile Commodities. Folglich werde mit ihnen auch spekulativ gehandelt: „Also müssen wir Wege finden, damit umzugehen.“ Grundsätzlich sieht Rachovides die europäische Bergbauindustrie im internationalen Vergleich gut aufgestellt. Sie sei in technischer Hinsicht weltweit führend und verfüge über exzellent ausgebildete Mitarbeiter. Ferner gibt es laut Rachovides auf allen Ebenen hervorragende Ausbildungsstätten, darunter die Montanuniversität Leoben. In einem weltweiten „Ranking“ der Bergbau-Universitäten nehme diese den neunten Platz ein. „Ich bin daher optimistisch, dass wir uns im globalen Wettbewerb behaupten werden“, konstatierte Rachovides.
Datenflut verstehen
Laut Wilfried Eichlseder, dem Rektor der Montanuniversität, beläuft sich der weltweite Bedarf an mineralischen Rohstoffen derzeit auf etwa 41 Milliarden Tonnen pro Jahr. Vom Volumen her betrachtet, entspricht das einem Würfel mit einer Kantenlänge von 2,4 Kilometern bzw. dem siebenfachen Rauminhalt des steirischen Erzbergs. Und damit nicht genug: „Bis 2030 wird mit einer Verdopplung dieses Bedarfs gerechnet.“ Es gelte daher, nicht zuletzt auch der europäischen Industrie den Zugang zu den nötigen Rohstoffen zu sichern: „Das wird vielleicht nicht ganz friedfertig über die Bühne gehen.“ Letzten Endes müsse sich die Wirtschaft „von der Wertschöpfungskette zum Wertschöpfungskreislauf“ entwickeln. Dazu könnten digitale Technologien einen wesentlichen Beitrag leisten. Das Wichtigste dabei sei das gründliche Verständnis der „Flut“ an erhobenen Daten. Mathematische Modelle alleine reichten zu deren Interpretation nicht aus. „Man muss die Physik verstehen. Das heißt, wir brauchen cyberphysische Systeme“, erläuterte Eichlseder. Notwendig seien freilich auch Personen, die mit solchen Systemen umzugehen verstünden. Und das wiederum mache eine gründliche Ausbildung unverzichtbar. Beginnen sollte diese nach Ansicht Eichlseders „spätestens im Kindergarten“.
Laut Otto van der Ende, Spezialist für die Bergbau- und Mineralrohstoffindustrie beim Beratungsunternehmen McKinsey, wird der Bergbau der Zukunft „als voll integrierte digitale Plattform organisiert sein“. Schon heute sei der Betrieb von Untertageminen ohne in den Minen selbst arbeitende Bergleute möglich. Die Digitalisierung könne auch in dieser Branche die Produktivität erheblich steigern.
EUMICON-Präsident Franz Friesenbichler ergänzte, die Digitalisierung brauche „Bodenhaftung. Denn ohne Hardware und damit ohne mineralische Rohstoffe wird es sie nicht geben“. Die Mineralrohstoffindustrie betrachte die Digitalisierung deshalb als „große Chance“. Ihm zufolge handelt es sich dabei um die „integrierte Vernetzung bereits derzeit hochautomatisierter Produktionsprozesse mit den eigenen Geschäftsprozessen und den Geschäftsprozessen der Kunden“. Laufend würden neue Materialien, Produkte und Dienstleistungen entwickelt. Entgegen weit verbreiteter Ansichten könne die Digitalisierung auch nicht als „Jobkiller“ betrachtet werden. Vielmehr entstünden neue Berufsbilder und Arbeitsprofile, die freilich auch neue Anforderungen an die Beschäftigten stellten, insbesondere, was deren Flexibilität betreffe. Um weiterhin erfolgreich agieren zu können, benötige die Branche entsprechende politische sowie regulatorische Rahmenbedingungen, konstatierte Friesenbichler, der auch Obmann des Fachverbands Bergbau-Stahl der Wirtschaftskammer Österreich ist. Dazu gehöre etwa ein längerfristig wirksamer Investitionsschutz, wobei ihm etwa 15 Jahre vorschweben. Auf Nachfrage des Chemiereports erläuterte Friesenbichler, beispielsweise sollten neue Abgasnormen für Untertagemaschinen nur mit längeren Vorlaufzeiten eingeführt werden. Eine neue Maschine in der Mine in Betrieb zu nehmen, dauere etwa drei Jahre, für die Lieferung seien weitere rund drei Jahre zu veranschlagen: „Daher sollten Abgasgrenzwerte nicht alle fünf Jahre neu festgelegt werden.“
Flexibler arbeiten
Neue Regelungen wünscht sich Friesenbichler auch hinsichtlich der Arbeitszeiten. Wie er auf Anfrage des Chemiereports berichtete, betrifft dies etwa Änderungen bei den Schichtmodellen. Zurzeit müsse jede solche Änderung mit dem Betriebsrat abgestimmt werden. Das dauere rund 14 Tage. Friesenbichler zufolge müssten Umstellungen hingegen „im Tagesrhythmus“ erfolgen können. Dass es letztlich um die Abschaffung jeglicher Regelarbeitszeiten und um Mitarbeiter mit der Flexibilität von Maschinen geht, dementierte Friesenbichler: „Wir wollen auch nicht, dass die Leute zwölf Stunden am Tag arbeiten. Es geht nur darum, je nach Auftragsanfall früher oder später beginnen und entsprechend enden zu können.“
Bereits jetzt werden laut Friesenbichler in seinem Unternehmen, der Imerys Talc Austria, etwa 40 Prozent der Aufträge weitgehend automatisiert und ohne Beteiligung von Mitarbeitern abgearbeitet. Der jeweilige Kunde platziere einen Auftrag im Softwaresystem des Unternehmens. Dieser werde verifiziert und ausgeführt. Gleichzeitig ergehe eine Nachricht an den Logistiker. Dieser sende zu gegebener Zeit einen LKW zum Abtransport des Produkts, der automatisch beladen werde. Friesenbichler strebt an, künftig etwa 80 Prozent seiner Aufträge so zu bewältigen. „Der Mensch wird auch in Zukunft noch da sein. Aber es wird sich ändern, was er tut. Er wird auf absehbare Zeit immer noch die Verantwortung dafür haben, was geschieht“, resümierte Friesenbichler.
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