Archive - Jun 3, 2026

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Chemieindustrie: Weiter keine Einigung über Kollektivvertrag

Auch die siebte Verhandlungsrunde blieb ergebnislos. Nun wollen die Gewerkschaften ihre Warnstreiks ausweiten. Die Arbeitgeber sprechen von einem Verstoß gegen die kollektivvertragliche Friedenspflicht.

 

Auch in der siebten Verhandlungsrunde über den neuen Kollektivvertrag der österreichischen Chemieindustrie erfolgte keine Einigung zwischen dem Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) und der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) sowie der Produktionsgewerkschaft (PROGE). Die Verhandlungen wurden nach 14 Stunden unterbrochen. Ein neuer Termin wurde nicht vereinbart. Ab kommender Woche wollen die Gewerkschaften ihre Warnstreiks auf bis zu acht Wochenstunden ausweiten, verlauteten sie in einer Aussendung. Wie es darin hieß, reduzierten sie ihre Forderungen nach einer Erhöhung der Löhne und Gehälter von 3,5 auf drei Prozent. Dem gegenüber liege das Angebot der Arbeitgeber faktisch bei 0,79 Prozent und solle überdies erst ab 1. Oktober statt ab 1. Mai gelten. Dies sei „mehr als unverschämt und zeigt die Geringschätzung, die den Beschäftigten entgegengebracht wird“.

 

Seitens des FCIO hieß es dem gegenüber, seit 2020 seien die Löhne und Gehälter „kumuliert“ um zwölf Prozent stärker erhöht worden als in Deutschland, dem wichtigsten Markt und zugleich wichtigsten Konkurrenten der österreichischen Chemiebranche. „Diesen 500-Millionen-Euro-Kostenrucksack schleppen unsere Unternehmen jährlich. Allein im vierten Quartal 2025 haben wir 600 Arbeitsplätze verloren“, hieß es in einer Aussendung. Dieser zufolge boten die Arbeitgeber zuletzt zwei Varianten hinsichtlich der Erhöhung der Löhne und Gehälter an: „0,5 Prozent plus 300 Euro Einmalzahlung bzw. einen Zweijahresabschluss mit einer Erhöhung von zwei Prozent ab Oktober 2026“.

 

Verhandlungsführer Ernst Gruber konstatierte, die angekündigten Streiks seien „ein klarer Verstoß gegen die kollektivvertragliche Friedenspflicht. Wir behalten uns selbstverständlich rechtliche Schritte vor und werden die Unternehmen diesbezüglich beraten“. Gruber ergänzte, „zeitnah“ einen Termin für die nächste Verhandlungsrunde vereinbaren zu wollen. Grundsätzlich schadeten zu hohe Kollektivvertrags-Abschlüsse dem Standort Österreich „noch viel mehr“ als allfällige Streiks.