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Dezember 4th, 2018
04.12.18
von
Klaus Fischer
Die Verkaufszahlen der EU-Chemieindustrie sind die höchsten seit sechs Jahren, meldet der Branchenverband CEFIC. Sorgen bereiten die zunehmenden Irritationen bei der Weiterentwicklung des Binnenmarktes und des weltweiten Freihandels.
Die Produktion der Chemieindustrie der EU war in den ersten drei Quartalen des Jahres 2018 um nur 0,2 Prozent höher als im Vergleichszeitraum 2017. Das zeigt der aktuelle Trendbericht des Branchenverbandes CEFIC. Ihm zufolge verzeichnete nur der Bereich Haushaltschemikalien mit 2,9 Prozent ein signifikantes Plus. In den meisten anderen Sektoren sei die Produktion dagegen rückläufig gewesen. Immerhin stiegen die Preise von Jänner bis einschließlich September 2018 um durchschnittlich 3,6 Prozent. Den höchsten Anstieg gab es in der Petrochemie mit 5,4 Prozent, gefolgt von den anorganischen Basischemikalien mit 5,3 Prozent und den Polymeren mit 4,2 Prozent. Hinsichtlich der Verkaufszahlen meldet die CEFIC den höchsten durchschnittlichen Zuwachs seit sechs Jahren: Von Jänner bis August 2018 verkaufte die Branche um 3,6 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2017.
Die Exporte beliefen sich in derselben Periode auf etwa 108,4 Milliarden Euro, laut CEFIC ein „Sprung“ um 4,2 Prozent. Die Ausfuhren in die USA wuchsen von 19,4 auf 21,5 Milliarden Euro. In der Petrochemie wurde ein Plus von 14 Prozent oder 1,08 Milliarden Euro erzielt, in der Spezialchemie ein Zuwachs um 11 Prozent bzw. 650 Millionen Euro. Erheblich schlechter lief das Geschäft mit China: Die Ausfuhr petrochemischer Erzeugnisse fiel um 13 Prozent bzw. 342 Millionen Euro. Insgesamt sank der Handelsüberschuss von 31,74 Milliarden Euro auf 31,18 Milliarden Euro. Überschüsse erzielte die EU-Chemieindustrie gegenüber dem restlichen Europa, den USA, Afrika und Brasilien. Ein Defizit fuhr sie gegenüber China, Indien, Japan und Südkorea ein. Durchwachsen ist der Ausblick auf die kommenden sechs Monate: Die Auftragslage wird seitens der CEFIC als „weniger befriedigend“ beschrieben. Der Grund dafür seien die Unsicherheiten im internationalen Handel.
Binnenmarkt unverzichtbar
Nicht zuletzt deshalb plädiert der Chemieindustrieverband in einem neuen Positionspapier einmal mehr für die Stärkung des europäischen Binnenmarktes und des weltweiten Freihandels. Den Binnenmarkt bezeichnet die CEFIC als unverzichtbare Grundlage für den Erfolg der Chemiebranche. Sie zeigt sich besorgt über dessen weitere Entwicklung, insbesondere wegen des kommenden EU-Austritts Großbritanniens (Brexit), aber auch wegen der Debatten über die Rückverlagergung von Kompetenzen zu den Nationalstaaten und die Reform des Komitologieprozesses. Laut CEFIC sind weitere Harmonisierungen dringend geboten. Technische Handelsbarrieren müssen abgebaut werden, das „Gold Plating“ ist zu vermeiden, fordert der Verband. Ferner muss europäisches Recht korrekt umgesetzt werden, wobei in den Nationalstaaten stets jene Maßnahmen zu setzen sind, die die Industrie am wenigsten belasten.
REACH und der Brexit
Zum Chemikalienmanagementsystem REACH hält die CEFIC fest, die Branche habe über 20.000 Substanzen erfolgreich registriert. Die Unternehmen seien bemüht, die Dossiers aktuell zu halten. Allerdings müsse REACH auch auf Importe aus Drittstaaten angewandt werden. Diesbezüglich sei der behördliche Vollzug zu verstärken. Und die CEFIC warnt: Mit dem Brexit ist etwa ein Viertel der REACH-Registrierungsdossiers hinfällig. Betroffen sind jene Dossiers, die von britischen Unternehmen erstellt wurden. Jedenfalls müsse der Brexit so friktionsfrei wie möglich über die Bühne gehen, verlangt die CEFIC.
