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May 5th, 2015
AMAG: Quartals-EBITDA steigt um 45 Prozent
05.05.15
von
Klaus Fischer
Das EBITDA des Aluminiumkonzerns AMAG ist im ersten Quartal 2015 im Vergleich zu 2014 um 45 Prozent auf 35,3 Millionen Euro gewachsen. Das teilte die AMAG in einer Aussendung mit. Der Quartalsumsatz stieg um 14 Prozent auf 231 Millionen Euro. Als Gründe nennt der Konzern ein „verbessertes Marktumfeld“. Die Alu-Preise seien dank höherer Nachfrage gestiegen. Auch hätten sich „Währungseffekte“, sprich, der gegenüber dem US-Dollar schwächere Euro, positiv aufs Exportgeschäft ausgewirkt.
Überdies nahm die AMAG im ersten Quartal ihre neue Walzbarrengießerei in Betrieb, die das Vormaterial für das Walzwerk produziert. Der Hochlauf des neuen Warmwalzwerks sowie der Plattenfertigung seien „plangemäß fortgesetzt“ worden. Die Vorbereitungen für den nächsten Ausbauschritt seien angelaufen. Dabei geht es um den Bau eines Kaltwalzwerks, das 2017 in Betrieb gehen soll. Die AMAG investiert in dieses „Projekt AMAG 2020“ rund 300 Millionen Euro.
Vorstandschef Helmut Wieser zeigte sich zufrieden. Die AMAG sei „erfolgreich in das Geschäftsjahr 2015 gestartet.“ Nach Produkten aus den neuen Anlagen bestehe „eine hohe Nachfrage.“ Weil der Markt für Primäraluminium sowie Aluminium-Walzprodukte weiter wachse, könne für das Gesamtjahr 2015 mit einem EBITDA zwischen 130 und 140 Millionen Euro gerechnet werden. Gegenüber dem EBITDA von 2014 (114,7 Millionen Euro) wäre das ein Plus von rund 18 Prozent.
Mitsui: Joint Venture genehmigt
05.05.15
von
Klaus Fischer
Die Europäische Kommission hat die Bildung eines Joint Ventures zwischen der japanischen Mitsui Chemicals (MCI) und dem südkoreanischen Mischkonzern SK Holdings genehmigt. Ihre Argumentation: Es gibt keine Überschneidung der Tätigkeiten der beiden Konzerne im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). Generell seien die wirtschaftlichen Aktivitäten von MCI und SK Holdings in Europa vernachlässigbar. Die Prüfung wurde nach dem vereinfachten Verfahren abgewickelt. Die beiden Unternehmen hatten die geplante Bildung des Joint Ventures, an dem sie je 50 Prozent halten wollen, am 1. April angemeldet. Die gemeinsame Firma soll die Bezeichnung „Mitsui Chemicals & SK Polyurethanes Inc.“ tragen, noch heuer ihre Tätigkeit aufnehmen und einen Umsatz von 1,5 Milliarden US-Dollar erwirtschaften. Für 2020 wird ein Umsatz von rund zwei Milliarden US-Dollar angepeilt. Mitsui Chemicals und die SK Holdings hatten den Deal Ende vergangenen Jahres angekündigt.
MCI ist auf die Produktion von Funktionschemikalien, polymeren Funktionswerkstoffen, Polyurethanen, chemischen Grundstoffen und Petrochemikalien sowie Filmen und Folien für Verpackung-, Schutz- und Klebezwecke spezialisiert. Die SK Holdings befasst sich in Bereich der chemischen Industrie mit der Herstellung und dem Vertrieb von Chemikalien wie Propylenoxid, Propylenglykol und Toluen sowie optischen Beschichtungen. MCI erzielte 2013 mit etwa 13.000 Beschäftigten einen Jahresumsatz von rund 10,5 Milliarden Euro. Der Konzernumsatz von SK Holdings wird mit etwa 90 Milliarden Euro pro Jahr beziffert.
May 4th
Im Rahmen eines aktuellen FWF-Projekts werden am Institut für Pharmazie der Universität Innsbruck Computermodelle entwickelt, mit denen Vorhersagen über die toxischen und endokrinen Eigenschaften von Chemikalien gemacht werden können.