Dezember 3rd
Marinomed unterbricht Börsengang
Das Wiener Biotech-Unternehmen Marinomed hat die bis 29. November laufende Angebotsfrist im Zuge des geplanten Börsengangs unterbrochen. Das Unternehmen hatte eine Zulassung zum amtlichen Handel im Prime-Market-Segment der Wiener Börse beantragt.
Nach Angaben des Unternehmens konnte man zwar bei den Investoren ein gute Nachfrage nach neuen Aktien erreichen, das angestrebte Angebotsvolumen wurde aber wegen des „aktuell schlechten Marktumfelds mit hoher Volatilität“ bis zum Ende der Frist nicht vollständig erreicht. Die Angebotsfrist wird daher unterbrochen und soll, abhängig davon, wie sich das Börsenklima entwickelt, voraussichtlich Anfang 2019 fortgesetzt werden.
Das Angebot umfasst bis zu 400.000 neuer Inhaberaktien zuzüglich Upsize- und Mehrzuteilungsoption. Die Preisspanne war mit 75 bis 90 Euro pro neuer Aktie festgelegt. Die Unterbrechung der Angebotsfrist bezieht sich aber auch auf das qualifizierte öffentliche Angebot gemäß den Anleihebedingungen der im Jahr 2017 von Marinomed begebenen Wandelschuldverschreibungen, die in den Handel im Dritten Markt der Wiener Börse einbezogen sind.
Über Marinomed
Marinomed wurde 2006 als Startup-Unternehmen auf dem Gebiet der marinen Biotechnologie gegründet und hat sich seither auf die Entwicklung und Kommerzialisierung von Therapien gegen Allergie-, Atemwegs- und Augenerkrankungen spezialisiert. Die Entwicklungsaktivitäten der Firma stützen sich auf die Plattformen „Carragelose“ (antivirale Produkte basierend auf einem aus Rotalgen gewonnenen Polymer) und „Marinosolv“ (micellare Formulierungen von praktisch unlöslichen Verbindungen).
November 26th
Niederösterreich: Werkmeister für die Kunststofftechnik
26.11.18
von
Klaus Fischer
Die niederösterreichische Wirtschaftsagentur ecoplus und ihre Partner haben einen neuen Lehrgang gestartet.
Seit kurzem läuft am WIFI Niederösterreich der neue Pilotlehrgang Kunststofftechnik zur Ausbildung von Werkmeistern in diesem Bereich. Entwickelt wurde er vom Kunststoff-Cluster der Wirtschaftsagentur ecoplus in Zusammenarbeit mit der niederösterreichischen Chemieindustrie, der Fachvertretung der niederösterreichischen Kunststoffverarbeiter und dem WIFI. Eine Förderung stellt der Wirtschafts- und Tourismusfonds des Landes Niederösterreich bereit. Behandelt werden in dem zwei Jahre dauernden Lehrgang die wichtigsten Themen und Grundlagen der Kunststofftechnik, darunter Chemie, Formenbau, Fertigungstechnik und Maschinentechnik sowie Mitarbeiterführung, Wirtschaft und Automatisierungstechnik. Das didaktische Konzept verbindet Theorie- und Praxisunterricht. Damit werden die Teilnehmer sowohl „fachlich als auch persönlich für Führungsaufgaben“ in einschlägigen Unternehmen vorbereitet, heißt es seitens des Landes. Die Unternehmen sind in den Lehrgang in einer Steuerungsgruppe eingebunden und können so dessen Verlauf beeinflussen. Am ersten Pilotlehrgang nehmen 23 Personen teil.
Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav verlautete, die niederösterreichische Wirtschaft sei „in einer Boomphase, die Auftragsbücher sind voll. Einziger Wermutstropfen ist der Fachkräftemangel, der sich auch in der Kunststoffindustrie stark bemerkbar macht. Attraktive Angebot zur Aus- und Weiterbildung sind hier wichtige Maßnahmen, um erfolgreich gegenzusteuern. Der neue Pilotlehrgang ist ein erfolgreiches Beispiel dafür, was alles erreicht werden kann, wenn alle wichtigen Akteure an einem Strang ziehen“. Der Geschäftsführer der ecoplus, Helmut Miernicki, erläuterte, deren Kernaufgabe sei, „für die heimische Wirtschaft die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu schaffen. Die enge Zusammenarbeit mit den Betrieben beim neuen Pilotlehrgang ist daher für uns besonders wichtig, denn so wird garantiert, dass die Ausbildung den Anforderungen der Wirtschaft entspricht. Besonders stolz sind wir auch, dass zum ersten Mal seit gut zehn Jahren ein Werkmeisterlehrgang Kunststofftechnik in Niederösterreich zustande kommt und dass ecoplus im Rahmen des Kunststoff-Cluster in Niederösterreich daran mitgewirkt hat“.
November 23rd
Brancheninitiative: Verpackungswirtschaft soll innovativer werden
Anlässlich des Österreichischen Verpackungstags präsentierten FFG, FH Campus Wien, das Industriewissenschaftliche Institut (IWI) und das Österreichische Institut für Verpackungswesen (OIV) eine neue Brancheninitiative zur Steigerung der Forschungsaktivitäten in der Verpackungswirtschaft.
Mit einer Forschungsquote von nur 0,9 Prozent sei die heimische Verpackungsindustrie als „forschungsschwach“ zu bezeichnen, konstatierte Birgit Tauber, Bereichsleiterin Basisprogramm bei der Forschungsförderungsgesellschaft FFG im Rahmen eines Pressegesprächs im Vorfeld des Österreichischen Verpackungstags. Aus diesem Grund habe man sich entschlossen, einen Innovationsschub in Form einer eigenen Brancheninitiative für die Verpackungswirtschaft zu initiieren. Dabei sollen Projekte zur Entwicklung innovativer Produkte und Dienstleistungen gefördert und Kooperationen und Nachwuchsförderung angekurbelt werden.
Die Verpackungswirtschaft spiele in zahlreichen aktuellen Problemfeldern eine wesentliche Rolle, wie Manfred Tacker, Leiter des Fachbereichs Verpackungs- und Ressourcenmanagement an der FH Campus Wien ausführte. 70 Prozent des durch Lebensmittel verursachten Beitrags zur Klimaerwärmung gehen auf Verderb oder Abfall zurück, nur 1 Prozent auf die Verpackung. Diese könnte umgekehrt aber wesentlich dazu beitragen, Verderb und Abfall zu reduzieren.
Kreislaufwirtschaft verändert Verpackungsindustrie
Unter Druck gerät die Verpackungsindustrie aber auch wegen des Vorwurfs, zum Abfallaufkommen und zur Vermüllung der Weltmeere beizutragen. Die Europäische Union hat vor diesem Hintergrund im Rahmen ihres Kreislaufwirtschaftspakets strenge Vorgaben entwickelt, etwa die genaue Einhaltung der Abfallhierarchie (Vermeidung vor Wiederverwendung vor Recycling vor sonstigen Verwertungsformen). Bis 2030 sollen alle in Umlauf gebrachten Verpackungen entweder wiederverwendbar oder rezyklierbar sein. Um die direkten und indirekten Umweltauswirkungen verlässlich bestimmen zu können, wurden an der FH Campus Methoden wie der „Packaging Footprint“ oder die „Packaging Scorecard“ sowie eine Guideline für das Design entsprechend den Grundsätzen einer Kreislaufwirtschaft („Circular Design“) entwickelt. Zusätzlich engagiert man sich in der Ausbildung: Die ersten Absolventen des 2016 etablierten Bachelor-Studiengangs Verpackungstechnologie seien heuer fertig geworden, ein internationales Master-Programm „Packaging Technology and Sustainability“ starte gerade.
November 22nd
Novartis: 200 Millionen Euro für Tiroler Standorte
22.11.18
von
Klaus Fischer
Der Umbau des Schweizer Pharmakonzerns durch den neuen Chef Vasant Narasimhan wirkt sich auch in Österreich aus.