Daniela Schuster von der Computer-Aided Molecular Design Group des Instituts entwickelt sogenannte Pharmakophor-Modelle, bei denen die Wechselwirkung von Inhaltsstoffen aus Putzmitteln, Kosmetika, Kunststoffwaren, Textilien oder Nahrungsergänzungsmitteln mit körpereigenen Substanzen in drei Dimensionen simuliert wird. Auf diese Weise kann eine Vorauswahl getroffen werden, welche Verbindungen als potenziell gefährlich angesehen und weiteren Labortests unterzogen werden sollten und welche „als harmlos durchgewunken“ werden können, wie Schuster in einer Aussendung zitiert wird.
Erste Ergebnisse konnte die Pharmazeutin bereits mit Modellen erzielen, die für die Hormonproduktion bedeutsame Enzyme simulieren. So zeigte sich etwa, dass Parabene, die als Konservierungsmittel in Kosmetikprodukten zum Einsatz kommen, den Abbau von weiblichen Sexualhormonen (Östrogenen) hemmen.
April 30th
Fascination of Plants Day 2015
Eine Vielzahl von Aktionen stellt rund um den 18. Mai die Welt der Pflanzen und Ergebnisse ihrer Erforschung einer breiten Öffentlichkeit vor.
Die Europäische Organisation für Pflanzenwissenschaften (EPSO) veranstaltet in diesem Jahr bereits den dritten „Fascination of Plants Day“. Rund um den 18. Mai werden in vielen europäischen Ländern Aktionen und Attraktionen angeboten, die die Faszination für die Welt der Pflanzen wecken und zugleich ihre fundamentale Bedeutung für Land- und Forstwirtschaft, Nahrungsmittelproduktion und zahlreiche Industrie-Branchen vermitteln sollen.
Nationale Koordinatorin des Aktionstags in Österreich ist Margit Laimer, Professorin an der Universität für Bodenkultur Wien. „Wir haben versucht, den Bogen von der Pflanzenforschung über die vielfältige Nutzung der Pflanzen als Lebens- oder Heilmittel bis hin zu ästhetischen Ansprüchen in der Kunst zu spannen“, zeigt Laimer auf. Indem Besucher an den einzelnen Stationen die Exponate selbst genauer unter die Lupe nehmen können, soll Faszination für die Pflanzenwelt vermittelt und deren zentrale Bedeutung aufgezeigt werden
Umfangreiches Programm
Ganz im Zeichen des „Fascination of Plants Day“ steht am 18. Mai von 10 bis 16 Uhr die Pflanzenbiotechnologie Unit der Universität für Bodenkultur (Wien 19, Muthgasse 18), wo man im Rahmen einer Führung durch Labor, In-vitro-Genbank und Gewächshaus einen Streifzug durch die Entstehungsgeschichte der Biodiversität holziger Nutzpflanzen unternehmen kann. Eine von Johann Vollmann (BOKU-Abteilung für Pflanzenzüchtung) gestaltete Ausstellung führt in das Werk Gregor Mendels und seine Bedeutung für die Geschichte der Pflanzenzüchtung ein. Außerdem wird die Abteilung für Nukleare Techniken in Lebensmitteltechnologie und Landwirtschaft, die von den beiden UNO-Organisationen FAO und IAEA gemeinsam in Seibersdorf betrieben wird, Züchtungsmethoden vorstellen, mit denen krankheitsresistente und an lokale Klima- und Bodenbedingungen angepasste Sorten erzeugt werden können.
Der Botanische Garten der Universität Wien (Wien 3, Ecke Mechelgasse/Praetoriusgasse) öffnet bereits am 17. Mai von 11 bis 17 Uhr seine Pforten. Im Rahmen eines Frühlings-Fests für die ganze Familie will man hier „das Unsichtbare sichtbar machen“ und den Besuchern ermöglichen, Wurzeln live beim Wachsen zusehen, Wetten auf die schnellste Wurzel abschließen oder ins Innere von Pollen und Pflanzenteilen zu schauen. Die Experimentier-Workshops werden durch Führungen im Botanischen Garten abgerundet. Kooperationspartner ist dabei das Gregor-Mendel-Institut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. „Uns ist es wichtig, die Bedeutung von Pflanzen und die Forschung in diesem Bereich einem breiteren Publikum, aber vor allem Kindern und Jugendlichen näher zu bringen“, meint dazu Markus Kiess, der Geschäftsführer Instituts.