Der Schweizer Pharmakonzern Novartis investiert in neue Produktionsanlagen an seinen Tiroler Standorten Kundl und Schaftenau 200 Millionen Euro. Das verlautete er am 22. November per Aussendung. Mit den Investitionen werde die Erzeugung biotechnologischer Arzneimittel inklusive einschlägiger Generika („Biosimilars“) angekurbelt. Unter anderen etabliert Novartis in Tirol das „Advanced Integrated Biologics Manufacturing“, eine neuartige Produktionsmethode für solche Medikamente. Die dafür vorgesehene Anlage soll 2021 in Betrieb gehen. Ferner installiert der Konzern eine zusätzliche Produktionslinie zur Herstellung steriler Fertigspritzen. Der Aussendung zufolge sind „weitere Investitionen in Kundl/Schaftenau im Biotechnologie-Bereich bereits in Planung“. Insgesamt sollen bis 2021 an den beiden Standorten etwa 200 neue Arbeitsplätze entstehen. Rund 100 davon sind laut Novartis bereits ausgeschrieben - was allerdings nicht bedeutet, dass sich die Gesamtzahl der Belegschaft in diesem Ausmaß erhöht. Aus gegebenem Anlass teilte Novartis mit, seit 2010 in Österreich etwa 900 Millionen Euro investiert zu haben.
Der Österreich-Chef („Country President“) des Konzerns, Michael Kocher, sagte, Novartis wolle sein „Netzwerk stärken, indem wir unsere Kapazitäten und unser Know-how für die Zukunft richtig einsetzen: hin zu neuen Wachstumsbereichen und schrittweiser Rückzug aus Produktionen, wo Produktionsprozesse nicht mehr kompetitiv sind.“ Wenig überraschend entspricht das der Strategie des neuen Konzernchefs Vasant („Vas“) Narasimhan, der Novartis verschlanken und vor allem auf neuartige Medikamente auf Basis von Zell- und Gentechnologien ausrichten will. Unumstritten ist das nicht. Und erst kürzlich setzte es für Narasimhan einen Dämpfer: Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) verpflichtete Novartis dazu, Gilenya, ein Mittel gegen Multiple Sklerose, mit einer Warnung zu versehen: Wird die Verabreichung der Arznei abgesetzt, können sich schwere Nebenwirkungen verschlimmern - wenn auch nur in seltenen Fällen. Das kommerzielle Problem: Laut Geschäftsbericht 2017 erwirtschaftete Novartis mit Gilenya zuletzt einen Jahresumsatz von rund 3,18 Milliarden US-Dollar (2,79 Milliarden Euro). Das ist etwa ein Zehntel des Jahresumsatzes im Geschäftsbereich „Innovative Medicines“, dem bei weitem größten Segment von Novartis. Das Mittel war damit der größte einzelne Umsatzbringer von Novartis.
Wenigstens dürfte mit Narasimhans Programm vorerst in Österreich in Summe kein größerer Personalabbau verbunden sein. In der Aussendung vom 22. November hieß es: „Nach heutigem Wissen werden Veränderungen des Mitarbeiterstands durch Neuinvestitionen und die natürliche Fluktuation kompensiert.“
November 21st
EU: OK für Takeda-Shire-Fusion
21.11.18
von
Klaus Fischer
Die Europäische Kommission erteilte der Transaktion ihr Placet. Allerdings muss der Produktkandidat SHP647 verkauft werden, ein möglicher Konkurrent zu Takedas Entyvio.
Die EU-Kommission genehmigte am 20. November die Übernahme von Shire durch Takeda. Als Bedingung dafür legte sie fest, dass Shire seinen Produktkandidaten SHP647 verkauft. Dabei handelt es sich um ein in Entwicklung befindliches biologisches Medikament gegen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Takeda verfügt bereits über ein derartiges Arzneimittel, das unter der Bezeichnung Entyvio vermarktet wird. SHP647 könnte ein Konkurrenzprodukt dazu werden. Die EU-Kommission befürchtete, dass das Mittel bei einer Fusion von Shire und Takeda nicht auf Markt kommen könnte. Somit würde der Wettbewerb in diesem Bereich eingeschränkt.
Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager verlautete, mit der nunmehrigen Entscheidung werde „die Innovationstätigkeit auf dem Markt erhalten und – was noch wichtiger ist – ein größeres Angebot an Therapien für die Patienten geschaffen“. Die beiden Pharmakonzerne hatten die geplante Transaktion am 28. September bei der EU-Kommission zur Genehmigung angemeldet.
In einer Aussendung von Shire hieß es, der Zeitplan für die Übernahme durch Takeda bleibe aufrecht. Sie solle per 8. Jänner kommenden Jahres abgeschlossen werden. Nach monatelangem Hickhack hatten sich die die beiden Unternehmen Anfang Mai auf die Transaktion verständigt. Takeda lässt sich diese etwa 46 Milliarden britische Pfund (52,61 Milliarden Euro) kosten. Der jährliche Umsatz des neuen Konzerns soll ungefähr 31 Milliarden US-Dollar (26 Milliarden Euro) ausmachen, etwa doppelt so viel, wie Takeda derzeit erwirtschaftet. Beim EBITDA wird eine Verdreifachung auf 9,2 Milliarden US-Dollar (7,7 Milliarden Euro) in Aussicht gestellt.
November 16th
Marinomed startet Börsengang
Das österreichische Biotech-Unternehmen Marinomed hat seinen Börsengang gestartet. Am 16. November erfolgte der Antrag auf Zulassung zum amtlichen Handel im Prime-Market-Segment der Wiener Börse. Die Angebotsfrist beginnt am 19. November und wird voraussichtlich bis 29. November laufen.
Marinomed wurde 2006 als Startup-Unternehmen auf dem Gebiet der marinen Biotechnologie gegründet und hat sich seither auf die Entwicklung und Kommerzialisierung von Therapien gegen Allergie-, Atemwegs- und Augenerkrankungen spezialisiert. Dem Team um CEO Andreas Grassauer und CSO Eva Prieschl-Grassauer gelang die Entwicklung von zwei Technologieplattformen und einer darauf aufbauenden Produkt-Pipeline. Die Plattform „Carragelose“ basiert auf einem aus Rotalgen gewonnenen Polymer, auf dessen Grundlage bereits sechs Produkte gegen virale Atemwegserkrankungen entwickelt und in 30 Ländern auf dem Markt platziert werden konnten. Dabei verfolgt das Unternehmen eigenen Angaben zufolge ein „Asset light-Geschäftsmodell“, bei dem Produktion und Vertrieb der Produkte an externe Partner ausgelagert werden.
Mithilfe der „Marinosolv“-Plattform kann die Löslichkeit von in Wasser nahezu unlöslichen Verbindungen um ein Vielfaches erhöht werden. Dies wird für die Herstellung von Formulierungen genutzt, die Wirkstoffe in Nase und Augen besser verfügbar machen. Mit dem Erlös des Börsengangs will das Unternehmen klinische Studien zu „Budesolv“ (einer löslichen Formulierung des Corticosteroid Budesonid) gegen allergische Rhinitis und zu „Tacrosolv“ (einer löslichen Variante des Immunsuppressivums Tacrolimus) gegen allergische Bindehautentzündungen finanzieren. Zudem soll der Anwendungsbereich der Marinosolv-Technologie auf zusätzliche Indikationen erweitert und das Carragelose-Produktportfolio verbreitert sowie sein Bekanntheitsgrad gesteigert werden.
Angebotsvolumen von bis zu 50 Millionen Euro
Das Angebot umfasst bis zu 400.000 neuer Inhaberaktien, wobei eine Upsize-Option um bis zu 20 Prozent besteht, sodass bis zu 480.000 neue Inhaberaktien angeboten werden können. Darüber hinaus kann das Angebot durch eine Mehrzuteilungsoption („Greenshoe-Option“) um bis zu weitere 15 Prozent der Anzahl der im Rahmen des Angebots gezeichneten neuen Inhaberaktien erhöht werden, wodurch sich die Gesamtanzahl der angebotenen Aktien auf bis zu 552.000 erhöht. Die Preisspanne für das Angebot der Aktien wurde mit 75 bis 90 Euro pro neuer Aktie festgelegt. Der endgültige Preis Aktie wird während der Angebotsfrist im Rahmen eines Bookbuilding-Prozesses ermittelt werden. Das Angebotsvolumen beträgt somit zwischen 30 und 50 Millionen Euro.