Eingebettet in den „Fascination of Plants Day“ werden auch die 15. Wiener Zitrustage sein, die die Österreichische Gartenbau-Gesellschaft und die Österreichischen Bundesgärten von 14. bis 17. Mai in der Großen Orangerie im Schlosspark Schönbrunn veranstalten. Die ausgestellte Zitrussammlung umfasst 500 Pflanzen in etwa 100 Arten und Sorten, davon rund 35 historische. Ein vielfältiges Führungs- und Vortragsprogramm bietet den Besuchern weitere Informationen zum Thema. Das „Vienna Open Lab“ wiederum macht am 22. und 23. Mai auf dem Yppen- und dem Karmelitermarkt Station und betreut dort einen Mitmachstand, auf dem Experimente zu verschiedensten Obst- und Gemüsesorten genauer unter die Lupe genommen werden.
Weitere Veranstaltungen finden in Tulln, Graz, Innsbruck und Rabenstein an der Pielach statt. Das vollständige Programm ist auf http://fascinationofplantsday.org/austria.htmzu finden.
April 29th
Papierindustrie: Mehr Produktion, weniger Umsatz
29.04.15
von
Klaus Fischer
Die österreichische Papierindustrie steigerte ihre Produktion 2014 im Vergleich zu 2013 um 0,6 Prozent auf 4,9 Millionen Tonnen. Der Umsatz war mit 3,8 Milliarden Euro um rund 1,8 Prozent geringer als 2013. Das teilte der Branchenverband Austropapier heute mit. Die Erzeugung von Spezialpapieren erhöhte sich um 2,4 Prozent auf 280.000 Tonnen, jene von graphischen Papieren um 0,5 Prozent auf 2,7 Millionen und jene von Verpackungspapieren um 0,4 Prozent auf 1,9 Millionen Tonnen. Dem gegenüber fiel die Zellstoffherstellung um 2,2 Prozent auf 1,9 Millionen Tonnen. Austropapier-Präsident Alfred Heinzel sprach von einem „guten Jahr“. Warnend fügte Heinzel jedoch hinzu, die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Branche hänge „von der Entwicklung der klima- und energiepolitischen Ziele ab, die sich stark auf Energie- und Rohstoffkosten auswirken.“
Austropapier-Vizepräsident Christian Skilich wiederholte in diesem Zusammenhang einmal mehr die Kritik der Papierindustrie an den beiden in Klagenfurt geplanten Biomasseheizkraftwerken. Diese seien ein „weiterer Schritt in die falsche Richtung“, die „Verbrennung von Holz“ anstelle von dessen stofflicher Verwertung zu fördern. Max Oberhumer, der Energiesprecher der Austropapier, ergänzte, das Ökostromgesetz gebe der kaskadischen Nutzung von Biomasse „zwar auf dem Papier den Vorrang, muss aber endlich auch in die Realität umgesetzt werden.“
Ob und wann die beiden Klagenfurter Anlagen realisiert werden, steht allerdings ohnehin nicht fest. Die neue Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz will das seit Jahren umstrittene Projekt prüfen.
April 28th
Muskelbewegung auf molekularer Ebene
Für die Kontraktion von Muskeln ist ein ausgeklügeltes Wechselspiel verschiedener Proteine erforderlich. Neue Ergebnisse, die an den <a href=https://www.mfpl.ac.at>Max F. Perutz Laboratories</a> in Wien erzielt wurden, geben nun einen präziseren Einblick in diese Vorgänge.
Damit Muskeln sich bewegen können, verschieben sich die aus speziellen Proteinen bestehenden kontraktilen Filamente gegeneinander. Halt geben ihnen dabei die sogenannten Z- Scheiben, die hauptsächlich aus dem Protein α-Actinin bestehen. Schon seit längerem wurde vermutet, dass das Fettsäuremolekül PIP2 einen entscheidenden Einfluss auf die Struktur von α-Actinin hat.
Röntgenstrukturanalytische Untersuchungen des Forschungsteams um Kristina Djinovic-Carugo an den Max F. Perutz Laboratories in Wien haben nun tiefere Einsichten in die Struktur des für die Muskelfunktion so wichtigen Proteins geliefert. Demnach liegt α-Actinin als zylindrischer Komplex aus zwei identischen Molekülen vor. PIP2 hat nun die Aufgabe, die Bindung zwischen den beiden Domänen zu öffnen und diese an ein weiteres Muskelprotein zu binden, das sich Titin nennt. Titin macht den Muskel nach einer Kontraktion wieder aktionsbereit und bindet zu diesem Zweck sowohl an die kontraktilen Filamente als auch an die – aus α-Actinin bestehende – Z-Scheibe.
Die Forschungen, bei denen die Gruppe in einem internationalen Netzwerk gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Deutschland, Großbritannien, Norwegen, Russland, der Schweiz und Slowenien agierte, wurden vom Forschungsfonds FWF finanziert und die Ergebnisse in der renommierten Fachzeitschrift Cell veröffentlicht: http://www.cell.com/cell/abstract/S0092-8674(14)01428-7
EU: Teilweises Aus für Einweg-Plastiktaschen
28.04.15
von
Klaus Fischer
Das Europäische Parlament beschloss heute in zweiter Lesung und damit endgültig Beschränkungen für die Verwendung biologisch nicht abbaubarer Einweg-Plastiktaschen. Den neuen Regeln zufolge können die Mitgliedsstaaten zwischen zwei Möglichkeiten wählen: Die eine besteht darin, Maßnahmen einzuführen, die um die Zahl der pro Kopf der Bevölkerung verwendeten Einweg-Plastiktaschen ab Ende 2019 auf 90 Stück pro Jahr und ab Ende 2025 auf 40 Stück pro Jahr zu begrenzen. Die zweite Möglichkeit ist, die Gratisabgabe der Taschen im Handel ab Ende 2018 vollständig zu verbieten. Überdies wird die EU-Kommission durch die neuen Regeln verpflichtet, bis spätestens 2017 Vorschläge für die Kennzeichnung biologisch abbaubarer sowie kompostierbarer Plastiktaschen auszuarbeiten.
Die Vorschriften werden demnächst im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht und erlangen 20 Tage später Rechtskraft. Anschließend sind sie binnen 18 Monaten von den Mitgliedsstaaten in deren Rechtsbestand zu übernehmen. Der Europäische Rat hatte die Bestimmungen bereits im November vergangenen Jahres angenommen. Für ihre Inkraftstetzung war jedoch der nunmehr erfolgte Parlamentsbeschluss nötig.
Laut einer Aussendung des EU-Parlaments verwendete jeder EU-Bürger im Jahr 2010 durchschnittlich 198 Einweg-Plastiktaschen. Rund eine Milliarde der Taschen seien in diesem Jahr unsachgemäß entsorgt worden. Dies habe nach Berechnungen der EU-Kommission Folgekosten von etwa 740 Millionen Euro pro Jahr verursacht.
Österreichische EU-Parlamentarierinnen mehrerer Parteien begrüßten den heutigen Beschluss des Parlaments. Karin Kadenbach (SPÖ) verwies auf eine Umfrage, der zufolge 73 Prozent der Bevölkerung „für ein EU-weites Verbot von Plastiksackerln sind, nur 22 Prozent sind dagegen.“
April 27th
EU-Zulassung von elf Arzneimitteln empfohlen
Der Ausschuss für Humanarzneimittel (Committee for Medicinal Products for Human Use, CHMP) der europäischen Arzneimittelagentur <a href=http://www.ema.europa.eu target=“_blank“>EMA</a> hat in seiner Zusammenkunft vergangene Woche die Zulassung von elf neuen Therapien empfohlen.
Unter den empfohlenen Präparaten befindet sich der monoklonale Antikörper Nivolumab, der von Bristol-Myers Squibb unter dem Markennamen „Opdivo“ auf den Markt gebracht wird. Nivolumab blockiert den Rezeptor PD-1 („programmed death“) und bewirkt dadurch die Aktivierung des Immunsystems gegenüber Tumorzellen. Studien an Patienten mit fortgeschrittenem Melanom zeigten ein besseres Ansprechen auf Nivolumab und eine signifikant höhere Überlebensrate nach zwölf Monaten im Vergleich mit einer Standard-Chemotherapie. Der Antikörper eröffnet damit eine Behandlungsoptionen für eine Indikation mit bislang sehr schlechter Prognose: Schätzungen gehen davon aus, dass fünf Jahre nach der ersten Diagnose eines metastasierenden Melanoms nur 10 bis 30 Prozent der Patienten am Leben sind. Von der US-Arzneimittelbehörde FDA wurde Opdivo bereits im Dezember zur Behandlung von Melanom-Patienten zugelassen, die nicht mehr auf andere Medikamente ansprechen.