November 13th
Exzitonen in biomimetischem Ringsystem beobachtet
Ein Forschungsteam um Günter Rupprechter vom Institut für Materialchemie der TU Wien hat langlebige Exzitonen an einem zweidimensionalen biomimetischen Kristall beobachtet.
Ein Exziton ist ein gebundenes Elektron-Loch-Paar in einem elektrisch nicht-leitenden Material, das physikalisch als Quasiteilchen behandelt werden kann. Derartige Phänomene spielen nicht nur in Photokatalyse und Photovoltaik eine Rolle, ihr Studium kann auch zu einem besseren Verständnis des Verhaltens von biologischen Molekülen wie Chlorophyll oder Hämoglobin beitragen.
Anstelle dieser Moleküle, die aus kompliziert aufgebauten Porphyrin-Ringsystemen bestehen, untersuchte ein Team von Forschern der TU Wien und der Università degli Studi di Trieste einfacher strukturierte Phthalocyanide. Auch ein solches Ringsystem kann, wie Hämoglobin, Eisenatome binden. Die Forscher erzeugten eine regelmäßige Anordnung derartiger Moleküle (einen zweidimensionalen Kristall) auf einer Graphen-Schicht und verwendeten die Anlagerung von Kohlenmonoxid an die gebundenen Eisenatome als Vehikel zur Untersuchung des elektronischen Zustands des Systems.
Neue Methode zur Untersuchung von Biomolekülen
Den Wissenschaftlern gelang es nun, in dem biomimetischen System mithilfe von sichtbarem Licht Exzitonen auszulösen, die mit einem Spin-Übergang des zweidimensionalen Kristalls assoziiert sind, und sie über Veränderung einer Schwingungsbande von Kohlenmonoxid spektroskopisch zu detektieren. Das Besondere daran ist, dass die Exzitonen bei normalen Umgebungsbedingungen beobachtet wurden, während derartige Phänomene für gewöhnlich nur bei sehr tiefen Temperaturen und im Ultrahochvakuum untersucht werden können.
Rupprechter geht davon aus, dass auch in den komplizierteren biologisch relevanten Molekülen sehr kleine Veränderungen, etwa in der Proteinkette des Hämoglobin, Einfluss auf den Zustand des gebundenen Metallatoms haben können. Mit den von den Forschern angewandten Messmethoden können derartige Zusammenhänge nun auch bei Raumtemperatur und Atmosphärendruck untersucht werden.
November 6th
Marinomed plant Börsengang
Das österreichische Biotech-Unternehmen Marinomed, das sich auf die Entwicklung und Kommerzialisierung von Therapien gegen Allergie-, Atemwegs- und Augenerkrankungen spezialisiert hat, beabsichtigt die Ausgabe neuer Aktien und deren Handel im Prime-Market-Segment der Wiener Börse.
Marinomed wurde 2006 als Startup-Unternehmen auf dem Gebiet der marinen Biotechnologie gegründet. Seither gelang dem Team von CEO Andreas Grassauer und CSO Eva Prieschl-Grassauer die Entwicklung von zwei Technologieplattformen und einer darauf aufbauenden Produkt-Pipeline. Die Plattform „Carragelose“ basiert auf einem aus Rotalgen gewonnenen Polymer, auf dessen Grundlage bereits sechs Produkte gegen virale Atemwegserkrankungen entwickelt und in 30 Ländern auf dem Markt platziert werden konnten. Dabei verfolgt das Unternehmen eigenen Angaben zufolge ein "Asset light-Geschäftsmodell“, bei dem Produktion und Vertrieb der Produkte an externen Partner ausgelagert werden.