Neben Nivolumab empfahl der Ausschuss für Humanarzneimittel auch die Zulassung von Hetlioz (Wirkstoff Tasimelteon) zur Behandlung von vor allem bei Blinden auftretenden Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, die nicht dem 24-Stunden-Tag entsprechen. Hierbei handelt es sich um die erste in der EU zugelassene Therapie in dieser Indikation. Positiv äußerte sich das Expertengremium auch zum Einsatz von Lixiana (Wirsktoff Edoxaban) zur Schlaganfall- und Embolieprävention, zum Radiopharmazeutikum „LuMark“ sowie zu einer Reihe generischer Präparaten, darunter zu mehreren Varianten des krampflösenden Pregabalin.
Keine Empfehlung für Lymphom-Mittel Lympreva
Nicht überzeugen konnte den Ausschuss dagegen der Wirkstoff Dasiprotimut-T (Handelsname Lympreva), dessen Zulassung gegen follikuläres Non-Hodgkin-Lmyphom vom Unternehmen Biovest Europe beantragt wurde. Nach Ansicht der Experten konnte die dem Antrag zu Grunde liegende klinische Studie den Nutzen des Krebsimmuntherapeutikums nicht ausreichend zeigen, zudem bestehen Zweifel an einigen Aspekten der Produktion und Qualitätskontrolle.
EU genehmigt neue Genpflanzen
27.04.15
von
Klaus Fischer
Am Freitag erteilte die EU-Kommission zehn Neuzulassungen für die Verwendung gentechnisch veränderter Organismen (GVO) in Lebens- und Futtermitteln, erneuerte sieben diesbezügliche Zulassungen und genehmigte die Einfuhr von zwei Schnittblumensorten, die GVO enthalten. Der Anbau von Pflanzen, die die GVO enthalten, ist jedoch nicht gestattet. In einer Aussendung hieß es, seitens der Mitgliedstaaten habe es weder für noch gegen die Zulassungen die erforderliche qualifizierte Mehrheit gegeben. Daher sei die Kommission laut geltendem Recht verpflichtet, die Genehmigungen zu erteilen.
Neu zugelassen sind nun die Maissorte MON 87460, die fünf Sojabohnensorten MON 87705, MON 87708, die MON 87769, MON 305423 und BPS-CV127-9, die Ölrapssorte MON 88302 sowie die drei Baumwollsorten T304-40, MON 88913 und LLCotton25xGHB614. Erneuert wurden die Zulassungen für die Maissorten T25 sowie NK603, die Ölrapssorte GT73 und die Baumwollsorten MON 531 x MON 1445, MON 15985, MON 531 sowie MON 1445. Erlaubt ist nunmehr auch der Import der Nelkensorten IFD-25958-3 und IFD-26407-2.
Am Mittwoch vergangener Woche hatte die EU-Kommission ein Gesetzespaket bezüglich der Verwendung von GVO präsentiert. Diesem zufolge sollen die Mitgliedsstaaten GVO in Lebens- und Futtermitteln auch dann verbieten können, wenn diese EU-weit zugelassen sind. Allerdings müssen entsprechende Rechtsakte mit dem EU-Recht übereinstimmen und dürfen den internationalen Verpflichtungen der EU nicht widersprechen, insbesondere den WTO-Regeln. Ob und wann die neuen Regeln in Kraft treten, ist offen.
April 24th
24.04.15
von
Klaus Fischer
„Die Gesundheitsreform muss zum Magneten für Innovation werden“, betonte Robin Rumler, der Präsident des österreichischen Pharmaindustrie-Verbandes Pharmig, bei dessen Generalversammlung am 24. April in Wien. Es gelte, neue Arzneimittel früher für die Patienten verfügbar zu machen als bisher. Rumler fügte hinzu, die Pharmaindustrie weise eine globale Forschungs- und Entwicklungsquote von etwa 14,4 Prozent auf und liege damit unter allen Branchen an der Spitze. In den meisten Industriezweigen belaufe sich die Quote auf nur etwa drei Prozent. Zumal in Österreich sei die Politik aufgefordert, attraktive Investitionsbedingungen für innovative Pharmaunternehmen zu bieten. Rumler zufolge ist Österreich zwar nach wie vor ein guter Wirtschaftsstandort. Es habe aber durchaus Potenzial, noch besser zu werden, wie etwa die Schweiz mit ihrer starken Pharmabranche zeige. Allerdings: „Wenn wir nichts tun, kommen wir sicher nicht weiter.“
Mutter des Versagens
Der Vorsitzende des Rates für Forschung und Technologieentwicklung (RFT), Hannes Androsch, kritisierte, Österreich sei „von der Überholspur auf die Kriechspur“ gewechselt. Und der Erfolg der Vergangenheit könne „zur Mutter des Versagens werden, wenn man in Bequemlichkeit und Selbstgefälligkeit versinkt.“ Mit Schönreden und Gesundbeten ließen sich jedenfalls keine Probleme lösen, zumal im Bildungsbereich, der für den Wirtschaftsstandort höchste Bedeutung habe. „Denn ein Land wie Österreich, das kaum über Rohstoffe verfügt, muss auf die Talente und Fähigkeiten seiner jungen Leute setzen“, betonte Androsch. Außerdem gelte es, die Einstellung der Bevölkerung zu Technik und Wissenschaft zu verbessern. Ausdrücklich sprach sich der ehemalige Vizekanzler und Finanzminister für die Handelsabkommen der EU mit den USA (TTIP) und Kanada (CETA) aus: „Gerade in einen kleinen Land wie Österreich sollte man verstehen, dass wirtschaftliche Abschottung nichts bringt.“ Freilich gebe es heikle Punkte, etwa die umstrittenen Schiedsgerichte oder die Tatsache, dass Handelsabkommen mit den USA als Gesamtheit nicht zwangsläufig und in allen Details in den 50 Bundesstaaten anwendbar sind. Diesbezüglich müsse die EU eben „aufpassen“.
Androsch forderte die Bundesregierung auf, „Courage aufzubringen“ und die seit langem notwendigen Reformen in Angriff zu nehmen: „Natürlich ist das schwierig. Aber dafür ist die Regierung ja da.“ Und Androsch verwies auf den Staatskanzler Maria Theresias, Graf Wenzel Anton von Kaunitz-Rietberg, der gesagt habe: „Vieles wird nicht gemacht, weil es schwierig ist. Aber Vieles ist nur schwierig, weil es nicht gemacht wird.“
Max-Planck-Gesellschaft für Österreich
Josef Penninger, der wissenschaftliche Direktor des Institute of Molecular Biotechnology (IMBA) an der Akademie der Wissenschaften, ergänzte, Österreich müsse seine Bildungseinrichtungen und Universitäten als „essenziell“ für die Gesellschaft betrachten. Er forderte die Einrichtung einer „Art Max-Planck-Gesellschaft“, da das IMBA, wiewohl das größte Institut an der Akademie der Wissenschaften, im internationalen Vergleich „immer noch viel zu klein“ sei. „Wir sollten die besten Köpfe nach Österreich holen. Davon würden letztlich alle profitieren“, betonte Penninger. Wünschenswert sei weiters die Einrichtung eines „Austrian Stem Cell Centre“, an dem sich auch die Pharmaindustrie finanziell beteiligen solle.
Unternehmen motivieren
In der folgenden Podiumsdiskussion mit Androsch und Penninger konstatierte Pharmig-Generalsekretär Jan Oliver Huber, prinzipiell sei die Branche hinsichtlich der finanziellen Wünsche Penningers durchaus gesprächsbereit: „Aber dafür muss es entsprechende steuerliche Anreize geben. Die privaten Unternehmen gehören motiviert.“ Die Pharmaindustrie bekenne sich zum Standort Österreich und führe etwa derzeit klinische Studien mit mehreren 1.000 Patienten durch. Allerdings müsse die Regierung der vorherrschenden „Atmosphäre der Angefressenheit“ Konter geben und endlich den verkrusteten Strukturen entgegenwirken, „in denen viel Geld versickert.“
Wien oder Berlin
Zu seiner persönlichen Zukunft sagte Penninger, er habe ein „phantastisches Angebot“ aus Deutschland und die Möglichkeit, am Berlin Institute of Health „in der internationalen Champions League zu kicken.“ Dennoch sei es durchaus möglich, ihn in Österreich zu halten. Ob der Hinweis aus der Verwaltung, „dass Wien halt nicht Berlin ist“, dem dienlich sei, ließ Penninger offen. Dem Chemiereport erläuterte der Wissenschaftler, er werde über seinen Verbleib in Österreich „innerhalb der kommenden drei bis vier Wochen“ entscheiden. Druck habe er nicht: „Ich kann meine Forschung überall machen.“
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