Mithilfe der „Marinosolv“-Plattform kann die Löslichkeit von in Wasser nahezu unlöslichen Verbindungen um ein Vielfaches erhöht werden. Dies wird für die Herstellung von Formulierungen genutzt, die Wirkstoffe in Nase und Augen besser verfügbar machen. Das Leitprodukt Budesolv, bei dem das Corticosteroid Budesonid in Lösung gebracht wurde, wird derzeit in einer pivotalen klinischen Phase-III-Studie zur Behandlung von allergischer Rhinitis getestet. Tacrosolv, eine zweites Produkt in der auf der Marinosolv-Plattform basierenden Pipeline, beruht auf einer löslichen Variante des Immunsuppressivums Tacrolimus und soll gegen allergische Bindehautentzündungen zum Einsatz kommen.
Börsengang soll klinisches Studienprogramm finanzieren
Damit plant Marinomed den Einstieg in den riesigen Markt für Therapien gegen allergische Erkrankungen. Der Erlös des geplanten Börsengangs soll für die Finanzierung klinischer Studien von Budesolv und Tacrosolv sowie für die Erweiterung der Marinosolv-Technologie auf zusätzliche Indikationen verwendet werden. Die genaue Ausgestaltung der Aktienausgabe ist abhängig vom Marktumfeld und der Billigung des Prospekts durch die österreichische Finanzmarktaufsicht, heißt es seitens des Unternehmens. Das Angebot wird voraussichtlich aus einem öffentlichen Angebot an Privatanleger und institutionelle Anleger in Österreich, einer Privatplatzierung außerhalb Österreichs an ausgewählte institutionelle Anleger, einschließlich einer Privatplatzierung innerhalb der Vereinigten Staaten an qualifizierte institutionelle Anleger, sowie auf einer Privatplatzierung außerhalb der Vereinigten Staaten bestehen. Im Juli 2017 holte sich Marinomed bereits sieben Millionen Euro durch die Platzierung einer Wandelanleihe vom Wiener Kapitalmarkt.
October 25th
IMC FH Krems eröffnet Studiengang „Applied Chemistry“
Am 23. Oktober fand an der IMC Fachhochschule Krems in Anwesenheit zahlreicher Industrievertreter die offizielle Eröffnung des neuen Studiengangs „Applied Chemistry“ statt.
Der Studiengang, der der erste seiner Art an einer österreichischen Fachhochschule ist, zielt auf den Fachkräftemangel in der chemischen Industrie ab und wurde in enger Zusammenarbeit mit dieser aufgebaut. Im Mittelpunkt des englischsprachigen Bachelor-Programms stehen anwendungsorientierte Aspekte der Analytischen und Organischen Chemie. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf computerbasierten Methoden, Statistik und Big-Data-Analyse, die in der industriellen Chemie eine immer größere Rolle spielen. Zudem wolle man den nachhaltigen Umgang mit Rohstoffen und spezielle Kompetenzen in der Oberflächenchemie vermitteln, wie Studiengangsleiter Uwe Rinner betonte.
Das neue Ausbildungsprogramm in „Applied Chemistry“ ist am Department für Life Sciences angesiedelt, wo bereits Bachelor- und Master-Studiengänge in Medizinischer und Pharmazeutischer Biotechnologie angeboten werden. Daraus würden sich Synergien in Lehre und im wissenschaftlichen Methodenspektrum ergeben, unter anderem seien fächerübergreifende Wahlfachmodule geplant, so Departmentleiter Harald Hundsberger.
Kleine Fachmesse der chemischen Industrie
Zur feierlichen Eröffnung waren zahlreiche Vertreter der chemischen Industrie gekommen, darunter Hubert Culik, CEO der Helios-Gruppe und Obmann des Fachverbands der Chemischen Industrie (FCIO). Die enge Verbindung zur Industrie zeigte sich auch im Rahmen einer kleinen Fachmesse, bei der sich Unternehmen wie Boehringer Ingelheim, Ecoplus, Eppendorf, Helios, Lenzing AG, Metadynea, OFI, Oxford Antibiotics Group, Rembrandtin, Shimadzu, Sy-Lab, Tiger und VWR als potentielle Arbeitgebern präsentierten.
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